Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 / MaleSlash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
23.12.2020
64
136.118
17
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.06.2020 2.420
 
„Sicher, das wir so einfach reinplatzen können?“, fragt Felix zaghaft. „Du meintest doch, dass seine Mutter euch nicht mag.“ „Wenn Minho geschrieben hat, dass wir vorbei kommen sollen, dann ist sie wahrscheinlich nicht da“, entgegnet Changbin gelassen. So ganz wohl ist sich der Jüngere trotzdem nicht bei der Sache. Auf dem Weg zu Minho kommt ihnen auf halber Strecke Jisung von der anderen Straßenseite entgegen. „Wo wollt ihr denn hin?“, fragt er verwirrt. „Zu Minho-hyung“, antwortet Felix und Jisung hebt die Augenbrauen. „Ach, ihr auch? Mir hat er auch geschrieben, dass ich vorbei kommen soll.“ „Anscheinend hat er allen von uns geschrieben“, stellt Changbin stirnrunzelnd ist. „Besser wär’s, wenn er dann auch mit der Sprache raus rückt.“ Jisung sieht ihn daraufhin vorwurfsvoll an. „Sei nicht so fies!“, weist er den Älteren zurecht, aber dieser ignoriert das. Minho selbst öffnet ihnen schließlich die Tür. Ein leichtes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, als er die drei erblickt. „Ihr seid die letzten“, sagt er und Jisung grinst. „Das Beste kommt zum Schluss!“, sagt er würdevoll.

Felix sieht sich neugierig im Flur um, wird aber von Changbin durch den Gang zu Minhos Zimmer gezogen. Durch den Türspalt dringen tatsächlich die Stimmen der anderen hervor und als Changbin den Raum betritt, fängt jemand an zu applaudieren, was Felix dann als Woojin ausmachen kann. „Es ist nicht meine Schuld, dass wir zu spät sind. Jemand anderes musste unbedingt noch seine Hausaufgaben zu Ende bringen“, verteidigt sich Changbin, worauf Felix die Wangen aufplustert. „Willst du sie für mich machen?“, entgegnet er und daraufhin schneidet der Ältere eine Grimasse. „Dann würdest du locker durchfallen“, murmelt er und setzt sich zu Seungmin auf den Teppich. Felix nimmt neben Jisung und Hyunjin Platz und bemerkt dann die angespannte Stimmung im Raum. „Also, wir hören“, sagt Changbin ungeduldig und erntet einen strengen Blick von Chan. Minho sitzt auf seinem Bett und hält den Blick gesenkt. Chan umfasst aufmunternd seine Hand. „Lass dich von Changbin nicht drängen, wir haben Zeit“, sagt er beruhigend und Changbin verdreht darauf nur die Augen.

„Er hat Recht“, entgegnet Minho erschöpft, „ich halte euch schon viel zu lange im Dunklen.“ „Aber du hast einen Grund dafür, oder Hyung?“, hakt Seungmin besorgt nach und Minho nickt leicht. „Was in der Schule erzählt wird, ist wahr. Ich bin krank.“ „Wären wir ja nie drauf gekommen, wenn du monatelang im Krankenhaus warst“, murrt Changbin und Jisung wirft ihm mit einem Kissen ab. „Sei jetzt endlich still!“, knurrt er und Minho lächelt. „Lass ihn“, winkt er ab. „Ich würde genauso reagieren, wenn es einer von euch wäre.“ Felix spürt, wie sich Gänsehaut auf seinen Armen bildet, was auch immer Minho zu sagen hat, es ist wohl keine kleine Sache. „Ich habe Leukämie“, platzt es aus diesem schließlich heraus und für einen Augenblick herrscht vollkommene Stille. „Und das konntest du uns ein Jahr lang nicht sagen?“, will Changbin stirnrunzelnd wissen. „Du hast Leukämie? Das ist alles?“ „Das ist alles?“, wiederholt Woojin aufgebracht. „Tickst du noch ganz richtig, Seo Changbin? Das kann auch böse enden!“ „Hört auf!“, fährt Minho dazwischen, das Gesicht verzogen. „Ihr sollt euch nicht streiten.“

Sein Blickt geht aus dem Fenster. „Wisst ihr noch, als ich damals immer so blass war und oft im Unterricht eingeschlafen bin?“ „Lebhaft“, murmelt Chan vor sich hin, „Frau Song hat Kreide nach dir geworfen.“ „Irgendwann kamen dann auch die Bauch-und Gelenkschmerzen und das häufige Fieber dazu. Ich dachte, es sei ein ganz normaler Infekt und das wird schon, aber dann hatte ich diese Schwellungen am Hals und deswegen bin ich zum Arzt gegangen. Der hat festgestellt, dass die Lymphknoten ungewöhnlich stark geschwollen sind und meinte, ich solle ins Krankenhaus für ein paar Tests gehen. Mein Blut wurde untersucht und ich hatte das Ergebnis: Akute lymphoblastische Leukämie. Eigentlich ist es in meinem Alter selten, aber wie es scheint, habe ich den Jackpot gezogen. Allerdings wurde es noch rechtzeitig erkannt und behandelt, so konnte man das schlimmste verhindern.“ „Und… jetzt bist du geheilt?“, fragt Hyunjin schockiert mit großen Augen.

