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Ungewissheit

von Mel0305
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller Martin Riedl Reimund Girwidz Sonja Wirth
18.08.2018
28.10.2018
18
32.527
1
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02.09.2018 2.005
 
Die Nacht verläuft ruhig im Krankenhaus, Anja ist wieder an seiner Seite und wacht. Sie sitzt an seinem Bett und hält seine Hand als sie einschläft und sie träumt. Sie träumt von der gemeinsamen Zeit mit Franz, denn es waren viele schöne Momente dabei. Die Scheidung war von ihr aus gegangen, warum weiß sie gar nicht mehr so genau. Am Anfang war es immer komisch ihn aus beruflicher Sicht zu sehen doch dann wurde es immer leichter und diese ständigen Kabbeleien waren zur Gewohnheit geworden. Sie war auf der einen Seite traurig, dass er sich nie mit jemandem traf, aber dann irgendwie auch wieder nicht. Ja, sie traf sich hin und wieder mit jemandem und hatte auch mal das ein oder andere Techtelmechtel doch so wie mit ihm war es nie.

Am nächsten Morgen wurde sie von der Schwester geweckt. „Frau Doktor Licht…wachen Sie auf.“, sagt die Schwester leise und berührt sie an der Schulter. Anja rührt sich und sieht sich verschlafen um. Hubsi schlief noch, und so leise wie die Schwester sie geweckt hat, wollte man das wohl auch dabei belassen. „Wie…wie spät ist es denn?“, fragt Anja nun verschlafen. „Es ist 7 Uhr, und Doktor Mehrtens bat mich Sie zum Frühstück zu holen. Vorher können Sie gern im Bereich der Schwestern duschen, wenn Sie das möchten.“ Anja nickt, duschen klingt für sie verlockend. Sie sieht noch einmal zu Franz, streicht ihm über den Arm, gibt ihm einen Kuss auf die Stirn und folgt der Schwester. Auf dem Gang kann sie sich lauter unterhalten. „Warum lässt man ihn schlafen?“, fragt sie. „Ihr Mann war heute Nacht zweimal wach, weil er starke Schmerzen hatte. Es dauerte bis wir das in den Griff bekommen haben, da er auf das eine Medikament nicht ansprach.“ Anja war erstaunt, wieso hatte sie das ganze nicht mitbekommen? Ihren erstaunten Gesichtsausdruck hat Schwester Maria mitbekommen. „Sie haben sehr fest geschlafen und aus dem Grund nichts mitbekommen. Er hat die Klingel betätigt, die neben ihm lag. Er wollte nicht das wir Sie wecken, auch wenn Ihre Schlafposition nicht gerade bequem war.“ Anja muss schmunzeln, selbst jetzt denkt er nicht an sich, sondern an andere. So ist er schon immer gewesen und sie geht davon aus das es auch so bleiben wird, und genau das war ein Punkt, der ihr Angst macht.
Nachdem sie geduscht hat, geht sie zu Clemens ins Büro, natürlich nicht ohne anzuklopfen. Als sie eintritt, kommt ihr Clemens entgegen. „Guten Morgen Anja, darf ich dir meinen Freund und Kollegen Doktor Steven Johnson vorstellen?“ Ein großer athletischer farbiger Mann erhebt sich und reicht Anja die Hand. „Es freut mich Sie kennenzulernen. Sie sind die Ehefrau?“, fragt er. „Die Ex-Frau, aber er…ist mir immer noch sehr wichtig.“ „Verstehe, nun Clemens hat mir erzählt das Ihr Ex-Mann die Operation nicht will?“ Anja nickt traurig, sie hofft das sie ihn noch umstimmen kann. „Ich hoffe das ich ihn noch umstimmen kann. Wie…schätzen Sie seine Chancen ein?“, fragt sie nun. „Nun, erst einmal ist es wichtig die Schwellung zu entfernen, wenn sie nicht von allein weggeht, um den Druck von den Wirbeln zu nehmen der außerdem noch auf die Nerven drückt. Meistens ist das der Grund für die Lähmung, und der Patient kann mit Hilfe einer Rehabilitation das Laufen wieder erlernen.“, erklärt ihr der Arzt aus New York.
„Und…wenn sich herausstellt, dass die Wirbel gebrochen sind? Was passiert dann?“, möchte Anja nun wissen. „Dann werden wir die Wirbel mit Hilfe von Platten verbinden und so versteifen.“ Sie sieht zwischen Clemens und dem amerikanischen Arzt hin und her. „Wird er dann…wieder laufen können?“, möchte sie noch wissen. „Mit einer intensiven Therapie und wenn der Patient mental und körperlich soweit fit ist, dann ist das durchaus möglich. Aber lassen Sie mich noch eines sagen. Die OP ist risikoreich aber dank modernster Technik sind die Chancen besser als noch vor ein paar Jahren.“ „Franz ist bei Doktor Johnson in den besten Händen Anja er hat sich auf solche Fälle spezialisiert.“ „Darum sollten wir keine Zeit verlieren und operieren, je länger wir warten umso schwieriger wird alles.“, merkt Johnson an. „Tja, wenn da nicht der Sturkopf meines Ex-Mannes wäre.“, erwidert Anja fast mutlos.

Jessica hat ihre Eltern schon den ganzen Morgen immer und immer wieder gefragt ob sie nun endlich ins Krankenhaus fahren und ihre Eltern haben ihr versprochen noch einmal im Revier anzurufen um zu fragen ob das nun erlaubt ist. Sie konnten ihrer Tochter diesen Wunsch nicht abschlagen, und sie wollten sich außerdem persönlich bei dem Retter ihrer Tochter bedanken. Erst einmal musste sie in die Schule gehen, nach dem Mittagessen würde man mehr wissen, und dann würden sie entscheiden. Etwas beleidigt geht die Kleine dann in die Schule und ist dann erst einmal abgelenkt.

In der Zwischenzeit hat man Hubsi auf ein normales Zimmer verlegt ihm etwas zu Essen gebracht, was er nur widerwillig gegessen hatte, war es doch nur eine Milchsuppe. Sein Körper musste sich erst einmal wieder an Nahrung gewöhnen, auch wenn es nur 2 Tage waren. Auch seinen heißgeliebten Kaffee hat er am Morgen nicht bekommen, sondern Tee. Es ist kurz vor der Mittagszeit und es klopft an seiner Tür als sich diese kurz darauf öffnet und der Kopf vom Hansi wird durchgesteckt. „Hubsi…darf ich reinkommen?“, fragt er vorsichtig und ungewohnt zurückhaltend. „Du würdest doch so oder so reinkommen. Also steh da nicht in der Tür herum, sonst zieht es zu sehr.“, grummelt er. Hansi schiebt sich rein, schließt die Tür und geht zum Krankenbett. „Na, wie…wie geht es dir? Hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt.“ Hubert sieht ihn ernst an. „Das…habe ich sicher nicht beabsichtigt Hans. Und…naja, wie solls mir schon gehen. Ich will hier raus, aber das geht nicht, weil…“, seine Stimme wirkt unsicher und er spricht es nicht aus. „Ich weiß…und es tut uns allen wirklich leid. Wir denken so viel an dich, sogar der Girwidz weißt du. Wir haben ganz viel Post und Anrufe bekommen, nur wegen dir.“ „Wegen mir? Was ist denn das für ein Schmarrn?“, fragt er nun ungläubig. Von den Zeitungsartikeln weiß er nichts denn die hatte Anja ihm nicht gezeigt, weil sie nicht wusste wie er darauf reagieren würde. „Wieso? Na, du bist ein Held Hubsi, du hast die Kleine gerettet unter so schwierigen Bedingungen, ganz Wolfratshausen spricht darüber.“, erzählt er ihm voller Stolz. „Ich bin…doch kein Held, ich habe meinen Job gemacht, mehr nicht.“ Dann denkt er darüber nach, was da vor ein paar Tagen passiert ist. „Wie…geht es Jessica? Weißt du da was?“, will er nun wissen, denn das interessiert ihn wirklich. „Es geht ihr richtig gut, dank dir. Sie war nur etwas unterkühlt und hat ein paar Kratzer, aber nichts Ernstes. Sie war gestern mit ihren Eltern bei uns im Revier, sie…hat nach dir gefragt.“ „Nach mir? Aber…, dass…versteh ich nicht.“, sagt er etwas verwundert. Er hat ja auch keine Ahnung was passiert ist, als er Bewusstlos war. „Sie wollte nicht mal ins Krankenhaus, sondern sie wollte warten bis man dich geholt hat. Niemand konnte sie dazu bewegen, nicht mal ihr Vater.“
Franz musste schlucken, so gerührt war er. So was von einer 6jähringen, das war unbegreiflich.
Hans Staller bleibt noch eine Weile und erzählt Hubsi von allem möglichen, und dieser lässt ihn einfach reden. Dann wird er jedoch sehr müde und Hansi ist so gefühlvoll und geht. Kaum ist er raus, ist Hubsi auch schon eingeschlafen. Auf dem Flur trifft er auf Anja. „Hansi, warst du beim Hubsi? Da wird er sich ja gefreut haben.“ „Nun, ja ich war bei ihm aber ob er sich gefreut hat, weiß ich nicht so recht. Aber…ich versteh es ja irgendwie.“ „Er braucht diese Operation Hansi, er braucht sie unbedingt.“, sagt sie mit brüchiger Stimme, und er nimmt sie in den Arm. Es ist nur kurz aber sehr ungewohnt. „Ich…muss los Anja, wir kriegen das schon hin.“, dann geht er und Anja holt tief Luft um gefasst zu Hubert zurückzukehren.
Franz schläft bis zum frühen Nachmittag bis er wieder wach wird, Anja liegt neben ihm im anderen Bett und schläft. Er kann nicht verstehen, warum sie ihm nicht von der Seite weicht. Seit er hier eingeliefert wurde war sie da, das hatte er von den Schwestern und vom Arzt erfahren. Sie sind nicht mehr verheiratet und sie durch den Beruf zu sehen war am Anfang schwer. Als er so in seinen Gedanken hängt, kommt Schwester Maria herein. „Sie sind ja wach.“, bemerkt sie. „Ssscchhh…wir wollen Frau Doktor nicht wecken.“, erwidert er wieder. Wie schon in der Nacht. Schwester Maria nickt und checkt erst einmal alles und misst seinen Blutdruck. „Müssen Sie das eigentlich ständig machen?“, will er nun wissen. „Anweisung vom Doktor. Wir müssen auf Grund der schweren Gehirnerschütterung auf Nummer sicher gehen. Ist ja nur zu ihrem Besten.“ „Da ich…keine großen Sprünge machen kann, besteht doch eigentlich keine Gefahr…oder?“, merkt er an, doch die Schwester lächelt nur verhalten. Hubsi lässt den Kopf wieder ins Kissen sinken, es ist ihm einfach nur alles so unangenehm. „Ich habe den Arzt gefragt und…, wenn Sie möchten können Sie einen entkoffeinierten Kaffee bekommen. Aber nur eine kleine Tasse, leider aber auch das hat was mit dem Kopf zu tun und der bevorstehenden Operation.“ Da horcht er auf, „Was für eine Operation?“, will er nun wissen. „Die OP an Ihrem Rücken Herr Hubert.“ „Himmel…ich habe gesagt ich will diese Operation nicht.“, da er etwas lauter geworden ist, wacht Anja auf. „Hubsi…was ist denn los?“, fragt sie verschlafen. „Hast du das veranlasst? Diese Operation mein ich?“, „Jetzt beruhige dich doch…du darfst dich nicht aufregen, das weißt du doch.“ „Ich will mich aber aufregen…es wird über meinen Kopf hinweg etwas entschieden? Das kann doch nicht dein Ernst sein!“ Schwester Maria war das ganze ein wenig zu heikel und so geht sie um Doktor Mehrtens Bescheid zu geben.

