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Ungewissheit

von Mel0305
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Martin Riedl Reimund Girwidz Sonja Wirth
18.08.2018
28.10.2018
18
32.527
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Dieses Kapitel
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26.08.2018 1.816
 
Staller ist bei seinen Kollegen im Revier angekommen, für Frau Wildmoser und ihren zwei Kindern hat man ein Taxi gerufen, damit sie zu ihrem Mann und Jessica ins Krankenhaus fahren kann. Sie bedankt sich noch gefühlt 1.000-mal und dass sie hofft das es dem verletzten Polizisten bald besser geht. Dann sind die Polizisten alleine und der Polizeirat hängt schon wieder am Telefon, diesmal versucht er Informationen aus der Klinik zu erfahren. Er wird nicht laut diesmal, aber die Besorgnis ist nicht zu überhören.
„Wir…wir müssen Anja Bescheid sagen.“, bricht Sonja die Stille. „Ich mach das.“, lässt Hansi verlauten doch da tritt der Chef aus seinem Büro und hält ihn auf. „Nein Staller, dass machen Fräulein Wirth und ich. Sie waren die ganze Zeit da draußen und fahren jetzt nach Hause und duschen heiß um sich aufzuwärmen“. „Aber ich…“, setzt er wieder an doch da tritt Riedl an ihn heran. „Hansi, der Herr Polizeirat hat glaube ich recht…komm ich bring dich heim.“ „Danke Riedl, und Sie fahren danach auch nach Hause. Wir müssen um 08:00 Uhr das Büro wiederbesetzen und niemandem ist damit geholfen, wenn wir hier auf den Schreibtischen schlafen.“ Riedl nickt und führt Hans Staller raus, verfrachtet ihn ins Auto und fährt ihn nach Hause.
„Fräulein Wirth, Sie wissen wo Frau Doktor Licht wohnt?“ Sonja nickt und sie nehmen sich ihre Sachen, schließen das Büro ab und fahren gemeinsam zum Haus von Anja.
Es ist bereits viertel nach eins, als sie bei ihr ankommen und klingeln. Nach einem zweiten Klingeln und Klopfen an der Tür, gehen ein paar Lichter an und die Tür wird aufgeschlossen. „Sonja…Herr Girwidz?“, fragt Anja sichtlich erstaunt über den nächtlichen Besuch, hält den Morgenmantel vor ihrem Bauch zu und sieht in ernste Gesichter. „W…Was ist passiert? Ist was mit Hubsi?“, fragt sie nun ängstlich, denn im Grunde ihres Herzens hat sie nie aufgehört ihn zu lieben. „Frau Doktor Licht, es…“, fängt der Girwidz an doch Sonja ergreift nun das Wort. „Es gab einen Unfall und…der Hubsi wurde dabei schwer verletzt.“ Anja schlägt sich die Hand vor den Mund, ihre Stimme beginnt zu zittern und ihre Augen füllen sich mit Wasser. „Nein…w…wie schlimm ist es?“, will sie nun wissen. „Er wurde mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik München geflogen und wird dort gerade behandelt. Genaueres wissen wir noch nicht.“, erzählt nun der Polizeirat. Dann erfährt Anja, um was für einen Einsatz es sich gehandelt hat bevor der Unfall passiert war. Da sie nicht über alle Informationen verfügen können sie ihr auch nicht alles erzählen. Man ist mittlerweile ins Haus gegangen. „Ich muss zu ihm.“, ist alles was Anja hervorbringen kann.
„Aber wir können Sie so nicht fahren lassen. Fräulein Wirth, trauen…Sie sich die Fahrt zu?“, fragt er Sonja nun und diese nickt. Sie könnte eh nicht schlafen und wollte Anja, die zudem ihre Freundin war nicht alleine lassen. Reimund Girwidz gab seine Zustimmung, auch das Sonja nicht um 08:00 Uhr an ihrem Schreibtisch sitzen muss sondern sich ausruhen soll, sobald sie zurück ist. Dann verabschiedet er sich und die Frauen sind allein.
„Sonja…ich…“, fängt Anja an und man sieht ganz deutlich, dass sie keinen klaren Gedanken fassen kann und Sonja nimmt sie in den Arm um sie erst einmal zu beruhigen. „Der Hubsi der schafft das schon, du kennst ihn doch den haut so schnell nichts um“.
Gerade als Anja was sagen will, klingelt ihr Handy, was beide Frauen erst einmal hochschrecken lässt. Auf dem Display leuchtet eine Nummer aus München auf und Anja nimmt mit zitternden Händen ab. Bei dem Anrufer handelt es sich um Schwester Maria aus dem Krankenhaus, man hat herausgefunden, dass Hubert sie als Notfallnummer angegeben hat. Anja ist sehr überrascht deswegen und hört der Schwester zu. „Ja, er ist…gegen Penicillin allergisch und…“, sie musste tatsächlich überlegen, denn sie ist einfach nur durcheinander. Sonja holt ihr ein Glas Wasser, und setzt sich wieder neben sie. „Er…hat eine leichte Unverträglichkeit bei Cortison, aber ob sich das verschlimmert hat, weiß ich nicht. W…Wie geht es ihm?“, fragt sie schlussendlich. „Nun, er ist in einem sehr ernsten Zustand und gerade beim MRT. Nähere Angaben kann ich Ihnen noch nicht mitteilen“. „Ich…komme zu Ihnen ich…muss ihn sehen.“, sagt sie nun noch einmal. Die Schwester verspricht, alles zu veranlassen das man sie auch durchlässt und dass sie den Arzt informieren wird. Sie merkt an, dass Anja vielleicht ein paar Sachen für ihn einpacken soll, dann wird das Gespräch beendet.

