Warum man seinem Clubkollegen (nicht) einfach so in einen geschlossenen Raum folgen sollte

OneshotRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
Haruhi Suzumiya Itsuki Koizumi Kyon
17.08.2018
17.08.2018
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Es war ein ruhiger Tag im Herbst, als Koizumi mich um ein Gespräch nach dem Unterricht bat. Ich fragte mich, was passiert war. Es war schon seit einigen Wochen recht ruhig um Haruhi und die SOS-Brigade herum gewesen. Allerdings wusste ich, dass Haruhis Stimmung gerade durch diese Ruhe ins Wanken geraten würde. Daher beunruhigte mich das Verhalten von Koizumi sehr. Ihn schien schon seit einigen Tagen etwas zu beschäftigen. Hatte das auch etwas mit Haruhi zu tun? Ich war mir sicher, sobald sich etwas Ernstes in Bezug auf dieses verrückte Mädchen ergeben würde, würde er es mir sofort mitteilen, ob ich das nun wollte oder nicht.
Ich leistete seinem Wunsch also Folge und ging nach dem Unterricht in den Clubraum – als ob ich jemals etwas Anderes machen würde. Da Koizumi mir das nur im Vorbeigehen gesagt und keine spezifischen Angaben zu Zeit und Ort gemacht hatte, erwartete ich, ihn dort anzutreffen. Ganz falsch lag ich damit auch nicht. Koizumi stand vor dem Clubraum und sah nachdenklich aus dem Fenster, während er wartete.
„Was machst du denn hier draußen? Hat Haruhi dich rausgeworfen?“, meinte ich nur und hatte meine Hand schon an der Türklinke, als mich Koizumis Hand stoppte. Was sollte das denn?!
„Warte. Was ich mit dir zu besprechen habe, sollte Suzumiya-san nicht erfahren. Lass uns woanders hingehen. Wir müssen sowieso ein Stück weit fahren.“
Somit folgte ich ihm. Wer war ich schon, ihm zu widersprechen? Er wusste schließlich was er tat. Im Gegensatz zu mir, der von der übernatürlichen Welt um Haruhi herum noch immer überfordert war. Vor der Schule wartete schon ein Taxi auf uns, welches uns aus meiner vertrauten Umgebung herausbrachte. Erneut sah Koizumi nachdenklich aus dem Fenster.
„Wenn Haruhi mitkriegt, dass wir heute nicht mehr zum Club gehen werden, wird sie ausrasten“, versuchte ich ein wenig Smalltalk zu betreiben, nachdem mir diese Stille lästig wurde. Was war nur los mit ihm, auf unserer letzten Taxifahrt hatte er geredet wie ein Wasserfall.
„Wenn es nur das ist, was Suzumiya-san mitkriegt, wäre ich froh. Die sonstigen Folgen wären unabsehbar“, murmelte er geistesabwesend.
„Wie bitte?“
Nun schien er aus seinen Gedanken zu erwachen und sah mich mit seinem typischen Lächeln an. „Tut mir leid. Ich meinte damit nur, dass die Umstände es erfordern, dass wir heute unsere Pflichten vernachlässigen. Und würde Suzumiya-san herausfinden, wo wir hingehen, wären die Folgen nicht abschätzbar. Das hatte ich dir doch schon einmal erklärt“, meinte er.
„Ja, ich erinnere mich.“ Seltsam… das klang gerade irgendwie anders. „Hat sich wieder ein geschlossener Raum geöffnet?“
„Sehr richtig.“
„Und wieso nimmst du mich dorthin mit? Ich meine, da kann ich nichts tun. Du bist der mit den übernatürlichen Fähigkeiten.“
„Da mag ich dir zustimmen, nur ist in diesem Fall deine Anwesenheit von unschätzbarem Wert.“
„Achso?“
Koizumi antwortete darauf nicht. Irgendetwas sagte mir, dass er dieses Thema auch nicht weiter vertiefen würde, bis es notwendig war. Also schwieg ich, bis wir an unserem Ziel angelangt waren.
„Du erinnerst dich doch sicherlich, wie wir in den letzten geschlossenen Raum gelangt sind, oder?“, fragte Koizumi, während er mir seine Hand entgegenstreckte.
„Ja doch.“ So etwas zu vergessen war nun wirklich nicht schwer. Zögerlich nahm ich die Hand. Ich konnte nicht anders, aber ich fühlte mich nicht wohl bei dem Gedanken, mit einem anderen Mann auf offener, dicht besuchter Straße Händchen zu halten. „Worauf wartest du noch?“
„Es ist unbedingt notwendig, dass du die Augen schließt. Mir macht der Eintritt nichts, weil ich diese Fähigkeiten habe, aber niemand in unserer Organisation weiß, wie es sich auf das Augenlicht eines normalen Menschen wie dich auswirkt. Du könntest erblinden. Und das möchte ich ehrlich gesagt nicht wirklich testen.“ Schon nach seinem ersten Satz hatte ich die Augen geschlossen. Der Vortrag war also völlig unnötig gewesen.
Wenige Sekunden später bekam ich von Koizumi die Erlaubnis, die Augen wieder zu öffnen und ich sah mich um. Wir waren – wer hätte es anders gedacht – in einem geschlossenen Raum. Es sah genauso farblos aus wie mein letzter Besuch an einen solchen Ort. Alles in allem für einen geschlossenen Raum nichts Ungewöhnliches – nicht, dass ich jetzt ein Experte in puncto geschlossene Räume wäre. „Du hast mir noch immer nicht gesagt, wieso ich hier bin.“
Mein Begleiter ignorierte die Frage. „Hier entlang“, meinte er nur und zog mich hinter sich her. Erst nach einer Minute fiel mir auf, dass er meine Hand noch immer festhielt und ich wandte mich schnell aus dem Griff. Falls ich irgendeine Reaktion darauf erwartet hatte, so wurde ich enttäuscht.
Wir betraten ein größeres Gebäude. „Im geschlossenen Raum gibt es keinen Strom. Wir müssen also wohl oder übel laufen.“
„Wo wollen wir denn hin?“
„Ganz nach oben, auf das Dach.“
„Na super…“
Der Weg nach oben ging leichter als gedacht. Ob es eine Eigenart des Raumes war, dass sich keine Erschöpfung ausbreitete? Diese Überlegung gab ich an Koizumi weiter, welcher prompt zu einer Theorie zu den physikalischen und biologischen Gesetzen in geschlossenen Räumen ausholte. Als er fertig wurde, kamen wir gerade auf dem Dach an.
Erneut sah ich mich um. „Von hier aus hat man den gesamten Raum im Blick.“
„Ganz recht. Umgekehrt kann man aber von dort unten nicht auf das Dach sehen. Ein klarer Vorteil also“, meinte Koizumi, der wie schon die ganze Zeit auf seine spezielle Art und Weise lächelte. Ich konnte mir nicht helfen, aber das Lächeln wirkte schon seit einiger Zeit anders als sonst. Angespannt vielleicht? Es bereitete mir jedenfalls ein wenig Unbehagen, nicht zu wissen, was in seinem Kopf vor sich ging.
Dieser Gedanke wurde allerdings verdrängt durch die Erkenntnis, dass etwas fehlte in diesem Raum. „Müsste hier nicht dieses blaue Monster – wie nanntet ihr es noch gleich – hier alles in Schutt und Asche legen? Ist es nicht da?“ War das vielleicht der Grund, wieso ich hier war?
„Nein, der blaue Riese ist tatsächlich da. Mal sehen…“ Er stellte sich an das Geländer und ließ seinen Blick schweifen. Dort drüben ist er.“
Koizumi trat beiseite, damit auch ich seinem Blick folgen konnte. Erst entdeckte ich nichts, doch dann sah ich ein paar Straßen weiter ein blaues Wesen – kaum größer als ein Grundschulkind -, welches wahllos Fensterscheiben des ersten Stocks zerstörte. Ich konnte nicht anders, aber ich musste leise lachen. „Ziemlich erbärmlich für einen blauen Riesen, findest du nicht auch?“
„Keineswegs. Am Anfang sieht er immer so aus. Er wächst exponentiell mit Suzumiya-sans schlechter Laune.“
„Ist das so?“ Ich wandte den Blick noch immer nicht von dem Wesen ab. Es sah irgendwie putzig aus.
„In der Tat. Ein geschlossener Raum entsteht, wenn Suzumiya-sans Stimmung auch nur ein wenig getrübt ist. Bessert sich ihre Laune von alleine, verschwindet er wieder. Wird ihre Stimmung schlechter, wächst der blaue Riese, bis er die Größe erreicht, die du neulich erlebt hast. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es fast unmöglich, einen geschlossenen Raum zu entdecken. Dass wir diesen in einem so frühen Stadium gefunden haben, war Zufall und kommt nur sehr selten vor.“
„Was passiert, wenn wir uns in dem Raum befinden, während sich ihre Laune bessert?“
„In diesem Fall werden wir – genau wie dieser Raum – aufhören zu existieren.“ Nun war er derjenige, der aufgrund meines entgeisterten Gesichtsausdruckes kicherte. „Das war natürlich nur ein Scherz. Der Raum würde sich so auflösen wie du es erlebt hast und wir ständen wieder auf der Straße in der realen Welt.“
Diese Antwort beruhigte mich und ich wandte mich wieder dem Riesen zu.
„Da allerdings…“, fuhr Koizumi nach ungefähr einer Minute fort. „…wir nicht im Club erschienen sind, wird sich ihre Laune eher verschlechtern. Meiner Prognose nach aber erst frühestens heute Abend. Sie wird die nächsten Stunden damit beschäftigt sein, Asahina-san zu quälen. Erst, wenn die Schule geschlossen und sie nach Hause gehen muss, wird sie feststellen, dass wir beide ohne dringenden Grund nicht erschienen sind. Sie wird Zuhause darüber nachdenken, eine Nacht darüber schlafen, und morgen früh erst erreicht der Riese eine Größe, die uns gefährlich werden könnte. Bis dahin sind wir hier sicher und meine Gefährten werden nicht erscheinen.“
Nun stutzte ich und runzelte die Stirn. Was er da sagte, klang mehr als nur seltsam. „Dann verstehe ich allerdings nicht…“, meinte ich, während ich mich zu ihm umdrehte. „… wieso wir es provozieren und noch Öl ins Feuer gie-…“ Weiter kam ich nicht, denn Koizumi brachte mich blitzschnell zum Verstummen. Es dauerte einige Sekunden, bis ich begriff, dass er es tat, indem er meine Lippen mit seinen versiegelte.
Es dauerte einige weitere Sekunden bis der Schock darüber aussetzte und ich ihn mit aller Kraft von mir stieß. „Was zur…“
Vielleicht hatte ich ein wenig zu viel Kraft genutzt, denn Koizumi stolperte ein paar Schritte zurück und landete letztendlich auf seinem Po. Für den Bruchteil einer Sekunde fühlte ich ein wenig Reue, bis die Irritation und Wut über den Kuss - ein Kuss verdammt! - von ihm wieder übernahm.
„Kannst du mir vielleicht auch eine logische Erklärung DAFÜR geben?!“
In aller Seelenruhe stand Koizumi wieder auf und klopfte sich ein wenig Staub von seiner Kleidung. „Nun, ich glaube, wenn ich mich nicht gewaltig irre, dann war das ein Kuss.“
„Als ob ich das nicht wüsste!“
„Und trotzdem fragst du nach?“
„Ich will wissen, WIESO du mich geküsst hast!“
Erneut lächelte er. „Das ist dir nicht klar?“
Schon seit dem Kuss versuchte mein Verstand, eine Erklärung dafür zu finden. Nun endlich glaubte ich, bei der richtigen angelangt zu sein. Es war ein Scherz, ganz einfach. Sehr viele seiner Scherze hatte ich ja bisher nicht mitgekriegt. Also konnte es sein, dass er diese Art von Humor hatte.
„Lass auf jeden Fall diese Scherze, es gibt Menschen, die dabei nicht so tolerant sind wie ich.“ Ich ließ meinen Blick wieder über den geschlossenen Raum schweifen.
„Scherze?“
„Ja. Aber jetzt mal im Ernst, was soll ich hier? Wir sind sicherlich nicht hier, um uns zu amüsieren.“
„Doch, genau deswegen sind wir hier.“ Als ich wieder zu ihm sah, stand er plötzlich ganz nah und presste erneut seine Lippen auf meine. Wäre hinter mir nicht das Geländer, hätte ich zurückweichen können. Wegstoßen konnte ich ihn auch nicht, weil er meine Hände auf eben dieses Geländer drückte. Also tat ich das einzige, was mir blieb: Ich drehte meinen Kopf zur Seite. Ich wollte etwas sagen, doch Koizumi, der sich durch meine deutlich gezeigte Abneigung nicht beirren ließ, berührte mit seinen Lippen nun meinen Hals.
„Hey, was…“ Nun reichte es aber. Auch wenn es nur ein Scherz war, das ging eindeutig zu weit. „STOPP!“
Das letzte Wort sagte ich offenbar so laut, dass mein Gegenüber sich erschrak und reflexartig ein, zwei Schritte nach hinten ging. Schnell entfernte ich mich vom Geländer. Nur weg von dieser gemeinen Falle.
Noch immer sah Koizumi so aus, wie die Unschuld in Person. Genauso lächelte er auch immer noch. „Das überrascht mich“, meinte er dann. „Wenn du willst, hast du ja ein ziemlich lautes Stimmorgan. Ob deine Stimme auch in anderen Situationen so laut wird? Nun, ich denke, das werden wir sowieso gleich herausfinden.“
Irritiert starrte ich ihn für einen Moment lang an und war mir nicht sicher, ob ich genau wissen wollte, was er damit meinte, als mir – leider zu spät – auffiel, dass er schon wieder nähergekommen war und erneut versuchte mich zu küssen. Doch nun, wo ich mich nicht mehr sorgen musste, mehrere Stockwerke tief zu fallen, konnte ich nach hinten ausweichen. „Okay...“ Ich atmete einmal tief durch. „Wurdest du mit einem Fluch belegt? Hypnotisiert?“ Ich versuchte noch immer, eine rationale Erklärung für sein Verhalten zu finden. Obwohl Flüche und Hypnose alles andere als rational waren, doch bei den Personen rund um Haruhi herum würde es mich nicht überraschen.
„Wirke ich etwa so?“ Mit einer Geschwindigkeit, die im absoluten Gegensatz zu seinen vorherigen, ruhigen Bewegungen war, stand er vor mir und drückte mich gegen die Wand. Verdammt, ich war schon wieder in einer Falle! „Nein, nicht ganz. Ich stehe unter keinerlei fremden Einflüssen, wenn es das ist, was du fragen wolltest.“ Nun konnte ich mich nur noch für das kleinere Übel entscheiden: Entweder, er küsste meinen Mund oder meinen Hals. Ehe ich mich überhaupt entscheiden konnte, spürte ich Koizumis Lippen schon auf den meinen und die Frage, die mir grade noch im Kopf schwamm, entschloss sich plötzlich dazu zu verschwinden. Ich sah noch das weiße Fähnchen der Frage. Warte, gab sie etwa auf? Gab ich etwa auf? Danach dachte ich ein paar Sekunden lang gar nichts. Mein Kopf war vollkommen leer. Erst als Koizumi sich wieder von mir löste, begann mein Gehirn wieder mit seiner gewohnten Arbeit. Das erste, das mir durch den Kopf schoss, war die Erkenntnis, dass sich der Kuss alles andere als schlecht angefühlt hatte. Diese Erkenntnis verdrängte ich allerdings so schnell wieder, wie sie gekommen war.
„Es freut mich zu sehen, dass dein Körper meinem Vorhaben doch nicht ganz abgeneigt ist. Also war meine These hierzu richtig.“
„Halt die Klappe!“, fuhr ich ihn an. „Welchem Vorhaben? Und wie kommst du darauf, dass es mir in irgendeiner Art und Weise gefallen würde?!“
„Es stand dir gerade ganz deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich hätte ein Beweisfoto machen sollen, doch Handys funktionieren hier nicht. Und was deine erste Frage betrifft...“ Er beugte sich wieder nach vorne. Ich war darauf gefasst, erneut geküsst zu werden, doch seine Lippen wanderten weiter zu meinem Ohr. „Ist das nicht offensichtlich?“
Ich konnte absolut nicht verhindern, dass mir bei seinen Worten und dem Gefühl seines warmen Atems an meinem Ohr ein Schauer den Rücken runter lief. Verdammter eigenwilliger Körper! „Nun...“, begann ich langsam. „Ich habe eine Vermutung, aber das kann ich irgendwie nicht glauben. Sag doch einfach, was du willst.“
„Dich. Deinen nackten Körper sich unter mir windend.“ Ich wollte mir gerade Gedanken dazu machen, inwieweit sich seine Stimme gerade verändert hatte – mit dem Gesagten wollte ich mich wirklich nicht beschäftigen – als mein Gegenüber mir aus heiterem Himmel ins Ohr biss. Ich schlug mir die Hand vor den Mund, sonst hätte ich tatsächlich gekeucht. Dennoch wollte ich mich nicht so schnell geschlagen geben. Mir fiel auf, dass meine Hände wieder frei waren und ich drückte sie bestimmt gegen Koizumis Brust, um ihn ein wenig auf Abstand zu bringen. Ebenso bestimmend und vielleicht auch ein wenig trotzig starrte ich ihn an und fragte: „Gut, wenn ich jetzt einmal davon ausgehe, dass das kein Scherz ist und das tatsächlich dein Ernst ist: Nenne mir einen guten Grund, warum zur Hölle ich mich darauf einlassen sollte.“
„Nun, die offensichtlichen Gründe, dass sowohl ich als auch dein Körper das wollen, mal außen vor gelassen...“ Bei diesen Worten ließ er seinen Blick über meinen Körper schweifen. „... kommst du ohne mich nicht mehr hier weg. Wie ich bereits erklärte, könnten wir noch bis morgen hier stehen, bis es gefährlich wird.“ Obwohl das, was er sagte, wieder nach dem typischen, ruhigen und rationalen Koizumi klang, sagten seine leicht zittrige Stimmlage und sein aufgewühlter Blick etwas völlig anderes. Seine Augen schienen ein wenig zu Glänzen und ich war mir sicher einen Schimmer von Lust darin zu erkennen. Verdammt! Irgendwo musste man wohl zugeben, dass er nicht schlecht aussah. Immerhin gab es viele Mädchen die von ihm schwärmten und...STOPP! Was dachte ich da! Wollte ich mich nicht eigentlich aus dieser brenzligen Situation hinausmanövrieren. Das, was ich da grade gedacht hatte, trug alles andere dazu bei.
Doch noch während ich dabei war, mir ein weiteres Argument zu überlegen, weshalb ich mich ihm auf gar keinen Fall hingeben würde, hörte ich ihn sagen: „Keine Sorge. Ich verspreche dir, dass du es nicht bereuen wirst“, bevor er mich grob an der Jacke packte und zu sich sowie in einen weiteren Kuss zog. In diesem Augenblick siegte wohl mein Körper über meinen Verstand. Jedenfalls wehrte ich mich nicht mehr.
Nach einigen Sekunden – es könnten auch Minuten gewesen sein – tippte seine Zunge gegen meine Lippen und irgendwie schien das rationale Denken bei mir absolut nicht mehr zu funktionieren. Diese Feststellung bereitete mir doch ein wenig Sorgen, als ich meine Lippen öffnete und Koizumi kurz darauf einen kleinen Kampf mit meiner Zunge begann. DAS durfte ich einfach nicht verlieren! Schon alleine, um mir einen kleinen Rest meines Stolzes zu bewahren. Dass ich ihm damit noch mehr in die Hände spielte, nahm ich nur am Rande wahr. Ebenso, dass seine Hände in der Zwischenzeit schon anderweitig aktiv waren.
Erst als seine Hände fast schon quälend langsam über meine nackte Brust strichen, konnte ich ein Keuchen nicht unterdrücken. Ob vor Erregung oder Überraschung war wohl nicht klar zu erkennen. Wenn es Ersteres war, so würde ich das nie und nimmer zugeben.
Einen Augenblick später merkte ich, wie sich seine Lippen von meinen lösten und fast gleichzeitig musste ich dem starken Drang widerstehen, seinen Bewegungen zu folgen, um unsere Lippen wieder zu versiegeln.
Als einige Sekunden nichts geschah, öffnete ich irritiert die Augen. Ich sah, dass Koizumi noch immer – oder schon wieder – das für ihn so typische Lächeln aufgesetzt hatte. Zusammen mit der nun mehr als nur deutlich erkennbaren Lust in seinen Augen wirkte es irgendwie befremdlich.
„Wenn du wüsstest, wie süß du gerade aussiehst mit deiner Röte im Gesicht“, lächelte er. „Und scheinbar scheinst du dein Verlangen nicht einmal mehr zu verstecken.“
„W-Was du dir so alles einbildest…“ Verdammt! Wieso zur Hölle musste ich ausgerechnet jetzt stottern?
„Das ist keine Einbildung, du bist wirklich niedlich. Ich bin wirklich froh, dass ich der Erste bin, der dich so sehen darf.“
Was zur…? Hatte er gerade wirklich das angedeutet, was ich dachte, dass er es angedeutet hätte? „Wie kommst du denn jetzt auf die Idee? Woher willst du wissen, dass ich nicht schon mal eine Freundin hatte?“ Hatte ich zwar noch nie, aber der Wille zählt! Er musste das ja nicht unbedingt wissen.
„Nun, das ist ganz einfach. Du wirkst im Allgemeinen ein wenig unbeholfen. Ich denke nicht, dass du jemals schon Erfahrungen beim Küssen hattest, geschweige denn bei anderen Dingen.“
„A-Ach was, und was ist mit dir? Willst du behaupten, du hast mehr Erfahrung als ich?“ Zugegeben, er konnte verdammt gut küssen, aber das konnte auch nur natürliches Talent sein. Was bedeutet, wenn er dann zusätzlich Erfahrung dazubekommt, wäre das Küssen mit ihm… nein! Energisch schüttelte ich den Kopf. Das konnte und wollte ich nicht weiter vertiefen.
Koizumi lächelte auch weiterhin, während er wieder näherkam. „Nun, ich denke, du kannst bald selbst beurteilen, wie erfahren ich bin.“ und drückte mit diesen Worten erneut seine Lippen auf meine.
Es schien so, als würde er so langsam genug von meinen Lippen bekommen, beziehungsweise, sie waren ihm nicht mehr genug. Denn als sich seine Lippen erneut von meinen lösten, gab es keine große Pause, bevor sie erneut meine Haut fanden.
Über mein Kinn bis hin zu meinem Ohr. Und verdammt, das war zu viel! Ich musste erneut laut keuchen und hatte fast das Gefühl, in diesem Moment gar nicht mehr auf dem Dach eines Hauses irgendwo in einem Raum zu sein, der durch Haruhi Suzumiya geschaffen wurde. Als er erneut mit seiner Zunge über diese Stelle strich, versank meine Welt komplett in den Gefühlen der Lust.
„AH!... Koizumi!“ Ich konnte irgendwo weit entfernt ein leises Kichern vernehmen und stellte erst später fest, dass es von besagtem Jungen kam, der mich gerade an den Rand des Wahnsinns trieb.
Doch plötzlich blieb der Kontakt erneut aus. Leicht verwirrt und auch ein wenig außer Atem starrte ich ihn an und hoffte, dass mein Gesicht vor lauter Röte noch ein wenig fragend aussah.
„Du kannst mich auch gerne bei meinem Vornamen ansprechen.“
Was? Das verwirrte mich doch ein wenig. „Dein Vorname?“
„Ja. Den weißt du doch noch, oder? Als ich mich im Clubraum vorgestellt hatte?“ Erwartungsvoll sah er mich an.
Ich dachte nach. Seinen Vornamen hatte er gesagt, ganz sicher. Nur, wie lautete er? Ich schüttelte den Kopf. „Koizumi ist doch auch gut.“
Ich meinte, eine Spur von Enttäuschung in seinen Augen aufblitzen sehen. Sofort lösten sich seine Hände, die sich erneut ihren Weg zu meiner Brust gesucht hatten, von eben dieser.
„Was wird das?“
„Ich werde nicht weitermachen, bevor du mich nicht bei meinem Vornamen angesprochen hast.“ Er lächelte. Warte… wie konnte er bei diesen Worten so ruhig lächeln?
Er würde nicht weitermachen? Vor ein paar Minuten hätte ich mich über eine solche Ansage gefreut. Doch nun… mein Körper wartete so sehr auf Koizumis Berührungen, dass es beinahe wehtat. Wie bitte hatte dieser Typ das so schnell geschafft? Augenblicklich suchte der letzte Rest Verstand in mir nach seinem Vornamen. Koizumi… Koizumi… „…Itsuki“, murmelte ich. „Du heißt Itsuki.“
Das glückliche Lächeln, das er mir danach schenkte, ließ mein Herz noch schneller schlagen und kurz darauf hatten sich unsere Lippen erneut zu einem gefunden. Doch nur so lange, bis Koi- Itsuki. Er heißt Itsuki. Nur so lange, bis Itsuki sich wieder von mir löste und mich erneut einen Moment musterte. Fast hätte ich genervt gestöhnt, wenn nicht noch immer ein Stückchen Reststolz geblieben war. Was war denn jetzt noch?
„Dir ist klar, dass ich die Absicht habe, hier mit dir Sex zu haben, oder?“
Gerade heraus zu sagen, was er denkt, war so typisch für ihn. Ich spürte erneut Hitze in meinen Wangen und fragte mich unwillkürlich, ob meine Wangen noch röter werden konnten.  Dennoch nickte ich und wich leicht trotzig seinem Blick aus. „Natürlich ist mir das klar. Du versteckst deine Absichten schließlich nicht gerade.“ Und merkwürdigerweise hatte ich nicht wirklich etwas dagegen. Nicht mehr. Ich wusste nicht, ob ich es gut fand, aber dagegen würde ich auch nichts sagen. Dafür hatte er mir meinen Verstand schon zu sehr geraubt. „Ich verstehe nur nicht, wieso.“
Itsuki kicherte. „Wenn du es so gerne wissen möchtest, verrate ich es dir vielleicht… morgen.“
Ohne weitere Zeit mit reden zu verschwenden, widmete er sich wieder der Stelle an meinem Ohr, die mir gerade die stärkste Reaktion abgewonnen hatte. Offenbar hatte das auch Itsuki gemerkt. Ich hatte vorher selbst gar nicht gewusst, dass ich da so empfindlich war.
Nachdem mein Verstand schon vor einigen Minuten seinen Dienst quittiert hatte, bekam Itsuki durch sein Handeln die ungehemmten Reaktionen meines Körpers zu hören und spüren. Dazu gehörte unter anderem unkontrollierbares Keuchen und das Drücken meines Körpers gegen seinen, aber auch – wie ich kurz darauf feststellte – das unbewusste Zupfen meiner Hände an seinem Hemd. Was bitte tat ich da?
Ich spürte, wie Itsuki über mein Verhalten lächelte und ließ von meinem Ohr ab, ohne dabei den Kontakt zu meiner Haut zu verlieren. Langsam wanderten seine Lippen weiter runter zu meinem Hals. Während er es schaffte, sanft mit seiner Zunge über mein Schlüsselbein zu streichen, bekam ich endlich irgendwie die Kontrolle über meine Hände zurück und begann, sein Hemd zu öffnen. Kurz darauf fiel das Kleidungsstück zu Boden.
Itsuki lächelte. „Es ist ein wenig ungerecht, wenn nur du etwas zum Gucken hast, findest du nicht auch?“ Noch bevor er seinen Satz beendet hatte, leistete mein Hemd dem seinen Gesellschaft. „Schon besser.“
Sogleich begann seine Zunge, sich in tiefere Regionen vorzuwagen, doch so quälend langsam, dass ich beinahe wahnsinnig wurde. „I-Itsuki…“, brachte ich keuchend hervor und wollte noch ein „Mehr…“ hinzufügen, als seine Lippen meine linke Brustwarze berührten und mir der Atem wegblieb. Wieso nur fühlte sich das so unglaublich gut an? Ich konnte keinen einzigen klaren Gedanken mehr fassen, und bevor ich mich versah, versagten meine Beine plötzlich ihren Dienst – das erste Mal überhaupt – und ich fand mich vor Itsuki auf dem Boden kniend wieder.
Durch diesen offensichtlichen Sichtwechsel trafen meine Augen auf die deutliche Beule in der Hose von Itsuki und einen Moment war ich ein wenig verunsichert, was jetzt passieren sollte. Ein leises Kichern ließ mich aufblicken, direkt in die amüsierten Seelenspiegel meines… ja, was eigentlich? Freund? Ein einfacher Schulkamerad war er nicht mehr. Spätestens nach dem heutigen Tag.
„Dass du so leicht schwächelst…“
Ich schickte Itsuki einen bösen Blick, der bei seinem Lächeln sofort wieder verschwand. Er ging selbst auf die Knie, nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich innig. Ein leises Stöhnen entkam meiner Kehle und ich schlang meine Arme um seinen Hals. Der Kuss wurde allerdings wieder unterbrochen und Itsukis Lippen streiften mein Ohr, als er mit rauer Stimme flüsterte: „Aber vielleicht ist das ganz gut. So können wir beide nicht mehr so tief fallen, wenn es weitergeht.“
Wenn es weitergeht.
Ein angenehmer Schauer lief meinen Rücken hinab, als mir erneut bewusst wurde, zu was das hier führen würde. Sex mit Itsuki. Mit einem sehr gut aussehenden Itsuki, der doch tatsächlich schon ein bisschen außer Atem war.
Einen Augenblick später machten seine Lippen ohne Umschweife da weiter, wo sie durch meinen plötzlichen Schwächeanfall aufhören mussten.
„Itsuki...“, stöhnte ich. „B-Bitte... was auch immer du tust, hör bloß nicht auf.“
„Das würde mir im Traum nicht einfallen“, lächelte er. „Aber, wenn dir das hier schon solch betörende Geräusche entlockt, wird es für dich bei dem jetzt wohl gar kein Halten mehr geben.“
„Was meinst...?“, wollte ich fragen, doch erneut blieb mir der Atem weg, als ich aus heiterem Himmel seine Hand an meinem Schritt spürte, welche diesen auch sogleich zu massieren begann.
„Itsukiii! Hah!“
Ich schlug mir die Hand vor den Mund, erschrocken über mein eigenes ungehaltenes Stöhnen. Und für den Moment war ich wirklich froh, dass niemand anderes hier war. Das wäre wohl das Peinlichste von Allem. Oh Gott! Wenn das so weiterging, würde es nicht mehr lange dauern, bis ich zu meinem Höhepunkt kam.
„I-Itsuki...Ah!... Warte. Ich…“
„Entspann dich. Es wird alles gut.“
Oh, dieser verdammte…! Ich könnte darauf wetten, dass sein Gesicht selbst jetzt noch total entspannt war.
„Nein. Du sollst… Du sollst auch…“
Gut, das einfache Sprechen war mir scheinbar nicht mehr möglich. Also krallte ich meine Hände in seine Haare und zog seinen Kopf nach oben, damit ich ihn küssen konnte. Während unseres kleinen Zungengefechts ließ ich meine rechte Hand über seinen Rücken wandern und zeichnete kleine Kreise darauf, während meine andere Hand ohne großen Zwischenstopp den Weg zu seinem Hintern fand.
Ich war mir ziemlich sicher, noch nie bei einem Kerl einen so straffen Po gesehen zu haben, wie es sich in diesem Moment anfühlte. Erst nach einigen Sekunden bemerkte ich, dass Itsuki selbst ein Keuchen entwich. Aha! Dann hatte er wohl auch seine Schwachstellen. Es war an der Zeit, sich bei ihm für das Gefühlschaos in mir, welches er verursacht hatte, zu revanchieren.
Zunächst strich ich sanft über seinen Hintern und achtete auf seine Reaktion, bevor ich diesen mit steigender Intensität massierte. Meine Hände bewegten sie völlig automatisch. So, als würden sie instinktiv wissen, was zu tun war. Das war auch gut so, denn durch die Tatsache, dass Itsuki noch immer nicht von meinem Schritt abgelassen hatte, konnte ich schwerlich einen klaren Gedanken fassen. Die betörenden Geräusche, die Itsuki machte, gaben meinem Verstand den Rest und obwohl ich das eigentlich nicht geplant hatte, liebkoste ich seinen Hals mit Küssen.
„So viel Eigeninitiative hätte ich wirklich nicht von dir erwartet, Kyon“, keuchte er.
Ein wohliger Schauer rann über meine Haut, als er meinen Namen aussprach. Nun verstand ich, wieso es ihm so wichtig war, beim Vornamen genannt zu werden. „Wie du mir, so ich dir, Itsuki.“
Mit einem leicht geknurrten „Oh, verdammt!“, zog er mich plötzlich noch näher an sich und rieb seine Hüfte gegen meine. Mir entwich ein lautes Stöhnen, als seine Hose gegen meine Erregung rieb und meine Hände krallten sich automatisch fester in die beiden Gesäßbacken von Itsuki.
Absolut nicht fair!
Mit entschlossenen und doch etwas zittrigen Händen – ich war schwer erregt! Entschuldigt bitte – tastete ich nach seinem Reißverschluss und glücklicherweise dauerte es nicht mehr lange, bis seine Hose in den Kniekehlen hing. Die Boxershorts folgten und ich konnte mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen. „Also, deine Selbstbeherrschung ist wirklich erstaun-mpfh!“
Bevor ich den Satz beenden konnte, versiegelte Itsuki seine Lippen abermals mit meinen. Sofort erwiderte ich den Kuss. Er küsste wirklich so unsagbar gut, dass ich alles andere um mich herum vergaß. So bemerkte ich auch erst nach dem Kuss, dass seine Hände währenddessen aktiv gewesen waren und nun auch mein Unterleib komplett entblößt war.
Itsuki lächelte. „Wie du gerade sagtest: Wie du mir, so ich dir.“
Mit diesen Worten küsste er mich erneut. Diesmal allerdings kam er mir mit seinem Oberkörper entgegen, sodass ich nur Sekunden später auf dem Rücken lag und Itsuki sich über mich beugte.
Ich konnte mir nicht helfen, doch dieser Anblick eines oberkörperfreien Itsukis, der sich über mich beugte und mit diesem mehr als erotischen Gesichtsausdruck ansah, ließ meinen Atem für einen Augenblick stocken.
Ich holte mir meinen Atem in einem Keuchen zurück, als Itsukis Lippen langsam ihren Weg über meinen Hals suchten und seine Hände in südlicheren Regionen aktiv wurden. Er saugte sich knapp über meinem Schlüsselbein fest und ich hatte das Gefühl, dass dort morgen ein prächtig schöner Knutschfleck zu sehen sein würde.
Gedanken darüber konnte und wollte ich mir gerade nicht machen, denn Itsukis Kopf wanderte beständig tiefer und während seine eine Hand meinen Oberschenkel entlang strich und seine andere Hand meine Brustwarzen umspielte, fand sich meine Erektion in seinem Mund wieder und ich stöhnte auf. Verdammt, war das gut!
„Ah… Itsuki!“ Als hätte man mich all meiner Wörter beraubt, war dies das einzige, das ich hervorbringen konnte. Ich spürte, wie seine Zunge spielerisch immer wieder über meine Erektion leckte, während sein Kopf sich kontinuierlich auf und ab bewegte. Noch nie in meinem Leben hatte sich etwas so… großartig und richtig angefühlt. Das lag vermutlich unter anderem daran, dass Itsuki offenbar ganz genau wusste, was er tat. Ich war versucht, ihm mit meiner Hüfte entgegen zu kommen; der letzte Rest meines Verstandes jedoch, der sagte, Itsuki könnte sich dabei verletzen, hielt mich davon ab. Deshalb konnte ich nichts weiter tun als dort zu liegen und zu stöhnen, während die Lust immer mehr Besitz von mir ergriff.
„I-Itsuki…“, stöhnte ich. „M-Mehr…“ Dieses einzelne Wort kam mir wie von selbst über die Lippen. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, was für mich dieses „Mehr“ bedeuten sollte, Itsuki verstand es scheinbar sofort, denn die Hand, die bis zu dem Zeitpunkt meine Brustwarze verwöhnt hatte, wanderte nun auch nach unten zwischen meine Schenkel.
Zusätzlich zu seinem Mund begann nun seine Hand in regelmäßigen Bewegungen auf und ab zu pumpen. Unter all diesen erregenden Eindrücken dauerte es wirklich nicht mehr lange, bis ich dem Höhepunkt nahe stand.
„Itsuki! ...ich-... aahh!“
Die Warnung ging in einem lauten Stöhnen unter und peinlich berührt starrte ich zu dem Braunhaarigen, welcher sich gerade den Mund mit dem Handrücken abwischte.
„Du hast nicht...“ Mein Gesicht wurde heiß, als er mich nur liebevoll anlächelte und sich wieder vorbeugte, um mich zu küssen. Erst nach wenigen Minuten wurde mir klar, dass ich bisher der Einzige war, der zufrieden gestellt wurde. „Itsuki, du-...“
Erneut konnte ich meinen Satz nicht beenden, als er mir nur seinen Zeigefinger auf die Lippen legte.
„Es ist in Ordnung. Beruhige du erst mal deinen Körper. Wir können nächstes Mal gucken, ob wir nicht etwas mehr schaffen.“
Ich wollte protestieren, doch bevor ich meinen Mund öffnen konnte, legte Itsuki seine Lippen auf meine und küsste mich. In mir kam der Verdacht auf, dass er das immer tat, wenn ich die Klappe halten sollte. Nachdem er sich wieder von mir gelöst hatte, ließ ich meinen Oberkörper erschöpft auf den Boden sinken. Noch immer erzitterten mein Körper und mein Verstand durch das unbeschreibliche Gefühl, das Itsuki mich fühlen ließ. Ich hätte ihm diese Geste gerne zurückgegeben.
Als ich das dachte, fiel mir Itsukis Formulierung ein, als er mir quasi verbot, ihn zu befriedigen. „Beim nächsten Mal?“, murmelte ich und sah fragend zu Itsuki, der sich inzwischen neben mich gelegt hatte.
Angesprochener lächelte. Es war wieder sein typisches Lächeln, das, das ich schon am Tag unseres Kennenlernens gesehen hatte. „Natürlich. Ich habe nicht das Gefühl, dass dies das erste und letzte Mal war. Und vielleicht müssen wir uns beim nächsten Mal nicht einmal in einem geschlossenen Raum verstecken.“ Mit diesen Worten zog er mich erneut in einen sanften, langen Kuss. Mich Itsuki vollkommen hingebend, schloss ich die Augen.

Ich öffnete ruckartig die Augen und stellte mir erst einmal die drei wichtigsten Fragen:
1.     Wo war ich?
2.     Wie spät war es?
3.     Würde meine kleine Schwester jemals aufhören mich zu wecken, wenn es noch viel zu früh zum Aufstehen war?
„Kyon! Los, steh auf, na mach schon!“ Ich sah kurz dabei zu, wie das kleine Mädchen auf meinem Bauch herum hüpfte und es mir somit unmöglich machte, wieder einzuschlafen.
Ich sah auf die Uhr. Vier Uhr morgens. Ich musste erst in frühestens zwei Stunden aufstehen. Jetzt reichte es aber!
Ohne ein Wort zu sagen, hob ich meine Schwester hoch, trug sie ungeachtet ihrer Proteste zur Tür, setzte sie dort ab und schloss die Tür ab. Einige Minuten lang klopfte sie ununterbrochen und verlangte Einlass, doch damit stieß sie bei mir auf taube Ohren.
Die plötzliche Stille, als sie in ihr Zimmer ging, war irgendwie unheimlich. Erschöpft ließ ich mich zu Boden sinken und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Tür, als ich nachdachte. Im Grunde wurde mein Bewusstsein von nur einem einzigen Gedanken dominiert:
Was. War. Das? Habe ich von Koizumi geträumt? Das konnte doch nicht wirklich passiert sein, oder? Es musste ein Traum gewesen sein, sonst wäre ich noch immer in dem abgeschlossenen Raum. Zusammen mit Koizumi. Aber es hat sich so real angefühlt… was soll das, ich träume davon, mit Koizumi zu schlafen? Was stimmt nicht mit mir? Oder ist das eine Nebenwirkung von Haruhis Einfluss? Zuzutrauen wäre es ihr. Nein, unmöglich! Ich würde doch niemals so etwas träumen, es sei denn, ich bin in Koizumi… nein, unmöglich! Aber das würde bedeuten, es ist doch passiert. Würde Koizumi so etwas tun? Würde ich so etwas freiwillig mit mir tun lassen? Es hat mir gefallen, verdammt! Richtig gefallen! Mit Keuchen und Stöhnen und allem, was dazu gehört. Was stimmt nicht mit mir?
Reflexartig knallte ich meinen Hinterkopf gegen die Tür. Eine schlechte Idee, wie ich merkte, als der Schmerz einsetzte, allerdings hörten meine Gedanken somit auf, in meinem Kopf Amok zu laufen. Beruhige dich, Kyon. Eins nach dem anderen. Du musst zunächst herausfinden, ob das ein Traum war oder nicht. Ungereimtheit: Ich war nicht mehr im geschlossenen Raum. Warum nicht? Konnte ich mich an irgendetwas von meinem Nachhauseweg erinnern? Ich strengte meinen Kopf an. Die Erinnerung war da, tatsächlich. Doch sie war sehr verschwommen. Ich schien da wie in einer Trance gewesen zu sein.
Koizumi hatte mir nach ein paar Minuten gesagt, dass wir gehen sollten, da der blaue Riese langsam begann, seinem Namen gerecht zu werden. In der richtigen Welt angekommen – mit Klamotten selbstverständlich – rief er ein Taxi, brachte mich nach Hause… obwohl es noch früher Abend war, bin ich sofort schlafen gegangen, weil ich zu ausgelaugt war. Und dann hat meine Schwester mich geweckt.
Es passte alles zusammen, aber… ich konnte und wollte nicht so leicht akzeptieren, dass mein erstes Mal mit einem Jungen in einem von Suzumiya Haruhis geschlossenen Räumen stattfand, auf einem Dach…mit einem Jungen! Ich könnte Itsuki fragen, aber ich war mir irgendwie nicht so sicher, ob dieser mir die Wahrheit sagen würde. Ein Beweis, ich brauchte einen Beweis… „…“ Unsicher stand ich auf und ging leise ins Bad. Ich war sich sicher, dass Itsuki mir Knutschflecken hinterlassen hatte, irgendwo am Oberkörper vielleicht? Wenn ich also einen davon fand, stand fest…
Ich erstarrte, als ich in den Spiegel sah. Ja… Itsuki hatte mir Knutschflecken gemacht und ja… auch welche am Oberkörper. Aber… wieso musste er mir ausgerechnet einen am Hals verpassen, wo ihn jeder, aber auch wirklich jeder sehen konnte?! Dieser…! Ja. Dieser... was eigentlich?
Oje. Vielleicht sollte ich mir darüber später Gedanken machen. Anscheinend hatte meine liebevolle kleine Schwester herausgefunden, dass ich mein Bett und mein Zimmer verlassen hatte. Als ich die Tür zum Flur wieder öffnete, sah ich sie grade mit meiner (!) Bettdecke um die Ecke rennen.
Mit einem Seufzen beschloss ich das weiteres Schlafen keine Chance bekommen würde und begann, mich für den Schultag fertig zu machen.
Als ich einige Stunden später in unserem Klassenraum eintraf, durfte ich mir natürlich das wundervolle Gemecker von Haruhi anhören, wo ich denn gestern gewesen sei. Ich hätte ja die Clubaktivitäten verpasst und sie müsse mir das neue Kostüm für Asahina dann heute zeigen. Das Mädchen tat mir wirklich leid, dass sie ausgerechnet in unserem Club gelandet ist. Zeitreisen oder nicht, das war wirklich nicht fair.
„Hey! Kyon! Hörst du mir überhaupt noch zu?“, stach Haruhi mir gegen die Brust. Wie war das noch? Knutschflecken waren quasi blaue Flecken? Na danke, immerhin wusste ich jetzt wieder, wo Itsuki einen hinterlassen hatte... und was ihre Frage anging: Ganz ehrlich? Nein.
„Ja. Aber können wir das alles nicht nach dem Unterricht klären, wenn die anderen dabei sind? Ich war glaube ich nicht der Einzige, der gestern gefehlt hat, oder?“
Oh... shit. Das hatte ich jetzt nicht wirklich laut gesagt, oder?
Ich schielte vorsichtig zu Haruhi, welche mir nur einen forschenden Blick zuwarf, der ein wenig nach unten wanderte. Der Fleck am Hals war auf der anderen Seite, oder? Stop! Kyon! Keine Panik!
Die Leiterin der SOS-Brigade wandte sich nur ohne ein weiteres Wort und mit unlesbarem Ausdruck von mir ab.
Ich schlug mir innerlich die Hand an die 500-mal vor die Stirn. Das war ja ein guter Start in den Tag. Nicht zu vergessen, dass meine Ohren sich unglaublich heiß anfühlten. Und leider ließ dieses Gefühl für den Rest des Tages nicht nach. Zu meiner Verteidigung ist zu sagen, dass ich auch absolut nichts vom Unterricht mitbekam.
Als wir später im Clubraum saßen, hatte ich das Gefühl mein Kopf würde platzen. Wie rot konnte ein Mensch werden, bevor die Adern platzen?
„Guten Tag, Kyon.“
Diese Stimme. Diese unglaubliche Stimme, die mich gestern noch in den Wahnsinn der Lust getrieben hat. Ich wagte es kurz, zu Koizumi zu gucken und wurde von einem breiten Löwengrinsen begrüßt. Verdammt! Kyon an Kopf! Das Kino darf jetzt abgestellt werden!
„DU!“ Ich zuckte zusammen und das Kopfkino erlosch. Haruhi sei Dank… oder auch nicht. „Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“
„Dir auch erst einmal einen guten Tag, Suzumiya-san“, lächelte er.
„Spar dir das! Wo wart ihr gestern? Kyon sagte, ihr wart gemeinsam unterwegs.“
„Ach, hat er das?“ Ach, hatte ich das? Nein! Hatte ich nicht! Wie kam diese Frau darauf, einfach solche Behauptungen aufzustellen?
„Wir hatten Clubaktivitäten! Und ihr seid einfach unentschuldigt gegangen! Wie soll die SOS-Brigade bekannt werden, wenn die Mitglieder unser höheres Ziel nicht ernst nehmen?“
„Beruhige dich bitte, Suzumiya-san. In Ordnung, ich werde es dir sagen. Ich wollte es eigentlich nicht, aber es muss sein. Nun, um ehrlich zu sein…“
Ehrlich? Nein. Nein! Ehrlich war nicht gut, ehrlich war ganz und gar nicht gut. Konnte ich ihn irgendwie stoppen? Er würde es ihr nicht wirklich erzählen, oder?
„…wir waren ganz im Sinne der SOS-Brigade unterwegs.“
Ich hob überrascht den Kopf und sah, wie Haruhi die Augen verengte. „Erklär das.“
Koizumi räusperte sich. „Kyon und ich waren gestern gerade auf dem Weg zum Clubraum, als eine Person an uns herangetreten ist, deren Namen ich jetzt nicht nennen möchte. Diese Person jedenfalls erzählte uns von übernatürlichen Vorkommnissen, dessen Zeuge sie geworden ist und bat darum, dass wir uns damit beschäftigen. Also sind Kyon und ich der Bitte dieser Person gefolgt und waren den gesamten Nachmittag mit intensiven… Ermittlungen beschäftigt.“
Intensive Ermittlungen. Jep. Aber sicher doch. Genau das war es gestern. Intensive Ermittlungen. Wen wollte der hier eigentlich verarschen? Das Gruselige daran war, dass Koizumi diese Lügengeschichte – die er vorbereitet haben musste, anders konnte ich mir das nicht erklären – so überzeugend vortrug, dass ich selbst sie beinahe geglaubt hätte. Aber nur beinahe. Wenn nicht im Sekundentakt Bilder eines halb- bis völlig nackten Koizumis vor meinem geistigen Auge auftauchen würden. Ich gab mir die allergrößte Mühe damit, meinen Kopf nicht vor lauter Verzweiflung auf die Tischplatte zu schlagen.
„Ihr hättet nicht alleine losziehen dürften! Wieso habt ihr uns nicht Bescheid gesagt?“ Ach ja, da war ja immer noch Haruhi, die sauer auf uns war. Wie es dem Blauen Riesen wohl gerade ging?
„Nun, laut dieser Person war wirklich höchste Eile geboten. Wir hatten keine Zeit, um euch zu holen. Außerdem wollten wir nicht deine kostbare Zeit als Brigade-Chefin verschwenden, indem wir dich mit Dingen belästigen, die noch in keinster Weise bestätigt waren.“
Die Antwort schien Haruhi immer noch nicht zu passen. „Und? Was war das denn nun, dieses übernatürliche Vorkommnis? Habt ihr etwas herausgefunden?“
Koizumi lächelte entschuldigend. „Bedauerlicherweise müssen wir dir mitteilen, dass es sich als Fehlalarm herausgestellt hat. An diesem Vorkommnis war rein gar nichts Übernatürliches. Das war auch der Grund, wieso Kyon es dir nicht erzählen wollte. Es war ihm unangenehm, versagt zu haben.“
Augenblicklich waren Haruhis Augen auf mich gerichtet. Da ich dachte, von mir würde eine Reaktion erwartet und ich mir sicher war, Koizumis Märchenblase zum Platzen zu bringen, sobald ich den Mund aufmachte, nickte ich nur.
Haruhi sah mich missmutig an. Sie war immer noch beleidigt, aber ihr schienen die Fragen und Argumente ausgegangen zu sein. Das bedeutete wohl, die Diskussion war hiermit beendet.
Mir entwich ein leises Seufzen und ich schnappte mir einen Stuhl, um mich an den Tisch zu setzen, in der Hoffnung die Erinnerungen vom Vorabend ein wenig verbannen zu können.
Das hatte ja den Tag über schon so gut funktioniert.
Nach einigen Sekunden des Überlegens entschied ich mich, meine Bücher aus der Tasche zu holen. Wenn ich mich recht erinnerte, fiel in den nächsten Tagen noch eine Klausur an und da Haruhi im Moment keine Aufgaben für uns hatte, konnte ich wohl genauso gut lernen.
Ich lehnte mich also zur Seite, um an meine Tasche zu kommen, als sich eine Hand auf meine Schulter legte und Itsukis Stimme mir ins Ohr raunte: „Hast du einen kurzen Moment?“
Sofort schlug ich seine Hand von meiner Schulter und sah auf. Als ich sah, wie nah Koizumis Gesicht tatsächlich war, zuckte ich unwillkürlich zurück.
„Nein“, sagte ich prompt. „Wir schreiben bald eine Klausur und dafür muss ich noch lernen“, erklärte ich ihm, was tatsächlich der Wahrheit entsprach.
Ich dachte eigentlich, er würde keine Ruhe geben, doch er ließ nach dieser Erklärung tatsächlich von mir ab. Verwirrt sah ich dabei zu, wie er sich an das andere Ende des Tisches setzte und Haruhi unbemerkt einen kurzen undefinierbaren Blick zuwarf.
Anscheinend ließ er mich tatsächlich in Ruhe. Ich zuckte mit den Schultern und schlug mein Buch auf. Sollte mir nur recht sein. Mein Gefühlschaos war schon schlimm genug, auch ohne dass er in meiner Nähe war.
Und deshalb konnte ich mich auch unmöglich auf den Unterrichtsstoff konzentrieren. Ich starrte eine Seite an, doch ich konnte die Informationen nicht aufnehmen. Wie auch, schließlich war mein Kopf noch immer gefüllt von Erinnerungen an den gestrigen Tag. Trotzdem legte ich das Buch nicht zur Seite. Dann würde Koizumi doch wieder herkommen, um mit mir zu reden. Das wollte ich wenn möglich vermeiden.
Wenn er bemerkt hatte, dass ich gar nicht wirklich lernte, dann sagte er nichts dazu. Bei Mikuru hatte er allerdings weniger Glück.
„Wenn du dich nicht konzentrieren kannst, solltest du nicht lernen“, hörte ich ihre Stimme und sah auf. Sie hatte sich mir direkt gegenüber gesetzt. „Das bringt dann doch nichts. Und den Kopf kriegst du dadurch auch nicht frei.“
Ich lächelte bei dem besorgten Klang ihrer Stimme.
Sie klappte das Buch zu und legte es an die Seite. „So. Das bleibt für heute erst einmal zu. Du hast ja offenbar ganz andere Sorgen.“
Sie sagte es so, dass sie gleichzeitig die indirekte Frage stellte, was mich beschäftigte. Ich verstand das und war froh darüber, dass sie sich offensichtlich so um mich sorgte, doch bevor ich ihr davon erzählte, würde eher die Hölle einfrieren. Sie würde doch sonst ihres Lebens nicht mehr froh.
„Ach, ich dachte nur an diesen Fehlalarm gestern…“, antwortete ich ausweichend. „Tut mir leid, dass ich nicht da war… ich habe gehört, Haruhi hat wieder ein neues Kostüm an dir ausprobiert?“
Schlagartig wurde Mikuru rot und sah beschämt zur Seite. „J-Ja…“
„Ich hätte sie vielleicht aufhalten können. Ähm… was war das denn für ein Kostüm?“
„Ein… ein Katzenoutfit.“
Ich schluckte. „…vermutlich nicht die Version, bei der der gesamte Körper mit Fell bedeckt ist?“
„Nein, du kennst ja Haruhi… es war ein sehr… freizügiges Modell.“ Offensichtlich war es ihr unangenehm, darüber zu reden.
Ich bereute, sie darauf angesprochen zu haben, nur um von mir abzulenken. Und ich versuchte, mir nicht vorzustellen, wie ein solches Kostüm an ihr aussah. Wenn ich allerdings versuchte, diese Fantasie auszublenden, kam sofort wieder Itsukis nackter Körper an die Oberfläche. Das war jetzt ein Dilemma der ganz anderen Art: Was war weniger schlimm? Ein nackter Itsuki oder eine Mikuru in einem erotischen Outfit?
Damit niemandem auffiel, womit sich meine Gedanken gerade beschäftigten, hielt ich das Gespräch mit Mikuru aufrecht und war mir ziemlich sicher, dass es nicht unglaublich gezwungen klang. Trotzdem spürte ich einen Blick im Nacken, der mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte. Ich wollte mich nicht umsehen und auffallen, deshalb wusste ich nicht: Kam der Blick von Haruhi oder von Koizumi?
„Okay, Leute, das war’s für heute. Die Clubaktivitäten sind vorbei. Geht nach Hause.“ Dieser Satz von Haruhi war für mich die Erlösung. Ich hätte sie dafür küssen können – was ich selbstverständlich nicht getan habe. Seufzend packte ich mein Buch ein.
„Nicht ihr!“, kam es plötzlich von Haruhi. „Da ihr beide gestern nicht da wart, bleibt ihr noch mindestens zwei Stunden hier und übt Selbstkritik.“
Mein Kopf fuhr hoch. „Was?! Aber wir haben doch eine Entschuldigung!“
„Keine Widerrede!“, war Haruhis sture Antwort, während sie den Raum verließ. „Wenn du nicht gehorchst, bekommst du die Todesstrafe.“ Mit diesen Worten schlug sie die Tür hinter sich zu.
Ich ließ frustriert den Kopf hängen. Zwei weitere Stunden… ich wollte nach Hause, verdammt! Erst danach stellte ich fest, dass das noch nicht einmal das größte Problem war. Zwei Stunden lang… in diesem Raum… mit Koizumi…
„Hast du jetzt Zeit für mich?“, hörte ich dicht hinter mir Koizumis Stimme.
Erschrocken drehte ich mich um. Das tat ich allerdings viel zu schwungvoll, sodass ich dabei den Stuhl mitnahm und drohte umzukippen… wenn Koizumi seine Hände nicht blitzschnell rechts und links neben mir auf die Tischkante gelegt hätte.
„Du solltest besser aufpassen. Das hätte unglücklich enden können“, lächelte er.
Da hing ich nun. Auf einem Stuhl, der nur noch auf einem Bein stand, an den Tisch gelehnt. Und direkt vor mir Koizumi. Ich hatte keine Chance zu entkommen. Ich konnte ihn nicht wegschubsen, weil ich meine Arme dafür brauchte, um das Gleichgewicht zu halten. Würde ich mich nach vorne fallen lassen, läge ich direkt in seinen Armen. Was ich nicht wollte. Würde ich mich zur Seite kippen lassen, würde ich definitiv hinfallen. Aus offensichtlichen Gründen wollte ich vermeiden, vor Koizumi auf dem Boden zu liegen.
„Es freut mich, dass es dir besser geht“, fuhr er fort. „Gestern wirktest du ziemlich fertig… ich habe mir Sorgen gemacht.“
„Ach was“, knurrte ich. „Wessen Schuld ist das denn wohl?“
Er kicherte. „Ja, ich weiß. Tut mir leid. Aber ich übe ja auch noch. Keine Sorge, ab jetzt bin ich vorsichtiger.“ Er beugte sich vor, um mich zu küssen.
Diesmal ließ ich ihn das aber nicht so leicht durchgehen und verteidigte mich… indem ich meinen Kopf gegen seinen stieß.
„Autsch…“, murmelte Koizumi und hielt inne. Er wich aber nicht zurück.
„Lass die Scherze, Koizumi“, knurrte ich. Ich hatte langsam die Nase voll, von allen um mich herum wie ein Spielball benutzt zu werden.
„Scherze?“ Seine Stimme klang überraschend verwundert. „Du hältst das alles für einen Scherz? Übrigens bin ich mir ziemlich sicher, dass du mich seit gestern Itsuki nennst.“
Ich atmete frustriert auf. „Nein, für einen Scherz nicht. Dafür bist du nicht der Typ. Vermutlich eher ein Test.“ Unwillkürlich musste ich daran denken, wie Asakura Ryoko mich vor einiger Zeit umbringen wollte. Dagegen war dieser Test von Koizumi weit angenehmer. „Das ist doch nur ein Experiment, um zu sehen, wie Haruhi darauf reagiert, stimmt’s?!“ Die Erkenntnis erreichte mich erst, als ich diese Worte aussprach. Und sie tat mehr weh als erwartet. „Könnt ihr sie… könnt ihr mich nicht einfach mal in Ruhe lassen?!“
Ein paar Sekunden lang reagierte Koizumi nicht. Dann jedoch trat er von mir zurück.
Erleichtert atmete ich aus. Erst jetzt merkte ich, wie viel Willenskraft mir seine Nähe abverlangt hat… damit ich standhaft blieb. Völlig ausgelaugt kippte ich den Stuhl wieder in seine ursprüngliche Position.
„Du weißt, was das Ziel meiner Organisation ist, oder?“
„Hm…“ Ich war frustriert. Deshalb arbeitete mein Verstand aus Protest langsamer. „Was war das noch? Haruhi erforschen und unter Kontrolle halten oder so ähnlich?“
„Ja… das fasst es ziemlich gut zusammen. Forschung und Kontrolle. Aber am allerwichtigsten für uns ist, Suzumiya Haruhi bei Laune zu halten.“
„Aha…“ Kam jetzt wieder eine seiner langen Monologe? Darauf hatte ich nun wirklich keine Lust. Wieso machte mich der Gedanke, dass Koizumi mir nur wegen seiner Arbeit nähergekommen war, nur so fertig?
„Und aus diesem Grund… nun, sagen wir einfach: Wenn man mit Leuten zusammenarbeitet, die übernatürliche Kräfte haben, ist es schwierig, Geheimnisse zu haben. Das heißt, meine Kollegen wussten, was in mir vorgeht, meine Vorgesetzten ebenso…“
„Bist du bald fertig?“
„Du machst mir das gerade nicht wirklich leicht. Ich versuche nur, dir verständlich zu machen…“
„…dass du mit mir geschlafen hast, weil deine Vorgesetzten es verlangt haben?“, platzte es aus mir heraus. „Danke, aber eine rationale Erklärung brauche ich dafür wirklich nicht.“ Ich stand auf und ging zur Tür. Sollte Haruhi mir doch die Todesstrafe geben.
„Nein…“ Ich konnte gar nicht reagieren, so schnell wie er mich packte und mit dem Rücken gegen die Tür drückte. „Du hörst mir jetzt zu.“
Er war wieder so verdammt nah…
„Eigentlich war es genau umgekehrt. Meine Vorgesetzten haben mir ganz klar verboten, nach meinen Intentionen zu handeln. Damit die Stimmung von Suzumiya-san keinen Tiefpunkt erreicht.“
„Und das heißt im Klartext?“
„Damit, dass ich dich gestern in den abgeschlossenen Raum gebracht und verführt habe, habe ich mich über den direkten Befehl meiner Vorgesetzten hinweggesetzt.“ Er zögerte kurz. „Wenn das jemals auffliegt, wird das schwerwiegende Konsequenzen für mich haben. Aber ich konnte einfach nicht mehr so weitermachen…“
„Was… was willst du damit sagen?“ Ich hatte schon einen starken Verdacht, worauf er hinauswollte, doch irgendwie… schaffte es mein Verstand nicht, das zu glauben ohne es von ihm gehört zu haben.
„Was ich damit sagen will…“, meinte er und kam mir so nah, dass unsere Gesichter nur noch ein paar Zentimeter voneinander entfernt waren. „Ich habe mich in dich verliebt, Kyon. Und wenn ich dein Verhalten gestern und heute richtig interpretiert habe, sind das keine einseitigen Gefühle. Korrigier mich bitte, wenn ich falsch liege.“
Ich sollte etwas sagen. Irgendeinen passenden Spruch. Irgendetwas. Doch ich bekam keinen einzigen Ton heraus. Mein Verstand war wie leergefegt. Itsuki… liebte mich? Mein erster Gedanke, nachdem mich diese Erkenntnis traf, war, dass die erste Person, die mir ihre Liebe gesteht, ein Junge war. Doch sowie der Satz gedacht war, wurde er unbedeutend. Itsuki liebte mich, verdammt! Und noch immer brachte ich keinen Ton heraus.
Itsuki schmunzelte. „Du solltest mal dein Gesicht sehen. Das lädt geradezu ein, dich zu küssen.“ Nun endlich lockerte er seinen Griff ein wenig. „Darf ich dich jetzt endlich küssen?“
Er stellte eine Frage. Eine direkte Frage. Jetzt musste ich wirklich langsam wieder antworten. „Ich…“ Ich räusperte mich. „Was ist… wenn Haruhi zurückkommt und uns erwischt?“
„Nun, die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt, so wie wir sie kennen, aufhört zu existieren, ist ziemlich hoch.“
„Klasse…“, murmelte ich.
„Es kann allerdings auch sein, dass Haruhi sich als eines jener Mädchen herausstellt, die es mögen, wenn zwei Jungs sich küssen.“ Er lächelte. „Also, ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen. Und du? Bist du…?“
Er kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden. Denn noch während er redete, legten sich meine Lippen auf seine. Manchmal redete er wirklich zu viel.
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