Mission: Stardust

von Remediem
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Captain Phasma Finn General Hux Kylo Ren Leia Organa Rey
08.08.2018
10.10.2019
29
85893
10
Alle Kapitel
49 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Sometimes you picture me
I'm walking too far ahead.
You're calling to me, I can't hear
What you've said.
Then you say, go slow.
I fall behind.

Time After Time // Cyndi Lauper



Ein leises Plätschern hallte durch den kleinen Raum. Viel Luxus bot die Nasszelle nicht, sie war klein und fast schon eng, und wo andere an Klasutrophobie leiden würden, wenn sie nur den Raum betrachteten, so wurde er gerade zu einer kleinen Oase, eine Insel im Sturm.
Träge ließ Hux seine Hand durch das warme Wasser gleiten, während sich der Dampf als feiner Nebel in der Luft zeigte. Der Spiegel war schon beschlagen, die wenigen Kerzen brachen sich in einem warmen Schein auf seiner Oberfläche. Wie das Licht golden wirkte, blass aber doch rötlich.
Er blinzelte müde, dann schloss er wieder die Augen. Das Bisschen Ruhe hier war deutlich angenehmer, als er es sich vorgestellt hatte. Vor allem das warme Wasser wirkte Wunder bei seinem Rücken, den jetzt ein großer, blauer Fleck zieren musste.
Es war ... schön sich einmal verwöhnen zu lassen, auch wenn es nicht in seiner Natur lag einfach nichts zu tun und anderen die ganze Arbeit zu überlassen. Aber Ren hatte gute Argumente für seinen netten Abend.
Durchschlagend schöne, wie Hux in Gedanken bemerkte, den Geschmack vom süßen Wein noch auf seiner Zunge.
Wo er den wohl her hatte? Vielleicht hatte er Phasma darum gebeten oder er lag schon im Quartier und Ren hatte ihn vor seinen Augen versteckt? Er wusste es nicht und es war ihm gerade egal.
"Hmhm", hörte er ein leises Summen neben sich. "Schläfst du schon ein?"
Hux hielt die Augen weiterhin geschlossen, auch wenn sich ein Schmunzeln auf seine Lippen stahl.
"Und wenn es so wäre?", antwortete er einfach und ließ seine Fingerspitzen wieder über die Wasseroberfläche tanzen.
Wortlos setzte sich Kylo auf den Rand der schmalen Wanne, in der noch der Schaum glitzerte. Vielleicht waren die Kerzen zu viel gewesen, aber Hux störte sich augenscheinlich nicht daran.
"Sieht sehr entspannend aus", bemerkte er neckisch, als er das Weinglas von der kleinen Ablage nahm und einen Schluck daraus stahl.
"Ist es auch."
Nun blinzelte Hux doch hinauf in das nachdenkliche Gesicht. Der kleine Kratzer war dank des Bactas fast verschwunden. Nur etwas helle Haut sah noch hervor.
Dann wanderte sein Blick hinunter.
"Was wird das?", fragte er neugierig, als er den hellen Stoff als erstaunlich weich aussehenden Bademantel identifizierte, der doch wohl etwas zu klein für Rens breite Schultern war.
"Wonach sieht es denn aus?", erwiderte Kylo geheimnisvoll und drehte das Glas in der Hand.
Hux' Finger wanderten an den Rand der Wanne, hielten sich daran fest, während er sich mühevoll aufrichtete, dann verschränkte er die Arme auf dem Rand und legte den Kopf auf der entstandenen Fläche ab.
"Wirst du mir bestimmt gleich sagen", meinte er noch eingelullt vom warmen Wasser um ihn herum.
Währenddessen streckte Kylo die freie Hand nach ihm aus, schob einige Strähnen aus seinem Gesicht, das um etliche Jahre erleichtert worden war. Wieder ein Zeichen, dass Hux dringend Entspannung brauchte, sonst würde das nur so chronisch werden wie seine Schlafstörungen.
Doch bei der kleinen Berührung atmete Hux genüsslich aus. Vielleicht war es die gewohnte Umgebung, die ihn wieder mutiger werden ließ, vielleicht die Sehnsucht nach Verständnis und etwas Geborgenheit. Irgendwas trieb ihn in die große Handfläche hinein.
