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Du mein Bruder

OneshotFamilie / P12 / Gen
14.08.2018
14.08.2018
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Du mein Bruder



Du mein Kleiner bist mein Junge,
ich weiß ich bin nicht immer sonderlich nett zu dir.
Doch ich will das du weißt das ich dich Liebe,
auch wenn ich es dir nicht immer zu verstehen gebe.

Gezeichnet: ich


Lieber Luca,

ich weiß das wir beide auf den ersten Blick grundauf verschieden sind. Wie Die Sonne und der Mond, wie Licht und Schatten, oder Gut und Böse, auch wenn selbst unsre Eltern nicht wissen wer von uns wohl was ist.

Du glaubst nicht wie oft ich selbst gerade darüber nachgrüble, denn es ist wirklich faszinierend wenn man so über diese These nachdenkt, da ich alles andere als ein Wesen ohne Fehler bin, doch das weißt du wohl am besten:

ich bin stur wie ein Esel und bin meistens zickiger zu dir als diese nervigen Weiber in diesen Soaps die ich nicht ausstehen kann. Ich meckere dich wegen jeder Kleinigkeit an, bin anders als Mama manchmal etwas biestig zu dir und wahrscheinlich gehe dir mit meinen ausschweifenden Reden an dich mehr als nur auf die Nerven, doch du solst wissen das ich es manchmal sogar gut meine.

Denn weißt du; Menschen sind nicht immer nett zu dir. Es passieren Dinge im Leben die man eben nicht kontrollieren kann. Menschen sind nicht perfekt, auch du nicht. Ich weiß du bist gerade in einem Alter wo nur verrückte Dinge passieren, die man als einem Wesen in deinem Alter nun als besonders cool, erschreckend, oder einfach nur als das wichtigste auf der Welt ansieht.

Aber so ist es eben nicht, jedenfalls nicht immer.

Ich weiß nämlich schon ein paar Dinge mehr als du und kenne dich sehr gut, mein Lieber, deswegen sind mir so gut wie alle deine Charaktereigenschaften bekannt, auch wenn du glaubst das ich mich weder für dich interessiere, noch das ich mir irgendwelche Gedanken über deine Zukunft mache, geweschweigedenn das ich laut deines Erachtens im Recht bin dich in irgendeinerweise zurechtzuweisen. Doch ich beobachte dich schon mein ganzes Leben lang, weiß um die Verantwortung die ich seit dem Wissen das es dich geben wird bescheid und versuche dich während ich versuche mit mir selbst fertigzuwerden viele Dinge auf den Weg zu geben.


Du mein kleiner Bruder bist egoistisch, willst alles sofort haben was deiner Meinung nach dein Recht ist, doch ich versuche dir durch meine Zurechtweisungen und ignoranten Reaktionen zu zeigen das du in der Zukunft viele Dinge verbauen kannst wenn du weiterhin so handelst. Denn es wird Menschen geben die keine Lust haben werden von dir als Gegenstand angesehen zu werden und sind vielleicht auch Mal gezwungen das zu tun was für sie am besten ist, auch wenn sie dich lieben.

Du mein Bruder bist laut, willst immer im Mittelpunkt stehen und schaffst es auch immer das alle Augen auf dir liegen, selbst wenn du dadurch negativ aufällst. Du sprichst ohne Erlaubnis; manchmal sogar wenn sich die Erwachsenen unterhalten, oder gibst zu Dingen deinen Senf dazu, einfach nur damit du auch etwas zu einem bestimmten Thema gesagt hast. In diesen Momenten tust du immer so als wären dir die negativen Reaktionen der anderen egal, doch ich weiß es besser. Denn ich weiß das du dadurch versucht dein mangelndes Selbstbewusstsein zu verstecken, mein Kind. Du bist wie ein wildes Tier das von Maden und Würmern zerfressen wird und durch gebläckte Zähne versucht in irgendeiner Form gefährlich auszusehen, nur damit man nicht bemerkt wie stark du zitterst. Wie sehr du eigentlich weinst und Schmerzen erleidest.

Du mein Bruder musst alles besser wissen, du musst immer Recht haben, da du anders das Gefühl hast keine Kontrolle über andere Personen und somit über dein Leben zu haben. Du bist stolz wie ein Löwe, bist aber zu feige um dein Revier auf das du so bestehst zu kämpfen. Doch ich weiß das es daran liegt das es bis auf mich nie jemanden gegeben hat der dir die Stirn bietet und das meine Konter dir Angst einjagt, da du nie gerlernt hast was es heißt Grenzen egal in welcher Form zu akteptieren.


Aber weißt du was, mein kleiner Bruder? Ich, dein Schwesterherz bin auch nicht besser. Im Gegensatz zu dir bin ich eine alte Schachtel, auch wenn mein richtiges Leben genaugenommen erst richtig anfängt. Ich verbrachte mein Leben im Krankenhaus, ich wurde von jedem Erwachsenen herumgeschubst, da sie alle irgendwie der Meinung waren ich sei psychisch krank, da ich anders bin. Weil anders sein in den meisten Fällen heißt krank zu sein. Ich wurde mit Medikamenten vollgestopft, viele Freunde hatten sich nach einer Weile einfach von mir abgewannt da ich ihnen mit meinem Verhalten nicht mehr so in die Karten gespielt habe das es in ihre perfekte Welt passt und unsre Eltern, speziell nun Mama übermutterten mich und legen das was ich ihrer Meinung nach in meinem Alter zu tun habe, oder eben nicht kann, weil keine Ahnung, immer in ihre persönlich sympathischste Komforzone.

Nun sieh mich an; ich bin nun fast zwanzig Jahre alt. Ich mache das was man von mir verlangt, nur damit die Anderen die Klappe halten und mich in Frieden lassen, während ich schon seit Jahren darauf hoffe endlich auszuziehen, damit ich getrost auf alle scheißen kann die mir Schmerzen hinzufügen.

Es gibt sehr viel auf der Welt das ich hasse, ich bin ein Frack das im heimlichen Nervenzusammenbrüche in ihrem Zimmer erleidet, durch ihre schweigsame Ader unnahbar wirkt und täglich durch Alpträume vom schlafen abgehalten wird. Doch weißt du, mein Bruder, ich versuche stark zu sein, da es durchaus Menschen gibt die ich liebe.

Einer dieser Personen bist du, Luca.
An manchen Tagen, wenn Papa seine Probleme mal wieder an dir auslässt, versuche ich nicht auszurasten, damit er dich im Gegenzug nicht weiter heruntermacht, da er ein trauernder, alter Sack ist der es nicht austehen kann wenn alles nach seiner Pfeife läuft und denkt er könnte alles so hinbiegen wie er es passt, nur damit er sich seine Macht die er über Dinge hat weiterhin einbilden kann.

Ich bin es die immer dann wenn du dir deine eigene Trauer erlaubst, mal nicht den arroganten Wichser spielst an deiner Zimmertür klopft und dich so lange in den Armen hält bis du dich wieder beruhigt hast. Ich bin es die dir durch ein zugegebenermaßen zickiges Verhalten zeigt das es trotz meiner Zuneigung nicht nur nach deiner Pfeife geht. Ich bin es die auf dich achtet wenn Mama und Papa mal wieder für eine Woche nicht answesend sind dafür sorgt das du überhaupt etwas zu dir nimmst, die an deinen Geburstagen den Kuchen backt und dekoriert, da unsre Eltern keine Lust darauf haben.

Als wir, oder vorallem ich ein Kind war habe ich dir beigebracht wie man krabbelt, wir haben zusammen in einem Bett gelegen, du hast dich an mich gekuschelt und ich habe dir Abends etwas vorgesungen oder gelesen, bis du es nicht mehr cool fandest. Ich begleite dich zu deinen Arzttermienen wenn unsre Eltern auf der Arbeit sind.

Ich weiß das wenn ich das nun alles so sage als wäre ich nun die Person die von allen die genannt wurden alles richtig macht, doch ich weiß das ich dann wohl auch ein Einhörner glauben muss wenn ich mir das wiklich einbilde. Deswegen beschwere ich mich nicht wenn du vor allem behauptest ich würde dich nicht lieben und nur anmotzen wie eigentlich jeder Mensch laut deiner Sicht auf die Welt. Ich reagiere nicht wütend wenn du deine Ignoranz damit entschuldigst das du damals noch ein kleines Kind warst und dich aufgrund deiner nicht mehr vorhandenen Erinnerungen so respektlos mir gegenüber verhälst, auch wenn ich dich sehr oft anmotze wenn du meiner Meinung nach sehr oft den Boden überspannst.

Weil du mir eineinziges Mal gesagt hast das ich nicht nur deine große Schwester, sondern auch deine zweite Mutter wäre. Ich weiß nicht mal ob du dich noch an die Worte erinnern kannst, doch ich halte daran fest.

Den eine Mutter liebt ihr Kind auch ohne das es ihre Zuneigung zeigt und so ist es bei mir.

Ich liebe dich, bin stark für dich.

Und wenn der Tag kommt an dem du deinen eigenen Weg gehst,
vielleicht gelernt hast mehr an andere zu denken.
Nicht mehr so faul zu sein.
Werde ich stolz auf dich sein, da du es aus eigener Kraft geschafft hast.

Doch so lange es nicht dazu kommt werde ich für dich da sein.


Immer.


Deine Schwester Natalie
 
 
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