White & Red

von Ivenna
GeschichteMystery, Romanze / P16
05.08.2018
05.08.2018
1
1086
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Grelles weißes Licht.
Alles wurde darin eingehüllt.
Selbst, als meine Augen sich an das Licht gewöhnt hatten, war alles in dem Raum vor mir weiß.
Weiße Wände.
Weiße Fliesen.
Selbst die Kreatur, die sich in dem Raum unter mir befand, war fast vollständig weiß.
Weiße Haut.
Weiße Haare.
Weiße Hörner.
Allein ihre Augen leuchteten rot mit so einer Intensität, als würden sie mit dem weißen Licht, das ihr entgegen strahlte konkurrieren.
“Eine faszinierende Kreatur, nicht wahr?”, der Professor, der neben mir Stand meldete sich zu Wort, als er bemerkte, dass ich meine Augen nicht von ihr nehmen konnte. Mit seinem weißen Kittel schien er, als wenn er mit der Umgebung verschmelzen würde. Das ganze weiß kotzte mich jetzt schon an.“Ein solches Exemplar gibt es nur einmal auf der Welt. Ein Albinodiclonius. Aber lassen sie sich nicht von seiner scheinbaren Schönheit täuschen. Es wird sie ohne mit der Wimper zu zucken töten, wenn sie nicht aufpassen und das müssen sie, als Wärter, der speziell für es zugeteilt wurde. Fühlen sie sich dieser Verantwortung gewachsen?”
Er schaute mich musternd an.
Ich schenkte ihm einen kurzen Blick und schaute dann wieder geradeaus auf die nackte Kreatur vor mir.
Ich wurde seid meiner Kindheit zu einem Elitesoldat ausgebildet. Mein Vater, der dafür verantwortlich war, dass ich nie eine richtige Kindheit hatte, war der Leiter der weltweit größten Söldnerfirma und als sein Sohn musste ich natürlich in seine Fußstapfen treten.
Vielleicht wäre mein Leben anders gelaufen, wenn meine Mutter nicht bei meiner Geburt gestorben wäre. Tief in meinem Inneren wusste ich, mein Vater dachte, dass die Schuld an ihrem Tod bei mir lag, was er mich auch regelmäßig spüren ließ.
“Ich wurde mein ganzes Leben auf so eine Aufgabe vorbereitet”, das war zwar nicht ganz richtig, denn eigentlich wurde dazu ausgebildet Menschen zu töten und nicht, was auch immer sie ist.
“Gut”, der Professor nickte zustimmend. Ich schaute ihm auf die Brust, wo ein Clip mit seinem Namen hing. “Webster” war die Aufschrift. “Mister Webster …”, ich konnte meinen Satz nicht zuende bringen, da jener mich prompt unterbrach. “Bitte, nennen sie mich Amon.”
Ich räusperte mich kurz, um meinen Unmut zu unterdrücken und fuhr fort. “Amon, dieses Geschöpf liegt in Ketten”, ich wies mit meinem Kopf in ihre Richtung,”ich sehe keinerlei Bedarf für Sicherheitsmaßnahmen in diesem Umfang.”
Webster lachte. “Hector, ich darf sie doch so nennen?” Ohne auf meine Antwort zu warten, fuhr er fort.”Meinten sie nicht, dass sie auf diese Aufgabe vorbereitet sind? Mir scheint, sie wissen nicht womit sie es zu tun haben. Lassen sie mich etwas klarstellen. Dieses Ding ist ein Monster, dass sie unter keinen Umständen unterschätzen sollten! Es ist erst seit kurzem in unserem Besitz, deswegen können wir sein Potential noch nicht genau einschätzen. Eine Sache, die ab heute zu ihrem Aufgabengebiet gehört. Sie sollen dieses Ding einschätzen und falls nötig die Sicherheitsmaßnahmen verschärfen. Denn, wissen sie, diese Zelle hier entspricht unserem niedrigsten Sicherheitsstandards. Ihre Überwachung ausgenommen.
Aber um sie letztendlich von den Fähigkeiten dieses Subjekts zu überzeugen, werde ich ihnen zeigen zu was es fähig ist.”
Er winkte den niedriger gestellten Forschern zu. Diese fingen sofort an an irgendwelchen Geräten rum zu hantieren. “Wir sind soweit”, rief dann einer von ihnen.
“LOS!”, der Befehl vom Professor kam wie aus der Pistole geschossen und ich schrak zusammen, als ich kurz darauf ein lautes Donnern wie aus einer Kanone hörte.
Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass sie tatsächlich mit etwas kanonenkugelähnlichem auf die, an die Wand gefesselte Kreatur, schossen.
Im Bruchteil einer Sekunde wirbelte ich herum und packte den Professor gewaltsam am Kragen. “Wie können sie nur!”
Wieder lachte Webster. “Schauen sie doch.” Ich hörte nicht auf ihn. Verbissen verweilte mein Blick auf ihm. Wut stieg in mir auf.
Wie kann man nur so grausam sein. Sie mag vielleicht kein Mensch sein, aber man schießt doch trotzdem nicht auf eine wehrlose Kreatur.
Ich wollte ihm ins Gesicht schlagen, dann hörte ich ein Klong. Es hörte sich so an, als wenn etwas schweres auf den Boden fiel. Das einzige, was so ein Geräusch erzeugen konnte, war die Kanonenkugel, aber es waren Sekunden vergangen, seit sie abgefeuert wurde.
Nun wendete ich meinen Blick Richtung Zelle und was ich sah, ließ mich Webster loslassen.
Wut wich Fassungslosigkeit. Die Kugel, die bei ihrer Flugbahn mit Sicherheit das gefesselte Mädchen treffen sollte, lag ein paar Meter vor ihr auf dem Boden.
“Wie ist das möglich?”, stieß ich immer noch fassungslos aus.
“Sie hätten genauer hinschauen müssen, dann wüssten sie es. Aber wie es aussieht hatten sie nur Augen für mich”, seine Sticheleien brachten mich in die Realität zurück. Es ärgerte mich, dass ich so überreagiert hatte.
“Nochmal! Erhöhen sie auf 2.000 Joule!”
Noch bevor ich irgendetwas sagen konnte, ertönte wieder ein Kanonendonnern. Diesmal verfolgte ich ihre Flugbahn und was ich sah, konnte mein Verstand nicht begreifen.
Aus dem Rücken des Mädchens kamen 2 Arme hervor. Bleiche, durchsichtige Arme. Sie schlugen der Kanonenkugen entgegen. Als die Hände auf die Kanonenkugel schlugen, zuckte das Mädchen zusammen. Es schien so, als würden die Arme von der schieren Kraft der Kugel zurück gedrängt werden. Die Kugel bewegte sich weiter in die Richtung der Kreatur, nur etwas langsamer als zuvor. Dem Mädchen konnte man die Kraftanstrengung, die dieser Akt benötigte am Gesicht ansehen. Es war verkrampft und Schweißtropfen flossen ihre Wange lang.
Dann kam ein dritter Arm zum Vorschein, schwächer als die anderen beiden, fast kaum zu erkennen. Anders als die anderen 2 Arme schlug er nicht frontal auf die Kanonenkugel ein, sondern seitlich, was die Kugel dazu brachte ihre Flugbahn zu verändern.
Sie prallte nur knapp neben dem Bauch des Mädchens in die Wand ein.
Ich sah auf sie herunter. Auf ihr Gesicht. Und was ich sah, war Hass.
Hass in seiner reinsten Form.
Keuchend wand sie ihren durchdringenden Blick von uns ab.
“Notieren sie bitte den Verlauf und die Veränderungen, die sie heute beobachten konnten”, Webster rief den Forschern noch paar Befehle zu und klopfte mir auf die Schulter.
“Es geht den meisten so, wenn sie es das erste Mal sehen. Kommen sie, Hector. Ich muss ihnen noch die anderen Räumlichkeiten zeigen”, er zog mich sanft aber beharrlich aus dem Raum. Ich konnte meinen Blick wieder nicht von ihr wenden.
Sie ist wirklich etwas ganz besonderes.
Als sich die Tür hinter uns schloss, sah ich die Aufschrift, die daran befestigt war.

No. 41
Aufsichtslabor
 
 
'