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on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 / MaleSlash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
23.12.2020
64
136.118
17
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Dieses Kapitel
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07.06.2020 3.056
 
Changbins Eltern loben die beiden Jungen wenig später ausgiebig dafür, dass das Essen schon fertig ist. Auch ihnen fällt die veränderte Stimmung zwischen Changbin und Felix auf. Frau Seo lächelt leicht vor sich hin, als Changbin, Felix in einem ruhigen Tonfall nach dem Wasser fragt. Herr Seo wirkt über diese Handlung kurz überrascht, versucht das aber zu verbergen. Changbin spürt natürlich, dass seine Eltern am liebsten fragen würden, was vorgefallen ist. Als Felix beim Abräumen helfen will, scheucht Frau Seo ihn aus der Küche. „Du hast schon gekocht. Geh Hausaufgaben machen!“, lacht sie und Felix nickt. Herr Seo sieht ihm nach. „Irgendwas haben wir wohl verpasst“, stellt er fest und seine Frau nickt. Changbin steht draußen vor der Tür und schneidet eine Grimasse. Wenn sie wüssten, was er mit Felix angestellt hat, dann würden sie sicher durchdrehen. Aber er würde es dem Jüngeren nicht übel nehmen, wenn er ihn verrät. Für diese Scheiß Aktion hätte er definitiv eine Bestrafung verdient. Vielleicht sollte er sich mal aufrichtig bei Felix entschuldigen?

Schließlich hat er ihm in der vergangenen Zeit das Leben hier nicht allzu schön gemacht. Grübelnd geht er nach oben. Doch bevor er sich damit beschäftigt, sollte er sich um seine Hausaufgaben kümmern, sonst hagelt es obendrauf wieder Strafarbeiten, weil er sie wieder nicht gemacht hat. Lustlos kramt er seine Bücher hervor und versucht die mathematischen Probleme zu lösen, gibt aber recht bald wieder auf. Mathe! Alleine schon dieses Wort löst bei sämtlichen Schülern Würgereize aus, denkt er verärgert. Aber er ist an seinen Lücken selbst schuld. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schülern, die fleißig büffeln, macht er alles eher sporadisch. Es reicht meist aus, um die Schuljahre zu bestehen. In den Leistungsrankings ist er allerdings oft ganz unten. Das hat öfters schon zu Streits mit seinen Eltern geführt, da diese an einer guten Uni studiert haben. Aber nach all den Jahren haben sie aufgeben Changbin zu etwas zu zwingen. Musik steht bei ihm an erster Stelle und seit dem er ihnen zu Weihnachten ein kleines Album seiner eigenen Songs zusammengestellt hat, haben sie eingesehen, wo seine Zukunft liegt. Allerdings haben sie die Abmachung,  dass er Musik weiter machen darf, solange er in keinem Kurs durchfällt. Bis jetzt hat Changbin sich an diesen Deal halten können. Dieses Jahr könnte es allerdings ein wenig knapp werden. Die einzigen Fächer, wo er recht gut ist, sind Musik, Kunst und Sport. Englisch könnte man auch noch dazu zählen, aber den Rest kann man glatt vergessen.

Gegen 22 Uhr verlässt Changbin nochmal sein Zimmer, um ins Bad zu gehen. Als er zurück nach oben kommt, sieht er bei Felix Licht durch den Türspalt scheinen. Normalerweise schläft er um diese Uhrzeit schon längst. Er kann sich allerdings denken, warum der Jüngere noch wach ist. Leise klopft Changbin an die Tür, doch er erhält keine Antwort. Langsam öffnet Changbin die Tür und schaut nach drinnen. Felix sitzt mit angewinkelten Beinen auf seinem Bett und hält etwas in seiner Hand. Auf dem zweiten Blick erkennt Changbin, dass es sich um ein Foto handelt. „Wieso bist du noch wach?“, fragt der Ältere überrascht. „Was interessiert es dich?“, entgegnet Felix mit erstickter Stimme. „Darf ich reinkommen?“, fragt Changbin, da er noch unschlüssig in der Tür steht. „Du bist doch eh schon halb drinnen“, murmelt Felix schulterzuckend und Changbin schließt die Tür hinter sich. „Was ist das?“, will er wissen und Felix hält ihm das Bild hin. Changbin braucht einen Moment, dann erkennt er Felix als kleines Kind. „Sind das deine Eltern?“, fragt er leise und der Australier nickt.

„Da war ich sechs Jahre alt. Das wurde einen Monat nach meiner Einschulung aufgenommen“, erklärt er und Changbin mustert die Fotografie. Seine Eltern haben ein herzliches Lächeln. Der kleine Felix sitzt zwischen den beiden auf einem Sofa und hält stolz ein Bild in die Kamera. Angestrengt versucht Changbin das Geschriebene auf dem Papier zu entziffern. „Mom and Dad are the best“, erklärt Felix leise. „Das steht da. Viele Buchstaben kannte ich noch nicht zu diesem Zeitpunkt, aber ich habe es mir selbst beigebracht, nur um diesen Satz schreiben zu können. Meine Tante fand das so beeindruckend, dass sie das festhalten wollte.“ Changbin lächelt leicht und gibt Felix das Bild zurück. Jetzt wo er älter ist, ähnelt er sehr seinem Vater, doch seine Augen hat er von seiner Mutter, stellt Changbin fest. Felix legt das Foto auf das kleine Regal neben seinem Bett und reibt sich über die Augen. Dann schluchzt er unterdrückt auf und in dem Moment kann Changbin nicht anders und zieht ihn spontan in seine Arme. Er konnte traurige Menschen noch nie ertragen.

Kurz verspannt Felix sich, aber der Ältere fährt ihm beruhigend über den Rücken. „Es ist okay“, sagt er leise und Felix gibt den Versuch auf, die Tränen zurück zu halten. Warm laufen sie über seine Wangen und versickern im Stoff von Changbins dunklem Pullover. „Ich vermisse sie so sehr“, wimmert der Jüngere und Changbin schluckt kurz. „Das Gefühl kenne ich“, erwidert er dann ruhig. „Warum tust du das?“, fragt Felix unvermittelt und löst sich von Changbin, dieser sieht ihn fragend an. „Du hasst mich!“, spricht der Jüngere von beiden weiter und Changbin beißt sich auf die Unterlippe. „Anfangs habe ich dich wirklich nicht leiden können“, sagt er leise, „aber irgendwann habe ich gemerkt, dass das sinnlos ist. Davon abgesehen, würde ich alleine da stehen, wenn ich so weiter mache.“ „Sie würden dich nie alleine lassen!“, versichert Felix bestimmt, da er begriffen hat, dass Changbin  von den anderen spricht. „Was macht dich so sicher?“, will der Ältere verwundert wissen und Felix lächelt leicht. „Weil du ihnen wichtig bist“, antwortet er und fährt sich über die Wangen.

„Aber Jisung hat doch-“, setzt Changbin stirnrunzelnd an, worauf Felix ihn unterbricht „Jisung war wütend über dein Verhalten“, erklärt er, „aber deswegen würde er dich nicht einfach fallen lassen.“ Kurz herrscht Schweigen zwischen den beiden. „Frieden?“, fragt Changbin leise und Felix nickt begeistert. „Ich kann dich nicht ständig hassen. Das würde mich und dich irgendwann kaputt machen“, seufzt der Ältere und fährt sich durch sein dunkles Haar. Er steht auf und geht zur Tür. „Schlaf gut Kleiner“, sagt er und Felix lächelt. „Du auch, Hyung.“ Als Changbin die Tür hinter sich geschlossen hat, muss der Australier sich zurückhalten nicht vor Freude laut aufzujubeln. Beginnt Changbin ihn endlich zu akzeptieren? Am nächsten Morgen trifft Felix, Changbin bereits auf dem Weg nach unten. Kurz weiß Felix nicht, was er tun soll, aber Changbin tritt einen Schritt beiseite und lässt ihn zuerst die Treppe runter. Frau Seo betrachtet verblüfft ihren Sohn und Felix, wie sie friedlich nacheinander die Treppe herunter kommen. „Keine Fragen!“, knurrt Changbin sofort und verschwindet ins Bad. „Felix-ah, was ist denn mit ihm passiert?“, wendet sich Frau Seo perplex an Felix, doch der grinst nur. „Das bleibt ein Geheimnis“, erwidert er. „Wie hast du das denn angestellt, dass er dich nicht mehr mit Blicken tötet?“, fragt Changins Mutter weiter und schaut auf die geschlossene Badezimmer Tür. „Ist das überhaupt mein Sohn? Oder ist er krank?“

