Unverhofft kommt oft

von finngirl
GeschichteAllgemein / P12
04.08.2018
24.01.2020
88
370.262
27
Alle Kapitel
163 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
06.08.2018 4.566
 
Wow... ich bin ein bisschen geflasht von 15 Favoriten-Einträgen und den ersten drei Kommis von treuen Lesern *euch zuwink*.
Hoffentlich habt ihr weiterhin Spaß und weil ich so erfreut bin, gibt's ganz schnell ein zweites Kapi, das auch ein wenig länger als das erste ist :)
Vielen Dank für Klicks, Einträge, Kommis...
Viel Spaß!!!
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Als sie am nächsten Morgen um neun am Flughafen war – sicher ist sicher – trank sie gerade einen Kaffee. Auf der Liste von Dany hatte sie gelesen, dass er am liebsten schwarzen Kaffee trank. Sie würde also, wenn sein Flug als „im Landevorgang“ angezeigt würde, einen Kaffee für ihn holen. Wenn er ihn nicht wollte, könnte sie ihn selbst trinken. Den vierten dann. Sie war müde, hatte es aber geschafft, frisch auszusehen. Außerdem war sie aufgeregt und wippte mit dem rechten Bein, welches sie übergeschlagen hatte, nervös auf und ab. Immer wieder sah sie auf die Uhr, prüfte, ob ihr Tablet dabei war, ob sie den Hausschlüssel von Cavill noch hatte und ob sie noch anständig aussah. Sie hatte sich kaum geschminkt, mochte das nicht. Ihre Haare waren leicht zu bändigen, seit sie den kinnlangen Bob trug und zwischen den Zähnen hing auch nichts. Das hatte sie schon mehrfach kontrolliert.
Kurz vor zehn landete der Flieger aus L.A. und sie holte einen Kaffee. Sie postierte sich gegenüber von der Schiebetür, aus der alle Reisenden kamen und wartete darauf Henry Cavill und seinen Hund zu sehen.
Glücklicherweise warteten keine Fans. Trotzdem wartete der Fahrdienst nicht am Haupteingang, sondern an einem Seiteneingang, zu dem sie vom Sicherheitsdienst des Flughafens gebracht werden würden. Einmal mehr ging sie den Tagesablauf für diesen Tag durch, als die Tür sich wieder öffnete und Tara aufsprang, um parat zu stehen.
Aber erst, als alle anderen Fluggäste weg waren, öffnete sich die Tür ein weiteres Mal und eine haarige Hundeschnauze erschien. Die Leine endete in der starken Hand von Henry Cavill, der tatsächlich nur Jeans und ein Hemd trug.
„Henry Cavill?“ Tara sprach ihn automatisch an. „Hallo, ich bin Tara Holmes, Danys Vertretung. Ich hoffe, sie hatten einen angenehmen Flug.“ Sie lächelte freundlich und sah ihm ins Gesicht. Er sah müde aus und sie presste kurz die Lippen aufeinander. „Möchten sie einen Kaffee? Schwarz?“
„Super.“, seufzte er und nahm den Kaffee, den sie ihm hinhielt entgegen. Das hatte Dany noch nie gemacht. Zufall oder gewollt?, fragte er sich. „Danke. Genau das brauche ich jetzt.“, murmelte er und nahm einen großen Schluck. „Wo geht es zum Wagen?“
„Sie haben alles an Gepäck?“
Er trug nur einen Handkoffer bei sich, nickte aber. „Ich reise mit leichtem Gepäck. Das ist übrigens Kal. Er… mag alle Menschen.“ Kurz lachte Henry, streichelte seinem Hund den Kopf und sah Tara dann an. „Okay, also der Wagen?“
„Folgen sie mir einfach. Soll ich ihnen den Koffer abnehmen?“
Henry sah sie an. Sie bot ihm wirklich an, seinen Koffer zu tragen? Sie war… eine Frau! Und er war ein Mann. Dazu ein trainierter, sportlicher Mann… nein. Auch, wenn sie gerade für ihn arbeitete, das würde er nie zulassen. „Danke, aber… ich denke, das kann ich alleine.“
Tara nickte und hoffte, nichts falsch gemacht zu haben.
Fünf Minuten später packte der Fahrer den Koffer in den Kofferraum und Henry rutschte auf die Rückbank des Wagens.
