50 Shades of Harry Potter

OneshotFantasy / P16
03.08.2018
15.03.2019
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für –Schattentaenzerin-



„Was wäre wenn…“ Tom Riddle trat von einem Bein aufs andere und strich sich mit grüblerisch entrücktem Blick über das Kinn, als würde er angestrengt über etwas nachdenken. Die gesamte Zeit über konnte er den fragenden Blick seines Lehrers auf sich spüren und er wusste, dass er Professor Slughorns ungeteilte Aufmerksamkeit genoss. Den ganzen Abend hatte er gewartet und langweilige Tischgespräche über sich ergehen lassen. Was interessierte es ihn, wessen Onkel den Trainer der Quidditch-Nationalmannschaft Irlands kannte? Slughorn hatte fürwahr ein eigenwilliges Bestreben sich mit jenen Menschen zu umgeben, die ihm Ruhm oder Privilegien sichern konnten und im Grunde sollte es Tom Recht sein. In seinen Augen waren die meisten seiner Mitschüler zwar von so langweiliger und zutiefst durchschnittlicher Natur, dass es ihm nicht im Traum einfiele, mit ihnen den Abend zu verbringen, aber schließlich war er heute Nacht auch nicht wegen Gesellschaft oder des köstlichen Fasanenbratens in die Kerker Hogwarts gekommen.
Seit Tagen schon trieb ihn eine Frage um, die er niemandem stellen konnte, ohne womöglich noch Aufsehen zu erregen. Niemandem, außer Horace Slughorn. Der alte Professor mochte ein Genie sein, wenn es darum ging mächtige Zaubertränke zu brauen, doch Tom hatte schnell erkannt, dass Slughorn ebenso begabt wie eitel war. Er wollte stets in einem guten Licht dastehen und von seinen Schülern bewundert oder gar um seine Meinung in kniffligen Situationen gefragt werden. Und genau das gedachte Tom zu tun. Von seinem Ausflug in die verbotene Abteilung der Bibliothek hatte er bereits erzählt, ebenso von dem Buch, das er dort eher zufällig gefunden hatte. Allein beim Gedanken wie verschreckt sein Lehrer reagiert hatte, als er ihm von den Horkruxen erzählt hatte, musste Tom sich ein überhebliches Lächeln verkneifen. Sicherlich hatte er mit diesem Gespräch alles auf eine Karte gesetzt, doch er brauchte Gewissheit und leider fiel ihm kein anderer Weg ein, diese zu bekommen. Und so brillant Professor Slughorn auch auf seinem Fachgebiet sein mochte, im Grunde hatte Tom ihn längst als Blender entlarvt. Horace Slughorn würde ihn nicht verraten, selbst wenn sich Toms Vermutungen bestätigen sollten und sein Lehrer Verdacht schöpfte. Mit einem Schüler über einen so mächtigen und gleichermaßen schwarzen Zauber wie Horkruxe zu sprechen, war im Kollegium sicherlich nicht gut angesehen. Und wenn Tom sich auf eines verlassen konnte, dann dass Horace Slughorn nichts unternehmen würde, um sein Ansehen zu gefährden.

Langsam wandte Tom sich vom knisternden Kaminfeuer ab und blickte seinen Lehrer mit einem gekünstelten Lächeln an. „Professor, was wäre wenn ein Mensch diesen uralten Zauber anwenden würde? Ich habe alles gelesen, was ich in diesem Buch finden konnte, doch so recht verstehe ich es nicht.“
Die Lüge ging ihm nur allzu leicht über die Lippen. In Wahrheit verstand er sehr wohl. Mit einem Horkurx vermochte ein Zauberer einen abgespaltenen Teil seiner Seele abseits des eigenen Körpers zu konservieren. Wie man einen Horkurx erschuf und dass sich dafür im Grunde jeder beliebige Gegenstand eignete, das hatte das Buch ausführlich erklärt. Doch um einen solch mächtigen Zauber auszuführen bedurfte es einer gewissen Vorbereitung. Denn letzten Endes konnte der Zauber nur einen Teil der Seele aus ihrem körperlichen Gefäß überführen und in einem neuen verwahren. Hierzu musste die Seele jedoch bereits zuvor gespalten sein.
Ja, so viel verstand Tom von der schwarzen Magie, die ihn so sehr in ihren Bann gezogen hatte. Leider hatte das Buch jedoch nicht abschließend erklärt, wie man die Spaltung der eigenen Seele hervorrufen konnte und auch sonst hatte er nichts dergleichen in der Bibliothek finden können. Doch sein untrügliches Gespür sagte ihm, dass in Hogwarts durchaus eine Antwort auf diese Frage zu finden war.
„Nun“, Slughorn räusperte sich geräuschvoll. „Nun, dazu müsste der Mensch seine Seele spalten. Eine grauenhafte Vorstellung, wenn Sie mich fragen, Tom.“ Der alte Professor schüttelte sich, als bereitete ihm alleine die Vorstellung körperliche Schmerzen.
Tom unterdrückte ein erneutes Lächeln und neigte stattdessen aufmerksam den Kopf. Er sah Schweißperlen auf Slughorns Glatze schimmern und beobachte mit einer gewissen Genugtuung, wie die Augen seines Gegenübers unstet hin und her flackerten.
„Aber wie ist es möglich, die Seele zu spalten, Sir?“
Fast hätte Tom es nicht für möglich gehalten, doch das Gesicht seines Lehrers wurde noch blasser. Selbst im flackernden Schein des Feuers schien jede Farbe aus seiner Haut gewichen zu sein.
Erneut räusperte sich Slughorn und nestelte zerstreut am Kragen seines Umhangs. „Wir führen dieses Gespräch rein hypothetisch, oder?“, fragte er sichtlich nervös und nun schenkte Tom ihm ein gewinnendes Lächeln. „Aber natürlich, Sir. Rein hypothetisch. Ich war nur neugierig und ich dachte, wenn mir jemand meine Fragen beantworten könnte, dann wären das sicher Sie.“
Der Honig, den er Slughorn um den sprichwörtlichen Bart schmierte, zeigte sofort seine Wirkung und der Professor atmete erleichtert auf.
„Also… nun ja… Es gibt nur einen Weg, der die menschliche Seele entzwei reißt.“ Eine kurze Pause trat ein, in der Slughorn schwerfällig atmete. „Ein Mord.“

Seine Worte hallten durch den Kerkerraum und schienen wie schwerer Nebel in der Luft zu schweben. Gleichzeitig spürte Tom ein verheißungsvolles Kribbeln durch seinen Körper fahren, das all seine Nerven bis zum Zerreißen spannte. Es war dasselbe Kribbeln, das er auch beim Fund des alten Buches bereits gespürt hatte und das sich gierig bis in die letzte Faser seines Körpers ausbreitete.
Er hatte bereits eine Ahnung gehabt, doch wirklich sicher war er sich bis zum jetzigen Augenblick nicht gewesen. Betont langsam strich er den Stoff seiner Schuluniform glatt, um seine vor Aufregung zitternden Finger zu beruhigen und wandte den Blick erneut dem Feuer zu.
„Lässt sich dieser Vorgang auch wiederholen? Sodass sich die Seele in… sagen wir sieben Teile spaltet?“ Tom hatte Mühe, das Lodern in seinen Augen nicht aufflammen zu lassen und blickte weiterhin ins Feuer, damit Slughorn sein Gesicht nicht sehen konnte. Nun, da er der Antwort auf seine Frage so nah war, fiel es ihm schwer nicht zu hastig voran zu gehen.
Aber er hegte seit jeher eine Faszination für Macht und Symbolik und deshalb war es auch kein Zufall, dass er ausgerechnet nach sieben Teilen gefragt hatte. Die Vorstellung die eigene Seele in sieben Teile zu spalten bereitete ihm keine Angst, vielmehr bannte ihn der Gedanke zutiefst und erfüllte ihn bis in den letzten Winkel seines Bewusstseins hinein.
Mit sieben Teilen seiner Seele, sicher verwahrt an unterschiedlichen Orten, würde er schlichtweg unsterblich werden. Niemand würde ihm jemals wieder ernsthaft gefährlich werden können. Niemand würde ihn aufhalten können.
Innerlich lachte Tom. Er, der Junge aus dem Waisenhaus. Der Junge, auf den sie mit Fingern gezeigt und den sie als sonderlich abgestempelt hatten. Er würde ihnen allen noch zeigen, dass er mehr war als das, was sie in ihm sahen.
Über seine Gedanken hinweg vernahm er kaum wie Slughorn entsetzt nach Luft schnappte. „Bei Merlins Bart, sieben Morde!? Tom!“
Dem entgeisterten Gesichtsausdruck seines Gegenübers nach zu urteilen, hatte Tom sich auf einen schmalen Grat begeben, doch die Reaktion war ihm Antwort genug.
„Natürlich nur rein hypothetisch, Sir“, beruhigte er Professor Slughorn beflissen und ergötzte sich an dessen zutiefst besorgter Miene.
„Nun… das…“ Ein heiseres Hüsteln drang aus Slughorns Kehle. „Ich denke es wird Zeit, dass Sie in ihren Gemeinschaftraum zurückkehren, Tom.“ Der Stimme des Professors fehlte jegliche Autorität und Stärke und nichts erinnerte an das selbstsichere Auftreten, dass er sonst im Unterricht und auf den Gängen der Schule stets an den Tag legte.
Tom störte sich daran jedoch nicht, denn er hatte gefunden, wonach er gesucht hatte. Für ihn war dieser Abend ein voller Erfolg gewesen.
Mit einer angedeuteten Verbeugung verabschiedete er sich, doch erst als er wieder in seinem Bett lag, von samtenen Vorhängen umgeben, die jeden ungebetenen Blick abschirmten, stahl sich das stumme Lachen auf seine Lippen, das er in den Kerkern so wohlwissentlich verborgen gehalten hatte.

Selbst als Tom Riddle das Zimmer bereits verlassen hatte und die schwere Holztür hinter ihm ins Schloss gefallen war, stand Horace Slughorn noch immer vor dem Kamin. Er spürte weder das Glas Met in seiner Hand, noch die Hitze der Flammen, die auf seinem Gesicht brannte. Unentwegt starrte er auf die Tür und zermarterte sich das Hirn darüber, was eben geschehen war. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn wie eine dunkle Vorahnung, auch wenn er sie nicht so recht zu benennen vermochte. Geistesabwesend schwenkte er das bernsteinfarbene Getränk in seinem Glas, nur um den Inhalt schließlich in einem einzigen Zug hinunter zu kippen, ohne jedoch wirklich etwas zu schmecken. Kopfschüttelnd blickte er in die Flammen und murmelte leise zu sich selbst. „Das war keine gute Idee.“
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