Kylo lächelte zaghaft. Ihm gefiel die Veränderung, auch wenn er misstrauisch blieb. Armitage war kein einfacher Mensch und niemand, dem man so leicht in die Karten sehen konnte. Ein passionierter Einzelgänger, der nur sich selbst ganz vertraute, das hatte Kylo bei ihrer Flucht von der Raddus deutlich zu spüren bekommen, dass Hux nicht wirklich erpicht darauf war, seine Gedankengänge zu teilen. Dabei war es gerade diese Selbstständigkeit, die Ren an ihm schätzte. Dass Hux den Biss hatte, sich durchzusetzen, wenn er glaubte, dass sein Weg der bessere war. Nur fiel ihm jetzt auf, wie sehr er ihn mit der Zeit in den Unbekannten Regionen strapaziert hatte. Und wieder missverstand er sein Verhalten mit Angst. Dass Armitage Angst hatte, da draußen in Freiheit zu sein. Er wollte es gar nicht und war doch ihm zuliebe mitgegangen. Ein Vogel, der nur das Leben im Käfig kannte, würde als erster im Wald gefressen werden.
Das hier war sein Leben. Doch Kylos Vorstellungen von einem glücklichen und guten Leben waren davon Meilen entfernt. Er brauchte keine Strukturen, die ihn einengten, keinen Plan der ihm vorschrieb, wann er wo sein musste. Er wollte nicht hierbleiben, in einer Welt, die ihn kaputt gemacht hatte.
Langsam rieb sein Daumen über die weiche Haut, er schob die düsteren Gedanken weg und fokussierte sich wieder auf das Bild vor sich.
Hux war beinahe eingeschlafen, seine Hüfte eingeknickt, während er gegen den Rand lehnte und den Kopf streckte, damit Kylo weitermachte.
Wie lange er darum kämpfen musste, ihn anfassen zu dürfen. Wie ein scheues Reh war er entweder zu Eis erstarrt oder davongesprungen, wenn die Distanz ihn retten sollte. Jetzt schien er lahmfromm, allerdings nur bei ihm. Sein Vertrauen in andere Menschen war erschüttert, die Fundamente wackelig. Er traute ihnen nur so weit, wie er sehen konnte und selbst dann nicht wirklich. Hux war ein seltsamer Mensch in einer seltsamen Welt. Das Produkt etlicher Kämpfe und Kriege. Das Spiegelbild der Schattenseiten. Der geschlagene Hund, der nichts mehr zu verlieren hatte.
Ren rieb weiter. Seinen Nacken hinunter zu den Schulterblättern. Ganz verspannt waren sie und es bedurfte einiger strammen Züge, bis sich die Muskeln lockerten. Armitage gab einen leisen Ton von sich.
Aber war er nicht genauso? Jedenfalls, wäre er nicht genauso geworden, wenn er die Macht nicht besäße? Sie verlieh ihm die Fähigkeit, hinter die Stirn anderer zu sehen, ihre Gedanken zu belauschen, zu wissen, wer Freund und wer Feind war. Andererseits wäre er wohl genauso misstrauisch und paranoid geworden, wie Hux es zu mancher Stunde war. Ein rastloser Geist in einem rastlosen Körper. Und seit ihrem Verschwinden schien seine innere Balance aus dem Gleichgewicht zu sein. Er hungerte, auch wenn er es leugnete. Manchmal aß er tagelang nichts, studierte alte Dateien oder starrte in die Leere. Vielleicht vermisste er es, dass man ihn forderte, dass man seinen Intellekt benutzte und ihn nicht nur verkümmern ließ. Die Reaktion eines trotzigen Kindes? Oder nur Kummer? Und in den Momenten wünschte sich Ren, dass man ihn an sich heranließ. Er wollte helfen, nur helfen. Weswegen Hux eine Gefahr in ihm sah, war ein schmerzhaftes Rätsel geworden, auch wenn er meinte, dass die düsteren Wolken vorbeigezogen waren.
"Besser?", fragte er rau hinunter, als seine Hand stillstand.
"Mh."
