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Ungewissheit

von Mel0305
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Martin Riedl Reimund Girwidz Sonja Wirth
18.08.2018
28.10.2018
18
32.527
1
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Dieses Kapitel
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16.10.2018 1.963
 
In der Nacht wird er wach und kann nicht mehr einschlafen. Nach längerem hin und her wälzen, steht er auf und bemüht sich in seinen Rollstuhl und begibt sich in den Trainingsraum. Das alles macht er leise um Anja nicht zu wecken. Sie schläft zwar im oberen Stock, aber sie hat in der Zwischenzeit einen leichten Schlaf entwickelt. Er sieht sich um, und will sich erst einmal warm machen. Das tut er mit den Übungen für die Arme und den Oberkörper. So vergeht die Zeit und er schwitzt schon ganz gut, aber er hört nicht auf. Jessica hat seinen Ehrgeiz geweckt und trainiert hart und macht sogar Beinübungen. Eigentlich darf er das allein nicht doch es ist ja niemand da der ihn aufhalten kann. Als der Morgen graut ist er total erledigt und quält sich förmlich in seinen Rollstuhl, die Kraft zurück in sein Zimmer zu rollen findet er gerade noch und quält sich ins Bett zurück, wo er sofort wieder einschläft. Sein T-Shirt hat er noch ausgezogen, und sich damit etwas abgetrocknet.

Anja geht am Morgen mit seinem Frühstückstablett und den Medikamenten in sein Zimmer und ist verwundert, dass er das T-Shirt ausgezogen hat, welches auf dem Stuhl liegt. Sie berührt es, nachdem sie das Tablett abgestellt hat, und es ist feucht. Erschrocken dreht sie sich zu ihm und berührt ihn, aus Angst er hat Fieber. Was sie auf seinen Ausflug schieben würde, doch seine Stirn ist nicht heiß. Sie runzelt die Stirn, wieso schläft er mit freiem Oberkörper? Und wieso ist sein T-Shirt feucht? „Seltsam“, sagt sie leise, doch es ist nicht leise genug, denn er macht die Augen auf. „Guten Morgen Hubsi,“ sagt Anja mit einem leicht besorgten Tonfall. „Morgen“, erwidert dieser. „Geht’s dir nicht gut? Dein T-Shirt ist feucht, als wenn du stark geschwitzt hättest.“, merkt sie nun an. „Ich weiß auch nicht“, beginnt er seinen Satz während er sich aufrichtet und dann mit freiem Oberkörper so dasitzt. „Ich bin aufgewacht und ich war durchgeschwitzt. Da habe ich das Shirt lieber ausgezogen.“ „Aber geht’s dir gut? Hast du Fieber gehabt? Oder schlecht geträumt?“, muss sie nun noch mal fragen. Doch Franz schüttelt den Kopf, er würde nicht verraten, was er in der Nacht getrieben hat. „Hmm“, macht Anja und kommt noch einmal näher. Wie er so mit freiem Oberkörper vor ihr sitzt, bringt sie sogar ein wenig durcheinander. Natürlich wusste sie wie er ohne aussieht, schließlich waren sie verheiratet, doch das ist ja Vergangenheit. Aber ihr wurde gerade wieder bewusst, wie verdammt attraktiv ihr Exmann ist. „Wir“, sie legt eine kurze Pause ein um sich zu sammeln, „wir müssen das im Auge behalten. Sonst müssen wir Tests machen lassen, nicht dass du dir irgendwas eingefangen hast.“ „Mir geht es gut Anja, wirklich. Wer weiß warum das heute Nacht so war.“ Sie nickt, dann holt sie ihm ein neues Shirt heraus. „Soll ich dir in die Dusche helfen?“, fragt sie ihn nun. „Nein, dass bekomme ich schon allein hin. Dankeschön.“, antwortet er ihr und macht sich auf in den Rollstuhl. Er verspürt den ein oder anderen Schmerz, typischer Muskelkater. Anja lässt ihn allein, damit er sich fertig machen kann.

Nach einer halben Stunde sitzt Franz an seinem Tisch und frühstückt. Den Kaffee hat Anja in einer Thermoskanne hingestellt gehabt, und das Essen selbst hat sie so hingestellt, dass alles schmeckt. Er isst und genießt den Kaffee. Es sieht nach einem sonnigen Tag aus und er würde gerne noch einmal raus in die Stadt. Wobei Wolfratshausen nun nicht so riesig ist aber besser als nichts. Als er fertig ist, sucht er Anja und findet sie in der Küche rumhantieren. „Hey“, sagt er leise, woraufhin sie sich umdreht. „Hey“, reagiert sie und lächelt leicht. „Ich, habe mich gefragt, ob du bereit wärst mit mir“, er macht eine kleine Pause, „Nun, ob du mit mir einen Spaziergang machen würdest.“, so nun war es raus. Ihr leicht überraschter Blick bestätigt ihm, dass sie damit nicht gerechnet hat. „Ja, gern wenn du das wirklich möchtest.“, antwortet sie ihm und er nickt. „Ich möchte einfach raus und, die Sonne scheint so schön. Nur wollte ich nicht wieder weglaufen, was eh nicht möglich ist.“, merkt er dann noch mit einem etwas traurigen Klang an.

Sie machen sich fertig und verlassen sein Reha-Domizil. Anja wollte ihn schieben, doch er besteht darauf, dass er das selbst kann und so lässt sie ihn. Nicht das der Ausflug schon an der ersten Kurve beendet ist. Als sie so durch die Straßen gehen und den Sebastiani-Steg überqueren, werden Hubsi immer wieder Blicke von anderen Passanten zu geworfen. Die Bürger erkennen natürlich ihren Helden und Polizisten, und freuen sich scheinbar ihn endlich zu sehen. Barbara hatte zwischen drinnen immer mal einen kleinen Artikel geschrieben, aber ohne weitere Details. Das Interesse war, so hat Hubsi zumindest angenommen, nicht mehr da. Daher ist er überrascht, wie freundlich ihn die Leute begrüßen und anerkennende Blicke zu werfen. Anja beobachtet das ganze natürlich sehr aufmerksam und sie findet es gut, dass er endlich merkt wie stolz die Menschen waren, aber auch wie sie mit ihm bangen. Seit dem Unfall sind mittlerweile 7 Wochen vergangen, und oft genug kommt ihr der Gedanke in den Kopf, dass das alles auch hätte anders ausgehen können. Er hätte dabei sein Leben verlieren können.

Ein Schrei reißt Anja aus ihren trüben Gedanken und auch Hubsi streckt den Oberkörper in seinem Rollstuhl. Sie sehen wie ein junger Mann eine Frau mit einem Messer bedroht und augenscheinlich ihre Tasche haben will. Kaum hat dieser seine Beute, schubst er die Frau und flüchtet rennend in ihre Richtung. „Bleib stehen!“, schreit ihm Hubsi entgegen doch der Täter grinst nur. Dann geht alles ganz schnell, der junge Bursche ist auf der Höhe des Polizisten als dieser ihn mit dem Rollstuhl anfährt und somit zu Fall bringt. In dem Moment wo er sich aufrappeln will, lässt sich Franz nach vorne fallen und verhindert so, dass er abhauen kann. Der Täter versucht Hubsi abzuschütteln, doch dank der Kraft in seinen Armen und dem Oberkörper hat er kaum eine Chance. Da blitzt das Messer in der Hand des Mannes auf und Franz kann gerade noch so verhindern, dass er getroffen wird und schlägt ihm dies nun aus der Hand. Ein weiterer Faustschlag gegen die Stirn und der Mann ist stark benommen. „Hubsi bist du verletzt?“, fragt Anja voller Sorge. „Nein, mir geht´s gut. Ruf die Kollegen und einen Krankenwagen.“, sagt er und dreht den Kopf zur Richtung von der Frau, die zum Glück von zwei Passanten versorgt wird. Keine 5 Minuten später kommt Wagen 3 um die Ecke und Staller und Riedl steigen aus. „Hubsi, was,“, doch Franz unterbricht Hans. „Nimm ihn mir ab Hans. Riedl, da ist sein Messer nimm das mit.“, deutet er seinem jungen Kollegen mit dem Kinn auf das Tatwerkzeug und dieser tut wie ihm geheißen. Hubsi rollt sich von dem Mann runter, und möchte sich am Liebsten irgendwo anlehnen, denn das hat ihn schon einiges an Kraft gekostet. Der Krankenwagen trifft ein und auch ein Notarztwagen. Während sich ein Sanitäter und der Notarzt um die Frau kümmern, kommt der zweite Fahrer zu Franz.

„Brauchen Sie ärztliche Hilfe?“, will dieser nun wissen und geht vor ihm in die Hocke. „Nein, ich bin okay, denk ich.“ Antwortet er ihm, doch der Sanitäter will ganz sicher gehen. Er geht zurück zum Arzt und berichtet ihm, dass er vielleicht einfach doch mal gucken soll, und so geschieht es dann auch. Während die Frau in den Krankenwagen verfrachtet wird, kommt der Notarzt zu ihm. „Guten Tag, ich bin Doktor Becker. Der Sanitäter meinte ich soll Sie mir mal ansehen.“ Anja war gerade fertig, Hansi und Riedl alles zu erzählen, als sie den Arzt bei ihm sieht. Sie geht schnellen Schrittes rüber, aus Angst er hat doch etwas abbekommen. „Hubsi, bist du doch verletzt?“, will sie nun wissen. „Nein, ich wüsste nicht. Doktor das ist wirklich nicht nötig, mir geht es gut.“, wendet er sich nun an den Arzt, der seine Werte kontrolliert und ihm auch in die Augen leuchtet. „Das ist reine Routine. Können Sie aufstehen?“, fragt der Arzt nun. Der Rollstuhl liegt hinter dem Streifenwagen, so dass er ihn nicht sehen kann. Franz schüttelt den Kopf was den Arzt natürlich sofort alarmiert. Er will gerade die Sanitäter zurückpfeifen, als Riedl mit dem Rollstuhl kommt. „Ah Riedl, danke.“, sagt Anja. „Ich verstehe“, sagt der Notarzt. Gemeinsam mit Riedl setzt der Arzt Franz in den Stuhl, welcher sich erleichtert anlehnt und kurz die Augen schließt um einmal kräftig durchzuatmen.

„Sie sind ziemlich mutig gewesen, sich dem Täter in den Weg zu stellen.“, bemerkt Doktor Becker nun. „Nun, der Hubsi, das ist doch einer von uns.“, lässt Riedl nicht ohne Stolz nun heraus. „Ach, Sie sind der Polizist, der den Unfall hatte?“, fragt der Arzt nun und Franz nickt. „Sie sind ja scheinbar nicht zu bremsen. Hut ab, dass macht nicht jeder.“

Nachdem soweit alles geklärt ist und auch Hubsi seine Aussage seinen Kollegen gegenüber gemacht hat, fahren diese wieder los und Anja und er bleiben zurück. „Möchtest du zurück?“, fragt sie ihn nun. „Ich, weiß nicht. Lass uns doch irgendwo einkehren und einen Kaffee trinken und was essen?“, sagt er nun und sie nickt zustimmend. Sie finden ein Café mit angeschlossenem Restaurant und sie bestellen sich etwas. Er hat Geld eingesteckt und als sie mit allem fertig sind, zahlt er ohne auf die Einwände von Anja zu hören. „Ich möchte es und basta.“, sagt er streng und Anja lässt ihn gewähren.

Dann gehen sie zurück und lassen dem restlichen Sonntag die Seele baumeln.

Die Tage vergehen und die Therapie für Franz geht voran. Nachts schleicht er immer wieder raus und trainiert allein. Anja ist nach einer Woche sehr beunruhigt, weil sie seit einer Woche sein durchgeschwitztes T-Shirt findet und sie keine Erklärung dafür hat. Kurzerhand beschließt sie Clemens anzurufen. „Du Clemens, mit dem Hubsi stimmt was nicht.“, sagt sie besorgt, nachdem sie sich am Telefon begrüßt hatten. „Was ist denn mit ihm?“, fragt der Arzt nun und Anja erzählt es ihm. „Hmm, das kann alles Mögliche sein. Ich würde auf Fieberschübe tippen, wenn sein Körper in der Nacht zur Ruhe kommt, kann es sein, dass er für eine kurze Zeit hohe Temperatur hat und morgens ist alles wieder normal. Aber um das herauszubekommen sollten wir erst einmal Blut abnehmen. So können wir am Besten sehen, ob in seinem Körper irgendwo ein Entzündungsherd schlummert.“ „Okay, ich kann ihm ja die Proben abnehmen. Wie viel Ampullen brauchst du?“, fragt sie gleich weiter. „Nimm ihm bitte 5 Ampullen ab, dass reicht dann völlig aus und ich schicke jetzt einen Boten los.“

Sie verbleiben so und legen auf. Anja geht, bewaffnet mit Spritze leeren Ampullen zu ihm. „Ich muss dir ein wenig Blut abzapfen Franz.“, sagt sie, als sie sein Zimmer betritt. Er dreht sich zu ihr und sieht sie fragend an. „Warum das?“, fragt er. „Wir müssen herausfinden was mit dir nicht stimmt. Es ist nicht normal das deine Shirts jeden Morgen so durchgeschwitzt sind. Wir lassen alles untersuchen und dann wissen wir hoffentlich mehr.“ Sie steht bereits neben ihm und legt ihm die Manschette an. Dann sucht sie eine passende Vene und führt die Nadel ein. „Autsch“, gibt er von sich. Er hasst Nadeln und sieht weg. „Jetzt hab dich nicht so.“, bemerkt sie schmunzelnd. „Das ist nicht notwendig Anja.“, sagt er noch. „Das überlässt du am Besten deinem Arzt und der hat das angeordnet.“ Nachdem sie die 5 Ampullen voll hat, verpasst sie ihm ein Pflaster, beschriftet die Röhrchen und ist in dem Moment fertig wo es an der Tür klingelt. „Das ist der Bote, bin gleich wieder da.“, lässt sie ihn wissen und schon ist sie raus.

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So ihr Lieben, ein Kapitel wird es noch geben, dann ist die Geschichte vorbei. :-)
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