Nur ein Biss (Fortsetzung zu "Nur ein Kratzer")

von Claire4JJ
GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P12
Mieczyslaw "Stiles" Stilinksi
06.08.2018
02.08.2020
23
30.970
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02.08.2020 2.190
 
Okay Leseratte0810, leider hatte es doch nicht mehr geschafft, das Kapitel am Samstag hochzuladen. Aber naja besser spät als nie.
Viel Spaß dir und natürlich auch allen anderen beim lesen.
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22. Der Plan (Stiles)

Nervös knetete Stiles seine Hände. Er stand mit dem Rest des Rudels um den – mittlerweile neuen –  Tisch in Dereks Loft. „Und ihr seid absolut sicher, dass Lapsley seinen nächsten Angriff bald durchführen will?“ Derek nickte.
„Argent ist es gelungen Lapsleys Freundin von den Scientists aufzuspüren. Es hatte ihn einige Überredungskünste gekostet, aber sie hat schließlich doch Kontakt mit ihm aufgenommen und ihn dazu gebracht sein nächstes Ziel zu verraten.“ Stiles stöhnte.
„Lass mich raten, es ist die Schule richtig? Es ist immer die Schule.“ Niemand sagte etwas und Stiles schaute ungläubig von einem zum anderen.
„Man das war ein Scherz, ihr wollt mir ernsthaft erzählen, dass er es wirklich auf die Schule abgesehen hat?“
„Nun das hat er seiner Freundin von den Scientists jedenfalls gesagt“, meinte Scott achselzuckend.  
„Vielleicht hat er herausgefunden, dass die meisten übernatürlichen Wesen in Beacon Hills noch zur Schule gehen“, schlug Liam vor.
„Aber das macht doch irgendwie keinen Sinn“, überlegte Lydia laut. „Er will doch die Menschheit retten und dann setzt er ein Gas, dass Werwölfe in unberechenbare Tiere verwandelt – nichts für ungut – in einer vollen Schule ein? Damit verletzt er doch viel mehr Menschen, als wenn er gar nicht handelt.“
„Stimmt, das ist wirklich etwas seltsam“, bestätigte Malia.
„Und was, wenn die Werwölfe nur sich selbst angreifen?“, schlug Stiles plötzlich vor. Er sprach den Gedanken aus, ohne groß darüber nachgedacht zu haben. Doch es machte tatsächlich Sinn und jetzt dachte er einfach weiter laut.  „Bei seinem letzten Testlauf, war das Gas noch nicht fertig. Zum einen hielt die Wirkung nur an, wenn man ihm die ganze Zeit ausgesetzt war. Und es wurde…ähm…ein Mensch verletzt und kein Werwolf. Doch das wusste Lapsley vielleicht nicht. Vielleicht hielt er uns beide für Werwölfe, ich meine wir haben immerhin über das Rudel geredet und ich habe dich Alpha genannt, Scott, erinnerst du dich?“ Scott nickte, er war ein wenig blass geworden. Doch er unterbrach Stiles nicht. Dafür tat es Lydia. „Er hielt euch beide für Werwölfe. Wahrscheinlich hatte er angenommen, dass du Scotts Beta wärst. Doch stattdessen hatte er selbst verursacht, was er eigentlich verhindern wollte, nämlich, dass ein Mensch durch einen Werwolf verletzt wurde. Dennoch konnte er an euch das Gas testen. Er wollte das ihr euch gegenseitig zerfleischt.“
„Ja und die Scientists hatten an einer Art Heilmittel gearbeitet, dass speziell für Werwölfe entwickelt wurde. Um sie zu heilen“, ergänzte Stiles aufgeregt. Lydias Augen leuchteten, als sie anfing zu begreifen, was Stiles vermutete.
„Das Gas hatte nur bei Scott gewirkt, nicht aber bei dir. Doch es hatte immer noch ein Problem, denn in einem Blutrausch wäre ein Werwolf unberechenbar, es sei denn…“ , sie hielt mitten im Satz inne, „… er würde nur andere Werwölfe angreifen, die ebenfalls betroffen wären,…“
„…und dann würden sie sich gegenseitig zerfleischen. Und Lapsley müsste nichts weiter tun als daneben zu stehen und das Spektakel zu bewundern.“ Sie hielten beide ehrfürchtig inne, erstaunt über die Erkenntnisse, die sie eben errungen haben.
„Also…“, unterbrach Liam die Stille, „…läuft das bei euch immer so ab, wenn ihr ermittelt?“ Sieben Köpfe drehten sich zu ihm um. Liam hob abwehrend die Hände. „Ich mein‘ ja nur.“ Scott wand sich an Lydia und Stiles.
„Ich versuche euren Gedankenaustausch mal zusammenzufassen: Ihr glaubt Lapsley könnte das Gas so verändern, dass Werwölfe nur andere Werwölfe angreifen?“ Beide nickten.
„Ist sowas überhaupt möglich?“, fragte Kira ängstlich.
„Nun theoretisch ist es möglich“, erklärte Lydia. „Ich denke nicht, dass das Gas dafür sorgt, dass Werwölfe nur andere Werwölfe angreifen. Lapsley wird das Gas viel mehr so manipulieren, dass die Betroffenen nur angreifen, wenn man sie reizt.“
„Möglich wäre auch, dass er den Geruchssinn von Werwölfen miteinkalkuliert“, überlegte Stiles.
„Nun eigentlich ist es doch egal, wie Lapsley das genau macht. Viel wichtiger ist doch, wie halten wir ihn auf?“, fragte Malia
„Noch viel wichtiger: Wie verhindern wir, dass das Gas uns beeinflusst?“, ergänzte Liam. Als Antwort legte Scott Stiles eine Hand auf die Schulter.
„Stiles wird sich um das Gas kümmern.“
„Zumindest im Notfall. Falls was schiefläuft und wir das Gas nicht vorher zerstören können“, ergänzte Stiles schnell. Isaac sah ihn zweifelnd an.
„Ich dachte du kannst deine Kräfte noch nicht kontrollieren.“
„Ich arbeite dran“, zischte Stiles. „Außerdem ist das ja nur der Notfallplan. Vorher versuchen wir ja noch Lapsley zu Vernunft zu bringen und falls das nicht klappt, wollen wir das Gas zerstören.“
„Und was ist der Notfallplan, für den Notfallplan?“, fragte Isaac.
„Vielleicht opfern wir dich einfach“, gab Stiles verärgert zurück.
„Schluss jetzt damit“, rief Scott bestimmt. „Wir haben keine Zeit für solche Streitereien. Ich weiß, dass der Plan nicht perfekt ist, aber wann hatten wir schonmal einen perfekten Plan? Wir müssen dieses Gas zerstören und auch alle Aufzeichnungen darüber. Das ist unser Hauptziel. Und wenn möglich sollten wir dabei auch noch Lapsley aufhalten.“ Niemand widersprach. Scott wandte sich an Stiles.
„Denkst du, du bist bereit?“, fragte er und seine Stimme war diesmal sanfter als zuvor. Stiles biss sich kurz auf die Lippe, dann nickte er.
„Das Training mit dir hat irgendeine Blockade gelöst. Seitdem funktioniert es jedesmal.“ Er wandte sich an die anderen. „Aber meine Magie ist nicht stark genug, um eine riesige Gaswolke aufzuhalten. Dafür brauche ich eure Energie.“
„Also willst du uns Kraft abzapfen wie bei Derek?“, fragte Isaac misstrauisch. Ihm war die ganze Magie-Sache offenbar nicht wirklich geheuer.
„Stiles hat das nun unter Kontrolle“, verteidigte Scott seinen besten Freund. „Er weiß nun, wie er vorgehen muss, um uns nicht sämtliche Kraft zu rauben.“
„Woher weißt du das?“, fragte Liam leicht verunsichert. Er vertraute seinem Alpha, aber auch für ihn war die Situation neu.
„Weil ich es erlebt habe“, erklärte Scott und verschränkte trotzig die Arme. „Als ich beim Training dabei war, habe ich ihm meine Kraft geliehen.“ Er hielt einen Moment inne, als ihm eine Idee kam. „Stiles könnte es euch zeigen.“ Ruckartig fuhr Stiles Kopf zu Scott rum.
„Was?“
„Ja du zeigst es ihnen. Du sollst nichts zaubern, zeig einfach nur, wie es sich anfühlt. Abgesehen davon hast du selbst gesagt, dass es sowieso besser wäre vor dem Kampf eine erste Verbindung aufzubauen.“ Stiles schluckte.
„Wieso das?“, fragte Lydia.
„So kann meine Magie die Energie später schneller und leichter finden, weil sie den Weg bereits kennt.“
„Aber vor allem ist es die perfekte Gelegenheit Stiles‘ Magie kennenzulernen“, ergänzte Scott und sah Isaac eindringlich an. Stiles schaute ebenfalls zu Isaacs misstrauischem Gesicht und Entschlossenheit machte sich in Stiles breit.
„Wer will zuerst?“, fragte er herausfordernd. Er schaute vor allem Isaac an, doch Malia war diejenige die sich mit einem „Gott was seid ihr nur für Weicheier“, zu Stiles stellte.
„Also, was soll ich jetzt machen?“, fragte sie neugierig.
„Dich einfach entspannen“, entgegnete Stiles. „Gib mir deine Hand.“ Malia wechselte einen kurzen Blick mit Lydia bevor sie ihre Hand in Stiles dargebotene Hand legte. Stiles schloss die Augen und konzentrierte sich. Wahrscheinlich sah das für die anderen total seltsam aus, wie er so händchenhaltend mit Malia stand, doch er blendete das einfach aus. Er konzentrierte sich nur auf seine Magie in seinem Inneren. Zuvor hatte er mit Deaton darüber gesprochen. Als er Scotts Energie geliehen hatte, tat er dies rein instinktiv getan. Allerdings war es einfacher, wenn er es ganz bewusst tat.  Jetzt wo er seine Magie angefangen hatte zuzulassen, sah er sie vor seinem inneren Auge, sie war nicht mehr nur ein Gefühl, sie war wie eine Art festes Seil, welches er steuern konnte und gleichzeitig war sie flüssig. Behutsam ließ er seine Magie in Malias Arm wandern. Er hörte wie sie leise aufkeuchte, doch sie ließ nicht los. Sie wehrte sich auch nicht. Das war gut, denn wenn sich jemand gegen das Eindringen wehrte, konnte das sehr schmerzhaft für Stiles werden. Möglicherweise auch gefährlich.
Seine Magie wanderte in Malia hinein, fand ihre Energie, ihre Kraft. Kurz streifte er ihre Energie mit seiner Magie, umkreiste sie einmal, bevor sie sich wieder zurückzog. Es war als würde seine Magie nur einen kurzen Besuch bei Malia machen, einmal kurz winken, bevor sie wieder zu ihrem Meister zurückkehrte. Sobald sich seine Magie vollständig aus Malia zurückgezogen hatte, öffnete er die Augen und ließ ihre Hand los. Malia hielt ihre Augen nach wie vor geschlossen, doch ganz langsam öffnete sie sie.
„Wow“, hauchte sie. „Das…das war unglaublich. Sowas habe ich noch nie gespürt.“ Fasziniert betrachtete sie ihre Hände.
„Wie hat es sich denn angefühlt?“, fragte Liam aufgeregt. Stiles hielt ihm die Hand hin. „Das kannst du gerne selbst ausprobieren, wenn du willst.“
„Strengt dich das nicht zu sehr an?“, fragte Liam besorgt. Stiles schüttelte den Kopf.
„Das Verbinden so gut wie gar nicht. Ich leihe mir weder Energie von euch, noch zaubere ich. Es ist nur gefährlich, wenn mir jemand den Zugang verwehrt.“ Eindringlich sah Stiles Liam an. „Lass also nicht los, bevor ich dich nicht loslasse.“
„Was passiert denn, wenn dir jemand den Zugang verwehrt?“, fragte Isaac und klang sogar ehrlich besorgt.
„Nun das wäre nicht gut. Vor allem nicht für mich“, erklärte Stiles. „Ein abruptes Trennen der Verbindung wäre auch nicht gerade gut, vor allem wenn ich mittendrin in einem Zauber bin. Das wäre ungefähr so, als würde man bei einem Laptop den Stecker ziehen und dieser müsste dann auf Akku-Betrieb laufen, bei nur noch zehn Prozent Akkuleistung. Ich könnte es ausgleichen, indem ich die Kraft dann aus der Natur hole, aber Lebewesen wären dann doch besser. Wenn mir jemand von vornherein den Zugang verweigert, tut das wahrscheinlich nur weh. Doch wenn mich jemand rausschmeißt, während wir eine Verbindung haben, könnte das sehr gefährlich sein. Im besten Fall bin ich nur total erschöpft und verliere vielleicht das Bewusstsein. Im schlechtesten Fall… nun das könnt ihr euch wahrscheinlich denken.“ Stiles wandte sich direkt an Isaac. „Genau aus diesem Grund muss ich euch genauso vertrauen, wie ihr mir vertraut.“ Isaac nickte. Doch es war Liam der antwortete.
