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on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 / MaleSlash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
23.12.2020
64
136.118
17
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Dieses Kapitel
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19.10.2018 1.945
 
„Hyung, kann ich dich was fragen?“, wendet sich Felix an Chan, als sie gemeinsam die Straßen entlang gehen. Felix hält den Brief für Jaemin in der Hand. Der ältere Australier hat ihm angeboten mit ihm zur nächsten Poststation zu gehen und Felix nutzt die Situation, um seine drängende Frage zu stellen. Chan sieht ihn abwartend an und Felix spricht zögernd weiter. „Was hat es mit Changbin-hyungs kleinen Bruder auf sich? Ihr redet immer über ihn und macht komische Andeutungen, aber ich verstehe nicht, was passiert sein soll“, erklärt er. Chans Ausdruck ist ernst geworden. „Das ist ziemlich kompliziert“, seufzt er. „Aber ich kann verstehen, dass es dich beschäftigt. Lass uns erstmal deinen Brief wegschaffen und dann erkläre ich es dir in Ruhe.“ Damit gibt Felix sich zufrieden und als sie die Post wieder verlassen, sieht der Ältere sich suchend um. Sie gehen zu einem verlassenen Spielplatz am Ende der Straße und setzen sich auf die Schaukeln. „Sein Name war Yang Jeongin“, fängt Chan an und Felix reißt verwundert die Augen auf. Wegen dieser Reaktion lacht Chan leise auf. „Ja, er war nicht Changbins leiblicher Bruder, sondern auch adoptiert. Seine Eltern haben Jeongin zu sich geholt, als Changbin zwei Jahre alt war und Jeongin noch ein Baby. Aber das hat nie einen Unterschied gemacht, Changbin hat ihn als seinen leiblichen Bruder akzeptiert. Dann war aber dieser Unfall vor zwei Jahren.“

Chan bricht kurz ab und sein Blick geht ins Leere. „Changbins Familie war in einem Autounfall verwickelt und der einzige, der nicht überlebt hat, war Jeongin. Er war gerade mal zwölf Jahre alt gewesen. Changbin hat sich danach lange Zeit geweigert in ein Auto zu steigen. Aber das war noch das harmloseste. Früher war er für jeden Spaß zu haben und immer gut drauf. Nach Jeongins Tod hat er sich immer mehr zurückgezogen und niemanden mehr an sich heran gelassen.“ Chan verstummt kurz und schaut in den Himmel. „Changbin hat sich nach der Beerdigung zwei Wochen nicht in der Schule blicken lassen. Wir alle haben uns Sorgen gemacht, dass er sich was antut. Aber dann war er wieder da. Er hat mit niemanden gesprochen und auch kaum auf uns reagiert. Wenn wir ihn trösten wollten, hat er abgeblockt.“ „Jeongin war jünger als ich“, stellt Felix überrascht fest. „Ich hätte ihn gerne kennen gelernt.“ Chan lächelt leicht. „Du hättest ihn gemocht. Unseren Jüngsten konnte man nur mögen.“ „Ist das der Grund, warum Changbin-hyung mich so hasst? Weil ich Jeongin in seinen Augen ersetze?“, fragt Felix nachdenklich und Chan schaut ihn an. „Ich weiß es nicht, Felix-ah. Ich dachte, ich kenne Changbin. Aber mittlerweile bin ich mir nicht mehr so sicher, was in seinem Kopf vorgeht“, erwidert er schwermütig. „Wann ist er gestorben?“, will Felix wissen und Chan denkt kurz nach. „In knapp zwei Monaten ist sein Todestag“, antwortet er und senkt den Kopf. „Danke, das du es mir gesagt hast“, sagt Felix schließlich. „Erzähl Changbin nicht, dass du es weißt. Ich denke, er würde es nicht sehr begrüßen“, gibt Chan zu Bedenken. Felix schnaubt auf. Ja, das kann er sich vorstellen.

Er erinnert sich an die Bilder, die bei der Familie Seo hängen. Changbin und Jeongin. Wie soll Changbin Felix jemals mögen können, wenn das damals passiert ist? „Hey, mach dir nicht so viele Gedanken!“, reißt Chan ihn aus seinen Gedanken. „Changbin braucht Zeit und irgendwann wird er merken, dass du nicht das bist, was er glaubt.“ „Es stört mich, dass er mir keine Chance gibt“, murmelt Felix und verzieht das Gesicht. Der Ältere lacht leise. „Changbin ist manchmal eine kleine Diva und kann verdammt stur sein. Wenn er einmal eine Meinung hat, ist er ganz schwer davon abzubringen. Aber ich denke, du wirst ihn früher oder später von dir überzeugen. Immerhin hast du es bei uns auch geschafft.“ Felix stößt sich mit den Füßen ab und beginnt hin und her zu schaukeln. Nach einer Weile verabschieden sich Chan und Felix wieder voneinander. Felix ist froh, endlich wissen, wer Jeongin war. Und warum die anderen immer so traurig klingen, wenn sie von ihm sprechen. Mental macht er sich eine Notiz, dass er Jeongins Namen niemals im Beisein von Changbin verwendet. Sonst köpft der Ältere ihn wahrscheinlich wirklich. Ohne sich zu verirren findet er den Weg zurück. Momentan sind nur Changbin und Felix zu Hause, da Herr und Frau Seo noch beide arbeiten sind. Nach den Gespräch mit Chan kreisen Felix‘ Gedanken nur noch um Jeongin. Er läuft zur Treppe und geht einige Stufen hoch, um das Bild mit Changbin und Jeongin zu suchen. Dieses Mal betrachtet er den anderen Jungen genauer. Jetzt erst fällt ihm auf, dass absolut keine Ähnlichkeit zwischen beiden besteht. Wie auch? Aber das Lächeln von Jeongin ist unglaublich ansteckend. Er muss eine fröhliche Person gewesen sein, überlegt Felix. Fast schon wird er eifersüchtig auf Jeongin, da er an Chans Worte denkt, dass Changbin ihn als seinen Bruder akzeptiert hat. Warum kann er das bei mir auch nicht tun?, denkt Felix aufgebracht, ruft sich aber gleich wieder zur Ordnung. Changbin war um einiges jünger, als Jeongin in die Familie kam und ich selbst platze einfach in die Familie rein. Zwei Jahre nachdem Jeongin gestorben ist. Aber ich habe mir mein Schicksal und den Tod meiner Eltern auch nicht ausgesucht.

Betrübt geht Felix wieder die Treppenstufen nach unten. Noch immer schmerzt ihn der Verlust. Eigentlich hatte er großes Glück diesen Brand überlebt zu haben, aber was nützt ihm das, wenn er seine Familie verloren hat? Nein, Schluss jetzt!, weist Felix sich zurecht. Hör auf daran zu denken! Um sich abzulenken, beschließt er den Garten zu besichtigen. Das wollte er schon die ganze Zeit tun. Als er das große Wohnzimmer betritt, sieht er Changbin auf dem Sofa sitzen, den Blick auf den Fernseher gerichtet und einen Controller in der Hand. Der Ältere schaut gelangweilt auf, als Felix zögernd den Raum betritt. Der Australier kräuselt die Nase, als er den Geruch bemerkt und er schaut auf den Couchtisch. Dort steht ein Aschenbecher mit einer qualmenden Zigarette. Das erklärt dann wohl einiges. „Tante Soojin wird nicht begeistert sein, wenn du hier drinnen rauchst“, sagt Felix leise und Changbin runzelt die Stirn. „Tante?“, wiederholt er und Felix schaut ihn verwundert an. Höhnisch lächelt der Ältere daraufhin. „Warum nennst du sie nicht „Mutter“? Immerhin ist sie das doch jetzt für dich.“ Energisch schüttelt Felix den Kopf. „Deine Eltern sind meine Paten, das ist was ganz anderes. Nur weil sie mich adoptiert haben, heißt das nicht, dass sie automatisch meine Eltern sind. Ich kann meinen Kopf nicht einfach reset drücken und die Zeit davor mit meinen leiblichen Eltern einfach vergessen“, stellt er klar und durchquert den Raum. „Aber einfach unser Leben zerstören, das kannst du“, entgegnet Changbin und Felix dreht sich langsam um.

„Wo zerstöre ich euer Leben?“, fragt er stirnrunzelnd. „Zumindest meines“, verbessert der Ältere finster und Felix hebt nur die Schultern. „Das ist dein Problem, nicht meins“, erwidert er ruhig. „Wenn du dir sowas einredest, kann ich dir nicht helfen.“ Mit diesen Worten verschwindet Felix nach draußen in den Garten, aber weit kommt er nicht, da ihn jemand fest am Arm packt. Er gibt einen schmerzerfüllten Ton von sich und sieht in Changbins zorniges Gesicht. „Pass auf, wie du mit mir redest“, droht der Ältere und Felix schluckt. Hin und wieder hat Changbin eine verdammt bedrohliche Aura. Felix entringt sich dem Griff des Älteren und macht einen Schritt zurück. „Es ist mir egal, was mit dir passiert ist. Für mich bist du einfach nur eine Belästigung und mehr nicht“, stellt Changbin hasserfüllt klar. „Die anderen mögen dich auch nur, weil sie Mitleid mit dir haben, also gib dir keine große Mühe.“ Felix will nicht noch mehr verletzende Wort hören, weswegen er sich an Changbin vorbei drängelt und ins Haus stürmt in sein Zimmer stürmt. Insgeheim hatte er schon den Gedanken, dass Changbins Freunde ihn nur mögen, weil sie Mitleid haben und das von dem Älteren bestätigt zu bekommen, tut weh. Felix versucht den Kloß in seinem Hals zu ignorieren. Am liebsten hätte er jetzt Jaemin an seiner Seite, er konnte ihn immer gut aufmuntern, aber Jaemin ist in Incheon und Felix in Seoul. Der Australier setzt sich auf sein Bett und versucht die Tränen zu unterdrücken. Warum ist Changbin nur so böse?

Am nächsten Tag in der Schule ist Felix recht schweigsam. Noch immer geistern ihm Changbins Worte durch den Kopf, dass die anderen ihn nur aus Mitleid mögen. Betrübt schaut er auf die Tischplatte und beißt sich auf die Unterlippe. Er sitzt mit den anderen in der Mensa, Changbin ist allerdings nicht dabei. „Felix-ah, so langsam machst du mir echt Angst“, sagt plötzlich Chan und Felix blickt auf. Der Ältere schaut ihn prüfend an. „Warum bist du so still? Wirst du etwa krank?“, erkundigt er sich besorgt und Felix schüttelt den Kopf. Hyunjin legt eine Hand auf die Stirn des jüngeren Australiers. „Nee Hyung, Felix fühlt sich normal an“, grinst er, worauf Felix abrückt. Minho registriert das und runzelt die Stirn. „Haben wir was falsch gemacht?“, will er wissen und wieder schüttelt Felix nur den Kopf. „Sprichst du nicht mehr mit uns?“, grinst Woojin und darauf hebt Felix nur die Schultern. „Hat Changbin was zu dir gesagt?“, trifft Chan den Nagel auf den Kopf und als er Felix zusammenzucken sieht, spürt er, dass er Recht hat. „Was hat er getan?“, platzt es aus Jisung heraus. „Ich schwöre, ich falte ihn zusammen!“ „Ist doch egal“, murmelt Felix und senkt wieder den Kopf. „Nein!“, empört sich Seungmin. „Du bist traurig wegen ihm und das sicher nicht ohne Grund.“ Chan steht auf und verlässt den Tisch, um sich auf die Suche nach Changbin zu machen. Er trifft den Jüngeren in einem verlassenen Klassenzimmer an, wo er auf einer Fensterbank sitzt mit Kopfhörern auf den Ohren. Chan stellt sich vor ihn und Changbin schaut verwundert auf. Als er den bösen Blick des Älteren bemerkt, setzt er verwundert die Kopfhörer ab. „Ist was?“, fragt er trocken und Chan runzelt die Stirn. „Kommt drauf an“, entgegnet er sarkastisch. „Oder hat es einen Grund, dass dein kleiner Bruder so niedergeschlagen ist?“

„Welcher kleine Bruder?“, hakt Changbin nach und Chan kann nicht sagen, ob er die Frage ernst oder ironisch meint. „Felix!“, ruft er und Changbin ballt die Hände zu Fäusten. „Er ist nicht mein Bruder!“, zischt er, worauf Chan aufstöhnt. „Deine Eltern haben ihn adoptiert, so wie Jeongin. Komm auf diese Tatsache klar!“ Changbin rutscht von der Fensterbank und stellt sich vor Chan. „Verwende niemals Jeongins Namen in Bezug auf diese Belästigung!“, faucht er und funkelt den Älteren an. Dieser schüttelt fassungslos den Kopf. „Belästigung?“, wiederholt er entgeistert. „Felix ist keine Belästigung!“ „Für mich schon“, schnaubt Changbin und verschränkt die Arme. „Was hast du zu ihm gesagt, dass er so drauf ist?“, will Chan wissen und der Jüngere verdreht die Augen. „Frag ihn das doch selber“, knurrt er und verlässt den Raum. Chan muss sich halten vor Frustration nicht laut zu schreien. Zurück in der Mensa bei den anderen, ist helle Aufregung am Tisch. „Chan-hyung, darf ich Changbin eine reinhauen?“, fragt Jisung sofort, kaum als sich Chan gesetzt hat. Der Australier schaut ihn perplex an und Woojin klärt ihn auf: „Changbin hat gestern zu Felix gesagt, wir würden ihn nur mögen, weil wir Mitleid mit ihm hätten.“ „Das ist der größte Bullshit überhaupt“, entgegnet Chan auf Englisch und Felix hebt zaghaft den Kopf. „Lass Changbin reden“, spricht Chan weiter und lächelt. „Er ist einfach wütend.“ „Aber das ist kein Grund sowas zu sagen!“, brummt Jisung. „Ich hoffe noch auf den Tag, an dem Changbin von seinem Trip runter kommt“, seufzt Chan und er wird skeptisch von Hyunjin angesehen. „Na dann können wir wohl lange hoffen“, erwidert er schulterzuckend.
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