Minho hebt die Schultern. „Anfangs haben die Medikamente nicht angeschlagen, aber als die Dosis erhöht wurde, hat es sich langsam gebessert. Trotzdem brauche ich jetzt eine Stammzellentransplantation. Aber ich habe ziemliches Glück und ein Spender hat sich gefunden. Die Chancen auf Heilung seien sehr gut, laut meinem Arzt“, antwortet Minho. „Also wirst du wieder ganz gesund?“, platzt es besorgt aus Seungmin hervor. „Falls es keinen Rückschlag gibt, ja“, erwidert Minho seufzend. Dann herrscht einen Augenblick Stille im Raum. Alle versuchen die Neuigkeiten zu verarbeiten. „Warum hast du nie etwas gesagt?“, fragt Chan schließlich leise und man kann heraushören, dass er verletzt ist. Minho senkt den Kopf und schweigt kurz. „Jeongin ist gestorben und ich wollte euch mit meiner Diagnose nicht noch mehr aufbürden“, erwidert er gequält. Bei diesen Worten fährt Changbin abrupt auf. „Das soll ja wohl ein Scherz sein, oder?“, ruft er aufgebracht.

„Ich habe doch gesehen, dass ihr alle mit seinem Tod gekämpft habt, ich doch auch! Da wollte ich nicht noch mehr schlechte Nachrichten rein drücken“, sagt Minho hilflos und Changbin springt auf seine Füße. „Das ist die dümmste Begründung, die du dafür haben kannst!“, faucht er. „Jeongins Tod und deine Krankheit sind vollkommen verschieden! Jeongin kann nicht wieder zurückkommen, aber du bist noch da!“ Felix sieht besorgt zu seinem Adoptiv Bruder auf, er spürt, dass Wut und Verzweiflung in ihm einen großen Kampf führen. „Denkst du, wir hätten dich alleine gelassen, nur weil Jeongin vorher gestorben ist? Hast du das tatsächlich gedacht?“ „Ich habe mich überflüssig gefühlt, ich hätte es euch gesagt, wenn sich alles ein wenig gelegt hätte“, entgegnet Minho mit gesenktem Kopf. „Wann? Wenn du kurz vor dem Tod gestanden hättest?“, zischt Changbin und schluckt hart, da ihm Tränen in den Augen brennen. „Changbin, dir ging es mehr als Scheiße nach Jeongins Tod, ich wollte nicht, dass-“, versucht Minho zu erklären, doch dieser lässt ihn nicht zu Wort kommen.

„Natürlich ging es mir Scheiße!“, schreit er und seine Tränen beginnen jetzt doch über seine Wangen zu laufen. „Er war mein kleiner Bruder und ich werde wohl nie über seinen Verlust hinwegkommen, aber hast du tatsächlich gedacht, dass es mir am Arsch vorbei gehen würde, wenn du mit dem Leben kämpfst?“ Erneut breitet sich Stille aus, unterbrochen von Changbins zitterndem Atem. Langsam steht Minho auf und geht auf ihn zu. Vorsichtig zieht er den Jüngeren in seine Arme und dieser klammert sich automatisch an ihn. „Bitte Hyung, du kannst mich nicht auch noch verlassen! Tu mir das nicht an!“, wimmert Changbin und Hyunjin blinzelt angestrengt, da ihm jetzt ebenfalls die Tränen kommen. Felix weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll, über diese unglaublich niedliche Szene. Minho streicht Changbin beruhigend über den Kopf. „Ich gehe nirgendwohin, versprochen Dongsaeng“, versichert er bestimmt. Changbin schluchzt aber nur erstickt auf und Chan erhebt sich ebenfalls. Sacht fährt er über Changbins Rücken.