Nachdem Anja, Sonja erzählt hat was sie erfahren hat geht sie sich anziehen. Sie schnappt sich eine kleine Reisetasche und packt ein paar Sachen für ihren Ex-Mann ein. Es sind kurioserweise immer noch welche bei ihr, warum weiß sie nicht einmal. Als sie soweit ist, geht sie zurück zu Sonja und dann machen sie sich gemeinsam auf den Weg. Ohne Widerworte lässt sie Sonja fahren und sieht gedankenverloren aus dem Fenster in die Dunkelheit. Sie erinnert sich daran, dass sie auch schöne Zeiten während ihrer Ehe mit Franz Hubert hatte und diese Bilder laufen nun vor ihrem inneren Auge ab. Schmerzlich wird ihr bewusst das sie ihn vermisst, seine Nähe und auch seine emotionale Seite, die er viel zu selten offen zeigt. Als Sonja und sein Chef ihr von der Rettungsaktion erzählten musste sie sogar schmunzeln. Zu Kindern hatte er immer einen ganz besonderen Draht, aber auch das zeigt er selten. Für ihn wäre es überhaupt nicht in Frage gekommen nichts zu unternehmen. Er gab immer den Grantler, und dass er gerne allein wäre, doch sie weiß, dass das ganz und gar nicht zutrifft. Ihr Hubsi ist ein sehr sensibler Mensch und hat schlicht und ergreifend Angst offen zu seinen Gefühlen zu stehen. Darum kommt es auch immer wieder zu diesen kleineren Streitereien, wenn sie aufeinandertreffen. Oftmals geht ihr das gehörig auf die Nerven, doch im Grunde war es schon immer so und eigentlich liebt sie ihn dafür umso mehr.

„Die Ergebnisse vom MRT sind da Doktor und der Patient ist wieder im Schockraum.“, lässt ihn Schwester Maria wissen. Er bedankt sich und macht sich auf den Weg um sich die Aufnahmen anzusehen. Als er wieder in den Behandlungsraum tritt und Hubert erneut in die Augen leuchtet, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Das kann doch nicht sein oder etwa doch? Erst jetzt erkennt er ihn. „Wo ist die Patientenakte?“, fragt er und man gibt sie ihm und da sieht er es noch einmal schwarz auf weiß. Wieso ist ihm das vorher nicht aufgefallen?
„Mensch Franz…was machst du denn für Sachen?“, fragt er kaum hörbar. Der Arzt ist ein alter Schulfreund und sie hatten immer einen guten Kontakt gehabt, bis er für ein paar Jahre in die USA gegangen ist. Da haben sie sich aus den Augen verloren.
„Wir verlegen den Patienten vorerst auf die Intensivstation, er muss unter Beobachtung bleiben. Sieht aus als wären zwei Wirbel in Mitleidenschaft gezogen worden, aber genau kann man auch das noch nicht sehen durch die Schwellung in dem Bereich. Und auch ein Schädelhirn-Trauma ist leider bestätigt. War er zwischendurch bei Bewusstsein?“, fragt er in die Runde. „Nur einmal ganz kurz, hat nach einer Anja gemurmelt und man hat gemerkt, dass er starke Schmerzen hat. Aber wie gesagt nur kurz, dann ist er wieder weggedrifftet“.
Das gefällt dem Arzt nicht wirklich und kontaktiert einen Spezialisten wegen der weiteren Vorgehensweise. Man beschließt, dass es besser ist ihn erst einmal in ein künstliches Koma zu versetzen, so gibt es mit den starken Schmerzen erst einmal weniger Probleme und man kann die notwendigen Medikamente anders dosieren. Er ordnet alles an, und als der Polizist verlegt ist, sieht er noch einmal nach ihm, kontrolliert alle angeschlossenen Geräte und geht wieder. „Schwester Maria ich möchte umgehend informiert werden, wenn sich seine Werte ändern.“ „Selbstverständlich Doktor Mehrtens.“ Sie sieht aus den Augenwinkeln zwei Frauen den Bereich betreten, eine davon in Polizeiuniform. „Ich glaube…,“, deutet sie gerade an als der Arzt sich umdreht. „Anja!“, spricht er leise aus. „Cle…Clemens? W…Wo ist er?“, Anja wird nun wieder unruhig und er hält sie an den Schultern fest, nachdem er sie kurz in den Arm genommen hat. „Komm, ich erzähle dir erst einmal das, was ich weiß. Sie…können auch mitkommen. Ich nehme an Sie sind eine Kollegin vom Franz?“, richtet er sich nun an Sonja. „Ja, Kollegin und Freundin danke“.
Sie gehen gemeinsam in sein Büro wo er die beiden Frauen über alles, was bisher bekannt ist erklärt und erläutert. „Kü…künstliches Koma? Und…für wie lange?“, fragt Anja nun und kann die Tränen nicht länger zurückhalten und auch Sonja hat es nicht verhindern können die ein oder andere Träne zu verlieren.
„Ich weiß es noch nicht, ich hoffe wir kommen mit einem Tag aus. Er braucht jetzt die Ruhe um neue Kraft zu tanken und die geben wir ihm. Wir wissen noch nicht genau, was mit seinen Wirbeln ist, es ist alles drum herum geschwollen, darum kommen wir selbst mit unseren MRT Aufnahmen nicht so weit um einen Bruch ausschließen zu können. Seine Reflexe sind derzeit…negativ in den unteren Extremitäten.“ Erschrocken blicken Anja und Sonja auf. „S…Soll das heißen er ist gelähmt Doktor Mehrtens?“, fragt Sonja die als erstes ihre Stimme wiedererlangt. „Nach dem jetzigen Stand…ja, ist er gelähmt. Es…tut mir leid, dass ich euch keine bessere Auskunft geben kann. Aber wir tun alles um ihn wieder auf die Beine zu bringen, das verspreche ich“. „Kö…Können wir zu ihm?“, möchte Sonja jetzt wissen.
„Ja, aber nicht so lange bitte“. Schweigend bringt er sie beide zu Franz Hubert, welcher allein in dem Bereich der Intensivstation liegt. Die Maschinen um ihn herum piepsen, machen ihre Arbeit. Anja nimmt seine Hand vorsichtig in die ihre. „Du…sturer Kerl…w…warum hast du nicht auf Hilfe gewartet?“, flüstert sie. Auch wenn sie genau weiß, dass das ein unmögliches Unterfangen war. Wenn er sich mal etwas in den Kopf gesetzt hat wurde das auch so gemacht.

Sonja muss bei dem Anblick schlucken, und gemeinsam mit Anja kämpft sie mit den Tränen. Der Arzt hat sie allein gelassen und gibt der Schwester noch die Info, dass den beiden Frauen auf jeden Fall Zutritt gewährt wird, wenn sie auftauchen. Sonja ist die erste, die wieder herauskommt. „Doktor ich glaube nicht…, dass ich Anja von ihm wegbekomme.“, merkt sie an und sie sehen in das Zimmer. Anja hat sich einen Stuhl an das Bett herangezogen und hält nun seine Hand in ihren.
„Lassen Sie sie ruhig, es wird Franz guttun, aber Sie sehen sehr müde aus. Wollen Sie sich hinlegen? „Ich muss zurück nach Wolfratshausen.“, erwidert Sonja. „Ja, nachdem sie etwas geschlafen haben. Sie können sich in meinem Bereitschaftsraum ein paar Stunden hinlegen“. Sonja war zu geschafft um etwas dagegen zu sagen und nachdem sie Anja Bescheid gegeben hat, folgt sie dem Arzt. Kaum hat sie sich hingelegt ist sie auch schon eingeschlafen.
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