You saved me

GeschichteRomanze, Angst / P16 Slash
Belukia Tsubaki
18.08.2018
16.10.2018
10
12711
2
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Und damit habe ich dann auch Kapitel 2 fertig gestellt, in ähnlicher Länge wie Kapitel 1 und hoffentlich nicht zu kurz für euch. Auch dieses Kapitel spielt noch in Bels Heimat, was sich jedoch im nächsten Kapitel ändern wird- Jedoch will ich nichts spoilern. Ich hoffe, auch dieses Kapitel gefällt euch, und ich freue mich über jedes Review :D
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Ein Kind weckte Belukia hektisch, schüttelte ihn. ,,Wach auf! Belukia! Wach auf!" Kaum hatte Belukia seine hellblauen Augen geöffnet, wusste er wieso das Kind so panisch klang, warum es ihn so hektisch weckte. In der Nähe hatten mehrere Polizeiwagen gehalten und einige Männer waren ausgestiegen, hatten die Umgebung abgesucht, bewaffnet mit Pistolen und wild aussehenden Hunden, die laut bellten und die Zähne fletschten. Die Obdachtlosen und die großen Drogenprobleme in diesem Gebiet kannte man und mit den Jahren hatte die Polizei die Verstecke der Kinderbanden und der Drogenhändler herausgefunden und nahm dort stetig Straßenkinder fest, fast kein Ort war noch sicher vor der Polizei. Belukia fand dies unglaublich unfair, schließlich hatten die Straßenkinder dieses Leben nicht gewählt, hatten die meisten doch keine Familien oder solch gewaltsame Familien wie er selber, so dass sie abhauen mussten, in Angst um ihr Leben.  Die Polizisten und die Hunde suchten die Gegend ab, doch ihre Aufmerksamkeit lag zum größten Teil auf denen, die zu fliehen versuchten. Die Hunde bellten wild, und die Polizisten ließen sie laufen. Belukia und das Kind gaben sich ein stummes Zeichen. Dann, auf dieses Signal, liefen sie los. Staub flog auf. Das Bellen von vielen wilden Hunden kam immer näher, wurde lauter und aggressiver, und letztendlich packte ein Hund das Kind das mit Belukia fliehen wollte. Das Kind schrie als die spitzen Zähne des Hundes sich in ihr Fleisch gruben und Belukia blieb stehen, konnte den Blick nicht von diesem grausamen Bild abwenden. Der Hund biss wieder und wieder zu, das Schreien des Kindes wurde immer und immer leiser bis es letztendlich komplett erstarb. Blut sammelte sich, bildete eine Lache unter dem kleinen, schwach zuckenden Körper. Belukia zwang sich, seinen Blick abzuwenden. Er musste rennen, solange der Hund noch abgelenkt war, abgelenkt damit, den Körper eines ehemaligen Freundes zu zerfleischen. Und so rannte er, er rannte, rannte, rannte, und auch, wenn seine Beine schon schmerzten, er konnte nicht langsamer werden, sonst würden die Hunde ihn kriegen und er würde das selbe, grausame Schicksal wie sein Freund erleiden. Ob ihn jemand vermissen würde wenn er starb? Ob jemand um ihn trauern würde? Ein stechender Schmerz riss ihn aus seinen Gedanken, denn der Hund hatte sich nun doch vom entstellten Körper seines Freundes abgewandt und Belukias Bein geschnappt. Belukia schrie auf, doch schaffte es, den Hund mit einem Tritt von seinem Bein loszubekommen und rannte weiter, trotz der stechenden Schmerzen die sich bei jedem Schritt sein Bein hochzogen.

Endlich, der bekannte Anblick des großen, in einem tristen grau gestrichenem Wohnblocks, in dem seine Wohnung lag. Er lief hinein, schleppte sich die vielen, vielen Treppen hoch und brach letztendlich, mit einem gequälten Stöhnen, vor der Tür zusammen. Er klopfte verzweifelt dagegen, in der blinden Hoffnung, dass jemand ihm öffnen würde, und entgegen seiner Entwartungen öffnete tatsächlich jemand. Sein Vater riss die Tür auf und Belukia schreckte etwas zurück, doch sein Vater packte sein Handgelenk und zerrte ihn grob in die Wohnung, wo er ihn zu Boden stieß. Belukia blieb einfach liegen, aus Angst, dass er seinen Vater noch mehr verärgern würde, wenn er aufstehen würde. ,,Wo hast du dich rumgetrieben, du Ratte? Warst du bei diesen schmutzigen, ekelhaften Pennern?" Die letzten Worte spuckte sein Vater ihm verächtlich ins Gesicht und trat ihm hart in die Seite. Belukia keuchte und biss sich auf die Lippe um nicht zu schreien. ,,Ich habe dir verboten, dich mit diesen Pennern abzugeben, du dreckige Ratte! Wenn du wegen denen drogensüchtig wirst, dann kannst du dich verpissen, wir können das nicht bezahlen!" Mit diesen Worten trat sein Vater ihn erneut, wieder und wieder, bis Belukia ihn anflehte, aufzuhören. Die Tränen flossen ihm das Gesicht hinunter, tropften auf den Boden wo sie sich mit dem Blut vermischten was unablässig aus Belukias Wunden floss. ,,Jetzt verpiss dich, ich will dich heute nicht mehr sehen!" Sein Vater zischte und wandte sich von ihm ab, warf seine halbleere Bierdose über seine Schulter auf seinen Sohn, der sich in Schmerzen auf dem Boden wand, und griff sich dann eine neue aus dem Kühlschrank.

