Die Falle in den Wäldern

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
08.08.2018
08.08.2018
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08.08.2018 3.152
 
Man kann diese Geschichte als Fortsetzung von „Der Schrecken aus dem Bunker“, aber auch als eigene Geschichte ansehen.

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Die Freunde sahen den großen Fluss. Er war wirklich breit und lang. Alle drei von ihnen waren Halbwüchsige, Teenager, wie man sie in der Zeit der Alten genannt hätte. Sie zogen quer durch Euree, und waren in den letzten Tagen wieder in den Westen gereist.
Weit und breit waren bloß Wiesen zu sehen. Diese Wiesen wuchsen wild, und waren immer wieder mit anderen Gewächsen, manchmal sogar echten Gebüschen, überzogen. Doch fünfhundert Jahre der Mutation hatten dazu geführt, dass die meisten Pflanzen gänzlich anders aussahen, als in der Zeit vor der Kometenkatastrophe.
„Dort hängt ein Strauch mit Beeren.“ sagte Kai, „Soll ich welche pflücken, damit wir sie essen können?“
„Das halte ich für keine gute Idee.“ gab Elina trocken zurück, „Die sind nämlich giftig.“
Kai war sechzehn Jahre alt. Er hatte kurze, schwarze Haare und grüne Augen, und sah in seiner Statur weder besonders schmächtig, noch muskulös aus. Der Jung trug einen einteiligen, schwarzen Anzug, welcher mit orangefarbenen und türkisfarbenen Platten versehen war. Außerdem trug er auch einen Gürtel mit mehreren Taschen. Ganz eindeutig die Kleidung eines Technos.
Kai war ein Techno, und hatte sein ganzes Leben in einer Techno-Enklave im postapokalyptischen Hannover verbracht, welches in den letzten fünfhundert Jahren zu einer Insel geworden war. Doch er hatte seine Heimat verlassen müssen, und zu seinem Glück Freunde gefunden. Und einer seiner neuen Freunde war Elina.
Das Mädchen war fünfzehn Jahre alt, und hatte lange, blonde Haare, welche zu Zöpfen gebunden waren. Ihr Gesicht zeigte blaue Augen und Sommersprossen. Sie sah recht kräftig aus, für ein Mädchen war sie ein bisschen muskulös.
Sie trug ein Wollkleid, über welchem einem Lederrüstung war. Ebenso trug sie lederne Armschoner und Beinschoner, und an ihren Hüften hatte sie zwei Taschen. Und auf ihrem Rücken trug sie als Waffe ein stählernes Scimitar.
Das war für eine Kriegerin auch nicht ungewöhnlich. Sie war Mitglied eines Ordens, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hatte, den unschuldigen Menschen zu helfen, und Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Mitglieder dieses Ordens reisten offenbar nicht bloß alleine oder in Gruppen, sondern auch mit anderen Menschen zusammen.
In diesem Moment stieß das dritte Mitglied ihrer Gruppe zu ihnen. Sie war beim Fluss gewesen, und hatte ihre Trinkschläuche mit Wasser aufgefüllt. Als sie ihre Freunde wieder erreicht hatte, gab sie ihnen zwei der drei Trinkschläuche.
„Wohin gehen wir nun? Und wo in Euree sind wir gerade?“ wollte das Mädchen neugierig wissen.
Amira war vierzehn Jahre alt, und eine Mutantin. Als Tochter eines Arab hatte sie lange, schwarze Haare, braune Augen und eine dunkle Haut. Doch weil sie ebenso die Tochter einer Mutantin war, war auch sie eine, und das sah man ihr deutlich an. Amira hatte zwei große Fledermausohren, und ihre Arme und Beine waren mit schwarzen Reptilienschuppen bedeckt. Ihre Finger und Zehen endeten in Krallen. Das Mädchen trug hellblaue und hellgrüne Stoffkleidung.
„Das werden wir erfahren, wenn wir wieder auf Menschen stoßen.“ beschied Elina ihre neugierige Freundin, „Hier in der Gegend sollten sich auch Menschen aufhalten. Die meisten Dörfer werden in der Nähe von Flüssen errichtet.“
Die Freunde gingen weiter. Kai bemerkte plötzlich etwas, was im Schlamm steckte. Er beugte sich vor und säuberte es etwas. Es war ein Straßenschild, welches in der Zeit vor der Katastrophe den Namen einer Stadt benannt hatte.
„Wir sind wieder in Doyzland.“ erzählte er den beiden Mädchen, „Und der Fluss dort drüben heißt Oder. Zumindest hieß er damals so.“
„Manchmal ist es nützlich, dass du die Sprache der Alten beherrscht.“ lobte Elina ihren Freund.
„Nur hier in Doyzland.“ sagte er.
Die Bunkergemeinschaften in den verschiedenen Ländern waren bei ihrer alten Sprache geblieben. Tatsächlich konnte man in Euree einen Techno daran erkennen, dass er mit anderen Technos in der ursprünglichen Sprache seines Landes sprach. Die meisten Technos lernten jedoch auch englisch, um sich mit anderen Techno-Enklaven in anderen, europäischen Ländern, verständigen zu können. Von den Menschen deren Kultur sich an der Oberfläche entwickelt hatte, beherrschte wahrscheinlich niemand mehr diese Sprachen. An ihrer Stelle war die Sprache der Wandernden Völker getreten, welche ein buntes Gemisch aus verschiedenen, europäischen Sprachen war.
Amira sah plötzlich in eine Richtung. Dank ihrer Mutation, den Ohren welche denen einer Batera ähnelten, hatte sie ein sehr feines Gehör.
„In dieser Richtung schreit jemand um Hilfe.“ sagte sie und deutete in die Richtung, in welche sie geschaut hatte, „Wir sind vielleicht vier Speerwürfe weit entfernt.“
„Dann sollten wir uns beeilen.“ sagte Elina.
Zu dritt rannten sie in die gezeigte Richtung, und es dauerte nicht lange, bis Kai und Elina ebenfalls die Hilferufe hörten. Tatsächlich stand ein einsamer Baum mitten in der Umgebung, und in den Ästen des Baumes saß ein Junge. Er sah ängstlich herunter. Denn vor dem Baum lauerte ein mutiertes Tier, welches den Jungen offenbar als Futter haben wollte.
Der Junge hatte das Glück, dass dieser Baum recht hoch war, denn die mutierte Schlange war sehr lang. Als Kai näherkam, sah er, dass der Körper dieser mutierten Schlange über und über mit Pelz und Hornplatten versehen war. Und ihr Maul sah grotesk und furchtbar aus.
„Ein Gejagudoo!“ entfuhr es Elina, „Und ein ausgewachsener noch dazu. Er ist mehr als sieben Speerlängen lang.“
Amira zog ihren Bumerang aus Leichtmetall hervor. Sie warf ihn kraftvoll, und er flog genau auf den Gejagudoo zu. Der Bumerang traf die mutierte Erdschlange, und machte sie so auf die drei Neuankömmlinge aufmerksam. Der Gejagudoo bohrte sich in den Boden und bewegte sich unterirdisch auf sie zu, während der Bumerang in Amiras Hand zurückkehrte.
„Er hat sich eingegraben!“ stellte Elina fest.
Sie hatte ihre Waffe, ihr stählernes Scimitar gezogen. Auch Amira zog nun ihre beiden bronzenen Sicheln. Kai holte seinen hydritischen Schockstab hervor. Zwei seiner Freunde hatten ihm diese Waffe geschenkt, weil es überall gefährliche Mutationen, und nicht weniger gefährliche Menschen, gab.
„Wie greifen sie an?“ fragte Kai Elina.
„Sie bohren sich durch die Erde, und brechen dann überraschend hervor. Sie jagen, indem sie ihre Beute an der Oberfläche orten.“ erwiderte die Kriegerin, „Man kann nicht wissen, wo er hervorbrechen wird.“
„Vielleicht doch.“ widersprach Amira, „Ich höre ein Geräusch, welches näher kommt... schnell, springt auseinander.“
Die drei Halbwüchsigen sprangen in verschiedene Richtungen von der Stelle weg, an welcher sie sich befunden hatten. Keinen Moment zu früh, denn der Gejagudoo brach an genau dieser Stelle aus dem Boden.
„Das ist ja wie im Land der Raketenwürmer, nur noch größer, noch schneller und noch mehr Zähne.“ entfuhr es Kai.
Der Junge fuhr den Schockstab aus, und richtete ihn auf die mutierte Erdschlange. Ein hydritischer Schockstab ähnelte einem menschlichen Teleskopschlagstock, war aber mindestens doppelt so dick. Und wie der Name es verriet, schoss er Blitze ab, um Angreifer zu betäuben.
Der junge Techno schoss einen Schwall Blitze ab, doch der Gejagudoo wich aus... und ging zum Gegenangriff über. Er stürzte sich auf Kai. Im letzten Moment kam Elina und stieß ihren Freund zur Seite. Der Gejagudoo verfehlte sie beide, doch die Kriegerin hieb mit ihrem Scimitar nach der mutierten Erdschlange... und die Waffe prallte wirkungslos von den Hornplatten ab.
Kai rappelte sich auf. Doch sein Schockstab war ihm aus der Hand gefallen. Der Junge suchte die Waffe, und fand sie kaum einen Meter von ihm entfernt. Doch der Gejagudoo griff sie beide wieder an, sodass Kai und Elina wieder ausweichen mussten. Diesmal verfehlte er sie so knapp, dass die beiden Halbwüchsigen bei dem Angriff gestreift, und wieder zu Boden geworfen wurden.
Als der Gejagudoo sich ihnen wieder zuwandte, wussten sie, dass sie ihm diesmal nicht würden entkommen können. Doch Amira nutzte die Chance, und sprang auf die mutierte Erdschlange zu. Sie hieb mit beiden Sicheln zu, konnte ihn jedoch ebenso wenig verletzen, wie zuvor Elina. Der Gejagudoo wandte sich nun jedoch ihr zu... doch Kai sprang vor, packte den Schockstab und schoss einen Schwall Blitze auf das mutierte Tier ab.
Der Gejagudoo sackte zu Boden. Er war betäubt worden.
„Da hatten wir Glück, dass deine Freunde so mächtige Waffen haben.“ bemerkte Elina, „Ich hätte es wissen müssen, dass Schwerter gegen einen Gejagudoo nicht viel ausrichten können.“
„Das macht doch nichts. Jedem kann einmal ein Fehler unterlaufen.“ tröstete Kai seine Freundin.
„Und der Junge den wir retten wollten, ist geflohen.“ bemerkte Amira und deutete auf den nun leeren Baum, „Was für ein Feigling!“
„Ich kann es ihm nicht vorwerfen, vor einem ausgewachsenen Gejagudoo Angst zu haben.“ meinte Kai.
Plötzlich riss Amira erschrocken die Augen auf.
„Ich höre noch mehr von ihnen.“ sagte sie, „Und sie kommen hierher.“
„Rennen wir zu dem Baum.“ beschloss Elina.
„Wir können sie auch ablenken.“ meinte Kai und hob einige Steine auf, „Nehmt euch auch welche. Wir werfen sie weit von uns weg. Dann spüren die Gejagudoos mehrere Erschütterungen, und wissen nicht, welche die Beute ist, die sie verfolgen.“
Beide Mädchen hoben ebenfalls Steine auf, und warfen diese wild durch die Gegend, während sie zu dritt zu dem Baum rannten. Kai fand es ironisch, dass sie nun in der gleichen Falle sitzen würden, wie der Junge, den sie gerettet hatten.
An der Stelle, an welche Elina einen Stein geworfen hatte, brach tatsächlich ein weiterer Gejagudoo hervor. Und nicht weit von ihnen auch ein zweiter. Beide Tiere gruben sich wieder ein. Ein dritter Gejagudoo zeigte sich an der Stelle, an welcher Kai einen Stein hingeworfen hatte... und ein vierter brach genau vor ihnen aus dem Boden, und versperrte ihnen den Weg zu dem Baum.
Amira stürmte los und sprang den Gejagudoo an. Dieser hatte offenbar im gleichen Moment beschlossen, das Mädchen anzugreifen. Das war vermutlich Glück für Amira, denn so verfehlte sein Maul sie, allerdings wurde sie von seinem Körper getroffen und hart zu Boden geschleudert.
Kai und Elina sahen, dass nun auch die anderen Gejagudoos aus der Erde brachen, und sie einkesselten. Amira erhob sich mit schmerzverzerrtem Gesicht. Sie war offenbar verletzt worden, und würde nicht mehr kämpfen können. Nicht dass es einen Unterschied machte, denn auch Kai und Elina hätten keine Chance gegen die vier mutierten Erdschlangen. Mit etwas Glück würde Kai eine von ihnen betäuben können, mit viel Glück auch eine zweite, doch die anderen beiden würden sie in Stücke reißen, und sich danach auf die Mutantin stürzen.
Doch plötzlich schoss eine blaue Lichtkugel hervor und traf einen der Gejagudoos. Das mutierte Tier sackte sofort zusammen. Die anderen wandten sich um, weil sie nicht wussten, wer sie angriff, und aus welcher Richtung. Eine weitere Lichtkugel schoss heran und traf wieder eine der riesigen Erdschlangen. Nun sahen Kai und Elina, woher die Angriffe kamen.
Der Junge den sie gerettet hatten, stand am Fuße des Baumes und hielt eine... Laserwaffe... in seinen Händen. Beide Gejagudoos schossen auf ihn zu. Der Junge schoss ein weiteres Mal, und betäubte noch einen von ihnen, musste dann jedoch zur Seite springen, als der letzte Gejagudoo ihn angriff und dabei den Baum streifte. Der Gejagudoo drehte sich sofort um, und schoss wieder auf den Jungen zu. Kai wusste, dass er ihn erreicht haben würde, bevor der Junge sich umdrehen und auf ihn schießen konnte. Und so schoss der junge Techno erneut eine Kaskade aus Blitzen auf die mutierte Erdschlange ab. Und auch der letzte Gejagudoo sackte bewusstlos zu Boden.
„Hast du dich verletzt?“ fragte Elina besorgt, als sie zu Amira ging, doch diese schüttelte nur den Kopf.
Die Kriegerin wollte sich jedoch selber überzeugen, und so zog Amira ihre Kleidung hoch, damit Elina sie nach Verletzungen abtasten konnte.
Kai wandte sich ab, bis Amira die Kleidung wieder herunterzog und Elina sagte: „Nur ein paar Schrammen. Es hätte auch schlimmer ausgehen können.“
„Ich hoffe, ich bin noch rechtzeitig gekommen.“ sagte der Junge, welchen sie gerettet hatten, als er auf sie zugelaufen kam, „Bei Kristian, ihr habt mich gerettet.“
Elina sah, dass der Junge nicht viel älter sein konnte, als sie und ihre Freunde. Bestimmt hatte er erst sechzehn oder siebzehn Winter gesehen. Er trug einfache Leinenkleidung, und hatte lange, braune Haare und ebenso braune Augen.
„Und du uns.“ sagte Kai, „Ich habe schon lange niemandem mehr mit einer Laserwaffe gesehen. Bist du ein Techno? Von welcher Enklave kommst du?“
„Ein... was? Nein, ich wohne in einem Dorf, welches nicht weit von hier entfernt ist.“ erwiderte der Junge, „Diese Waffe bekam ich von einem Händler. Er hat sie gefunden, und in unserem Dorf sehr günstig verkauft, weil er sie für nutzlos hielt. Er sagte, er hätte ihre Magie nicht verstanden.“
„Dann hat er vielleicht mit einer Enklave Handel getrieben.“ vermutete Kai, „Weißt du, wo diese Enklave ist?“
„Ich habe sie noch nie gesehen, aber der Händler sagte mir, wo er die Waffe und die anderen Dinge gefunden hat. Ich habe schon häufiger versucht, dorthin vorzustoßen, aber stets bin ich gescheitert. Mal waren es Hyeenas, mal waren es Lupas, und nun auch Gejagudoos. Der Händler ist einst auf einer Androne gekommen, vielleicht kann man diesen Ort auch nur mit einer solchen erreichen.“
Der erste Gejagudoo regte sich bereits und kam wieder zu sich. Kurz darauf bewegten sich auch zwei weitere Gejagudoos.
„Wir sollten fliehen, bevor sie wieder zu sich kommen.“ sagte der Junge, „Ein Mensch den ich mit dieser Waffe treffe, ist für viele Stunden bewusstlos. Aber so riesige Tiere sind es viel kürzer.“
„Du hast sie nicht getötet?“ fragte Elina.
„Nein, das wäre nicht ehrenhaft. Schließlich habe ich ja eine Waffe, und diese Tiere nicht.“ erwiderte der Junge, „Die Sonne geht bald unter. Ich lade euch in mein Dorf ein.“
Der Junge ging voran, und die Freunde folgten ihm. Elina lächelte. Sie traf nicht oft auf Menschen, welche so gutherzig wie dieser Junge waren, und angreifende Tiere nicht einfach töteten.

Nach einer Weile hatten sie das Dorf des Jungen, welcher sich als Tinock vorgestellt hatte, erreicht. Es war von dichten Palisaden umgeben, und stand auf einem Hügel. Auf den Palisaden befanden sich mehrere bewaffnete Männer, welche die Freunde grimmig ansahen.
„Ich erbitte Einlass!“ rief Tinock, „In meiner Begleitung sind drei Menschen, die mich gerettet haben, und die keine Gefahr für unser Dorf darstellen.“
Die Wachleute gingen fort, und der Junge wandte sich an die Freunde: „Gleich kommt unser Dorfanführer. Dämonen sind in unserem Dorf unerwünscht, allerdings kann ich für eure Freundin bürgen. Als Kristianer dürfen wir niemanden abweisen, der Hilfe braucht, und sei es Schutz vor nächtlichen Raubtieren. Für eine Nacht könnt ihr hierbleiben.“
Mutanten wie Amira wurden von den Menschen als Dämonen bezeichnet, und von ihnen leider meist nicht akzeptiert.
Das Tor der Palisaden öffnete sich, und ein beleibter und nicht mehr ganz junger Mann mit beginnender Glatze kam ihnen entgegen. Die beiden Wachleute flankierten ihn.
„Ich bin Agev, Anführer dieses Dorfes.“ stellte der Mann sich vor, „Tinock ist jemand aus unserer Mitte. Aber wer seid ihr drei?“
„Harmlose Reisende, welche einen sicheren Platz für die Nacht suchen.“ erwiderte Elina, „Noch vor Mittag des nächsten Tages werden wir wieder abreisen.“
Kai und Amira ließen ihrer Freundin bei solchen Verhandlungen meist den Vortritt, denn sie kannte die Gepflogenheiten besser, als ein Techno, der sein Leben in einer abgelegenen Enklave verbracht hatte, und eine Mutantin, welche nur ihre Schwester gekannt hatte, und bei ihr gewohnt hatte.
„In eurer Mitte ist ein Dämon.“ stellte Agev fest.
„Sie ist eine Freundin von uns, und stellt für niemanden eine Gefahr dar.“ redete die Kriegerin.
„Wie heißt ihr, und welchen Göttern folgt ihr?“ verlangte der Dorfanführer zu wissen.
„Ich heiße Elina und folge Wudan. Sie heißt Amira und folgt der Mondgöttin Loona. Und er heißt Kai und folgt keinem Gott und keiner Göttin.“ erzählte das Mädchen.
„Ihr seid keine Kristianer.“ stellte der Dorfanführer fest, „Dennoch sollt ihr willkommen sein, wenn ihr euch an zwei Regeln haltet. Ihr dürft nicht über Kristian lästern. Und ihr dürft euch nicht den Dorfbewohnern nähern. Kein Kristianer und keine Kristianerin darf sich mit Anhängern Wudans, Loonas, anderen Göttern, oder gar jenen die keine Götter haben, vereinen. Und erst recht nicht mit einem Dämon.“
„Vereinen?“ fragte Amira und sah Elina fragend an.
„Kein fegaashaa für uns in diesem Dorf.“ erklärte sie und wandte sich dann an den Dorfanführer, „Wir geloben, uns an diese Regeln zu halten.“
Agev trat demonstrativ zur Seite, und seine Wachleute taten es ebenfalls. Die vier Halbwüchsigen betraten das Dorf.
Kai sah sich um. Überall standen Häuser die aus Holz bestanden. Vor jedem Haus stand ein großes Kreuz, welches große Ähnlichkeit zu einem christlichen Kreuz hatte. Und nun erkannte der Junge, dass die Kristianer wohl die Nachfahren der Christen waren.
Viele Leute waren in dem Dorf, und sahen die Freunde neugierig an. Im Grunde waren es bloß die jüngeren unter ihnen, welche sie ansahen. Die älteren widmeten ihnen wenig Aufmerksamkeit. Offenbar war es nicht ungewöhnlich, dass dieses Dorf Reisende aufnahm. In der Mitte des Dorfes standen mehrere Tische zusammen, und ein Stück weit von den Häusern entfernt stand etwas, was entfernt an einen Swimmingpool aus der Zeit der Alten erinnerte, aber deutlich größer war.
Andere Halbwüchsige traten aus den Häusern und sahen die Freunde an. Mehrere der Mädchen sahen zu Kai und kicherten, während auch einige der Jungen Elina auf eine bestimmte Weise ansahen. Sobald sie aber Amira sahen, welche deutlich knapper bekleidet war als ihre beiden Freunde, wandelte sich der Ausdruck auf ihren Gesichtern zu Abscheu und Entsetzen. Zumindest die zweite Regel hätte Agev gegenüber Amira nicht zu erwähnen brauchen, denn keiner von diesen Kristianern machte den Eindruck, sich gerne mit einer vermeintlichen Dämonin zu vereinen.
„Am Abend speisen wir alle gemeinsam in der Dorfmitte.“ sagte Agev, „Bis dahin könnt ihr euch dort drüben reinigen.“
Er deutete auf das, was aus der Ferne wie ein Swimmingpool aussah. Er nickte den Freunden zu, und ging dann los, zusammen mit den beiden Wachleuten.
„Ihr hättet es schlechter treffen können, als in dieses Dorf zu kommen.“ sagte Tinock, der die ganze Zeit über geschwiegen hatte, „Wir Kristianer sind meist friedliebend.“
„Ich freue mich, dass die Lehren Kristians, der friedliebende Teil von ihnen, die Zeit überdauert hat, und nicht mit den Alten unterging. Auch wenn das leider nicht bedeutet, dass sie Muta... Dämonen in ihrer Mitte akzeptieren.“ sagte Kai, „Was für ein Gerät ist das dort?“
„Ein Retrologe hat es gebaut.“ erwiderte Tinock, „Es soll etwas ähneln, was es schon in der Zeit der Alten gab. Es wird mit Wasser aus einem nahen Bach gespeist, und kann sogar erwärmt werden. Die ältere Dorfbewohner hielten es erst für finstere Magie, doch nun benutzen sie es auch, um sich zu reinigen.“
„Es wäre schön, einmal nicht in einem kalten Fluss oder See zu baden.“ meinte Amira während sie bereits ihre Oberbekleidung auszog, „Also los, gehen wir.“
„Nach den Regeln unseres Dorfes dürfen Männer und Frauen nicht zusammen baden.“ meinte Tinock, und bemühte sich, nicht auf Amiras Brüste zu schauen.
Die beiden Mädchen sahen ihn an, als glaubten sie, er würde sich einen Scherz mit ihnen erlauben. Wer stellte denn solche Regeln auf. Aber schließlich sagte Elina: „Nun denn, wir sagten zu, uns an die Regeln dieses Dorfes zu halten.“
Sie legte Amira einen Arm um die Schultern, und die beiden Mädchen gingen los.
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