Hux streckte sich, man konnte die scharfen Wirbel ganz genau unter seiner Haut sehen, die doch so hell war wie Papier. Ein empfindliches Organ, bekam er ständig blaue Flecken wenn er irgendwo anstieß, oder wenn er sich kratzte, dann wurde er rot wie eine kleine Sonne.
"Das Wasser wird langsam kalt", bemerkte Kylo beiläufig als er die Finger von seinem Rücken hinab ins Nass gleiten ließ.
"Man kann neues einlaufen lassen", erwiderte Armitage und hob den Kopf von seinen Armen. "Und jetzt sag mir wozu der Bademantel gut ist."
Ren sah ihn an, runter in die grünen Augen, die ihn anfunkelten wie kleine Jadesteine.
Und er musste bemerken, dass es ihm das Herz zerriss ihn hier so glücklich zu sehen, während er vor Tagen noch eingegangen war an Lethargie und Furcht. Er kannte keine Lösung die beide Seiten zufriedenstellte.
"Wozu? Ich dachte einfach-"
"Einfach was?"
Hux schnappte sich eines der Bändel, die einmal um die Hüfte führten und dort den Stoff zusammenhielten. Er zog etwas daran, ringelte seine Finger darum, dann blinzelte er wieder hinauf.
"Ah", sagte er einleuchtend und beantwortete sich seine Frage selbst. "Dein schöner Abend ist also noch nicht zu Ende, hm?"
Kylo schmunzelte etwas.
"Er hat gerade erst richtig angefangen", murmelte Kylo und legte den Kopf in den Nacken.
Konnte es nicht immer so sein? Ruhig und gut; er fürchtete sich vor dem Besser, das alles zerstören konnte.
Was war schon besser in einer Welt in der nicht gut war?
Er hörte, wie sich das Wasser bewegte, wie Tropfen zurück auf die Oberfläche fielen. Alles mit einem leisen Platsch. Noch ignorierte er es, träumte von seiner schönen Welt und dem Traum, dem er schon immer nachgejagt war wie ein Hund seinem Schwanz. Bis eine Hand sich auf seiner Schulter abstützte, da senkte er den Kopf wieder und beobachtete die Geräusche. Er stand auf.
"Ist der Rücken besser?", fragte er nach, während er Hux eine Hand reichte, der über den Wannenrand kletterte; der Schaum glitzerte in seinen, vom Wasser dunklen Haaren.
Er stellte das Weinglas zurück auf die Anrichte, um beide Hände freizuhaben, auch wenn man seine Hilfe schon nicht mehr brauchte.
"Warte bis morgen, dann sag ich's dir."
Armitage verzog den Mund, dabei streckte er sich. Noch konnte er die warme Umarmung des Wassers auf seiner Haut fühlen, doch die Luft stahl den süßen Kuss davon und es wurde kälter.
Er sah durch den Raum, durch die offene Tür zum Bett und dahinter zum Fenster. Die feurige Sonne versank auf den Schneehügeln, schmolz den Schnee nur scheinbar, während die großen Nadelbäume aussahen wie kleine Streichhölzer. Die ersten Sterne zeigten sich am Nachthimmel.
Kylo drehte sich um, hatte er sich hinunter zum Wasser gebeugt, um dieses herauszulassen. Er beobachtete, wie Hux dastand und die letzten Sonnenstrahlen genoss, die ins Zimmer fiel und alles noch einmal wärmer machte. Und für einen Moment starrte er nur, wie das Licht honiggoldene Tupfen in die seegrünen Augen legte, seine Wimpern schienen kleine Flammen zu sein, heller an den Enden, wie zarte Kerzen. Dabei leuchtete seine Haut wie heißes Wachs, mit kleinen Wasserperlen bespickt, die das Licht brachen und hübsche, helle Applikationen auf ihn malten, wie es die Natur am Besten konnte. Feine, dunklere Sprenkel auf den Schultern, die sich fast bis zum Brustbein zogen, wie das Nebelband einer fernen Galaxie; Kylo wollte nicht zugeben, dass es nur Sommersprossen waren. Über jene liefen feine Rinnsale aus Wasser, das von den Spitzen der Strähnen tropfte. Das ehemals helle Rotblond war einem tiefen Bronzeton gewichen, selbst wenn es nass war, wirkte es doch seltsam lebendig, als wohne eine kleine Flamme im Nest aus dunklen Haaren.
Kylo brauchte einige Augenblicke, bis er die verschränkten Arme sah, dazu die Gänsehaut, die sich auf ihm ausbreitete wie ein Lauffeuer.
Wortlos strich er sich den Mantel von den Schultern, wenigstens trug er noch eine einfache Boxershort darunter. Ohne etwas zu sagen, hing er ihm den Stoff um und Hux blinzelte erstaunt in sein Gesicht. Bis er schließlich lächelte und die Arme um ihn schlang.
Finger fuhren durch das dicke, schwarze Haar, wie sie es immer taten und Ren neigte den Kopf etwas hinunter, einfach, weil er dem Gewicht folgte.
"Wie charmant", hauchte Armitage ihm entgegen, denn der weiche Stoff wärmte seine kalte Haut, auch wenn Kylo nun fror. "Mein strahlender Ritter, in nicht ganz so strahlender Rüstung."
"Lässt sich ändern", erwiderte Ren schlichtweg, seine Hände rutschten automatisch an den warmen Mantel, vorgeheizt durch ihn.
Hux hatte wirklich eine verdammt schmale Hüfte, was man so gesehen nie bemerkte, nicht wenn Ren an seine schwarze Uniform dachte, an den großen Mantel, der wie Rabenschwingen geschnitten war, der ihn größer wirken ließ als er es war. Aber so war es auch perfekt.
Seine Finger strichen über die zarte Haut. Nebenbei machte er sich Gedanken um das Damals und das Jetzt. Was war besser?
Früher hatten sie Titel und Einfluss. Macht und das Recht, die Galaxie in die Knie zu zwingen. Aber frei waren sie nicht gewesen.
Und heute waren sie selbst zu Schachfiguren geworden. Man misstraute ihnen, sie hatten ihren Respekt verloren. Dafür das hier gewonnen.
Manchmal wünschte er sich, dass es nie passiert wäre. Dass Hux mit Starkiller gescheitert und sie zusammen verbrannt wären. Ein glatter Strich unter allem und nicht in den Lügen leben, die sie erfanden.
Wann war der Tod eine Option geworden?
"Woran denkst du?", fragte Armitage zärtlich und sanft, während er über den leichten Bartwuchs fuhr.
Es knisterte leise.
"An früher. An vertane Chancen. An das Was wäre, wenn."
Eine ehrliche Antwort.
Hux schmunzelte gütig, auch wenn er manchmal ähnlich dachte und es fast bereute, diesen Weg gegangen zu sein.
"Und zu welchem Schluss kommst du?"
Kylo blinzelte erstaunt. Dann sah er verlegen weg, als er die Erwartung in Hux' Augen sah.
"Zu keinem. Es ist alles ... zu kompliziert", versuchte er sich zu erklären, dass er sich wenig entscheiden konnte, was besser war.
Ein geordnetes Leben leben, auch wenn Snoke sie an der Leine hielt und sie gegeneinander aufstachelte, oder das hier, wenn man ständig Angst haben musste, dass jeder Tag der letzte war. Wretch gäbe es gar nicht, nur Snoke und sie hatten schon bewiesen, dass man ihn recht einfach betrügen konnte. Und wenn sie einfach an seine Stelle getreten wären? Wenn sie geblieben wären? Niemand hätte sie aufhalten können und niemand dürfte von ihnen wissen.
Kylo wusste nichts.
"Ist in Ordnung", meinte Armitage nach einer Weile. "Ich weiß es auch nicht."
Seine Stirn drückte sich gegen seine, Kylo sah wieder vor sich, in die halbgeschlossenen Augen.
Hux summte leise und Ren wusste nicht, dass er es konnte, während seine Finger durch die Haare fuhren, den Ansatz kämmten als würden sie es immer machen. Wie ein Reflex.
Und Ren konnte den warmen Atem auf seiner Haut fühlen, wie eine Hand nachdenklich auf seiner Brust ruhte, den Herzschlag fühlte und die Wärme teilte.
Bis er ihn küsste. Es war normal. Ganz normal und leicht, während er die weichen Lippen auf seinen spürte.
Und sie führten den Tanz, der folgen sollte.
