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on a hellevator

von Yueliang
GeschichteDrama, Familie / P18 Slash
Lee Felix Seo Changbin
01.08.2018
29.11.2020
57
118.677
16
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Dieses Kapitel
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23.05.2020 1.924
 
Am Sonntagnachmittag klingelt es an der Haustür worauf Felix öffnet, da Changbins Eltern gerade nicht da sind und der Ältere es sicher nicht gehört hat. Davor steht Jisung. „Hey, ich wollte zu Changbin“, sagt er fröhlich und Felix nickt. „Hat er zu dir wieder was gesagt?“, will Jisung wissen, doch Felix schüttelt den Kopf. „Ignoriert zu werden ist zwar auch nicht so toll, aber angenehmer, als von Blicken erdolcht zu werden“, gesteht er. Jisung verdreht leicht die Augen. „Lass ihn einfach“, murmelt der Australier daraufhin. „Irgendwann wird er sich noch einkriegen.“ „Na hoffentlich“, brummt Jisung und verschwindet nach oben. Felix wiederrum geht in den Garten. Das Wetter ist schön und auf dem Rasen kann er auch tanzen. Da ist zumindest mehr Freiraum als in seinem Zimmer. Gewissenhaft beginnt er sich zu dehnen, er hat bereits schon erlebt, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man nicht richtig aufgewärmt anfängt zu tanzen. Er probiert verschiedene Bewegungsabläufe und Drehungen aus und ist so sehr in die Sache vertieft, dass er nicht bemerkt, dass Changbin und Jisung ihn vom Wohnzimmer aus beobachten.

„Er ist gut“, stellt Jisung anerkennend fest. „Wenn er beim Schulwettstreit teilnehmen würde, hätte er gute Chancen auf eine Platzierung.“ Changbin schnaubt auf, sagt aber weiter nichts. Insgeheim gibt er Jisung Recht. Der Kleine ist tatsächlich gut. Scheint so als ob er auch Erfahrung mit Kampfsport hat, den Bewegungen nach zu urteilen. Schließlich wenden die beiden ihren Blick von dem tanzenden Felix ab und setzen sich auf die Couch. Mit zwei Controllern bewaffnet, machen sie es sich bequem. Erst als Felix wieder herein kommt, bemerkt er Changbin und Jisung. Schnell huscht er durch das Wohnzimmer zur Tür. „Felix, willst du mitmachen?“, ruft Jisung und Changbin sieht ihn entsetzt an. „Sicherlich nicht!“, empört er sich und Jisung stöhnt auf. „Hyung, jetzt sei nicht wieder so eine Bitch.“ „Bitte wie hast du mich gerade genannt?“, knurrt Changbin, doch Jisung lässt das völlig kalt. Unbeeindruckt hält er Felix seinen Controller hin. „Los, du gegen Changbin. Dann kannst du dem Herren mal zeigen, was du kannst“, grinst er. Felix schüttelt leicht den Kopf. „Das wäre keine gute Idee“, murmelt er. „Gut erkannt“, entgegnet Changbin kalt. Verunsichert sieht Felix auf den Boden und Jisung wirft Changbin einen wütenden Blick zu. „Sei nicht so fies!“ „Ich bin so, wie ich es will“, brummt der Ältere genervt.

Felix schlüpft aus der Tür, doch Jisung läuft ihm nach. „Felix, warte mal“, sagt er und der Australier hält inne. „Dein Tanz ist gut. Du solltest unbedingt bei dem Wettbewerb unserer Schule teilnehmen“, sagt Jisung ernst. „Was für ein Wettbewerb?“, fragt Felix interessiert. „Naja so ein Talente Wettbewerb halt“, erwidert Jisung schulterzuckend. „Es gibt mehrere Kategorien, wo man antreten kann und eine davon ist Tanz. Du kannst dich ja mit Hyunjin und Minho zusammentun. Die zwei treten meist zusammen als Team an. Mit dir könnten sie endlich mal den ersten Platz erreichen.“ Jisung grinst ihn unbeschwert an. „Ja, mal sehen“, murmelt Felix, aber insgeheim gefällt ihm die Idee. „Jisung, du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass sie mit dem da gewinnen würden? Da hätten sie ja zu zweit bessere Chancen auf den Sieg“, ertönt Changbins abfällige Stimme hinter ihnen. Der Ältere lehnt in der Wohnzimmertür und sieht spöttisch zu Felix. Dieser senkt den Kopf und versucht angestrengt die aufkommenden Tränen zu ignorieren. Jisung scheint zu spüren, was in Felix vorgeht. „Lass gut sein“, verlangt er von Changbin. „Du hast deinen Standpunkt zu Felix oft genug klar gemacht. Wir brauchen nicht noch mehr Beispiele für deine Abneigung“, stellt er klar.

„Auf wessen Seite stehst du eigentlich?“, knurrt Changbin bedrohlich. „Auf gar keiner“, antwortet der Jüngere schlicht. „Aber wenn du Felix die ganze Zeit so nieder machst, dann kann ich das nicht einfach unkommentiert lassen.“ Changbin ignoriert die Worte des Dunkelhaarigen und wendet sich wieder an Felix. „Aus Waisenkindern wird doch eh nichts, ist statistisch erwiesen. Jemand wie du landet früher oder später auf der Straße. Ihr habt doch niemanden, wo ihr hingehen könnt.“ Diese Worte sind zu viel für Felix‘ Fassung. Er dreht sich abrupt um und stürmt nach oben. „Du bist echt grausam, Seo Changbin“, sagt Jisung schließlich mit ausdrucksloser Stimme und folgt dem Australier. Leise klopft er an dessen Zimmertür an. „Felix, darf ich rein kommen?“ „Ist offen“, erwidert Felix schniefend von drinnen und schnell tritt Jisung ein. Felix sitzt auf seinem Bett und sieht dem Koreaner kläglich entgegen. „Hey, nicht weinen“, sagt Jisung und setzt sich schnell zu Felix. „Komm, das ist es nicht wert. Changbin will dich nur provozieren, das ist alles.“ Tröstend umarmt er Felix und der schluckt hart. „Aber es tut trotzdem weh“, schnieft er.

Jisung streicht beruhigend durch sein dunkles Haar. „Ich frage mich echt, ob es Changbin Spaß macht, immer jeden vor den Kopf zu stoßen“, brummt Jisung verärgert und Felix reibt sich über die Augen. „Langsam geht er echt zu weit.“ Unten fällt die Haustür ins Schloss. „Ist er jetzt gegangen?“, fragt Felix verwundert und Jisung geht rüber zu Changbins Zimmer, um nachzusehen. „Ja, ist er“, ruft er durch den Gang. „Das er immer vor seinen Problemen wegrennen muss“, murrt er und kommt wieder zu Felix. „Er weiß vielleicht nicht weiter“, murmelt der Australier. „Aber er ist doch nicht alleine!“, ruft Jisung frustriert. „Er hat doch uns! Und er weiß, dass er über alles mit uns reden kann.“ „Vielleicht will er das aber nicht“, erwidert Felix. „Manchmal kann man einfach nicht über einige Dinge reden.“ „Sprichst du gerade von Minho-hyung?“, fragt Jisung verwundert und Felix lächelt kurz. „Ja, über ihn auch. Ich kenne euch noch nicht sonderlich lange, aber das Minho-hyung euch etwas verschweigt, ist offensichtlich. Und es scheint keine kleine Sache zu sein.“

„Minho und Changbin bereiten mir echt Kopfschmerzen“, seufzt Jisung und plustert die Wangen auf. „Der eine, weil er partout nicht reden will und der andere, weil er sich wie der weltgrößte Bastard aufführt und es ihm anscheinend scheißegal ist.“ „Das glaube ich nicht“, widerspricht Felix. „Ich denke nicht, dass es Changbin scheißegal ist. Du hast gesehen, wie er sich um Minho Sorgen gemacht hat.“ Jisung lächelt wehmütig. „Das ist Changbin-hyung, wie er mal war.“ Kurz verharren die beiden in Schweigen, bis Jisung plötzlich aufspringt. „Verdammt, ich habe meiner Mutter doch versprochen beim Kochen zu helfen!“, ruft er erschrocken. Felix begleitet ihn noch nach unten. „Wir sehen uns morgen“, verabschiedet sich Jisung und Felix schließt die Tür hinter ihm. Jetzt ist er alleine und ein wenig gruselt ihn dieser Gedanke. Dieses Haus ist einfach zu groß, um es alleine zu bewohnen. Damit er sich ablenkt, geht er wieder hoch in sein Zimmer und sucht eine der CDs, die er sich zusammen mit Jaemin gekauft hat. Mit Musik kann er wenigstens die Stille vertreiben. Um seine Gedanken loszuwerden, beschließt er Jaemin einen Brief zu schreiben. Fast eine ganze Stunde schreibt er und als er aufschaut, ist es kurz vor achtzehn Uhr. Jetzt müssten eigentlich bald Changbins Eltern wiederkommen.

Aber Changbin kommt nicht wieder. „Wo ist Changbin?“, fragt Frau Seo, als Felix nach unten kommt. „Er ist nach draußen gegangen“, antwortet Felix ausweichend, die Auseinandersetzung erwähnt er lieber nicht. Er will nicht, dass sie sauer auf ihren ältesten Sohn wird. „Er kommt schon wieder“, sagt Herr Seo lächelnd, doch auch er zieht verärgert die Augenbrauen zusammen. Und Changbin kommt fast eine Stunde später tatsächlich nach Hause. „Changbin, du kannst nicht ständig einfach verschwinden und niemanden sagen, wohin du gehst“, sagt seine Mutter streng. „Was ist, wenn dir was passiert?“ „Mir passiert schon nichts“, erwidert Changbin genervt. „Noch vielleicht nicht“, entgegnet Frau Seo und stemmt die Hände in die Seite. Gleichgültig schiebt Changbin sich an ihr vorbei, aber sein Vater hält ihn zurück. „Changbin-ah, es reicht jetzt“, sagt er ruhig. „Du weißt, dass wir viel bei dir haben durchgehen lassen, aber wenn du so weiter machst, dann kommen ernstere Konsequenzen.“ „Was denn?“, entgegnet Changbin spöttisch. „Wieder das Internat? Bitte, schickt mich doch nach Busan. Dann habt ihr es mir aber gezeigt.“ Ohne seine Eltern eines Blickes zu würdigen, stapft Changbin die Treppe nach oben und eine Tür fällt lautstark ins Schloss.

„Was machen wir nur mit ihm?“, seufzt Frau Seo erschöpft. Felix hat das Ganze von der Küchentür beobachtet und fühlt sich irgendwie schuldig. Offenbar sieht man ihm das an, denn Herr Seo kommt auf ihn zu und streicht ihm über den Kopf. „Das ist nicht deinetwegen, Felix-ah. Changbin ist schon seit einiger Zeit so aufsässig. Wir hoffen, dass er sich irgendwann wieder fängt, aber bis jetzt sieht es eher weniger danach aus.“  „Hilfst du mir beim Abendessen?“, fragt Frau Seo und Felix nickt, dankbar für diese Ablenkung von Changbin. Im Waisenhaus hatten die Kinder ab elf Jahren öfters Küchendienst. Das scheint auch Frau Seo zu bemerken. „Du machst das gut“, stellt sie fest, als Felix gewissenhaft das Gemüse klein schneidet. „Die Erzieherinnen wollten, dass wir sowas schon zeitig lernen“, erklärt er. „Und weil ich einer der älteren in der Einrichtung war, musste ich sowas öfter tun.“ „Haben sie das als Bestrafung genutzt?“, fragt Frau Seo entsetzt, doch Felix schüttelt lächelnd den Kopf. „Nein, wir sollten einfach den Umgang mit Küchengeräten und Lebensmitteln lernen. Sie fanden, es sei wichtig zu wissen, wie man kocht. Bestraft wurden wir nur mit Nachttischentzug und wenn es ganz schlimm war, musste man vier Nächte alleine schlafen. Aber sowas war nur ganz selten“, erzählt Felix und Frau Seo atmet sichtlich auf.

„Es gibt sicher schlimmere Waisenhäuser, aber trotzdem ist es nicht so toll dort zu leben“, murmelt Felix und hält kurz in seiner Bewegung inne. „Ich weiß, mein Kleiner“, erwidert Frau Seo leise und gibt ihm einen Kuss auf den Kopf. Diese Geste überrascht Felix. „Wir haben deinen Eltern versprochen, dass wir auf dich aufpassen und das werden wir jetzt auch“, versichert sie. Diese Worte verursachen in Felix‘ Hals einen leichten Kloß, doch er lässt sich nichts anmerken. Am Montagmorgen braucht Changbin wieder so lange, sodass Felix erneut alleine losläuft. Heute kommt allerdings Minho nicht entgegen, was Felix mit Verwunderung merkt. Ist er nicht in der Schule? Auf dem Schulhof hält er automatisch nach den anderen Ausschau und findet sie in der Nähe des Einganges. „Guten Morgen, Felix“, begrüßt ihn Chan fröhlich und Hyunjin schaut sich um. „Wo hast du Changbin-hyung gelassen?“ „Wenn er nicht hier ist, dann ist er wohl noch nicht da“, brummt Jisung und verdreht die Augen.

„Haben wir was verpasst?“, fragt Seungmin zaghaft, aber weder Felix, noch Jisung antworten darauf. „Ähm, Leute?“ Verwirrt schaut Woojin von einem zum anderen. „Wo ist eigentlich Minho-hyung?“, will Felix wissen. „Er kam mir nicht entgegen.“ „Minho bleibt heute zu Hause. Er hat mir erst geschrieben“, erwidert Chan und seine Sorge ist ihm anzusehen. „Bin ja mal gespannt, ob wir da mal erfahren dürfen, was passiert ist“, murmelt Seungmin. „Das haben wir besprochen“, wirft Chan ein, „er muss von sich aus entscheiden, wann er reden will.“ „Ach, wen haben wir denn da?“, fragt Jisung plötzlich und deutet in Richtung Schultor. Changbin kommt gerade auf den Hof, seine Kopfhörer auf den Ohren und läuft geradeaus in Richtung Eingang. „Okay, wir sollten ihn heute nicht ansprechen“, murmelt Hyunjin und schneidet eine Grimasse. Felix seufzt leise auf und Chans Blick legt sich auf ihn. „Ist was vorgefallen?“, fragt er leise auf Englisch. „Ich will nicht darüber reden“, erwidert Felix, ebenfalls auf Englisch und senkt den Blick zu Boden. Chan wuschelt ihm aufmunternd durch die Haare. Im Schulhaus trennt sich die kleine Gruppe voneinander. Felix läuft in Gedanken versunken hinter Seungmin her. Er kann diese Situation wirklich kaum ertragen. Das Changbin ihn so hasst, macht ihn sicher irgendwann kaputt.
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