Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ungewissheit

von Mel0305
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Martin Riedl Reimund Girwidz Sonja Wirth
18.08.2018
28.10.2018
18
32.527
1
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.09.2018 3.347
 
Franz bleibt noch bis zum nächsten Montagmorgen im Krankenhaus, die ersten Physiotherapien hat er hinter sich, wenn auch nur für 20 Minuten, aber es muss ja langsam aufgebaut werden. Es ist sehr schweißtreibend und er ist besonders an den ersten drei Tagen sehr kaputt danach, aber jammern tut er nicht. Anja hat dafür gesorgt das Zeug für ihn in dem Haus in Wolfratshausen ist, Trainingsanzüge, T-Shirts eben alles was er braucht und brauchen wird. Sie war bereits zweimal dort um sich alles anzusehen und sie war überwältigt was der Polizeirat da auf die Beine gestellt hat. Hansi, Sonja und auch der Riedl haben tatkräftig in der Freizeit mit angepackt. Sogar Barbara und Sabrina haben geholfen. Sabrina hat sich ebenfalls bereit erklärt dafür zu sorgen, dass es immer frische Brötchen gibt, oder auch gerne mal etwas anderes, man soll einfach Bescheid sagen.

Sonja und Anja sind die zwei, die eine letzte Runde durch das fertig gestellte und vorübergehende Domizil für den Freund und Kollegen drehen, und alles scheint perfekt zu sein. Niemand ahnt zu dem Zeitpunkt, wie hart das alles für Franz Hubert noch sein wird, und dieser am allerwenigsten.

Am Montag wird er nach dem Frühstück transportfähig gemacht und nach Wolfratshausen gefahren. Als sie ankommen, er in sein Zimmer gebracht und in sein Krankenbett gelegt wird, fällt sein Blick auf einen Rollstuhl, der in einer Ecke des Zimmers steht. Das ist ein Moment, der ihn erstarren lässt. Die Sanitäter packen ihre Sachen zusammen und verabschieden sich, Franz bleibt für einen Augenblick allein. Er kann in einen Garten sehen, welcher durch eine Terrassentür zu erreichen ist. So kann Hubsi nach draußen, wenn er es möchte.
Anja betritt nun das Zimmer, „Und, gefällt es dir?“, möchte sie von ihm wissen. Er dreht den Kopf in ihre Richtung. „Es ist ein Zimmer, was soll daran nun so besonders sein?“, fragt er sie statt zu antworten. „Was ist los Hubsi? Heute Morgen warst du voller Euphorie und du hast dich die letzten Tage gefreut, endlich aus dem Krankenhaus herauszukommen. Wir haben viel Zeit und Mühe in dieses Haus gesteckt um es gemütlich zu gestalten. Du sollst dich hier schließlich wohlfühlen, mehr wollen wir nicht, und natürlich das du wieder ganz gesund wirst.“

„Ich wäre gerne etwas alleine Anja. Bitte!“, sagt er nun leise. „Okay, wenn du das möchtest, dann geh ich. Da ist eine Klingel, wenn du was brauchst, drücke einfach drauf.“ Sie dreht sich um und geht Richtung Tür, als sie seine Stimme noch einmal vernimmt. „Das Ding da nimm auch mit.“ Anja dreht sich zurück und folgt dann seinem Blick. „Du meinst den Rollstuhl?“, will sie nun wissen. „Ja.“, mehr sagt er nicht. Anja weiß, dass es im Moment wenig Zweck hat noch mal ein Gespräch anzufangen. Sie nimmt den Rollstuhl und geht raus. Diesen stellt sie einfach nur um die Ecke und geht in den kleinen Wohnbereich. Sonja ist ebenfalls da, wollte aber warten bis Anja „grünes“ Licht gibt um zu ihm zu gehen. „Und? Was sagt er?“, möchte sie nun mit einem Lächeln auf den Lippen wissen. Anja lässt sich auf die Couch nieder. „Er will allein sein, ist auf einmal etwas niedergeschlagen. Wobei, das könnte sogar noch eine Untertreibung sein.“, merkt sie an. „Aber wieso? Er war doch so froh und klang optimistisch.“, sagt sie und setzt sich neben ihre Freundin. „So genau weiß ich nicht, was passiert ist. Aber, ich sollte den Rollstuhl mit rausnehmen. Vielleicht war das jetzt der Auslöser. Geben wir ihm einfach Zeit sich an diese Umgebung zu gewöhnen. Wann wollen die anderen vorbeikommen?“, möchte Anja nun wissen. „Wir haben abgesprochen, dass vor Mittwoch niemand kommt und dann auch nur maximal 2 am Tag. Sonst wird es sicher zu viel, also gerade jetzt am Anfang.“ Anja nickt, die Idee war nicht schlecht. Franz wird sich schon wieder einkriegen, zumindest hofft sie das. Seine mürrische Art war nichts Neues, allerdings muss sie sich auch eingestehen, dass er die härteste Zeit seines Lebens durchmacht.

