Sweetest downfall

OneshotRomanze / P12
07.08.2018
07.08.2018
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Sweetest downfall


I believe in you and in our hearts we know the truth
And I believe in love and the darker it gets the more I do
Try and fill us with your hate and we will shine a light
And the days will become endless and never and never turn to night
And never and never turn to night.

Florence + The Machine - 100 Years





Die untergehende Sonne am Horizont über Boone County im Herzen von West Virginia verblasste nach und nach und wich allmählich den heran brechenden Schatten des Abends, während Mary Burwell den Motor abstellte und aus ihrem alten Chevrolet ausstieg.
„Du bist spät dran“, begrüßte sie eine ihr nur allzu bekannte Stimme in einem gespielt vorwurfsvollen Ton.
Die Dunkelhaarige verdrehte flüchtig die Augen, bevor sie sich der hochgewachsenen Gestalt vor ihrem Hauseingang zuwandte. „Wenn ich gewusst hätte, dass Euer Hochwohlgeboren mich mit einem Besuch zu Ehren gedenkt hätte ich selbstverständlich alles stehen und liegen gelassen, nur um unverzüglich an Eure Seite zu eilen.“
Krampus linke Augenbraue wanderte fragend in die Höhe und seine Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln. „Du wirkst ein wenig gereizt, mein Liebling. Womöglich sollte ich lieber wieder gehen.“
Mary seufzte hörbar auf und begann, in ihrer Tasche nach den Wohnungsschlüsseln zu kramen. „Tut mir leid. Es war einfach ein sehr stressiger Arbeitstag.“
Krampus nahm ihr ungeduldig die schwarze Handtasche weg, holte die Schlüssel hervor und öffnete die Türe für sie. „Welch' ein Glück für dich, dass ich nicht nachtragend bin.“
Sie war versucht, erneut mit den Augen zu rollen. Dieser verdammte Teufel war so arrogant und überheblich wie eh und je. Mary zwang sich dazu, ein schmales Lächeln aufzusetzen, welches ihr mehr schlecht als recht gelang. „Danke. Also, womit habe ich nun die Ehre deines Besuches verdient?“
„Reicht es denn nicht aus, dass ich dich sehen wollte?“, antwortete er verstimmt. „Du hast mir gefehlt und um ehrlich zu sein, ziehe ich deine Gesellschaft der meiner Belznickel bei weitem vor.“
Mit schief gelegtem Kopf sah Mary ihn schmunzelnd an. „Ach, tatsächlich?“
Krampus winkte mürrisch ab und scheuchte sie durch das Treppenhaus. „Pah. Frauen. Man macht ihnen ein Kompliment und nichtsdestotrotz verhöhnen sie einen. Denk daran, dein loses Mundwerk wird dich irgendwann einmal deinen hübschen Kopf kosten.“
Sie gähnte demonstrativ. „Jaja. Immer diese leeren Versprechungen, Krampus. Bisher habe ich jedenfalls noch nicht sonderlich viel davon zu spüren bekommen und auch mein Kopf befindet sich nach wie vor an Ort und Stelle.“

Vor ihrer Apartmenttüre angekommen, blickte der Jullord ihr mit einem selbstgefälligen Grinsen entgegen. In seiner rechten Hand hielt er ihren Schlüsselbund, der wie ein Pendel von seinem Zeigefinger baumelte. „Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um dies zu ändern.“
Mary sah zu ihm auf und erwiderte sein Grinsen. „Und was genau hat der Herr im Sinn?“
Krampus lachte amüsiert auf. „Zunächst einmal sollten wir wohl deine Wohnung betreten, wenn du nicht möchtest, dass deine Nachbarn unser kleines Spielchen hier mitbekommen.“
Seine Hand mit dem Schlüsselbund wanderte an ihr vorbei und ein Klicken ertönte, bevor er sie mit sanfter Bestimmtheit in den Flur stieß.

Für einen kurzen Moment taumelte Mary nach hinten und drohte das Gleichgewicht zu verlieren, doch Krampus fing ihren drohenden Sturz rechtzeitig ab. Sie verschränkte die Arme hinter seinem Nacken, ließ sich von ihm hochheben und schlang dabei die Beine um sein Becken, während ihre Lippen schließlich zueinander fanden.

Was würde sie nur ohne diesen launenhaften Teufel an ihrer Seite machen, der sie zugleich in den Wahnsinn trieb und immer wieder um den Verstand brachte und den sie dennoch so sehr brauchte wie die Luft in ihren Lungen zum atmen?

Er gab ihr Halt.
Hier und jetzt.
Für immer.
Vielleicht.

Widerwillig löste Mary sich von Krampus und sah stirnrunzelnd zu ihm auf. „Moment mal, wieso hast du eigentlich draußen auf mich gewartet? Sonst lässt du dich doch auch von ein paar lausigen Türen und Schlössern aufhalten?“
„Nun, da ich genau weiß, wie Milady reagiert wenn ich mich ungefragt in Ihre Räumlichkeiten schleiche ...“, begann er und lachte über ihren ungläubigen Gesichtsausdruck. „Da dachte ich mir … als dein fester Freund sollte ich mich womöglich an ein paar einfache Regeln halten. Doch da du ja ganz offensichtlich nichts gegen meine ungebetenen Besuche zu haben scheinst, werde ich in Zukunft wohl wieder Lokis Sack benutzen.“
„Mein fester Freund?“, wiederholte Mary und konnte sich ein Kichern nicht länger verkneifen. „Das klingt irgendwie seltsam.“
Krampus stieß ein kurzes, amüsiertes Schnauben aus, ehe seine Stimme einen süffisanten Ton annahm. „Wäre dir die Bezeichnung Liebhaber etwa angenehmer, Kätzchen?“
In gespielter Nachdenklichkeit legte die Dunkelhaarige ihren Kopf schief. „Hmmm. Ich weiß nicht.“
„Du kränkst mich, Mary.“
„Dann weißt du wenigstens einmal, wie sich das anfühlt“, gab sie nonchalant zurück.
„Ich möchte mich nicht mit dir streiten. Wir sollten unsere Zeit anderweitig nutzen, denkst du nicht auch? Wie wäre es, wenn wir beide heute Abend irgendwohin gehen?“
Sie sah ihn skeptisch an. „Wo ist da der Haken, Krampus?“
Sein Grinsen kehrte zurück, während er feierlich eine Hand wie zum Schwur hob. „Denkst du denn wirklich so schlecht von mir? Ich schwöre, dass ich weder etwas unlauteres im Schilde führe, noch irgendwelche Hintergedanken habe. Du hast mein Wort.“
„Okay“, sagte Mary und klang dennoch nicht vollends überzeugt. „Ich werde mir etwas überlegen, während ich unter der Dusche bin.“
Mit diesen Worten drängte sie sich an ihm vorbei und ließ sie ihn in dem schmalen Flur zurück.

Mary streifte ihre Kleidung ab, drehte den Wasserhahn in der Dusche auf und schlug sich dann fluchend mit der flachen Hand leicht gegen die Stirn. „Verdammt.“
Sie öffnete die Türe des Badezimmers einen winzigen Spalt breit und hielt Ausschau nach dem Julherrn. „Krampus?“
Seine Stimme schien aus dem Wohnzimmer zu kommen. „Ja bitte?“
„Würdest du bitte einmal zu mir kommen?“, rief Mary, bedeckte ihre weiblichen Reize notdürftig mit den Händen und steckte ihren Kopf in den Flur.
Keine fünf Sekunden später, blickte Krampus sie anzüglich mit hochgezogenen Augenbrauen durch den Türspalt an. „Wie kann ich dir behilflich sein, mein Herz? Möchtest du, dass ich dir zur Hand gehe?“
„Ich habe vergessen, mir Kleidung raus zu legen. Kannst du mir etwas zum Anziehen bringen? Ich lasse die Türe einfach offen.“


Während Mary sich die Haare wusch, begab der Herr der Julzeit sich in ihr Schlafzimmer und öffnete dort den Kleiderschrank. Schließlich hatte sie ihm lediglich aufgetragen, ihr Kleidung zu bringen. Sie hatte jedoch nicht explizit erwähnt, welche genau.
Neugierig durchforstete er den Inhalt ihres Schrankes, warf achtlos ein paar Kleidungsstücke hinter sich auf das Bett und wurde dennoch nicht fündig. Gedankenverloren wanderte sein Blick zu ihrer Spiegelkommode und blieb an den vielen Schubladen hängen, wo er ihre Unterwäsche vermutete.
Welche wunderbaren und womöglich sogar schlüpfrigen Geheimnisse sein Kätzchen wohl dort verwahrte?

Mit einem vergnügtem Glucksen machte Krampus sich an die Arbeit, wühlte sich durch Spitzenhöschen und hielt ein Paar halterloser Strümpfe in die Höhe. Für den Bruchteil einer Sekunde spielte er mit dem Gedanken ihr die Strümpfe ins Badezimmer zu bringen, verwarf die Idee allerdings rasch wieder als er etwas anderes fand.
Es war ein schwarzes Bikini Oberteil, das mit einem schlichten Häkelmuster verziert worden war, das dazugehörige Höschen war mit den Trägern verknotet worden und so kam ihm eine ganz andere Idee, die Mary sicherlich ebenfalls gefallen würde. Wahllos sammelte Krampus ein schwarzweiss gestreiftes Kleid von dem Chaos auf ihrem Bett auf und verließ anschließend das Zimmer.


Blindlings griff Mary nach den Kleidungsstücken, die der Teufel ihr vor wenigen Minuten gebracht hatte. Sie stutzte und hielt inne, als ihre Fingerspitzen über den gehäkelten Stoff tasteten.
Das war doch … ihr schwarzer Bikini? Sie konnte sich nicht einmal daran entsinnen, wann sie ihn zuletzt getragen hatte. Es musste eine halbe Ewigkeit her sein.
Mit gerunzelter Stirn zog sie ihn an, band die Träger im Nacken zu einer kleinen Schleife zusammen und schlüpfte anschließend in das bereitliegende Kleid.

Sie fand Krampus im Wohnzimmer vor, wo er es sich auf der dunkelblauen Couch gemütlich gemacht hatte.
Er schenkte ihr ein Lächeln, als sie sich ihm im Türrahmen präsentierte und einmal rasch um die eigene Achse drehte, so dass die schwarzen und weissen Streifen ihres Kleides miteinander verschwommen.
Krampus stand auf, trat zu ihr und griff spielerisch nach der Schleife, welche ihr Bikini Oberteil an Ort und Stelle hielt. Seine Augen glichen glühenden Kohlen, als ihre Blicke sich kreuzten. „Wie überaus verlockend. Ich werde mich heute Abend ganz offensichtlich zusammenreißen müssen, um nicht versehentlich diesen hübschen, kleinen Knoten zu öffnen. Bist du bereit für ein wenig Spaß?“
„Ich habe zwar nicht die leiseste Ahnung, was du vorhast“, begann Mary und vollführte einen spöttischen Knicks. „Aber ich denke, dass ich bereit bin.“
„Ausgezeichnet. Du wirst es nicht bereuen.“

Seite an Seite verließen sie ihr Apartment und stiegen draußen in Marys Wagen ein, ehe Krampus sie durch die menschenleeren Straßen ihrer Heimatstadt lotste. Die ersten Sterne zierten bereits den Himmel und läuteten die Nacht ein.
Als sie den Chevrolet auf Krampus Geheiß hin auf den unbefestigten Weg in Richtung der alten Waldhütte lenke, schaute sie ihn mit gerunzelter Stirn an.
„Ich benötige Lokis Erbstück“, erklärte er ihr mit einem Schulterzucken und ließ sie alleine, als sie die Hütte erreicht hatten.

Es war ein sehr schwüler und sonniger Tag gewesen und auch jetzt war es noch ungewöhnlich warm für Boone County, weshalb Mary die Fenster hinunter kurbelte und mit geschlossenen Augen die angenehme Brise genoss.
Sie war neugierig, wohin er sie dieses Mal wohl entführen würde. Mary hatte gelernt, dem Julherrn zu vertrauen und nicht hinter all seinen Taten irgendwelche finsteren Machenschaften zu vermuten. Vielleicht war sie in der letzten Zeit einfach etwas paranoid gewesen.
Kurz darauf vernahm Mary das Rascheln von Blättern und Knacken von trockenen Zweigen, öffnete die grauen Augen und lächelte. Krampus war zu ihr zurückgekehrt. „Ich hatte schon die Befürchtung, du hättest mich vergessen.“
„Niemals, Mary.“

Wäre Krampus nicht bei ihr, so hätte die Dunkelhaarige vermutlich bereits vor einer Viertelstunde jeglichen Orientierungssinn verloren.
„Ist es noch sehr weit?“, fragte Mary, obwohl sie ohnehin nicht mit einer richtigen Antwort rechnete.
„Nein, wir sind fast da.“ Er klang ruhig und ihre offenkundige Ahnungslosigkeit schien ihm Freude zu bereiten. „Hier müssen wir links abbiegen.“
Nach weiteren zehn Minuten, in denen der Wagen einem holprigen Kiesweg gefolgt war, lichteten sich die Bäume allmählich und ließen hier und dort das Mondlicht durch das Blätterdach scheinen.
„Wir sind da“, verkündete Krampus endlich, stieg aus und ging um das Auto herum, um für Mary die Tür zu öffnen.
Sie ergriff seine ausgestreckte Hand und ließ sich von ihm durch den Wald führen.

„Wow“, entfuhr es Mary, als ihre nächtliche Wanderung an einem See endete, dessen dunkle Oberfläche still wie ein Meer aus Schatten da lag. Einzig und allein die silbrige Spiegelung des Mondes durchbrach die Schwärze.
Bevor der Jullord wieder in ihr Leben getreten war, hatte sie sich selten Zeit für die Schönheit der Natur und ihrer Umgebung genommen. Es war beinahe so, als hätte er ihr erst die Augen für diese ganz eigene Art von Zauber geöffnet.
„Wow“, wiederholte sie, ging zu dem sandigen Ufer und hockte sich hin. „Es ist atemberaubend.“
Sie streckte ihren Zeigefinger aus, tauchte ihn unter die Wasseroberfläche und lachte leise auf. Das Wasser war weder zu kühl, noch zu warm sondern hatte genau die richtige Temperatur. Kleine Kreise breiteten sich von der Stelle, an der ihr Finger geruht hatte, über die Oberfläche aus und zogen sich wellenartig über den See.


Mary richtete sich wieder auf und drehte sich halb zu Krampus um, welcher sie mit zur Seite geneigtem Haupt betrachtete. Ein Lächeln huschte über seine Miene, während sie langsam ihren Zopf löste und einen der schmalen Träger ihres Kleides abstreifte. Der andere Träger folgte und das schwarz-weiss gestreifte Kleid glitt träge zu Boden.
Marys Anblick war in der Tat atemberaubend. Ihre blasse Haut bildete einen herrlichen Kontrast zu der Schwärze der Nacht und als sie lediglich in ihrem Bikini vor ihm stand, wurde Krampus Lächeln zu einem Grinsen.
Vielleicht hätte er Ewigkeiten dort so gestanden und sie einfach nur angesehen, hätte ihre Stimme ihn nicht aus seinen Gedanken geholt.
„Kommst du mit mir ins Wasser?“, fragte sie und winkte ihn zu sich.
Er wollte bereits den Kopf schütteln und sie auf später vertrösten, als Mary sich sachte in das Wasser gleiten ließ.
Warum eigentlich nicht? Immerhin war es ja auch seine verdammte Idee gewesen oder etwa nicht?
Sorgfältig verstaute er den Zaubersack hinter einigen niedrigen Sträuchern, bevor er sich wieder Mary und dem See zuwandte. Sie ließ sich rücklings auf dem Wasser treiben, das lange Haar umgab sie wie ein Fächer und ihr Anblick erinnerte Krampus an einen Wassergeist.

Die Sonne musste den See tagsüber aufgeheizt haben, denn wider seiner Erwartungen war das Wasser angenehm warm.
Er tauchte unter und schlich sich so unbemerkt an Mary heran, nur um kurz darauf neben ihr durch die Wasseroberfläche zu brechen. Er schüttelte sich, Wassertropfen flogen durch die Luft und trafen auf das Gesicht der jungen Frau.
„He“, beschwerte sie sich und schenkte ihm einen strafenden Blick.
Krampus lachte über ihre gespielte Empörung, schwamm hinter sie und verwickelte sie in eine Umarmung. „Hallo Kätzchen.“


Sein feuchtes Haar kitzelte an ihrem Ohr, als sich seine drahtigen Arme von hinten um ihren Oberkörper schlangen.
„Wir sollten öfter hierhin kommen“, flüsterte Mary und legte ihr Kinn auf seinem Oberarm ab.
„Ja“, stimmte er ihr ebenso leise zu und berührte mit den Lippen sanft ihren Nacken.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen ihnen, welches lediglich durch die friedlichen Geräuschen der Nacht untermalt wurde.

Krampus rechte Hand begann unter Wasser kleine Kreise auf ihren Bauch zu malen und sorgte so für einen wohligen Schauer bei Mary, der ihr ein leises Seufzen entlockte.
„Vermisst du manchmal eigentlich die alten Zeiten, Krampus?“, fragte sie.
Seine Hand hielt kurz inne, bevor sie von Neuem ihre Runden zog. „Was genau meinst du damit?“
„Ich meine die alten Zeiten, als die Menschen sich noch vor der Dunkelheit gefürchtet haben. Als du sie vor den Schatten und all den Wesen beschützen musstest, die dort lauern könnten.“
„Hin und wieder“, gab er leise lachend zu. „Aber ich denke, dass ich ebenso jetzt und hier einige Aufgaben zu erledigen habe. Versuche doch nur einmal, dir vorzustellen was du ohne meine Wenigkeit machen würdest?“
Mary zuckte mit den Schultern. „Ich würde wahrscheinlich bereits schlafen.“
„Wie überaus öde“, raunte Krampus ihr ins Ohr. „Wobei es doch so viel schönere und weitaus aufregendere Dinge gibt, die wir beide tun könnten.“
„Mhm“, machte sie unbestimmt und schmiegte sich enger an ihn. „Ich weiß gar nicht, was für Dinge du damit meinst.“
Der Herr über die Julzeit gab ein raues Lachen von sich, während er ihr einen Schwall Wasser in das Gesicht spritzte. „Du bist so unerbittlich wie eh und je, mein Liebling.“
Mary versuchte vergeblich, sich aus seinem Griff zu befreien und trat dabei wild um sich, was Krampus dazu veranlasste sie sich auf die Schultern zu hieven, um so einem drohenden Tritt in sein Allerheiligstes zu entkommen. Lachend hielt sich die Dunkelhaarige an seinen gewundenen Hörnern fest, um nicht hinunter zu fallen.
„Die Situation kommt mir vage bekannt vor, Kätzchen“, warf Krampus mit unschuldiger Miene ein und umfasste ihre Knöchel. „Du weißt doch sicherlich noch, worin es geendet hat?“
„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon du da redest“, gab Mary zuckersüß zurück.
Krampus zog eine Grimasse, während er sich zu seiner vollen Größe aufrichtete. „Sei unbesorgt. Ich werde dich liebend gerne daran erinnern, wenn es soweit ist.“

Mary legte den Kopf weit in den Nacken und wandte ihren Blick in Richtung des Nachthimmels. „Sieh' nur, der Mann im Mond leistet uns Gesellschaft.“
„Ihr Menschen seid wirklich seltsame Kreaturen“, begann Krampus und sah ebenfalls auf. „Ihr meint ein Gesicht im Mond zu erkennen und gebt ihm einen Namen, nur um euch im gleichen Atemzug einzureden, es sei nur ein einfacher Felsen im All. Ihr meint zu sehen und dennoch seid ihr blind für all jenes, dass euren eigenen Horizont übersteigt. Es gibt so viele Geschichten über den Mond. Da wo ich herkomme, verehrt man ihn und seine Geliebte.“
„Seine Geliebte?“, hakte sie nach, ohne ihren Blick vom Mond abzuwenden.
Krampus lachte auf. „Es heißt, der Mond habe sich in die Sonne verliebt und um ihr zu schmeicheln, die Dunkelheit mit Abertausenden von Sternen erhellt.“
Stirnrunzelnd lauschte sie seinen Worten. „Und haben die beiden jemals zueinander gefunden?“
„Es ist nur eine Erzählung, Mary. Aber ja, vermutlich schon.“ Krampus Lippen liebkosten die Innenseite ihres linken Oberschenkels. „Die zwei haben zueinander gefunden, obwohl sie Lichtjahre voneinander entfernt waren. Manchmal treffen die Sonne und der Mond aufeinander - ich glaube ihr nennt es Mond- oder Sonnenfinsternis.“
„Das hast du dir doch gerade eben aus den Fingern gesogen, oder? Du könntest schon immer die schönsten Geschichten erzählen, obwohl ich mir sicher bin dass du mir hin und wieder ziemlichen Nonsens erzählt hast.“
„Möglicherweise“, gab er zu und brach in lautstarkes Gelächter aus. „Es ist schließlich nicht meine Schuld, wenn du so wunderbar naiv und gutgläubig bist.“
Mary verpasste ihm einen kleinen Klaps auf den Hinterkopf. „Du bist gemein.“
„Ich weiß. Aber die Geschichte war unterhaltsam, nicht war?“, zog Krampus sie gackernd auf.
„Spinner!“
„Na warte!“


Der Julherr täuschte vor, unter Wasser zu tauchen und merkte, wie Mary seine Hörner losließ, um nicht mit in die Tiefen gezogen zu werden.
Ein dumpfes Platschen ertönte und sie landete irgendwo hinter ihm.
„Das war unfair!“, warf sie ihm funkelnd vor und verzog schmollend die Lippen, während sie sich zum Ufer des Sees zurückzog.
Der Teufel folgte ihr.

Krampus schenkte ihr ein selbstgefälliges Lächeln. „Das Leben ist nicht fair, weshalb sollte ausgerechnet ich mich dann fair verhalten?“
Mary schien noch nach den passenden Worten zu suchen, ehe sie sich etwas in ihren grauen Augen zu verändern schien und ihre Hände wortlos zu dem Knoten in ihrem Nacken wanderten. Krampus sah mit hochgezogenen Augenbrauen mit an, wie sie den Knoten löste und ihr Bikini Oberteil auszog.
Noch immer schweigend, kam sie langsam auf ihn zu und nun hatte sein Lächeln nichts selbstgefälliges oder gar höhnisches mehr an sich.
Mary ergriff seine Hände und legte sie auf ihrem Becken ab, wo sie wie von selbst zu den seitlichen Schleifen glitten. Er zog leicht daran, fast so als würde er sie um Erlaubnis bitten und lauschte dabei dem gleichmäßigen Takt ihres Herzschlages.
„Was machst du nur mit mir, Mary?“, ging es ihm durch den Kopf, als er langsam und fast schon andächtig die Schleifen öffnete. Ihr Höschen folgte dem Beispiel des Oberteils und landete auf dem Boden.
Krampus beugte sich zu ihr hinab, bis seine Stirn die ihre berührte und flüsterte. „Das, mein Herz, nenne ich unfair.“
Sie hielt seinem Blick stand und ihre Ruhe drohte ihn in den Wahnsinn zu treiben. Er wollte sie.

Mary trat einen Schritt nach hinten und sah ihn herausfordernd an, bevor sie leise auflachte. „Wie meintest du gerade noch so schön ... Was ist schon fair?“
Krampus schüttelte amüsiert den Kopf, als sie im angrenzenden Wald verschwand.
Es war ein uraltes Spiel, dass schon Hunderte vor ihnen gespielt hatten und es handelte vom Suchen und vom Finden, vom Verlieren und vom Gewinnen. Herz gegen Kopf, wenn der Verstand verliert und die Leidenschaft gewinnt.
Und Krampus war sich sicher, dass er heute Nacht nicht verlieren würde.
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