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Ungewissheit

von Mel0305
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Martin Riedl Reimund Girwidz Sonja Wirth
18.08.2018
28.10.2018
18
32.527
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28.08.2018 2.117
 
Zwei Tage sind seitdem tragischen Unglück vergangen. Man hatte entschieden den schwerverletzten Polizisten einen weiteren Tag im Koma zu lassen, da die Schwellung auch nur sehr langsam zurückgeht. Es werden immer wieder Reflextests gemacht doch sie bleiben erfolglos.
Die Anteilnahme in Wolfratshausen ist überwältigend, als es die Runde machte. Es gab sogar einen großen Artikel in der Zeitung auf der ersten Seite, geschrieben von Barbara Hansen, wem auch sonst. Doch diesmal fiel es auch der kecken Reporterin sehr schwer. Schon allein die Überschrift war nicht ohne, die sie fand.

                               „Polizist rettet kleines Mädchen und verunglückt schwer.“

So steht es in großen Buchstaben auf der Titelseite. Nicht alle Details sind in den Artikel gekommen.

„Polizeiobermeister Franz Hubert wurde, nachdem er ein 6jähriges Mädchen aus einem Abgrund gerettet hat, durch einen umstürzenden Baum schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilt, befand er sich mit dem Mädchen auf dem Rückweg, als durch das Unwetter der Baum den Polizisten förmlich unter sich begrub. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass das Mädchen nahezu unverletzt ist und sie auch angab, dass er sie aus den Weg geschubst hatte bevor er vom Baum getroffen wurde.
Das kleine Mädchen blieb bei dem Schwerverletzten, bis weitere Rettungskräfte eintrafen. Franz Hubert wurde schwer verletzt geborgen und mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik München geflogen, wo er sich derzeit im künstlichen Koma auf der Intensivstation befindet. Weitere Informationen zum Gesundheitszustand des verunglückten Polizisten liegen nicht vor.“
Neben dem Artikel war ein Foto von ihm abgebildet worden.

Der Dienst wird so gut wie es nur geht geführt. Hansi fährt mit Riedl die Streife und es gibt ausnahmsweise nicht viel zu tun. Man könnte fast das Gefühl bekommen, dass das Geschehene die Wolfratshausener zur Besonnenheit aufgerufen hat um es der Polizei nicht noch schwerer zu machen.
Im Krankenhaus, welches Anja nur zweimal kurz verlassen hat, bereitet man alles vor um Hubsi aus dem Koma zu holen. „So, dann wollen wir mal. Schwester Maria, geben Sie ihm das Medikament, aber langsam.“, weist der Arzt sie an. Sie tut dies auch ganz langsam und der Arzt entfernt erst einmal das obere Stück der Beatmungsmaschine um abzuwarten ob er von allein atmet. „Komm schon Franz…ja, so ist gut.“, spricht er leise und entfernt nun auch gemeinsam mit der Schwester den Schlauch. Der Blutdruck steigt kurzweilig stark an, aber auch das pendelt sich schnell wieder ein. Die Werte sehen stabil aus und die Schwester bringt erst mal alles weg, und Anja tritt wieder ans Bett. „Hubsi? Hörst du mich? Bitte…wach auf, du wirst noch gebraucht.“, spricht sie ihm zu. Der Arzt nickt und nimmt Eintragungen in der Akte vor. „Warum wacht er nicht auf Clemens?“, fragt Anja sehr besorgt. „Das kann noch einen Moment dauern und er wird sicher auch nicht lange wach sein, sondern schnell wieder einschlafen. Aber das ist normal, sein Körper ist stark geschwächt. Sprich weiter mit ihm, ich komme in einer Stunde wieder und sehe nach ihm und wenn vorher was ist, lass mich rufen“. Anja nickt und der Arzt geht und lässt sie allein mit ihrem Ex zurück. Sie streicht ihm über den Arm, immer und immer wieder und spricht leise mit ihm, macht ihm Mut.
Es dauert weitere 30 Minuten bevor etwas passiert doch dann flattern die Augenlider des Polizisten und er öffnet sie schließlich ganz und erblickt Anja. „A…Anja…“, krächzt er woraufhin sie schnell aufsteht und ihm sanft über die Stirn streicht. „Hey…da bist du ja.“, bemerkt sie mit einem Lächeln.

Unbemerkt drückt sie den Klingelknopf, damit man weiß, dass etwas ist.. Er sieht sich noch etwas verwirrt um, sofern es ihm möglich ist, denn man hatte ihm zur Vorsicht eine Art Korsett angelegt. Es sollte dazu dienen, dass eine weitere Verletzung seines Rückens vermieden wird, durch eine unachtsame Bewegung. „W…was…ist das?“, fragt er noch immer mit sehr leiser Stimme, weil das Sprechen schon noch anstrengend ist. „Das ist nur vorsichtshalber da, mach dir keine Gedanken Hubsi. Hast…du Schmerzen?“, will Anja wissen gerade, als der Arzt das Zimmer mit Schwester Maria betritt. „Da bist du ja wieder Franz, wie geht es dir?“, will der Arzt von Hubert wissen, und er sieht diesen ziemlich sparsam an. „K…Kennen…m…Moment, Clemens?“, fragt er nun und der Gefragte nickt. „Aber sprich nicht so viel, ich denke dein Hals wird dir sehr weh tun. Ich werde dir nun erzählen was wir bisher wissen und danach besprechen wir alles Weitere okay?“, fragt Doktor Clemens Mehrtens seinen Patienten und dieser nickt ein wenig. Ihm tut wirklich der Hals weh, doch dann spürte er etwas, nämlich das er etwas nicht spürt und da kommt die erschreckende Erinnerung wieder zurück. „I…Ich kann…meine Beine nicht spüren.“, sagt er nun ängstlich und Anja nimmt seine Hand, streicht ihm erneut über die Stirn und passt dabei auf, nicht an seine Wunde zu kommen. „Ich erkläre es dir Franz aber versuch bitte ruhig zu bleiben. Derzeit gibt es eine Schwellung zwischen zwei Wirbeln in deinem unteren Lendenbereich. Wir haben ein MRT gemacht, aber wir können auf Grund der Schwellung nicht erkennen ob da was gebrochen ist. Wir haben dich zwei Tage in einem künstlichen Koma gehalten, damit dein Körper sich erholen kann. Leider ist das nicht so gelaufen, wie wir uns das gewünscht haben und es sieht so aus, als müssten wir operieren“.

Die Informationen seinen Rücken betreffend, treffen Franz Hubert hart, und was der Arzt ihm sonst noch über seinen Gesundheitszustand erzählt, nimmt er eigentlich gar nicht wirklich wahr. Er fängt schon jetzt an zu grübeln und wurde aus seinen Gedanken gerissen, als der Arzt ihm noch einmal in die Augen leuchtet. „Franz? Hörst du mich? Hey…komm schon Junge.“, sagt der Arzt immer wieder bis er wieder in der Realität war. „I…Ich…“, doch er bekommt einfach nichts weiter heraus. „Ruh dich aus, wir reden später weiter. Das war jetzt etwas viel.“ Hubsi nickt kaum merklich und schon fallen ihm die Augen zu und er schläft ein.
„Anja, kommst du bitte kurz mit?“, fragt der Arzt und sie folgt ihm. Er führt sie in sein Büro, bat vorher noch eine Schwester um zwei Kaffee. Sie nehmen auf dem kleinen Sofa Platz, auch Anja ist sehr mitgenommen. „Wie gefährlich ist die Operation Clemens?“, fragt sie nun, nachdem sie einen Schluck von dem eingetroffenen Kaffee, genommen hat. „Nun, sie ist nicht ganz ungefährlich aber wir laufen Gefahr, dass die Schwellung gar nicht zurückgeht und wir bekommen nie heraus was mit seinen Wirbeln ist. Ich werde einen Experten in den USA anrufen, er ist ein Freund von mir und der Beste. Versprechen kann ich natürlich nichts, aber ich hoffe er kann herkommen“. „Wird er…wieder laufen können?“, fragt Anja mit stockender Stimme. „Ich…weiß es nicht. Aber er ist körperlich fit und das kann ihm helfen. Wir tun alles, was in unserer Macht steht. Er braucht vor allem Unterstützung, es wird nicht leicht werden für ihn“. Anja versteht was er sagt und sie ringt um Fassung. Nie hätte sie gedacht, dass ihr Ex-Mann in so eine Lage geraten könnte. „Was meinst du…wann könnt ihr operieren?“, fragt sie ihn. „Ich werde in 2 Stunden in den Staaten anrufen können. Eine E-Mail habe ich schon verschickt, dann weiß ich mehr. Wir werden Franz morgen verlegen in ein normales Zimmer, ich werde veranlassen, dass ein zweites Bett reingestellt wird für dich“. „Danke, ich weiß nur nicht, ob er das will.“, bemerkt sie traurig. „Er wird dankbar sein, dass du da bist. Auch wenn er das nicht so zeigen kann oder zeigen wird“.

Anja muss zwar überredet werden, doch sie fährt erst einmal nach Hause, um zu duschen und sie will auch noch Sachen für Hubsi holen. Nach der Dusche geht es ihr etwas besser, und sie hat unter der Dusche überlegt im Revier vorbeizufahren, bevor sie sich wieder auf den Weg nach München macht.
Bei Hubsi in der Wohnung hält sie sich nicht lange auf, packt ein paar Sachen ein und nimmt den Müll mit raus. Ansonsten war seine Wohnung ordentlich und sie geht wieder. Auf ihrem Weg hält sie im Revier an, tritt ein und geht direkt zur Sonja, die an ihrem Platz sitzt. „Hey Anja, w…was machst du hier? Ist was mit Hubsi?“, sprudelt es gleich heraus. „Er ist wach das ist die gute Nachricht, aber…sag mal sind alle da?“ Sie wollte ungern alles mehrmals erzählen müssen und die junge Polizistin nickt. Sie holt Hansi und Riedl und klopft beim Polizeirat an, wartet auf sein „Herein“, und tritt ein. „Frau Doktor Licht ist da.“, und lässt sie sogleich eintreten, dicht gefolgt von den beiden Polizisten. Anja berichtet den Anwesenden wie der derzeitige Stand ist. „Das heißt…ich kann ihn morgen besuchen?“, fragt Johannes Staller ganz aufgeregt. „Ja, ab morgen darf jeder zu ihm. „Das ist…gut zu wissen.“, sagt der Girwidz nun. „Frau Doktor, wie ist sein seelischer Zustand?“, will dieser nun noch wissen. „Wenn ich das wüsste, ich bin nicht mal sicher, ob er das alles überhaupt verstanden hat was der Arzt ihm erzählt hat. Er war während des Erzählens auf einmal still, reagierte überhaupt nicht, als wäre er ganz weit weg“.

„Ja, das wird sicher ein Schlag gewesen sein. Aber…unser Hubert wird das schon schaffen, er ist nicht unterzukriegen.“, versucht der Polizeirat die Stimmung aufzulockern. Anja sieht auf die Uhr und steht auf. „Ich mach mich mal wieder auf den Weg, und wenn wir Glück haben, dann erfahren wir heute noch, wann die OP stattfindet“. „Grüße ihn ganz lieb von uns und sag ihm das wir an ihn denken und ihm nur das Beste wünschen.“, sagt Sonja noch und dann geht Anja, nachdem sie sich verabschiedet hat.

Nachdem Anja das Revier verlassen hat, hängen die Kollegen ihren Gedanken nach, jeder für sich. Sonja hat sogar Probleme die Tränen zurückzuhalten, Hubsi ist für sie nicht nur ein Kollege, sondern auch ein Freund wie es eigentlich bei jedem ist. Immerhin verbringen sie alle die meiste Zeit des Jahres miteinander. Das Telefon klingelt und bringt sie dazu sich auf anderes zu konzentrieren, sie holt noch einmal tief Luft und hebt ab. „Polizeirevier Wolfratshausen Wirth, guten Tag.“, meldet sie sich Pflichtbewusst wie immer. „Servus Sonja, die Barbara hier. Wisst ihr schon was Neues vom Hubsi?“, klingt ihr die Stimme der Reporterin und ebenfalls Freundin durch den Hörer. „Hallo Barbara, ja man hat ihn heute aus dem Koma geholt, er ist auch wach.“, lässt sie Barbara wissen. „Das sind ja gute Neuigkeiten, kann man ihn besuchen?“, will sie nun munter wissen. „Ähmm…ja ab Morgen wird er auf einem normalen Zimmer sein, die Frage ist nur…“, sagt Sonja leise. „Sonja? Was ist die Frage? Was…Ist was nicht in Ordnung mit ihm? Du hast doch gesagt er ist wach.“, merkt die Reporterin an und ihre Stimme klingt nun wieder etwas besorgt. Die junge Polizistin wischt sich eine Träne weg und erzählt Barbara was sie soeben von Anja erfahren haben. „Mehr wissen wir nicht, Anja wollte uns auf dem Laufenden halten.“, sagt Sonja noch abschließend. „Oh man, armer Hubsi, das wird ihn ziemlich mitnehmen. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“ „So geht es uns hier auch, dass kannst du mir glauben. Seit dem Unfall ist es alles anders hier, er fehlt uns schon jetzt wahnsinnig, wenn ich mir vorstelle das er…“, weiter kommt sie nicht, denn der Staller steht auf einmal vor ihr. „Sprich das nicht aus, der Hubsi wird wieder gesund und dann werdet ihr alle schon sehen, er wird euch dann mit seiner miesen Laune wieder schön auf die Nerven gehen.“, spricht er laut aber unsicher aus. Dann verlässt er fluchtartig das Revier. „Barbara, ich muss Schluss machen und dem Hansi hinterher…ich melde mich bei dir. Und…Bitte wenn du was schreibst…lass das mit der Lähmung erst einmal weg ich glaub, das wäre ihm nicht recht.“, bittet sie noch und legt auf ohne auf eine Reaktion der Reporterin zu warten.

Hans Staller verlässt zwar fluchtartig das Revier doch weit weg geht er gar nicht, er setzt sich auf die Bank, die vor dem Revier steht und seine hängenden Schultern hängen sogar noch weiter runter. Sonja geht zu ihm, und legt ihm eine Hand auf seinen Unterarm. „Hey…natürlich wird der Hubsi wieder, aber…wir müssen auch an…“, „Nein müssen wir nicht!“, widerspricht ihr der Kollege vehement. „Vielleicht hast du recht, und wir müssen wirklich positiver denken. Er wird uns alle brauchen, die Frage ist nur, wie er damit umgehen wird. Du kennst ihn von uns allen wohl am besten. Wir müssen ihn aufmuntern, aber wie?“ Das ist wohl für so ziemlich jeden eine gute Frage und so sitzen sie einfach nur schweigend da und lassen die Zeit verstreichen.
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