„Anja?“, reißt Sonja sie nun aus ihren Gedanken. „W…Was?“, „Alles in Ordnung? Du warst gerade irgendwie weg,“ „Ja ich weiß. Entschuldige ich war kurz in Gedanken.“ „Das habe ich gemerkt.“, bemerkt sie mit einem leichten Schmunzeln und sie hat Anja beobachtet. „Du liebst ihn noch oder?“, fragt sie jetzt gerade heraus. Natürlich hat auch Sonja immer von den Kabbeleien mitbekommen, und hat immer geglaubt, dass die beiden das nur auf die Art tun, weil sie noch Gefühle füreinander haben. „Ja, das tue ich wohl. Ich glaube, bedeutet hat er mir immer etwas. Seine Launen gehören zu ihm und das Mürrische, damit kann man sich eigentlich schon arrangieren. Ich bin ja auch nicht frei von Macken und Fehlern. Es gibt nichts Perfektes auf der Welt, niemand ist perfekt ich war vielleicht einfach nur zu feige um die Ehe zu kämpfen und habe ihm keine Chance gegeben.“ So ehrlich hat sie noch nie gesprochen, und dementsprechend ist nun auch Sonjas Blick. „Nun, hast du ihm das mal so gesagt?“ Anja schüttelt den Kopf, „Nein, ich habe nie den Mut aufgebracht.“

Sie reden noch eine Weile, dann verabschiedet sich Sonja erst einmal und geht. Anja geht in die Küche und macht eine Kleinigkeit zu Essen. Sie hofft, dass er was isst, auch wenn seine Stimmung im Keller ist.  Als sie fertig ist, stellt sie alles auf ein Tablett und geht zu ihm. „Hey, ich habe etwas gekocht, hast du Hunger?“, fragt sie ihn. Er dreht den Kopf zu ihr, „Eigentlich nicht, aber da du dir die Mühe gemacht hast.“ Das lässt Anja erst einmal etwas durchatmen. Sie stellt das Tablett auf einen Tisch und den Teller dann zu ihm, ebenso was zu trinken. „Danke Anja. Wegen vorhin ich, der Rollstuhl hat mich irgendwie erschrocken.“ „Ist schon okay Hubsi, ich versteh dich, es ist schließlich eine schwere Situation.“ Franz nickt und beginnt zu Essen, damit es nicht kalt wird. „Aber du weißt, dass du den Rollstuhl brauchen wirst? Zumindest eine Zeitlang, es ist ja nicht für immer. Du hast doch gehört was Clemens und Doktor Johnson gesagt haben. Dadurch das du körperlich fit bist, stehen deine Chancen wirklich gut, dass du wieder laufen wirst.“ Franz isst weiter ohne darauf etwas zu erwidern und Anja lässt ihn in Ruhe. Wenn sie ihn weiter bedrängt, dann macht er ganz dicht, das weiß sie und will das unter allen Umständen verhindern.

Nachdem er aufgegessen hat, räumt Anja alles weg. Wasser zum Trinken lässt sie ihm da und da er weiter nichts möchte ausser etwas schlafen, bevor am Nachmittag der Physiotherapeut kommt, lässt sie ihn in Ruhe und geht raus.

Ein paar Tage vergehen und Franz macht am Anfang soweit gute Fortschritte, der Arzt ist zufrieden, und auch Anja freut sich sehr. Nach einer Woche ist man soweit, dass man den Patienten auf die Beine stellen möchte. Er wird in den Rollstuhl gesetzt und in den Trainingsraum gebracht. Hubsi sieht sich um, und ihm fallen auch Hanteln auf. Natürlich braucht er vor allem Kraft in den Armen und so wird er auch damit trainieren, zum Glück waren die schon trainiert. „Dann wollen wir mal Herr Hubert. Sind Sie bereit?“, fragt ihn der Therapeut. „Und was soll ich jetzt machen?“, fragt dieser. Der Therapeut bringt ihn zu einem Barren, welcher auf seine Größe eingestellt wurde. „Wir wollen versuchen, dass Sie einfach nur aufstehen können. Sie legen die Hände hierher und versuchen sich hochzuziehen. Wir wollen noch keine Schritte wagen, sondern erst einmal nur das aufstehen üben.“ Franz nickt, und legt seine Hände an die Stelle, die ihm der Therapeut zeigt und zieht sich hoch. Als er aufrecht ist, hält ihn der Therapeut an den Hüften fest. „Sehr gut, wie fühlen Sie sich dabei?“. „Komisch, als würde ich auf unbefestigten Untergrund stehen, wie auf Watte.“, antwortet ihm Hubsi. „Das ist normal, haben Sie ein Gefühl in den Beinen? Den Füßen?“, wird er nun gefragt. „Nicht viel, also ich fühle schon etwas, aber ich kann es nicht beschreiben.“ Der Therapeut spürt, dass sein Patient nicht länger stehen konnte und hilft ihm dabei sich wieder in den Rollstuhl zu setzen.

„Ich würde vorschlagen, dass wir folgendes versuchen. Sie werden sich wiederaufrichten und hinstellen, das machen Sie in einem für sich angemessenen Tempo. Wenn Sie wollen, können Sie alle Geräte hier frei nutzen. Die Entscheidung liegt bei Ihnen, aber die Übung mit dem aufstehen ist ein Muss. Das werden wir für die nächsten Tage mit, sagen wir 20 Minuten veranschlagen.“ Franz sitzt im Rollstuhl, die Ellenbogen auf den Lehnen und die Hände ineinander verschränkt, sein Blick ist auf den Therapeuten gerichtet. „Wie lange wird es dauern, bis ich wieder laufen kann?“, möchte er nun wissen. „Nun, das hängt unter anderem von Ihrem Ehrgeiz ab und natürlich von Ihrem Körper. Ein paar Wochen wird es dauern bis sie komplett wiederhergestellt sind. Übertreiben Sie nicht oder stellen die Ansprüche zu hoch, damit könnten wir das Gegenteil erreichen. Ich weiß das Sie so schnell wie möglich wieder laufen möchten, aber vergessen Sie nicht, dass Ihre Verletzung nicht ohne war.“, erklärt er ihm und Franz nickt. „So und nun, wieder aufstehen, kommen Sie.“, spornt ihn sein Therapeut nun an und Hubsi steht auf. Nach 20 Minuten ist er mit der Übung fertig und es war recht anstrengend.

Die nächsten Tage vergehen und der Patient macht weitere Fortschritte, kleine aber sie sind da. Er bekommt zweimal pro Tag Training, welches je eine Stunde beträgt. Seine Arme trainiert er ebenfalls, und diese sind mittlerweile sehr gut durchtrainiert. Ebenso wird ein Krafttraining für die Beinmuskulatur gestartet, welche er an den unterschiedlichsten Kraftstationen absolviert. Das kostet ihn natürlich viel Kraft und sein innerer Schweinehund muss er mehr als einmal überwinden. Er wird jedoch das Gefühl nicht los als ginge das alles viel zu langsam.