„Ich vertraue dir Stiles. Und du kannst mir auch vertrauen. Du bist mein Bruder genauso, wie Scott mein Bruder ist. Immerhin hat er uns beide gebissen.“ Bei dem letzten Satz musste Liam schmunzeln und Stiles musste anfangen zu lachen. Er griff nach Liams Hand und wiederholte den Aufbau der Verbindung sowie zuvor bei Malia. Als seine Magie in Liam hineinfloss, blieb dieser still, doch Stiles spürte, wie sein Händedruck stärker wurde.
Auch Liam brauchte danach einen Moment, um das ungewohnte Gefühl zu verarbeiten. Nun fehlte nur noch Isaac. Naja, eigentlich fehlte auch Derek, aber erstens wollte Stiles nicht mit Derek Hale Händchen halten und zweitens war dieser immer noch nicht gut auf ihn zu sprechen. Stiles sah Isaac herausfordernd an, seufzte dann und ergriff missmutig Stiles‘ dargebotene Hand. Stiles war sich wiederrum nicht so sicher, ob er das Ganze wirklich auch mit Isaac durchziehen wollte. Allerdings war es immer besser so viele Reserve-Werwolfakkus wie möglich zu haben. Als Stiles Magie sich zu Isaac vortastete spürte sie einen Widerstand. Gleichzeitig spürte Stiles, wie Isaac neben ihm sich anspannte. Stiles war klar, dass alle sie anstarrten, doch er versuchte diese Tatsache zu ignorieren.
„Isaac“, zischte er dem Werwolf zu. „Du musst dich entspannen. Du musst mir vertrauen. Mir und meiner Magie. Dir wird nichts passieren, meine Magie will nur mal gucken, bitte.“ Das letzte Wort hatte er so leise gesprochen, dass es kaum zu verstehen war. Gerade überlegte Stiles sich zurück zu ziehen, bevor es noch gefährlich werden würde, doch da ließ der Widerstand plötzlich nach und Stiles Magie stolperte praktisch in Isaac hinein. Dieser verkrampfte sich schlagartig, zwang sich aber offenbar zur Ruhe, denn Stiles wurde nicht rausgeschmissen. Er wiederholte, was er zuvor bei Malia und Liam auch schon getan hatte – allerdings viel vorsichtiger und behutsamer als eh schon. Seine Magie umrundete einmal Isaacs Energie, bevor sie sich sanft wieder aus Isaacs Körper zurück. Sobald sie das getan hatte, ließ Stiles Isaacs Hand los, als hätte er sich verbrannt und ließ sich etwas erschöpft auf einen Stuhl sinken. Isaac hingegen lehnte sich gegen die Wand und starrte Stiles an, als würde er ihn zum ersten Mal sehen. Dann räusperte er sich.
„Alles okay mit dir?“
Stiles, welcher nach wie vor seine Augen geschlossen hielt und tief durchatmete, um sich zu sammeln, nickte zaghaft.
„Es geht schon, es hat mich nur etwas... erschöpft.“ Langsam öffnete er die Augen und schaute Isaac an. Dieser wirkte immer noch bestürzt, schien sich jedoch zu fassen.
„Tut mir wirklich leid, dass ich dich abgeblockt habe, ich war einfach nervös“, gab er zu. „Ich hätte dich verletzten können. Das wollte ich wirklich nicht. Es tut mir leid.“ Stiles nickte und zwang sich zu einem Lächeln.
„Letztendlich hast du mich ja nicht rausgeschmissen und es ist ja alles gut gegangen.“
Auf einmal räusperte Lydia sich und die beiden starrten sie verwundert an.
„Ich will euren kleinen Augenblick ja nicht stören, aber bedeutet das, dass wir dem Plan nun treu bleiben?“ Stiles schaute zu Isaac und dieser nickte ihm kaum merklich zu. Grinsend wandte Stiles sich an Lydia und die anderen.
„Ja ich schätze, dass wir bei dem Plan bleiben.“
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