Belukia zwang sich, aufzustehen, und in sein Zimmer zu gehen, denn auf keinen Fall wollte er ein zweites Mal den Zorn seines Vaters auf sich ziehen. Er ließ sich auf seiner fleckigen, beißend riechenden Matratze nieder und lehnte sich gegen die Wand die Belukia selbst pink gestrichen hatte, das Geld für die Farbe hatte er auf den Straßen erbettelt. Die Farbe platzte bereits an einigen Stellen ab und gab den Blick auf die weiße, schimmelige Wand frei, doch Belukia war dennoch stolz auf sein Werk. Er wollte die Augen gerade schließen und hoffen, dass auch dieser Tag wieder schnell vergehen würde, als er ein kratzendes Geräusch an seinem Fenster wahrnahm. Erst entschloss er, es einfach zu ignorieren und ihm keine weitere Beachtung zu schenken, doch als es sich wieder und wieder wiederholte stand er doch auf um nachzusehen, was dieses Geräusch verursachte.

Und so zog er die löchrigen, von Motten zerfressenen Gardinen beiseite, und dass, was er nun sah, erschrak ihn etwas. Da saß, einfach so, ein Fuchs auf seinem Fensterbrett. Ein Fuchs mit glattem, gepflegtem Fell, zu gepflegt, als dass das es sich um einen wilden Fuchs handeln könnte. Es musste wohl ein Haustier sein, auch wenn Belukia in dieser Stadt noch nie einen Fuchs gesehen hatte, welcher diesem auch nur annähernd glich, einzig die räudigen Füchse, die Nachts den Müll nach etwas Essbarem durchsuchten kannte er. Doch wenn es sich bei diesem Fuchs um ein Haustier handelte, wieso war dieser hier alleine draußen, bei dieser Kälte und diesem schlechten Wetter?  Er musste wohl weggelaufen sein, vielleicht hatte er einen Hasen oder eine Katze gejagt und so seine Besitzer verloren. Belukias Herz verbot ihm, das arme Ding einfach so alleine draußen in der Kälte sitzen zu lassen, und so öffnete er das Fenster.

Der Fuchs kam hinein, zeigte keine Scheu als er mit einer flüssigen, eleganten Bewegung vom Fensterbrett in das kalte, unbeheizte Zimmer sprang, auf dem schmutzigem, filzigem Teppich landete. Belukia schloss das Fenster wieder damit die kalte Luft nicht hineinkam und dass ohnehin kalte Zimmer nicht noch kälter machte. Belukia sah sich den Fuchs an, nahm sich die Zeit, um ihn ausgiebig zu betrachten.  Er hatte glattes, schwarzes Fell, die Schnauze und die Pfoten jedoch waren weiß, wie in Schnee getaucht. Seine zwei langen, buschigen Schwänze, deren Spitzen ebenfalls schneeweiß waren, hatte er sorgfältig um seine Pfoten gelegt. So einen Fuchs hatte Belukia noch nie gesehen. Zaghaft streckte Belukia seine Hand zu dem Fuchs, welcher diese Geste anscheinend als eine Aufforderung verstand, denn er begann, seinen Kopf an der Hand des Jungens zu reiben. Das Fell des Fuchses war weich und kühl, es lag angenehm an Belukias Hand. Der Junge begann zu lächeln, etwas, was er lange nicht mehr getan hatte, es gab einfach keinen Grund dazu in diesem Leben in dieser kalten, grausamen Welt. Der Fuchs sah den Jungen eine Zeit lang aus hellen, roten Augen an, und hielt diesen Augenkontakt, als er ihm langsam näher kam, wie als würde er die Grenzen des Kindes abklären wollen, es schien dem Kind beinahe so, als würde der Fuchs es fragen, ob es okay wäre, wenn er ihm näher käme. Dem Jungen verlangte es nach diesem physischen Kontakt, hatten seine Eltern ihm diesen doch nie gegeben und dass obwohl ein Kind diesen doch so sehr benötigte. Und auch, wenn es ein einfaches Tier war, so gab dieses ihm das Gefühl, geliebt zu werden. Und so nickte Belukia dem kleinen Fuchs einfach zu, unwissend, ob dieser ihn überhaupt verstehen konnte. Der Fuchs stützte sich mit den Pfoten an Belukias Brust ab, um dessen Kopf zu erreichen und schleckte über seine Nase. Die feuchte Zunge ging immer und immer wieder über Belukias Gesicht und Belukia musste lachen, ebenfalls etwas Seltenes. ,,Du bist süß... wem gehörst du?" Belukia suchte das Tier nach einer Marke oder einer anderen Kennzeichnung ab, konnte jedoch keine finden und lehnte sich seufzend zurück. ,,Wem gehörst du nur…? " Der Fuchs machte es sich auf Belukias Brust bequem und rollte sich dort zusammen und Belukia lauschte dem leisen Herzschlag und dem gleichmäßigem, ruhigem Atem des Fuchses. Belukia schloss die Augen und genoss diese Nähe und bald schlief er auch schon ein.