Viele Pferde und der Geschmack von Freiheit

GeschichteRomanze / P18 Slash
Maid Marian Robin Sir Guy of Gisborne Vaisey der Sheriff of Nottingham
15.08.2018
09.11.2018
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Was als kurzer OS begonnen hatte, könnte sich zu mehreren Shots auswachsen ^^. Soweit ich das sehen, wird es aber keine zusammenhängende Geschichte, sondern eher ein paar Begegnungen mit immer dem gleichen Hintergrund (die Begegnung im ersten Kapitel ist dabei die Grundlage) und den weiterführenden Konsequenzen.
Es geht einfach nur darum, wie Guy und Robin zueinander finden.

Wenn euch meine kleine Sammlung gefällt, lasst mir doch einen Kommentar oder ein Sternchen da.

Danke und viel Spaß!


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Heute:


Er erinnerte sich nicht. Immer wieder suchte er seinen Blick, doch darin war nichts. Kein Erinnern. Kein Erkennen.
Robin wusste nicht mehr, dass sie sich kannten.
War das so? Oder hatte er es nur verdrängt? Hatte er diesen warmen Abend auf dem Feld wirklich vergessen?
Oder wollte er ihm nur glauben machen, dass er sich nicht mehr erinnern konnte?




Damals:


Guy, gerade 23 Jahre alt, ritt im Galopp übers Feld. In seinen Gedanken absolvierte er ein Rennen, war in einem Gefecht und musste um sein Leben reiten. Er liebte das Reiten und die Pferde über alles. Genau so sehr wie den Wind in den Haaren und die harten Schläge unter seinem Hinterteil, die vom Schlagen der Hufe auf den Boden kamen.
Die Sonne ging unter und er ritt darauf zu. Weil sie glutrot war und doch noch ein wenig blendete, schloss Guy kurz die Augen. Sein Pferd schnaubte plötzlich und riss an den Zügeln. Erschrocken sah er, dass er auf eine Gestalt im hohen Gras zuhielt. Im letzten Moment brachte er sein Pferd namens Merlin, ein schwarze Rappe, den er vor dem abendlichen Ausritt auf Hochglanz poliert hatte, zum Stehen. Leider war die Kurve so scharf, dass er in hohem Bogen vom Rücken des Tieres flog. Beim Aufschlagen, stauchte er sich sein linkes Handgelenk. Die Gestalt, ein junger Kerl von höchstens 17 oder 18 Lenzen beobachtete ihn vollkommen unbeeindruckt. Er hatte nur die Augenbrauen gehoben und schob den Grashalm vom linken in den rechten Mundwinkel.


„Hoi …“, sagte er nur lässig und setzte sich dann hin. Er strich sich nachlässig die dunkelblonden Haare von der Stirn weg.
„Zu schnell unterwegs, mein Freund …“, grinste er.
„Du …!“, fauchte Guy und rappelte sich mit schmerzverzerrtem Mund hoch.
„Ich?“
„Du … du bist nicht mein Freund!! Wegen dir …“
„Ah komm schon, du sahst von Weitem aus, als wenn du gut reiten könntest. Jetzt allerdings …“
„Halt deinen verdammten Mund!“, herrschte Guy ihn an, bekam jedoch nur ein liebenswürdiges Lächeln.
„Zeig mir dein Handgelenk. Ich will sehen, ob es gebrochen ist“, forderte der unverschämte Kerl. Guy kochte, als der junge Mann auf ihn zukam und nach seinem Arm griff. Unwillig überließ er es ihm behutsam seinen schwarzen Lederhandschuh auszuziehen und sah dabei in seine grünblauen Augen, die ständig zu lächeln schienen, obwohl er besorgt den Ärmel nach oben schob.
„Ich bin übrigens Robin. Vielleicht interessiert dich, wen du fast aus Versehen über den Haufen geritten hast.“
„Kein bisschen“, erwiderte Guy gepresst, denn der Junge bewegte nun vorsichtig sein Gelenk, was langsam anschwoll.
„Du hättest deinen Rappen springen lassen können oder hat dich die Sonne geblendet?“ Der Kerl machte sich eindeutig über ihn lustig.
„Erzähl mir du nichts vom Reiten, Kleiner.“ Wenn Guy etwas gut konnte, dann war es reiten. Weder galt er als umgänglich noch als freundlich. Aber er konnte reiten. Dass er gerade wie ein Anfänger vom Pferd gefallen war, war eine unglückliche Verkettung von Zufällen. Noch immer hielt Robin seinen Arm vorsichtig in seinen Händen, sah ihm aber seltsamerweise ins Gesicht.
„Nur, weil ich kein Pferd dabei habe, heißt das nicht, dass ich nicht reiten kann.“
„Nein, ich denke, du kannst dir gar kein Pferd leisten!“, entgegnete Guy hochmütig, konnte dem Blick der neugierigen Augen aber kaum ausweichen. Robin lächelte nur und legte den Kopf ein wenig schief. Guy fühlte sich nicht gut. Seine Hand schmerzte, sein Herz raste immer noch und am liebsten hätte er diesem vorlauten Kerl eine verpasst. Andererseits konnte er nicht aufhören ihn anzuschauen. Immer wieder wanderten seine Augen zu den weichen Lippen und er ertappte sich selbst dabei, wie er darüber nachdachte, wie sie sie wohl anfühlen würden, wenn er mit seinen Fingern darüber streichen würde.
„Geht es dir gut? Wenn es dir schwindlig ist, solltest du dich vielleicht ein paar Momente zu mir ins Gras setzen?“ Er zog ihn sanft nach unten und Guy erinnerte sich endlich, dass er ihm gar nicht gesagt hatte, wer er war.
„Um was? In die Luft zu starren? Haben Bauern heutzutage nichts mehr zu tun?“ Gutmütig lächelte Robin und betrachtete ihn, während er sich einen neuen Grashalm zwischen die reizvollen Lippen schob. Guy schluckte und sah weg. Was war denn bitte mit ihm los?
Ja, es war peinlich vom Pferd zu plumpsen, wie ein Amateur, wo er doch der beste Reiter weit und breit war. Dieser Kerl war schuld.
„Ich denke nach. Manche Menschen tun das“, sagte Robin leichthin.
„Ich bin Guy of Gisborne“
„Das ist schön für dich. Sollte man als Adliger nicht ein wenig besser reiten können?“ Guy starrte Robin sprachlos an. War der Kerl ganz dicht? Wie konnte er ihn nur so provozieren. Nahm dieser Irre überhaupt etwas ernst?
„Du ….“, knurrte Guy wieder aggressiv. Zu mehr als dem DU reichte sein Wortschatz gerade nicht. Er stürzte sich trotz gestauchtem Handgelenk auf Robin, der leichtfüßig auf die Füße kam und übers Feld lief. Es war nun schon dämmrig und man sah nicht mehr gut wo man hinlief. Obwohl Guy auch ein guter Läufer war, erlief sich Robin einen guten Vorsprung. Er hörte ihn lachen und das machte ihn nur noch wütender.
„Wenn ich dich … erwische … breche ich dir … das Genick!“, schrie Guy und fiel dann über einen verfluchten Stein. Dabei knickte ihm noch das andere Handgelenk um. Vor Schmerz und Wut heulte er auf. Heute war wirklich nicht sein Tag und schuld war dieser Robin!
„Bleib stehen! Du bist tot!“, brüllte er. Er versuchte sich zu erinnern, wann ihn das letzte Mal irgendwas so zum Weinen gebracht hatte. Tränen des Schmerzes, des Zorns und der Scham rannen ihm über die Wangen, als sich Guy of Gisborne wieder nach oben kämpfte und Robins Fährte aufnahm. Sein Pferd Merlin folgte ihm gemächlich. Nahm hier und da ein Maul voll Unkraut und trabt seinem Herren gemütlich nach.


Robin war am Feldrain stehengeblieben und sah ihm entgegen.
„Ich habe übrigens schon von dir gehört, Sir Guy of Gisborne“, sagte Robin dann in einem Ton, der seine Verachtung nicht ganz verstecken konnte.
„Nicht jeder kann zum Bauern geboren sein. Jetzt komm her, ich will dich töten!“ Guy war vollkommen außer Atem. Ihm war übel vor Schmerz und immer wieder raste sein Herz, wenn er in Robin vergnügtes Gesicht sah.
„Hm … so einer bist du also. Gut zu wissen …“
„Was soll das bedeuten, du Bauer?“, fuhr in Guy an. Jedes Mal, wenn er einen Schritt auf Robin zumachte, tänzelte der Bursche einen oder zwei Schritte zurück. Er würde ihn niemals bekommen. Gut, nicht heute, zumindest.
„Das bedeutet, dass du durchaus meine Bewunderung hast, auch wenn du wirklich nicht gut reiten kannst, Sir Guy …“, kicherte Robin wieder. Mit einem echten Satz flog Guy dann gegen den Burschen und brachte ihn zu Boden.
„Ha, damit hast du wohl nicht gerechnet, du kleiner Bastard, was?!“
Schwer lag er auf dem Burschen und drückte ihn mit seinem Gewicht zu Boden. Er war größer und schwerer als Robin, doch dieser Verrückte lächelte ihn immer noch an.
„Du machst mir keine Angst.“
Guys Haare, damals noch um einiges länger, fielen nach vorn in Robins Gesicht. Etwas an diesem Moment und der ernsten Stille, die danach folgte, war unvergesslich. Wie gelähmt starrte Guy diesem unverschämten Flegel ins Gesicht.
„Ich hasse dich!“, flüsterte er und dann küsste er Robin auf die Lippen. Robin wich nicht aus, erwiderte seinen Kuss aber eher zögerlich. Guy begriff, dass er endlich etwas gefunden hatte, was diesen Bengel aus dem Gleichgewicht brachte. Seine Lippen waren noch weicher und nachgiebiger als es sich Guy vorgestellt hatte. Es war ein keuscher, zärtlicher Kuss. Sich von ihm zu lösen, war noch schwerer. Am liebsten hätte er ihn weitergeküsst und ihn noch stundenlang am Boden festgehalten.


Doch irgendwas daran stimmte nicht. Guy stand auf, obwohl seine Knie weich wie Pudding waren. Seine Wangen brannten und sein Puls war so hoch, dass er das Blut in den Ohren rauschen hörte. Verdammt, was war passiert?
„Ich würde dir ja hochhelfen, doch ich bin gerade ein wenig … eingeschränkt“, flüsterte er rau und ließ Robin nicht aus den Augen. Scheinbar hatte es dem dreisten Jungen nun doch die Sprache verschlagen, dachte er mit leiser Genugtuung.
„Schon gut. Sorry, dass ich im Weg lag“, murmelte Robin und klopfte sich den Dreck von den Sachen.
„Wenn du mir mein Pferd bringst, werde ich das Ganze vergessen, Robin!“ Er sprach seinen Namen zum ersten Mal aus und ihn durchlief dabei ein süßes Beben.
„Ich bin nicht dein Leibeigener, Sir Guy.“ Robin fand zu seiner spöttischen Art zurück.
„Bring es mir, bitte …“, sagte Guy und sah sich in diesem Augenblick von außen. Er und Robin. Unmöglich. Absurd.



„Wenn das so ist …“ Robin holte sein Pferd, stieg aber vor seinen Augen in seinen Sattel.
„Was soll das werden, Bursche? Willst du doch noch dein Todesurteil vollstrecken?“, knurrte er ungehalten und blickte ihn böse aus verengten Augen an. Kuss hin oder her. Wenn es um sein Pferd ging, verstand er keinen Spaß.
„Nein, ich werde dich nach Hause bringen und dir gleich mal zeigen, wie man reitet. Komm, gib mir deinen Arm, ich helfe dir hoch.“
Guy war empört. Er sollte sich von einem Bauern auf seinem eigenen Pferd nach Hause bringen lassen?
„Hast du den Verstand verloren. Runter von meinem Tier! Sofort!“
„Hör auf zu schreien, sonst reite ich davon. Du wirst mir hinterher laufen, wirst wieder fallen und dir deine Nase stauchen und am Ende musst du mich wieder küssen, weil du mich sonst töten würdest, richtig!“
„Ich hasse dich wirklich!“
„Ja, das sagtest du bereits. Keine Sorge, ich merke es mir. Jetzt komm, ehe es ganz dunkel ist.“ Wieder hielt ihm Robin seine Hand hin. Sein Lächeln war ehrlich und seine Augen sahen ihn zärtlich an. Guy griff nach seiner Hand und stieg unter fiesen Schmerzen hinter ihm aufs Pferd. Seine Kiefermuskeln verkrampften sich fast, um ja keinen Laut des Schmerzes von sich zu geben.
Robin gab Merlin einen sanften Tritt an die Flanken und lenkte das große Tier, welches ziemlich starrköpfig war, auf den kleinen Weg neben dem Feld.


Nach ein paar hundert Metern musste Guy eingestehen, dass Robin sehr wohl ziemlich gut mit dem Pferd umgehen konnte. Vielleicht war er doch kein Bauernsohn, dachte er noch, als Robin den Rappen in einen schnellen Galopp trieb. Wenn Guy nicht runterfallen wollte, musste er sich an dem Burschen festhalten. Vorsichtig legte er seine Hände um seinen Bauch und wunderte sich kurz, woher Robin wusste, wo er das Tier hinlenken musste. Lange dachte er nicht darüber nach, denn er schloss die Augen. Der Pferdekörper unter ihm, selbst ohne Sattel und Robin vor ihm bildeten eine perfekte Einheit. Er roch Merlins Pferdeschweiß und Robins Eigengeruch. War das ein Traum? Oder sogar eine Vision? Gab es einen Jungen namens Robin? Er hatte keine Ahnung, denn er mied andere Menschen aus der näheren Umgebung.
„Gar nicht so übel, oder?“ rief Robin lachend über seine Schulter. Der Kerl hatte ebenso Spaß am Reiten wie er, begriff Guy in diesem Moment.
„Besser als ich dachte“, murmelte Guy, seine Ergriffenheit verbergend und schmiegte sich noch ein wenig mehr an diesen verrückten, frechen Burschen.


Leider endete auch der schönste Traum.
Robin brachte Merlin am Rande eines kleinen Waldes zum Stehen.
„Ich denke, du reitest den Rest besser allein“, sagte er und klang zum ersten Mal nicht amüsiert, sondern ein wenig traurig über den Abschied.
Unwillig ließ sich Guy von Merlin rutschen und wartete, bis Robin seinen Sattel freigab. Behände sprang der Junge ab und legte ihm vorsichtig die Zügel in die Hand.
„Er ist ein tolles Pferd.“
„Danke. Und ich muss zugeben, dass du reiten kannst. Trotzdem … hasse ich dich! Vergiss das nicht, Robin … wie noch?“
Robin lächelte nur und gab seinen Nachnamen nicht preis.
„Keine Sorge, ich habe ein wirklich gutes Gedächtnis. Aber eines muss ich dich dann doch noch fragen …“ Robin kam näher und sah ihm direkt in die Augen. Obwohl es fast dunkel war, sah er das Glitzern in seinem Blick.
„Was?“, fragte er argwöhnisch und mit schon wieder heftig klopfendem Herzen.
„Wie würdest du meinen Geschmack beschreiben?“ Mit diesen Worten küsste er ihn. Guy hielt die Luft an und war wie gelähmt. Wieder war Robins Mund so warm und weich, so liebevoll und alles versprechend, dass er mit seinem Mund nach ihm schnappte, als er sich von ihm lösen wollte.
„Ich weiß nicht recht … gib mir noch eine Chance …“, flüsterte Guy heiser und zog ihn unbedacht zu sich heran. Der Schmerz in seinem Gelenk explodierte förmlich und er stöhnte gequält auf Robins Lippen. Irgendwie verstand der Junge das falsch. Ihre Lippen umschlossen sich so gierig und nass, dass Guys ganzer Körper unter Anspannung stand. Etwas in ihm brach aus. Etwas, was er nicht verstehen konnte.
Es war Robin, der sich dann doch von ihm löste. Seine Hand hatte auf seiner Brust gelegen und die rutschte nun zärtlich nach unten. Ungläubig sah er ihn an. War das das Ende? Jetzt schon? Das durfte nicht sein.
„Robin, ich …“
„Nein, ich muss gehen …“ Er war schon ein paar Schritte von ihm entfernt.
„Warte, du wolltest wissen, nach was du schmeckst …“, rief er ihm nach und Robin blieb tatsächlich stehen.
„Nach was, Sir Guy?“
„Nach Freiheit!“


Robin hob nur lächelnd die Hand und dann sah er ihn nie wieder.

Heute:


Bis zu dem Tag, an dem dieser Robin of Locksley auftauchte.
„Ich hasse dich … Robin“, murmelte Guy leise zu sich selbst, als er Robin nachblickte. Dieses süße Beben durchlief ihn wieder und er wusste immer noch nicht, wie er damit umgehen sollte und was es zu bedeuten hatte.
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