„Changbin-hyung ist vollkommen gesund“, erwidert Felix feierlich. Skeptisch blickt Frau Seo in Richtung Bad. Als Changbin heraus kommt, mustert seine Mutter ihn eingehend. „Hey, du hast mich auf die Welt gebracht und ich dachte, du weißt wie ich aussehe“, murrt er sofort. „Warum schaust du mich jetzt so an, als würdest du mich zum ersten Mal sehen?“ „Weil offenbar ein Wunder geschehen ist!“, erwidert Frau Seo erleichtert. „Ein Wunder?“, schnaubt Changbin. „Wo ist es ein Wunder, wenn man einsieht, dass das eigene Verhalten echt daneben ist?“ Mit diesen Worten sucht Changbin sich eine Schüssel um zu Frühstücken. Felix grinst leicht vor sich hin. Frau Seo wuschelt ihrem Sohn durch die Haare. „Ich bin stolz auf dich, Changbin-ah“, sagt sie fröhlich. „Schön, kann ich jetzt in Ruhe essen?“, brummt dieser mürrisch und Frau Seo verlässt die Küche. „Manchmal macht sie mich fertig“, seufzt er und fährt sich mit den Händen über das Gesicht. „Ich mag sie“, lächelt Felix und Changbin gibt ein Brummen von sich. „Sie ist ja auch nicht deine Mutter. Dann würdest du das ganz anders sehen“, stöhnt er, doch Felix merkt, dass er diese Worte nicht sonderlich ernst meint.

Felix beendet schnell sein Frühstück, da er sich im Bad noch zurechtmachen will. Als er nach der Tube mit dem Make-Up greift, kommt Changbin gerade herein. „Kann ich Zähne putzen kommen oder ist es ungünstig?“, fragt er zögernd und Felix schaut ihn durch den Spiegel aus an. „Nee, komm ruhig rein“, antwortet er und Changbin beobachtet ihn stirnrunzelnd bei seinem Tun. „Warum deckst du sie ab? Das hat doch gerade seinen Reiz“, sagt er schließlich, während er seine Zahnbürste sucht. „Ach, auf einmal?“, entgegnet Felix spitz, da er sich nicht zurück halten konnte. Changbin läuft rot an, weil er sich offenbar an seine einst verletzenden Worte erinnern kann. „Das war nicht so gemeint“, murmelt er unbehaglich. „Ich war so unglaublich wütend auf dich.“ „Schon verstanden“, seufzt Felix und will sich das Make-Up gerade auftragen, als Changbin ihn zurück hält. „Lass es. Du siehst besser aus, wenn du sie nicht überdeckst“, sagt er ernst und beginnt sich seine Zähne zu putzen. Felix steht wie erstarrt da und lässt das Gesagte auf sich wirken. „Hyung, bist du ganz sicher, dass du noch Changbin bist?“, fragt er schließlich verblüfft. „Was ist denn mit dir passiert? Hat jemand deine Persönlichkeit mit dir getauscht?“ Changbin spült sich den Mund aus und lächelt. „Nein, eigentlich bin ich so wie ich gerade bin. Nur ich zeige das nicht mehr so häufig.“ „Schade eigentlich“, murmelt Felix und richtet sich seine Frisur.

Changbin schweigt darauf und verlässt das Bad. „Wir sehen uns heute Abend, Liebling“, verabschiedet sich seine Mutter im Vorbeigehen und Changbin seufzt. Seit Jeongins Tod sind seine Eltern noch viel mehr auf Arbeit als damals. Als müssten auch sie sich von seinem Tod ablenken. Changbin sucht sich im Flur seine Schuhe und wartet auf Felix. Dieser kommt eine Minute später herbei geeilt. „Du bist pünktlich“, stellt er beeindruckt fest. „Ich habe die erste Stunde bei dem Drachen und da getraue nicht mal ich zu spät zu kommen“, murrt Changbin und schneidet eine Grimasse. „Welcher Drache?“, hakt Felix nach. „Frau Song. Wenn du sie nächstes Jahr bekommen solltest: Viel Erfolg! Die Frau ist ein Alptraum“, seufzt Changbin und der Jüngere blickt ihn entsetzt an. „Vielleicht liegt es auch daran, dass ich ihr so oft widerspreche und sie deswegen mich nicht leiden kann“, lenkt Changbin ein. „Warum überrascht mich das nicht?“, seufzt Felix und verdreht die Augen. „Hey!“, protestiert der Ältere und verpasst ihm einen Stoß. „Minho-hyung kommt wieder nicht“, stellt Felix in dem Moment fest, da sie die Straßenkreuzung gerade überqueren, wo Minho für gewöhnlich wartet. Changbin legt die Stirn in Falten. „Langsam ist das echt merkwürdig“, murmelt er und zieht sein Handy heraus. „Geschrieben hat er mich auch nicht.“