Abwechslung bekommt er durch die Besuche seiner Freunde und Kollegen und auch Jessica und ihre Familie kommen immer wieder vorbei. Diese Zeit gibt Franz sehr viel, denn er mag sie alle, doch die Kleine liegt ihm besonders am Herzen. Anja bemerkt es jedes Mal wieder wie anders er ist, wenn die Familie zu Besuch da ist. Sie gibt sich viel Mühe, und Franz weiß das sehr zu schätzen, doch es lässt sich nicht vermeiden das es zwischendurch immer mal kracht und laut wird. Die beiden sind es eben nicht mehr gewohnt permanent Zeit miteinander zu verbringen.

Zwei Wochen ist er nun in dem Haus und Franz kann sich mittlerweile alleine in den Rollstuhl reinsetzen und mit ihm umgehen. So ist er ein wenig unabhängiger und kann sich freier bewegen. „Hubsi, ich will kurz was einkaufen möchtest du was bestimmtes haben?“, fragt ihn Anja, als er gerade in den Wohnbereich gerollt kommt. „Nein, danke ich glaube ich brauche nichts.“, antwortet er. „Okay, ist es in Ordnung, wenn ich dich alleine lasse? Ich beeile mich auch.“ „Ja, natürlich geh ruhig.“ Sie nickt und geht, nachdem sie ihm einen Kuss auf die Wange gegeben hat. Auf diese Gelegenheit hat er nur gewartet und macht sich auf den Weg in den Trainingsraum. Eigentlich gibt es eine klare Ansage, er darf alleine trainieren, jedoch lediglich die Arme trainieren. Doch er war frustriert und wollte endlich weiterkommen. Franz rollt zum Barren rüber und stellt die Bremsen vom Rollstuhl fest. Er legt die Hände drauf und zieht sich hoch, was ihm mittlerweile ohne große Probleme gelingt. Nun versucht er einen Fuß einen Schritt nach vorne zu setzen und ist überglücklich, dass ihm das gelingt. Es ist zwar nur ein kleiner Schritt, aber immerhin ein Schritt. Angespornt davon versucht er natürlich den nächsten Schritt und schiebt dementsprechend den zweiten Fuß nach vorne und auch das gelingt ihm. „Na also, geht doch.“, spricht er zu sich selbst. Es kostet ihn unheimlich viel Kraft, was Franz so jedoch nicht wahrnimmt, da die Freude überwiegt. Ihm gelingen zwei weitere Schritte doch beim fünften lassen seine Arme auf einmal nach, er verliert den Halt und stürzt zu Boden. Er liegt zwischen dem Barren und stöhnt auf, die Landung war alles andere als sanft und er versucht sich umzudrehen, was ihm nicht wirklich gelingt. Bei dem kleinen Aufprall hatte er sich scheinbar an der linken Hand verletzt. „Scheiße verdammte.“, flucht er. Er dreht sich zurück auf den Bauch und bleibt liegen.
Für ihn kommen die nachfolgenden Minuten wie eine Ewigkeit vor, tatsächlich vergehen jedoch lediglich knapp 20 Minuten als Anja vom einkaufen zurückkommt. „Hubsi ich bin wieder da,“ spricht sie aus, als sie die Tür schließt. Doch im Wohnbereich ist niemand und so bringt sie die Einkäufe erst einmal in die Küche und packt aus. „Hubsi?“, ruft sie dann jedoch noch mal. „Hier,“ kommt es etwas kleinlaut zurück. Sie lässt den Rest erst einmal liegen und geht im Haus herum und findet ihn schlussendlich im Trainingsraum. Natürlich erschrickt sie, ist aber mit wenigen schnellen Schritten bei ihm. „Hubsi, was ist denn passiert?“, fragt sie als sie sich neben ihn kniet. „Halb so wild, kannst du helfen bitte. Ich,“ es folgt eine kurze Pause eh er weiter spricht. „Ich schaffe das allein nicht.“ „Natürlich helfe ich dir.“, sagt sie und sieht zu wie sie ihm am Besten helfen kann. „Warte, ich glaube es ist besser ich stell den Rollstuhl so dicht wie möglich neben dich.“ Und so tut sie das, indem sie ihn fast direkt neben ihn schiebt, die Bremsen feststellt und begibt sich wieder zu ihm. Sie packt ihn dreht ihn erstmal auf den Rücken und mit ihrer Hilfe setzt er sich auf. „Du hast dir einen kleinen Cut zugezogen an der Stirn.“, stellt sie besorgt fest. „Das ist nichts.“, wiegelt er ab. Es dauert eine Weile und irgendwie schaffen die beiden es, dass er wieder im Rollstuhl sitzt. Anja bringt ihn in sein Zimmer, wo sie ihm in das Bett hilft. Sie bemerkt, dass er leicht zusammengezuckt ist als er sich auf die linke Hand stützt. „Was ist mit deiner Hand? Hast du dich da auch verletzt?“, will sie jetzt wissen. „Ich bin blöde drauf gefallen.“ „Ich würde jetzt schon ganz gerne wissen was passiert ist Franz. Wie bist du bitte zwischen dem Barren gelandet?“, will sie nun wissen, wie sie sich nebenbei den kleinen Cut ansieht. Da wird ein Pflaster ausreichen, aber eine Beule wird er definitiv bekommen, eine Kleine. „Ich habe versucht die Übung alleine zu machen.“, antwortet er und hofft das sie sich damit zufriedengibt. „Du meinst die zum Aufstehen?“, und er nickt. „Du weißt das du die nicht alleine machen sollst. Hast du etwa auch versucht zu laufen?“, auf die Frage hin dreht er den Kopf zur Seite. „Das kann doch nicht dein Ernst sein Franz. Welcher Teufel hat dich da bitte geritten so etwas alleine zu machen? Die Übungen darfst du nur mit Klaas zusammen machen. Und ich weiß das ihr noch keine Laufübungen gemacht habt.“, sagt sie nun etwas vorwurfsvoll. „Ja meinst du das weiß ich nicht? Scheiße ich lieg hier einfach nur nutzlos rum und komme kein Schritt weiter.“ Die Ironie in seinen Worten waren kaum zu überhören. „Anja, ich will endlich wieder laufen verstehst du das? Es ist eine Höllenqual hier zu liegen und diese verdammte Decke anzustarren. Ich will raus.“ „Das kannst du doch, du hast hier eine wundervolle Terrasse und einen wunderschönen Garten dazu. Du kannst jederzeit mit dem Rollstuhl raus.“ Er sieht sie entgeistert an. „Meinst du das ist alles? Ich bin dann draußen und gut ist?“ „Immerhin bist du dann draußen Franz.“, sagt sie trocken. Sie merkt nicht, wie sehr sie ihn mit ihren Worten verletzt. Ihm kommen auf einmal die schlimmsten Gedanken.