„Herr Doktor, ich wollte Sie nicht stören aber…Herr Hubert ist gerade sehr aufgeregt und selbst Frau Doktor Licht kann ihn nicht beruhigen.“ „Schon gut Maria, ich komme sofort. Wir geben ihm ein Beruhigungsmittel, ein leichtes.“ Gemeinsam beeilen sie sich zurückzugehen. Angekommen, ziehen sie das Medikament auf und gehen in das Zimmer, wo Franz mittlerweile mit den Armen wild gestikulierend, Anja versucht begreiflich zu machen, dass er auf das alles nicht die geringste Lust hatte. „Franz, jetzt sei doch nicht so stur, du brauchst die Operation.“, versucht sie es erneut. „Und wer sagt mir das sie erfolgreich ist? Nicht einmal er weiß es.“, und deutet auf Clemens. Dieser gibt Schwester Maria mit einem leichten Nicken zu verstehen ihm das Medikament zu verabreichen, was sie auch umgehend tut, und danach das Zimmer wieder verlässt.
Clemens tritt nun an das Bett, „Franz bitte du darfst dich nicht aufregen und vor allem darfst du keine ruckartigen Bewegungen machen.“ „Woher wollt ihr eigentlich alle wissen…was…was besser für mich ist?“, fragt er nun, bedeutend ruhiger. Clemens war froh, dass das Medikament wirkt. Als Anja und Clemens sich kurz ansehen und dann wieder zu Hubert ist er ganz ruhig und was Anja mehr überrascht als alles andere, das er weint. „Hubsi…nicht weinen, du musst diese Operation machen lassen…schon alleine um die Chance zu ergreifen, dass das mit deiner Lähmung nicht dauerhaft ist.“ Sie ist nun neben ihm ans Bett getreten, legt ihren Kopf an seinen und ihre Hand legt sie um sein Gesicht. „Ich…hab eine Scheißangst Anja…“, spricht er nun aus, was ihn die ganze Zeit beschäftigt. „Was ist, wenn…, dass alles nicht hilft?“, fragt er unter Tränen. „Dann…ende ich in einem Rollstuhl für den…Rest meines Lebens und werde auf ewig…“, „Nein…sprich es nicht aus Hubsi, wir kriegen das hin. Ich werde dir helfen, ich werde bei dir sein. Aber bitte…bitte, bitte lass dich operieren.“, fleht sie ihn nun förmlich an. Der Arzt lässt die zwei erst einmal allein, sein Patient ist ruhig und das ist derzeit alles was zählte. Er braucht Zeit und ein wenig kann er ihm noch geben.
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