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on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 / MaleSlash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
23.12.2020
64
136.118
17
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Dieses Kapitel
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11.06.2020 2.347
 
Auch am nächsten Tag ist von Minho früh auf dem Schulweg nichts zu sehen. „Ich schwänze gleich die ersten Stunden und gehe zu ihm! Und wenn ich durch den Keller einbreche, das ist mir egal“, knurrt Changbin und kickt einen Stein aus dem Weg. Felix schaut ihn empört an. „Du kannst nicht einfach Schule schwänzen, Hyung! Geschweige denn bei Minho einbrechen.“ Darauf lächelt der Ältere bitter. „Wäre nicht das erste Mal, das ich schwänze und wenn du eine gute Ausrede hast, dann bekommst du auch keine sonderlichen Konsequenzen.“ Felix schüttelt leicht den Kopf. „Meine Eltern hätten mir was gehustet, wenn ich einfach so Schule geschwänzt hätte“, murmelt er und Changbin lacht auf. „Das haben meine anfangs auch, aber mittlerweile haben sie aufgegeben, da ich eh nicht darauf höre.“ „Du machst wohl gerne anderen das Leben schwer“, stellt Felix trocken fest und bereut seine Worte sofort, als Changbins Miene sich kurz verfinstert. Automatisch macht Felix sich auf einen Schlag oder ähnliches gefasst, aber dann seufzt der Ältere nur auf.

„Ja, wenn ich so darüber nachdenke, ist das tatsächlich der Fall“, erwidert er und fährt sich durch sein dunkles Haar. „Ich will wirklich gerne mal wissen, was zwischen euch passiert ist, dass eure Beziehung so eine 180 Grad Wende genommen hat“, sagt Woojin kopfschüttelnd, als Felix und Changbin bei den anderen stehen. „Erst verabscheust du Felix aufs tiefste und dann ist alles so harmonisch, als wäre es schon immer so gewesen.“ Unbehaglich sieht Changbin auf den Boden und weiß nicht, was er dazu sagen soll. „Changbin-ah ist eben ein kleines Kätzchen in Gestalt eines Löwen“, kichert Chan und wuschelt dem Angesprochenen durch die Haare. Sofort tritt Changbin einen Schritt beiseite. „Vorsicht, der Löwe kann wieder die Oberhand übernehmen und beißen“, brummt er und verdreht die Augen. „Ach, komm schon, Changbinnie! Du bist wirklich ein kleines Kätzchen!“, zieht Jisung ihn weiter auf. „Ich gehe gleich“, droht Changbin und Felix grinst vor sich hin. „Was macht eigentlich dein neustes Projekt?“, will Chan von Changbin wissen und dieser lächelt zufrieden.

„Fast fertig, wir können bald wieder aufnehmen, Hyung“, erwidert er. „Changbin-hyung, wenn du genauso viel Energie in die Schule stecken würdest, wie in deine Musik: du wärst vermutlich Jahrgangsbester“, stellt Hyunjin fest und Seungmin lacht laut auf. „Da ist was Wahres dran!“ „Heute hacken wohl alle auf mir herum“, murrt Changbin und verschränkt die Arme. „Ach, das machen wir doch gerne!“, strahlt Woojin ihn an. „Wann will Minho-hyung denn wieder zur Schule kommen?“, fragt Jisung Changbin, als sie sich langsam in das Schulgebäude begeben. „Tja, das wüsste ich auch sehr gerne“, entgegnet Changbin trocken und geht die Treppe nach oben. „Fehlt Minho-hyung öfters?“, fragt Felix verwundert und Hyunjin hebt die Schultern. „Minho-hyung wäre eigentlich bei Chan-hyung und Woojin-hyung im Jahrgang“, erklärt Seungmin. „Aber er war letztes Jahr sehr lange und sehr oft nicht in der Schule und deswegen ist er jetzt bei Changbin-hyung und wiederholt die Stufe.“ „Und er hat euch nie gesagt, was passiert ist?“, fragt Felix verblüfft, worauf Jisung den Kopf schüttelt. „Am Anfang haben wir ihn natürlich alle gefragt, was los ist und haben unsere Hilfe angeboten. Irgendwann ist er aber verdammt wütend geworden und hat verlangt, dass wir aufhören sollen Fragen zu stellen. Seit dem haben wir es gelassen.“ Felix runzelt die Stirn. Die Sache mit Minho kommt ihm immer merkwürdiger vor.

