Dämonenblut

von GreyC86
GeschichteAllgemein / P18 Slash
Algaliarept "Al" Ellastbeth Withon Ivy Alisha Tamwood Nicholas"Nick" Sparagmos Rachel Mariana Morgan Trenton "Trent" Aloysius Kalamack
10.08.2018
10.11.2019
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   Trent
   
   Trent stellte die Dusche aus und verharrte noch kurz, wie um sich zu sammeln. Der morgendliche Ausritt hatte ihn entspannt. Trent hatte beschlossen, das einmal die Woche Stabkampf-Training reichen würde. Auf dem nächsten Elfentreffen hatte er sowieso anderes zu tun, als in den Ring zu treten und er musste sich mehr auf seine magische Ausbildung konzentrieren.
   Er hatte Jon erst heute morgen mitgeteilt, dass Stabkampf-Training zu kürzen und sich dafür mehr seinen Magiestudien zu zu wenden. Es war ein gutes Argument gewesen, gegen das sein Klanpriester nur wenig einzuwenden hatte. Morgen würde Trent ihm mitteilen, dass er beschlossen hatte, allein – also ohne ihn - zu lernen. Es war immer besser gewesen, Jon die großen Entscheidungen schrittweise mitzuteilen. Bis jetzt
hatte er sich einverstanden gezeigt – womit der entscheidende Schritt getan war. Der morgige würde für Jon zwar eine zu schluckende Kröte werden, aber was wollte er dann noch dagegen sagen, dass Trent sich mehr auf die wilde Magie der Elfen verlegen wollte, wenn er dies heute bereits zugesagt hatte.
   Statt dem Stab-Training heute hatte Trent einen Ausritt gemacht. Es war die perfekte Alternative gewesen und Kathi hatte ihn im Ring gegen Jon vertreten, was ihm auch Zeit gab, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Die letzte Zeit war mit Terminen voll gepackt gewesen.
   Trent hatte kaum Zeit für Ausritte oder seine Hundezucht gefunden, die er sowieso mehr managen ließ als alles andere, aber die wenige Zeit für seine Hobbys wurde trotzdem immer weniger. Er verbrachte seine Tage mit seinem Leben als CEO. Ganz zu schweigen von Lucy, die er sah nur zwei bis drei Mal die Woche sah. Immer wenn es sich ergab, obwohl das die Sachen war, die ihn am meisten ärgerte. Er hatte sich vorgenommen, nicht so wie sein Vater zu werden.
   Trent trat aus der Dusche und begann sich abzutrocknen. Er würde sich gleich eine Kleinigkeit von Maggie zubereiten lassen und dann endlich Rachel eine Nachricht zukommen lassen, das er sie wiedersehen wollte. Er hatte sich dafür ihre Handynummer besorgen lassen.
   Es wäre das einfachste und vielleicht dadurch der beste Plan. Trent steckte sich sein Handtuch um die Hüfte fest und ging in sein Ankleidezimmer. Sie brauchte keine Angst zu haben, dass er sie wegen eines Jobs ansprach und er hatte ihr genügend Zeit gegeben, damit einigermaßen klar zu kommen. Was immer auch immer während ihrem ersten Date geschehen war, weshalb sie abgehauen war – ob er sie mit dem Kuss überfordert hatte, gerade so viel passiert war - darunter Ivys Auszug. Diesmal würde er ihr genügend Zeit geben. Immerhin konnte sie per SMS antworten wann sie wollte - Wie auch er seine Worte ganz genau wählen würde.
   Trent zog seinen Krawattenhalter hervor, an dem in regelmäßigen Reihen seine Krawatten in einem ganzen Farb- und Musterspektrum aufgehangen waren. Er wählte eine dunkelblaue und begann, sie sich um den Kragen seines weißen, gestärkten Hemdes zu binden. Wenn er sich beeilte, blieb ihm noch eine halbe Stunde, bis Kathi nachkommen würde. Er zog sich schnell an und als er im gemeinsamen Wohnbereich, der an die Küche anschloss, Maggie nicht sah, beschloss er schnell weiter zu gehen und seine Nachforschungen zu beenden, bevor jemand bemerkte, was er vor hatte.
   Natürlich war es unter normalen Umständen gar kein Problem, dass Trent etwas als CEO einsehen wollte. Leider war seine Assistentin die beste Freundin von Ellasbeth – die wie ihre Schwester aufgewachsen war - und er musste sie nicht über jeden seiner Schritte unterrichten. Ellasbeth benahm sich in letzter Zeit sonderbar. Trent wusste, dass er daran die Schuld trug, denn es hatte vielleicht unterschwellig immer die Möglichkeit für eine zukünftige Beziehung zwischen ihnen beiden gegeben, nachdem sie ihrer Tochter zu Trent nachgezogen war – was auch viele andere Elfen sicher immer noch in Betracht zogen. Die Presse tat dies zumindest ständig, wenn diese nicht mutmaßten, ob er etwas mit Ceri hatte.
   Nachdem Trent jedoch vor anderthalb Monaten in ihrem Büro aufgetaucht war und sie unterrichtet hatte, dass er sich eine Beziehung mit Rachel wünschte, war es endgültig vorbei. Es erschien ihm zu der Zeit als eine gute Idee. Ellasbeth hatte ihm damals, als sie noch verlobt gewesen war, bereits öfter Interesse an Rachel unterstellt und er hatte nicht gewollt, dass es ihr vorkam, als hätte es einen schwammigen Übergang gegeben.
   Trent hatte es getan, um Ellasbeth bewusst zu machen, dass er erst ab diesen Zeitpunkt etwas von Rachel gewollt hatte und nicht früher. Auch, damit er und Ellasbeth später ein gemeinschaftliches Auskommen miteinander finden konnten und sie ihn nicht ein Leben lang mit Vorwürfen bombardierte, dass sie es schon immer hatte kommen gesehen. Sie hatte sich am Anfang auch verständig gezeigt.
   Leider war das Ganze wohl eher Makulatur gewesen. Ellasbeth hatte ihre Fassade noch eine Zeit lang aufrecht halten können, aber diese hatte in den vergangenen Wochen immer mehr Risse bekommen. Sie hatte sich unter dem Vorwand, arbeiten zu müssen, immer mehr zurück gezogen, die gemeinsamen Fütterungen von Lucy ausgesetzt, wodurch diese auch langsam bei Trent ins Hintertreffen geraten waren, da sein Terminplan einfach zu voll war. Helen konnte seine Tochter auch genauso gut füttern und zugegeben fehlte die nötige Verpflichtung ohne Ellasbeth – die zeterte, wenn er nicht auftauchte. Nun schien es ihr jedoch geradezu egal zu sein, dass sie nie da war. Sie hatte Lucy wohl so gut wie abgestillt, so dass sie morgens nicht mehr kommen musste und war im allgemeinen äußert kurz angebunden.
   Trent konnte zwar noch nicht genau sagen, was das bedeutete, aber es hatte etwas zu sagen. Es war nicht nur die Tatsache, dass der Termin Institutseröffnung, die nun näher rückte, so lange geschwankt hatte. Es steckte mehr dahinter.
   Trent ging zu seinem Geschäftsbüro mit dem Aquarium und schnappte sich beim Vorbeigehen, den großen Ordner der Gala für kommenden Samstag von Kathis Schreibtisch. Er schloss die Tür hinter sich, öffnete den Ordner, um sich die Sitzordnung anzusehen und hoffte auf eine einfache Lösung, um Rachel mit an seinem Tisch unter zu bringen.
   Im schlimmsten Fall würden Kathi und Nick – die die Feier zusammen koordinierten – alles umstellen müssen, was unheimlich aufwendig wurde. Trent wusste nicht, wen der beiden er diese Aufgabe lieber aufdrücken würde: Ellasbeths Sandkastenfreundin, die eine Fehde gegen ihn führte, seitdem sie ihn das erste Mal gesehen hatte oder dem Supertalent in Elfenmagie und Jons neuen Lieblingsschüler – auch wenn sich Jon nicht ganz anmerken lassen wollte, dass er mittlerweile etwas für Nick übrig hatte und diesen mit zum Klans zählte.
   Trent runzelte die Stirn, als er hinter der ersten 'offiziellen Sitzordnung' eine zweite 'inoffizielle Sitzordnung' fand, die vollkommen anders aufgestellt war, als die erste. Am Haupttisch der offiziellen sollten die wichtigen Gründungsmitglieder des Instituts sitzen, genau wie Trent es sich gedacht hatte: Ellasbeth, ihr Vater mit Ella und natürlich Trent. Dazu noch einige wichtige Gäste. Die inoffizielle änderte diese jedoch komplett. Ellasbeth saß mit einigen Freundinnen zusammen, möglichst weit von ihren Eltern entfernt oder besser ihrer verhassten Mutter Ella und bildete mit Trents Tisch fast schon ein Dreieck, über den ganzen Saal verteilt, so dass sich keiner wirklich zu nahe kam. Bei Ellasbeth und Ella war das vielleicht keine schlechte Idee, wenn man das letzte Elfentreffen bedachte. Trent hatte auch keine wirklichen Ambitionen ihren Vater wieder zu sehen. Aber der Rest? Am meisten erstaunte Trent jedoch, wer neben ihm saß: 'R. Morgan'. Das konnte nicht sein.
   Trent blätterte zu der Gästeliste und entdeckte Rachels Namen unter den Gästen – als sein 'Plus Eins' – und sie hatte bereits gestern Abend per Email zugesagt. Verdammt, das hätte schief gehen können.
   Trent atmete einmal tief durch und ließ seinen Blick über die Decke schweifen.
   Das durfte doch nicht wahr sein.
   Was hatte Ellasbeth nun wieder vor? Kurz entschlossen griff sich Trent seinen Autoschlüssel und verließ sein Büro. Er stellte den Ordner wieder auf den Tisch zurück, als hätte er ihn nie in der Hand gehabt und schaltete den Monitor zu Kathis PC an. Glücklicherweise hatte er einen Master-Key. Er war schneller in Ellasbeths Terminplaner, als es Kathi je erwarten würde.
   Es passte sogar. Ellasbeth hatte heute morgen ein Treffen mit der Floristin und dem Equipment-Verleiher.
   Trent würde sie zur Rede stellen. Er schloss alle Programm wieder, so dass Kathi nicht ahnen würde, woher er gewusste hatte, wo sich Ellasbeth gerade befand, dann schlenderte er zurück in Richtung Wohnbereich, so dass jeder annehmen würde, dass er Frühstücken ging und verschwand durch die mit einem Sicherheitsschloss versehenden Tür in die Parkgarage.
   Er brauchte mit seinem Sportwagen keine zehn Minuten bis zum Pförtnerhäuschen und durch die neu ausgebaute, geteerte Straße war er in weiteren zehn vor der monströsen, weißen Villa mit den beiden großen Wintergärten an den Seiten.
   Weder die Floristin noch der Equipment-Verleiher waren bis jetzt eingetroffen, da niemand vor dem runden Wendehammer vor dem Eingang parkte. Wenn alles klappte, hätten er mehr als genügend Zeit herauszufinden, was sie vor hatte, bevor die Dienstleister eintrafen oder Kathi sein Verschwinden bemerkte. Trent stellte seinen weißen Camaro einfach direkt vor der Tür ab und stieg aus.
   Er fühlte sich etwas beklommen, als er den großen Lichthof im Inneren der Villa betrat, der so groß war, dass man ihn ohne weiteres als Saal benutzen konnte und auf dessen gegenüberliegende Seite zwei ausgewachsene Orangenbäume ein schmiedeeisernes Tor flankierten, das mit seinen halbkreisförmigen Oberfenster fast so hoch wie die Bäume war.
   Trent kam nur äußerst selten hier her. Er hatte hier viel Zeit mit seiner Mutter in den Sommern verbracht und dieser Palast war in der Erwartung erbaut worden, dass er irgendwann Ellasbeth heiraten und den Elfenthron besteigen würde, um mit ihr, von ihr aus zu regieren.
   Trent erklomm die eine von zwei geschwungenen Wendeltreppen, die auf den offenen Flur des ersten Gebäudeabsatzes führte in dem Ellasbeth wohnte. Wenn, dann war sie sicher hier zu finden.
   Er klopfte kurz an, bevor er die Tür langsam öffnete. Das Rauschen einer Dusche war zu hören. Trent verzog unsicher der Gesicht. Er wusste nicht ganz, ob es sich damit jetzt erledigt hatte. Er konnte sie schlecht bis unter die Dusche verfolgen.
   „Sa'han?“
   Trents Blick fiel ins Bett, das genau durch den schmalen Türspalt zu sehen war und das in einen kurzen Abstand von der Tür begann. Nick?
   Nick rappelte sich nackt auf und raffte die dünne, weiße Leinenbettdecke um sich, während er Anstalten machte, aufzustehen, als wenn er gleich die Flucht ergreifen würde.
   Das konnte nicht wahr sein!
   Trent spürte, wie sich ihm die Brust zuschnürte. Er öffnete die Tür, während ihm ein eiskalter Schauer den Rücken herunterlief und seine rechte Hand zu prickeln begann, als wenn sie eingeschlafen wäre. Nick brach zitternd vor Krämpfen, wie bei einem epileptischen Anfall, auf dem Bett zusammen.
   Trent starrte ihn entgeistert an. Er brauchte eine kleine Sekunde, um zu verstehen, dass er den Anfall mit seinen Sklavenring auslöste. Trent verzog widerwillig den Mund, dann umfing er mit seiner linken Hand seine rechte, wie um seinen Zauberring abzuschirmen. Das Kribbeln in seiner Linken erstarb und Nick hörte auf zu zucken. Er lang flach im Bett und es dauerte einen Moment, bis er es schaffte, wieder gepresst einzuatmen und sein Körper ein kurzes zittern durchlief, bevor er sich etwas entspannte.
   Scheiße.
Hatte er eben fast seinen zukünftigen Hohepriester gegrillt? Die Worte in Trents Kopf fühlten sich immer noch falsch an. Nick – Hohepriester. Es war einfach falsch.
   Trent fasste sich durch die Haare, wenigstens hatte Nick nicht geschrien. Er hätte nicht gewusst, was dann los gewesen wäre. Ellasbeth wäre in den Raum gestürzt und das mit dem Sklavenring wäre heraus gekommen. Es war sowieso schon schlimm genug, dass er Nick nie wirklich vertrauen könnte, was sicher nicht besser wurde, wenn der Kreis der Wissenden, dass er diesen Ring trug, größer wurde.
   Ellasbeth würde verlangen, dass Trent ihm Nick abnahm. Alle Elfen würden es verlangen. Jon bereute es zutiefst, das Quen und Trent Nick den Ring angelegt hatten. Damals schien es eine gute Idee gewesen zu sein und eigentlich war es das immer noch.
   Nick war nicht hundertprozentig zu trauen und Trent bezweifelte, dass es sich je ändern würde. Er wusste jedoch, dass er sich um ein gutes Verhältnis mit ihm bemühen musste, selbst, wenn er es in seinem Inneren nicht wollte.
   „Entschuldige, Nicholas“, erklärte Trent wirklich aufrichtig. Was ihn wahrscheinlich ein paar Minuten später nicht mehr gelungen wäre. Nicholas und Ellasbeth klang auch verdammt falsch.
   Die Elfenprinzessin und der diebische Straßenköter, der in sich schlummernde Talente verborgen hatte.
Es war jedoch nicht die erste dumme Blödheit, die sie begangen hatte. Trent wusste nicht genau, was er denken sollte. War es wieder nur ein Schnellschuss, ein von ihr übereilte Reaktion?
   Er machte verlegen einen Schritt zur Seite und trat auf etwas kleines, eckiges, silbernes, was unter seinen Schuh wie Plastik knirschte. Eine Kondomverpackung, auch das noch.
   Trent hatte das Gefühl, dass ihm die Situation deutlich zu viel wurde. Nur war er niemand, der einfach so die Flucht ergriff. Nicht vor so etwas. Es würde es nur schlimmer machen. Er rang die noch immer mit einander verschlungenen Hände ineinander und wurde sich seines Ringes wieder bewusst, den er sonst gar nicht bemerkte, da er ihn unsichtbar machte, dann ließ er sie los.
   Nick erhob ermattet die Hand, blieb ansonsten jedoch unwohl aussehend flach auf dem Bett liegen und winkte ab. „Schon gut. Ich dachte eher, dass es mein Ende ist, wenn du es irgendwann herausfindest“, entgegnete er schwach und entlockte sich selbst damit ein ein mattes Lächeln auf dem bleichen Gesicht, das Trent ihn am liebsten nochmal geschockt hätte.
   „Nichts für ungut“, Trent wandte sich ab, da ihn der Anblick nur wieder wütend machte. Nick und Ellasbeth schienen, was das anging, beide zu wissen, wie man seine Knöpfe zu drücken hatte.
   Warum sollten sie sie also nicht zusammen drücken?
   Trent wand sich zum Fenster und ließ den Blick über die Baumgipfel bis zum See schweifen. Er hatte bereits einen leichten Verdacht auf der Elfenkonferenz gehabt, der jedoch nichts ergeben hatte. Jetzt war es also doch so - Was es bedauerlicherweise aber auch nicht besser machte.
   Er atmete einmal ruhig durch, um einen kühlen Kopf zu bewahren und konnte verärgert feststellen, dass er Nick immer noch im Spiegelbild des Fensters sehen konnte: Wie er sich erneut mit einem schummerigen Gesichtsausdruck daran machte aufzustehen und die Laken um seine Hüfte raffte. Die letzten Monate - nachdem Nick den Hundezwinger verlassen hatte - und das Fitnesstraining von Jon hatten ihm offensichtlich gut getan. Seine damals abgemagerte Statur war Vergangenheit. Er war fast schon mehr als nur drahtig, seine Schultern waren durch die neuen Muskeln breiter. Dazu erholte er sich viel zu schnell von dem Krampf, als das sich Trent das gewünscht hätte. Etwas mehr Demut würde ihm guttun.
   Trent versuchte nicht darüber nachzudenken. Wenn Ellasbeth einen kleinen Lustboy brauchte, um vernünftig zu bleiben, dann war das so. Die Aktionen in den letzten Wochen bekamen eine ganz anderen Note, wenn er bedachte, dass sie offensichtlich darum bemüht war, bei Trent auf Abstand zu gehen. Er wusste, dass es mit Ellasbeth und Nick nicht von sonderlich langer Dauer sein würde – was ihre Affären nie waren - und wenn es ihr den Übergang erleichterte?
   Immerhin hatte er final mit ihr Schluss gemacht.
   „Ich informiere Miss Withon, dass Sie hier sind“, Nicks Stimme klang noch immer belegt. Er ging etwas steif in Richtung Badezimmer.
   Trent drehte sich zu ihm um, um ihn aufzuhalten. Ließ es dann jedoch.
   Nick blieb anständig, wie es von einem guten Assistenten zu erwarten wäre, an der Badezimmertür stehen und öffnete sie nur einen witzigen Spalt. „Miss Withon, Mister Kalamack ist hier und möchte Sie sprechen.“
   Trent musste fast bei den Gedanken grinsen, was sie wohl gerade für ein entsetztes Gesicht unter der Dusche machte, dass er es herausgefunden hatte. „Ich warte unten“, bestimmte Trent selbstsicher und ging, ohne sich noch mal umzudrehen.
   
   
   Nick
   
   Verdammte Scheiße, beinahe hätte er sich weggesprungen. Nick musste sich unbedingt mit Adam unterhalten, was 'unangenehme Bauchschmerzen, die der Sklavenring noch bei ihm verursachen konnte', bedeuten sollte. Es war nur dem Umstand geschuldet, dass die Luft zuerst aus Nicks Lungen gewichen war, so dass er nicht mehr richtig schreien konnte, dass er nicht die ganze Villa zusammen gebrüllt hatte. Es hatte sich angefühlt, als wenn er lebendig ausgeweidet werden würde, während sich seine Muskeln in einem mörderischen Krampf wanden.
   Trent verließ mit selbstsicherer, wenn auch versteinerter Miene Ellasbeth Schlafzimmer. Das konnte nur Ärger bedeuten.
   Nick ließ das Bettlaken fallen, hob schnell die einzelne Kondomverpackung auf. Er ging damit ums Bett, um diese in den kleinen Mülleimer neben dem Bett zu schmeißen und ihn unter das Bett zu schieben, so dass er nicht mehr auffiel – es würde Ellasbeth nur zusätzlich aufregen, dass er es nicht geschafft hatte, gleich alles in den vorhergesehenen Mülleimer zu schmeißen und dass Trent über die Verpackung gestolpert sein könnte.
   Dann ging Nick in das große Badezimmer. Ellasbeth stand mit schreckgeweiteten Augen, vollkommen entsetzt unter der laufenden Dusche und sah aus, als wenn sie um Fassung ringen würde. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Trent es herausfinden würde, aber das es so plötzlich kam, hatte sie beide nicht erwartet.
   Nick konnte sich gut vorstellen was in ihr vorging. Sie liebte Perfektion und dazu gehörte sicher nicht, das ihr Boss und Ex-Verlobter herausbekam, dass sie sich mit ihrem Assistenten eingelassen hatte. Selbst vor Ceri, die mittlerweile wusste, das zwischen ihnen etwas lief, verhielten sie sich, als wenn Nick und sie nur die Arbeit verband, was ihn auch nicht störte. Immerhin hatten sie den Status einer offenen und vor allem geheimen Affäre.
   Nick zog die Badezimmertür zu und stieg zu ihr unter die Dusche. Das warmes Wasser lief über seine Haut – etwas das er normal als sehr angenehm empfunden hätte. Nun verursachte bei ihm aber ein unangenehmes Prickeln, dazu stellte sich die Haare auf seinen Armen auf.
   Sie blickte ihn vollkommen verständnislos, fast schon entsetzt, an, ließ sich aber von ihm in die Arme ziehen. „Es wird alles gut, Beth“, erklärte er vollkommen selbstsicher, obwohl er selber nicht wusste, was jetzt werden würde.
   Ellasbeth hatte bei ihm mit einem Elfen weit unter ihrem Stand eingelassen. Im simpelsten Fall würde man ihr den Umgang zu verbieten. Das Nick eine Begabung in Elfenmagie hatte, also etwas reiner war als der Durchschnittspöbel, zählte da wahrscheinlich nur wenig. Man musste als jemand von Stand geboren sein, um mit jemanden von Stand anbändeln zu dürfen – zumindest, wenn es nicht noch weitere elfische Spezifikationen gab.
   Ellasbeth stand eine Sekunde bewegungsunfähig in seinen Armen, bis sie begann langsam aus der Erstarrung aufzutauen. Ihre Arme glitten um ihn und hielten sich an ihm fest.
   Nick küsste ihren Haaransatz und sie lehnte ihren Kopf gegen seine Brust. Er hoffte, dass sie auf die nächste Frage die richtige Antwort fand, denn sie würde entscheiden, wie es weiterging: „Wie möchtest du weiter verfahren?“
   Es dauerte einen Moment, bis sie antwortete, aber Nick ließ ihr die Zeit, obwohl er zunehmend nervöser wurde, dass sie einfach Schluss machte.
   „Wir machen so weiter wie bisher“, entschied sie, obwohl sie es nicht schaffte ihn anzublicken, „du bist mein Assistent, mit allen Arrangements und bleibst es auch.“
   Nick musste lächeln. Sie schien ihre Beziehung, egal wie ungewöhnlich sie war, auch zu genießen.
   „Ich werde das regeln“, entschied sie, „du wirst duschen, dich fertig machen und Tee zubereiten. Falls ich dich eher brauche, ruf ich,...“ Sie stockte, als sie ihn endlich ansah und sein Lächeln bemerkte, „...oder es an der Tür klingelt“, versuchte sie möglichst neutral weiter zu reden, wobei sie leicht errötete, „...halt dich also bereit.“
   „Ja, Miss Withon.“
   Ellasbeth lächelte zaghaft, dann trennte sie sich von ihm und verließ die Dusche.
   
   
   Trent
   
   Trent ließ ihr die Zeit, auch wenn es ihm schwerfiel. Er überlegte zwischendurch, ob er Quen anrufen sollte, ob seine Wachleute denn so gar nichts bemerkt hatten, aber wenn es vielleicht doch noch nicht lange lief? Und welchen Eindruck vermittelte er damit?
   Trent beschloss, in die Defensive zu gehen, auch wenn es ihm nach fünf Minuten dermaßen ärgerte zu warten, dass er am liebsten nach oben gegangen wäre, um zu sehen, wo Ellasbeth blieb. Die Antwort war jedoch eindeutig: Sie duschte und dann machte sie sich fertig, während sie Pläne schmiedete, wie sie ihm das Ganze am besten verkaufte.
   Trent beschloss zu warten. Immerhin hatte sie so auch Zeit, sich zu beruhigen – denn sie hatte sicher nicht geplant, mit jemanden wie Nick erwischt zu werden. Trent ging zur Minibar, um sich einen guten Schluck zu genehmigen, obwohl er noch nichts gegessen hatte. Ihn morgens so fertig zu machen, schaffte wirklich nur sie. Er öffnete die eine Schwingtür in einem großen Schrank hinter der sich die verstecken Spirituosen befanden und musste stellen fest, dass Ellasbeth eher eine ganze Bar hatte. Der Schrank war von unten bis oben, inklusive Glaskühlschrank mit allem bestellt, was man auch nur ansatzweise einem Gast an Getränken anbieten konnte.
   Trent überlegte kurz und nahm sich dann eine Nussmischung, zusammen mit einem kaltgestellten Orangensaft. So behielt er jedenfalls einen kühlen Kopf.
   Er wartete die nächsten Minuten in einem der Sessel der großen Sitzecke vor dem Kamin und versuchte, die Kinderschaukel im angrenzenden Wintergarten zu ignorieren, bei der sie mehrere Sommer als Kinder miteinander gespielt hatten.
   Er kannte Ellasbeth praktisch seit ihrer Geburt und so lange waren sie auch miteinander verlobt. Sie hatte sich nicht nur zu einer unheimlich halsstarrigen Nervensäge, sondern auch zu besten Zelltransplantations- und Gentechnikexpertin seiner Rasse gemausert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Ellasbeth in seinen Klan einwilligte, was auch bedeutete, dass er sie nie wirklich los werden würde und Trent wäre dann dafür zuständig, sie standesgemäß zu vermählen.
   Trent erschauderte bei dem Gedanken. Sie hatte annähernd soviel in den letzten Jahren durchgemacht wie er, warum sollte sie nicht auch noch ein wenig Freiraum haben, bevor der ernst des Lebens losging?
   Und ob sie unter Spaß Nick oder einen anderen, unadeligen Elfen verstand, was machte das schon?
Die Situation war sowieso beschissen, obwohl sie sich mit Nick natürlich eine ganz besondere Praline herausgesucht hatte. Aber welche Wahl hatte sie auch? Quen war vergeben und Jon war Jon – das wäre erst richtig verstörend gewesen.
   Trent nahm einen ordentlich Schluck aus dem Glas und war froh über den Geschmack, da ihn der Orangensaft um einiges besser als alle anderen puren, klaren Alkoholika schmeckte und er mit anderen nicht anfangen wollte. Wenigstens war Nick unfruchtbar und sie schützen sich vor übertragbaren Krankheiten.
   Es würde jetzt langsam alles zwischen ihr und Nick herauskommen und die geheime Spannung würde verpufften. Wenn Trent irgendein Reporter gewesen wäre, wäre es wahrscheinlich sofort vorbei gewesen und er hätte sich überlegen müssen, wo er mit dem ehemaligen Lustknaben von Ellasbeth hin sollte, da sie ihn nicht mehr um sich hätte haben wollen. Da es sich dabei aber um Trents 'späteren Hohepriester' handelte, konnte er ihn nicht irgendwo arbeiten lassen, sondern er musste in der Nähe bleiben. Etwas, was Ellasbeth sicher vollkommen inakzeptabel fand. Es wäre ein Drahtseilakt.
   Trent war bei dem Gedanken fast schon froh: Wenn es langsam abkühlte - zumal er irgendwann zugeben musste, was er an Nick hatte - dann gab es die Möglichkeit, das Ellasbeth nicht drauf bestand, dass Nick fort musste. Oder zumindest nicht soweit. So oder so. Er gab ihnen bis Weihnachten.
   Wenn es mit Rachel laufen würde, wäre es auch ein leichterer Übergang für Ellasbeth, die sich mit Rachel schwer tat. Egal das es gerade den Anschein machte, dass Ellasbeth versuchte, Trent und sie zusammenzubringen, ihre wahren Absichten blieben im Verborgenen. Auch, wenn es ihm die Möglichkeit für eine kleine Schläue bot – zumindest wenn sie gerade versuchte, sich selber zu täuschen.
   Es dauerte noch einmal mindestens zehn Minuten bis sie auftauchte– Trent zwang sich irgendwann, nicht mehr auf die Uhr zu schauen. Er hatte schon angenommen, dass sie das Gespräch vor der Floristin und dem Equipment-Verleiher führen mussten.
   Ellasbeth hatte sich ein blass blaues Kostüm angezogen, das farblich perfekt zu ihren hochhackigen Schuhen passte. Ihre Haare waren zu einem strengen, wenn aus eleganten Dutt gesteckt. Sie hatte sich für ein sicheres Auftreten gestylt.
   Jetzt war Trent nur froh, dass sie nicht noch länger gebraucht hatte. Er stand auf, schenkte ihr selbstsicher ein Glas Whiskey ein, um es ihr hinzuhalten.
   Sie hielt es kurz in der Hand, bevor sie es wegstellte. „Worüber möchtest du mit mir reden, Trenton“, fragte sie vollkommen neutral, aber mit winziger Stirnfalte, das deutlich sagte, dass sie nicht über das reden wollte, was gerade geschehen war.
   Trent schüttelte nachlässig den Kopf und setzte sich in den Sessel zurück, in dem er eben bereits auf sie gewartet hatte. Diesen Gefallen würde er ihr sicher nicht tun.
   Ellasbeth sah einen Moment auf ihn herab, dann ließ sie sich in der Mitte des dreier Sofas nieder, näher bei ihm, als wenn sie auf der anderen Seite des Tisches Platz genommen hätte, aber immer noch auf Abstand.
   „Wir machen es wie folgt“, entschloss sich Trent, es gleich auszusprechen, „du trittst endlich in meinen Klan bei und ich lasse dir den Blödsinn mit Nicholas durchgehen. Wenn du ihn nun alledings doch nicht mehr möchtest, suche ich dir einen neuen Assistenten – mit dem du diesmal bitte nicht ins Bett gehst.“
   Ellasbeth sah ihn kalt an. Sie brauchte aber ein wenig Zeit, bis sie antwortete: „Du kannst ihn zu nichts zwingen.“
   Trent grinste selbstsicher und nahm einen Schluck Whiskey. Sie beide wussten, dass er es in gewisser weise als Klanführer konnte und da sie nicht wusste, dass er Nick nicht weit weg schicken konnte, nahm sie an, dass dies das auch möglich wäre. Seine Insel im Bermudadreieck brauchte immer ein paar vertrauenswürdige Helfer.
   „Nicholas ist ein zuverlässiger Assistent. Es wäre töricht ihn wegen so einer Lappalie zu bestrafen“, Ellasbeth wich seinem Blick aus und besah sich dabei ihren schmalen Goldring mit Saphir im Prinzessschliff an ihrem Finger, als wenn dieser kurz ihre Aufmerksamkeit erregt hätte.
   „Du weißt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis du in meinen Klan eintrittst. Du nimmst das Angebot deines Vaters nicht an, weil du Lucy sowie Kathi nicht verlieren möchtest, die es bereits verstanden hat und du hast es auch verstanden, deswegen hast du auch Rachel zum Samstag eingeladen.“
   Ellasbeth starrte ihn empört mit leicht blassen Gesicht an.
   „Tritt ein und ich erlaube dir, mit Lucy zu reisen. Du könntest deinen Vater besuchen oder sie mit in die Hamptons oder Aspen nehmen – ich bräuchte nicht mehr zu befürchten, dass du sie entführst.“ Es sprach so unheimlich viel dafür.
   Ellasbeth presste ihre vollen Lippen aufeinander und stand auf. Sie ging um das Sofa herum in den Wintergarten. Es war deutlich, dass sie nachdenken wollte, denn nur wegen Nick würde sie ganz sicher nicht in Trents Klan eintreten. Das Paket, dass er ihr bot, war jedoch gut – nur musste sie es auch erkennen.
   Das Zugeständnis mit Lucy tat Trent besonders weh, aber Ellasbeth hatte gerade sowieso wenig Zeit. Sollte sie doch auf einen Kurztrip ihre Eltern besuchen und das Verhältnis mit ihren Vater wieder etwas kitten. Trent konnte immer noch den hasserfüllten Blick von Walter auf sich spüren. Früher war er wie ein naher Verwandter gewesen, aber seit der geplatzten Hochzeit mit seiner geliebten Tochter lief es wirklich nicht gut zwischen ihnen – auch wenn es geschäftlich klappte. Elli war der Meinung, dass es sich wieder einrenken würde, dem aber ein wenig nachzuhelfen war sicher nicht verkehrt.
   Trent stellte das Glas weg und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Heute schien er viel Geduld haben zu müssen, dass sie darüber nachdachte war jedoch ein gutes Zeichen. Er hätte sich nur etwas zu arbeiten mitbringen sollen.
   
   Ellasbeth war immer noch nicht aus dem großen Wintergarten zurückgekehrt als es klingelte. Sie stand neben der Schaukel und nestelte an ihrer Halskette während sie durch die große Fensterfront nach draußen blickte.
   Trent hatte sich zwischenzeitlich sein Palm-Top aus der Anzugtasche genommen, um sich abzulenken und war bis zum Klingeln seine Termine für die nächsten Wochen durchgegangen, in der Hoffnung sich etwas freie Zeit zu schaufeln und vielleicht die ein oder andere Veranstaltung zu finden, zu der er Rachel einladen konnte. Sein Verschwinden musste zwischenzeitlich entdeckt worden sein, aber ob sie ihn gleich hierher nachstellten war fraglich.
   Es klingelte erneut. Musste jetzt wirklich er gehen?
   Trent war bereits dabei sich zu erheben, als Nick hinter dem Geländer auftauchte, hinter dem es nach unten zur Küche ging. Er stellte das Tablett auf die steinerne Brüstung des Geländers, eilte zur Haustür und achtete dabei besonders darauf, nicht in den Raum zu blicken.
   Trent war nur froh darüber, dass er jetzt nicht noch die Tür öffnen musste. Er folgte Ellasbeth Lustknaben mit seinem Blick, wie er mit schnellen Schritt davon eilte. Was fand sie nur an ihm?
   Trent wusste es nicht. Er schüttelte im Gedanken den Kopf und ließ sich wieder in den Sessel fallen.
   „Das ist ja gigantisch“, hörte Trent eine Frauen Stimme im benachbarten Saal schallen.
   Trent sah amüsiert dabei zu, wie Ellasbeth mit ausgezogenen Pumps in der Hand schnell zur der Treppen, die zur Küche führte, hechtete und herunterlief, als wenn sie die Flucht ergriffen hätte. Was sollte er denn bitte davon halten?
   „Ich war das erste Mal auch sehr beeindruckt“, räumte Nick ein, „hier entlang bitte.“
   Hier entlang? Trent verzog die Stirn, er wollte sie hier her bringen?
   Nick betrat den Raum, dicht gefolgt von drei Frauen. Die eine trug eher zweckmäßige Kleidung und zwei riesigen Blumenbouquets - eindeutig die letzte, enge Auswahl der Blumengestecke, die getroffen werden musste – die anderen beiden jedoch waren Miss Martson, die Bürgermeisterin von Cincinnati mit ihrer Assistentin Edith Hallock.
   Das hatte nicht in Kathis Terminplaner gestanden.
   Glücklicherweise waren alle drei viel zu beeindruckt von der vollkommen opulenten und überdimensionierten Villa mit ihren überhohen Decken und den mannshohen Kaminen, in denen man ganze Baumstämme verbrennen konnte, als das sie bemerken konnten, dass sie Trent auf den falschen Fuß erwischt hatten. Er stand schnell auf und packte seinen Palm-Top ein.
   „Miss Martson?“, begrüßte Trent sie höflich und ging auf sie zu.
   Miss Martson brauchte eine Sekunde, in der sie war wie gebannt in den großen Wintergarten blickte, der über die komplette Hausseite ging und in dem Bäume wuchsen, die groß genug waren, das man offensichtlich eine Schaukel dran hängen konnte.
   Miss Martson drehte sich Trents Stimme zu, blieb aber mit dem Blick noch kurz an dem Anblick des Gartens hängen. „Mister Kalamack“, stellte sie fest, nachdem sie sich endlich hatte losreißen können und lächelte etwas verlegen. „Ich hatte gar nicht erwartet, sie heute zu treffen.“
   „Ich musste mit Ellasbeth noch etwas wegen der Institutseröffnung besprechen“, schob Trent vor und lächelte selbstsicher, während Nick den Tee für sie alle brachte und den Whiskey samt dessen Gläser wegräumte.
   „Nicholas, holen Sie bitte Miss Withon?“, fragte Trent, während er sich setzte.
   Nick, sah ein wenig verwirrt durch den Raum, aber fing sich dann schnell wieder. Trent hätte ihm sagen können, dass sie durch die Küche verschwunden war, nachdem sich der Besuch angekündigt hatte, jedoch ging das mit dem Besuch vor der Nase nicht. Er konnte ihr Verhalten in gewisser Weise verstehen. Es wäre nicht das erste Mal, dass irgendwer versuchte, sie wieder zu einem Paar zu dichten, nur weil sie in der passenden Sekunde nebeneinander gestanden hatten.
   Manche Leute konnten es einfach nicht gut sein lassen.
   „Ja, Mister Kalamack“, Nick setzte die Teekanne auf ein Stövchen um, bevor er mit der Aufforderung ging, dass sie sich bitte bedienten.
   „Steht die Villa hier bereits länger?“, fragte Miss Martson und nahm immer noch mit wandernden Blick über die Wände platz. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie überlegte, ob es möglich war, für großer Events, die Villa zu mieten.
   „Ein-zwei Jahre“, erklärte Trent ruhig und dehnte die Wahrheit damit um gute zwei Jahrzehnte. „Sie haben das Parkhaus gefunden?“
   Miss Martson nickte, wie im Gedanken. „Sie sollten hier öfter Veranstaltungen machen.“
   „Dafür wird Ellasbeth schon sorgen“, entgegnete Trent in dem Wissen, dass er sie nicht davon abbringen konnte. Die Offenbarung der elfischen Rasse war auf unbestimmte Zeit verschoben und bis jetzt hatte er Ellasbeth immer nur davon abhalten können, das die ersten Veranstaltungen hier der Villa' mit seiner Krönung einher gehen sollte.
   Jetzt würde es – so ihre Meinung - zumindest ihre Institutseröffnung werden. Zumal sie unmöglich etwas in dem halbfertig gestellten Institutsgebäude veranstalten konnte und es ablehnte, die Feierlichkeiten auf dem Gelände von Kalamack Industries abzuhalten. Trent war es in Teilen nur recht, die Planung von Veranstaltungen sorgte immer für riesigen Tumult, der sich nun nach hier verlagerte. Außerdem reizte ihn nichts daran, als Elfengroßkönig seine Geschäfte hier abzuwickeln, wo er bei Kalamack Industries doch alles in greifbarer Nähe hatte.
   „Entschuldigen Sie die Verspätung,...“, fabulierte Ellasbeth glatt und kam mit einem großen, zusammengerollten Blatt Papier ins Zimmer, gefolgt von Nick, der gleich mehrere Mappen und Ordner trug, deren oberste drei eine Auswahl von Ellasbeth RAL-Farben-Sammlung, zum besseren Farbabgleich, waren. Trent kannte sie noch von ihrer geplatzten Hochzeit und hatte sie dort hassen gelernt. Ellasbeth hatte sie fast überall mit Kathi hingeschleppt, damit alles zusammen passte.
   Er schien hier langsam nichts mehr zu suchen zu haben,… Trent musste auch langsam an die Arbeit zurück. „Ich brauche deine Antwort mit Verifizierung - jetzt“, erklärte Trent und erhob sich, während er den zweitobersten Knopf seines Jacketts schloss und froh war, das ihm von Miss Martsons Assistentin noch kein Tee eingeschenkt worden war.
   Ellasbeth sah ihn mit kalten Blick an, der ihm sagen sollte, das es ihr jetzt nicht passte. Aber wann sollte es sonst besser passen, entweder sie würde jetzt zusagen oder es bis in alle Ewigkeit ziehen.
   Trent hatte ihr ein gutes Angebot mit ihren Eltern und Lucy gemacht und sogar zugesagt ihrer 'kleinen Verfehlung' freie Bahn zu lassen. Sie würde die nächsten Jahre hier in Cincy leben – Elfenstaat oder nicht, wenn sie sich ihm nicht anschloss, wäre sie auf sich gestellt, selbst wenn sie in den Withon Klan zurück kehrte, sie wäre immer die, die abgehauen wäre und damit nur semivertrauenswürdig.
   „Ich,...“, begann sie, um ihn abzuwürgen.
   „Das Zeitfenster schließt sich leider gerade,...“, beteuerte Trent und sah bedauernd erst auf sein Handy, als wenn dort etwas mehr als die Uhrzeit stehen würde und dann zu ihr. Er spürte, wie sein Magen sich bei dem Wagnis zusammenzog. Entweder sie würde endlich drauf eingehen oder er musste sich irgendwas überlegen, wie er Nick ersetzte ohne ihn wirklich weit zu schicken. Gerade kam ihm Ku‘Sox wie eine gute Lösung vor – bedauerlicherweise war er das schon lange nicht mehr.
   Ellasbeth sah ihn eine sehr lange Sekunde an, in der ihre Lippen immer schmaler wurden, während sie sich ihre Optionen durch den Kopf gehen ließ. „Nur eben schnell,...“, erklärte sie unwillig, als wenn es eine Formalität wäre, die sie kurz unterschreiben müsste.
   Nick, der gerade dabei war, seine Fracht möglichst ordentlich abzustellen, sah sie kurz mit fragenden Blick an, war jedoch klug genug nicht nachzuhaken.
   „Gut“, Trent spürte regelrecht wie ihm leichter wurde, um den Teil, der immer befürchtet hatte, dass sie sich in einer wilden, unbedachten Aktion falsch entscheiden würde, aber wenn sie es schafften, jetzt kurz die Formalitäten zu klären, dann war sie in nicht ganz zehn Minuten teil ihres Klans.
   
   
   Nick
   
   Er hatte eindeutig etwas verpasst. Nick schenkte den Anwesenden Gästen, die sie neugierig beäugten, noch einen kurzen entschuldigenden Blick bevor er hinter dem massiven, weißen Geländer des Treppenabgangs zur Küche hin verschwand.
   Er wusste, das etwas vorging, konnte aber nicht genau sagen was. Trent schien zumindest am längeren Hebel zu sein und Nick hatte das untrügliche Gefühl, dass er ihm die Oberhand hatte zu kommen lassen, indem die Affäre mit Ellasbeth aufgeflogen war.
   „Einen Moment bitte“, Trent zog sein Handy hervor.
   Nick blieb unschlüssig etwas abseits, in der Nähe von Ellasbeth stehen, die ihre Arme verschränkte hatte und zum weit entfernten Fenster zum Garten durch die weitschweifige Küche sah, als wenn sie nicht anwesend sein wollte.
   Scheiße, er hatte wirklich etwas losgetreten.
   „Jon? Ja, ich brauche eine Videoschalte zu Adair und Walter - Mister Withon“, verbesserte sich Trent etwas stockend und sah dabei jedoch viel zu locker aus, als dass es etwas gutes bedeuten konnte. „Ich warte,...“
   Trent blickte zu Nick. „Nicholas, nimm bitte den Aufzug zum Medienraum und holen den kleinen Equipmentkoffer mit das Aufschrift 'Filmkonferenz'.“
   Nick warf einen fragenden Blick zu Ellasbeth, doch diese beachtete ihn gar nicht, also fügte er sich in sein Schicksal. „Ja, Sa'han“, er nahm den Serviceaufzug, der ihn unbemerkt von den Gäste in das oberste Stockwerk brachte.
   Als er wiederkam, war es fast so, als wenn er nie weg gewesen wäre. Ellasbeth sah immer noch mit verschränkten Armen zum Fenster und Trent wartete am Telefon, auf die Bestätigung von Jon. Es schien fast so, als wenn sie versuchen würden, sich gegenseitig zu ignorieren. Was höchstwahrscheinlich auch der Fall war.
   Nick beschloss, nichts zu sagen. Er wusste nicht, was er tun sollte. Es ärgerte ihn aber, dass er eindeutig Trent in die Hände spielte. Nick öffnete den Koffer auf dem breiten Beistelltisch, der als neu installierte Essensablage für zukünftige Großveranstaltungen dienen würde und entklappte ein Stativ auf das er eine kleine Kamera schraubte.
   Trent griff sich zwei kleine Ohrclip-Mikrofone, wovon er eines an Ellasbeth weiter reichte.
   Sie brauchte eine Sekunde, um überhaupt zu realisieren, dass er etwas von ihr wollte. Dann blickte sie kurz verständnislos auf der Mikro, bevor sie es mit steinerner Miene an sich nahm und an ihrem Ohr festklemmte.
   Nick brauchte noch ein paar Sekunden, in denen er den Laptop, den er gleich im Koffer öffnete, hochfahren ließ und unter den Beistelltisch kroch, wo er wusste, dass sich ein Internetanschluss befand.
   „Wir können“, erklärte Trent, kaum das Nick wieder aufgetaucht war.
   Nick musste sich zusammenreißen, ihn nicht einen bissigen Spruch entgegenzuschleudern, aber er hatte sich bereits die vergangen Monate darin geübt, seiner Rolle als Nicholas Wright gerecht zu werden und er würde jetzt nicht damit anfangen.
   Ellasbeth schob sich immer noch mit verschränken Armen ins Bild der Laptopkamera. Der Hintergrund war mit der Spülstation und teilen des überdimensionierten Herdes nicht wirklich ansprechend.
   Nick hatte keine Ahnung, was er tun sollte, um ihr zu helfen, während Trent ein wenig nervös an seiner Krawatte spielte, als wenn jetzt alles sitzen müsste.
   Nick öffnete das Konferenzprogramm, indem sich bereits 'Jonathan Davados', als Teilnehmer befand und dessen mürrisches Gesicht in einen Tap auftauchte, als Nick den Laptop mit der Kamera dazuschaltete.
   Nach Jons Stirnfalte zu urteilen, schwante ihn auch nichts gutes. „Alles fertig, Sa'han?“, fragte Jon, etwas gedrückt klingend, durch die eingebauten Boxen des Laptops.
   „Jah,...“, entgegnete Trent etwas verklemmt, der endlich mit seinem Äußeren zufrieden zu sein schien und sich noch ein letztes Mal durch die Haare fasste.
   „Nick zögerte, während er nochmal auf den kleinen Kamera Bildschirm schielte und im Augenwinkel bemerkte, wie nun unter Jonathan Davados die Namen 'Adair Conner' und 'Walter Withon' auftauchten und sich im folgenden zwei Bilder entfalteten, die die beiden im Hintergrund ihrer jeweiligen Büros zeigte. Während Adair noch immer mit seinen blonden kurzen Haaren und blauen Augen so aussah, wie beim Elfentreffen, hatte Han Withon sein jugendliches Äußeres mittels Elfenmagie geändert. Er hatte sich für seine Mitte fünfzig, die er rein rechnerisch mit seine Maske aus Elfenmagie als Mensch haben müsste, gut gehalten. Seine leicht gewellten kurzen Haaren, waren immer noch Blond aber auf einen Gesicht zeigten sich dünne Falten, die ihm fast schon ein aristokratisches Äußeres verliehen.
   „Bei Ihnen auch alles zu ihrer Zufriedenheit, Miss Withon“, streute Nick die Frage, wie als weitere Ausführung von Jons Frage.
   Ellasbeth blickte ihn kurz kalt an, als wenn sie bis eben wieder damit beschäftigt wäre, nur körperlich anwesend zu sein und versuchte mit den Gedanken abzudriften.
   Trent schien die Frage jedoch mehr aus den Takt zu bringen, was nur wieder zeigte, dass er sich einen Dreck um ihre 'Zufriedenheit' kümmerte.
   „Der Deal steht?“, hakte Ellasbeth nach, die sich durch Nicks Frage doch langsam zu fangen schien. „Ich darf überall mit Lucy hinreisen und mich mit ihr frei bewegen?“
   Trent biss die Zähne zusammen. So hatte er sich den Beginn der Konferenzschaltung sicher nicht vorgestellt. „Ja“, räumte er etwas steif ein und blickte etwas entschuldigend in Richtung Laptop, dabei wären Adair und Han Withon sicher die letzten die die Randbedingungen nicht interessieren würde.
   Nick war nur erleichtert, dass es zumindest nicht direkt um seine Affäre mit Ellasbeth ging. Es hatte es aber sicher ausgelöst. Auch wenn Trent sicherlich schon eine ganze Zeit sich mögliche Leckerlis für Ellasbeth überlegt hatte, damit sie in seinen Klan kam.
   Das machte es trotzdem nicht besser, sondern eher schlimmer.
   „Ich möchte hiermit in euren Klan aufgenommen werden“, stellte Ellasbeth bockbeinig an Trent gewand fest, so dass es weniger nach einer Bitte, sondern mehr nach einer lästigen Forderung klang, die ihr aufgezwungen wurde.
   Trent bemühte sich um ein nettes Lächeln, dem seine Stirnfalten jedoch lügen straften. Er schien sich das ganze eindeutig 'besser' vorgestellt zu haben, das Ellasbeth einsehen würde, dass sie in seinen Klan gehörte, oder ähnliches – nur was konnte er erwarten, wenn er sie fast schon nötigte. „Ich nehme euch in meinen Klan auf“, erklärte er kurz und klang dabei sogar ein wenig zweifelnd.
   Der Zweifel schien sich jedoch schnell wieder zu legen. Nämlich als Adair bestätigte, dass er den Klanwechsel mitbekommen hatte.
   Nick versuchte eine neutrale Miene zu wahren.
   Han Withon brauchte etwas länger, aber am Ende tat er es auch.