Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
24.11.2020
56
116.505
16
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
09.08.2018 1.976
 
Wie zur Hölle kommen seine Eltern auf die Idee einfach so jemanden zu adoptieren? , denkt Changbin verärgert, während er zur Schule geht. Die Neuigkeit von gestern spukt ihm noch durch den Kopf. Als er zum Essen runter gekommen ist, hat er allerdings kein Wort gesagt, auch wenn seine Eltern versucht haben mit ihm zu reden. Sollen sie merken, was er von dieser bescheuerten Idee hält. Heute Morgen hat seine Mutter noch gesagt, dass er in einer Woche zu ihnen kommen wird. Changbin kickt einen Stein aus dem Weg. Soll er doch kommen, sein „Bruder“ wird das sicher nicht werden! „Wow, wer oder was hat dich denn verärgert?“, ertönt die Stimme von Lee Minho hinter Changbin. Der Ältere von beiden kommt ihm entgegen. Minho wohnt in der Nähe und sie laufen meist zusammen zur Schule. Trotz das er ein Jahr älter ist, geht er bei Changbin in die Klasse, da er diese Klassenstufe wiederholt, aufgrund seiner langen Abwesenheit im letzten Jahr. Minho war für fast ein Jahr im Krankenhaus. Warum, wollte er ihnen nicht sagen und irgendwann haben sie auch aufgehört ihn mit Fragen zu bombardieren. „Also, was ist los?“, fragt Minho jetzt neugierig. „Nichts“, brummt Changbin und der Ältere kichert. „Schon klar, Binnie“, grinst er und dann herrscht Schweigen zwischen beiden.

Auf dem Schulhof halten sie Ausschau nach ihren Freunden. Chan und Woojin stehen in der Nähe des Eingangs, Jisung ist schon bei ihnen. „Komm!“ Minho umfasst einfach Changbins Handgelenk und zieht ihn hinter sich her. Die beiden Ältesten, Chan und Woojin, sind bald mit der Schule fertig. Sie bereiten sich momentan auf die Aufnahmeprüfung für die Uni vor. „Wo ist der Rest?“, fragt Minho verwundert, als sie bei den dreien ankommen. „Der Bus hat Verspätung“, antwortet Woojin. „Zumindest hat Seungmin es mir geschrieben.“ Doch Seungmin und Hyunjin kommen zum Glück noch rechtzeitig an. „Wir sehen uns später!“, ruft Chan, er und Woojin biegen nach links ab, Hyunjin, Jisung und Seungmin nach rechts, während Changbin und Minho zum Anbau gehen. „Was ist los?“, fragt Minho erneut, während sie sich im Klassenzimmer auf ihre Plätze setzen. „Hast du dich mit deinen Eltern gestritten?“, hakt Minho nach, doch Changbin gibt keine Antwort. „Verdammter Sturkopf“, grummelt der Ältere daraufhin. Frau Lee betritt das Klassenzimmer und beginnt mit dem Unterricht. An und für sich ist es nichts neues, das Changbin in sich gezogen ist. Das ist er schon eine ganze Weile so, nur manchmal ist es verdammt schwer an ihn heranzukommen. Selbst als einer seiner Freunde. Minho betrachtet ihn seufzend. „Kommst du mit in die Kantine?“, fragt Minho, als es später zur Pause klingelt. Changbin schüttelt den Kopf und der Ältere schneidet eine Grimasse. „Du weißt ja, wo du uns findest“, sagt er und verlässt das Klassenzimmer. Changbin legt den Kopf auf den Tisch und schließt die Augen. Was haben seine Eltern erwartet? Das er die Neuigkeit mit Begeisterung aufnimmt? Wie können sie einfach jemand Fremdes adoptieren? Nicht nachdem- Er runzelt die Stirn und öffnet die Augen.

Nach seinem Tod hat er sich verändert, fast jeder sagt das. Er hat sich in sich zurückgezogen und eine Mauer um sich errichtet, selbst seine Freunde haben manchmal Schwierigkeiten ihn dahinter zu erreichen. Aber seit dem Tod seines jüngeren Bruders ist vieles anders. Und jetzt soll ein fremder Junge sein Zimmer bekommen? Patenkind hin oder her, für Changbin ist es ein Fremder. „Wo ist Changbin?“, fragt Chan, als Minho alleine zu ihrem Tisch in der Kantine kommt. Darauf hebt Minho nur die Schultern und schüttelt den Kopf. „Was ist denn nun schon wieder los?“, murrt Hyunjin. „Haben wir etwas falsch gemacht?“ „Denke ich nicht“, erwidert Minho und setzt sich neben Woojin. „Er war schon auf dem Weg zur Schule von irgendwas verärgert.“ „Er kriegt sich schon noch ein“, sagt Jisung zuversichtlich und isst ruhig weiter. Chan allerdings kann nicht anders, als sich Sorgen zu machen. Sein Tod ist jetzt fast zwei Jahre her und noch immer scheint Changbin nicht wirklich darüber hinweg zu sein. Er frisst seinen Kummer in sich hinein, auf Dauer kann das unmöglich gut sein. Doch sämtliche Versuche mit Changbin zu sprechen, haben nichts gebracht. Er will keine Hilfe, von niemanden. Und genau das beunruhigt Chan ziemlich.