„Vielleicht ist das auch der Grund, wieso Minho es verschwiegen hat“, sagt er leise, „weil er wusste, wie du reagieren wirst. Du kannst dich für noch so stark halten, Seo Changbin, aber du kannst mit Verlust nicht umgehen und ich denke, dass Minho sich Sorgen gemacht hat, dass du auf seine Neuigkeit dich wieder in dir selbst verlieren könntest.“ „Besser kann man es nicht in Worte fassen, Hyung“, entgegnet Minho und lächelt schmerzerfüllt. „Ist doch scheißegal, wenn ich mich in mir selbst verliere, solange ihr mir nicht alle wegsterbt!“, schnieft Changbin an Minhos Schulter. „Ach, ich wollte noch ein paar Jahre leben. Wenigstens zur Uni wollte ich gehen“, grinst Woojin schief und bringt damit Seungmin kurz zum Grinsen, auch wenn diesem mittlerweile ebenfalls die Tränen über die Wangen geflossen sind. Langsam löst sich Changbin wieder von Minho und dieser tippt ihm unters Kinn. „Kopf hoch, so leicht werdet ihr mich nicht los“, sagt er bestimmt und Changbin versucht zu nicken. Felix bricht es fast das Herz, als er das verweinte Gesicht seines älteren Bruders sieht. Dafür das er sonst immer so gefasst wirkt, ist er jetzt fast schon zerbrechlich. Jisung deutet Changbin an zu ihm zu kommen und als der Ältere neben ihm sitzt, schlingt Jisung seine Arme um ihn. „Komm schon, beruhige dich. Es bringt Minho-hyung jetzt auch nichts, wenn wir verzweifeln“, sagt er entschlossen und Changbin nickt leicht.

Als wenig später Changbin und Felix sich auf dem Heimweg befinden, mustert der Australier Changbin immer wieder besorgt von der Seite, da dieser völlig teilnahmslos einen Fuß vor den anderen setzt. Als er fast einfach über die Straße läuft, hält Felix ihn schnell zurück. „Hyung, wir müssen rechts abbiegen und nicht geradeaus weiter“, sagt er zaghaft und Changbin nickt nur. Frau Seo kommt ihnen schon im Flur entgegen. „Und wie war es?“, fragt sie, doch Changbin drückt sich an ihr vorbei und verschwindet nach oben. „Ich kümmere mich um ihn“, verspricht Felix und flitzt dann hinterher. Vor Changbins Tür zögert er allerdings. Das letzte Mal hat er ihn auch nicht raus geworfen, aber was ist, wenn er wieder in alte Muster verfällt? Egal, irgendjemand muss jetzt für Changbin da sein! , denkt Felix entschlossen und klopft leise an. Von drinnen ist nichts zu hören, weswegen Felix vorsichtig die Tür öffnet. Der Ältere liegt zusammen gerollt auf seinem Bett und hält etwas in seinem Arm, was Felix auf den zweiten Blick als Plüschfigur erkennt. Changbin überrascht ihn immer wieder aufs Neue. Aber zum Lachen ist Felix jetzt weniger zumute, da dieses Bild ihn unglaublich traurig stimmt.

Wie sehr hat Changbin wohl nach Jeongins Tod gelitten hat, wenn ihn Minhos Geständnis schon so aus der Bahn wirft? Zögernd setzt sich Felix auf die Bettkante. „Ich wäre jetzt wirklich lieber alleine“, sagt Changbin mit brüchiger Stimme. Doch so leicht lässt der Jüngere sich nicht abschütteln. „Rutsch mal“, lächelt er und Changbin kommt dem nach. Kurz entschlossen legt Felix sich neben ihn und zieht Changbin in seine Arme. Der ist im ersten Moment wie gelähmt. Nach allem was er Felix angetan hat, ist er trotzdem bei ihm. Wie kann man nur so gutherzig sein? Diese Tatsache lässt bei Changbin den Damm brechen und die Tränen beginnen unaufhaltsam zu fließen. Wo er sich erst versucht hat zusammen zu reißen, kommt es nun aus ihm heraus. Felix schweigt, da Worte ohnehin überflüssig wären. Er streicht dem Älteren tröstend durch das dunkle Haar und er ahnt nicht, wie sehr seine Anwesenheit dem anderen hilft. „Danke“, presst er irgendwann hervor und Felix lächelt. „Nicht dafür“, erwidert er und drückt Changbins Kopf an seine Brust. „Hyung, du darfst jetzt nicht dich verkriechen, du musst jetzt für Minho da sein“, spricht Felix bestimmt. „Er hat das schon viel zu lange mit sich herum getragen und vor allem jetzt müssen wir ihn unterstützen, denn das braucht er dringend.“

