Die Springerin

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Character) Seth Clearwater
07.08.2018
14.01.2020
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Es fühlte sich an wie Stunden, in denen ich in meiner Position verharrte. Es waren wahrscheinlich nur Minuten, gar Sekunden, um die es sich handeln musste. Die Arme hatten sich fest um meinen Bauch geschlungen. Ich bemerkte erst jetzt, dass diese deutlich wärmer waren, als die eines normalen Menschen. Panik machte sich in mir breit. Ich spürte wie so oft schon  in den vergangenen Stunden, wie sich das unangenehme, heiße Kribbeln in mir verbreitete. Das Einzige, was mir immer wieder, wie ein Mantra durch den Kopf ging : "Lass das bitte nicht Seth sein. Bitte.".
Ich stand im Zwiespalt: Auch wenn ein Teil, und ich wusste nicht woher dieser Teil kam, von mir sich sehnlichst wünschte Seth kennenzulernen, wollte der andere Teil in mir einfach nur, dass er ein Leben ohne jemanden verbringen konnte, der zwischen zwei Universen gefangen war.  

Das Kribbeln breitete sich weiter aus, ich versuchte es aber zu unterdrücken. Es war nur eine Reaktion auf die Panik, die nicht von mir los lassen konnte, sodass ich kaum auf beiden Beinen stehen konnte. Meine innere Panik breitete sich immer mehr aus, wodurch sich das Kribbeln weiter verstärkte. Was wenn es wirklich Seth war? Hastige Schritte ertönte aus dem Haus.

"Karina ist bei dir alles in Ordnung?". Ich stand mittlerweile wieder auf zwei Beinen, auch wenn ich glaubte, dass diese drohten nachzugeben. Meine Augen waren immer noch fest zugekniffen. Das Kribbeln war unerträglich. " Du kannst deine Augen öffnen. Es ist nur Embry. ". In der gleichen Sekunde war das Kribbeln verschwunden. Ich öffnete meine Augen und stand direkt vor den Treppen der Veranda. Mein Herz beruhigte sich langsam und ich drehte mich um.
Vor mir stand ein junger Mann, der ungefähr eineinhalb Köpfe größer war als ich. Er war im Vergleich zu Sam oder Paul deutlich schlanker. Ich musste meinen Kopf leicht in den Nacken legen um in seine schokobraunen Augen zu sehen. Sobald sein Blick meinen traf, erkannte ich eine leichte Rötung, die sich unter seiner rostbraunen Haut breit machte. Er vermied jeglichen weiteren Blickkontakt und sah stattdessen zu Emily. "Seth müsste jeden Moment kommen. Ich kann ihn schon hören", war das Einzige, dass er sagte. Ich verstand. Wieder wehrte sich ein Teil tief in mir gegen den Gedanken gehen zu wollen. Vielleicht war es besser, wenn ich ihn sah. Dann wussten wir immerhin, ob es stimmte oder nicht.

Der andere Teil in mir, der noch rational denken konnte, sagte mir, dass heute nicht der Tag war, um ihn zu sehen. Ich war nicht bereit dafür. Und er war es auch nicht.

Meine Augen schlossen sich und ich dachte and die stelle des Feldweges, von der ich gekommen war. Die Wärme verbreitete sich wieder in meinem Körper. Meine Fingerspitzen und mein Nacken  kribbelten. Das Kribbeln wurde zu einem Brennen. Bevor ich springen konnte, wurde ich von Embry nach hinten gezogen. Meine Augen öffneten sich schlagartig.

Ich hatte zu lange gebraucht. Die brennende Hitze des Kribbelns wurde durch ein angenehmes Gefühl ersetzt. Meine Hände wurden warm und meine Fingerspitzen bizzelten. Insgesamt machte sich in meinem Körper ein warmes, beruhigendes Gefühl breit.

Ich stand mit dem Rücken zu Embry und sah Emily, wie sie auf der Veranda stand. Wir tauschten einen kurzen Blick aus, bevor sie sich umdrehte und mit schnellen Schritten nach innen verschwand.

"Hey Seth.",hörte ich Embry sagen. Er versuchte sich gelassen anzuhören.

Emily erschien wieder mit einer Schüssel in der Hand auf der Rand. Sie warf mir noch einen leicht beunruhigten Blick zu, bevor sie die Treppen hinunterstieg und an mir vorbeilief.

"Hey Seth. Hier ist Sue's Schüssel.". Emily war angespannt.

Ich dreht mich wieder um. Embrys Rücken versperrte mir jegliche Sicht nach vorne.

Seth wusste das ich hier stand. Ich fragte mich nur, wann er die Beiden anderen darauf ansprechen würde. Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht kam auch schon seine Frage: "Sie steht hinter dir, oder?". Das war eigentlich keine wirkliche Frage. Er konnte meinen Herzschlag hören, der sich, sobald ich auch nur seine Stimme hörte, verschnellerte.

"Seth...", hörte ich Emily sagen. "Es ist besser, wenn ihr auch vorerst nicht seht. Wir wissen immer noch nicht wie sie sich entscheiden wird."

