between hell and heaven

GeschichteDrama, Romanze / P18
10.08.2018
12.01.2019
13
45213
15
Alle
27 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
So meine Lieben,

ein Kapitel voll mit NALU und ein bisschen wird was angedeutet ;) Zumindest ist es zum einen Teil etwas Fluff, ein bisschen Geärger von Seiten Natsus und halt auch leider ein sehr düsterer Teil von Natsu selbst. Aber ich will nicht weiter spoilern. Lest selbst und sagt mir eure Gedanken dazu ;) Ich bin gespannt, was ihr davon haltet. Oh und dieses Chapter ist wesentlich länger als sonst. Irgendwie konnte ich nicht aufhören ^^

Nächstes Kapitel kommt dann wieder Gajevy dran ;) Oh und ich hoffe, es war nicht schlimm, dass ich ab und zu ein paar Zeitsprünge mache.

Und wieder ein herzliches Danke an meine Beta Aruyara Miyashita

LG Z♥



Kapitel 12



Grelles, dröhnendes Piepen drang an ihre Ohren und sie brummte unwillig, vergrub sich tiefer in die Kissen. Sie war umgeben von Wärme und genoss diese regelrecht, kuschelte sich tiefer hinein. Ein würziger, dunkler Duft stieg in ihre Nase und ein zufriedenes Seufzen entfloh ihren Lippen, als sie ihr Gesicht an warme Haut schmiegte.

Moment … Haut?, dachte Lucy und runzelte die Stirn. Ganz langsam blinzelte sie und starrte direkt auf gebräunte, weiche Haut. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, begann zu rasen und Hitze stieg ihr in die Wangen, als sie realisierte, dass sie auf eine ganz bestimmte, ganz gewisse Brust starrte. Langsam hob sie den Blick, um sich zu vergewissern. Ihr Blick glitt über eine kräftigen Hals, über eine starke, harte Kinnlinie, vollen Lippen, einer eindeutig mehrfach gebrochenen, aber erstaunlich ansehnlichen Nase und blieb dann bei zwei dunklen Seelenspiegeln hängen, die amüsiert auf sie herabsahen. Sie schluckte leicht, fühlte, wie ihre Wangen brannten, wie ihre Kehle eng wurde und ihr Mund trocken.

»Morgen, Sonnenschein. Ausgeschlafen?«, fragte er und grinste unverschämt. Das Sonnenlicht schimmerte in seinen weißen Zähnen und Lucy blinzelte erneut. Sie rückte etwas von ihm ab, spürte die Scham darüber, dass er schon wieder in ihrem Bett lag.

Wieso kroch der eigentlich ständig zwischen ihre Laken? Hatte er kein zu Hause? Ihre Sinne tobten und als Natsu sich etwas in die Höhe stemmte, sich auf einem Arm abstützte und sich über sie beugte, holte sie aus und trat gezielt zu. Er wurde ruckartig aus dem Bett geworden und krachte unsanft auf den Fußboden.

»Boa, Lucy … musst du immer so brutal sein?«

»WAS SOLL DAS?«, schrie sie und zog die Bettdecke um sich, während sie sich an die Wand in ihrem Rücken presste, umso viel Abstand wie nur irgendwie möglich zwischen sich und dem ungebetenen Gast zu bringen. Wut brannte in ihren Schokobraunen Augen, aber brachte Natsu nicht aus der Ruhe. Er legte den Kopf schräg, grinste und zuckte mit den Schultern.

»Also weißt du … langsam könntest du dich daran gewöhnen, oder?«

»Wieso sollte ich? Ich kann mich nicht erinnern, dich eingeladen zu haben und jetzt verschwinde!«

»Ach komm schon … ich schwöre ich hab‘ dich nicht angefasst«, er zuckte mit den Schultern und lachte leise, erhob sich und gähnte dann, während er sich über den Nacken rieb. Ihre Augen weiteten sich und sie presste die Lippen zusammen.

»Wir sind nicht mal zusammen also wieso … «

»Ach komm, als müsste man für Sex zusammen sein«, schnaubte er und als seine Hand in die Boxershorts glitt, um sich zu kratzen, kreischte sie auf und warf ihm gezielt und mit ordentlich Schwung ein Kissen ins Gesicht.

»RAUS, DU PERVERSES EKEL, BEVOR ICH DICH WEGEN SEXUELLER BELÄSTIGUNG VERKLAGE!«

Natsu starrte sie einen Moment lang an, hatte in seiner Bewegung innegehalten und musterte sie, legte den Kopf leicht zur Seite. Dann lachte er. Sein Blick glitt wachsam, musternd über ihren Anblick. Die langen blonden Haare waren ungekämmt und einige Haare standen wild zur Seite ab. Ihre Haut schimmerte rosig und ihre Wangen waren hochrot vor Verlegenheit. Sie presste die weiße Decke fest an sich, was allerdings wunderbar ihre weiblichen Rundungen zur Geltung brachte und am Liebsten wäre er über sie hergefallen. Aber er verführte die Mädchen. Er hatte noch nie eine mit Gewalt genommen, denn erstens war Vergewaltigung weit unter seiner Würde und außerdem musste er sich normalerweise nicht großartig anstrengen. Aber Lucy war ein anderes Kaliber.

Sie fixierte ihn mit brennendem Blick, wartete ab, was er tun würde. Wartete darauf, dass er sich endlich bewegte und seinen Arsch aus diesem Zimmer schwingen würde. Ihre Sinne waren immer noch unruhig, Magie summte in ihrem Körper. Dann lachte er leise, hob seine Hände wie bei einer Kapitulation.

»Okay, es tut mir leid. Ich gehe schon. Aber beim Lernen bleibt es heute?«, fragte er und sah sie abwartend an. Sie zog die Brauen leicht zusammen, sah ihn grübelnd an, dann nickte sie.

»Ja, nachher 16 Uhr in der Bibliothek«, brummte sie und ihre Augen wurden schmal.

»Aber wehe du benimmst dich nicht, dann bin ich schneller weg, als du gucken kannst, ist das klar?«

»Ja, was auch immer, Sonnenschein«, meinte er unbeeindruckt, zog seine Klamotten an. Dann trat er an das Fenster neben ihrem Bett, öffnete es und sprang hinaus. Sie blinzelte und seufzte, ließ den Kopf auf ihre Knie sinken. Das war doch kaum zum Aushalten! Ständig kroch er in ihr Bett, wenn sie es nicht merkte. Zum Glück schien er wirklich nur zu schlafen und machte nichts Schlimmeres. Lucy fuhr sich durch ihre Haare und blieb in einem Knoten hängen. Schmerz zuckte durch ihre Kopfhaut und sie unterdrückte einen unschönen Fluch.

»Morgen … «, die müde Stimme von Levy drang an ihre Ohren und sie hob den Blick, lächelte leicht.

»Morgen. Schlecht geschlafen?«

»Mhm … Gajeel macht mir Sorgen«, gab Levy zu. Tiefe Schatten lagen unter ihren geröteten Augen. Ein Anblick, den sie inzwischen fast dauerhaft bei Levy sah und der ihr nicht im Geringsten gefiel. Die Blondine runzelte die Stirn und musterte die Blauhaarige, kaute auf ihrer Unterlippe herum. War Levy dünner geworden? Sie zog die Brauen zusammen.

»Isst du ordentlich?«

»Ja wieso?«

»Du siehst dünner aus. Dass ist nicht gut, Levy«, brummte Lucy und schluckte leicht. Sie mochte Levy und wollte nicht, dass diese krank wurde, oder ihrem Körper schadete. Ihr Herzschlag beschleunigte sich und dann grinste ihre Freundin.  

»Nein, keine Sorge. Gajeel würde mich mästen, wenns nötig wäre«, gab sie lachend zu, erhob sich und ging in Richtung Badezimmer, hielt auf der Treppe aber inne. Ihr schmaler Körper wandte sich Lucy zu und sie sah sie mit ihren großen Augen an, musternd, abwartend.

»Ist es in Ordnung, wenn ich zuerst eine Dusche nehme?«, sie wirkte besorgt und Lucy zog die Brauen hoch. Dann nickte sie nur und lachte leise.

»Ja kein Problem. Mach nur«, und mit diesen Worten, dieser Zustimmung huschte die kleine Studentin durch die Räumlichkeiten hinüber in das angrenzende Badezimmer.







~~ ღ ~~ ✿ ~~ ღ ~~








Er lief gähnend über den Weg, welcher ihn von ihrem Wohnheim zu Fairy Tail bringen würde. Das vibrieren des Lacrimapads in seiner Hosentasche ließ ein tiefes, unwilliges Grollen in seiner Kehle aufsteigen. Aber er wusste, es war wichtig. So zog er die flache Scheibe aus Kristall heraus, aktivierte den Bildschirm und nahm das Gespräch an.

»Mhm?«, knurrte Natsu in das Gerät und sein Blick glitt prüfend über das Gelände. Es war eindeutig noch zu früh und die meisten waren noch nicht unterwegs. Was ihn allerdings nicht wirklich entspannte. Er war angespannt wie immer. Unruhig und geladen.

»Dir auch einen guten Morgen.«

»Worum geht’s?«

»Sie ist aufgewacht.«

»Sie?«

»Yukino. Wendy hat ganze Arbeit geleistet und hat sie nicht einen Moment aus den Augen gelassen«, Grays Stimme am anderen Ende war ruhig wie immer und der pinkhaarige Magier blieb kurz stehen, spürte, wie ein Grinsen an seinen Mundwinkeln zupfte.

»Gut, ich war sowieso auf dem Weg«, erwiderte er, legte auf und begann zu joggen. Seine Muskeln waren müde, angespannt von der Nacht. Er hatte kaum geschlafen, war bis vor vier Stunden auf Patrouille gewesen und hatte sich dann heimlich zu Lucy geschlichen. Denn auch wenn sie nur eine Wette war, so konnte er bei ihr trotz wenig Stunden gut schlafen. Traumlos, tief und unglaublich erholsam war sein Schlaf, wenn er mit ihr im Arm in ihrem Bett schlief. Er wusste, dass er sich nicht so sehr auf sie einlassen sollte und er hatte nicht vergessen, was das eigentliche Ziel war. Das würde er unter keinen Umständen vergessen. Aber dennoch war es mal eine gute Abwechslung, nicht mit Albträumen aufzuwachen. Davon, jemanden zu jagen, zu versuchen sie zu beschützen und dann gezwungen zu sein, ihrem Tod zuzusehen. Es war eine Wohltat, Balsam für seine kaputte Seele.

Seit über zwei Wochen waren sie nun schon auf der Suche nach neuen Hinweisen. Seit der Abreise von Mira und Laxus, sowie Miras Bruder Elfman und dessen Frau Evergreen waren bereits zwei Wochen vergangen. Zwei Wochen, in denen sie jede Nacht die Stadt und die Umgebung absuchten, aber einfach nichts fanden. Gut. Magnolia war mit den Jahrzehnten eine der größten Handelsstädte an der Küste geworden und hier lebten gut 10 Millionen Einwohner. Da konnte es schon mal Wochen dauern und doch … dass sie bisher nichts weiter gefunden hatten als vor knapp zwei Wochen. Das war schon merkwürdig. Das war einfach nicht normal. Gut, die Dämonen des weißen und schwarzen Clans hatten sich in ihre Stadt zurückgezogen und alle waren in Alarmbereitschaft. So einfach würde keiner mehr an einen Dämon herankommen. Und doch war es merkwürdig, dass nichts passierte. Schließlich hatten sie vor zwei Wochen Yukino gerettet. Es war knapp gewesen und fast wäre eine weiße Dämonenprinzessin in einem Labor gelandet. Als Versuchskaninchen. Leider wussten sie noch immer nicht, wo ihre Schwester war und die Wunden Yukinos hatten zwei Wochen zum Heilen gebraucht.

Natsu kam zu einem weitläufigen Parkplatz. Seine Schlüssel hatte er immer noch in der Hosentasche, auf Schutzkleidung verzichtete er. Er war ein guter Fahrer und das einzige, was er benutzt, war ein Helm, der aus Biomagischem Material bestand. Inaktiviert sah der Helm aus wie ein einfaches Headset, dass man sich ans Ohr klemmte. Aktivierte man es, dann entfaltete sich der Helm und überzog den gesamten Kopf. Ein zusätzliches Sichtfeld war innerhalb des Helms integriert und sie benutzten diesen bei besonderen Einsätzen. Er hatte dadurch zusätzlich eine Karte aus der Vogelperspektive und so konnten sie ein Zielobjekt auch jagen, wenn notwendig.

Er schob sich das Headset über seine rechte Ohrmuschel, aktivierte es, indem er über ein Sensorenfeld strich. Sofort spürte er, wie seine Magie angezapft wurde und dann schob sich das Material des Helms über seinen Kopf, umschloss diesen. Für einen Moment umhüllte ihn Dunkelheit, dann fuhr das System hoch. Die Front des Helms wurde transparent, die Karte wurde am Rand seines Sichtfeldes angezeigt. Natsu stieg auf sein Motorrad, startete den Motor und fuhr vom Uniparkplatz. Sobald er das Gelände der Universität verlassen hatte, gab er ordentlich Gas, damit er so schnell wie nur irgendwie möglich beim Hauptgebäude seiner Gilde Fairy Tail ankam. Er wollte nicht riskieren, von Erza zusammengeschissen zu werden, nur weil er vielleicht zu spät kam. Sie verstand bei solchen Dingen keinen Spaß. Unter anderen wusste er aber auch, dass Erza sich Sorgen um Mira machte. Denn auch wenn die beiden Feinde gewesen waren, so waren sie doch eher so etwas wie Frenemies. Sie konnten nicht ohne und nicht miteinander. Das war schon immer so gewesen. Früher hatten die beiden sich immer in der Wolle gehabt, aber nach Lisannas Tod hatte sich Miras ganzes Verhalten um 180° gekehrt. Er wusste auch, woran das lag. Mira hatte ihre Kräfte verloren. Sie hatte einen solchen Schock davongetragen, dass ihre Kräfte blockiert waren. Das konnte man leider nicht mehr ändern. Denn nur Mira würde ihre Kräfte wieder erwecken können. Niemand anderes.

Die Gebäude flogen nur so an ihm vorbei, während er die stark befahrenen Straßen mied, um schneller bei der Gilde anzukommen.







~~ ღ ~~ ✿ ~~ ღ ~~








»Wie sieht es aus?«, Erza trat neben Wendy, welche an Yukinos Bett saß. Sie überprüfte gerade die Werte ihrer Patientin. Die klaren, braunen Augen Wendys glitten über ein magisches Lacrimafeld, welches neben dem Bett von Yukino schwebte und mit mehreren farbigen Lacrimabändern verbunden war. Yukino sah auf, lächelte müde.

»Erza-chan«, sie lächelte und man sah ihr die Müdigkeit an. Die sonst warmen, braunen Augen wirkten unendlich müde und schon fast leblos. Ihre blasse Haut wirkte kränklich, dass blassblaue, fast weiße, kurze Haar wirkte stumpf und es war länger als früher. Erza wusste nicht, was genau passiert war. Vor zwei Wochen hatten Gray und Natsu zusammen einige Lagerhäuser im Hafengebiet durchsucht und dabei eine kleinere Gruppe von Handlangern hochgenommen und Yukino gerettet. Was nicht hieß, dass es ihr jetzt unbedingt besser zu gehen schien. Das Gegenteil schien eher der Fall zu sein, wenn sie sich die Dämonenprinzessin ansah.

»Wie fühlst du dich, Yukino?«

»Müde und ausgelaugt«, sagte sie und ein Zittern lief durch den Körper der Dämonin. Da öffnete sich ruckartig die Tür und Natsu, gefolgt von Gray trat in das Zimmer. Wendy sah auf und fixierte Natsu mit strengem Blick, sagte aber nichts dazu.

»Yukino!«, rief Natsu aus und grinste der jungen Frau entgegen. Diese lächelte nur müde.

»Danke, dass … «, begann sie, wurde aber von Natsu unterbrochen.

»Mach dir keine Gedanken darum. Das war verständlich«, erwiderte Natsu, grinste und winkte ihren Dank ab. Erza zog die Brauen zusammen. Es störte sie, dass Natsu Yukino nicht viel Ruhe gab. Denn dass sie diese brauchte, war außer Frage. Allerdings kannte sie ihn gut genug, um zu wissen, dass es mit Natsu nie ganz ruhig sein würde.

»Wie fühlst du dich?«

»Müde und ausgelaugt«, gab sie die Antwort auf die Frage des Drachenmagiers. Er nickte leicht, stand nun am Bett und verschränkte die Arme vor der Brust, während er die Dämonenprinzessin musterte.

»Weißt du, wer diese Typen waren und wohin sie dich bringen wollten?«, fragte er und sein Blick wurde ernst, düster, lauernd. Erza konnte es verstehen und sie kannte das schon an Natsu, auch wenn es ihr wesentlich besser gefiel, wenn er eher der fröhliche, breit grinsende Idiot war. Yukinos Augen wurden etwas größer und sie schüttelte leicht den Kopf.

»Ich weiß nicht wer sie waren. Aber ich weiß, was sie wollten. Sie hätten mich in eines dieser Labore gebracht, wenn ihr mich nicht gerettet hättet, richtig?«

Natsu nickte auf ihre Frage hin und sein Blick wurde noch kälter, schon fast mörderisch.

»Aber keine Sorge, wir kriegen sie in die Finger. Nochmal passiert das nicht«, seine Worte wurden von einem tiefen, dunklen Grollen begleitet, welches seine Kehle hinaufrollte. Die Dämonin blinzelte, dann lächelte sie leicht.

»Danke, dass weiß ich zu schätzen«, erwiderte sie. Sie wirkte so unglaublich müde, nicht so sanft und freundlich wie sonst. Wut kroch in Natsu die Kehle hinauf und er spürte den Drang diese Arschgeigen zu suchen und zu Hackfleisch zu verarbeiten. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er spürte, wie die Spitzen seiner Klauen sich durch die Haut schoben. Der Drache in ihm wollte hinaus und jene töten, die eine Freundin seiner Gilde, seiner Familie hatten wehtun wollen. Denn das Yukino das Labor nicht wieder lebend verlassen hätte, war ihm nur allzu deutlich bewusst.

»Wisst ihr, wo Sorano ist?«, er erwiderte den Blick Yukinos und schüttelte den Kopf auf ihre Frage,

»Nein, leider nicht. Aber wir suchen sie, mach dir keine Sorgen«, er lächelte nicht, aber der grimmige, entschlossene Blick des Rosahaarigen, stimmte sie zufrieden. Sie wusste er würde ihre große Schwester finden. Sie schluckte leicht, dann straffte sie die Schultern. Sie durfte sich jetzt nicht ausruhen. Es gab Dinge zu erledigen. Unter anderem musste sie nach ihrem Volk sehen. Musste wissen, dass es den Dämonen ihres Volkes gut ging.

»Könnte ich ein Lacrimapad mit einer sicheren Leitung bekommen?«

»Wozu?«, Erza verschränkte die Arme vor der Brust, musterte die Prinzessin mit strengem, kühlem Blick. Sie hatte sofort bemerkt, wie sich Yukinos ganze Haltung geändert hatte. Sie konnte sich vorstellen, was ihr durch den Kopf ging, aber sie würde den Teufel tun und die vermutlich letzte Thronerbin der Zweitlinie der Shiroiakuma frei rumlaufen lassen, geschweige denn, dass sie sie telefonieren ließ. Sie konnte verstehen, dass Yukino sich Sorgen machte, aber Erza würde sie zwingen, die Ruhe zu bekommen, die sie brauchte. Sie sah zur Natsu und er erwiderte ihren Blick, nickte dann aber und ein grimmiges Lächeln legte sich auf Erzas Lippen.

»Ich muss mich um mein Volk kümmern.«

»Du brauchst Ruhe.«

»Aber … «

»Denk nicht mal dran, Yukino.«

»Aber ich … «

»Dein Volk ist in der Unterstadt, okay? Die Schwarzen kümmern sich bereits darum«, erwiderte Gray und lehnte sich am Fußende gegen das Bettgestellt. Die junge Dämonenprinzessin sah von einem zum anderen und seufzte, rieb sich über die Stirn. Sie spürte das leise Pochen von Kopfschmerzen und verzog die Lippen. Sie mochte Fairy Tail und seine Mitglieder. Ganz ehrlich, aber manchmal würde sie sie am liebsten in den Fußboden stampfen. Da wollte sie ihren Pflichten nachkommen und dann verbat man es ihr. Sie seufzte tief und lehnte sich in die Kissen zurück.

»Ich will nur Kyôka sprechen«, erwiderte sie und sah zu Erza auf, »nichts anderes. Versprochen. Ein Gespräch, damit ich absolut sichergehen kann, dass es allen gut geht und ich ruhe mich aus, so wie verlangt.«

Stille senkte sich über den Raum und man sah, wie die rothaarige Magierin mit sich rang. Dann seufzte sie und zog eine glatte Scheibe reinen Lacrimakristalls heraus und reichte ihr das Lacrimapad.

»Ein Gespräch, mehr nicht. Danach wird gegessen, getrunken und dann legst du dich schlafen.«

»Ja, keine Sorge«, Yukino lächelte, aktivierte die glatte Oberfläche des Geräts und tippte dann die Nummer ein, welche sie mit Kyôka verbinden würde. Sie hoffte, dass es ihrer Cousine gut ging. Und auch, dass alles in Ordnung war.





Natsu verließ das Zimmer, Gray folgte ihm sofort. Unruhe erfüllte ihn und er fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, dann lockerte er seine Schultern. Er fühlte sich angespannt, unruhig. Als läge ein Kampf in der Luft. Es war anders als noch vor wenigen Minuten. Sicher, er wollte diese Bastarde finden und sie zur Strecke bringen, aber das Gefühl jetzt war anders. Als spürte der Drache in ihm, dass noch etwas kommen würde. Etwas, dass weitaus mächtiger, weitaus dunkler und bösartiger war, als alles was sie zuvor jemals gesehen hatten. Er schluckte leicht.

»Was ist?«, fragte Gray und seine Stimme war dabei leise, fast schon ruhig. So kühl wie das Eis, dass in seiner Magie lag.

»Ich weiß nicht, ich weiß, ich bin wütend und ich will diese Arschgeigen umbringen, aber irgendwie … es liegt was in der Luft. Etwas Dunkles«, sagte er und seine Stimme war leise. Gray runzelte die Stirn. Er wusste, dass man sich auf den Instinkt des Drachenblutes in Natsu verlassen konnte.

»Meinst du, da kommt ein großer Kampf auf uns zu? Vielleicht sollten wir langsam mit dem Master sprechen, damit er die Notfallplanung für die Stadt in Gang setzen kann, oder?«, Gray hatte die dunklen Brauen so sehr zusammengezogen, dass sie wie eine ganze Braue wirkten. Sorge stand in seinen Zügen und Natsu seufzte leise, dann aber schüttelte er den Kopf.

»Nein, noch nicht. Ich würde sagen, dass wir dafür noch ausreichend Zeit haben. Inzwischen sind die hier so sehr an Fairy Tail, Sabertooth und Mermaid Heel gewöhnt, dass die Bewohner bei der ersten Sirene doch schon in die Notfallbunker flüchten«, Natsu lachte leise. Ein leichter Versuch die aufkommende Stimmung zu dämpfen und zu lockern. Auch wenn das nicht unbedingt half. Erneut rollte Natsu seine Schultern, zog sein Lacrimapad heraus und warf einen Blick auf die Uhrzeit. Ein breites Grinsen zog sich über seine Lippen.

»Ich hab‘ ein Date.«

»Ihr seid zum Lernen verabredet. Das ist nicht wirklich mit einem Date zu vergleichen, Natsu«, Gray lachte leise, schüttelte den Kopf. Manchmal war er einfach unverbesserlich. Sein Freund und Teamleader zuckte mit den Schultern.

»Na ja … einem richtigen Date würde sie aktuell noch nicht zustimmen, also muss ich nehmen was ich kriegen kann«, erwiderte er und grinste breit. Licht schimmerte auf den verlängerten Eckzähnen, die ein deutliches Symbol dafür waren, dass in seinen Adern Drachenblut floss. Natsu begab sich Richtung Eingangstür des Gildenhauses und Gray ging zum Tresen. Er würde noch etwas trinken und entspannen, bevor ihn sein Weg wieder zurück zum Campus brachte.  

»Dann vermassel es mal nicht«, rief er dem Rosahaarigen nach, der nur mit einer Hand winkte und dann war er auch schon verschwunden. Gray lachte leise, drehte sich dann um und lächelte Kinana an, welche das Lächeln erwiderte. Sie polierte eines der Gläser, stellte es weg und lehnte sich gegen den Tresen.

»Also, was darf es denn sein, Gray?«

»Ein Eiswhiskey«, sagte Gray und die dunkelhaarige Magierin nickte.



Natsu trat nach draußen. Sofort stürmten Geräusche und Gerüche auf ihn ein, schienen ihn zu erschlagen. Das Gebäude war mit Zaubern abgeschottet, sodass man im Gildenhaus seine Ruhe hatte. Seine empfindlichen Sinne rebellierten einen Moment und so stand er einfach nur da und wartete ab, ließ sich Zeit, bis er sich an den Lärm und die Gerüche gewöhnt hatte. Magnolia war eine wunderbare Stadt. Denn obwohl sie so groß war, und es Wolkenkratzer gab, die schlank in die Höhe ragten, dominierten doch die klassischen, älteren Gebäude das Bild der Stadt. Jedes Gebäude war mit den unterschiedlichsten Ornamenten verziert und nicht ohne Grund nannte man Magnolia auch Stadt der Kunst. Tausende Künstler und Steinmetze hatten hier gelebt und sich in den unterschiedlichsten Projekten ausgetobt. Die Flüsse wurden mit magischen Filtersystemen sauber gehalten und auch die Teiche und Seen in den großzügigen Parks hielt man sauber. Man gab sich die größte Mühe, die Verschmutzung der Straßen, Häuser und Parks so gering wie möglich zu halten und das war es, was viele Menschen so an dieser Stadt anzog.

Hinzu kam der hohe Bildungsstand, auch wenn Crocus die größte Bibliothek überhaupt hatte. Natsu grinste, streckte sich noch einmal, dann ging er zum Parkplatz der Gilde. Er wollte nicht zu spät kommen und sie damit vielleicht noch verärgern oder so etwas. Denn er hatte immer noch den Plan, sie flach zu legen und den Wetteinsatz zu kassieren. Kurz flammte ihr lächelndes Gesicht vor seinem inneren Auge auf und sein Magen zog sich zusammen. Natsu runzelte die Stirn, schwang sich auf seine Maschine, aktivierte den Helm und schob die Gedanken an Lucy von sich. Er wollte keinen Unfall bauen, nur weil er an sie dachte.







~~ ღ ~~ ✿ ~~ ღ ~~








Es war so falsch. Eindeutig falsch! Lucy zog die Brauen zusammen, runzelte die Stirn und legte den Kopf schräg. Sie musterte sich, bewertete in Gedanken die Kleidung, die sie trug. Irgendwie fand sie das Outfit zu aufreizend. Dabei trug sie ein normales T-Shirt. Vielleicht lag es daran, dass der zartrosa Stoff sich eng an ihre Figur schmiegte? Oder vielleicht lag es doch an den hautengen Leggins. Sie knurrte, dann sah sie zu Levy.

»Das kann ich doch nicht zum Lernen anziehen, Levy«, erwiderte sie und die andere hob den Blick. Kurz herrschte Stille, dann aber lächelte Levy.

»Und warum nicht? Du siehst gut aus.«

»Aber … ich komme mir vor, als wollte ich Natsu anmachen und das will ich nicht. Er ist jetzt schon zu aufdringlich.«

»Na ja, zumindest schläft er nur in deinem Bett und fällt nicht über dich her, während du schläfst«, erwiderte Levy und zuckte mit den Schultern. Lucy blinzelte und seufzte. Dann warf sie einen Blick auf die unterschiedlichen Kleider, die sich auf ihrem Bett zu stapeln schienen. Sie wollte sich nicht schick machen. Nicht für ihn, aber jedes Mal, wenn sie darüber nachdachte, ob sie nicht einfach eine Jogginghose und einen Kapuzenpullover anziehen sollte, hatte sie das Gefühl, ihren Familiennamen zu beschmutzen. Eine Heartfilia ließ sich öffentlich nicht in Schlabberhosen sehen. Sie seufzte, verzog unwillig die Lippen.

»Aber wenn er nun denkt, dass ich ihn anmachen will? Ehrlich ich finde es aktuell ganz gut so. Also … nicht das mit dem übernachten, sondern, dass wir eine eher freundschaftliche Basis aufbauen«, erwiderte sie und hielt eine dunkelrote Bluse hoch, warf sie aber wieder zurück aufs Bett. Auf keinen Fall rot, das implizierte vielleicht etwas, dass sie nicht vermitteln wollte. Levy lachte leise. Seit sie mit Gajeel zusammen war, wirkte sie so viel entspannter und fröhlicher. Es stimmte Lucy positiv, auch wenn sie sich nicht sicher war, was sie von der Beziehung der beiden halten sollte. Konnte man Gajeel überhaupt trauen? Sie war sich da nie so sicher. Er war weniger der Typ Kerl, der ihrer Meinung nach zu der kleinen Blauhaarigen passte, aber solange diese glücklich war, konnte sie damit leben.

»Er wird schon nicht über dich herfallen, nur weil du rot trägst«, meinte Levy und Lucy zog die Brauen hoch. Hatte sie gerade richtig gehört? Levy nahm Natsu in Schutz? War das ihr Ernst?

»Äh … du erinnerst dich aber noch an den Anfang des Jahres, oder? Als er mir zur Begrüßung seine Zunge in den Hals gesteckt hat? Oder daran, dass er so ein schlechter Verlierer ist?«, sie runzelte die Stirn und Levy seufzte leise.

»Pass auf … ich meinte damit nicht, dass nicht die Möglichkeit besteht, dass er dich ins Bett kriegen will. Aber … na ja, Natsu ist halt … Natsu. Er ist ein Macho und ein Player, ganz klar, aber Fakt ist, dass er niemals jemanden zwingen würde. Das ist nun mal ein Fakt, der sich nicht ändern lässt, okay? Er ist nicht der Typ für Vergewaltigungen«, sagte sie und seufzte leise. Lucy zog die Brauen zusammen. Gut, dass klang plausibel. Mal davon abgesehen, dass er Frauen anzog wie das Licht die Motten. Er musste niemanden mit Gewalt nehmen, die meisten warfen sich ihm ja von allein an den Hals. Das war Lucy klar.

»Ja gut, dass stimmt schon. Das hat er nun wirklich nicht nötig«, sie gab es offen zu und Levy grinste.

»Aber sei trotzdem vorsichtig. Keine konnte ihn bisher dazu bringen, dass er sich in sie verliebt«, gab die Magierin zu und Lucy runzelte die Stirn. Keine? Das konnte sie sich kaum vorstellen.

»Sicher?«

»Ja. Es geht das Gerücht um, dass er sich wohl geschworen hat, sich niemals wieder zu verlieben oder so.«

»Also war er schon mal verliebt?«

»Ich weiß es nicht mit absoluter Sicherheit«, meinte Levy und zuckte mit den Schultern, »aber das ist das Gerücht, dass umgeht. Aber vermutlich schon.«

»Juvia weiß es.«

Lucy und Levy schrien erschrocken auf, sahen in die Richtung. Sie hatten die Anwesenheit ihrer Zimmerkameradin nicht bemerkt. Juvia stand mit traurigem Blick in der Tür, lächelte leicht. In letzter Zeit war sie immer etwas trüber, was ihre Gefühle anging.

»Oh Göttin, Juvia, hast du uns erschreckt. Süße, du musst Lärm beim Laufen machen«, Lucy lachte leise, hatte ihre linke Hand auf ihrer Brust, spürte den hektischen Herzschlag. Dann kaute sie auf ihrer Unterlippe.

»Also ähm … was meinst du damit, du weißt es etwas genauer?«

»Juvia ist mit Gray-sama aufgewachsen und er … ist Mitglied von Fairy Tail«, begann sie und ihre Freundinnen nickten, »und Juvia hat gehört, dass es wohl eine Lisanna in der Gilde gab, die Natsu das Herz gebrochen haben soll. Aber Juvia kennt keine Lisanna aus Fairy Tail«, erwiderte sie dann und Stille senkte sich über den Raum. Lucy war verwirrt, wusste nicht was sie darüber denken sollte, geschweige denn, was sie fühlen sollte. Es war als würde sich ihre Brust zusammenziehen und das verwirrte sie. Sie gab ja gern zu, dass sie Natsu irgendwie mochte, aber liebte sie ihn? Eigentlich ja nicht, oder? Sie war reichlich verwirrt, zumal es bar jeder Logik war, dass sie ihn lieben könnte. Sie kannten sich jetzt knapp über drei Wochen. In so einer kurzen Zeit konnte man einen einfach nicht wirklich lieben, dass ging einfach nicht. Und doch hatte sie ein merkwürdiges Gefühl bei dem Gedanken daran, dass Natsu einmal verliebt gewesen sein könnte.

»Oh … okay … das klingt etwas komisch. Aber danke, Juvia. Vielleicht bekomme ich ja etwas Genaueres heraus«, sagte Lucy und lächelte. Ihr Gegenüber nickte, dann verschwand die vollbusige Kommilitonin im Badezimmer. Die Blondine senkte ihren Blick wieder auf ihre Kleidung, zog ihre Unterlippe zwischen die Zähne und malträtierte eben diese leicht. Die dunklen Seelenspiegel glitten über die Kleidung. Dann griff sie nach einem rot-schwarz karierten Hemd, einem schwarzen Longshirt, welches seinen Namen zurecht hatte, denn es reichte ihr fast zu den Knien und man konnte es als Kleid bezeichnen. Sie zog beides an und wusste, ihr Vater würde Kopfschmerzen bei ihrem Outfit bekommen. Aber das störte sie heute absolut nicht. Sie würde heute casual bleiben. Nichts was darauf schließen ließ, dass sie eine Lady war. Statt ihrem typischen Schmuck legte sie einfache weißgoldene Ringe an. Es waren normale und Knöchelringe und jeder hatte eines der zwölf Zodiaczeichen eingraviert. Sie hatten einst ihrer Mutter gehört und sie liebte diese Ringe einfach nur. Das flache, schmale Metall schimmerte leicht auf ihrer blassen Haut und wirkte dezent, nicht protzig. Sie fühlte sich mit diesem Schmuck unglaublich wohl. Dann drehte sie sich um, sah Levy an und strahlte.

»Also dann, ich denke so kann ich gehen, oder?«, fragte sie und ihr Gegenüber sah von der Lektüre auf. Ihre Augen weiteten sich und ihre Lippen teilten sich langsam. Dann strahlte sie und grinste breit.

»Jetzt bist du eindeutig mehr Lucy und weniger Lady Lucy«, lachte Levy und Lucy stimmte in das Lachen ein. Sie schnappte sich ihre Tragetasche, ihren Türschlüssel und ihr Lacrimapad, dann eilte sie zur Tür, zog ihre Lederstiefel an und hüpfte dann beim zweiten auf einem Bein, während sie die Schuhe zuband.

»Ich schreib euch, wenn ich zu spät kommen sollte. Ich weiß nicht, wie viel er diesmal aufgepasst hat und demnächst haben wir einen Kurztest«, Lucy winkte ihnen zu, dann verließ sie, gefolgt von einem viel Spaß, das winzige Studentenappartement. Sie summte, während sie zur Unibibliothek eilte.







~~ ღ ~~ ✿ ~~ ღ ~~








Natsu lehnte sich in seinem Stuhl zurück und runzelte die Stirn. Sein Blick glitt zu der glatten Oberfläche seines Lacrimapads, auf welcher der Uhrzeiger stetig weitertickte. Er zog die lachsrosanen Brauen zusammen, während er das Design der Uhr betrachtete. Er hatte das Design einer manuellen Uhr gewählt und nicht das moderne einer Digitalen. Irgendwie war ihm das so lieber. War sie etwa zu spät dran? Gut, noch hatte sie ein paar Minuten, aber normal war Lucy immer gut 10 Minuten früher da. Er wusste das, weil er sie gern beobachtete, während sie auf ihn wartete. Und vermutlich war es eine merkwürdige Angewohnheit von ihm, sie zu beobachten, während er vermeintlich immer zu spät zu ihren Treffen kam. Aber er beobachtete seine Ziele immer, bevor er sie um den Finger wickelte. Schnell hatte er verstanden, dass sie nicht einfach zu knacken war. Sie war der Typ: Feste Beziehung. Gut, es hatte ihn einige Zeit gekostet, dass zu merken. Aber nicht, weil er dumm war, sondern weil sie schlichtweg nicht das typische Mädchen war. Sie wirkte immer unglaublich schüchtern und mit dem anderen Geschlecht konnte sie einfach nicht umgehen. Nicht wenn sie sich nicht auf einem Magictagfeld befand. Dann nämlich schien sie eine komplett andere Person zu sein.

Lucy war sehr genau, direkt und durchaus selbstbewusst. Nicht gerade die modischste, wenn es um Kleidung ging. Sie war zielstrebig und eine absolute Sexbombe. Was man nur wirklich merkte, wenn man ihren Körper schon mal in einem Magictagkampfanzug gesehen hatte. Sie war schlank, wohlgeformt und hatte eine mörderische Oberweite. Er fragte sich, ob das wohl vererbt war, oder ob sie sich unters Messer gelegt hatte. Sie war schließlich reich und da konnte er sich das gut vorstellen. Aber an sich schien sie eigentlich nicht der Typ dafür zu sein. Sein Blick wanderte nach oben und die Falten auf seiner Stirn vertieften sich. Wo bitte blieb sie? Sorge wallte auf und seine Finger glitten über die Oberfläche des Lacrimapad, aktivierten es. Unzählige Funktionen leuchteten auf der transparenten Scheibe und er prüfte, ob sie ihm eine Nachricht geschickt hatte, aber nichts.

Und dann kam sie, wirkte gehetzt. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn, ihre Haare waren verwuschelt, wirr und ihre Wangen waren gerötet. Sie trug eine zartrosa Bluse, schwarze Leggins und schwarze, einfache Schnürstiefel. Er richtete sich auf, lächelte und gab ihr ein Zeichen, während sie durch die Regalreihen huschte. Als sie bei ihm ankam, strich sie sich einige verirrte Haarsträhnen auf dem Gesicht. Natsus Lippen verzogen sich zu einem leichten Grinsen, stützte seine Unterarme auf der Tischplatte ab, während er sich nach vorn lehnte und grinste ihr entgegen.

»Und? Wo warst du so lange?«, fragte er und die Röte auf ihren Wangen wurde tiefer, dunkler und sie wirkte verführerischer. Wusste sie eigentlich, wie sexy sie war? Vermutlich nicht. Vielleicht wusste sie es auch, war aber nur zu schüchtern im Umgang mit dem anderen Geschlecht. Lucy zog einen der Stühle zurück und setzte sich, zog die Schultern hoch und sah beschämt zur Seite.

»Es tut mir leid … ich … «, sagte sie und biss sich auf die Unterlippe. Dann hob sie den Blick, sah ihn an und zuckte mit den Schultern.

»Ich habe mich verspätet, sorry«, sagte sie und kaute auf ihrer Unterlippe herum, schluckte dann sichtbar. Er lachte leise, grinste. Lucy erwiderte das Lächeln und Magie schimmerte sanft in ihren warmen, braunen Augen. Ihre Augen zogen ihn an, waren so warm und tief, dass er direkt hineinfallen könnte. Wie ein Meer aus schimmernder Schokolade. Sein Herzschlag beschleunigte sich und er lehnte sich etwas weiter zu ihr. Sie lehnte sich ihm entgegen und die Zeit schien langsamer zu vergehen. Und dann zuckte er leicht zusammen, zuckte leicht zurück.

»Also … wo waren wir letztens?«, fragte Natsu und lehnte sich noch weiter zurück, lächelte aber weiterhin.

»Wir sollen darüber sprechen, wie genau wir unsere Magie spezifizieren können, in welche Richtung das gehen kann«, sagte Lucy und begann Unterlagen und Bücher aus der Tasche zu ziehen. Sie lächelte und sah ihn an, zog die Brauen leicht zusammen. Sollte sie diese Frage stellen? Sie lag ihr seit dem Gespräch mit Juvia auf dem Herzen und es beunruhigte sie, beschäftigte sie schon den ganzen Tag über. Denn es klang unglaublich traurig. Sich dazu zu entscheiden, nie jemanden zu lieben.

»Mhm … Natsu?«

»Ja?«

»Kann ich dir eine Frage stellen?«, ihre Stimme klang deutlich unsicher und er sah sie fragend an. Natsu zog die Brauen zusammen. Dann begann er zu grinsen.

»Sicher, nur zu«, das Grinsen auf seinen Lippen wuchs in die Breite. Lucy schluckte leicht und biss sich erneut auf die Unterlippe. Sie wirkte nervös und das stimmte ihn unruhig.

»Also … ich habe da ein Gerücht gehört«, sagte sie und sie schluckte leicht. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus, dann seufzte Natsu leicht. Er konnte ihre Unsicherheit riechen. Seine Drachensinne nahmen sie war und es war ihm unangenehm, dass sie sich unwohl zu fühlen schien. Oder zumindest so unsicher, dass sie sich nicht traute, diese Frage zu stellen.

»Und?«, er sah sie abwartend an, musterte sie.

»Ähm … «, begann Lucy und senkte den Blick, als sie ihn hob sah er Entschlossenheit in ihren Augen und wusste, jetzt würde sie ihm diese Frage stellen, »ich habe gehört, du hast dich dazu entschlossen, dich niemals zu verlieben und das Lisanna der Grund sei … «

Natsu zuckte heftig zusammen, seine Augen weiteten sich und Schmerz durchzuckte sein Herz.

»… ich frage mich … «

Das Dröhnen seines schneller werdenden Herzschlags hallte in seinen Ohren nach und alles schien sich zu verschieben. Schweiß trat ihm auf die Stirn, Kälte griff nach seinem Herzen. Dann schüttelte er entschlossen den Kopf.

»Nein«, er unterbrach Lucy, hörte nicht mehr was sie sagte und sprang vom Stuhl auf, wich zurück. Er sah sie an, Kälte und Horror im Blick, dann schüttelte er den Kopf und sie sah, wie sein ganzer Körper sich anspannte, mit sich rang.

»Ich will da nicht drüber reden«, knurrte er, schnappte sich seine Sachen und verließ fluchtartig die Bibliothek. Stille senkte sich über den Tisch und Lucy saß da wie erstarrt. Sie war erst gekommen und doch schien es ihr, als würde sie hier seit Stunden sitzen. Sie hatte nicht erwartet, dass Natsu einfach flüchten würde, aber genau das hatte er getan. Und es verwirrte sie ungemein.
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