Ohne nachzudenken schlang er seine Arme um ihn, zog ihn näher und genoss die Stille in seinem Kopf. Jetzt musste er nur funktionieren und nicht nachdenken.
Hux stieß ihn frech an, forderte ihn zum Spielen auf, dass sie sich gegenseitig ablenkten. Dabei drehte er sich um ihn, sodass er im Türrahmen stand, die Sonne im Rücken.
Er löste die Hand aus seinen Haaren, Kylo schnappte mit den Zähnen nach seiner Unterlippe, zog etwas an seiner Haut und Hux lachte rau. Ren protestierte nicht, als ein härterer Kuss folgte. Er protestierte nur, als Armitage nach hinten trat und sich entfernte. Widerwillig folgte er ihm in das, von den letzten Sonnenstrahlen durchflutete Zimmer.
Als er blinzelte, blickte er in ein dunkles Gesicht. Die Sonne erhellte seine Haare, wie ein Heiligenschein aus Flammen. Er sah die Schatten um sein Nasenbein tanzen, wie lange Finger sich nach seinen Wangen ausstreckten und sie verdunkelte. Dann ein Lächeln, als Hux wieder einen Schritt zurücktat.
Es wirkte wie tanzen, sich über den Boden bewegen. Herantasten, nun willentlich, an das, was einem präsentiert wurde. Und Kylo wusste, dass die Nacht auf der Fulminatrix ein unüberlegter Beweis gewesen war. Also lag Hux doch noch etwas an ihm, eine Möglichkeit, ihn bei sich zu halten, ein verzweifelter Versuch sie zu retten, als der erste scheiterte.
Und jetzt war es wieder anders. Würde Hux ihn an sich heranlassen? Diesmal vollkommen? Bisher war es mehr ein Vertrösten gewesen, eine Bitte zu warten, wie es keusche Jungfrauen taten.
So dirigierte Hux ihn bis ans Bett, bedeckte seinen Mund mit Küssen, ein zärtlicher Lockruf an seine Lust.
"Du riechst fantastisch", raunte Kylo, als er den Kopf beiseite drängte und seine Lippen über den Nacken fuhren ließ.
Armitage seufzte leise, schob den Hals zur Seite und machte den Zähnen Platz. Dabei streckte er seine Finger, von blinden Augen geführt, nach dem letzten Stück Stoff aus, das Ren bedeckte.
Dessen Hände fuhren über ihn, unter den leichten Mantel, überall, und verwischten die Wassertropfen, die noch auf seiner Haut schimmerten.
Hux hielt still, so still, dass er für einen Moment das Atmen vergaß und er einfach nur die bissigen Lippen unter seinem rechten Ohr genoss. Fast zu viel Zeit verträumte er dabei, während seine Finger noch tatenlos unter den Bund der Boxershort gehakt waren.
Doch irgendwann riss er sich los, drehte den Kopf um sein Genick, um sich aus dem Griff des Anderen zu befreien. Ren knurrte und schlang seine Arme enger um ihn, den Geschmack von Wasser und Salz noch auf der Zunge.
Hux ging mit dem Gesicht auf Abstand, sah mit einem Lächeln und einem Wink in die widerspenstigen Fragen, die Ren ihm zukommen ließ. Dieser runzelte die Stirn, selbst als man ihm noch einen fahrigen Kuss auf den Mundwinkel drückte. Die Lippen zu einem kecken Grinsen verzogen, das Kylo misstrauisch werden ließ.
Mit Spannung sah er zu, wie Hux' Finger endlich den Stoff von ihm lösten, bis die Boxershort an seinen Knöcheln hing.
Im nächsten Moment sah er rotes Haar, das sich beugte, fühlte erneut Finger an seinen Oberschenkeln.
Ren zischte im Unglauben als Hux vor ihm kniete. Doch er sagte kein Wort, er fragte nicht nach, er vertraute einfach dem, was kommen sollte und gab sich jenen Bewegungen hin.
Es kitzelte erst, flüchtiger Atem auf der warmen Haut, ein gehauchter Kuss auf seine Lenden, bis Zähne über das dünne Fleisch fuhren und er in die noch feuchten Haare griff, um die Naturgewalt zu bändigen.
Hux leckte sich die Lippen, fast in Vorfreude, denn er hatte es vermisst. Dann nahm er ihn in den Mund.
Kylo fauchte überrascht, trat einen halben Schritt nach hinten, um sich zu fangen. Seine Knöchel traten weiß hervor, als er sich festhielt. Mit scharfen und gereizten Augen taxierte er Hux' Werk, der ihn mühelos wieder zu sich dirigierte.
Ren presste die Lippen gegeneinander, als die Bewegungen tiefer gingen, er hörte den stetigen Atem, fühlte ihn auf der Haut. Die ganze Wärme um ihn herum vernebelte seine Sinne. Er versuchte es, sich zu bändigen, die Laute hinunterzuschlucken, still zu halten. Doch Hux legte es gerade darauf an das zu wiederholen, was sie Stunden zuvor hatten aufgeben müssen. Jetzt hatten sie alle Zeit der Welt und die Sicherheit auf ihrer Seite, dass niemand sie stören würde.
Es bedarf einiger Versuche, die richtige Stelle zu finden. Das rechte Maß an Druck und Zärtlichkeit. Seine Finger wanderten höher, an die Innenseite seiner Schenkel, wo sie die Haut reizten, bis Ren leicht zitterte und gehorsam die Knie auseinanderdrückte.
Kylo keuchte leise, änderte das Standbein einige Male, vielleicht um den Händen zu entkommen, vielleicht um eine angenehmere Haltung zu finden. Hux schmunzelte, auch wenn seine Lippen beschäftigt waren. Und er Geschmack war süß und salzig gleichzeitig, wie er auf seiner Zunge tanzte und Lust auf mehr machte.
Schließlich drückte er sich von ihm, bis er mit dem Rücken gegen den Rand des Bettes stieß.
Kylo blinzelte rapide, unentschlossen und außer Atem. Lange hatte er auf solch eine Behandlung verzichten müssen.
"Bett. Auf den Rücken", sagte Hux rau, in einem Ton, der keine Widerworte duldete.
Und Kylo kämpfte kurz mit seinem Stolz, sich einfach zu ergeben. Armitages Augen funkelten bedrohlich im schwindenden Licht der Sonne, als er sich mühelos aufrichtete. Der Bademantel wie eine Robe aus feinstem Schnee auf seinen Schultern.
Er packte Ren zwischen die Beine. Ein, zwei kräftige Striche und schon wurden die harten Augen glasig und man fügte sich seinen Anweisungen.
Hux lächelte dabei. Er wollte es nicht zugeben, aber auch er hatte es vermisst, einmal wieder die Oberhand zu haben, sich nicht immer nur herumschubsen zu lassen. Und er wollte Kylo endgültig beweisen, dass er weder schwach noch hilflos war.
Er zog die Schublade vom Beistelltisch auf. Aus Erfahrung wusste er, was er darin vorfinden würde, schließlich kannte er die Standards. Er fand die übliche Notiz für die Bewohner der Zimmer, ein Zeitplan für alles, was hier passierte, mögliche Übungen, der Aufbau des kleinen Apartments, ein Lageplan, um sich in der Basis zurechtzufinden. Doch der restliche Inhalt war wenig formal, mehr persönlich und für andere Handlungen bestimmt.
Als er sich wieder aufrichtete, die kleine, ominöse Flasche in den Fingern, nach der er gesucht hatte, schweifte sein Blick wieder aufs Bett.
"Hm, bequem genug?", fragte er Ren neckisch, der eine unzufriedene Mine aufsetzte.
Er lag da, mürrisch, aber folgsam auf dem Rücken, hatte sich ein Kissen unter den Kopf gestopft und die Arme vor der Brust verschränkt.
Er schenkte ihm einen warnenden Blick und Hux warf das Fläschchen auf das Laken, bevor er selbst ein Knie auf die Matratze stemmte und hineinkletterte.
"Ich bitte dich", murrte er amüsiert. "Du benimmst dich, als wäre es schlimm."
Kylo knurrte und zog die Arme enger um sich. Vielleicht weil er, im Gegensatz zu Hux, ein Problem damit hatte, gänzlich entblößt irgendwo wie auf dem Präsentierteller zu liegen. Es war ihm unangenehm und meistens versteckte er sich unter der Decke oder ließ die Hose an.
Bestimmt ging es darum, dass er angreifbar war. Dabei schrieb er sich selbst immer die Rolle des Beschützers zu, meistens so herrisch, dass er Hux keine andere Wahl ließ, als sich zu fügen und sich nehmen zu lassen. Aber heute nicht, heute, würde es Kylo sein, der voll auf seine Kosten kam.
"Stell dich nicht so an", warnte man ihn mit einem leichten Klaps auf den Oberschenkel.
Noch immer besserte sich Rens Mine nicht, jedoch benahm er sich, als er die Beine öffnete.
Für einen Moment musterte Hux ihn wortlos, sodass Kylo rot anlief und zwanghaft aus dem Fenster sah. Sie taten das hier nicht oft, alteingesessene Rollen tauschen. Das letzte Mal vor ihrer Flucht und Hux konnte sich gut daran erinnern. Ren hatte es nur geduldet, weil er ihm noch etwas für die verkorkste, erste Nacht schuldete. Ausgleichende Gerechtigkeit. Jetzt war es Präsenz. Hux wollte beweisen, dass er mindestens genauso stark war, wie Ren es von sich selbst behauptete.
"Hmhm", summte er leise, als er über ihn kletterte. "Hübsch."
Er fasste Rens Arme, die sich verkrampft hielten, und zog sie auseinander, bevor er sich über ihn beugte und seinen Adamsapfel küsste.
Kylo war starr wie ein Eiszapfen, bestimmt vertraute er ihm noch nicht gänzlich, verständlich. Es bedarf etwas Überredungskunst, ein Paar süßer Lippen und einigen gewisperten Worte, bis er auftaute und sich begann zu entspannen.
"Lass die Augen zu", raunte Hux in den letzten Kuss hinein.
Erst blinzelte Kylo, dann folgte er mit einem Seufzen.
Armitage unterdessen setzte sich zurück auf die Ferse und nahm sich der Flasche an, die unordentlich ein paar Zentimeter neben ihm trollte. Mühelos öffnete er sie, träufelte etwas der Flüssigkeit auf seine Hand, ehe er sich wieder seinem Partner zuwandte.
Wie gefordert hatte Ren die Augen geschlossenen, wenn noch etwas starr und gezwungen, aber immerhin.
Doch als er die Finger ansetzte, erschrak Kylo, fast so sehr, dass sein Kopf aus dem Kissen fuhr und er sich aufrichten wollte.
Armitage legte ihm die freie Hand auf den Bauch, hielt dann inne und sah ihn fragend an. Eine ernste Frage, die er nicht einmal aussprechen musste.
Ren schluckte langsam, die Hände in die Decke gekrallt, Oberkörper fast aufrecht. Nun war er es, der unsicher war, der noch nicht ganz bereit war, jegliche Gewalt an Hux zu übergeben.
Doch die Frage, die man ihm stellte, war eine endgültige.
Vertraust du mir?
"Das ist kalt", meckerte Ren lasch, als er sich entschied.
Langsam rutschte er wieder hinunter in das Laken und Hux atmete dankbar durch. Er wüsste nicht, was er gemacht hätte, wenn seine Entscheidung anders ausgefallen wäre.
"Komm her", sagte er und hob die Hand von seiner Haut, streckte sie nach den nächsten Fingern aus und Ren packte zu.
Dann erst drückte er seine Finger gegen ihn.
Kylo keuchte, hielt die Augen fest geschlossen, auch wenn er sich festkrallte und sich nach den ersten paar Bewegungen  gar nicht mehr entspannen wollte.
Aber Hux hatte Geduld. Vorsichtig spielte er mit seinen Fingern, streichelte mit der Hand das nervöse Gegenstück, bis er irgendwann an den Punkt kam, an dem alles ganz einfach ging.
Ren stöhnte, atmete und drückte den Rücken durch. Endlich ließ er sich darauf ein und erkannte die Vorzüge darin.
Armitage lächelte zufrieden, nahm einen zweiten Finger hinzu und wurde etwas härter. Er beobachtete, wie die feuchten Lippen nach Luft schnappten, wie sein Kopf im Kissen versank und sich die Rippen unter seiner Haut zeigten. Wie die blasse Narbe auf und ab tanzte, wenn er sich bewegte.
"Hm, wunderschön", lobte Hux leise, als er seine Hand aus dem losen Griff befreite, der gleich wieder in die Decke fuhr, um sich seiner selbst anzunehmen.
Es waren nicht die fahrigen Striche, die ihn erregten. Nicht einmal, die Aussicht auf das wilde Durcheinander, das den Verstand kurz verloren hatte. Eher war es das, was man nicht sehen konnte. Rens Zuneigung, dass er es ihm erlaubte, solche Dinge mit ihm anzustellen, dass er ihm wieder so weit vertraute, es zu dürfen. Ihm wurde schummrig bei den Gedanken und seine Hüfte bockte kurz in seine Faust, als er es nicht mehr aushielt.
"Ren- Sh, Kylo", flüsterte er, als er seine Hand zurückzog und über die zitternden Muskeln fahren ließ. "Schau mich an."
Kylo blinzelte, seichte Tränen in den Augenwinkeln, seine Brust hob sich rapide, senkte sich in einem Flattern wieder ab. Es dauerte einige Momente, bis die Worte zu ihm durchdrangen.
"Du siehst wundervoll aus, Liebling."
Kylo starrte für einen Moment, hielt den Atem an, den er doch so dringend brauchte. Er hörte die Wärme in den rauen, leisen Worten. Wollte darin baden und ertrinken. Es tat so gut, wenn Hux ihn lobte, wenn er ihn Liebling oder Hübscher nannte. Etwas Wertschätzung, die er so nie erfahren durfte.
"Kylo", rief Armitage etwas besorgt nach ihm, als keine Antwort kam.
Nur Tränen, die ihm übers Gesicht liefen. Und man streckte die Hand nach ihm aus, streichelte seine Wange und kämmte vertraut die dicken Haare.
"Hab ich was Falsches gesagt?", wollte man von ihm wissen, vorsichtig und etwas irritiert.
Doch Ren schüttelte schnell den Kopf, schmiegte sich in die warme Handfläche und hielt sie fest.
"Nein, ist nur ... ist nur schön das zu hören."
Hux lächelte darüber, erleichtert, dass es nur sowas war.
"Na dann."
Er rollte die Hüfte nach vorne, die freie Hand hielt sich an ihm fest. Fast automatisch drückte Ren das Becken nach oben, atmete laut aus, denn der Winkel war fast zu perfekt.
Seine Lippen zitterten, suchten Beschäftigung, die sie in den weichen Handballen fanden. Hux summte leise vor sich hin, ließ sich die Spielereien des Jüngeren gefallen, während er seinen Rhythmus fand.
Es waren langsame, tiefe Stöße, die allesamt Rens Nerven erschütterten. Bald schon hatte er keine Zeit mehr, um sich mit der fremden Hand zu vergnügen.
Seine Beine schlossen sich hinter dem schmalen Rücken, verhakten sich und hielten Hux an seiner Position. Gerade so, wie er es wollte.
Der beugte sich über ihn, stützte sich mit der Hand an der Decke ab.
"Bleib so", raunte er hinunter und Ren blinzelte erstmals seit Minuten wieder zu ihm hoch.
Es war dunkel geworden, eine klare Nach draußen. Wenn er hinsehen würde, dann sähe er auch die Sterne am schwarzen Himmel über dem Schnee. Doch alles was er jetzt sehen wollte, war vor ihm.
Gelöste Strähnen baumelten Hux ins Gesicht, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt, der Mund stand etwas offen; auch er atmete schwer.
Das hier, das wollte er nicht aufgeben. Nicht für alles Geld der Welt. Nicht einmal, für eine bessere Welt.
Warum auch, wenn das hier seine Welt geworden war?


-*-


Big fluffy thaanks an nepheley die mich hier ermutigen musste, das fertig zu machen. Ansonsten müsste man bestimmt noch ne Woche drauf warten.

!Letzte Erinnerung.
Kapitel 14 wurde grunderneuert, verändert also minimal das, worauf die nächsten Kapitel aufbauen.
Review schreiben