Changbin hätte beinahe vergessen, wenn sein Adoptivbruder ankommt, wenn sein Vater es beim Frühstück eine Woche später nicht verkündet hätte. „Macht doch was ihr wollt, ich werde eh nicht gefragt“, knurrt Changbin und erhebt sich vom Tisch. Wütend verlässt er die Küche. Als er das Haus verlassen will, hält seine Mutter ihn zurück. „Liebling, wir wissen, dass es nicht einfach für dich ist. Aber bitte mach es Felix nicht noch schwerer, okay?“ „Ach, und für mich ist es nicht schwer?“, faucht Changbin zurück und seine Mutter lächelt traurig. „Er ist tot, Changbin, er wird auch nicht wieder lebendig, wenn du dich vor dem Leben verschließt“, sagt sie ernst und Changbin schnaubt verächtlich auf. „Danke, das du mich daran erinnerst!“, knurrt er und öffnet die Haustür, um sie hinter sich lautstark ins Schloss fallen zu lassen. Seine Mutter sieht ihm bekümmert nach. „Das kann ja lustig werden“, ertönt die besorgte Stimme ihres Mannes hinter sich und die beiden fahren wenig später los, um Felix abzuholen.

Dieser hat bereits seine wenigen Habseligkeiten zusammen gepackt, die er mit ins Waisenhaus genommen hat. Der Brand hat auch viele Sachen vernichtet, somit hat er nur zwei Taschen vollgepackt und sitzt nun auf seinem Bett, das vermutlich bald ein anderer Junge bekommen wird. Sein Blick wandert über sein leeres Regal. Er wird die anderen vermissen, da ist er sich sicher. Mit einigen Kindern hier, hat er Freundschaft in der kurzen Zeit geschlossen. Die Tür öffnet sich und Frau Kim, eine der Erzieherinnen, schaut herein. „Yongbok, sie sind da“, sagt sie und Felix schultert seinen Rucksack und greift nach der Tasche. Unten im Flur stehen Herr und Frau Seo, die ihn erfreut begrüßen. „Bist du bereit, Felix?“, lächelt Herr Seo und er nickt leicht, auch wenn er sich nicht wirklich bereit fühlt. Frau Seo wechselt noch ein paar Worte mit Frau Yoon, der Leiterin des Heims und dann kommt sie dazu. „Können wir los machen?“, fragt sie abwartend und Felix nickt wieder. Zu seiner Überraschung haben sich draußen alle anderen Kinder versammelt, um ihn zu verabschieden. Seine Adoptiveltern gehen schon mal voraus. Alle versuchen nicht zu traurige Gesichter zu machen, doch einige scheitern. Vor allem Jaemin bemüht sich um Fassung, wie Felix bemerkt. Er wird sie vermissen. „Ist das dein ganzes Gepäck?“, fragt Herr Seo, als Felix schließlich beim Auto ankommt. „Mehr war nicht übrig“, murmelt Felix schulterzuckend. Er steigt ins Auto und lässt den Blick noch einmal über das Gebäude schweifen. Jaemin winkt ihm zum Abschied hinterher und Felix dreht sein Armband an seinem Handgelenk. „Bist du sehr aufgeregt?“, fragt Frau Seo und dreht sich um. Mittlerweile haben sie die Autobahn erreicht.

„Ja, irgendwie schon“, erwidert Felix unruhig und sie lächelt. „Wir werden auf dich aufpassen, immerhin haben wir es deinen Eltern versprochen“, sagt sie und Felix lächelt schmerzerfüllt. Herr Seo schaut ihn durch den Rückspiegel an. „Felix-ah, wenn Changbin sich gegenüber sehr kühl verhalten sollte, dann nimm ihm das bitte nicht so sehr übel“, sagt er und Felix hört den angespannten Ton. Sie haben ihm von ihrem Sohn Changbin bereits erzählt. „Er will keinen kleinen Bruder haben?“, fragt Felix seufzend und Herr und Frau Seo wechseln einen raschen Blick miteinander. „Das ist es nicht, Felix-ah. Habe einfach ein wenig Geduld mit ihm, okay?“ Verwundert nickt Felix, er hat sich schon darauf eingestellt, unerwünscht zu sein. Immerhin kommt er quasi von jetzt auf gleich in die Familie hinein. Aufgrund einer Baustelle kommen sie erst nach zwei Stunden in Seoul an. Felix steigt aus dem Auto und schaut sich neugierig um. Das Wohnviertel sieht recht teuer aus, überall stehen kleine Villen. Auch das Wohnhaus der Familie Seo wirkt mit seinem weißen Anstrich sehr edel. Die meisten Häuser in der Straße sind weiß und Felix kratzt sich leicht überfordert am Hinterkopf. Hoffentlich klingelt er nicht mal versehentlich am falschen Haus. Hin und wieder gibt es auch schöne Backsteinhäuser. Alles wirkt hier nicht typisch koreanisch, sondern eher, wie eins der modernen Viertel aus Amerika. Frau Seo ist bereits durch den Vorgarten zur Haustür gegangen, während Herr Seo Felix‘ Gepäck aus dem Kofferraum nimmt. „Ich kann das auch tragen“, sagt dieser rasch und Herr Seo lächelt.

„Geh schon mal ins Haus, du willst sicher dein neues zu Hause anschauen“, winkt er ab und Felix nickt. Der Flur ist groß und geräumig und deutet daraufhin, dass noch ein weiterer Junge hier lebt, da ein Schuhschrank voll mit Sneakern und Chucks ist, ähnlich wie Felix welche trägt. „Komm, ich führe dich herum“, sagt Frau Seo und greift nach Felix‘ Hand, welcher kurz zusammen zuckt. Vom Flur aus gelangt man gleich in die Küche, welche durch eine Balkontür zum Garten hinausführt. Neugierig schaut Felix durch das Glas in den großen Garten. Ihm fällt auf, dass es viele Rosensträucher gibt. „Ich liebe Rosen, schon meine Mutter hat sie in ihrem Garten gepflanzt und das hat sich auf mich übertragen“, erklärt Frau Seo lächelnd. Sie verlassen die Küche und nebenan grenzt das Wohnzimmer, welches ebenfalls eine große Glaswand nach draußen zum Garten hat, auch hier gelangt man nach draußen. Das Badezimmer befindet sich ebenfalls noch unten. „Komm, der Rest ist oben“, sagt Frau Seo und Felix folgt ihr die Treppe nach oben. Er betrachtet die Bilder an der Wand hängen. Auf einem sind zwei lächelnde Jungen abgebildet. „Wer ist das?“, fragt er überrascht. Von einem weiteren Kind, außer Changbin, war nie die Rede. „Unsere beiden Söhne“, erwidert Frau Seo, die schon am Ende der Treppe angelangt ist. Felix runzelt die Stirn. „Aber ihr habt doch gesagt-“, setzt er an, worauf Frau Seo erklärend hinzufügt: „Unserer jüngerer Sohn ist gestorben.“ Felix beißt sich auf die Unterlippe. „Er war ein Jahr jünger als du“, seufzt Frau Seo und lächelt leicht. Schmerz liegt in ihren Augen. „Tut mir leid“, murmelt Felix unbehaglich. Er steigt die letzten Stufen nach oben. „Hier vorne ist Changbins Zimmer, dahinten ist unser Schlafzimmer.“ Frau Seo deutet auf eine Tür rechts im Gang. „Das hier wird dein Zimmer“, lächelt sie und Felix drückt zaghaft die Klinke runter.

In dem Moment kommt Herr Seo mit dem Gepäck nach oben. Felix stößt die Tür auf und blickt sich im Raum um. Zwei Fenster zeigen nach draußen in den Garten, unter der Dachschräge steht ein bereits überzogenes Bett und der Schreibtisch wurde unter die beiden Fenster platziert. Ein großer Schrank steht an der Seite ohne Schräge und zwei Regale sind daneben angebracht wurden. Die Wände sind in einem hellen blau gestrichen. Während Felix sich umsieht, stellt Herr Seo seine Sachen neben das Bett. „Es ist schön“, sagt Felix lächelnd und Herr Seo wuschelt durch sein dunkles Haar. „Willst du erst einmal ausräumen?“, fragt er und Felix nickt. „Okay, und dann essen wir etwas! Du bist sicher hungrig“, meint Frau Seo und tatsächlich gibt Felix‘ Magen ein Grummeln von sich. Da seine Habseligkeiten nicht sonderlich zahlreich sind, ist er mit aus- und einräumen schnell fertig. Er geht zum Fenster und schaut nach draußen. Über die Bäume des Gartens sind in der Ferne Hochhäuser zu sehen. Felix sinkt auf sein Bett. Okay, er ist in Seoul. So richtig realisieren kann er es noch nicht. Schließlich geht er nach unten in die Küche, wo Frau Seo bereits den Tisch deckt. „Wann kommt Changbin?“, fragt Felix, während er Platz nimmt. „Erst gegen sechzehn Uhr“, erwidert Frau Seo und ihr Mann kommt in die Küche. Auf dem Tisch steht bereits Tteokbokki und dazu stellt Frau Seo noch eine Nudelsuppe und eine Schale mit Kimchi. „Da ich nicht wusste, was du gerne magst, habe ich einfach etwas simples zubereitet“, erklärt Frau Seo entschuldigend, doch Felix lächelt. „Solange es nicht allzu scharf ist, esse ich so gut wie alles“, antwortet er. „Dann ist ja alles klar“, lacht Herr Seo und sie beginnen zu essen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast