A Heart Made Fullmetal

GeschichteRomanze / P18
Alphonse Elric Edward Elric OC (Own Character) Pinako Rockbell Roy Mustang Winry Rockbell
04.08.2018
01.05.2019
71
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Resembool… Eigentlich hatte sie noch nicht wirklich davon gehört. Aber woher auch? Und von wem? Sie erinnerte sich nicht an fürsorgliche Eltern oder Großeltern, nicht daran, woher sie eigentlich kam. Ihre Haut war nicht dunkel, ihre Augen nicht rot, also stammte sie nicht aus Ishbal. Ihre Haare waren haselnussbraun und lockig, ihre Augen grün wie ein Smaragd. Also kam sie wohl auch nicht aus Xing. Sie erinnerte sich kaum daran, wie lange sie schon völlig allein und heimatlos in Amestris umher wanderte. Die wenigen Erinnerungen die sie noch hatte, waren kaum relevant für sie. Ihr Geburtstag war irgendwann im Sommer und ihr Name Isabelle. Früher als Kind war es leicht, ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen zu bekommen. Aber niemals blieb sie lange dort... Später musste sie arbeiten, um zu überleben. Sie wurde eine gute Automailmechanikerin und verbesserte ihre Fähigkeiten in Werkstätten in ganz Amestris. Der Winter näherte sich und sie stand vor einem einfachen Schild. „Automail Rockbell.“ Ihr Magen knurrte laut, ihr Kleid war schmutzig und zerrissen. Aber irgendwie spürte sie, dass hier gute Menschen lebten…

Sie trat einen Schritt näher an das Haus heran, ein Hund bellte laut. Isabelle ging wieder einen Schritt zurück und als sie sich gerade dazu entschloss, wieder umzudrehen und zu verschwinden, öffnete sich die Tür und eine ältere, sehr kleine Frau mit Pfeife im Mundwinkel trat heraus. „Winry? Edward? Alphonse?“ Offensichtlich erwartete sie jemanden... Dann traf ihr Blick auf Isabelle. Die ältere, kleine Frau musterte sie von oben bis unten und Isabelle fühlte sich dabei sehr unwohl. Sie zog an ihrer Pfeife. „Es wird bald dunkel und ich habe das Abendessen auf dem Tisch. Und du junge Dame, siehst hungrig aus und als bräuchtest du Hilfe.“ Die kleine, ältere Dame drehte sich um und ging ins Haus zurück. Mitten auf der Türschwelle blieb sie stehen. „Kommst du nun rein oder nicht? Den wird dir schon nichts tun.“ Eine Pfote des Hundes neben ihr war eine Automailprothese und er wedelte fröhlich mit dem Schwanz. „O…Ok.“, stotterte Isabelle und ging mit ins Haus. Sofort überkam sie ein seltsames Gefühl. Noch immer dachte sie, dass hier gute Menschen lebten, aber eine leichte Betrübnis lag in der Luft. „Setz dich und iss etwas. Danach zeige ich dir, wo du ein Bad nehmen und schlafen kannst.“ Den schlich um Isabelles Beine, als sie sich setzte. „D…da… danke.“ „Du solltest an deinem Problem arbeiten“, sagte die kleine Dame, als sie Isabelle einen Teller Suppe und ein Stück Brot vor die Nase setzte. Was meinte sie? Sie schaute auf Isabelles Hände und ihren alten, befleckten Rucksack. „Sieht schwer aus. Bewahrst du Werkzeug darin auf?“ „J… ja.“ „Meine Enkelin und ich sind auch Automailmechaniker. Zurzeit ist sie fort und ich habe lange nichts von ihr gehört.“ Isabelle aß ein wenig von der Suppe. „Mein Name ist Pinako Rockbell.“ „I… is… Isabelle.“ Kein Nachname, keine Familie, keine Herkunft. Die kleine, ältere Dame biss ein Stück von ihrem Brot ab und gab den Rest dem Hund, der mit dem Stück im Maul hinaus lief. „Wenn du irgendwann bereit bist, mehr von dir zu erzählen, werde ich zuhören.“ Was bedeutete das? Das Isabelle hier bleiben konnte? „Du siehst nicht so aus, als könntest du irgendwo hin und jetzt wo meine Enkelin nicht da ist, könnte ich Hilfe in der Werkstatt gebrauchen. Du arbeitest für dein Zimmer. Morgen früh gehen wir los und kaufen Stoff für ein neues Kleid. Das alte hat seine besten Tage offensichtlich hinter sich. So wie ich.“ Sie lachte und zog an ihrer Pfeife. Wo hatte sie die plötzlich her? „Die Sachen meiner Enkelin werden dir nicht passen.“ Starrte diese alte, kleine Frau gerade auf Isabelles Busen? Ihre Wangen erröteten und sie aß in Blitzgeschwindigkeit ihre Suppe auf.

„Die Treppe rauf ist ein Zimmer frei.“ Im Flur bemerkte Isabelle eine Wand mit Fotos. Das blonde Mädchen war bestimmt Pinakos Enkelin Winry. „W... Wer sind diese Jungs?“ Ein Foto zeigte eine Familie. Eine hübsche, junge Frau hielt einen süßen, kleinen Jungen mit Schnuller im Arm, ein Mann, dessen Gesicht verdeckt war, hielt einen weiteren Jungen auf dem Arm. So ein lausbübisches Grinsen hatte Isabelle noch nie gesehen. Ihr wurde warm ums Herz und auch sie musste lächeln. „Edward und Alphonse. Es ist kompliziert mit ihnen und dabei belassen wir es erst einmal. Vielleicht lernst du sie eines Tages kennen.“ Pinako ging vor Isabelle die Treppe hinauf und zeigte ihr das Zimmer. Ein Bett, eine Kommode und ein schmaler Kleiderschrank. Es war nicht viel, aber viel mehr, als Isabelle lange hatte. „I… ich d.. danke ihnen, Pinako.“

Ausgeschlafen und sauber wachte Isabelle am nächsten Tag auf. Erst jetzt merkte sie, dass ihre Füße brannten. Aber das war nicht wichtig. Sie atmete tief ein und aus und irgendwie fühlte sie sich wohl. Es war ein seltsames Gefühl, beinahe unbekannt für sie. Vor allem nach nur einer Nacht in diesem Haus. Aber sie wollte die Chance, hier als Automailmechanikerin zu arbeiten, nutzen. Vielleicht sogar den ganzen Winter, wenn es Pinako recht war. Aber das würde sich alles noch zeigen.

Als sie aus dem Bett aufstand, sah sie ein Kleid auf der Kommode liegen. Es sah fast genauso aus wie ihr altes. Beige, knielang, mit weitem Rock und schmalen Trägern, die um den Hals gingen. Sie zog es an und band sich wie immer ein Tuch um die Stirn, um ihr lockiges, haselnussbraunes Haar zu bändigen. Über der Kommode hing ein kleiner Spiegel und Isabelle sah kurz hinein. Eigentlich war sie ja ganz hübsch… und sie fragte sich, ob sie ihrer Mutter oder ihrem Vater ähnlich sah? Auch wenn sie sich nicht mehr an sie erinnern konnte, musste auch sie Eltern haben. Sie wünschte sich so sehr, sich an sie zu erinnern. Nur für einen kurzen Augenblick. Aber da war nichts…

„Isabelle? Bist du wach? Ich habe Tee und Brot für dich.“ Pinako klopfte an ihre Zimmertür. „Ja, ich bin wach und bereit.“ Pinako betrat das Zimmer. „Gleich kommt der erste Kunde vorbei. Wenn du willst, seh ich mir direkt an, was du drauf hast.“ Sie lächelte und auch Isabelle lächelte. Diese kleine Frau war schon etwas ganz besonderes. Das spürte Isabelle. Sie trank eine Tasse Tee und aß ein Stück Brot. „Was ist eigentlich mit deinem Problem?“, fragte Pinako verwirrt. „Welches Problem?“ Isabelle wusste noch immer nicht, was Pinako eigentlich meinte. „Na, du hast eben gar nicht gestottert.“ Isabelle lachte verschämt. „Ich war gestern nur sehr aufgeregt. Ich stottere eigentlich nicht!“ Pinako lachte herzhaft. „Oh je… Naja, komm doch mit runter. Dann zeige ich dir deinen Arbeitsplatz.“ Isabelle nickte und folgte Pinako. An der Wand mit den Fotos blieb sie stehen. „Sind Edward und Alphonse auch ihre Enkel?“ Pinako zog an ihrer Pfeife. „Oh nein! Ich bin nur ihr Vormund.“ „Heißt das, sie haben keine Eltern mehr?“ Pinako machte eine Pause, bevor sie antwortete. „Sozusagen. Ihre Mutter ist gestorben und ihr Vater hat die Familie verlassen.“ Sie waren also allein. So wie Isabelle… Nur dass sie nicht mehr wusste, was mit ihren Eltern geschah. Und sie fragte sich, wie man zwei so süße Jungs nur im Stich lassen konnte… „Sie sind jetzt älter und auf Reisen.“ „Ist ihre Enkelin mit ihnen unterwegs?“ „Das hoffe ich… Aber jetzt sollten wir uns an die Arbeit machen!“ Offensichtlich, war das nicht alles, was es über die Jungs und Pinakos Enkelin Winry zu erzählen gab. Aber Isabelle hatte Verständnis, dafür kannte man sich einfach zu wenig. Die Werkstatt beeindruckte Isabelle. Es war sortiert und aufgeräumt. „Winry mag es nicht, wenn man ihr etwas durcheinander bringt. Aber auch du musst dich ja hier einrichten. Wir bekommen das schon hin.“

„Danke Pinako! Sie sind doch die Beste!“ Ein Kunde verabschiedete sich überschwänglich von Pinako. Er war der letzte für heute. „Heute war ein ganz guter Tag. Es kommen aber nicht jeden Tag so viele her, die eine Wartung oder eine Reparatur brauchen. Zur Nachsorge nach der Operation ist zurzeit auch niemand hier.“ Isabelle konnte nicht zugeben, dass sie froh darüber war. Denn die Nachsorge nach einer Automailoperation bedeutete engen Kontakt mit den Menschen. Und den versuchte sie doch weitestgehend zu vermeiden. Auch wenn das natürlich nicht immer möglich war. Aber es war ja auch irgendwie etwas anderes, wenn sie jemanden berührte, zum Beispiel während sie eine Automail anbrachte oder wartete. Wenn allerdings jemand sie berühren wollte… So wie Pinako, die ihre kurzen Arme ausbreitete, um die junge Dame zu umarmen, die ihr heute so eine große Hilfe in der Werkstatt war. Isabelle war erst wie erstarrt, aber sobald sie auch nur minimal spürte, wie Pinako sie berührte, schubste sie sie weg und schrie beinahe hysterisch. „Nein! Nein! Nicht!“ Pinako zuckte augenblicklich erschrocken zusammen und Isabelle rannte rauf in ihr Zimmer. Wenig später klopfte Pinako an ihre Tür. „Isabelle? Kann ich rein kommen?“ Zögerlich antwortete Isabelle. „Ok.“ Wie sie so auf ihrem Bett saß, zusammengekauert wie ein Häufchen Elend, wirkte sie auf Pinako wie ein kleines, verstörtes Mädchen. „Ist alles in Ordnung?“ Isabelle schüttelte den Kopf. „Nein.“ Sie machte eine Pause. „Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich sie geschubst habe.“ Pinako ging langsam auf Isabelle zu und setzte sich zu ihr aufs Bett. „Nachdem wir heute so gut zusammen gearbeitet haben, solltest du auch du zu mir sagen.“ Isabelle nickte. „Ok.“ „Und ich nehme die Entschuldigung an. Es ist ja nichts passiert. Willst du mir erklären, warum das passiert ist?“ Isabelle sah verschämt, mit traurigem Blick, zu Boden. „Ich weiß es nicht. Es passiert einfach. Immer, wenn ein Mensch mich berührt. Dann bekomme ich Panik und es passiert DAS.“ Pinako nickte. „Verstehe.“ Sie hüpfte vom Bett und ging Richtung Tür. „Vielleicht finden wir es ja irgendwann heraus.“ Auf der Schwelle blieb sie stehen. „Es wäre nett, wenn du mir mit dem Abendessen behilflich sein könntest.“ Isabelle stand sofort auf. „Natürlich! Sehr gerne.“ Sie war froh darüber, dass Pinako so freundlich und verständnisvoll reagierte. Und sie war froh, hier gelandet zu sein. Hier, in Resembool.
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