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K-Pop Various x Chubby!Reader OneShots

OneshotAllgemein / P12
Bangtan Boys EXO GOT7 Monsta X Seventeen Super Junior
07.08.2018
05.11.2020
26
75.761
5
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
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05.02.2020 4.732
 
Aufgeregt spielte (D/N) mit dem kleinen Knöpfchen auf der Hinterseite ihres Kugelschreibers. Ihr Daumen drückte immer wieder auf das kleine Stück Plastik, sodass ein leises Klacken durch das stille Klassenzimmer tönte. Ihre Lehrerin warf ihr schon warnende Blicke zu, doch sie guckte nur wieder zu Uhr und sehnte sich den Schulschluss herbei. Aber die Uhr tickte so elendig langsam. Es würde noch eine halbe Ewigkeit dauern bis das Läuten der Glocke die Schüler vom Unterricht erlösen würde. Vielleicht könnte man sich in diesem Moment fragen, warum sie so ungeduldig auf ihrem Stuhl herum rutschte. Doch dafür gab es eine ganz einfache Erklärung. In der Zwischenpause hatten ein paar ihrer Klassenkameradinnen, sie zum Karaoke eingeladen. Normalerweise war sie der schüchterne Außenseiter, der nur schwer Anklang fand. Sie traute sich nicht so recht, jemanden anzusprechen. Die anderen waren viel aufgeschlossener. Deswegen freute sie sich auch so sehr, dass man sie ebenfalls einlud. Möglicherweise könnte sie auch so etwas wie eine beste Freundin hier auf dieser Schule finden. Ihre anderen Freunde besuchten leider eine andere Schule auf der anderen Seite der Stadt. Dadurch konnten sie sich auch leider nicht mehr allzu oft sehen. Also hoffte sie darauf, eine Person zu finden, mit der sie ihre Probleme und Geheimnisse teilen könnte. Sie würde gerne zusammen mit den anderen zusammen in der Mensa Mittag essen und über Jungs tuscheln. Zwar war sie nicht unbedingt ein Fan davon, aber sie musste zugeben, dass es einige süße Gesichter auf dieser Schule gab.

Dazu zählten einige bestimmte Kandidaten, die von fast allen alleinstehenden Mädchen angehimmelt wurden. Moon Bin, Park Minhyuk, und Lee Dongmin. Einer schöner als der andere. Jeder dieser Männer hatte seinen eigenen Charme, der zum Dahinschmelzen war. Vor allem Dongmin… Er galt als der Prinz dieser Schule. Direkt aber höflich, offenherzig, freundlich und obendrein eine wahre Schönheit. Als wäre sein Gesicht aus Stein gemeißelt. Aber zurück zum eigentlichen Thema. (D/N) kritzelte die letzten Matheformeln in ihr Notizbuch, als das Klingeln endlich ertönte. Sofort tönte lautstarkes Gerede durch den Raum. Blätter raschelten, als die Schüler alles schnell in ihren Taschen verstauten. Auch sie war dieses Mal einer der Schnellsten. Normalerweise ließ sie sich dafür immer Zeit, doch die Vorfreude war zu riesig, als dass sie sich hätte zusammenreißen können. Am liebsten wäre sie auch gleich beim ersten Schrillen zu den anderen Mädchen hinübergerannt. Stattdessen kamen diese jedoch zu ihr hinübergetrottet. Auf jedes der Gesichter war ein breites Lächeln tapeziert, das etwas zu freundlich wirkte. Aber in diesem Moment schien (D/N) es nicht bemerken zu wollen. Für einen Augenblick wollte sie ein glückliches Teenagerleben auskosten. „Können wir dann los?“ Misa spielte mit einer ihrer Haarsträhnen und guckte sie aus zuckersüßen, unschuldigen Augen an. Sie war ziemlich klein und schmal gebaut. Bei den Jungs ein Favorit, da sie bei vielen ein Beschützerinstinkt hervorrief. Jedoch steckte hinter der Fassade mehr, als so mancher denken mochte. (D/N) nickte begeistert und schulterte ihre Tasche. „Natürlich.“

Zusammen traten sie mit einem Haufen anderer Schüler aus dem großen Gebäude. Schon jetzt fühlte sie sich ein Stückchen mehr aufgenommen, doch bald würde sie bemerken, warum man so plötzlich Kontakt mit ihr suchte. Dieser Grund stand nämlich keine Minute später vor ihr. „(D/N)~ Hi“, rief (S/N), ihre große Schwester, während sie nahezu auf sie zustürmte. Sie war ein sehr lebensfroher Mensch, der so gut wie nie schlechte Laune hatte. Man musste sie einfach mögen. Kein Wunder, dass sie einer der bekanntesten Mädchen ihres Alters war. „Meine Güte! Das ist (S/N), das aufstrebende Teen-Model.“ Mit einem Mal ging das laute Tuscheln los und alle Aufmerksamkeit richtete sich auf die beiden Schwestern. „(S/N)! Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht hierher kommen“, zischte sie aufgebracht. Die Ältere schob beleidigt ihre Unterlippe hervor. „Aber das Shooting war ganz in der Nähe und da es schon vorbei ist, dachte ich, ich komme dich holen“, rechtfertigte sie sich.  (D/N) seufzte leise. Wie könnte sie ihr auch böse sein? Das war nahezu unmöglich. Trotz ihres Ruhms, blieb sie bodenständig und liebevoll. Sie liebte ihre Schwester. Keine Frage. Doch konnte sie nicht anders als eifersüchtig zu sein. Stets stand sie in ihrem Schatten. Ihre eigenen Mühen schienen sinnlos, wenn sie in jeder Sekunde ihres Lebens mit anderen verglichen wurde. Nichts was sie tat, war jemals genug. Ihre Eltern schienen ihren ganzen Stolz auf (S/N) zu projizieren und ihre Mitschüler kannten sie nur als düsteres Mauerblümchen. Sie war nicht (D/N), sondern die Schwester eines Top-Models. Ihr Name existierte in dieser Welt nichts. Niemand würde ihr zuhören.

Da hatte sie den Salat. Aufgeregt quietschende Mädchen umzingelten (S/N) und fragten sie über ihren Job aus. Die Mädchen, welche sie vor kurzem noch zum Karaoke eingeladen hatten, schlugen sich geradezu darum, die Aufmerksamkeit des kleinen Idols auf sich. „Kommst du mit uns mit? (D/N) ist schließlich auch da.“ Misa verlieh ihrer Stimme einen süßen, bettelnden Unterton, der schon nahezu unwiderstehlich weich klang. Damit hatte sie ein Leichtes, Menschen für sich zu gewinnen. „Oh! Liebend gerne. Wenn sie mich auch dabei haben möchte.“ Sofort wandten sich alle Blicke zu. Manche drohend, andere flehend. Jetzt durfte sie ja nicht einmal mehr etwas Falsches sagen oder es ging ihr an den Kragen. „Klar… Ihr könnt sie mitnehmen“, sagte sie wenig enthusiastisch. Da hatte sie doch tatsächlich einmal gedacht, man würde sich auch für sie interessieren. Aber so konnte man sich irren. Nach und nach lichtete sich der Vorhof des Schulgebäudes. Nur ein paar vereinzelte Schüler kamen noch aus den Türen herausgeströmt. So auch eine bestimmte dreiköpfige Gruppe junger Männer, die die Blicke nur so magisch auf sich zogen. (D/N) war jedoch zu deprimiert, um auch nur den Kopf zu heben. Stattdessen starrte sie wütend auf ihr Schuhwerk und verfluchte alles auf dieser verdammten Welt. Das Getuschel um sie wurde nur noch lauter, als sie immer näher kamen. Anscheinend wunderten sie sich auch, warum hier so ein Trubel herrschte.

Es kam wie es natürlich kommen musste und aus ihrer ursprünglich vierköpfigen Gruppe wurde eine Achtköpfige. Auch wenn sich die Pärchen einzeln aufteilten. Misa, (S/N) mit Bin an ihrer Seite, dicht gefolgt von den beiden anderen Mädchen, die Minhyuk und Dongmin umgarnten. Ziemlich demotiviert folgte ihnen (D/N). Irgendwie lustig wie schnell man ausgeschlossen werden konnte. Ein zweimal versuchte sie sich in die Gespräche mit einzubringen, doch ihr wurde nur wenig Achtung geschenkt. Entweder machten die Mädchen den drei Männern schöne Augen oder alles drehte sich um den neuen Star. Manchmal hasste sie ihr Leben. Hätte sie nicht einfach eine normale Schwester haben können? Dann hätte sie Freunde finden können, ohne dass jeder Zweite irgendwelche Hintergedanken hätte. Das Traurige war, dass sie jetzt einfach stehen bleiben könnte und keiner würde es bemerken. Ehe sie ihr Tempo weiter verlangsamen konnte, drehte sich mit einem Mal Sunshine Boy Nr. 1 zu ihr um. Dongmin blickte neugierig zu ihr, schenkte ihr dabei ein warmes Lächeln. „Warum hängst du denn so hinterher?“ Trotz jeglicher Widerworte seiner weiteren Begleiterinnen lief er an ihre Seite. Überrascht sah (D/N) zu ihm auf, als er sanft ihr Handgelenk umgriff und sie weiter nach vorne zog. „M-moment… Ich wollte“, stotterte sie nervös. Er bedachte sie mit einem vorwerfenden Blick. „Du wolltest was? Abhauen?“ Schüchtern senkte sie den Kopf. Was sollte sie darauf nur erwidern? Sollte sie ihre Gedanken zugeben? Aber das würde ihn doch sicherlich nicht interessieren. Von einer Sekunde auf die andere spannte sich ihr ganzer Körper an. Ein heißer Atem streifte über ihr Ohr. „Du bist einfacher zu entschlüsseln, als du vielleicht glaubst.“ Dongmins Lippen zierte ein ziemlich unschuldiges Grinsen. „Keine Sorge. Ich habe dich gerne hier. Viel lieber als (S/N) oder Misa.“

Ihre Wangen färbten sich feuerrot. Beschämt versuchte sie ihr Gesicht zu verdecken. Doch lange hatte sie keine Möglichkeit dazu, denn auf einmal stieß ihre Schwester dazu und packte sie am Arm. „Kommt~ Wir sind doch alle eine große Gruppe. Seid nicht solche Langweiler.“ Wenigstens befreite sie (D/N) von einer unangenehmen Konversation. Immerhin wollte sie nicht als eifersüchtige graue Maus rüberkommen, schließlich konnte sie nichts gegen ihre Gefühle machen. Manchmal überkam es sie einfach. Dieses Mal redeten alle wirr durcheinander, auch wenn sich (D/N) ein wenig zurückhielt. Es war schwer zu Wort zu kommen, da dominantere Personen das Gespräch leiteten. Also hörte sie lieber zu. Ein paar Minuten später traten sie auch schon in das Gebäude, welches mit lustigen Postern und Schriftzeichen versehen war, um die jüngeren Generationen anzulocken. Gerade bei Schülern war Karaoke sehr beliebt. Auf einer Seite konnte es entspannend sein, weil es vom ganzen Stress ablenkte. Andererseits fiel es hier leichter mit seinen Freunden Quatsch zu machen. Bin steuerte bereits auf den Tresen zu. „Wir würden gerne einen Raum für acht Personen für drei Stunden buchen.“ Jeder kramte bereits in den Taschen, um die Geldbeutel hervorzuholen.

„Dort könnt ihr die Lieder aussuchen, welche ihr singen wollt. Diese spielen dann alle nacheinander ab“, meinte der Kassierer, während er die Geldscheine durchzählte. Die Mädchen drängelten sich bereits aufgeregt nach vorne und betrachteten die Liedauswahl. (D/N) sah ihnen nur über die Schulter. Vielleicht hätte sie wenigstens die Chance ein Lied auszusuchen. Nach einigem hin und her kam auch der Rest an die Reihe. „Hey. Sei nicht so schüchtern und komm näher.“ Dongmin drängte sie an den Schultern leicht zu dem Bildschirm auf dem die einzelnen Songtitel aufleuchteten. „Ich lasse dir den Vortritt“, sagte er nah an ihrem Ohr. Sie könnte schwören, seinen Atem an ihrem Nacken gespürt zu haben, weswegen ein leichtes Kribbeln von dieser Stelle ausging. Hatte sie damit gerechnet, dass er wieder Abstand nehmen würde? Ja. Tat er es? Nein. Noch immer spürte sie seine Wärme an ihren Rücken. Selbst seine Hände ruhten noch auf ihren Schulterblättern. Gab es dafür einen Grund oder wollte er sie nur ärgern? Mit glühenden Wangen und zitternden Fingern klickte sie sich durch die große Auswahl. Letztlich entschied sie sich für zwei Lieder ihrer Lieblingsboygroups und für eines einer bekannten Solokünstlerin. „Interessante Wahl.“ Dongmin entließ sie immer noch nicht aus seinen Fängen. Seine Arme umrahmten mittlerweile ihren Körper, hinderten sie somit daran in irgendeine Richtung abhauen zu können. Schüchtern wandte sie den Kopf zu ihm. Der Braunhaarige sah ihr direkt entgegen. Ein verschmitztes Lächeln umspielte seine Lippen, sodass sie einfach nicht anders konnte, als nervös zu schlucken und seinen intensiven Blicken auszuweichen. „Hilfst du mir bei meiner Liedauswahl?“, fragte er mit einem frechen Unterton. Ihr wurde klar, dass sie in den nächsten Minuten dieser Situation wohl nicht entkommen würde.

Die drei Jungs redeten miteinander, während bereits die ersten vorne ihren Spaß hatten und ins Mikrofon plärrten. Singen konnte man es einfach nicht nennen. Dafür war es zu unangenehm fürs Ohr. Trotzdem schienen Misa und ihre beste Freundin sehr davon überzeugt davon zu sein, zarte talentierte Stimmchen zu besitzen, mit denen sie das andere Geschlecht umgarnen könnten. Zumindest sagten das die Blicke aus, die sie hin und wieder über ihre Schultern dem unaufmerksamen Publikum zuwarfen. Augenrollend schlürfte (D/N) an ihrem Trinkpäckchen und versuchte bestmöglich die schrillen Töne auszublenden. Vielleicht sah sie das ganze etwas zu kritisch. Schließlich besaß sie dank ihrer Schwester ein geschultes Ohr für qualitativ hochwertige Musik. Diese saß in sogar seltsam fröhlicher Stimmung gegenüber von ihr. Anscheinend störte sie sich wenig an der Atonalität. Sie verzog nicht einmal den kleinsten Gesichtsmuskel. Stattdessen grinste sie wie ein Honigkuchenpferd, dessen gute Laune einfach nicht erlöschen wollte. Manchmal fragte sich (D/N) wie sie das hinbekam. So positiv konnte doch kein Mensch sein. Naja. Aber das war immerhin die Art, die bei ihren Fans Erfolg hatte. Ganz richtig. (S/N), das aufstrebende Model, hatte auch die ersten Erfahrungen in dem Leben einer Sängerin gemacht, hatte aber schnell bemerkt, dass eine Modelkarriere eher ihren Vorstellungen entsprechen würde.

„(S/N)~ Singst du etwas für uns?“ Dieses Mal sahen sie fast alle im Raum hoffnungsvoll an. Jeder kannte ihr Talent. (D/N) mehr als jeder andere hier. An sich würde sie sich freuen, ihre Schwester mal wieder singen zu hören, es störte sie nur, dass jeder hier nahezu darauf geierte. Hier zählte nicht das Talent, sondern einfach der Fakt, dass es sich um eine bekannte Persönlichkeit handelte. „Das mache ich doch gerne.“ (S/N) nahm das Mikrofon entgegen und stellte sich an die Front. Leise tönte eine helle Melodie durch die Lautsprecher an den Wänden. Aufmerksam lauschte das kleine Grüppchen, der lieblichen Stimme, die sanft die einzelnen Silben des Liedtextes wiedergab und sie mit einer angenehmen Ruhe umwarb. Seufzend ließ sich (D/N) tiefer in das Polster der Couch fallen. Bisher hatte man nur Interesse an (S/N) gezeigt. Die ganze Aufmerksamkeit galt stets nur ihr. Warum sollte sie eigentlich mitkommen, wenn keiner ein Wort mit ihr wechselte? Sie wusste nicht, wie sich selber einbringen sollte. Insgeheim befürchtete sie auch, dass man genervt von ihr sein würde. Irgendwoher musste schließlich ihr Ruf als Mauerblümchen stammen. Die meiste Zeit war sie ziemlich verschwiegen. „Oh~ Sie ist so gut“, schwärmte eine von Misas Begleiterinnen begeistert, nur um kurz darauf mit einen leisen Zischen zum Schweigen gebracht zu werden. (D/N) fokussierte ihren Blick wieder auf ihre Schwester, die vollkommen vertieft in dem Lied war. Ihre Stimme umspielte die verschiedenen Emotionen mit so einer Leichtigkeit, sodass sich eine Gänsehaut auf ihrem ganzen Körper ausbreitete. Langsam ließ sie ihre Augenlieder zufallen, um den warmen Klang zu verinnerlichen.

„Woah! Das war perfekt!“ Lautes Klatschen riss sie aus ihrer träumerischen Starre. Begeistert umzingelten die Mädchen das aufstrebende Idol. „Sie hat eine echt bezaubernde Stimme. Das muss man ihr echt lassen“, flüsterte Minhyuk seinen beiden Freunden zu, die zustimmend nickten. „Wie kann ein Mensch nur so viel Talent besitzen?!“ Etwas gereizt starrte (D/N) zu dem kleinen Fanclub, der ziemlich aus dem Häuschen war. Für das nächste Mal wusste sie es besser. Dann würde sie einfach gleich nach Hause gehen. Auf das hier konnte sie wirklich verzichten. Da sie sich ganz auf ihre Missgunst konzentrierte, bemerkte sie nicht den mitleidigen Blick, welcher ihr von einem gewissen jemand zugeworfen wurde. Vielleicht gab es ja jemanden, der ihre klägliche Erscheinung in diesem Moment verstehen konnte. Doch da rechnete sie auch noch nicht mit dem, was ihr keine zwei Sekunden später bevorstand. „(D/N)! Hier!“ Misa drückte dem bisher still vor sich hinvegetierenden Mädchen das Mikro in die Hand. „Sing auch mal! Dann wissen wir wie du im Vergleich zu (S/N) bist.“ Also darum ging es. Wollten sie sich nur über sie lustig machen? Mit einem leisen Schnauben stand sie auf und stellte sich direkt vor den Bildschirm, in dem die letzten Sekunden bis zum nächsten Lied verstrichen. Sie würde diesen Haufen eines Besseren belehren. Auf diese Weise würde sie sich nicht unterkriegen lassen. Immerhin hatte sie nicht umsonst stundenlang geübt, um an ihrer Stimme zu arbeiten. Auch sie wollte einen bestimmten Grad erreichen, damit sie neben dem kleinen Idol nicht ständig unterging. Außerdem wollte sie kein fünftes Rad am Wagen sein. Viel zu oft wurde ihre Schwester bevorzugt, irgendwie musste sie sich ihren Eltern ja beweisen. Durch das Singen bestand nun mal ihre einzige Chance. Nur wenige würden sich für ihr Aussehen begeistern. Leider wurde ihr auch schon oft genug gesagt, dass sie lieber den Mund halten sollte, anstatt zu singen. Das Einzige, was sie tun könnte, um ihre Eltern wohl doch noch stolz zu machen, war ein Studium.

Mit großen Augen sah Dongmin zu dem kurvigen Mädchen, in dem wohl doch mehr Talent steckte, als jeder hier erwartet hätte. Er war vollkommen gebannt von ihrer Stimme. (S/N) hatte schon eine sehr schöne Stimme, doch das hier war noch einmal ein ganz anderes Level. Denn (D/N) sang viel kraftvoller, verlieh der Melodie noch viel mehr Intensivität. Eine unglaubliche Leidenschaft steckte hinter dieser sonst verschwiegenen Fassade. „(S/N), wo hast du eigentlich singen gelernt?“ Misa unterbrach den schönen Klang mit ihren unverschämt lauten Worten. Dieses Mal schien auch (S/N) davon überrascht zu sein. Diese wendete eher widerwillig ihre Aufmerksamkeit diesem Mädchen zu, um nicht unhöflich zu erscheinen. „Ich habe es mir über die Jahre selber beigebracht“, erwiderte sie deutlich leiser, damit sie den Rest nicht stören würde. Zumindest galt das für die, welche sich auf (D/N) konzentrierten. „Wow. Das ist echt faszinierend. Du besitzt wirklich ein unglaubliches Talent.“ Die Mädchen schienen sich mit ihrer Lautstärke kaum zurückhalten zu wollen. „Vielen Dank“, erwiderte (S/N), die fieberhaft versuchte, das Gespräch verstummen zu lassen. Immerhin wollte sie jetzt nicht mit ihnen tratschen. „Du hättest bestimmt auch Sängerin werden können“, fuhr Misa unbeirrt fort. Bin atmete geräuschvoll aus. „Die sind unmöglich“, wisperte er eher zu sich selber. Dongmin konnte aber nicht anders, als innerlich zuzustimmen. Eigentlich hatten sie (D/N) dazu aufgefordert zu singen, lauschten aber für keine Sekunde ihrem Talent. (S/N) lächelte sie leicht verkrampft an. „Nein. Das wäre nichts für mich.“ Bevor irgendjemand zu wieder zu Wort kommen konnte, unterband sie jeglichen weiteren Versuch. „Könntet ihr bitte leise sein, ich würde gerne zuhören.“ Wenigstens besaß sie diesen Anstand.

Dongmin brauchte eine kurze Weile dafür, um das eben Geschehene zu verarbeiten. Das war überwältigend. Zwar besaßen beide Schwestern unglaubliche Stimmen, dennoch bevorzugte er die starke Melodik, welche (D/N) in sich verbarg. „Du musst ihr das bestimmt beigebracht haben, oder? Mit deinem hervorragenden Talent.“ Er konnte nur zu gut beobachten, wie sich (D/N)s Gesicht verzog und die miese Laune von zuvor wieder ihren Platz einnahm. Dabei schien sie nach dem Lied sehr von sich überzeugt gewesen zu sein, war schon nahezu glücklich. Doch von einer Sekunde auf die andere, war das wieder verflogen. (S/N) schüttelte vehement ihren Kopf. „Quatsch! Ich wusste nicht einmal, dass sie so gut darin ist.“ Sie guckte mit einem strahlenden Lächeln zu ihrer Schwester. „Ich bin wirklich stolz auf sie.“ Die drei Mädchen vor ihr verdrehten alle leicht die Augen. „Ach ganz bestimmt hat sie von dir gelernt. Wenn sie dich immer singen hört, orientiert sie sich an dir.“ Selbst Dongmin wollte widersprechen. Die beiden hatten komplett unterschiedliche Stile. Es wäre ein wenig kompliziert, bei der jeweils anderen, etwas abzugucken. Selbst wenn. Jeder von den beiden besaß ein ganz anderes Talent. Man könnte mit Leichtigkeit beide Stimmen würdigen. Schließlich mussten beide an ihrem Musikverständnis arbeiten. „Aber wenn ich es doch sage…“ Dieses Mal kam auch (S/N) nicht zu Wort, da die anderen einfach über sie hinwegredeten. Niemand wollte (D/N) so recht etwas zutrauen.

Nach einiger Zeit legte sich auch wieder die ganze Aufregung. Möglicherweise stimmte das auch nicht so ganz. Denn dieses Mal beglückte Minhyuk die Zuschauer mit seiner Stimme und das weibliche Geschlecht schmolz regelrecht dahin. „Dongminie~“ Etwas irritiert wandte Dongmin seinen Kopf zu seiner momentanen Sitznachbarin. Wann hatte er ihr erlaubt, ihn mit einem Spitzamen anzusprechen? „Du hast doch auch so eine schöne Stimme… Das hast du ja schon oft genug bewiesen.“ Er war auf ihrer Schule dafür bekannt, gelegentlich bei den kleinen Festen aufzutreten. Dementsprechend war er nicht nur wegen seines guten Aussehens beliebt, sondern auch für seinen Gesang. Misa schenkte ihm ein süßliches Lächeln, dem er aber keine weitere Achtung schenkte. Sein Blick fiel wieder auf (D/N) die gelangweilt mit dem Strohhalm ihres Getränks herumspielte. „Du würdest doch bestimmt mit zusammen singen, oder?“, fragte Misa mit einem niedlichen Unterton in der Stimme, während sie gespielt schüchtern kleine Kreise auf das Polster malte. Jedoch stieß sie damit auf taube Ohren. Dongmin schien sie eiskalt zu ignorieren und rückte von ihr ab, nur um seine Aufmerksamkeit jemand ganz anderem zu widmen. „Ich wollte dir noch sagen, dass du eine echt bezaubernde Stimme hast.“ Ein warmes, freundliches Lächeln zierte seine Lippen als er mit einem fröhlichen Strahlen in den Augen auf (D/N) hinab blickte. Diese zuckte etwas erschrocken zusammen, ehe sie ihn mit etwas perplex ansah. „Ich habe selten jemand so schön singen gehört“, fügte er hinzu. Sie kam aus dem Staunen kaum raus. Ihr Mund klappte leicht auf und zu, bis sie sich wahrscheinlich dazu entschloss, ihn einfach nur dankbar anzulächeln.

„Mir haben gerade mal zwei Punkte auf die eins gefehlt. Aber dieser Herr musste ja alles bemängeln.“ Mit einem sanften Ausdruck auf dem Gesicht, beobachtete er (D/N) dabei, wie sie mit ausladenden Gesten sich über die verschiedenen Lehrer beschwerte. Irgendwie hatte er geschafft sie aus ihrer Schale herauszulocken und zum Reden zu bringen. Jetzt schien sie damit gar nicht mehr aufhören zu wollen, was er insgeheim ziemlich süß fand, da sie auf einmal so aufgeregt und hibbelig wirkte. „Der sucht doch mit voller Absicht nach Fehlern. Er liebt es einfach zu kritisieren, anstatt Schülern eine Freude zu bereiten. Das wäre für ihn wohl ein wahrgewordener Alptraum.“ Vollkommen überzeugt von ihrer These nickte sie, woraufhin ein belustigtes Lachen aus ihm heraussprudelte. Tatsächlich hatte er den gleichen Lehrer im Unterricht und konnte nur allzu gut nachvollziehen, was sie meinte. „Dongminie~ Singst du mit mir?“ Die quengelnde Stimme riss die beiden aus ihrer heiteren Unterhaltung, obwohl es dieses Mal so wirkte, als würde (D/N) ihn am liebsten für seinen neugewonnenen Spitznamen auslachen wollen. Abwehrend hob er die Hand, als er zu Misa hinüberblickte. „Tut mir Leid. Mir ist gerade nicht so nach singen. Vielleicht ja später, aber gerade rede ich noch mit ihr.“ So schenkte er auch wieder seine ganze Aufmerksamkeit dem Mädchen vor sich, das ihn neckend angrinste. „Will Prince Charming seine Fans nicht glücklich machen?“, fragte sie mit schmollendem Unterton und blinzelte ihn zuckersüß an. Aber er würde nicht Dongmin heißen, wenn er sie nicht ebenfalls ärgern würde. „Hmm~ ich will aber nur meine kleine Prinzessin glücklich machen“, säuselte er leise, während er langsam eine Hand nach ihr ausstreckte, um eine Haarsträhne hinter ihr Ohr zu streichen. „Diese hat bisher nur nicht viel mehr, als meine Aufmerksamkeit gefordert.“  Ihre Augen weiteten sich ein wenig und man erkannte deutlich wie sich die Hitze schlagartig in ihrem Gesicht verbreitete. Das war fast schon ein neuer Rekord dafür, rot im Gesicht zu werden.

„Dongminie~“ (D/N) schob leicht die Unterlippe vor und zupfte leicht an seinem Ärmel. „Du wirst doch ganz bestimmt mit mir singen. Ich würde gerne nochmal… Aber nicht alleine.“ Dongmins Heiterkeit verschwand nicht von seinem Ausdruck, als er wieder einmal den Spitznamen hörte. Von ihm aus konnte (D/N) ihn nennen wie sie es gerne wollte. An diesem Tag fand er sie von all den Anwesenden am angenehmsten und umgänglichsten, abgesehen von seinen Freunden natürlich. Vielleicht hatte er für sie auch einen schwachen Punkt. „Das mache ich doch gerne“, erwiderte er sofort und ignorierte derweil, den plötzlich aufstrebenden Protest hinter ihm. Misa beschwerte sich eifrig über sein einfaches Zugeständnis, obwohl sie ihn schon mehrfach um ein Duett gebeten hatte. „Wollen wir dann?“ Er reichte (D/N) die Hand, als er aufstand, bevor er sie zu sich hochzog. Das passierte mit etwas zu viel Kraft, sodass sie ein wenig strauchelte und gegen seine Brust fiel. „Vorsicht.“ Mit einer Hand an ihrer Hüfte versuchte er sie zu stabilisieren. Möglicherweise versuchte er zu vertuschen, dass er das aus voller Absicht getan hatte. Seine sonst ganz offenen Flirtversuche, führte er nun etwas unterschwelliger aus, um sie nicht gleich damit zu übermannen. Immerhin standen sie zum ersten Mal so direkt im Kontakt. Dennoch empfand er großes Interesse ihr gegenüber. Mit einem leichten Rotschimmer auf den Wangen sah sie zu ihm auf. „Tschuldige“, murmelte sie leicht beschämt. Irgendwie konnte er sich ein kleines Schmunzeln nicht unterdrücken. „Es ist ja nichts passiert.“

Aus dem Augenwinkel bemerkte er wie sie nervös auf der Stelle trat. Anscheinend war ihr vorheriges Selbstbewusstsein ein wenig abgeflacht. Mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen trat er direkt an ihre Seite. „Keine Sorge. Du schaffst das schon. Eben warst du doch auch so gut.“ Etwas missmutig guckte sie zu ihm. „Das ist überhaupt nicht der Grund, warum ich so nervös bin“, murmelte sie kaum hörbar. Verwundert blinzelte er. „Warum denn dann?“ Aber er erhielt keine Antwort mehr. Stattdessen drangen langsame ruhige Töne einer sanften Melodie an seine Ohren. Seine Augen weiteten sich ein wenig. Jetzt wusste er, was sie meinte. Auf dem Bildschirm auf dem der Liedtext erschien, umkreisten sich rote Herzen und Kirschblüten wirbelten umher. Sie hatten wohl ein Liebeslied erwischt. Nun musste auch er etwas schlucken. Das kam dann doch ziemlich plötzlich. Trotzdem würde er sich diesen Spaß nicht nehmen lassen. Als sie einstieg, klang ihre Stimme zuerst noch ziemlich unsicher, doch als er sich ihr anschloss gewann sie ihre alte Stabilität zurück. Tatsächlich harmonierten sie auf eine wirklich angenehme Weise. Er konnte einfach nicht anders und musste breit Lächeln. Es machte ihm unglaublichen Spaß, mit ihr zusammen singen zu können. Auch wenn sie vorher viel kraftvoller gesungen hatte, passte sie sich an seine warme Stimmfarbe an. Ein perfektes Miteinander. Ohne es zu bemerken, wandten sie sich einander zu und richteten die süßlichen Worte an den jeweils anderen, die später einmal mehr Wert in sich tragen würden, als sie es im Moment vermuten könnten. Sein Blick wurde unglaublich sanft, sobald sie ihn auch nur ansah. Jede Silbe klang so seltsam ehrlich aus seinen Lippen.

Sobald die letzten Töne abklangen, schlug ihr Herz schon bis zum Hals. Diese Nähe wurde allmählich ein wenig viel für sie. Vor allem wenn er ihr mit seinem Gesang zu schmeicheln versuchte. So als wäre jede kleinste Lobpreisung des Liedes an sie gerichtet gewesen. Ihr Atem entglitt ihr ein wenig zittrig, umso näher er ihr kam. Zwei Finger legten sich unter ihr Kinn. Jedoch nicht fest, sondern zaghaft, damit sie die Chance hätte, ihren Kopf zur Seite zu drehen. In dieser Sekunde hatte sie aber nicht mit dem Kommenden gerechnet. Zumindest hatte sie den Gedanken daran verdrängt. Augenblicklich wurde ihr heiß. Sein Atem streifte bereits über ihre leicht geöffneten Lippen. Mit großen Augen starrte sie ihn an. Er wollte doch nicht… Schon verließ sie ein leises Quieken, als er einen flüchtigen Kuss von ihr stahl. Auch wenn es nur ein kurzer, weicher Druck war, spürte sie ihn dennoch. Selbst danach, als ihre Lippen kribbelten. Es war so weich… und warm. Trägt er Lippenbalsam? Noch immer blickten sie einander an, gefangen in dem stillen Starren ihrer Zweisamkeit. Das aufgeregte Quietschen im Hintergrund blendeten sie aus. „Dongmin?“, keuchte (D/N) nur erstaunt, als sie sich aus ihren wirren Gedanken riss. Langsam schlich sein altes Grinsen wieder auf sein Gesicht. „Was? Dachtest du, ich könnte dem hier widerstehen? Die Chance lasse ich mir doch nicht entgehen.“ Hinter ihnen hörte es sich so an, als würde jemand an einer fröhlichen Schwärmerei sterben. „(S/N)? Geht es dir gut?“, fragte Minhyuk belustigt, während er das Teen-Model dabei beobachtete, wie es träumerisch in den Polstern der Couch verschwand. „Mir ging es noch nie besser“, meinte sie leicht abwesend. Wahrscheinlich freute sie sich nur oder fand das Ganze einfach nur unfassbar niedlich. Misa wirkte jedoch alles andere als begeistert. Schließlich wurde ihr der beste Fang der Schule vor ihrer Nase weggeschnappt.

„Soll ich dich nach Hause bringen?“, fragte Dongmin an (D/N) gerichtet. Ihre Hände lagen in den seinen und zärtlich strich er mit seinen Daumen über ihren Handrücken. „Das ist wirklich lieb von dir, aber das musst du nicht. (S/N) ist doch auch hier“, erwiderte sie. Auch sie trug mittlerweile einen verträumten Blick in ihren Augen. Nie in ihrem Leben hätte sie damit gerechnet, dass gerade er einen Schritt auf sie zumacht. „Ich bin weg!“, schrie (S/N) aufgeregt, „Begleite sie!“ Eigentlich müssten beide nach Hause, aber wie es schien, dachte sie es wäre eine bessere Idee, schon einmal vorzurennen. Es hatte nicht einmal jemand die Chance, sich zu verabschieden. Etwas perplex sah (D/N) ihrer Schwester hinterher. Das machte die doch mit voller Absicht. „Dann hat sich das ja jetzt geklärt.“ Dongmin grinste leicht süffisant und zog sie an der Hand, den Weg entlang, auf dem das junge Idol kurz vorher verschwunden war. „Und wir werden jetzt einfach hier stehen gelassen?“, protestierte Misa, wurde aber dabei gekonnt von den beiden Turteltäubchen ignoriert. „Tja. Da kann man einfach nichts machen“, meinte Bin und schüttelte gespielt enttäuscht den Kopf, ehe er sich an Minhyuk richtete, „Kommst du noch mit? Wir können bei mir noch eine Runde zocken.“ Sein Freund stimmte zu. Beide hoben zum Abschied die Hand und machten sich auch auf den Weg nach Hause. Dabei ließen sie einen wutschnaubenden Teufel zurück und zwei Freundinnen, die sich doch mehr amüsierten, als dass sie beleidigt waren. Da war dieses Treffen, doch erfolgreicher, als (D/N) vorher gedacht hatte. Denn womöglich hatte sie einen festen und gleich zwei neue beste Freunde gewonnen, die sie durch ihr restliches Schulleben begleiten werden.
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