„Ihr habt mich angelogen stimmts?“, fragt er nun. Anja ihr Blick zeigt, dass sie irritiert ist. „Was meinst du?“, fragt sie ruhig, es reicht das er gerade sehr aufgewühlt ist. „Ihr veranstaltet all diesen Zirkus hier um mich darauf vorzubereiten, dass ich nie wieder laufen werde oder?“, fragt er mit einer sehr unterkühlten Stimme. „Was? Wie kommst du denn bitte darauf? Das ist doch Blödsinn, natürlich wirst du wieder laufen können.“ „Achja? Und warum wird dann dafür gesorgt, dass ich viel Training in die Arme lege? Warum darf ich keine Schritte versuchen? Sag es mir! Weil ihr genau wisst, dass ich auf ewig in diesem Scheißding sitzen werde!“. Seine Stimme ist hart und laut, Franz ist aufgebracht und sie weiß nicht, wie sie ihn gerade beruhigen soll und von seinen komischen Gedanken wegzubringen. „Jetzt beruhige dich doch erst einmal wieder. Ich rufe Clemens an, der wird dir das alles noch einmal erklären, und dann kann er sich auch gleich deine Hand anschauen.“ „Ich will mich nicht beruhigen. Ihr habt mich belogen.“, schreit er jetzt förmlich und räumt vor lauter Wut mit seinem rechten Arm den Tisch neben seinem Bett ab.
Anja macht ein paar Schritte zurück, so aufgebracht war er selbst an dem Tag nicht als er im Krankenhaus erfahren hat, das sie ihn operieren wollen, und die Vorbereitungen ohne seine Zustimmung getroffen hatten. Sie lässt ihn alleine um Clemens anzurufen. „Anja, hallo. Na, alles okay?“, fragt er freundlich und mit einem Lächeln, als er ihren Namen auf seinem Display sieht. „Clemens, du musst herkommen. Hubsi ist komplett durch den Wind.“, spricht sie aufgeregt und Clemens hat Mühe ihr zu folgen. „Anja, ganz ruhig. Was ist mit ihm?“, fragt er sie nun ganz ruhig. „Ich war einkaufen und als ich zurückgekommen bin, habe ich ihn im Trainingsraum gefunden. Er ist gestürzt und gerade eben hat er behauptet wir würden ihn anlügen. Clemens bitte komm schnell her, ich kenne ihn so nicht.“, sagt sie nun und ihre Stimme zittert. „Ich bin in 20 Minuten da, lass ihn erst einmal in Ruhe.“
Sie legen auf und Clemens ist bereits in seinem Auto und fährt los. Seine Arzttasche und Medikamente hat er dabei und auch im Haus gibt es welche, da man auf alles vorbereitet sein musste.

Nachdem Anja aufgelegt hatte, geht sie noch einmal zum Zimmer ihres Ex-Mannes und sieht durch den Türspalt. Noch immer sieht er sehr aufgewühlt aus, sie will gerade eintreten als er sie bemerkt. „Was willst du?“, fragt er hart. „Mit dir reden.“ „Ich will nicht reden, lass mich alleine.“ „Aber Franz ich,“ weiter kommt sie nicht da fliegt auch schon etwas in ihre Richtung und verfehlt sie. „Spinnst du jetzt komplett oder was?“, wirft sie ihm wütend entgegen, auf dem Boden neben ihr liegt eigentlich nur ein Paket Taschentücher und er hat mit Absicht daneben geworfen. „Lass mich in Ruhe verdammt! RAUS!“, schreit er sie nun an und sie zieht sich mit Tränen in den Augen zurück. Sie lässt sich auf das Sofa sinken und weint.

15 Minuten später trifft Clemens ein und nimmt sie erst einmal tröstend in den Arm. „Hey, es wird alles wieder gut.“, sagt er ruhig und streicht ihr dabei über den Rücken. Für Anja ist das gerade genau das, was sie braucht und sie schmiegt sich an ihn. „Ach Clemens, er ist einfach so stur. Ich war noch einmal bei ihm, aber er hat mich rausgeschmissen und sogar was nach mir geworfen.“ „Hat er dich getroffen?“, fragt er gleich. „Nein, und selbst wenn, es war nur eine Packung Taschentücher. Was anderes hat er nicht mehr greifbar gehabt. Er hat in seinem Frust alles von seinem Tisch gefegt.“ „Weißt du warum er im Trainingsraum war?“ Anja nickt und erzählt ihm das, was sie weiß. „Ich habe befürchtet das so etwas über kurz oder lang passiert.“, sagt er dann als sie endet. „Wie meinst du das? Depressiv? Nein, nicht der Hubsi.“ „Ich weiß wie schrecklich das klingt. Aber so wie du mir das gerade alles geschildert hast, fürchte ich ja. Was hältst du davon, wenn du für uns einen Kaffee kochst und ich schau nach ihm?“, er wollte nicht noch länger warten und Franz notfalls ein Beruhigungsmittel geben. Anja nickt und sieht ihn dankbar an, woraufhin er ihr Gesicht in seine Hände nimmt und die Tränen mit seinen Daumen wegwischt. „Wir kriegen das schon wieder hin. Mach dir keine Gedanken.“, sagt er noch während er sie intensiv ansieht und ihr auf einmal einen Kuss gibt. Als sie sich beide voneinander lösen sind sie sehr verlegen. „Ich geh mal zu ihm.“, ergreift er als erstes das Wort und steht auf. Anja steht ebenfalls auf und geht in die Küche, während Clemens zu Franz geht.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast