And One

von Tonmond
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Chester Bennington Mike Shinoda
16.08.2018
12.10.2019
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Hey Street Soldiers!
Ich freue mich, dass Ihr bei mir vorbeischaut! Mein Bennoda spielt in einer Zeit, als Linkin Park noch nicht existierte. Mike und Chester sind erst Anfang 20. Mike hat irgendwie den Bezug zu seinem Leben verloren und ist nach einem halbherzigen Selbstmordversuch im Krankenhaus gelandet. Auch Chester ist nicht freiwillig in die geschlossene Psychiatrie eingesperrt worden. Die beiden Jungs lernen sich an diesem Ort kennen und lieben, an dem man sich eigentlich ausschließlich auf sich selbst besinnen soll. Die Handlung meiner Fanfiktion ist natürlich komplette Phantasie. Kein einziger Songtext stammt von mir, sondern die Wörter gehören allein Grey Daze, Dead By Sunrise oder Linkin Park. Auch die Idee mit der Psychiatrie ist nicht meine. Ich habe sie dreist von der Geschichte „Morgenröte” kopiert. Mein Dank geht an AkiraShinoda für die Erlaubnis und die tolle Inspiration!
Und jetzt wünsche ich Euch viel Spaß mit meiner ersten Fanfiktion!
Tonmond






1. Where should I start? Disjointed heart


Michael Kenji Shinoda

Noch eine Nacht. Es ist nur eine von unzähligen, die schon da waren und noch kommen werden. Ich habe nicht mitgezählt, wie lange ich jetzt schon hier bin. Vielleicht sind es vier Wochen, vielleicht auch zwei Monate. Es spielt keine Rolle, denn jeder Tag verläuft im Grunde gleich. Die Stunden werden unterteilt in Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Dazwischen täglich wechselnde Termine, Gespräche und Pflichtveranstaltungen. An den Therapien könnte ich ablesen, welcher Wochentag es ist, denn sie sind genau festgelegt und wiederholen sich Woche für Woche. Aber es ist mir egal. Ich habe es mir nicht gemerkt. Die Pfleger erinnern mich an meine Verpflichtungen, an denen ich regelmäßig teilnehmen muss. Aber sie können nichts daran ändern, dass nur mein Körper anwesend ist. Vielleicht merken sie das nicht einmal. Es interessiert mich eigentlich alles nicht. Nichts ist noch von Interesse für mich. Ich bin nicht sicher, an welchem Punkt in meinem Leben sich alles von mir entfernte. Das ist nicht schlagartig passiert, eher schleichend, ohne dass es mir richtig bewusst geworden wäre. Lange Zeit habe ich noch irgendwie funktioniert. Aber dann ging es irgendwann nicht mehr. Ich habe komplett abgeschaltet. Das war keine bewusste Entscheidung. Alles wurde seltsam gleichgültig. Meine vorherigen Pläne für mein Leben hatten irgendwann keine Bedeutung mehr. Ich habe den Sinn verloren. Selbst Essen oder Schlafen hat keine Bedeutung für mich. Ich existiere einfach nur. Es ist mir egal. Genauso gut könnte ich tot sein. Versucht habe ich das mit dem Sterben, aber nur halbherzig, weil es mir eigentlich egal war. Dummerweise haben ausgerechnet meine Eltern mich früh genug gefunden und sofort ins Krankenhaus gebracht, bevor ich in der Badewanne verbluten konnte. Und dann haben sie mich einfach hierbehalten. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt, weil es mir völlig gleichgültig war. Ich weiß nicht, wie lange das jetzt her ist. Es interessiert mich nicht. Von mir aus können sie mich für den Rest meines Lebens hier einsperren und mit mir machen, was immer sie wollen. Die Psychologen nennen es eine Depression, die angeblich jeden ereilen kann. Und jetzt forschen sie wohl nach der Ursache oder danach, wie sie mir am wirkungsvollsten helfen können. Sie erreichen mich aber nicht, denn eigentlich bin ich ja gar nicht da. Das alles interessiert mich nicht genug, als würde ich mich mit meiner Situation auseinandersetzen. Denn ich fühle mich seltsam zufrieden hier. Ich bin gleichgültig, total unberührt. Mein derzeitiges Leben ist sehr bequem. Ich muss mir keinerlei Gedanken machen. Andere sorgen und entscheiden für mich. Nichts kommt noch an mich heran. Nacht für Nacht liege ich wach in meinem Bett und starre reglos in die Dunkelheit. Die Zeit hat keine Bedeutung, sie vergeht einfach nur. Meine Gedanken sind ruhig. Die Bilder fließen dahin und halten sich nirgendwo fest. Irgendwann werde ich wie immer einschlafen und dann beginnt ein neuer bedeutungsloser Tag. Sie haben mir ein eigenes Zimmer gegeben, in dem ich völlig ungestört bin. Am liebsten halte ich mich allein in diesem Raum auf. Ich mag die Stille und die Dunkelheit, sie sind mir sehr vertraut. Genauso sieht es in meinem Innern aus. Da ist sonst nichts mehr. Nur noch Stille und Dunkelheit. Ich habe mich gut versteckt.


Chester Charles Bennington

Ich bin nicht freiwillig hier, und darum bin ich ganz schön genervt. Ich weiß ja, dass ich mich schon heute Morgen hier hätte melden sollen. Diesen scheiß Termin habe ich bestimmt nicht vergessen. Ich habe ihn nur verdrängt. Irgendwie habe ich gehofft, dass sie mich einfach vergessen würden. Haben sie aber nicht. Stattdessen kam tatsächlich die verdammte Polizei in die Kneipe und hat mich einfach mitgenommen. Sie waren zu Viert, deshalb hatte ich keine Chance zur Gegenwehr. Die lange, schweigsame Fahrt hierher war die reinste Tortur. Jetzt ist es Nacht und sie stehen immer noch neben mir. An der Anmeldung der geschlossenen Abteilung behalten sie mich wachsam im Auge. Dabei kann ich gar nicht mehr weglaufen. Es ist zu spät. Die Tür ist zu. Ich bin gefangen und zu weit weg von zu Hause. Der Richter hat es Therapie statt Strafe genannt. Aber darüber kann ich nur lachen, denn es gibt für mich kaum eine schlimmere Strafe, als dass ich irgendwo eingesperrt werde. Mann, ich habe keine Ahnung, wie lange der Unsinn hier dauern soll. Auch der Richter hat sich bei der Urteilsverkündung nicht festgelegt, und das macht mich ziemlich nervös. Zum Glück hatte ich heute Abend in der Kneipe schon genug getrunken, sodass meine Angst sich momentan in Grenzen hält. Ich bin nur tierisch genervt. Das große, fremde Gebäude geht mir auf die Nerven, das helle Neonlicht und die langen Gänge. Die vielen Menschen stressen mich, Polizisten und Krankenpersonal, die mir vorwerfen, mich nicht an Abmachungen zu halten. Dies ist ein abgelegener Ort, an dem sie die Verrückten einsperren, und ich habe keine Ahnung, wie ich hier gelandet bin. Ich will bestimmt nicht hier sein. Der Richter hat damals behauptet, hier würden sie mir helfen, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Dabei habe ich doch momentan mein Leben ganz gut im Griff! Endlich schien alles besser zu werden. Vor einiger Zeit hat Sean mich als Sänger in seine Band aufgenommen. Grey Daze gibt mir zum ersten Mal das Gefühl, irgendwo dazuzugehören. Das könnte wirklich was werden, wenn wir uns richtig reinhängen. Im Laufe meines verkorksten Lebens habe ich schon jede Menge Songs geschrieben, auf die ich wirklich stolz bin. Und mit Grey Daze nehmen sie endlich hörbare Gestalt an. Zu Hause haben wir mittlerweile schon einige Konzerte gegeben, bei denen ich gemerkt habe, dass ich mich auf einer Bühne richtig wohlfühlen kann. Ich kann mit dem Publikum interagieren. Ich kann so laut singen, dass die Dämonen in mir tatsächlich leiser werden. Es fühlt sich befreiend an, sich in einem Song die Seele aus dem Leib zu schreien. Das Publikum reagierte unterschiedlich auf unsere Musik, aber überwiegend gab es Applaus. Ich bin sicher, dass wir die Leute mit der Musik erreichen können. Grey Daze kommt jedenfalls gerade richtig in Fahrt. Und ausgerechnet jetzt müssen sie mich total aus dem Verkehr ziehen, mich rigoros auf Eis legen und mir diesen Scheiß hier aufzwingen. Das ist einfach nur großer Mist! „Sie hätten sich heute Morgen um 8 Uhr freiwillig hier bei uns melden sollen, Herr Bennington!” sagt diese Krankenschwester schon wieder zu mir und guckt mich vorwurfsvoll an. Die Frau ist auch genervt, denn sie hatte sich ihren Nachtdienst bestimmt ruhiger vorgestellt. Meine Ankunft gefällt ihr nicht, denn sie fürchtet, dass dadurch zusätzliche Arbeit auf sie zukommt. Ich schenke ihr ein freundliches Grinsen. Zum Glück bin ich ziemlich betrunken, sodass ich eine selbstbewusste Gleichgültigkeit ausstrahlen kann, die ich tief drinnen gar nicht empfinde. Ich kann an der Situation nichts ändern. Mir ist klar, dass ich hier vorerst nicht mehr herauskomme, und das macht mir zunehmend zu schaffen. „Tut mir leid”, lalle ich leise. Die Polizisten lachen spöttisch und füllen dann irgendwelche Papiere für mich aus. Sie erledigen lästige Formalitäten an der Anmeldung oder so was. Jedenfalls sind sie auf einmal alle abgelenkt, und ich werde plötzlich tierisch nervös. Ich fühle mich hier total falsch und fremd, denn ich gehöre hier nicht hin. Das miese Gefühl des Eingesperrtseins zehrt schon jetzt an meinen Nerven. Die Falle wird enger um mich. Ich bekomme das starke Bedürfnis, mich unverzüglich bewegen zu müssen. Aus einem inneren Impuls heraus laufe ich spontan los. Ich kenne mich in diesem Haus und dieser Abteilung nicht aus, denn ich war vorher noch nie auch nur in der Nähe dieses seltsamen Ortes. Darum laufe ich einfach den erstbesten Gang entlang. Ich laufe so schnell ich es in meinem betrunkenen Zustand kann. „Hey! Bleiben Sie hier!” ruft der eine Polizist mir verärgert nach. „Machen Sie doch keinen Quatsch, Herr Bennington!” ruft die Krankenschwester wütend. Die Menschen geben genervte und spöttische Geräusche von sich. Aber ich höre sie gar nicht. Ich will sie nicht hören. Ich möchte gar nichts mehr hören. Stattdessen hole ich tief Luft und fange an zu singen. Ich habe das Verlangen, die Nervosität in mir weg zu singen, die Bedrohung zu bekämpfen. Das Singen hilft gegen die Angst, die stärker zu werden scheint. Es fühlt sich gut an. Die vertrauten Texte beruhigen mich. Es tut gut, meine eigene Stimme zu hören. Das hat mich schon immer beruhigt. Schon als Kind hat lautes Singen mich oft glücklich gemacht. Ich laufe schnell durch die menschenleeren, scheinbar endlosen Gänge. Sie sehen alle gleich aus. Überall sind geschlossene Türen. Das Neonlicht blendet mich. Es ist mitten in der Nacht. Ich nehme an, dass die anderen Patienten um diese Uhrzeit wohl schlafen. Mein Krach wird sie vielleicht aufwecken, aber das ist mir egal. Ich bin besoffen und die Umgebung schwankt ein bisschen. Sie sollen mich einfach nur in Ruhe lassen.
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