Drehbuch und Liebe (Meryl Streep,Pierce Brosnan)

von Janey84
GeschichteDrama, Romanze / P16
07.08.2018
22.05.2019
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Die kleine Insel Skopelos lag in Schweigen, die Sonne versank schon fast ganz im Meer und eine blonde Frau saß allein am Strand. Die Knie angewinkelt, den Kopf ein wenig nach hinten gelehnt. Der Wind hatte ihr langes blondes Haar in Wellen auf ihren Schultern zurückgelassen und immer wieder fuhr sie sich mit der Hand durch die hellen Strähnen.
Sie dachte an ihre Familie, ihre Kinder, ihren Mann, und schon nach 2 Tagen hatte sie große Sehnsucht nach ihnen. Dennoch tat es ihr gut, ein wenig abzuschalten, nur für sich zu sein, in sich zu kehren und über die Vergangenheit und Zukunft nachzudenken.
Sie konnte sich kaum daran erinnern, bei einem Film-Dreh so viel Freude und Spaß empfunden zu haben. Sie atmete tief ein und nahm den Duft des salzigen Meeres tief in sich auf. Alles schien einfach perfekt, die Atmosphäre, die Kollegen, das Drehbuch, die Geschichte und Meryl liebte Mamma Mia.
Sie blieb noch eine Weile sitzen und lauschte den Wellen des Wassers.
„Darf ich mich zu dir setzten?“ fragte eine junge weibliche Stimme.
Meryl erschrak und zuckte kurz zusammen, schließlich sah nach oben mitten in das kindliche Gesicht der jungen Frau, die wie aus dem Nichts plötzlich neben ihr stand.
„Oh Süße, du hast mich fast zu Tode erschreckt!“ Meryl musste lachen, bat Amanda, aber sich zu setzten.
„Hast du auch ein bisschen Heimweh?“ fragte das junge Mädchen ihre Filmpartnerin.
„Ein bisschen, Ja!“ Meryl schaute wieder in Richtung Meer.
Neben ihr kam sich die junge Frau so klein und unerfahren vor. In den letzten zwei Tagen hatten sie sich kennengelernt und Amanda hatte großen Respekt vor ihr und ihrem Können aber dennoch lernte sie nicht nur die Schauspielerin Meryl Streep kennen, auch den Menschen der hinter diesem großen Namen stand.
Amanda bewunderte sie sehr, für ihre Leistung, für das was sich Meryl alles erschaffen hatte. Sie hatte das Gefühl, ihr Bestes geben zu müssen um nicht ihre Unerfahrenheit zeigen.

„An was denkst du Honey?“ nun war es Meryl, die sie aus ihren Gedanken in die Realität zurückholte.
„Nicht so wichtig. Ich träume nur ab und an gerne vor mich hin.“ Amanda lächelte und doch konnte sie ihren Blick nicht von Meryl lassen, zu groß war ihre Bewunderung, ihre Hochachtung vor dieser Frau, für die alles so normal zu sein schien. Die so bescheiden war, so menschlich und so herzlich.
Amanda konnte es kaum fassen, dass sie mit Meryl in einem Film spielen sollte.
„Meryl kann ich dir was sagen?" lenkte Amanda schließlich doch ein.
„Aber sicher doch Süße!“ Meryl wandte sich dem Mädchen zu und sah ihm in die Augen.
„Ich habe Angst, Angst zu versagen, ich habe so wenig Erfahrung mit allem und ich will nicht versagen, vor allem nicht neben dir.“ die junge Frau schaute sie ängstlich an.
„Oh Schätzchen, das wirst du nicht, du machst das alles so wunderbar, und du brauchst diese Erfahrung, diese Selbstkritik, um die Dinge zu lernen, um den richtigen Weg zu gehen.“ Meryl strich ihr über den Oberarm und nahm sie schließlich in ihre Arme. Sanft und mütterlich strich sie Amanda über den Rücken.
„Und nun lass uns in Hotel gehen, es wird bald dunkel!“ Meryl löste sich von ihr und lächelte sie liebevoll an, während Amanda erleichtert aufatmete und nickte.

Meryl legte erneut ihren Arm um die Schulter der viel kleineren jungen Frau, als sie zurück zum Hotel gingen, was nicht sehr weit vom Strand entfernt lag.
„Das wird sich legen kleines, mach dir nicht zu viele Gedanken, denn das ist es was dich am Ende blockiert!“ die Schauspielerin legte ihren Kopf an den von Amanda, als sie sich den Weg durch den feinen und warmen Sand bahnten.

Im Hotel saß noch immer die halbe Filmcrew auf der Terrasse.
„Hey da seid ihr ja!“ stieß Julie hervor die, die beiden Frauen kommen sah.
„Ja ich habe sie gefunden.“ lachte Amanda und setzte sich auf den leeren Stuhl der neben Julie stand.
„Entschuldigt bitte, dass ich mich zurückgezogen habe, ich brauchte ein paar Minuten für mich!“ erklärte Meryl sich, während auch sie sich setzte.
„Schon in Ordnung, die Pause werden wir alle ab und an noch brauchen!“ lachte Pierce und brachte auch die anderen damit zum Lachen. Er zwinkerte Meryl zu und konnte es verstehen, denn auch er brauchte ab und an einen Moment nur für sich alleine, um nachzudenken und die Dinge Revue passieren zu lassen.
Er sah Meryl immer wieder an, er konnte nicht abstreiten, dass sie ihm gefiel. Die Bewunderung seiner Kollegin gegenüber zeigte er ganz offen und war froh, dass es dazu gekommen war mit ihr zusammen zu arbeiten.
Meryl bemerkte nicht, dass seine Blicke hin und wieder auf ihr ruhten.
Angeregt unterhielt sie sich mit Christine und lachte ab und an dabei, schlug ihre Beine abwechselt übereinander, strich sich unbewusst mit der Hand durch die Haare oder steckte eine Strähne hinter ihr Ohr. Immer wieder ertappte er sich dabei, wie er sie musterte und seine Augen nicht mehr unter seiner Kontrolle waren.
Er musste sich letztendlich dazu zwingen seinen Blick von ihr abzuwenden und erhob sich.
„Leute, ich verschwinde ins Bett!“ unterbrach er die Runde, in der sich jeder mit jedem unterhielt.
„Oh du gehst schon!“ es war schließlich Meryl die auf ihn reagierte.
„Ich bin müde ja, wir sehen uns morgen früh am Set Meryl?“ fragte er sie.
Morgen Früh würde „The Winner Takes it all“ gedreht und auf diese Szene freute sich Pierce schon besonders. „Oh…Ja, ich kann dich auch abholen, dann gehen wir zusammen!“ Meryl lächelte und löste dabei völlig unbewusst ein kleines Kribbeln in seiner Magengrube aus.
„Ja Ok, gegen 8?“ fragte Pierce und Meryl nickte ihm bestätigend zu.
„Gute Nacht alle zusammen.“ Pierce verschwand und drehte sich kurz um, sah sie wieder an, nur für einen Bruchteil einer Sekunde.
Meryl führte ihre Unterhaltung fort und bemerkte nicht die Aufmerksamkeit, die er ihr schenkte.



Ein Sonnenstrahl kitzelte ihre Nase, sie blinzelte und kurz darauf ließ sie das Klingeln ihres Weckers aufschrecken. "Oh Gott!“ sie setze sich auf und legte eine Hand auf ihre Stirn. Es war spät geworden am Abend und die Müdigkeit sah man ihr deutlich an.
Gequält setzte sie ihre Beine aus dem Bett und verweilte dort einen Moment, bevor sie sich erhob.
Wie in Trance ging sie ins Badezimmer und betrachtete sich im Spiegel.
„Du hast schon mal besser ausgesehen.“ flüsterte sie vor sich hin und nahm ihre Zahnbürste in die Hand. Zwischen Zähneputzen, Haare kämmen und Make Up auflegen, fiel ihr Blick auf die Uhr die 07:55 Uhr anzeigte.
„Oh nein, nicht das noch!“ stammelte sie und ihre Hände wurden zum all around Talent. Hastig zog sie sich an und schlüpfte in ihre Schuhe. Während sie sich ihre Haare mit einer Spange zu einem Zopf zusammen steckte, eilte sie zur Tür, ehe sie diese zu zog, lief sie wieder hinein, griff sich ihre Tasche und schloss diese endgültig. Sie rannte förmlich zum Fahrstuhl und tippelte nervös mit ihren Füßen und her.
„Komm schon!“ immer wieder drückte sie auf den Knöpfen herum. Schließlich hörte man einen leises Klingen und der Fahrstuhl öffnete sich.
„Na endlich!“ Meryl rannte hastig hinein und landete mit einem lauten Rumpeln an der Brust von Pierce.
„Oh …oh entschuldige bitte.“ sie musste lachen und hielt sich dabei eine Hand vor den Mund.
„Guten Morgen, ja ich freue mich mindestens genauso dich zu sehen.“ grinste er und half ihr, ihre Haltung wieder zu erlangen.
„Guten Morgen, das ist mir wirklich peinlich, aber ich war spät dran.“ grinste Meryl und rümpfte dabei leicht die Nase.
Selbst diese Gesten fand Pierce an ihr sehr anziehend, ließ sich sein Gefühl jedoch nicht anmerken.
Beide schwiegen einen Moment, Meryl's Blick war zu Boden gerichtet, sie war leicht nervös, warum wusste sie nicht, wegen dem Dreh vielleicht, oder weil auch sie Pierce als außerordentlich attraktiv empfand.
„War es spät gestern?“ Pierce war es, der die Stille zerriss.
„Mmhh, Ja!“ sie lächelte und sah im nun völlig ungewollt in die Augen, sie waren so blau, dass sie in diesem Moment glaubte, in einem Meer zu ertrinken. Erschrocken über sich selbst, wandte sie sich hastig von diesem intensiven Blick ab.
„Entschuldige bitte, ich bin etwas nervös, wegen dem Dreh!“ konterte sie und pustete die Luft aus ihrem Mund aus.
„Du? Nervös? Das kann ich kaum glauben!“ antwortete er mit einem leisen Lachen.
„Oooh doch, ich bin nervös, ich bin es immer noch, auch nach all den Jahren, wenn ich das nicht wäre, wäre ich in diesem Beruf fehl am Platz!“ verteidigte sie sich und doch wusste sie, das er es nicht böse meinte.
„Ja, du hast recht und ich muss zugeben, ich bin auch nervös, auch wenn ich nicht vielmehr tun muss, als dir gleich zuzuhören.“ wieder suchte er ihren Blick und lächelte. Sie konnte seinen Augen diesmal nicht entweichen und erwiderte sein Lächeln.

Auf dem Weg zum Set unterhielten sie sich angeregt und sein Gefallen an ihr fand in seinem Kopf immer größere Aufmerksamkeit.
Sie sprachen über ihr Leben, ihre Familien, wie alles für sie begonnen hatte.
„Bis gleich!“ Meryl verschwand schließlich in ihrer Garderobe und Pierce schaute ihr einen Moment lang nach. Er schüttelte den Kopf, als wolle er alle Gedanken an sie abwerfen und dann verschwand auch er in der Maske.

Kurze Zeit Später stand Pierce an den Felsen zum Weg, der hoch zur Kirche führte und wartete auf Meryl „auf Donna“.
Plötzlich war sie da und wieder drohte ihm der Atem zu stocken, erneut schüttelte er den Kopf als er sie aus der Ferne beobachtete, in ihrem blauen langen Kleid, ein rotes Tuch um ihre bloßen Schultern gelegt, wie sie sich angeregt unterhielt und die Szene besprach.
Pierce fasste sich und nur Sekunden später fiel die Klappe!
Er war nun Sam, Sam der Donna liebte, sie für sich gewinnen wollte.
Meryl lief auf Pierce zu und erblickte ihn.
„Donna...Donna, ich denke wir sollten klären, wer Sophie zum Altar führt!“ sagte Sam aufgeregt.
Meryl sah ihn an und musste sich zwingen sich zu konzentrieren.
„Was für eine Frage, ich!“ sagte Donna und drängte sich an ihm vorbei.
„Aber….aber aber!“ Pierce grinste und Meryl fing laut an zu lachen, sie hielt sich den Bauch und krümmte sich ein wenig.
„Nochmal bitte!“ rief es aus dem Hintergrund.
Pierce versuchte sein Grinsen zu unterdrücken, was ihm gut gelang, er liebte es wenn sie lachte, dieses herzhafte Lachen, so natürlich, so schön.
Donna drängte sich an ihm vorbei.
„Aber …was ist mit ihrem Vater?“ fragte Sam die blonde Frau, die vor ihm herging.
„Ihr Vater ist nicht hier!“ sagte Donna kalt ohne sich zu ihm umzudrehen.
„Sie wünscht sich das so, sie hat mir gesagt sie möchte dass ihr Vater dabei ist. Und was ist, wenn ihr Vater sich das auch wünscht?“ Sam war während seines Satz neben ihr gelaufen und baute sich nun vor ihr auf, so dass sie gezwungen war ihn anzusehen.
„Was? Sam muss das ausgerechnet jetzt sein? Ehrlich ich …hab jetzt keine Zeit dafür!“ Donna hob die Hände und wollte jede Unterhaltung mit ihm abwehren und vielleicht sah es genauso in ihrem Kopf aus, was Pierce betraf.
„Donna, hör mir bitte zu, es geht doch um uns!“ Sam flehte sie förmlich an und Pierce konnte kaum noch Realität und Spiel voneinander trennen.
„I don’t wanna talk...“ Meryl begann zu singen und ein Schauer überrollte ihn als er ihre Stimme hörte.
Er war nicht mehr er selber, als sie mit seinen Augen spielte, ihn ansah, die Worte in diesem Lied betonte. Pierce beobachtete ihre Gesten während sie sang. Wie sie sich bewegte, ihre Hände zum Einsatz brachte.

“The winner takes it all
the loser standing small
beside the victory
that's her destiny...”

Er wünschte sich in diesem Moment nichts mehr als das Drehbuch zu seinen Gunsten zu ändern. Ihr blondes Haar war hochgesteckt und eine lange Strähne umspielte ihr Gesicht. Immer wieder musste er sie ansehen und er selber wusste nicht was mit ihm los war. Seit 2 Tagen erst kannte er sie und vom ersten Augenblick an gefiel sie ihm. Wie sie sich gab, wie sie redete, sich bewegte, wie sie lachte, all diese kleinen Gesten, die er sofort an ihr wahrnahm.
Pierce musterte sie und erschrak ein wenig als sie ihm ihre singenden Worte förmlich entgegen schmetterte.


„But tell me does she kiss
like I used to kiss you
does it feel the same
when she calls your name
somewhere deep inside
you must I miss you
but what can I say
rules must be obeyed…”


Ihre Hand berührte für einen kurzen Moment die seine, ihr Blick durchbohrte ihn und er fühlte sich beinahe ertappt.
Meryl rannte los, die Treppe hinauf in Richtung Kirche und sie musste sich eingestehen dass sie diese Szene außerordentlich prickelnd fand. Pierce beobachtete sie, wie sie immer kleiner wurde, immer weiter von ihm entfernt war.
„Donnaaaa“ rief Sam…und es war nicht Donnas, sondern Meryls Name, den er so gerne gerufen hätte.


„The winner….. takes it …..aaaaaall“


Die Musik erlosch und Meryl rang nach Luft.
Die Filmcrew applaudierte und die Szene war nach mehreren Versuchen und Patzern gegen Mittag abgedreht.
Völlig außer Atem stieg Meryl die Treppen wieder nach unten und schnappte erneut nach Luft. „Puuh…das war gut mmh?“ sie hielt sich am Arm von Pierce fest, während sie ihre Schuhe auszog und sie neben ihm plötzlich ein Stück kleiner wurde.

Es durchzuckte ihn wie ein kleiner Blitz, als er ihre Berührung spürte und sie konnte nicht im Entferntesten ahnen was sie damit in ihm auslöste.
„Hör auf damit…hör auf damit!“ sagte Pierce stumm in sich hinein und zwang sich abermals seine Gedanken zu ordnen.
„Super gelaufen.“ stammelte er vor sich hin und versuchte sie dabei nicht anzusehen, ihm schien als würde er von Minute zu Minute mehr für sie empfinden.
„Gehen wir was essen?“ Meryl sah ihn fragend an und lief vorsichtig mit ihren nackten Füßen den Weg zur Garderobe entlang.
„Oh, ähm. Tut mir leid ich habe noch was zu erledigen, ein anderes Mal, ok?“ er sah sie nur kurz und flüchtig an und lief schnellen Schrittes in Richtung Hotel und lies eine verdutzte Meryl zurück, die ihm mit fragendem Gesicht und hochgezogenen Augenbrauen nach starrte.
Was war nur plötzlich in ihn gefahren, hatte sie etwas falsch gemacht, etwas Falsches gesagt! Die Frage kreiste ihr noch eine ganze Weile im Kopf herum.
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