"Emily ich will nicht immer wie ein kleines, hilfloses Kind von euch behandelt werden. Ich kann auf mich selbst aufpassen.....  wenn sie sich gegen mich entscheiden sollte, werde ich damit leben müssen".

Er hatte recht. Wenn er sich auf mich prägen sollte, würden wir beide einen Weg finden, damit niemand verletzt werden würde.

Ich machte einen großen Schritt zur Seite. Meine Sicht war wieder frei und ich sah zunächst zu Emily.
"Er hat recht. Wenn es passieren sollte, werden wir einen Weg finden, damit keiner verletzt wird.". Das Verlangen ihn einfsach so anzusehen war bisher noch nie so stark gewesen, wie in diesem Moment. Trotzdem sah ich noch zu Emily. Sie sah mich an und nickte kurz. Mir wurde wieder wärmer. Mein Herz pochte in meiner Brust vor Aufregung und mir schoss das Blut in den Kopf, sodass ich merkte wie meine Wangen rot wurden.

Ich atmete tief durch, bevor ich meinen Blick von ihr abwandte.

Die Zeit schien sich zu verlangsamen. Ich hörte meinen eigenen Herzschlag in meinen Ohren pochen. Wie im Zeitraffer schien sich alles zu bewegen und es dauerte gefühlte Stunden bis meine Augen seine fanden, die mich die ganze Zeit angesehen hatten.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, bevor es schneller weiterschlug. Genauso wie in den Bildern, die ich gesehen hatte. Eine Gänsehaut breitete sich auf meinen Armen aus, bevor ich ein stechenden Schmerz in meinem Nacken verspürte.

Bilder flackerten vor meinem inneren Auge auf. Ich sah mich und Seth wie wir beide lachend auf dem Sofa bei ihm zu Hause saßen. Wie wir vor einem Lagerfeuee saßen mit den anderen Wölfen und wie gebannt an den Lippen eines älteren Mannes hingen. Ich sah ihn und mich am Strand entlang spazieren. Ich hörte wieder das rauschen der Wellen und dieses Mal Möwen, die vermutlich über uns flogen. Ich sah ihn und mich tanzen, auch wenn ich überhaupt nicht tanzen konnte. Wieder hallte mir unser Gelächter durch den Kopf.

Das letzte Bild zeigte ihn und mich, wie wir uns umarmten.

Und in diesem Moment wusste ich, dass ich ihn nicht verletzen könnte, selbst wenn ich wollte. Es würde alles gut werden.

Ich erlangte langsam meine Sicht wieder und ein kleines Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Ich erkannte die selbe Reaktion bei Seth.

Alles war still. Niemand musste etwas sagen. Wir wussten alle, was gerade passiert war. Das Einzige, dass ich hörte, war mein Herzschlag und das Blut das durch meine Ohren bis zu meinen Wangen rauschte, wodurch ich wieder begann rot zu werden.

Mir war es egal, dass ich eigentlich nach Hause gehen musste. Meine Eltern sorgten sich bestimmt schon um mich. Doch ich schob diese Gedanken in den Hintergrund. Ich blendet die beiden anderen aus. Meine Konzentration lag ganz bei Seth.

Ich war es die schließlich den Blickkontakt durchbrach, nur um meinen Blick über ihn wandern zu lassen. Er sah so aus wie ich ihn in meinen Bildern gesehen hatte.

Sein Gesicht wirkte im Gegensatz zu denen der anderen deutlich jünger. Er trug wie die anderen seine schwarzen Haare kurz. Er war nicht viel größer als ich-  höchstens zwei oder drei Zentimeter- und war im Vergleich zu zum Beispiel Paul eher schlaksig.

Mein Blick wanderte wieder zu seinen Augen. Seth's Augen waren in den Bildern, die ich noch vor einigen Tagen gesehen hatte braun, wirkten aber jetzt da ich ihn in Person sah zartbitterfarben. Und sie hatten ein Funkeln in sich, das ich nicht deuten konnte.

Langsam spürte ich wie mein Herzschlag sich wieder beruhigte.

Emily war die erste die unsere Stille durchbrach. "Ich glaube wir lassen euch beide am besten alleine. ". Das war das erste Mal, dass ich meinen Blick von Seth abwandte. Ich nickte ihr zu. Noch immer fühlte sich alles an, als wäre es im Zeitraffer. Nur aus meinem Augenwinkel sah ich wie Emily und Embry im Haus verschwanden und ich hörte wie die Tür sich schloss sich.

Wir beide schienen langsam wieder zu uns zu kommen. Seth's Lächeln wurde noch breiter und auch wenn es schwer zu erkennen war, sah ich wie seine Wangen einen leicht roten Unterton bekamen. Sobald ich sein Lächeln sah, reagierte ich mit der gleichen Geste.

Wir standen immer noch einige Schritte von einander entfernt. Es wirkte als wären wir ewig voneinander entfernt. Seth schien den gleichen Gedanken zu haben und setzte sich in Bewegung. Während er lief nahm er die Schüssel, die Emily ihm vor einigen Minuten in die Hand gedrückt hatte in seine linke Hand.

Ich verspürte wie schon die ganze Zeit das angenehme Kribbeln, das durch meinen Körper wie sanfte Wellen bewegte.

Sobald er vor mir stand streckte er seine rechte Hand aus. Ich sah ihn kurz an bevor ich das gleiche tat. Er nahm meine Hand in seine. "Ich bin Seth. Schön dich kennenzulernen. ". Ich fühlte die Wärme, die von ihm ausging und die seiner Hand, die in meiner war. Seine Augen funkelten noch mehr, wenn das gar möglich war.

"Karina. Schön dich endlich zu treffen.". Ich konnte nicht einschätzen wie lange wir  in Emily's und Sam's Einfahrt standen und uns anschauten, aber es war ein sehr angenehmes Gefühl. Ich fühlte mich sicher, als ob mir nichts passieren könnte, solange Seth bei mir war.

Leider endete dieser Moment viel zu früh, da Embry wieder aus dem Haus kam und an uns vorbeilief.
Wie schon so oft heute spürte ich, wie mir das Blut in den Kopf schoss und ich ließ Seth's Hand los, was ich gleich danach bereute. Die Wärme die ich noch vor einigen Sekunden auf meiner Hand gespürt hatte verschwand und sie wurde kalt. Embry warf uns einen kurzen leicht verwirrten Blick zu. Ihm schien es trotzdem unangenehm zu sein an uns vorbeizulaufen.

"Ich sollte die hier vielleicht nach Hause bringen.", sagte Seth und hielt dabei eine silberne Metallschüssel hoch. Ich brachte nur ein Nicken zustande.

"Willst du mich begleiten? ", sagte er und rieb dabei mit seiner freien Hand über seinen Nacken. Wieder nickte ich nur. Mein Gesicht war immer noch stark gerötet.

Er began in die Richtung zu laufen aus der er vermutlich gekommen war. Wir liefen aus Emily's Einfahrt hinaus über den gleichen Weg den wir heute morgen schon gefahren waren.

Wenn ich länger darüber nachdachte, dass seit meiner Erkenntnis, dass ich eine Springerin sein soll erst wenige Stunden vergangen waren, wurde mir leicht schwummerig. Das alles wirkte immer noch surreal, auch wenn ich jetzt ziemlich tief drinsteckte.

Während ich meine Gedanken immer weiter spannte, bemerkte ich erst nicht, dass Seth mich die ganze Zeit beobachtete. "Hey... Ist bei dir alles okay? ". Ich war zunächst so sehr damit beschäftigt meine Gedanken zu ordnen, dass ich seine Frage nicht gehört hatte. Erst als er meinen Arm mit seiner freien Hand berührte, bemerkte ich ihn.

"Was? ". Ich blieb stehen und sah ihn verdutzt an. "Ist bei dir alles okay? Das war meine Frage. ", er lächelte wieder. Dieses Mal über mein verdutzt sein.

"Ja, ich denke schon. Das ist nur ziemlich viel für einen Tag.", sagte ich und sah ihm dabei in seine Augen. Ich bereute es, sobald ich seine Reaktion sah.
Von einer auf die andere Sekunde veränderte sich sein Gesichtsausdruck und sein Lächeln war verschwunden. Er wirkte jetzt eher besorgt.

"Willst du nach Hause gehen?", nach diesem Satz verdunkelte sich sein Gesichtsausdruck noch mehr. Ich jedoch schüttelte meinen Kopf und fing an zu lächeln.

"Ich hab nicht um sonst in den letzten Nächten von dir geträumt und jetzt den halben Tag darauf warten müssen, um dich zu treffen, nur damit ich jetzt nach Hause gehe. ".

Sein Ausdruck wurde wieder fröhlicher. Als ich bemerkte, was ich eigentlich gesagt hatte, wurden meine Wangen warm.

" Du hast also von mir geträumt... Um was ging es denn? ", fragte er mit einem schelmischen Grinsen.

" A: Es waren meistens  kurze Ausschnitte und wir haben uns meistens nur unterhalten und B: du hast auch von mir geträumt. Das gleiche könnte ich dich auch fragen.". Ich grinste zurück. Jetzt war er es, der rot wurde.

"Ähmm... ". Er sah kurz zu mir bevor sein Hautton ein dunkleren Rotton annahm. Ich zog nur eine Augenbraue hoch. "So schlimm? ", fragte ich und sah ihm dabei in die Augen. Seth nickte nur. Ich beließ es dabei.




TEIL 1/2

Ich bin so ein schlechter Mensch und es tut mir so leid dass ich so lange gebraucht habe, um den nächsten Teil zu schreiben.
Ich hoffe trotzdem, dass es euch gefällt :)
Und hiervon wird es einen zweiten Teil geben. Ich weiß nur noch nicht wie lange das dauert bis ich den fertig hab.

Rechtschreibfehler dürfen gerne korrigiert werden :)
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