Unschlüssig, ob sie zu ihm rücken sollte, stand sie noch an der Tür.
„Kommen sie nicht mit, Tara?“, wollte Henry wissen und deutete auf den Platz neben sich. Kal hatte sich auf dem Fußboden hingelegt.
„Doch, natürlich. Entschuldigen sie die Verzögerung.“
„Entschuldigen sie sich bitte nicht dauernd.“, seufzte Henry. Ja, er war ein Schauspieler, ja, er war reich und erfolgreich, aber…“
„Entschuldigung…“ Sofort drückte sie beide Augen zu und seufzte. „Ja… also… Dany meinte, ich sollte ihnen meine Nummer direkt geben. Darf ich sie in ihr Handy einspeichern?“
Henry sah sie an. Sie war nervös, wollte keinen Fehler machen. Und er kannte Dany. Wenn er sich bei ihr über Tara Holmes beschweren würde, würde sie in den nächsten Jahren keinen direkten Klienten-Kontakt mehr haben. „Nein.“, schüttelte er den Kopf.
„Oh… aber… ich besitze keine Karte…“ Sofort wühlte sie in ihrer Tasche, um einen Stift und einen Zettel zu finden.
„Hier. Meine Nummer. Rufen sie mich einfach an, dann habe ich ihre Nummer.“ Henry schob ihr grinsend eine Karte zu. Es amüsierte ihn, wie zurückhaltend sie war und wie sie versuchte keinen Fehler zu machen.
„Mr. Cavill… sind sie sich sicher?“, fragte Tara.
„Henry, bitte, ich bin Henry. Wir können doch du sagen. Oder?“, bot er ihr dann an und sie nickte.
„Tara.“
„Ich weiß. Also… wenn ich dir meine Karte mit meiner Nummer gebe und sage, dass du  mich anrufen sollst, damit ich deine Nummer habe, dann kannst du davon ausgehen, dass es okay ist, dass du meine Nummer ab sofort hast. Wir werden die beiden nächsten Wochen immer wieder miteinander zu tun haben. Es ist also okay.“ Er lächelte, sprach ruhig und fragte sich, wie viel Druck Dany ausgeübt hatte, um Tara, die ziemlich taff zu sein schien, so einzuschüchtern. Und ja, er wusste auch, dass es Dany darum ging, ihre Klienten zufrieden zu machen. „Okay?“, fragte er noch mal und lächelte, als Tara die angehaltene Luft ausstieß und nickte.
„Okay.“, antwortete sie, tippte die Nummer in ihr Handy und klingelte bei ihm an, nachdem sie seinen Namen dazu gespeichert hatte.
Lächelnd griff er zu seinem Handy, nickte und tippte danach ihren Namen, um ihre Nummer abzuspeichern. „Gut, das war doch schon mal ein guter Anfang.“ Er hob den Kaffeebecher und das Handy in die Luft. „Hast du meine Adresse?“
„Ich hab eingekauft und durchgelüftet.“, nickte Tara und zückte ihr Tablet, um ihre Liste mit den Anweisungen zu überprüfen. „Es ist alles da. Auch das Hundefutter.“
Henry saß entspannt da, beobachtete sie aber aufmerksam. „Du bist Engländerin?“
„Ja.“
„Das hört man.“ Er wollte sie etwas auflockern. „Wo kommst du her?“
„Aufgewachsen bin ich Deal, lebe aber seit zehn Jahren in London. Und jetzt in L.A..“
„Deal. Netter kleiner Ort.“
„Ja. Ich liebe es dort zu sein. Was nur selten passiert. Meine Großeltern leben noch dort.“
„In der Stadt oder am Meer?“, hakte Henry nach.
„In einem Haus am Meer.“ Tara lächelte verträumt.
Das gefiel Henry. Sie war also keine abgeklärte Person, der alles andere egal war. Nein, sie hatte Gefühle und konnte sich begeistern. „Schön. Das Meer ist… besonders. Ich bin am Meer aufgewachsen. Auf einer Insel.“
„Ich weiß.“, nickte Tara. „Ich hab versucht, mich ein wenig zu informieren, aber… Dany gibt nicht viel preis und im Internet… steht vermutlich auch viel Unsinn. Aber Jersey Island stimmt?“
„Stimmt.“ Henry lächelte und Tara bemerkte die Grübchen in seinen Wangen, die Fältchen um seine Augen. „Du kommst mir bekannt vor.“, meinte er dann. Irgendwo hatte er sie schon gesehen, aber er kam nicht drauf.
„Danys Geburtstag. Ich war auch da.“
„Haben wir miteinander gesprochen?“
„Nein. Ich… halte mich gern im Hintergrund auf.“, gab Tara zu und sah, dass Henry überlegte, ob er sie wirklich dort gesehen hatte. „Wir hatten kurz Blickkontakt. Irgendwann.“, murmelte sie dann.
Henry überlegte. Mit wem hatte er Blickkontakt gehabt? So sehr, dass man es auch als Blickkontakt erkennen konnte. Meist versuchte er bei Unbekannten, wenig Blickkontakt zu halten. „Ich…“ Er schüttelte den Kopf.
„Schon okay. Ich bin niemand, an den man sich erinnern muss.“, lächelte Tara, schob eine Haarsträhne hinter die Ohren, als er sich kurz aufs Knie schlug.
„Deine Haare waren aber länger!“, rief er aus und Kal hob kurz den Kopf.
„Ja…“, nickte Tara.
Henry nickte. Sie war also die junge Frau gewesen, die so erschrocken weggesehen hatte, als sie seinen Blick bemerkt hatte. Und er hatte sie nur angesehen, weil sie seinen Blick magisch angezogen hatte. Das war ihm schon lange nicht mehr passiert. Aber nachdem sie dann verschwunden war, hatte er sich auch nicht mehr darum gekümmert, wer sie war. Dafür hatte er keine Zeit und Dany würde er nicht fragen.
„Okay, vielleicht… könnten wir kurz den Ablauf für morgen durchgehen?“, holte Tara ihn aus seinen Gedanken und er fuhr sich kurz durch die Haare.
„Ehrlich? Ich würde am liebsten… nach Hause und… aufs Sofa.“
„Okay. Dann… schicke ich die Termine einfach aufs Handy, ob alles so okay ist für dich.“, murmelte Tara jetzt schüchtern. Sie kannte sich selbst nicht mehr, aber… seine Erscheinung raubte ihr den Atem. Dazu alles, was Dany ihr immer sagte: Zurückhaltung, Professionalität… Leise seufzte sie. „Tut mir leid, wenn ich zu viel will oder zu schnell bin…“ Sie hielt inne, da der Wagen hielt. „Wir sind da.“ Kurz stieg sie aus und wartete, bis Henry seinen Koffer und Kal hatte, bevor sie ihm zur Haustür folgte. „Willst du kurz nachschauen, ob alles okay ist?“
„Kommst du nicht mit rein?“, wunderte sich Henry. Sie wollte doch eben noch die Tagesabläufe abgleichen.
„Ehm…“
„Okay…“ Er zog die Augen zusammen. „Du kommst mit rein. Drinnen sag ich dir ein bisschen was zu mir und unserer Zusammenarbeit.“
„Ehm…“
„Tara… bitte.“ Henry schloss die Tür auf, ließ Kal von der Leine, der sofort aufgeregt alles abschnüffelte und ließ sie an sich vorbei in sein Haus gehen. Als sie an ihm vorbei lief, holte er Luft und mochte sofort ihren frisch-fruchtigen Duft. Und sein Blick wanderte über ihre Rückseite. Der Rock stand ihr und sie hatte tolle Beine. In Ballerinas. Schon ewig hatte er keiner Frau mehr gegenüber gestanden, die Ballerinas trug, anstatt von Highheels. „Setz dich bitte.“, deutete er aufs Sofa. „Ich gebe Kal nur Futter und Wasser und lasse ihn in den Garten. Dann hole ich meinen Kalender und wir gleichen alles ab, bevor ich dir ein paar Takte zu mir sage. Ja?“
Tara nickte schnell, schob sich wieder eine Strähne hinters Ohr und tippte auf ihrem Tablet herum, während sie immer wieder verstohlen zu Henry sah, der seinen Hund versorgte.
„Möchtest du was trinken?“
„Bitte?“
„Ob du was trinken möchtest. Wow…“ Henry grinste und Tara starrte auf seine sinnlichen Lippen.
Dann blinzelte sie. „Ehm… gern. Ein Wasser.“
„Wasser? Musst du noch fahren?“
„Nicht zwingend, aber…“
„Darf ich dir ein Bier anbieten? Ich hab in meinem Kühlschrank ein paar Flaschen entdeckt.“
Tara lief rot an. „Das… also, wenn du die Sorte nicht magst oder lieber…“
„Darum geht es gerade nicht.“, stellte der Schauspieler klar. „Ich wollte wissen, ob du eins möchtest. Sonst nichts.“
„Ehm…“
Henry seufzt und ließ den Kopf kurz nach unten fallen. „Was hat Dany dir über mich erzählt? Ich komm mir vor wie ein Monster!“
„Nein! Nein, wirklich… es liegt… an mir… Das ist mein erster Auftrag, den ich ohne Dany erledige und… ich will nur nichts falsch machen…“
„Du warst bisher besser, als Dany es jemals war.“ Henry sah sie mit schief gelegtem Kopf an.
„Bitte?“
„Der Kaffee. Dany hatte noch nie einen Kaffee für mich. Du bietest mir an, meinen Koffer zu tragen, obwohl – nichts gegen dich, aber du bist eine Frau. Keine Frau sollte einem Mann den Koffer tragen… Ahh, still.“ Henry wackelte mit dem Finger, weil Tara etwas erwidern wollte, holte zeitgleich mit der anderen Hand zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank und öffnete sie dann. „Außerdem hast du besser eingekauft, als Dany es jemals hat machen lassen. Ich finde nicht den teuersten Käse hier in meinem Kühlschrank, dafür einen, den ich wirklich gerne mag. Woher weißt du das?“
„Ich… hab den genommen, den ich am liebsten mag.“, murmelte Tara erstaunt.
„Oh… super. Und… du willst mir nicht auf den Geist gehen. Dany hätte jetzt schon etliche Storys aus L.A. und von irgendwelchen Filmrollen erzählt. Sie hätte mir Termine zugeschickt, die ich wahrnehmen muss, um mindestens drei Filmrollen in den nächsten zwei Jahren zu ergattern…“, zählte er auf. Lächelnd. Immer mit freundlichem Blick und sanftem Ton. „Und ich mag Dany wirklich. Sie ist eine tolle Frau, die genau weiß, was sie will. Leider vergisst sie darüber hinaus manchmal, was ich will, wenn sie gerade für mich arbeitet. Und du? Du sitzt hier, versuchst freundlich und hilfsbereit zu sein und alles richtig zu machen. Danke.“ Jetzt atmete Henry nach seinem Monolog durch und setzte sich Tara gegenüber in einen Sessel, reichte ihr eine der beiden Bierflaschen und hielt seine so hin, dass sie anstoßen könnten. „Und nicht vergessen, beim Anstoßen in die Augen schauen, sonst wird der Sex die nächsten sieben Jahre schlecht. Und, wenn ich von meiner Situation mal ausgehe, wäre das ziemlich erbärmlich.“ Schon hatte sich wieder ein Grinsen auf seine Lippen geschlichen und er sah Tara auffordernd an.
Die schloss gerade den Mund, als wäre sie ein Fisch auf dem Trockenen und veranlasste Henry mit ihrem hilflosen Gesichtsausdruck zu einem Lachen.
„Stoß einfach mit mir an.“, bat er dann, als er sich beruhigt hatte, ihr wieder ein Lächeln schenkte, seine Grübchen offenbarte und sie offen ansah. „Hast du gewusst, dass ich ein zweifarbiges Auge habe?“, fragte er.
Sofort sah sie ihm in die Augen, während er einfach seinen Flaschenboden an ihren klirrte und grinste. „Na also. War doch gar nicht so schwer.“
Tara musste kurz schmunzeln. „Du hast mich reingelegt.“, stellte sie klar und nahm dann, zu Henrys Erleichterung, einen Schluck vom Bier.
„Nein. Das stimmt wirklich. Das hast du echt nicht gewusst? Wow… was weißt du noch nicht über mich? Okay, lass mich raten: du weißt nicht, dass ich nicht beiße und am Ende einfach nur ein paar kleine ruhige Minuten zwischendurch will. Es ist mein Job Interviews zu geben, Fans glücklich zu machen, meine Rollen gut vorzubereiten und zu spielen, aber… dazwischen möchte ich atmen. Okay? Das wäre mir in den nächsten Tagen wichtig.“
Tara nickte. „Klar. Alles, was du willst.“
„Alles? Echt? Auch, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich absolut keine Lust auf diese ganzen Interviews habe?“
Tara sah ihn geschockt an. „Also…“
„Entschuldige. Nein… natürlich nehme ich meine Termine wahr. Die sind vertraglich zugesichert. Dany würde mich dezent vierteilen. Vermutlich, nachdem sie dich gesechstelt hat.“ Er zeigte ein freches Grinsen und stellte die Bierflasche ab. „Wir sind schon… wow… grade mal Mittag und wir trinken ein Bier. Egal. Also.. was steht alles auf dem Plan?“
Tara blinzelte verwirrt und versuchte dem Themenwechsel zu folgen. Also öffnete sie wieder den Kalender auf dem Tablet und klickte den Tag an. „Heute Abend das Essen mit deiner Familie. Dany meinte, es wäre alles soweit klar, es sei denn… du möchtest was anderes, als das, was schon geplant war.“
„Was war denn geplant?“ Henry zog die Stirn in Falten und sah zu, wie Tara fast schon hektisch über ihr Tablet wischte.
„Ich… hab keine Ahnung.“, gab sie dann leise zu. „Vermutlich hat Dany ein Catering bestellt oder so…“ Die junge Frau sah zu, wie Henry sich in seiner gesamten Gestalt erhob und sein Handy von der Kommode im Eingang nahm. „Rufst du Dany an?“, rief sie fast schon erschrocken.
„Was? Wieso sollte ich. Nein. Ich schaue in meinen Nachrichten, was wir abgesprochen hatte.“, beruhigte er Tara sofort. „Wieso sollte ich sie anrufen? Sie ist krank. Oder?“, wunderte sich der Schauspieler und schnaufte kurz, während er sich durch seine Nachrichten mit Dany scrollte. „Ahh… ich hab mir echt Chinesisch gewünscht?!“ Ungläubig starrte er aufs Handy. „Wie gut, dass Dany mir die Nummer geschickt hat.“, murmelte er und hielt sich das Telefon ans Ohr.
Tara sah ihm ungläubig zu. Was tat er? Und im nächsten Moment überlegte sie schon, was sie ihm stattdessen anbieten könnte.
„Cavill hier… ja… es geht um das bestellte Catering… genau. Ja… Ich würde es bitte abbestellen, wenn das noch geht? … Super. Danke! Irgendwann komme ich auf jeden Fall wieder auf ihr Restaurant zurück. Vielen Dank. … Ja, ihnen auch. Auf Wiederhören.“ Er legte auf. „So, das wäre erledigt. Chinesisch, Cavill, echt jetzt.“, schüttelte er über sich selbst den Kopf und kehrte zurück zu Tara.
„Okay… was… auf was hast du Lust? Was soll ich besorgen?“, schaltete die direkt in den Arbeitsmodus und sah ihn an.
„Ich will einfach grillen. Ich möchte mit meiner Familie grillen, Tara. Steaks, ein bisschen Gemüse, leckeres Brot, einen guten Salat… Bier. Die paar Flaschen werden dafür nicht reichen.“
„Okay… wieviel Personen sind es? Ich kenne deine Familie nicht.“, entschuldigte sich Tara sofort.
„Ich habe zwei Elternteile, vier Brüder, die verheiratet sind. Insgesamt habe ich eine Nichte und zwei Neffen…“
Tara rechnete blitzschnell im Kopf mit. „Zehn Erwachsene, drei Kinder. Okay. Vegetarier?“
„Nein. Aber wir lieben frisches Gemüse und Obst.“ Henry grinste in sich hinein. Tara würde sich vermutlich aufopfern, um ihn zufrieden zu stellen, dachte er. Dabei strahlte sie eigentlich Stärke und Sicherheit aus. Zumindest war es ihm so auf Danys Party durch den Kopf gegangen. „Ach ja, die Kids dürfen nur ungesüßte Limonade oder Säfte trinken.“ Er sah zu, wie sich Tara Notizen machte und eifrig nickte. „Und meine Schwägerinnen trinken gerne mal… Sekt. Und Wein, wir mögen guten Rotwein.“
Wieder tippte Tara.
„Und ich mag es, selbst einkaufen zu gehen.“
Während Tara diese Information in ihr Tablet tippte, kam der Inhalt bei ihr an und sie hob den Kopf. „Du willst also…“
„Ja.“
„Dann… muss ich den Fahrer anrufen.“
„Nein.“ Henry schüttelte den Kopf. „Das ist meine Freizeit, Tara. Dafür nehme ich meinen eigenen Wagen, mein eigenes Geld, meine eigenen Einkaufstaschen und meine eigene Einkaufsliste, die ich im Kopf habe.“, erklärte er. „Deswegen…“ Er griff nach den beiden Bierflaschen, drückte die Deckel wieder drauf und brachte sie in den Kühlschrank. „lassen wir Kal jetzt wieder rein und machen uns auf den Weg.“
„Wir?“ Tara sprang auf.
„Hast du andere Pläne?“
„Nein. Keine eigenen Pläne, solange ich arbeite.“
„Aber im Grunde hättest du jetzt Freizeit?“
„Jein. Auf Abruf natürlich.“, gab Tara zu.
„Okay… dann… hättest du Lust mit mir einkaufen zu gehen? Du hast da ein Händchen für, glaube ich. Wenn ich dem Inhalt meines Kühlschrankes glauben darf. Und dann… hättest du Lust als Dankeschön nachher dabei zu sein? Grillen, lecker essen… ein Glas Wein oder eine Flasche Bier…“
„Wir müssen morgen Vormittag zu den Interviews.“
„Ich habe nichts von sinnlosem Betrinken gesagt. Aber du musst nicht. Wenn du jetzt sagst, dass du einfach in dein Hotel willst…“
„Wohnung.“
„Wow, Dany lässt sich deinen Einsatz was kosten. Sie muss viel von dir halten.“
„Es ist meine eigene. Sie gehört mir.“
„Du lebst hier?“
„Nein. In L.A.. Die meiste Zeit.“
„Umgekehrt zu dem, was ich so mache.“
„Ja.“
„Also… wenn du lieber nach Hause willst, fahre ich dich heim, gehe einkaufen und treffe nachher meine Familie. Wenn du Lust hast, bist du aber herzlich eingeladen.“ Während Henry seine Einladung aussprach, führte er Tara, die ihr Tablet wieder eingepackt hatte, zur Haustür, rief seinen Hund, schloss dann schnell die Tür zum Garten und sah Tara abwartend an. „Also?“
„Ich…“
„Puh.“ Henry schnaufte und steckte die Hände in die Hosentasche. „Das ist wirklich hart, Tara. Ich… habe das Gefühl, ich verlange Unmögliches von dir. Ich glaube… es ist besser, wenn wir uns morgen Vormittag einfach wieder sehen.“
Tara schwieg und Henry nickte.
„Dann… lass uns gehen. Ich bringe dich trotzdem… nein, darf ich dich trotzdem nach Hause fahren?“
„Nein… also doch… ich meine…“
„Ja?“ Henry zog die Tür hinter sich ins Schloss und ging zur Garage, die er mit einem Knöpfchen an seinem Schlüsselbund öffnete.
„Ich würde die Einladung ja wirklich gern annehmen. Ich hab nur keine Ahnung, ob es wirklich okay wäre. Das liegt nicht an dir, sondern daran…“
„Bist du ein Fangirlie?“ Henry drehte sich zu ihr um. „Sag es bitte gleich, dann… kann ich Dany darum bitten, jemand anderes zu schicken.“
„NEIN!“ Tara schloss die Augen. „Okay… ich gebe zu, dir gegenüber zu stehen ist nicht gerade das, was eine Frau als Gleichgültigkeit beschreiben würde. Aber ich bin kein Fangirlie. Ich habe nicht mal alle deine Filme gesehen oder so. Alles, was ich weiß, weiß ich von Dany oder habe versucht ein paar Infos zu bekommen. Mehr nicht. Ich will einfach nichts falsch machen, nicht aufdringlich sein und trotzdem… präsent.“
Henry hob die rechte Augenbraue, wie so oft, wenn er skeptisch war. Oder eben erstaunt, so wie jetzt.
„Wirklich. Was soll Dany denn von mir denken, wenn ich… einfach am Abendessen mit deiner Familie teilnehme?“
„Wieso? Würdest du es ihr als Arbeitsstunde anrechnen?“ Henry deutete Tara in den Wagen zu steigen und sie kam der Aufforderung nach.
„Nein, natürlich nicht. Zumal ich sowas wie einen Pauschalverdienst habe. Und selbst wenn nicht, wäre es egal. Es ist nicht das Geld, weswegen ich den Job gut machen will.“
„Was ist es dann?“ Henry schnallte sich an, wartete, bis Tara auch angeschnallt war und fuhr aus der Garage.
„Auch, wenn es gerade sicherlich paradox klingt: ich liebe den Kontakt zu Menschen. Ich kann Dinge organisieren und führen und… mache sowas gern. Bevor Dany mich angeworben hat, war ich Hostess für diverse Veranstaltungen, war also immer diejenige, die nach dem Plan eines anderen agiert hat. Aber ich wollte mehr und Dany hat erkannt, dass ich mehr kann. Sie hat… mir eine Chance gegeben und ich will sie nicht enttäuschen. Und gerade hab ich keine Ahnung, was sie mehr enttäuschen würde: wenn ich dir sage, dass ich an diesem Abend teilnehme, einfach, weil…“
„Ich dich kennenlernen will.“, unterbrach Henry Tara kurz. „Schließlich müssen wir die beiden nächsten Wochen miteinander auskommen.“, stellte er klar.
„Ja… oder wenn ich absage und das eventuell heißt, dass… du mich bestenfalls für einen Fan hältst, der zufällig an diesen Job gekommen ist und Dany sagst, dass… ich es nicht drauf habe, dass ich nicht diejenige bin, die sich weiterhin um deine beruflichen Belange kümmern sollte.“, schloss Tara jetzt und legte ihre Hände in ihren Schoß. „Das war’s.“ Kurz sah sie nach Links und versuchte seine Reaktion zu deuten.
Henry starrte auf die Straße, achtete auf die rote Ampel, fuhr wieder an und schwieg.
„Du weißt gar nicht, wo ich wohne.“, murmelte Tara.
„Ich hoffe noch immer, dass du zusagst und Dany ein bisschen enttäuschst. Sie hat dir verboten zu bleiben. Oder?“, wollte er direkt wissen. „Sie weiß, wie sehr ich meine Privatsphäre schütze.“ Henry war ein Meister im „Nettsein“. Niemals würde er jemanden vor einem anderen schlecht machen. Dany schon gar nicht, er hatte ihr viel zu verdanken. Aber dass ihr Schützling, den sie ihm geschickt hatte, so eingeschüchtert war, nahm er Dany ein wenig übel. Er war kein Monster und er liebte den Kontakt zu den Menschen, sofern sie ihm seinen Freiraum ließen.
Tara schwieg. Auch sie würde Dany niemals vor jemandem bloß stellen. Aber Henry hatte Recht. Er kannte seine Managerin ziemlich gut. Aber Tara war loyal. Also schwieg sie lieber.
„Hilfst du mir einkaufen? Dann fahre ich dich nach Hause.“, seufzte der Schauspieler jetzt und sah Tara von der Seite an. Es wäre ja auch nur zu schön gewesen, endlich mal jemand Nettes kennen zu lernen. Er mochte es nicht, wenn Mitarbeiter, mit denen er viel zu tun hätte, wie Fremdkörper neben ihm wirkten. Das war er nicht. Er war berühmt und beliebt, ja, aber auch er brauchte Leute, denen er vertrauen konnte und die ihn auf dem Boden hielten. Da seine Familie ihn nur selten begleiten konnte, waren es im Grunde seine Manager oder Tourassistenten, in Zeiten wie diesen.
Die letzten, die Dany ihm an die Seite gestellt hatte, in Paris zum Beispiel, waren entweder ZU aufdringlich gewesen oder hatten sich zu rar gemacht. Durch Taras erstes Auftreten am Flughafen, hatte er gehofft, dass es endlich anders werden würde. „Würdest du mir also mit dem Einkauf noch helfen?“
Tara nickte. „Selbstverständlich.“
„Selbstverständlich. Natürlich.“ Fast schon ärgerte sich Cavill über ihre Antwort. Nein, nicht nur fast, er ärgerte sich. Er hasste es, wenn sich andere klein machten. Egal, ob er ihr Gegenüber war oder jemand anderes. „Hast du einen Mann? Einen Freund?“
„Wieso?“ Tara sprach leise.
„Weil du… ach, egal.“, brummte Henry jetzt. Es ging ihn nichts an. Sie arbeitete für ihn. Er könnte einfach verlangen, dass sie am Abend im Haus bliebe, falls noch eine Flasche Bier im Kühlschrank fehlte. Einfach so. Um ihr zu zeigen, was sie damit anrichtete, sich willenlos ausnutzen zu lassen.
„Okay.“ Tara rutschte im Sitz hin und her, legte ihre Hände auf ihre Knie und sah gerade aus dem Fenster.
„Okay? Verdammt, was ist los mit dir?“ Henry fauchte jetzt und seine Stirn lag in verärgerten Falten. „Willst du mir sagen, dass du… wenn ich jetzt sage, dass ich will, dass du heute Abend in meinem Haus bleibst, bis ich dich nach Hause schicke, dann würdest du das tun? Weil es dein Auftrag ist?“
„Ja.“ Tara holte lautlos Luft. Was sollte sie auch sonst antworten? Sie bemerkte natürlich, dass Henry Cavill auf einmal verärgert war, wusste aber nicht wieso. Sie hatte ihm ihre Hilfe angeboten und nicht verwehrt. Bisher hatte sie alles richtig gemacht. Und trotzdem war er verärgert. „Ich bin wohl ziemlich scheiße in dem Job.“, murmelte sie dann. „Dabei war es meine Bewährungsprobe.“, erzählte sie auf einmal leise. „Dany meinte, wenn ich das hier hinkriege, bekomme ich meine erste Klientenakte.“
„Was heißt das?“
„Na ja, dass sie mir einen Klienten ihrer Klienten komplett zuteilt. Sofern es für denjenigen okay wäre. Ich wäre dann ab sofort der erste Ansprechpartner für denjenigen. Alles würde über mich laufen. Das ist in dieser Branche der erste Schritt zum Erfolg, vielleicht sogar zur eigenen Agentur. Und ich bin auf dem besten Wege es zu verkacken, ohne genau zu wissen, wieso. Und jetzt heule ich hier auch noch rum. Tut mir leid.“ Tara lehnte den Kopf an die Kopfstütze. „Wir haben jetzt also zwei Möglichkeiten: entweder wir ziehen diese Pressetour jetzt einfach durch und keiner jammert bei Dany rum, ich werde aber dafür sorgen, dass wir beide nicht mehr zusammen arbeiten müssen und einer von uns beiden ruft später direkt bei Dany an und sagt die Sache ab, damit du dich nicht über mich ärgern musst und deine Laune für deine Pressetour auf dem Nullpunkt ist. Deine Fans wollen einen strahlenden Henry Cavill, der sich um nichts sorgen muss, weil seine Assistentin für diese Reise alles im Griff hat, wie er es braucht und will.“, kam Tara zum Punkt. „Ich überlasse die Entscheidung einfach dir. Ein Grund weniger, sich über mich zu ärgern, hoffe ich.“
„Ich darf entscheiden?“ Henry parkte vor einem Feinkostladen. „Wirklich?“
„Ich hätte es nicht angeboten, wenn ich es nicht ernst meinte.“
„Gut. Dann entscheide ich, dass ich dich nach Hause fahre und du gegen sieben bei mir bist. Ich werde dich meiner Familie vorstellen. Sie machen sich immer Sorgen, ob sich auch jemand um mich kümmert. Du wirst mit uns essen und ein bisschen Spaß haben. Keiner von uns beiden wird sich bei Dany über den anderen beschweren und wir lernen uns so besser kennen. Ich glaube, dass wir gut zusammen arbeiten können. Und… ich will meinen Kaffee nach einem Flug. Immer. Schwarz. Wie heute. Und ich entscheide, dass du aufhörst dich vor mir klein zu machen und zu denken, dass du etwas falsch machst, nur, weil ich nicht sofort in die Luft springe. Ich mag diese Interviews nicht immer, aber sie gehören dazu. Wenn ich also brummig bin, deswegen, dann sieh es mir nach, hau mir auf den Kopf und schieb mich in diese verdammten Räume rein. Punkt. Ach ja… du kommst immer mit rein, übrigens. Du setzt dich in eine ruhige Ecke und immer, wenn ich das Gefühl habe zu platzen, weil mir Reporter auf den Keks gehen, will ich, dass du mich ansiehst und allein durch deine Präsenz beruhigst. Wie du das anstellst, überlasse ich dir. Aber das ist meine Entscheidung.“ Ohne auf Tara zu warten, betrat er den Laden, hielt ihr aber doch die Tür auf. „Kommst du?“
Tara eilte ihm hinterher.
„Was sagst du?“
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