Changbin blickt auf den leeren Tisch neben sich und packt seine Sachen aus. Minho ist zwar eher ruhig, aber seine Abwesenheit fällt dennoch auf. Wenn er krank ist, dann kann er das doch sagen! Ist doch eigentlich nichts dabei oder? Mitten in der ersten Schulstunde klopft es leise an der Tür und Changbin wird aus seinen Gedanken gerissen. Auch die anderen Schüler wenden den Blick zur Tür und ein bekannter dunkler Haarschopf schiebt sich nach drinnen. Changbin atmet erleichtert auf. Er lebt noch! Minho schleicht herein und geht zum Lehrer. Die beiden reden leise miteinander und dann nickt Herr Shin und deutet Minho an, auf seinen Platz zu gehen. Unverwandt blickt Changbin den Älteren an, aber dieser nimmt keine Notiz von ihm und packt schnell seine Bücher aus. Okay, offenbar bin ich nur ein Möbelstück, denkt Changbin stirnrunzelnd. Doch ihm fällt auf, wie bleich Minho eigentlich ist. Mit leicht zitternden Händen schlägt der jetzt sein Heft auf und beginnt das Tafelbild abzuschreiben. Würde Changbin es nicht besser wissen, dann würde er auf Drogen tippen. Aber diese Idee verwirft er sofort wieder. Minho ist ein gefestigter Charakter, der hat sowas nicht nötig. Ungeduldig wartet er auf die Pause, damit er Minho fragen kann, doch der Ältere verschwindet nach dem Klingeln sofort nach draußen. Er will nicht reden? Gut, kann er haben! , denkt Changbin verärgert, setzt sich seine Kopfhörer auf und bettet den Kopf auf die Arme.

Zufrieden schließt er die Augen. Solange er Musik hat, geht es ihm gut. Das einzige, was ihm noch hilft, die gottverdammte Realität auszuhalten. Sein Handy vibriert und Changbin öffnet die Augen. Minho ist wieder da? , lautet die Nachricht von Chan. Offenbar hat er Minho von ihrem Klassenzimmer aus über den Hof kommen sehen. Ja, ist er. Aber jetzt ist er weg und gesprochen hat er auch nicht. , schreibt Changbin zurück und er würde am liebsten vor Frustration laut aufschreien. Aus dem Augenwinkel sieht er einige seiner Klassenkameraden miteinander tuscheln und wie sie ihm unauffällige Blicke zu zuwerfen. Changbin atmet tief durch und setzt sich seine Kopfhörer ab. „Wenn ihr was zu sagen habt, dann sagt es doch laut!“, ruft er quer durch das Klassenzimmer und sofort verstummen die Gespräche. Kim Sanchan, Park Hyunoh und Park Minhyuk wenden sich ihm zu. Abwartend sieht Changbin sie an und Minhyuk lächelt säuerlich. „Es ging gerade um Minho“, beginnt er. „Es heißt immer noch Minho-hyung für dich“, weist Changbin ihn gelassen daraufhin und der Braunhaarige verdreht die Augen.

„Ist doch egal, was es heißt! Es sollte verboten werden, dass er wieder zur Schule kommt. Nicht das er uns alle ansteckt!“, faucht Hyunoh und Changbin hebt eine Augenbraue. „Und was bitteschön soll das heißen?“, will er gezwungen ruhig wissen. „Er hat euch nichts erzählt? Seid ihr nicht seine Freunde?“, lacht Minhyuk höhnisch und Changbin hat sich mittlerweile von seinem Platz erhoben. „Entweder du sagst, was los ist oder du lässt es bleiben!“, verlangt er aufgebracht. Aber sein Mitschüler grinst nur. „Ich werde kein Wort sagen. Das muss er schon schön selber tun.“ Changbin umrundet seinen Platz und stürmt nach vorne zu Minhyuk. Ruppig zieht er diesen von seinem Stuhl hoch. „Wenn du Minho gerade irgendwas unterstellst, schlage ich dir dein arrogantes Lächeln gerne aus dem Gesicht“, zischt Changbin. „Ja, das ist das einzige, was du kannst, Seo Changbin“, entgegnet Sanchan spöttisch. „Du kannst nur durch deine Fäuste sprechen.“ Ohne nachzudenken, stößt Changbin Minhyuk von sich und will sich auf Sanchan stürzen, als ihn jemand entschlossen zurück hält.

„Lass es sein, dass ist es nicht wert“, sagt Minhos raue Stimme und widerstandslos lässt Changbin sich von ihm nach draußen ziehen. „Warum hast du mich zurückgehalten?“, beschwert sich der Jüngere. „Du hast nicht mitbekommen, was dieser Mistkerl über dich gesagt hat!“ Minho verzieht das Gesicht. „Doch, das habe ich, Changbin-ah, aber das ist okay“, sagt er und zwingt sich zu lächeln. Fassungslos blickt Changbin ihn an. „Wer hat dir was angetan? Ich schwöre dir, ich bringe denjenigen um! Ist mir egal, was das für Folgen hat!“, braust Changbin auf und Minho stößt ihn leicht an. „Du sollst aufhören sowas zu sagen, dass kann auch schnell falsch verstanden werden“, erwidert er leise und geht ins Klassenzimmer. Langsam folgt Changbin seinem Beispiel und er bemerkt, wie viele Minho leicht angewiderte Blicke zuwerfen. Aber der Ältere hält den Blick auf die Tischplatte gesenkt und versucht das zu ignorieren. Wie kann es sein, dass alle Bescheid wissen, aber seine Freunde nicht? Oder sind das alles bloß dämliche Gerüchte? Hat Junhoe etwa wieder-? Nein, dann hätte er ihnen das schon längst unter die Nase gerieben. „Verdammt nochmal, seht ihr Minho zum ersten Mal oder warum müsst ihr ihn so anstarren?“, schreit Changbin irgendwann entnervt und sofort drehen sich alle weg. „Danke“, flüstert Minho ihm zu und Changbin schüttelt den Kopf. „Nicht dafür“, murmelt er.

„Du siehst furchtbar aus“, stellt Jisung nüchtern fest, als Minho und Changbin wenig später zum gemeinsamen Tisch in der Cafeteria kommen. Minho hebt nur die Schultern und setzt sich zwischen Chan und Woojin. „Hat es einen Sinn nachzufragen?“, will Chan wissen und Minho schüttelt nur schweigend den Kopf. „Hoffentlich geht es dir bald besser Hyung, ich will mir dir auch mal tanzen!“, strahlt Felix den Dunkelhaarigen an und zum ersten Mal an diesem Tag lächelt Minho aufrichtig. Die positive Aura des jüngeren Australiers ist Balsam für die Seele. „Wir sollten Felix in unser Team integrieren“, spricht Hyunjin weiter. „Mit ihm könnten wir echt mal den Wettstreit gewinnen.“ „Bist du gut?“, fragt Minho interessiert. Darauf hebt Felix nur die Schultern. „Ja, ist er“, antwortet Jisung an seiner Stelle und Hyunjin nickt bekräftigend. Er zieht sein Handy hervor und schiebt es Minho hin. Aufmerksam betrachtet Minho das Video, dass Hyunjin von Felix aufgenommen hat, als sie zusammen im Studio waren. Anerkennend nickt Minho schließlich. „Wenn ich mich besser fühle, dann können wir uns mal an eine Choreografie setzen. Bis zum Wettstreit ist noch etwas Zeit.“

Changbin schüttelt leicht den Kopf und Minho wendet sich ihm zu. „Ich weiß, Changbin-ah, für dich grenzt es an Verrat, wenn ich nicht sage, was los ist. Aber es geht nicht.“ Ernst schaut der Ältere Changbin an und dieser schnaubt auf. „Du wirst wohl niemanden umgebracht haben, oder?“, entgegnet er und Minho sieht ihn fassungslos an. „Spinnst du? Natürlich nicht!“ „Warum kannst du es dann nicht sagen?“, faucht Changbin zurück. „Lass gut sein“, mischt Woojin sich ein. „Minho hat sicher seine Gründe.“ Doch Changbin steht auf und verlässt den Tisch. „Manchmal ist er echt furchtbar“, seufzt Seungmin, aber Minho winkt ab. „Lasst ihn, ich bin ihm deswegen nicht böse.“ Verärgert geht Changbin zurück zu seinem Klassenzimmer. Unterwegs trifft er auf eine Person, die seine Laune nicht besser macht. Junhoe erkennt ihn ebenfalls und grinst spöttisch. „Euer Neuzugang ist niedlich“, sagt er im Vorbeigehen und Changbin bleibt abrupt stehen. „Was ist deine Beziehung zu ihm? Ich sehe dich oft mit ihm zur Schule kommen“, spricht Junhoe weiter und Changbin sieht den Älteren düster an. „Wenn du nicht so ein Arschloch wärst, würde ich es dir vielleicht sagen“, erwidert er gelassen. „Aber leider bist du widerlich und deswegen mein Tipp: Lass dich Finger von Felix!“ „Sonst was?“, entgegnet Junhoe höhnisch aber Changbin läuft einfach weiter.

Er muss wirklich gut auf Felix aufpassen, sonst landet er in der Falle und wenn Junhoe ihm was antut, würde er sich das ewig vorhalten. Der Arsch muss nicht noch mehr Leben ruinieren. Das hat er in der Vergangenheit oft genug getan. Wegen ihm wäre Chan beinahe zurück nach Australien gegangen. Das was Junhoe ihm angetan hat, wird Changbin ihm niemals verzeihen. Und dieses Arschloch ist auch noch stolz auf seine Aktion. Wenn es um seine Freunde geht, versteht Changbin keinen Spaß. Manchmal würde er Junhoe sein hässliches Grinsen am liebsten aus dem Gesicht zu schlagen. Weil er so tief in Gedanken versunken ist, stößt er mit jemanden zusammen. „Kannst du nicht aufpassen?“, wird er daraufhin angepflaumt. Changbin schaut den älteren Schüler nur böse an, wenn er schlecht drauf ist,  sollte man ihn nicht blöd anmachen. Er weiß, dass der andere ebenfalls mit Chan und Woojin in die Klasse geht. Die beiden haben seinen Namen irgendwann mal fallen gelassen und als Changbin den Namen Kim Mingyu auf seinem Namensschild liest, kann er sich erinnern. „Kein Grund mich so finster anzusehen, du bist derjenige, der nicht aufgepasst hat“, entgegnet der Dunkelhaarige genervt und Changbin verdreht die Augen. Er braucht jetzt niemanden, der ihm eine Moralpredigt hält und geht deswegen einfach weiter. „Hey, hat dir noch niemand beigebracht, dass man vor seinen Sunbaes Respekt zeigen sollte?“, ruft Mingyu ihm nach und Changbin dreht sich um und zeigt ihm grinsend den Mittelfinger.

„Da hast du deinen Respekt!“, ruft er durch den Gang und läuft weiter. Belustigt erinnert er sich an den empörten Gesichtsausdruck des Älteren. Wenn er Woojin oder Chan darauf anspricht, werden die ihm zwar wieder einen Vortrag halten, aber das ist Changbin recht egal. Minho kehrt am Ende der Pause gemeinsam mit Changbin zurück zu ihrem Klassenzimmer. Aufgeregtes Getuschel ist drinnen zu hören und als die beiden den Raum betreten, huschen einige schnell zu ihren Plätzen zurück. Changbin runzelt die Stirn, als er sieht, dass Minhos Schulsachen vom Tisch geworfen wurden und irgendwas mit einem schwarzen Stift darauf gekritzelt wurde. Wir wollen keine kranken Schüler hier! steht da quer über die Tischplatte geschrieben. Minhos Blick wird leer, aber er lächelt Changbin beruhigend an, da dieser sich anspannt. „Schon okay, das kann man weg machen“, sagt er sanft, aber Changbin hört nicht auf den Älteren. „Wer war das?“, fragt er gezwungen ruhig und sieht seine Mitschüler drohend an. „Wer zur verfickten Hölle war das? Findet ihr sowas lustig?“, schreit er aufgebracht und er muss sich halten nicht alles kurz und klein zu schlagen.

„Seo Changbin, was soll dieser Aufruhr?“, ertönt in dem Moment die Stimme von Heechul. Beschwingten Schrittes kommt der junge Lehrer herein und legt seine Bücher auf das Pult. Abwartend schaut er in die Klasse. „Herrschaften, ich warte auf eine Antwort“, sagt er gelassen. Aber Changbin umfasst Minhos Hand und zieht diesen entschlossen mit sich nach draußen. Draußen sind die Gänge leer und still, da es vor ein paar Sekunden zum Unterrichtsbeginn gegongt hat. „Du willst uns also immer noch erzählen, dass alles in Ordnung ist?“, fragt Changbin kühl und Minho nickt steif. „Und was ist dann an diesen Aussagen dran?“ „Nichts, das sind nur Gerüchte“, murmelt der Ältere und wendet den Blick ab. „Nur Gerüchte“, wiederholt Changbin tonlos. „Du weißt, dass ich dir nicht glaube.“ Wieder nickt Minho nur und er spürt, wie Tränen in seinen Augen aufsteigen. Er kann langsam dieses Versteckspiel nicht mehr aushalten. Sie sind seine Freunde und machen sich schon viel zu lange Sorgen. Egal was seine Mutter sagt, er muss es ihnen irgendwann sagen.
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