Nur ein Biss (Fortsetzung zu "Nur ein Kratzer")

von Claire4JJ
GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P12
Mieczyslaw "Stiles" Stilinksi
06.08.2018
29.08.2020
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26.07.2020 1.898
 
21. Magie (Scott)

„Siehst du ich habe dir doch gesagt, dass es nicht funktioniert!“, rief Stiles bereits zum dritten Mal in den letzten zwei Stunden. Scott wechselte mit Deaton einen Blick und dieser seufzte. Deaton war ein Mann der viel Geduld hatte, aber auch er hatte seine Grenzen. Stiles ließ sich frustriert auf die verwilderte Bank fallen und starrte Scott beinahe anklagend an. Dieser bereute, dass er ihm und den anderen von Lloyd Montgomery und ihrem Plan erzählt hatte. Wenn man es denn so nennen konnte. Im Prinzip wollten sie Finn Lapsley aufspüren und ihm die Wahrheit über seinen Schicksalhaften Unfall erzählen.

„Weder wir noch die Polizei hat es bis jetzt geschafft ihn aufzuspüren, wie kommst du darauf, dass wir ihn jetzt finden?“, fragte Stiles.
„Nun wir haben jetzt Lloyd Montgomery. Vielleicht erkennt er ihn wieder und wir können mit ihm reden.“ Zugegeben, das war nicht Scotts bestes Argument.
„Ach und du denkst, wenn Montgomery ihn nett drum bittet, hört er auf diese Werwolfdroge herzustellen? Der Mann ist auf einem Rachefeldzug. Der lässt nicht mit sich reden.“ An dieser Stelle machte Stiles eine kurze Pause, um einmal durchzuatmen. „Selbst wenn er dir und Montgomery zuhört, was passiert, wenn er dieses Gas wieder freilässt? Er hatte fast drei Monate Zeit das Gas weiter zu entwickeln, was ist wenn die Wirkung nicht sofort nachlässt, sobald man es nicht mehr einatmet? Wer soll dann verhindern, dass ihr euch gegenseitig zerfleischt oder noch andere Unschuldige angreift?“ Scott wechselte mit Deaton einen unauffälligen Blick, doch Stiles durchschaute sie sofort.
„Das ist nicht euer Ernst.“ Er schwankte leicht. „Nein. Ich bin noch nicht soweit. Das könnt ihr nicht ernst meinen.“
„Du könntest mit deinen Kräften das Gas von den Werwölfen fernhalten“, erklärte Deaton sachlich. Stiles‘ Herz fing an so schnell zu schlagen als würde es am liebsten Reißaus nehmen wollen.
„Ich habe bisher nichts geschafft“, versuchte Stiles verzweifelt zu argumentieren. „Jedenfalls nichts was geplant gewesen wäre. Und jetzt soll ich euch alle beschützen?“ Der hilfesuchende Blick, den er Scott zuwarf, brach diesem beinahe das Herz. Scott wünschte er könnte seinem besten Freund diese Last abnehmen. Doch es war leider die einzige Möglichkeit. Beschwichtigend legte er Stiles eine Hand auf die Schulter.
„Wir haben keine Wahl Stiles. Dein Vater hat mir gestern mitgeteilt, dass jemand erneut Chemikalien gestohlen hat. Es wird nicht mehr lange dauern, bis er erneut angreift. Ich weiß, dass ist viel verlangt, aber du schaffst das Stiles.“

Leider schaffte er es nicht. Scott konnte sehen, wie der zusätzliche Druck seinem besten Freund schwer zu schaffen machte und er hasste sich dafür, ihn in diese Lage gebracht zu haben. Noch einmal blickte er zu Deaton. Zuvor hatte dieser ihm erklärt, Scott könnte Stiles helfen. Allerdings sah es eher so aus, als würde die Anwesenheit seines besten Freundes und Alpha, Stiles eher noch nervöser machen. Er wollte gerade aufstehen, um dem verzweifelten Stiles mehr Freiraum zu geben, doch Deaton kam ihm zuvor. Der Tierarzt erhob sich von seinem Stuhl und rief: „Ich glaube wir sollten eine Pause, damit ich mal nach der Arztpraxis sehen kann. Bleibt ruhig hier, solange ich weg bin.“ Und bevor einer der Jungen reagieren konnte, war er auch schon verschwunden.
„Tja, das war ja super unauffällig“, kommentierte Stiles sarkastisch. Kritisch musterte er Scott. „Sollst du mich jetzt motivieren, oder was hatte Deaton sich vorgestellt?“
„Er hat mir gar nichts gesagt.“
„Ja klar“, grummelte Stiles. Scott erhob sich von dem Baumstumpf, auf dem er gesessen hatte, um sich neben Stiles auf die Bank fallen zu lassen.
„Deaton meinte ich könnte dir vielleicht helfen“, erklärte Scott.
„Mit deinem großen Wissen über Druiden?“
Scott seufzte. Manchmal hasste er es wirklich, dass Stiles zu den Menschen gehörte, die sich partout nicht helfen lassen wollten.
„Eher mit meiner Unterstützung“, entgegnete er deshalb. Stiles schnaubte verächtlich.
„Ja das hat er mir auch gesagt. Dadurch krieg ich es aber auch nicht hin.“
„Ich finde du solltest dich nicht so unter Druck setzten. Erinnere dich an meine Anfänge als Werwolf.“
Stiles lachte kurz bei der Erinnerung. Schnell wurde er wieder ernst.
„Das ist was anderes. Du musstest verhindern, dass deine Kräfte dich übermannen. Ich hingegen kann sie nicht zum Vorschein bringen.“ Lustlos zerpflückte er das Papier, welches er eigentlich zum Fliegen bringen sollte.
„Naja, du hast deine Dusche eingefrorenen und Dereks Tisch in zwei Hälften geteilt. Das würde ich nicht als nichts bezeichnen.“
Stiles stöhnte.
„Das hat Deaton auch gesagt. Aber das war beides ungeplant, ich habe nicht nachgedacht, sondern einfach reagiert.“
„Hm“ machte Scott und dachte angestrengt nach. Dann kam ihm eine neue Idee.
„Wie fühlt es sich denn an, wenn du… nun ja… zauberst?“
Stiles musterte ihn einen Moment.
„Ich weiß nicht genau“, gab er schließlich zu. „Es ist schwer zu beschreiben. Seit ich den Nemeton berühmt habe, ist es als würde eine Art leichter Strom durch mich durchfließen. Und die zwei Male, wo wirklich was Großes passiert war, da ist dieser Strom – diese Energie einfach… aus mir rausgeschossen. Oder so ähnlich. So hat es sich jedenfalls angefühlt.“ Hilflos gestikulierte Stiles in der Luft.
„Weißt du wie ich es geschafft habe, den Wolf zu kontrollieren?“, fragte Scott weiter. Stiles nickte mit einem frechen Grinsen.
„Ja, ich war dabei. Du hast Allison angeschaut und wurdest vom großen bösen Wolf zum zahmen Welpen.“ Scott ging nicht auf diesen Kommentar ein, sondern fuhr mit seiner Befragung fort.
„Erinnerst du dich auch an unsere Opferung für den Nemeton?“
Stiles Gesicht verfinsterte sich sofort.
„Sowas ist schwer zu vergessen. Worauf willst du eigentlich hinaus mit deiner Fragerei?“
„Damals haben wir einen Anker geschaffen zu einer Person mit der wie eine Verbindung haben“, fuhr Scott fort, ohne auf Stiles Frage einzugehen. „Ein Anker der uns zurückbringen soll in die wirkliche Welt. So einen Anker gibt es auch um eine ungewollte Verwandlung in einen Werwolf zu verhindern. Es ist eine Art Ruhepunkt, an den man sich klammern kann, um die Verwandlung zu kontrollieren, vor allem bei Vollmond. Dabei kann es eine Person sein oder auch nur ein Gefühl.“
„Das ist mir alles bekannt Scott, ich war dabei“, rief Stiles genervt. „Sag doch endlich was du sagen willst. Soll ich jetzt meinen eigenen Anker erschaffen, oder was?“ Scott nickte.
„Ganz genau.“ Stiles starrte auf die Papierfetzten in seiner Hand.
„Und wie genau soll ich meinen Anker finden? Und was soll das überhaupt bringen? Wie schon erwähnt, mein Problem ist nicht, dass ich zu viel Kraft habe.“
„Stimmt, dein Problem ist, dass du Angst hast.“ Stiles zuckte zusammen als hätte Scott ihn geschlagen. Ganz langsam wand er sich zu Scott um. Seine Hände zerfetzten weiter das Blatt.
„Wie meinst du das?“
„Stiles ich kenne dich wirklich sehr gut. Ich muss kein Werwolf sein, um die Sorge in deinem Gesicht zu sehen. Du hast Angst vor deinen Kräften, davor dass du sie nicht kontrollieren kannst. Und gleichzeitig hast du Angst davor, dass du nicht stark genug bist, um das Gas aufzuhalten.“
Stiles schwieg eine Weile.
„Du meinst also ich habe Angst davor, dass meine Kräfte zu stark für mich sind und gleichzeitig, dass sie nicht stark genug für die Welt sind“, fasste Stiles zusammen. Scott nickte.
„Im Prinzip ja das denke ich.“ Stiles stöhnte.
„Na super und was mache ich jetzt dagegen?“
„Du lässt dich drauf ein“, erklärte Scott nüchtern und hielt ihm die Hand hin. Stiles betrachtete sie unsicher.
„Ich kann das nicht kontrollieren“, sagte er unsicher. „Was ist, wenn ich dich verletze?“
„Du sollst nicht so viel nachdenken, mach es einfach, versuche es zu fühlen.“ Stiles sah ihn immer noch kritisch an.
„Hast du zufällig mit Lydia geredet? Du klingst nämlich sehr nach ihr.“ Scott verdrehte die Augen.
„Nimm jetzt einfach meine Hand Stiles und mach dein Magiezeugs.“ Ganz langsam nährte Stiles Hand sich der von Scott.
„Auf deine Verantwortung…“, murmelte er. Dann schloss er die Augen und Scott tat es ihm gleich. Er konnte spüren wie Stiles sich neben ihm entspannte und als er nach Scotts Hand griff, war er ganz ruhig. Zuerst passierte nichts. Doch dann spürte Scott den Strom von dem Stiles geredet hatte. Zuvor hatte er mit Derek darüber geredet, doch entgegen seiner Erwartungen war es nicht unangenehm. Zum ersten Mal konnte er seine eigene Energie fühlen. Und er spürte wie Stiles Magie sich langsam vortastete und seine Energie umrundete. Dann verband sie sich mit Scotts Energie und nahm sich einen kleinen Teil davon. Doch Stiles Magie war nicht fordernd oder machtgierig, es war vielmehr so als würde Stiles sich vorsichtig etwas leihen.
„Scott“, flüsterte Stiles und klang dabei sehr überrascht. Scott öffnete die Augen und schnappte überrascht nach Luft. Das Papier, welches Stiles in kleine Stückchen zerpflückt hatte, schwebte in der Luft. Stiles starrte unentwegt darauf, die Hand hatte er erhoben. Dann ganz langsam zog sich Stiles Magie aus Scott zurück und Stiles ließ Scotts Hand los. Er keuchte kurz auf und die Papierschnipsel fielen ein Stück nach unten, doch Stiles krallte seine Hand in die Holzbank und entspannte sich wieder. Die Papierschnipsel blieben noch einen Moment in der Luft schweben, bevor sie sanft auf den Tisch segelten und sich dort zu einem kleinen Papierhügel auftürmten. Stiles atmete tief durch und lehnte sich erschöpft an die Bank. Schweißperlen standen auf seiner Stirn, doch er strahlte über das ganze Gesicht.
„Alles okay?“, fragte Scott. Stiles nickte.
„Ich…ich konnte es spüren Scott.“ Er klang leicht außer Atem aber gleichzeitig sehr fröhlich. „Ich konnte deine Energie spüren Scott und ich konnte sie nutzen, um die Luft so zu manipulieren, dass das Papier schwebt. Und danach habe ich die Energie der Natur genutzt.“ Er gähnte beherzt. „Ich spürte, wie mich das erschöpft hat, aber es war nicht so wie beim letzten Mal. Ich bin nicht komplett ausgelaugt nur ein bisschen müde.“
„Das ist ganz normal“, sagte auf einmal jemand hinter den Jungen und ließ beide herumfahren. Selbst Scott hatte Deaton nicht kommen gehört.
„Gut gemacht Stiles. Wirklich gute Arbeit, ich wusste, dass du es schaffst.“ Stiles strahlte übers ganze Gesicht doch einen Augenblick später verfinsterte sich sein Blick wieder.
„Aber wird das ausreichen?“ Scott kam nicht umhin als sich diese Frage ebenfalls zu stellen. Zu seinem Bedauern nickte Deaton nicht. „Das kann ich nicht sagen. Aber du hast heute einen großen Schritt geschafft Stiles und ich denke es wird dir von nun an leichter fallen, Magie anzuwenden.“ Stiles sah unsicher zu Scott. Deaton deutete den Blick richtig.
„Für den Kampf gegen das Gas wirst du die Kraft des Rudels brauchen. Doch du hast heute einen großen Schritt gemacht.“ Er trat auf Stiles zu bis er direkt vor ihm stand und legte ihm väterlich eine Hand auf die Schulter.
„Lass nur nicht zu, dass die Angst dich übermannt, dann kannst du alles schaffen.“ Stiles nickte nur. So sprachlos hatte Scott ihn selten erlebt.
„Und jetzt?“, fragte Scott in die beginnende Stille hinein. Deaton nahm seine Hand von Stiles Schulter und sah ihn an.
„Nun die Tiere sind versorgt und es ist gutes Wetter. Ich denke wir könnten jetzt ein Eis essen gehen.“ Der Tierarzt drehte sich um und ging voraus. Scott und Stiles sahen sich einen Moment an, dann zuckte Stiles mit den Schultern und folgte Deaton. Scott verharrte noch einen weiteren Augenblick, dann lief auch er hinterher.

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So ich hoffe euch hat dieses "Brother Time" Kapitel mit Scott und Stiles gefallen. Mir ist gerade aufgefallen, dass die nächsten Kapitel noch nicht korrigiert sind, das sollte ich wohl schnell mal machen XD
Fünf Kapitel kommen noch.
LG Claire4JJ
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