„Ich hätte mich damals nicht so aufführen dürfen, dann hätte Minho sagen können, was mit ihm los ist. Aber ich habe mich viel zu sehr in Jeongins Tod rein gesteigert!“, murmelt Changbin vor sich hin und schließt kurz die Augen. „Ich hasse mich so sehr dafür.“ „Hör auf!“, verlangt Felix bestimmt. „Du kannst nicht dafür, deine Reaktion nach seinem Tod war natürlich. Ich kann Minho verstehen, wenn er euch nicht noch mehr quälen wollte. Es ist bewundernswert, wie lange er geschwiegen hat.“ Changbin fährt sich über die Augen und setzt sich auf. „Hyung, falls du zu mir kommen willst, dann weißt du, wo du mich findest“, sagt Felix sanft und verlässt das Zimmer. Changbin sieht ihm nach und muss sich erneute Tränen zurück halten. Womit hat er Felix eigentlich verdient? Er hätte jedes Recht dazu, ihn zu verachten, nachdem er ihn so runter gemacht hat und ohne ein schlechtes Gewissen dabei gehabt zu haben. Wenn Minho gestorben wäre, ohne jemals euch sagen zu können warum, dann ist das deine schuld!, meldet sich die Stimme in Changbins Kopf und er kneift die Augen zusammen. Das ist nicht wahr! , denkt er verzweifelt. Das ist alles Minhos Entscheidung. Lügner! Du bist verdammt selbstsüchtig, Seo Changbin. Du denkst immer nur an dich selbst. Wenn das nicht wäre, könnte Jeongin noch leben.

„Hör auf!“, wimmert er und hält sich die Ohren zu. „Das ist nicht wahr!“ Ein beklemmendes Gefühl breitet sich in Changbin aus und er spürt, wie ihm eiskalt wird. Zitternd atmet er ein und aus und versucht sich zu beruhigen. Als eine warme Hand sich auf seine Schulter legt, fährt er zusammen und blickt wild um sich. „Ganz ruhig, ich bin es doch nur!“, ertönt Felix‘ tiefe Stimme. „Was ist los? Ich habe dich reden gehört.“ Langsam wird Changbins Blick wieder klarer und er erkennt den Jüngeren deutlich. Besorgt und fragend sieht dieser ihn an. „Es ist nichts“, winkt Changbin ab und steht schwerfällig auf. Er spürt, wie seine Beine zittern und versucht sich zur Ruhe zu bringen. Vorsichtig geht Felix auf den Älteren zu und umfasst seine Hand. „Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen“, sagt er ernst und Changbin lächelt gequält. „Das ist eine ziemlich treffende Beschreibung.“ Als Changbin wenig später in seinem Bett liegt, kann er nicht wirklich zur Ruhe kommen. Minhos Worte gehen ihm ständig durch den Kopf. Er kann noch so oft sagen, dass er auf dem Weg der Besserung ist, dieses Gefühl der Angst bleibt in Changbin. Warum hat er nach Jeongins Tod nur so eine Panik vor weiteren Verlusten?

Frustriert schlägt er die Decke zurück und geht durch sein dunkles Zimmer zur Tür. Im Haus herrscht Stille, seine Eltern schlafen wohl auch schon. Leise schleicht Changbin zu Felix‘ Zimmer rüber und drückt die Tür auf. Der Jüngere schläft natürlich friedlich und Changbin bemüht sich, keine allzu großen Geräusche zu verursachen. Als er vor Felix‘ Bett steht, rüttelt er sacht an dessen Schulter. Er erntet nur ein unwilliges Brummen. „Felix, wach auf!“, sagt Changbin eindringlich und der Jüngere dreht sich zu ihm herum. „Hyung?“, fragt er verschlafen. Changbin beißt sich auf die Unterlippe. „Darf ich bei dir schlafen?“, flüstert er verlegen und mit einem Schlag ist Felix hellwach. Wahnsinn, ist das wirklich der Changbin vom Anfang ihrer Begegnung? Breitwillig rutscht der Australier zur Wand und Changbin schlüpft schnell unter die Decke. „Das ist komisch in Jeongins Zimmer zu sein, ohne das Jeongin hier ist“, murmelt Changbin und schluckt. „Tut mir leid“, entgegnet Felix und der Ältere seufzt kurz auf. „Hör auf dich ständig wegen allem zu entschuldigen“, erwidert er. „Werde ich mir merken“, gähnt Felix und schließt die Augen. „Gute Nacht, Changbin-hyung“, murmelt er noch und ist wieder eingeschlafen. „Gute Nacht Kleiner“, erwidert Changbin und drückt sich an den Jüngeren. Dessen ruhiger Atem und seine Wärme machen ihn irgendwann auch schläfrig, sodass er einschläft.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast