On a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
05.07.2020
23
44.895
10
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30.06.2020 1.833
 
Am nächsten Morgen geht Felix wieder alleine zur Schule. „Und? Hattest du bei Changbin gestern Erfolg?“, begrüßt ihn Minho gleich, als sie sich begegnen. Stolz erzählt Felix von dem, was er erreicht hat und der Ältere staunt nicht schlecht. „Wow, uns hat er nie an sich heran gelassen“, murmelt er und grinst dann. „Offenbar strahlst du eine andere Aura aus.“ „Das ist eine besondere australische Aura, die nur ich habe!“, kichert Felix. Auch die anderen sind davon verblüfft, dass Changbin den Jüngeren in seiner Nähe toleriert hat. „Pah, und ich werde damals geschlagen“, brummt Chan und sieht beleidigt vor sich hin. „Felix ist halt speziell“, lacht Woojin. „Oder er hat ein spezielles Vorrecht, das wir nicht genießen“, entgegnet Seungmin weise, „Jeongin hat er auch nie ein Haar gekrümmt.“ „Aber ich bin nicht Jeongin!“, stellt Felix stirnrunzelnd klar. „Er empfindet wohl das gleiche für dich“, erwidert Seungmin ruhig und Felix denkt darüber nach.

„Kann der Schultag nicht schon vorbei sein?“, seufzt Jisung, als sie sich zu ihrem Klassenzimmer begeben. „Mir ist eine unglaublich gute Idee für einen Song gekommen, aber meine Mutter hat mich zwei Uhr nachts gezwungen ins Bett zu gehen.“ „Wow, und da bist du heute Morgen überhaupt aus dem Bett gekommen?“, entgegnet Hyunjin beeindruckt. „Das könnte ich nie.“ Als Felix gerade dabei ist, seine Bücher auszupacken, kommt Chanhee zu ihm. „Felix, kann ich dich mal kurz sprechen?“, fragt er angespannt und der Australier nickt und geht mit ihm nach draußen. Dort stehen auch Hyunjoon und zwei weitere Mitschüler, deren Namen Felix gerade nicht einfallen. Chanhee zieht ein Handy aus seiner Hosentasche hervor und hält es Felix hin. Der sieht verwundert von einem zum anderen. „Das ist mein Handy, das verschwunden war. Es ist unter einen Spind gefallen“, erklärt Chanhee zerknirscht. „Aha“, antwortet Felix darauf nur ruhig. „Es tut uns leid, das wir dich einfach verdächtigt haben“, sagt Hyunjoon schnell. „Aber mir tut es nicht leid, dass ich ein Waise bin. Oder erwartet ihr, dass ich mich dafür entschuldige? Haltet euch beim nächsten Mal mit Vorurteilen zurück“, verlangt Felix und geht wieder nach drinnen.

Zwar findet er es okay, dass sie sich entschuldigt haben, doch ihre Anschuldigungen wird er trotzdem nicht vergessen und auch nicht so schnell verzeihen. Das man manche Leute sofort abstempeln muss, nur weil sie anders sind! „Was war denn los?“, fragt Jisung, doch in dem Moment betritt schon der erste Lehrer den Raum. Felix erzählt den anderen nichts von diesem Gespräch. Sie müssen nicht wissen, dass es ihn mehr verletzt hat, als er zugeben würde. Auch Changbin weiß nichts davon. Changbin-hyung, was geht eigentlich in deinem Kopf vor? , denkt Felix traurig. Du lässt nie jemanden an deinen Gedanken teilhaben und wenn dann nur selten. Ein langer Schultag neigt sich dem Ende und in den letzten Stunden wurde Felix ein Dämpfer verpasst, indem ein unangekündigter Test geschrieben wurde. Doch auch Jisung hat es wohl eiskalt erwischt. Zumindest würde das sein nervöses Wippen mit dem Fuß erklären. Allerdings hat Felix gerade dringendere Sorgen, wie das. Er muss versuchen Changbin aus der Reserve zu locken.

Aber was gestern funktioniert hat, scheint heute keine Wirkung zu haben. Schließlich klopft Felix zaghaft bei dem Älteren an. „Hyung, darf ich rein kommen?“ Einen Augenblick ist Ruhe. „Wenn eine Tür abgeschlossen ist, was heißt das wohl gewöhnlich?“, ertönt Changbins schroffe Stimme von drinnen. „Keine Ahnung, sag du es mir“, erwidert Felix herausfordernd, da er sich nicht so einfach abwimmeln lassen will. „Das man verdammt nochmal seine Ruhe will!“, brüllt Changbin aufgebracht. „Du nervst!“ „Ich nerve gerne“, antwortet Felix fröhlich und setzt sich vor die Tür. „Und ich habe Geduld.“ Mit diesen Worten beginnt er einfach abzuwarten und als Schritte von drinnen näher kommen, schaut er auf. „Hast du Todessehnsucht, oder was?“, knurrt der Ältere und kurz will Felix einen Rückzieher machen. Mit diesem Blick hat er ihn anfangs immer angesehen, aber jetzt fürchtet er sich nicht mehr. Er rappelt sich auf und sieht Changbin offen an. „Das kann gut sein, immerhin habe ich einen Brand überlebt“, kontert er herausfordernd, ehe er den Älteren mustert. „Wenn du glaubst, dass ich dich einfach so alleine lasse, dann irrst du dich gewaltig“, stellt er klar und Changbin funkelt ihn an. „Du hast doch keine Ahnung!“ „Doch, die habe ich rein zufällig“, informiert ihn Felix mit ruhiger Stimme. „Ich weiß, was diesen Samstag ist und genau deswegen werde ich dich nicht alleine lassen!“

„Glaubst du, das würde irgendwas bringen?“, fragt Changbin verächtlich. „Hau einfach ab!“, zischt er und knallt die Tür zu. Oder er versucht es zumindest, denn Felix hat unglücklicherweise noch seine Hand dazwischen klemmen. Ein schmerzerfülltes Wimmern verlässt seine Lippen und Changbin stößt die Tür sofort wieder auf. Zitternd betrachtet Felix seine Finger, ehe er nach unten ins Bad stürmt und die Hand unter das kalte Wasser hält. Gott sei Dank, ist es nicht die Hand mit der er schreibt. Die Tür öffnet sich einen Spalt und Changbin kommt herein. Felix sieht im Spiegel den gequälten Ausdruck in den Augen des Älteren. „Und genau deswegen sollst du nicht zu mir kommen“, sagt er tonlos. „Hyung, das war ein Unfall!“, stöhnt Felix und stellt das Wasser ab. „Was kann ich dafür, wenn ich nicht weiß, was „aufgeben“ heißt?“ „Zeig mal her“, verlangt Changbin und betrachtet vorsichtig die geröteten Finger. „Das muss gekühlt werden, sonst hast du ein Problem“, sagt er schnell und wendet sich wieder ab. Allerdings hat Felix seine Tränen bemerkt und eilt ihm nach. In der Küche sucht Changbin nach Kühl Akkus und wird auch fündig. In ein Tuch gewickelt überreicht er diese wortlos Felix. Bevor er allerdings nach oben verschwinden kann, hält der Jüngere ihn zurück.

„Hör auf, du sollst dir deswegen keine Vorwürfe machen. Das ist jetzt einfach passiert und gut ist.“ Changbin reibt sich über die Augen. „Wieso muss ich immer alle Leute in meinem Umfeld verletzten?“, bricht es verzweifelt aus ihm heraus und Felix schüttelt den Kopf. „Das ist nicht wahr!“ „Doch ist es“, flüstert Changbin und läuft die Treppe nach oben. Felix sieht sich kurz seine Finger an und geht dann ebenfalls ins obere Stockwerk. Jetzt ist Changbins Zimmertür nur angelehnt und er schlüpft nach drinnen. Der Ältere sitzt auf seinem Bett und hält den Kopf hinter den Händen vergraben. „Irgendwann muss ich für meine Sturheit doch mal bestraft werden“, sagt Felix, als er sich neben ihn setzt. „Und es tut auch nicht mehr so sehr weh, es scheint wohl nichts gebrochen zu sein.“ „Ich drehe durch!“, presst Changbin hervor. „Ich drehe langsam durch!“ „Ach, das tun wir alle“, grinst Felix und versucht den Älteren aufzumuntern, doch dieser reagiert nicht darauf. „Ich kann das nicht mehr“, flüstert er schließlich und zögernd umarmt Felix ihn. Im ersten Moment versucht Changbin ihn wegzudrücken, dann gewährt er die Berührung aber. „Ich habe ihn umgebracht“, wimmert der Ältere immer wieder und Felix würde am liebsten fragen, was er damit meint, hält sich dann aber zurück. Changbin leidet offensichtlich und er will ihn mit seinen Fragen nicht noch mehr quälen. Zumal er sich die Antwort sowieso denken kann.

Natürlich fallen Frau Seo die mittlerweile blauen Finger von Felix auch auf, doch er sagt, es sei in der Schule passiert. Als Felix am späten Abend aus dem Bad nach oben in sein Zimmer gehen will, hört er ein leises Weinen aus Changbins Zimmer und dieses Geräusch alleine genügt, um Felix ebenfalls die Tränen kommen zu lassen. Er würde ihm so gerne helfen, doch er weiß nicht wie und zudem würde er ihn auch nicht mehr an sich heran lassen. Das von erst war wohl auch nur eine Ausnahme. Mit einem Kloß im Hals legt er sich ins Bett und kann genauso schlecht schlafen, wie Changbin. Die Woche vergeht langsam und in den nächsten Tag gelingt es Felix nicht mehr den Älteren aus seinem Zimmer zu locken. Die Tür bleibt verschlossen und manchmal wurden auch Gegenstände dagegen geworfen, wenn er klopft. Das war das Zeichen für Felix lieber das Weite zu suchen. Auch die anderen werden mit der Zeit immer trübsinniger und Felix merkt, wie sich diese Stimmung auf ihn auswirkt. „Changbin-ah, komm jetzt raus!“, versucht gerade Frau Seo ihren Sohn aus seiner Höhle zu locken, während Felix in seinem Zimmer ist und versucht Hausaufgaben zu machen. „Du kannst dich nicht bis Samstag hier drinnen verbarrikadieren!“ „Kann ich sehr wohl und jetzt verschwinde!“, schreit Changbin von innen zurück und Frau Seo geht wieder nach unten.

Bitte Hyung, tu nichts Blödes! , fleht Felix im Stillen. Mitten in der Nacht wird er dann abrupt wach. Seufzend tastet er nach dem Licht und blinzelt dann. Was hat ihn aufgeweckt? Da hört er Schritte im Gang und sein Herzschlag beschleunigt sich. Einbrecher? Doch er verwirft die Idee gleich wieder und lugt nach draußen. Er sieht, dass irgendwo Licht an ist und Felix geht zum Treppenabsatz, um nach unten zu schauen. Auf der untersten Treppenstufe sitzt ein bekannter dunkler Haarschopf. Felix geht zögernd die Treppe nach unten. Changbin hat ihn nicht bemerkt, erst als Felix seine Hand umfasst, schaut er auf. „Du kannst auch nicht schlafen“, stellt Felix fest. Da erst registriert er im schwachen Licht die Tränenspuren auf den Wangen des anderen. „Komm her“, sagt er leise und zieht ihn zu sich. Schluchzend verbirgt Changbin seinen Kopf an Felix‘ Schulter und der streicht durch sein dunkles Haar. „Du tust dir keinen Gefallen, wenn du niemanden an dich heran lässt. Irgendwann zerbrichst du daran“, sagt Felix ernst. „Ich verdiene nichts Besseres!“, wimmert Changbin und schnieft. „Hyung, das ist Blödsinn“, entgegnet der Australier und als Changbin sich beinahe schutzsuchend an ihn schmiegt, ist es um Felix‘ Fassung geschehen.

Energisch fährt er sich über die Augen, doch seine Tränen lassen sich nicht stoppen. „Warum weinst du?“, fragt Changbin verwundert und reibt sich über die Nase. „Wie soll ich das ganze ertragen, ohne weinen zu können?“, entgegnet Felix aufgebracht. „Ich kann mich nicht einfach damit abfinden, wie ihr alle leidet und ich als einziger euch dabei zusehen muss.“ Changbin sieht ihn einen Moment an, bis Tränen wieder seine Augen füllen und im nächsten Moment über seine Wangen rennen. Schluchzend drückt er den Jüngeren an sich und der ist im ersten Augenblick überrascht davon. „Schscht, du bist nicht alleine“, wispert Felix und fährt über Changbins Rücken. „Du schaffst das schon. Jeongin soll stolz auf dich sein können. Er würde nicht wollen, dass du so sehr daran zerbrichst“, versucht der Jüngere Changbin zu beruhigen. Irgendwann versiegen seine Tränen langsam und er fährt sich über die Wangen. „Geh ins Bett, du musst morgen zur Schule“, sagt er mit heiserer Stimme und steht wankend auf. „Hyung, du weißt, dass meine Tür offen ist“, erwidert Felix sanft und geht wieder nach oben. Müde verschwindet er wieder in sein Bett und später spürt er plötzlich, wie sich jemand neben ihn legt. Im Halbschlaf grinst Felix in sein Kissen und dreht sich um. „Habe ich dich geweckt?“, flüstert Changbins Stimme und ohne die Augen zu öffnen, schüttelt Felix den Kopf. „Schlaf jetzt, Hyung“, murmelt er und drückt ihn an sich. Und die restliche Nacht kann Changbin tatsächlich ohne Alpträume verbringen.
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