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on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 / MaleSlash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
23.12.2020
64
136.118
17
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.09.2020 3.196
 
Triggerwarnung: dieses Kapitel beinhaltet Drogenkonsum!


*~*~*~*~*




Natürlich verrät er seinen Freunden nichts von seinem geplanten Vorhaben. Sie würden ihn mit Sicherheit davon abhalten wollen. Doch Felix ist neugierig geworden, er will wissen, was es mit Junhoe auf sich hat. Vielleicht spielt er in der Schule nur die Rolle eines Arschlochs, um zu verbergen, was eigentlich in ihm vorgeht und möchte sich nichts anmerken lassen. Möglich ist alles. Changbin tickt da nicht anders. Selbstverständlich bemerken seine Freunde, dass er den ganzen Tag über sehr angespannt und mit den Gedanken woanders ist. „Hoffentlich denkst du an unsere Choreo“, sagt Hyunjin ernst und Felix verdreht die Augen. „Natürlich, ich denke an nichts anderes mehr“, antwortet er stöhnend und Changbin sieht ihn vielsagend an. „Aber es stimmt, du tanzt ja selbst schon in der Küche, wenn du den Abwasch machst“, meint er, worauf der jüngere Australier rot anläuft. „Hyung, musstest du das ausplaudern?“ „Offenbar nehmt ihr zwei die Sache zu ernst“, seufzt Jisung kopfschüttelnd und Hyunjin wirft ihn mit einer Kugel Alufolie ab. „Natürlich, wir sind im Krieg!“, ruft er dramatisch und Chan verschluckt sich vor Lachen beinahe an seinem Essen.

Nachdem die Mittagspause sich immer mehr dem Ende neigt, verlassen die meisten Schüler die Cafeteria, um zu ihren Klassenräumen zurückzukehren. Changbin und Felix gehen bereits vor, während die anderen ihre Tabletts wegräumen. „Es macht dir Spaß mit den beiden zu tanzen, was?“, fragt Changbin schmunzelnd und der Jüngere nickt lächelnd. „Wir lernen viel voneinander. Ich weiß nicht, wieso Jisung erst nicht mitmachen wollte. Er tanzt wirklich gut.“ Darauf schweigt Changbin einen Moment, ehe er die Augen verdreht. „Hyunjin und er, die beiden hatten mal einen riesigen Streit. Damals haben Minho, Hyunjin und Jisung eine kleine Dance Unit gebildet und an Wettbewerben teilgenommen“, erzählt Changbin stirnrunzelnd, während Felix ihm gebannt lauscht.

„Kurz vor einem ihrer Auftritte hat Jisung einen Anruf von seinem Vater erhalten, dass er seine Hilfe im Laden braucht. Du musst wissen, Jisungs Eltern führen ein Elektronikgeschäft und damals gab es nicht genügend Personal, sodass Jisung oft mitgeholfen hat. Minho hat sofort gesagt, dass er gehen soll, er würde mit Hyunjin das Ding auch alleine schaukeln. Aber Jinnie hat sich furchtbar aufgeregt, du kennst ja unsere Dramaqueen. Er hat Jisung Vorwürfe gemacht, dass er das Tanzen nicht genug liebt, das er ihr Team nicht genug respektiert, weil er ein Egoist ist und das er es immer nur seinen Eltern recht machen will.“  Felix blickt seinen älteren Bruder perplex an und dieser lächelt wegen seines Gesichtsausdrucks. „Die beiden haben sich am Tag danach getroffen und ich weiß nicht, was sie da besprochen haben. Jisungie wollte mir nichts erzählen, auf jeden Fall hat er seitdem kaum noch getanzt, dabei wusste jeder, dass er es vermisst.“

Kurz schweigt Felix anhand der Menge an Informationen, die er gerade erfahren hat, ehe er die Augenbrauen hebt und Changbin vorwurfsvoll anschaut. „Wie war das? Es gibt keine weiteren Geheimnisse mehr bei euch?“ Der Ältere wirkt überrascht und hebt die Schultern. „Das gilt nicht“, wehrt er ab, „das ist längst verziehen und die beiden haben es aus der Welt geschafft. Sonst würde euer Team nicht funktionieren.“ Während die beiden sich durch die Masse an Schülern einen Weg bahnen, fällt Felix eine Person vor einem Klassenzimmer auf. Junhoes dunkler Haarschopf. Sofort kommt Felix die Verabredung heute Abend wieder in den Sinn und seine Nervosität kehrt zurück. Auch Junhoe bemerkt Felix, denn er lächelt dem Jüngeren zu, was dieser zögerlich erwidert.

Allerdings bekommt Changbin das auch mit, denn er zieht den Australier entschlossen weiter. „Was war das?“, zischt er aufgebracht und Felix schluckt. „Ich war bloß freundlich“, murmelt der Jüngere unbehaglich und senkt den Kopf. „Zu diesem Arschloch musst du nicht freundlich sein!“, knurrt Changbin und funkelt Felix zornig an. „Okay, Hyung, schon verstanden“, seufzt er und der Ältere hat noch immer die Stirn misstrauisch in Falten gelegt. Aber Felix lässt sich den restlichen Tag über nichts mehr anmerken, auch nicht am Nachmittag, als er mit Changbin gemeinsam nach Hause geht. Zwar bemerkt dieser, dass sein jüngerer Bruder mit seinen Gedanken erneut weit weg ist, doch er beschließt nicht weiter darauf herumzureiten. Zu Hause angekommen, verschwindet jeder in sein eigenes Zimmer und Felix zieht sich rasch um. In einer Stunde ist er mit Junhoe verabredet und er hat keine Ahnung, was passieren könnte. Entschlossen versucht er seine negativen Gedanken loszuwerden. Was soll schon passieren? Er wollte nur reden. Nichts weiter. Aber dennoch beschleicht Felix ein komisches Gefühl.

Als er wenig später sein Zimmer verlässt, zögert er kurz vor Changbins Tür. Sollte er dem Älteren sagen, dass er weggeht? Doch Felix verwirft diese Idee. Changbin würde nur wissen wollen, wohin er geht und er will weitere Ausreden vermeiden. Außerdem wird er sicher zum Abendessen wieder da sein. Somit eilt er schnell die Treppe nach unten und versucht dann auch die Haustür so leise wie möglich zu schließen. Junhoe wohnt im Nachbarviertel und damit ist der Weg zu ihm zu Fuß erreichbar. Während des Laufens versucht Felix zu überlegen, was Junhoe mit ihm besprechen könnte und wie er das mit Chan wieder gut machen will. Irgendwann kommt die Adresse in Sicht, die der Ältere ihm geschickt hat und Felix staunt nicht schlecht. Das die Besitzer dieses Haues wohlhabend sind, lässt sich nicht abstreiten. Das Haus der Seos wirkt beinahe winzig und gewöhnlich, gegenüber dieser hübschen Villa.

Fast schon ehrfürchtig öffnet er das geschwungene Eisentor und läuft durch den  gepflegten Vorgarten, mit seinen kunstvollen Büschen und kurzem Rasen, auf die große, weiße Haustür zu. Zögernd tritt er unter das Vordach und muss sich den Impuls unterdrücken über die Steinsäulen zu streichen, da in diese kunstvolle Muster geschlagen wurden. Voller Aufregung drückt Felix den goldenen Klingelknopf und ein Gong geht drinnen durchs Haus. Bereits im nächsten Augenblick wird die Tür geöffnet und Junhoe erscheint. Ein triumphierendes Lächeln legt sich auf seine Lippen und Felix verbeugt sich verlegen zur Begrüßung. Eilig zieht der Ältere ihn nach drinnen, was Felix verwundert. Es kommt ihm vor, als würde der Andere befürchten, dass er gleich wieder abhaut. „Du bist also tatsächlich gekommen“, sagt Junhoe zufrieden und streicht sich mit einer ausladenden Geste über sein dunkles Haar.

Wenn er schon bereits in der Schule selbstbewusst auftritt, ist das nichts im Vergleich zu dem, was Felix jetzt erlebt. Der Ältere strotzt beinahe vor Selbstsicherheit. „Hier wohnst du?“, fragt Felix mit großen Augen und blickt sich sprachlos in der Eingangshalle um, als einen Flur kann man es unmöglich bezeichnen. Mehrere Türen gehen rechts und links ab und eine breite Wendeltreppe führt ins obere Geschoss. Der Boden zu seinen Füßen glänzt so sehr, dass man sich beinahe drinnen spiegeln kann und Felix könnte darauf wetten, dass er aus Marmor besteht. Er hat fast schon Angst einen Schritt zu machen, während Junhoe bereits voran gegangen ist. „Worauf wartest du? Komm schon!“, ruft er und Ungeduld schwingt in seiner Stimme mit. Schnell beeilt Felix sich ihn einzuholen.

Der Ältere öffnet die Tür vor sich und nickt herein. Langsam tritt der Australier in das Zimmer und blinzelt perplex. Dunkle Vorhänge sind vor die hohen Fenster gezogen und der gesamte Raum ist in gedämpftes, violettes Licht getaucht. Entschlossen schiebt Junhoe Felix nach drinnen und schließt die Tür. Das wenige Tageslicht von draußen verschwindet gänzlich und der Australier braucht einen Moment, um sich zu orientieren. Anscheinend befindet er sich in einem Wohnzimmer und es ist mindestens dreifach so groß, wie das bei sich zu Hause. In einer Ecke des riesigen Raumes ist sogar eine Bar mit Barhockern. Zögerlich tastet er sich voran und jetzt erst bemerkt Felix, dass noch weitere Personen anwesend sind, die auf dem großen Sofa sitzen oder lümmeln und sich leise miteinander unterhalten.

Er war so sehr mit der eingängigen Betrachtung des spärlich beleuchteten Raumes beschäftigt, da hat er gar nicht richtig wahrgenommen, dass noch jemand hier ist. Felix schluckt, denn die Stimmung ist sehr merkwürdig und es liegt ein eigenartiger Geruch in der Luft. Angestrengt versucht er den Impuls zu unterdrücken, gleich wieder gehen zu wollen. „Komm schon, sie beißen dich nicht“, raunt Junhoe in sein Ohr und Felix zuckt zusammen. Er hat auch nicht bemerkt, wie dieser hinter ihn getreten ist. Langsam gewöhnen sich Felix‘ Augen immer mehr an das schummrige Licht und er erkennt einige Flaschen auf dem Couchtisch stehen. Junhoe legt einen Arm fest um seine Schultern und schiebt ihn zum Sofa, gegen diese Entschlossenheit kommt der Jüngere nicht an und lässt sich widerstandslos mitziehen. Die Silhouetten der anderen Personen werden von Nahen deutlicher. Es handelt sich um vier Jungen und ein Mädchen.

„Also, das ist Lee Felix. Ich hoffe, ihr benehmt euch, der Kleine ist nämlich erst fünfzehn“, stellt er ihn den anderen vor. Schließlich klärt Junhoe den Australier noch auf, um wen es sich bei den weiteren Personen handelt. Kim Donghyuk und Jeon Jungkook kennt Felix bereits von der Schule, er weiß, dass sie mit Junhoe in eine Klasse gehen. Doch die Namen Park Jimin, Jennie Kim und Bobby Kim hat er noch nie gehört, aber Junhoe macht sie ihm als seine Freunde bekannt. Etwas Helles glimmt auf und Felix erkennt die Zigarette zwischen Jennies Fingern. Riecht das etwa so komisch? Er kräuselt die Nase und nimmt den Couchtisch jetzt näher in Augenschein. Neben der Ansammlung an Flaschen ist auf der Glasplatte weißes Pulver verstreut und ein paar Tütchen mit bunten Pillen liegen dabei. „Was ist das?“, fragt Felix schockiert und es ist das erste Mal, dass er in der Anwesenheit von Junhoes Freunden etwas sagt, weswegen Bobby einen erstaunten Laut von sich gibt.

„Wow, der Kleine ist wirklich erst fünfzehn? Bist du sicher, Jun? Er klingt viel älter“, lacht er und selbst bei dem gedimmten Licht bemerkt Felix dessen durchdringenden Blick auf ihm. Der Australier wird zunehmen nervöser, seine Hände beginnen zu schwitzen und sein Herzschlag beschleunigt sich. Irgendetwas ist hier ganz komisch und es wird ihm immer mehr bewusst. „Ich glaube, ich sollte besser gehen“, murmelt Felix und will sich schon umdrehen, doch Junhoes fester Griff hält ihn am Arm fest. „Du willst schon gehen?“, fragt er freundlich, doch seine Stimme nimmt einen drohenden Klang an. Immer mehr Furcht erfasst den Australier und er schluckt. „Ich denke, dass hier ist nicht der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch“, entgegnet Felix und versucht gefasst zu klingen. Denn das was da auf dem Tisch liegt, ist sicher kein Backpulver oder harmlose Brausetabletten und das macht ihm Angst. Dazu ist die Stimmung hier viel zu bizarr.

„Oh, es ist der richtige Zeitpunkt, es gibt keinen besseren“, lächelt Junhoe und seine Zähne blitzen hell in dem violetten Licht auf. „Bleib doch noch ein bisschen, wir haben alles. Alkohol, LSD, Speed, Ecstasy, Gras. Wonach dir auch der Sinn steht.“ Felix entfährt ein entsetztes Keuchen. Ist das sein Ernst? Er zählt es auf, als würde er über die Zutaten eines Kuchens sprechen. Versucht er ihn gerade wirklich zum Drogenkonsum zu überreden? Ist er irre geworden? Hat Junhoe selbst schon was intus? Seine Gedanken rasen und er versucht angestrengt sich dem eisernen Griff des Älteren zu entwenden, aber der lässt nicht locker, im Gegenteil. „Komm schon, Felix. Sei nicht so unhöflich. Ich lade schließlich nicht jeden zu einem Trip ein“, sagt er eindringlich und der Jüngere kneift die Augen zusammen, als die Lippen des anderen seine Ohrmuschel streifen. „Ich will nichts nehmen“, flüstert er und Junhoe beginnt durch seine Haare zu streichen.

„Wirklich nicht? Du bist kein wenig neugierig? Die Wirkung ist fantastisch.“ Heftig schüttelt Felix den Kopf und beißt sich auf die Unterlippe. „Bist du sicher? Ich kann dich nicht überzeugen? Schade, ich erreiche immer das, was ich will“, murmelt der Ältere und streicht Felix‘ Arm auf und ab. Am liebsten würde der Jüngere ihn wegstoßen, doch er verharrt regungslos an Ort und Stelle. Noch nie wurde er so unter Druck gesetzt und er ist maßlos überfordert. Was soll er jetzt tun? Weglaufen wäre wohl die beste Option, doch die anderen würden ihn sicher einholen. Junhoes Freunde mustern die Szene mit einem gewissen Vergnügen, offenbar ahnen sie, was für ein Konflikt in Felix gerade vorgeht. „40 000 Won, das du den Kleinen nicht überredet kriegst“, meldet sich Jimin zu Wort, ehe er lacht. „Komm, Felix. Lass mich nicht mein Geld verlieren. Du hältst doch zu mir“, murmelt Junhoes raue Stimme und Felix wimmert leise auf. „Lass mich gehen!“, fleht er und Tränen der Verzweiflung sammeln sich in seinen Augen an.

„Nein! Ich will das du was nimmst! Heute und hier!“, zischt Junhoe jetzt zornig und dreht den Jüngeren ruckartig zu sich. Fast schon fürchtet der Australier, der andere würde ihn schlagen, da er seine Hand gehoben hat, als er diese langsam wieder sinken lässt. Unter dessen intensiven Blick seiner dunklen Augen gibt Felix sich geschlagen und nickt zaghaft, worauf sich sofort ein breites Lächeln auf Junhoes Gesicht ausbreitet. Die Aggressivität, die gerade in seinem Gesicht gelegen hat, ist mit einem Mal verschwunden. Beinahe ist dieser Wechsel an Emotionen gruselig. „Jiminnie-hyung, du schuldest mir Geld!“, ruft er schadenfroh und Angesprochener flucht leise. „Entspann dich“, sagt Donghyuk zu Felix und winkt ihn heran. „Das Zeug ist gut, du wirst es nicht bereuen.“ Aber der Australier bewegt sich keinen Zentimeter von der Stelle, auch nicht, als Junhoe ihm einen kleinen Schubs gibt. Wieso hat er sich darauf eingelassen? Ist er jetzt vollkommen wahnsinnig geworden? Noch ist es nicht zu spät zu verschwinden.

Doch diese Rechnung hat er nicht mit Junhoe gemacht, der wohl seine geplante Absicht errät. „Denk nicht mal dran!“, faucht er nachdrücklich und eingeschüchtert zieht Felix den Kopf ein. Von dem sonst so freundlichen Jungen, der er in der Schule ist, ist gerade nicht mehr viel übrig. Verächtlich blickt der Ältere ihn an. „Wag es nicht mal zu schreien oder abzuhauen! Das wird unschöne Folgen haben.“ Sein harter Griff bereitet Felix Schmerzen, sodass er leise jammert. Augenblicklich lässt der Andere seine Arme los und lächelt. Der Zorn, der in den letzten Sekunden in seinem Gesicht stand, verschwindet augenblicklich. Wie kann eine Person so schnell ihre Gefühle unter Kontrolle bringen? , denkt Felix verwirrt. Offenbar hat der Ältere etwas genommen, normal sind diese Schwankungen auf jeden Fall nicht. „Sei ein braver Junge, Felix“, grinst Junhoe und Spott schwingt in seiner Stimme mit. Zitternd setzt Felix sich nun doch neben Donghyuk, während ihm eine kleine Tüte mit einer Pille überreicht wird und Junhoe ihm ein Glas mit einer klaren Flüssigkeit zuschiebt.

„Ist das Soju?“, hakt Jennie skeptisch nach und Junhoe lacht verächtlich auf. „Hältst du mich für dämlich? Alkohol und MDMA verträgt sich nicht, schon vergessen? Willst du das er einen Horrortrip hat?“ Felix achtet nicht weiter auf die Diskussion der Älteren und betrachtet ausdruckslos die Pille in seiner Hand ohne sich zu rühren. Er kann das nicht wirklich tun. „Los, schluck das Teil endlich runter und zier dich nicht so! Vom Anstarren entfaltet sich die Wirkung nicht“, knurrt Bobby ungeduldig und Felix zuckt erschrocken zusammen. Die abwartenden Blicke der Älteren bohren sich in ihn hinein. Wie soll er sich gegen sie wehren? Er hat hier eindeutig den Kürzeren gezogen. Aber vielleicht passiert ja auch rein gar nichts mit ihm. Vielleicht verarscht Junhoe ihn nur. Genau, und das mit Chan hat er auch nur inszeniert, weil das beide so lustig fanden! , meldet sich eine Stimme in seinem Kopf zu Wort, die Changbin erstaunlich ähnlich klingt.

Felix reißt die Augen auf. Changbin-hyung! Der wird ihn umbringen, wenn er hiervon erfährt. „Lee Yongbok, wenn du sie nicht in drei Sekunden geschmissen hast, helfe ich nach!“, knurrt Junhoe und ballt seine Hände zu Fäusten. Angsterfüllt blickt dieser zu ihm auf. Auf einmal wirkt Junhoe viel größer und kräftiger als sonst und Changbin hat er schon ordentlich zugerichtet. Er hat keine Lust, das ihm das auch passiert. Widerwillig schluckt er die Pille herunter. Gegen den Drang der Älteren hat er einfach keine Chance, er ist jetzt mitten in dieser Situation und kommt nicht mehr raus. Diese Hilflosigkeit macht ihn fast wahnsinnig. Junhoe deutet auf das Glas. „Ist nur Wasser. Für viele geht es leichter runter, wenn man was dazu trinkt“, sagt er und gierig trinkt Felix einige Schlucke.

Und was jetzt? Er fühlt sich noch genauso verängstigt und in die Ecke gedrängt, wie vor ein paar Sekunden. Unruhig schaut er zwischen den Älteren hin und her und kaut sich auf der Unterlippe herum. Sein Herz schlägt so sehr, dass er das Gefühl hat, es wird gleich aus der Brust springen. „Jungkook, mach die Musik wieder an. Jetzt entspannen wir uns und warten, dass die Wirkung bei allen kommt“, verkündet Junhoe enthusiastisch und lehnt sich zurück. Jetzt dämmert es Felix langsam. Offenbar haben die anderen vor seiner Ankunft wirklich etwas genommen, was die fragwürdige Stimmung erklären würde, die ihm sofort aufgefallen ist. Und Junhoes rasch wechselnde Gemütszustände. „Hey, entspann dich“, sagt Jennie und rutscht zu Felix rüber.

Sie streicht über seinen Arm und legt den Kopf schief. „Niemand wird uns hier erwischen. Du kannst also ganz beruhigt sein.“ Doch dem Australier überkommt eine Gänsehaut von ihrer Berührung, er fühlt sich ganz und gar nicht wohl. Wie auch, wenn man so unter Druck gesetzt wurde? „Wann setzt die Wirkung ein?“, fragt Felix nervös, worauf die Ältere die Schultern hebt. „Kommt drauf an, was du genommen hast und wie viel“, entgegnet Jennie gelassen und wirft ihr langes, dunkles Haar zurück. „Felix, komm runter! Sonst wird dein erster Trip ein Horrortrip“, sagt Junhoe scharf und der Australier nickt nur. Es ist bereits der Horror für ihn. Er schließt die Augen und hört auf die Musik, vielleicht hilft das ihm sich zu entspannen. Die Älteren um ihn herum reden miteinander und er sitzt einfach schweigend dabei.

Irgendwann spürt Felix allerdings, dass es unerträglich heiß wird. „Hat jemand die Heizung angestellt?“, fragt er verwirrt und Jungkook lacht auf. „Im Sommer, ist klar.“ „Aber es ist so warm“, beharrt Felix und fächelt sich Luft zu. „Sonst fühlst du nichts?“, hakt Junhoe nach, ein erfreuter Ausdruck liegt in seinen Augen und der Australier lächelt. Auf einmal ist er voller Energie und Freude, keine Ahnung, woher das plötzlich kommt. „Ich habe Lust zu tanzen.“ „Dann tanze. Wir haben genug Platz. Los, macht die Musik lauter!“, verlangt Junhoe und unfassbares Glück durchflutet Felix. Er hat es schon immer geliebt zu tanzen, aber jetzt gerade bereitet es ihm noch mehr Spaß, als sonst. Vielleicht liegt es an dem guten Sound, der hier im Raum herrscht. Es ist sogar besser, als im Tanzstudio.

Spontan beginnt er sich zum Rhythmus der Musik zu bewegen und anhand des Johlens von Donghyuk und Jimin scheint er gut zu sein. Mit einem Mal ist seine Angst von erst wie weggeblasen, es kommt ihm beinahe lächerlich vor, wie er sich gesträubt hat, diese Pille zu nehmen. Jetzt lebt er nur noch für den Moment und die Musik. Noch nie hat er sich so voller Energie gefühlt und schon lange war er nicht mehr so glücklich. Und er ist mittlerweile nicht mehr der einzige, der auf dem Parkett tanzt. Jennie, Donghyuk und Junhoe gesellen sich ihm. Während Jennie lasziv die Hüften kreisen lässt und sich Donghyuk annähert, kommt Junhoe auf Felix zu. Der strahlt den Älteren an und lässt es zu, wie dessen Lippen sich an seinen Hals legen. Genüsslich schließt Felix die Augen. Verdammt, das fühlt sich so gut an. Alles fühlt sich so gut an.
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