Felix ist so in seine Gedanken vertieft, dass er beinahe über einen Stein stolpert, hätte Changbin ihn nicht aufgefangen. „Danke“, stammelt Felix. „Was ist denn zwischen euch los?“, fragt Jisungs Stimme in dem Moment, der auf einmal neben ihnen steht. „Habe ich was verpasst? Ist heute was Besonderes?“ „Jisung-ah, halt einfach die Klappe“, seufzt Changbin. „Dir auch einen Guten Morgen, Jisungie“, murmelt Felix verlegen, während der andere die beiden fassungslos mustert. „Also erstens, ihr lauft gemeinsam friedlich zur Schule. Zweitens, Changbin, du tötest Felix nicht mental und drittens, was war das gerade eben? Hast du ihn gerade ernsthaft aufgefangen? Und ihr wollt mir weismachen, dass alles normal ist?“ Vielsagend blickt Jisung von einem zum anderen. „Man, was willst du jetzt hören?“, stöhnt Changbin frustriert und geht an ihm vorbei durch das Schultor. „Hat er eine Wette verloren?“, wendet sich Jisung an Felix und der schüttelt den Kopf. „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“, murmelt er nur und folgt Changbin nach drinnen. Seungmin winkt Felix schon von weitem zu und Changbin steht bereits bei der kleinen Gruppe.

Chan macht große Augen, als Felix sich neben seinen Adoptivbruder stellt und der nicht weggeht. Während er sich seine Frage verkneift, kann Woojin sich nicht zurückhalten: „Changbin-ah, bist das wirklich du?“ „Leute, wie viele wollen denn noch fragen?“, jammert Changbin. „Könnt ihr nicht einfach die Realität akzeptieren?“ „Wir haben unseren Hyung wieder“, freut sich Seungmin und will Changbin umarmen, der schnell einen Schritt weggeht. „Wage es nicht“, brummt er. „Okay, er ist doch noch der alte“, kichert Hyunjin. „Wo ist eigentlich Minho?“, will Chan jetzt verwundert wissen. „Weiß jemand, wo er steckt?“ Einheitliches Kopfschütteln ist die Antwort. „Ich gehe nach der Schule zu ihm und bringe ihm den Unterrichtssoff“, sagt Changbin und Jisung hebt eine Augenbraue. „Da musst du ja aufpassen!“ „Ja, zu was ich hier gezwungen werde“, erwidert Changbin trocken. „Da hat Minho-hyungs Abwesenheit was gutes“, kichert Seungmin. Als sie nach drinnen gehen, wird Felix von einem älteren Jungen angerempelt. „Sorry, war keine Absicht“, sagt dieser und mustert Felix eingehend, sodass dieser sich verlegen verbeugt.

Allerdings taucht Changbin an seiner Seite auf und zieht den Jüngeren mit sich. „Lass mich dir einen Tipp geben und halt dich von dem Mistkerl fern“, raunt er ihm zu. „Das wäre das Beste für dich und alle anderen.“ Felix schaut ihn sprachlos an, nickt aber. Doch während des Tages trifft er erneut auf den Jungen. Auch dieses Mal laufen sie beinahe aneinander. Der Ältere lächelt amüsiert. „Das ist doch schon das zweite Mal“, stellt er fest und Felix mustert ihn. Das er einer aus der Abschlussklasse ist, lässt sich aus seiner Uniform herleiten, da Chan und Woojin die gleiche tragen. Koo Junhoe kann Felix auf seinem Namensschild lesen. Sein ganzes Auftreten wirkt überaus charismatisch und gut sieht er auch aus. Sicher hat er viele Verehrerinnen, überlegt Felix. „Du bist neu hier, oder?“, fragt Junhoe jetzt und Felix nickt leicht. „Dein Name ist echt ungewöhnlich. Kommst du nicht aus Korea?“ „Australien“, murmelt Felix. Irgendwie kann er gerade nicht richtig sprechen, als wäre sein Kopf leer gefegt. Junhoe lächelt und sieht ihn beeindruckt an. „Ich würde gerne mal dorthin reisen“, sagt er und Felix lächelt zaghaft zurück. „Dann lieber im Winter, im Sommer ist es manchmal viel zu heiß, um was zu machen“, erwidert er.

„Felix!“, ertönt in dem Moment ein Ruf vom anderen Ende des Ganges und Hyunjin kommt auf sie zu. „Ich habe dich schon gesucht“, lacht der Koreaner. „Man sieht sich, Felix-ah“, sagt Junhoe und verschwindet. Der Australier blickt ihm nach. Warum soll er sich von ihm fernhalten? Er ist doch nett. Während er Hyunjin in die Mensa folgt, geht ihm diese Frage durch den Kopf. Die anderen sitzen bereits an ihrem Stammtisch und dieses Mal ist auch Changbin dabei. „Wo warst du?“, fragt dieser sofort. „Ich wurde auf dem Rückweg vom Klo aufgehalten“, erwidert Felix und packt sein Essen aus. „Und von wem?“, hakt Changbin nach. „Von einem Koo Junhoe“, antwortet Felix gelassen und beginnt zu essen. Chan lässt seine Stäbchen sinken und seine Haltung verkrampft sich. „Ich habe dir doch gesagt, dass du dich von ihm fernhalten sollst!“, zischt Changbin und funkelt den jüngeren Australier an. Dieser blinzelt perplex und senkt automatisch eingeschüchtert den Blick. „Tut mir leid“, sagt Changbin rasch und seine Miene wird etwas sanfter. „Aber ich habe das ernst gemeint. Der Typ ist nicht gut.“ „Er ist doch nett“, murmelt Felix verwundert. „Glaub mir, das ist er nicht. Er kann Menschen psychisch zerstören“, sagt Changbin eindringlich. Felix runzelt die Stirn und lässt den Blick über die anderen schweifen.

Jisung dreht in Gedanken versunken seinen Löffel zwischen den Fingern hin und her, Seungmin und Hyunjin weichen Felix‘ Blick aus und Woojin mustert Chan, der gegenüber von ihm sitzt. Der ältere Australier hält den Kopf gesenkt und beißt sich auf seiner Unterlippe herum. Hat die ganze Sache was mit Chan-hyung zu tun? Beinahe hätte Felix die Frage ausgesprochen, doch er verkneift es sich. „Okay, ich werde einen Bogen um ihn machen“, sagt er stattdessen und Changbins Haltung entspannt sich wieder. Nach der Schule biegt Changbin eine Straße vorher ab, da er zu Minho will. Er hat dem Älteren eine Nachricht geschrieben, dass er vorbei kommt, aber gelesen hat er sie noch nicht. Minho wohnt mit seiner Familie nur zwanzig Minuten vom Haus der Familie Seo entfernt und so ist Changbin kurze Zeit später angekommen. Von außen wirkt es so, als wäre niemand da. Doch als Changbin klingelt und einen Augenblick wartet, wird ihm die Tür von Frau Lee geöffnet. Minhos Mutter runzelt die Stirn, als sie Changbin erblickt. Dieser verbeugt sich und sagt: „Tut mir leid für die Störung, aber ich möchte zu Minho.“

„Das geht jetzt nicht“, antwortet die dunkelhaarige Frau und Changbin muss ein Aufstöhnen unterdrücken. Er mag Minhos Mutter nicht sonderlich, da sie unglaublich streng und nicht sonderlich verständnisvoll ist. Mit seinem Vater kommt er besser klar.  „Bitte, ich möchte ihm nur die Sachen vom Unterricht geben“, bittet er und versucht nicht allzu ungeduldig zu klingen. „Es geht jetzt nicht“, wiederholt sie bestimmt. „Es wäre besser, wenn du jetzt gehst, Changbin.“ „Wann kommt er denn wieder zur Schule?“, versucht Changbin einen letzten Versuch, aber Frau Lee schließt einfach die Tür. Changbin muss sich halten, nicht wieder zu klingeln, doch er gibt sich geschlagen und macht sich auf den Heimweg. Minhos Mutter mag ihn und die anderen nicht sonderlich, da sie glaubt, dass seine Freunde ihren Sohn von den „wichtigen Dingen des Lebens“ abhalten, wie zum Beispiel der Schule.

Diese Frau macht mit ihrem Ehrgeiz mehr in Minho kaputt, als sie ahnt, denkt Changbin erbost. Aber das der Ältere ihm nicht antwortet, macht ihm Sorgen. Ist er etwa so schlimm krank? Als Changbin nach Hause kommt, findet er Felix im Wohnzimmer vor. Der Jüngere liest ein Buch, was Changbin als ein Grammatikbuch über Koreanisch erkennt. „Hast du Minho-hyung getroffen?“, fragt Felix und schaut auf, während der Ältere sich zu ihm setzt. „Seine Mutter hat mich weggeschickt“, knurrt er wütend. „Wie nett“, grinst Felix und wendet sich wieder seinem Buch zu. Changbin greift nach seinem Handy und schreibt Minho eine erneute Nachricht: Wie geht es dir? Ich war gerade bei euch, aber deine Mutter hat mich weggeschickt. Kannst du nicht einfach sagen, was los ist?? Überraschenderweise erhält er eine Minute später eine Antwort: Nein, kann ich nicht. Wenigstens lebt er noch, denkt Changbin erleichtert und im nächsten Moment macht sich Verärgerung in ihm breit. Warum sagt Minho denn nicht einfach, was hier gespielt wird?
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