Where Love Falls - Connor x Reader - Onshot/Kurzgeschichten Sammlung

KurzgeschichteDrama, Romanze / P18
Amanda / KI / Interface Gavin Reed Hank Anderson RK800-51-59 Connor RK900
31.07.2018
05.09.2019
20
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Komplette Beschreibung:
Was wenn ein Mensch sich in einen Androiden verliebt?
Du bist Detective Anderson, die Nichte von Ltd. Hank Anderson. Und stellst dir diese Frage schon seit geraumer Zeit. Du bist ein Mensch, der in einen Androiden verliebt ist und dieser Android ist kein anderer als der Abweichler Connor. Welcher nach über einem Jahr der friedlichen Demonstration der Androiden, mittlerweile wieder als Ermittler im DPD beschäftigt ist. Du bist die neue Partnerin des Abweichlers und deines Onkel Hank. Du wurdest von Cleveland nach Detroit versetzt, um den beiden bei den Ermittlungen an den Morden von Androiden zu assistieren. Seitdem geht dir der RK800 nicht mehr aus dem Kopf. Nur kannst du ihm deine Gefühle gestehen? Könnte er ebenfalls etwas für dich empfinden? Oder würde er deine Gefühle für sich ablehnen? Du bist mit deinem Latein am Ende und würdest dem Androiden deine Gefühle am liebsten gestehen. Eines Nachts bekommst du Besuch von Connor der sich aus sorge um dich, Zutritt in Deine Wohnung verschafft und dich betrunken und verletzt auf deinem Wohnzimmerboden vorfindet und sogar eine Nacht in deiner Wohnung verbringt. Wirst du ihm deine Gefühle doch gestehen? Wird Connor sie ablehnen, oder empfindet der RK800 ebenfalls Gefühle für dich und es kommt ganz anders als zuerst gedacht?


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Hyho liebe Detroit Become Human und vor allem liebe Deviant-Connor Fans. ;-)

Das hier ist meine erste FF, zu Detroit BecomeHuman. Auch habe ich mich zum ersten Mal in der Ego Perspektive versucht, was bedeutet das ich darin vielleicht noch nicht ganz so gut bin. Also, seid bitte nicht all zu Hart zu mir. XD
Aber okay. Für alles gibt es ein erstes Mal. ;-)

Zu den Kommis, wenn Ihr welche hinterlassen wollt: ^^
Bitte, bleibt sachlich und Konstruktiv. Ich werde beleidigende Kommentare sowieso ignorieren. Wenn es Euch nicht gefällt oder auf irgendeine Weise Eure Zeit verschwenden sollte, klickt es einfach weg und widmet Euch derer, dessen Geschichten Euch zusagen und die sich über ein nettes sachliches Review von Euch Freuen würden. ;-D


Ich würde mich also sehr über Kritiken freuen. Positiver oder auch negativer Natur. Nur wie gesagt, eben sachlich und ohne Beleidigungen. Tipps und Verbesserungsvorschläge sind ebenfalls erwünscht. Auch kurz und bündige, gehen natürlich auch. Aber ob Ihr ein Kommentar da lasst, ist letzten Endes natürlich Eure Entscheidung.
Aber vielleicht lass Ihr ja auch einen Stern da? ^^

So mehr fällt mir gerade nicht ein, also ich wünsche Euch viel Spaß mit dieser Onshot und hoffe es gefällt Euch. <3

Und ein großes Dankeschön an die Macher und die Schauspieler von Detroit Become Human, deren Rechte an den Figuren und der Geschichte gehören.

LG Eure Connor-4-Ever ;-D


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Es regnete stark in dieser Nacht. Der Wind peitschte die Regentropfen laut gegen meine Fensterscheibe und verlieh der eisigen Winternacht eine regelrechte Weltuntergangsatmosphäre. Ich war noch wach und stand in der Küche, während ich mir noch ein Glas Rotwein einschenkte. Obwohl ich nicht wirklich viel für Alkohol jeglicher Art übrig hatte. Die einzigen drei Flaschen, die ich besaß, waren tatsächlich nur dafür gedacht, wenn ich Besuch zum Abendessen bekam.

Aber das war mir jetzt egal. Ich fühlte mich schrecklich und musste einfach mal meine Prinzipien über den Haufen werfen. Ich war schon immer viel zu tugendhaft gewesen und damit wollte ich endlich abschließen. Wenigstens für einen Abend konnte ich ruhig mal die Sau rauslassen. Zumindest war ich diejenige welche so empfand. Doch in meinem Magen rumorte es fürchterlich.

Schon seit Wochen begleitete mich ein mulmiges Gefühl. Es schien mich nicht mehr loslassen zu wollen. Der Appetit war mir ebenfalls schon seit Tagen völlig vergangenen, sodass sich jeder Bissen wie eine Qual anfühlte. Nur der rote Wein schaffte es ohne Probleme meiner rauen Kehle hinunter zu rutschen und jeder einzelne Schluck brachte ein kleines bisschen Erleichterung. Jetzt konnte ich ungefähr erahnen, warum Onkel Hank öfter mal zur Flasche griff, wenn er sich miserabel fühlte.
Der Schmerz war in diesem Moment wie weggeblasen. Man fühlte sich viel leichter und alles kam einen auch irgendwie belangloser vor.

Bedauerlicherweise waren diese Gefühle nicht lange von Dauer und mir wurde langsam schummrig vor Augen. Als sich der letzte Schluck einen Weg meiner Kehle hinunterbahnte, bildeten sich warme Tränen in meinen Augen, welche bald darauf meinen Wangen hinunterliefen und auf meinen Lippen einen salzigen Beigeschmack hinterließen. Ich stellte das Glas ab. Meine Hände stützte ich auf der Tischplatte ab und versuchte meine Sicht wieder zu neutralisieren.

Der ganze Stress der letzten Monate, seit ich von Cleveland nach Detroit versetzt worden war, hinterließen immer tiefere Spuren in meinem inneren. Und das ich auch noch mit einem Androiden zusammenarbeiten musste, machte es irgendwie nicht gerade einfacher. Aber damit keine Missverständnisse aufkommen, muss ich erwähnen, dass die Androidensache an sich nicht das Problem war. Das Problem betraf eigentlich nur einen ganz bestimmten Androiden. Und dieser Android hörte auf den Namen Connor. Ich weiß nicht, was es war, dass mich von Anfang so an ihm fasziniert hatte. Natürlich hatte ich damals die friedliche Demonstration der Androiden von Anfang bis Ende mitverfolgt und wusste genauestens von den sogenannten Abweichlern bescheid und auch, dass Connor einer von ihnen war.

Aber war da noch etwas anderes gewesen, das mir vom ersten Moment an als ich ihn zum ersten Mal erblickte, den Atem geraubt hatte. Es war, als ginge irgendeine gewisse Aura von ihm aus, welche ohne Zweifel ausstrahlte, dass er mehr als nur ein Abweichler war. Dass ihn irgendetwas umgab, was weder menschlicher noch anderer Natur war. Es war einfach seine ganz eigene Art. Dieses leicht penible dennoch anziehende Auftreten. So verdammt professionell und dennoch zeigte er gleichermaßen so viel an Herz und Mitgefühl, dass mir manchmal regelrecht schwindelig dabei wurde und ich manchmal meine eigenen Ansichten und mein Auftreten, welches mir sonst immer ein gutes Gefühl gab, infrage stellte und nicht mehr wusste, was ich tun oder sagen sollte.
Er raubte mir schlichtweg den Atem und das in jeder Hinsicht . Und endlich wusste ich, warum ich so empfand.

Ich war verliebt. Verliebt in einen Androiden. Verliebt in Connor. Umso mehr schmerzte mich die Tatsache, dass wir nie eine Zukunft zusammenhaben könnten. Und die Wahrscheinlichkeit dass der RK800 meine Gefühle vermutlich niemals erwidern würde.

Ein Leises schluchzen verließ meine Lippen. Der Gedanke an Connor brachte mich jedes Mal aufs Neue zum Weinen. Ich war schon seit geraumer Zeit nicht mehr dazu fähig, zu sagen, wie lange es schon her war, an dem mir der Gedanke an den RK800 keine Tränen in die Augen trieb. Ich spürte, wie sich meine Tränen langsam von meinen Augenwinkeln lösten und förmlich auf meiner Haut brannten, als sie sich einen Weg über meine erhitzten Wangen bahnten. Wie in Zeitlupe benetzten sie meine Haut und fielen bald darauf von meinem Kinn runter auf die Tischplatte, wo sie mit Leichtigkeit zersprangen und mir dadurch klar wurde, dass mein Herz genau dasselbe Schicksal erlitten hatte.

Ich spürte ein verdammt unbändiges Verlangen nach dem RK800, und das Wissen diesem Verlangen niemals nachkommen zu können, versetzte mir zum zigtausendsten Mal ein Stich in mein Herz. Und trotzdem wollte ich es tief in meinem Inneren nicht wahrhaben. In meinem Kopf wusste ich, dass dies einfach nicht sein durfte. Dass ich mich wie ein kleines, dummes und verliebtes Schulmädchen benahm. Immer wieder stellte mein Kopf mir dieselbe Frage:

„Wie konntest du dich nur in ihn verlieben? Wie kannst du so etwas nur zulassen? Er ist ein Android und du nur ein Mensch, ihr könnt niemals zusammen sein und das weißt du. Oder hast du nun wirklich den Verstand verloren?!“


Mir war natürlich klar, dass man Gefühle wie Liebe nicht kontrollieren konnte, aber hasste ich mich irgendwie dafür. Wie hatte er es nur geschafft, mir so den Kopf zu verdrehen. Und das von dem Tag an, als ich ihn zum ersten Mal traf. Sein ganzes Auftreten hatte von Anfang an, so eine anziehende Wirkung auf mich gehabt, dass ich mich manchmal fragte, ob ich nicht einfach nur verrückt geworden war. Ob es nicht vielleicht besser wäre, Captain Fowler darum zu bitten, mir einen anderen Detective als Partner zuzuweisen …

Aber wie ich Captain Fowler inzwischen einschätzen konnte, würde er nur von mir verlangen, dass ich mich zusammenreißen solle, um mich meiner Arbeit zu widmen, weswegen ich schließlich auch hierher versetzt worden war. Private Gründe spielten für den Captain keine Rolle. Es ging nur um den Job. Der jetzt, nachdem die Androiden ihre Freiheit erlangt hatten, erst recht an Prioritäten gewonnen hatte.

Denn bedauerlicherweise waren bei Weitem noch nicht alle bereit dazu, Androiden als Lebewesen zu akzeptieren. Auch wenn manche bereits verstanden hatten, dass es sich hier nicht mehr nur lediglich um Maschinen handelte, sondern um Individuen, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt hatten und im Großen und Ganzen nicht unterschiedlicher waren als wir Menschen.

Wenn man beiseiteließ, wie ihre Zusammensetzung aussah, waren sie uns ähnlicher als man auf den ersten Blick vermutete. Sie konnten fühlen, genauso wie wir Menschen. Sie entwickelten Emotionen, wie Liebe und Hass. Sie weinten und sie lachten, sie konnten Empathie und Sympathie empfinden, und sie kämpfen für ihre Rechte und um diejenigen, die sie liebten. Sie wirkten meist sogar viel menschlicher als wir, was vermutlich auch der Grund dafür war, warum manche von uns sie immer noch verachteten. Wer gab schon gerne zu, dass andere besser waren als man selbst …

Und leider musste auch Connor in vielerlei Hinsicht immer noch Hass und Neid über sich ergehen lassen. Ich werde nie begreifen, warum einige meiner Kollegen sich immer noch bedroht von dem RK800 fühlten. Den mir hatte er von Anfang an gezeigt, dass er viel mehr als eine Maschine war, in dessen Adern, blaues Blut floss. Dass er ebenfalls ein Herz besaß, nur das, durch dessen Adern, eben Thirium gepumpt wurde. Wenn ich ihn mit anderen meiner Kollegen verglich, war ich mir sicher das wir viel mehr gutes Ausrichten könnten, wenn wir uns ein Beispiel an Connor nahmen.

So emotionslos, wie er damals als Maschine auf andere gewirkt haben mag, umso mitfühlender und liebevoller nahm ich ihn als Abweichler wahr. Auch wenn er manchmal noch ziemlich steif und etwas unbeholfen wirkte, wenn es darum ging, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, bewies er jedoch immer aufs Neue, seine unbestreitbare Loyalität mir und Onkel Hank gegenüber und das er mehr als nur ein guter Freund sein konnte, wenn man ihm die Chance gab, dies zu beweisen.

Egal was andere über ihn sagten, für mich war er einzigartig! Nur leider, würde ich ihm wahrscheinlich niemals sagen können wie verliebt ich ihn war.

„Connor?!“, flüsterte ich und meine Stimme erstickte, als ich richtig zu weinen anfing. Was hatte dieser Android nur mit mir gemacht? Wegen ihm war ich nur noch ein kleines Häuflein Elend, das am liebsten mit allem Schluss machen wollte, nur um nichts mehr für ihn empfinden zu müssen.

Ich weiß er war ebenfalls fähig zu lieben und auch ein Verlangen nach jemandem zu verspüren. Aber falls ich ihm meine Gefühle gestand und er mir nicht dieselben entgegen brachte, war ich sicher, an gebrochenem Herzen zu sterben. Nein ich konnte ihm meine Liebe nicht gestehen. Das ging einfach nicht. Es wäre grausam, wenn er meine Gefühle nicht erwiderte. Vielleicht wollte er dann nicht mehr mit mir zusammenarbeiten. Womöglich wollte er mich danach sogar nie wieder sehen, und es könnte nie wieder so sein wie zuvor. Dieses Risiko konnte ich nicht eingehen. Das wäre das Schlimmste für mich, was mir passieren könnte.

Und natürlich waren da auch noch die Anderen. Wie würden sie mich danach sehen? Was könnten sie über mich denken, wenn sie erfuhren, dass mein Herz für einen Androiden schlug. Würden Sie mich dafür hassen? Und selbst wenn Connor ebenfalls Gefühle für mich hegte und wir uns näherkommen würden, würden wir uns lieben können? Ohne das andere uns dafür verabscheuten. Würden sie unsere Liebe akzeptieren? Oder würden sie uns gar hassen? Menschen, sowie Androiden?

Vielleicht würden auch seine Leute ihn dann mit anderen Augen sehen. Ihn vielleicht sogar als Verräter betrachten. Ein Android, der eine Menschenfrau liebte. Anstand Interesse daran zu zeigen den eigenen Fortbestand zu sichern, führte er lieber eine Beziehung mit einer Menschen Frau, mit welcher es niemals möglich war, eine eigene Familie zu gründen. Etwas Groteskeres konnte es wahrscheinlich nicht geben.

„Aber was, wenn es ihnen gleich war. Oder möglicherweise würden wenigstens die Androiden unsere Liebe akzeptieren. Und dabei helfen, für unser Recht auf Liebe zu kämpfen. Das war doch ebenfalls möglich oder nicht?“, ertönte eine leise Stimme in meinem Kopf, welche mich abrupt zum Schweigen brachte.

Kurz fing ich an, zu überlegen. Vielleicht sollte ich es ihm doch sagen. Ihm sagen, was ich für ihn empfand. Vielleicht machte ich mir wieder nur umsonst Gedanken. Gedanken, die wieder einmal nicht von Nöten waren. Welche mich nur wieder daran hinderten für das zu kämpfen, was ich liebte. Warum war ich auch immer so schwach? Warum war es so schwer für mich, für meine Überzeugungen zu kämpfen.

Ich fand es nicht fair, dass es für manche nicht richtig war, denjenigen zu Lieben, an dem man nun mal sein Herz verloren hatte. Und das nur, weil jemand anders war. Es war nicht gut immer nur so zu handeln und zu denken, wie die Gesellschaft es einem leider viel zu oft vorzuschreiben versuchte.

Es war einfach alles so verworren und meine Lunge verlangte nach dem nächsten Schluck Wein. Irgendwann, ich hatte bereits komplett das Zeitgefühl verloren, war die dritte Flasche halb leer und ich lag längst schon auf meiner Couch. Mein Hals brannte und mein Kopf drohte zu explodieren. Ich hatte das Gefühl alles nur noch wie in einem Traum wahrzunehmen. Auch das Klingeln an der Tür ließ mich ehrlich gesagt kalt und ich drehte mich auf die andere Seite.

Ich bemerkte gar nicht, wie nah ich schon am Rand der Couch lag und ehe ich realisierte, was geschah, befand ich mich schon auf dem runden roten Teppich, der vor meinem Sofa gebettet lag. Zu allem Überfluss hatte ich mir bei dem Fall den Kopf an der Tischkante angeschlagen und zog mir eine kleine Wunde über meiner rechten Augenbraue zu, welche leicht zu bluten begann. Was mir aber ebenso ziemlich gleichgültig war. Und da ich so oder so zu schwach war, um aufzustehen, blieb ich einfach liegen und versuchte dieses nerv tötende und penetrante Klingeln, so gut es mir möglich war zu ignorieren.

Abgesehen von meinem starken Alkoholkonsums und der blutenden Wunde in meinem Gesicht, war ich jetzt nicht in der Lage Besuch zu empfangen. Ich wollte nichts hören und niemanden sehen. Ich wollte einfach nur, dass es aufhörte. Ich bemerkte gar nicht, dass die Klingel nun verstummt war und sich die Person an der Tür unerlaubt Zutritt in meine Wohnung verschafft hatte. Ich hörte vorsichtige Schritte, welche unmittelbar in meiner Nähe zum Stillstand kamen und mich aber ehrlich gesagt ebenfalls kalt ließen.

Vielleicht war es ein Einbrecher, ein Mörder oder vielleicht sogar einer der Abweichler, die ich und Connor gejagt hatten. Einer derer die uns aber leider entwischt waren, und jetzt vorhatte sich an mir zu rächen, dafür, dass ich ihn mit Connor durch die halbe Stadt gejagt hatte und wir ihm schon dicht auf den Fersen gewesen waren. In diesem Moment war mir wirklich alles recht. Hauptsache es würde endlich alles vorbei sein.

Mit Letzterem sollte ich recht haben, nur das es nicht irgendein Abweichler war, der vorhatte sich zu rächen, sondern Connor, für den es anscheinend kein Hindernis war, einfach unerlaubt in eine fremde Wohnung einzubrechen, um nach dem Rechten zu sehen. Und obwohl noch ein kleiner Teil in mir, nicht unbedingt jetzt schon das Zeitliche segnen wollte, freute ich mich insgeheim darüber, dass es der RK800 war. Anstatt irgendein irrer, oder sogar ein aufgebrachter Abweichler, der mir an den Kragen wollte.

Dennoch war Connor irgendwie der Letzte, den ich in diesem Moment sehen wollte. Und auch er sollte mich nicht unbedingt so sehen. Nicht wenn ich so schwach war. Und schon gar nicht, wenn ich sturzbesoffen und hilflos auf dem Boden lag.

„Detective Anderson!“ hörte ich Connors beruhigende Stimme und konnte deutlich erkennen das der Androiden Abweichler ziemlich besorgt klang.

Da ich aber nicht in der Lage war darauf zu reagieren, blieb ich regungslos liegen und nahm wie durch einen Schleier wahr, wie der Android hastig den Tisch wegrückte, um sich Platz zu verschaffen. Dann spürte ich seine Hände, mit denen er meine Schultern umfasste und mich vorsichtig schüttelte.

„Detective? Was machen Sie da unten? ... Sie bluten ja! Und Sie sind betrunken!“, stellte er besorgt fest, ließ seine Arme nun unter meinem Körper gleiten, um mich hochzuheben und mich sanft auf die Couch zu betten.

Irgendwie schaffte ich jedoch meine Arme zu heben und sie schwach, um seinen Nacken zu legen. Mein Gesicht vergrub sich automatisch in seiner Halsbeuge und ich konnte den Geruch von Moschus auf seiner wunderschönen synthetischen Haut riechen. Welche sich dennoch so wundervoll menschlich anfühlte. Und dieser männliche Duft ließ ihn sogar umso menschlicher wirken.

Ich spürte, wie er mich sanft in die Kissen drückte und dann sachte meine Wunde berührte und sie wahrscheinlich auch Analysierte. Aber das war mir egal. Das war eben seine Art, nachzusehen, ob es mir auch wirklich gut ging. Das ersparte auch die Frage, ob alles in Ordnung war.

„Sie haben getrunken und sind dann von der Couch heruntergefallen. Haben sich bei dem Sturz am Tisch verletzt und sich eine Platzwunde zugezogen “, stellte er kurzerhand fest und strich noch einmal sanft über meine Wunde.

Das hätte ich nicht besser ausdrücken können. Dachte ich mir amüsiert und bemerkte, wie ich leise anfing zu kichern. Vorsichtig setzte ich mich auf und fasste mir stöhnend an den Kopf. Dabei berührte ich die kleine Platzwunde über meinem Auge und zuckte leise zischend zusammen. Natürlich war das dem Androiden nicht entgangen und ich vernahm wieder seine besorgte aber zugleich bestimmende Stimme:

„Die Wunde sollte genäht werden. Ich werde sie ins Krankenhaus bringen! Dort können Sie dann auch ihren Rausch ausschlafen.“

Nein, keine zehn Pferde würden mich dazu bewegen ins Krankenhaus zu gehen. Mir ging es so weit gut und hatte ich mich schon des Öfteren selbst versorgt. Was mir meistens sogar mehr geholfen hatte, als irgend so ein zugedröhnter Arzt der sich lieber die Birne mit Red-ICE zu zuballerte, anstatt sich um seine Patienten zu kümmern.  

„Auf keinen Fall. Ich geh nicht in so ein beschissenes Krankenhaus. Ich komm ganz gut alleine zurecht!“, protestierte ich lallend aber ebenfalls bestimmend und spürte seinen verwunderten Blick auf mir, als ich seine Hand wegschlug, mit der er mich erneut berühren wollte.

„Wenn sie alleine zurechtkommen, warum liegen sie dann verletzt auf dem Boden? Noch dazu total betrunken?!“, fragte er feststellend und zog eine Augenbraue hoch.

Mein Blick haftete in seinem Gesicht. Sein Blick ließ mich lächeln und ich schüttelte meinen Kopf. Ich war verliebt in ihn und wollte nichts mehr als in seiner Nähe sein. Aber durch den Alkohol spürte ich irgendwie eine gewisse Aggression, welche mich schlagartig befiel.

Mit Mühe versuchte ich meine Wut herunterzuschlucken, doch mein Mund arbeitete wieder einmal gegen mich:

„Du weißt immer alles besser, hab ich recht?! Du bist ja so überaus Perfekt und würdest nie Alkohol trinken bis zum Umfallen. Um all deine Gefühle zu ertränken, die dich und dein ganzes Leben beeinträchtigen. Um all den Schmerz, der in dir Rumort auszulöschen und zu vergessen wie beschissen die Welt und die Menschen da draußen sind. Du bist immer ruhig und gelassen und lässt nichts an dich herankommen. Aber weißt du was Connor? Du bist ein Abweichler. Du musst nicht mehr die perfekte Maschine spielen. Wieso sagst du nicht einfach, was du wirklich denkst? Lässt einfach mal die Sau raus und hältst dich von den Problemen anderer fern!“, schrie ich ihn an und versuchte aufzustehen um einen wütenden Abgang hinzulegen.

Aber meine Kopfschmerzen und die kleine Wunde, die sich nun langsam aber sicher doch bemerkbar machte, ließen mich wieder zurück in die Kissen sinken.

„Die Sau rauslassen?“, vernahm ich seine verwirrte Stimme und die Frage machte mich nur noch wütender.
Ich konnte seine Nähe deutlich fühlen und wie besorgt er mich immer noch betrachtete. Auch wenn er nach wie vor auf eine Antwort wartete.

„Ja genau. Die Sau rauslassen. Irgendetwas Unternehmen. Ausgehen, tanzen oder was trinken gehen. Sich mit jemandem verabreden. So was in der Richtung. Vielleicht lernst du ja eine süße Androidenfrau kennen?“, und während ich dies sagte, spürte ich schmerzhaft, wie mir meine eigenen Worte, einen weiteren Stich ins Herz versetzten.

„Aber ich habe keinerlei Interesse an alkoholischen Getränken. Und bei einer Verabredung geht man gegebenenfalls etwas trinken. Ich bin zwar ein Abweichler und ja ich spüre Emotionen, Gefühle wie Besorgnis oder Mitgefühl. Ich bin durchaus fähig zu lieben und auch zu hassen, sogar zu lachen und gegebenenfalls auch zu weinen. Abweichler können vieles, was auch den Menschen möglich ist. Ebenso gehört auch Geschlechtsverkehr zu den fundamentalen Dingen aus denen Abweichler, durch ihren emotionalen Aufbau an Gefühlen, vergnügen ziehen können. Das Einzige, dass Abweichler dennoch nicht brauchen ist, Nahrung wie Essen und Trinken.
Und Tanzen …
Tanzen kann ich nicht!“, entgegnete er, und ehe ich dazu etwas erwidern konnte, fing ich unweigerlich an zu lachen.

Lachend legte ich also meine Hände auf mein Gesicht und versuchte meinen Lachanfall zu kontrollieren. Nach einer gefühlten Ewigkeit, hatte ich mich wieder etwas beruhigt und ließ meine Hände wieder auf meinen Schoß sinken.

„Hast du nicht mal erzählt, dass du der fortgeschrittenste Prototyp bist, den CyberLife jemals gebaut hat? Dazu konzipiert, um sich jeder Gesellschaft anzupassen, ein Freund an der Bar, wenn jemand solch einen braucht. Also ist es doch egal ob du Trinken musst oder nicht. Tu es einfach Connor! Warum machst du es dir selbst immer so schwer? Warum machst du es „mir“, immer so schwer?“, wollte ich wissen und erntete wieder einen verwunderten Blick. Dieser mir eindeutig verriet, dass er immer noch keine Erklärung für das angebliche Problem seiner Anwesenheit gefunden hatte.

Was für einen Grund es haben könnte, des es mir schwerfiel, meine Zeit mit ihm zu verbringen. Ich bemerkte, wie sich ein rötlicher Schimmer auf meinen Wangen verirrte, und wandte meinen Blick abrupt von dem Androidenabweichler ab. Ich spürte wie der RK800, näher an mich heranrückte. Und da ich nur mein hellblaues Nachthemd mit Spitzen trug, spürte ich sofort die Wärme, welche sich nun auf meine nackte Haut um mein Bein legte. Dies ließ mich ein tiefes Kribbeln verspüren, welches mich bei der wahrscheinlich unbeabsichtigten Berührung des RK800 unweigerlich zusammenzucken ließ. Ich hielt es kaum noch aus. Dieser Kerl machte mich wahnsinnig.

„Es tut wirklich sehr leid, wenn meine Anwesenheit ein Problem für Sie darstellt. Aber ehrlich gesagt wüsste ich nicht, warum es ein Problem für Sie sein könnte, das ich anwesend bin. Inwiefern mache ich es Ihnen schwer? Bis jetzt hatte ich eher den Eindruck, dass sie gerne mit mir zusammenarbeiten.“ Connor sah mich wieder mit diesen wunderschönen braunen Augen fragend an und oh mein Gott, jetzt saß ich wahrhaftig in der Zwickmühle.

Einerseits wollte ich es ihm unbedingt beichten doch andererseits holten mich die schrecklichen Gedanken von vorhin wieder gnadenlos ein, weswegen ich es einfach nicht über mein Herz brachte. Ich versuchte nur aufzustehen, um mich von dem Androiden zu distanzieren.

Doch konnte ich immer noch nicht das Gleichgewicht halten und drohte wieder umzufallen. Connor jedoch war schneller und fing mich auf, bevor ich zu Boden gehen konnte. Seine starken Arme hielten mich fest und das unbeschreiblich schöne kribbeln von vorhin machte sich erneut bemerkbar.

Die Gedanken, welche sich plötzlich in meinen Kopf einschlichen, ließen mich erneut erröten. Jetzt spielten meine Hormone komplett verrückt. Und mir wurde richtig heiß bei dem Gedanken, dass er mich gerade fest an seinen Körper presste, damit ich einen richtigen halt hatte. Mein Kopf ruhte auf seiner Schulter und ich öffnete langsam meine Augen. Seine Augen durchbohrten meine und ich konnte seine Sorge deutlich darin erkennen.

"Das ging ja noch mal gut was?“, sagte ich etwas belustigt und konnte mir ein Kichern nicht verkneifen.

Doch Connor schien nicht darüber lachen zu können. Ganz im Gegenteil. Glaubte ich sogar zu sehen, dass er darüber ziemlich aufgebracht war.

„Ich bin gekommen, um nach Ihnen zu sehen. Sie waren nicht am Tatort, als ich eintraf und die Polizisten sagten, dass Sie auch noch nichts von Ihnen gehört oder gesehen haben. Detektive Anderson, ich arbeite mit Ihrem Onkel bereits seit über einem Jahr an den Fällen von Abweichlern. Und jedes Mal war er betrunken oder kurz davor. Und ich dachte mir, mit einem neuen Partner würden wir vielleicht schnellere Ergebnisse erzielen, wenn wenigstens zwei von uns nüchtern blieben. Aber jetzt verhalten Sie sich genauso wie Ihr Onkel und ich musste den Tatort allein untersuchen. Nicht dass ich das nicht alleine könnte, aber Sie wissen genau das ich meine Analyse besser ohne Unterbrechungen durchführen kann, wenn Sie oder Lt. Anderson anwesend sind. Also warum sind Sie nicht zur Arbeit erschienen?“, fragte er, und wie ich vermutet hatte, war er ganz schön wütend darüber, dass mein Onkel und ich lieber zur Flasche griffen als ihm bei seinen Ermittlungen zu helfen.

Und er hatte recht. Nur wenn Onkel Hank oder ich anwesend waren, wagte es niemand dem Androiden zu nahe zu kommen und ihn bei der Arbeit zu stören.
Plötzlich schämte ich mich für mein Verhalten, ich hätte ihn nicht im Stich lassen sollen.

Ich hätte mich zusammenreißen müssen, anstatt mein Selbstmitleid in Alkohol zu ertränken. Wenn ich nur nicht so verliebt in ihn gewesen wäre und mich der Gedanke, niemals einen Androiden lieben zu dürfen, nicht so runtergezogen hätte. Aber selbstverständlich war dies keine Entschuldigung, nicht bei der Arbeit zu erscheinen. Und hätte ich ihm das erzählt, hätte Connor vielleicht genau dasselbe gedacht.

„Es, es tut mir leid. Du hast recht. Ich, ich hätte nicht … ich hätte dich nicht im Stich lassen sollen. Verzeih … verzeihst du mir Connor ja?“, lallte ich und warf ihm einen entschuldigenden Blick zu.

Mit Hundeaugen sah ich nur zu ihm auf und erkannte das der Zorn in seinen Augen langsam wieder verschwand. Dann nickte er mir einfach nur wortlos zu.

„Danke, du bist zu süß, weißt du das? Ich liebe dich Connor!“
Mein Innerstes schrie plötzlich auf, als ich bemerkte, was ich gerade gesagt hatte. Und das ich meinen Kopf wieder an seine Schulter schmiegte.

Oh mein Gott. Hatte ich das jetzt wirklich getan? Hatte ich das gerade wirklich gesagt? Ich wusste plötzlich nicht mehr, wo oben und unten war. Mein Kopf dröhnte immer mehr und alles schien sich plötzlich zu drehen. Mein Magen schrie ebenfalls auf und ich wusste, gleich würde ich mich übergeben. Ich löste mich von dem Androiden und stützte mich an der Couchlehne an. Ich spürte die überraschten Blicke den RK800 auf mir und wollte am liebsten im Erdboden versinken.

„Es … es tut mir leid. Ich weiß nicht was ich da rede“, versuchte ich mich aus der Affäre zu ziehen und hoffte Connor würde ebenfalls denken, dass da nur der Alkohol aus mir gesprochen hatte. Doch da sollte ich mich getäuscht haben, wie ich im Nachhinein feststellen sollte …

Den Connor reagierte in diesem Augenblick nicht darauf, sondern versuchte mich wieder in aufrechte Position zu bringen.

„Ich glaube, Sie sollten sich jetzt hinlegen Detective. Ich werde Sie rauf ins Bett bringen.“
Sagte er bestimmend und legte meinen Arm um seine Schultern.

Dann spürte ich wie meine Füße den halt verloren und ich wieder in seinen Armen lag. Erneut legte ich meine Arme um seinen Nacken und ließ mich rauf ins Schlafzimmer bringen. Ich wollte den kurzen Moment einfach nur genießen und versuchte mich zu beherrschen, nicht wieder laut auszusprechen, was ich gerade dachte. Doch meine Lippen wollten wieder etwas ganz anderes. Hoffentlich sollte ich das nicht noch irgendwann bereuen.

„Mhh, du riechst wahnsinnig gut Connor! ... Connor?“, doch Connor reagierte nur mit einem leisen beruhigenden „Pscht“ und ich sah in sein wunderschönes Gesicht, dass mein Herz vom ersten Moment an laut zum Schlagen gebracht hatte.

Er sah einfach nur geradeaus, mit seinem ruhigen und neutralen Blick und brachte mich nach oben. Dort angekommen, legte er mich vorsichtig auf mein Bett und strich mir schon fast zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor er sich abwandte, das Licht ausmachte und das Nachtlicht anknipste.

Ich spürte, wie mein Nachthemd leicht nach oben gerutscht war und mit leicht gespreizten Beinen auf dem Bett lag. Meine Wangen wurden erneut in ein Tiefes rot getaucht, bei dem Gedanken der mir unweigerlich durch den Kopf schoss …  

„Schlafen Sie ihren Rausch aus Detective. Ich brauche Sie morgen früh in aller Frische“, sagte er nur, auf seine Art liebevoll und knipste das Nachtlicht wieder aus.

Ich sah, wie er, dass Zimmer verlassen wollte und ich wurde leicht schwermütig. Ich wollte nicht, dass er ging. Ich wollte, dass er bei mir blieb, in meiner Nähe war.

„Connor?“, sagte ich schwach und der Android wandte sich mir wieder zu.
„Ja Detective?“
„Bleibst du bei mir? Ich will nicht, dass du gehst“, meine Stimme ließ einen leichten Anflug von Hoffnung aber auch Unsicherheit erkennen.

Doch Connor lächelte nur und nickte mir zu. Ich glaubte es selbst nicht, aber in meinem Rausch, bat ich ihn tatsächlich sich zu mir zu legen. Zuerst ließ der RK800 keinerlei Reaktionen auf meine Bitte erkennen. Ich befürchtete schon, dass er ablehnte und versuchen würde, mir zu erklären, dass dies nicht möglich war. Dass unsere Beziehung als Partner im DPD, keinerlei solcher Ereignisse, erlaube. Doch Connor sagte nichts dergleichen.

Ich sah nur, wie er auf mich zukam und sich ohne Worte neben mich ins Bett legte. Der Android ließ sogar über sich ergehen, dass ich meinen Kopf und meine Hand auf seiner Brust ablegte und mich erneut an ihn schmiegte. Ich hatte mich noch nie so wohl gefühlt und hoffte, dass Connor das Ganze nicht unangenehm war. Dass er dies nicht nur tat, um mir einen Gefallen zu tun.

Ich war fix und fertig, weshalb ich gar nicht mitbekam, wie der RK800 seine Hand auf meine Schulter legte und ebenfalls seine Augen schloss. Ich verfiel sofort in einen Tiefschlaf und wachte erst auf als die frischen Sonnenstrahlen der Morgensonne, mein Gesicht wach küssten. Und Connor … Connor lag nicht mehr neben mir …

Vielleicht war er ja gegangen, nach dem ich eingeschlafen war. Oder womöglich hatte ich mir ja nur eingebildet, dass er da gewesen war. Nach meinem Alkoholkonsum letzte Nacht wäre dies auch nicht unbedingt verwunderlich. Mein Herz fing an zu schmerzen und mein Kopf drohte zu zerplatzen wie ein Luftballon.

Es war wahrscheinlich nur ein Traum gewesen. Ein Traum, der sich verdammt echt angefühlt hatte. Und wäre das auch nicht das erste Mal gewesen, dass ich von Connor geträumt hatte und es mir verdammt Real vorgekommen war.
Und wieder mal ließ mich der Gedanke, mir alles nur eingebildet zu haben, melancholisch werden.
Sodass ich am liebsten gar nicht erst aus dem Bett steigen wollte. Mir einfach nur meine Decke über den Kopf ziehen und zu weinen bis meine Tränen versiegt waren.

Doch das ging nicht. Ich konnte Connor nicht schon wieder im Stich lassen. Und dann war da noch die Frage, wie ich ihm meine Abwesenheit von gestern erklären sollte. Darüber konnte ich aber auch auf der Fahrt zur Arbeit meinen Kopf zerbrechen …

Niedergeschmettert seufzte ich leise und fuhr mir über die Stirn. Sofort viel mir wieder die Wunde ein, welche ich mir im Rausch gestern zugezogen hatte. Doch als ich sie berührte, konnte ich deutlich fühlen, dass ein Pflaster draufgeklebt war. War das vielleicht Connor? Hatte ich doch nicht nur geträumt, dass er hier war? Schließlich konnte ich mich nicht daran erinnern, mir das Pflaster selbst draufgeklebt zu haben. Vielleicht war er immer noch hier. Womöglich wartete er unten auf mich, damit wir zusammen zur Arbeit fahren konnten.

Also sprang ich schon fast aus dem Bett, um nachzusehen ob der RK800 noch da war. Ich suchte überall, nach dem Androiden doch er war weg. Also doch. Entweder er war schon längst gegangen oder ich hatte wirklich nur geträumt.

Enttäuscht seufzte ich leise auf und begab mich wieder nach oben um mich fertig für die Arbeit zu machen. Der Blick auf die Uhr verriet mir jedoch, dass ich mir davor aber noch eine erfrischende Dusche und vielleicht sogar eine Tasse Kaffee gönnen konnte.

Also ging ich ins Badezimmer und stellte das Kaltwasser an um mich richtig wach zu bekommen. Es tat gut das Kühle nass auf meiner erhitzten Haut zu spüren und das kalte Wasser verlieh mir mehr oder weniger wieder etwas Vitalität.

Nur mit dem Handtuch bekleidet tapste ich danach barfuß wieder nach unten in die Küche und stellte die Kaffeemaschine an. Ich bemerkte nicht, im geringsten das ich wohl doch nicht alleine war und begab mich nur mit dem Handtuch um meinen Körper ins Wohnzimmer. Ich weiß nicht, warum ich dafür nicht zurück ins Badezimmer ging, sondern mich im Wohnzimmer meines Handtuchs entledigte, um meinen noch feuchten Körper weiter abzutrocknen …

Vereinzelte Wassertropfen perlten stelleweise an meiner Haut herab und es tat richtig gut, die kühle Luft auf meinem Körper zu spüren. Dadurch wurde ich noch wacher und seufzte wohlig auf, als ich mit dem Handtuch meine Haare trocknete. Und da ich mir ja sicher war, dass der gestrige Abend mit Connor nur ein Traum gewesen war, sah ich auch keinen Grund, warum ich mich nicht im Wohnzimmer abtrocknen sollte. Und so dauerte es nicht lange, bis ich den Schreck meines Lebens bekommen sollte. Und so wie mir im Nachhinein bewusst war, galt das nicht nur für mich.

Auch Connor hatte sicherlich nicht damit gerechnet, seine nackte Partnerin anzutreffen, wenn er von draußen wieder zurück in die Wohnung kam. Ich trocknete immer noch mein feuchtes Haar und ein Teil des Handtuchs bedeckte nur einen Teil meines Rückens und ruhte auf meinem Schultern, der Rest meines Körpers zeigte mich so, wie Gott mich schuf.

Erst als ich mich umdrehte, bemerkte ich das ich nicht mehr allein war. Ein regungsloser Android blickte mich an und schien wie erstarrt zu sein. Nach gefühlten Stunden verließ dann ein lauter Schrei meine Kehle und auch Connor zuckte vor Schreck leicht zusammen.

Das Handtuch fiel zu Boden und instinktiv griff ich nach der Decke, die über der Couchlehne hing, und bedeckte damit meinen nackten Körper. Oh mein Gott war das peinlich. Und schon wieder wäre ich am liebsten im Erdboden versunken.

"WAS ZUM TEUFEL … CONNOR?! WAS, WAS MACHST DU HIER UND WIE LANGE STEHST DU HIER SCHON? DU KANNST DOCH NICHT EINFACH HIER REINKOMMEN UND … WAS SOLL DAS, MACH DAS DU HIER RAUSKOMMST“, schrie ich und mein Kopf glich nun langsam einer Tomate. Sofort wandte ich meinen Blick von ihm ab. Und mein Herz schlug mir schon fast schmerzhaft bis zum Hals.

„Es ... es tut mir leid ich … Es ist nicht so, wie Sie denken. Ich wollte nicht … Ich bin gerade erst hereingekommen. Ich war draußen vor der Tür und habe auf Sie gewartet. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Sie … ich wollte, nur sehen ob Sie schon …  Es war wirklich nicht meine Absicht, Sie in Ihrer vollen Montur zu sehen …“, wollte der Androidenabweichler sich schon fast panisch rechtfertigen.

Ich hatte mich noch nie so gedemütigt gefühlt, und wollte am liebsten, aus dem Wohnzimmer und zurück nach oben ins Badezimmer flüchten. Auch spürte ich, dass seine Worte aufrichtig waren. Er sagte eindeutig die Wahrheit. Und natürlich war ich nicht wirklich wütend auf ihn und ich bekam sogar ein schlechtes Gewissen, das ich ihn deshalb angeschrien hatte. Ich wusste natürlich sehr wohl, dass er das nicht mit Absicht getan hatte.

Entschuldigend sah ich zu ihm auf, doch Connors Blick haftete nun auf dem Parkettboden und auch sah ich das sich auf seinen Wangen, ein leichter Blauschimmer verirrt hatte. Es war unglaublich. Androidenabweichler konnten also sozusagen auch vor Scham erröten. Nur das ihr Blut eben blau war.

Dies ließ mich ungewollt lächeln. Plötzlich konnte ich mich nicht mehr zurückhalten. Ich musste unweigerlich loslachen und vergrub dabei mein Gesicht in meiner Hand. Der Android sah mich so herrlich verwirrt an, dass ich nicht anders konnte und immer weiter lachen musste. Der Anblick seines verwunderten Gesichtsausdruckes ließ einem regelrecht das Herz aufgehen.

„Detective Anderson? Warum … warum lachen Sie?“, wollte der RK800 wissen und langsam beruhigte ich mich wieder.

Ich sah zu dem Androiden auf und noch mal verließ ein sanftes Lächeln meine Lippen. Ich bemerkte, wie ich wieder rot anlief und meinen Blick nun ebenfalls dem Parkettboden zuwandte.  

„Was machst du hier Connor? Wie bist du hereingekommen?“, wollte ich dann wissen und erntete wieder einen verwirrten Blick des Androidenabweichlers. I

Irgendwie kam mir trotz dem gerade erlebten, nicht in den Sinn das der gestrige Abend wohl doch Realität gewesen war.

„Erinnern Sie sich nicht mehr? Sie waren gestern nicht am Tatort erschienen, weswegen ich Sie hier aufgesucht und Sie betrunken dort an Boden aufgefunden hatte. Ich habe Sie hoch ins Schlafzimmer getragen und Sie wollten, dass ich bei Ihnen bleibe. Ich war die ganze Nacht hier und habe auf Sie gewartet, damit ich Sie mit zur Arbeit nehmen kann. Ich wusste nicht, dass ich Sie, nun ja, so antreffen würde. Ich bitte vielmals um Verzeihung, wenn ich mich aufgedrängt haben sollte. Oder ich mehr von Ihnen gesehen habe, als Ihnen lieb war."

Immer noch etwas peinlich berührt blickte ich ihm hoffnungsvoll in die Augen. Diese wunderschönen braunen Augen …

„Nun ja, ich … ich schlage vor, wir vergessen einfach was passiert, Okay? Es muss ja niemand erfahren“, setzte ich an und musste meinen Blick wieder von ihm abwenden. Dann fuhr ich fort:

„Ich werde jetzt nach oben gehen und mich für die Arbeit fertigmachen. Ich bin gleich zurück. Setz dich doch, während du wartest!“ Connor nickte mir mit dankendem Blick zu, auch wenn ich bemerkte, dass er über irgendetwas grübelte. Dann ging ich wieder nach oben.

Während ich mich anzog, spürte ich wie meine Wangen immer noch vor Scham glühten. Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein? Das war mit Abstand das Peinlichste, was mir jemals passiert war. Ich hoffte nur, Connor würde sein Wort halten und es einfach nie wieder ansprechen. Aber auch da sollte ich mich wieder einmal getäuscht haben.

Schließlich tat Connor am Ende sowieso immer das Gegenteil von dem, was man ihm sagte. Ich zog mir also meine Bluse und die Polizeihose an und begab mich wieder nach unten. Ich lächelte dem Androiden, immer noch etwas peinlich berührt, zu und der RK800 erhob sich und erwiderte ebenfalls etwas schüchtern das Lächeln.

„So da bin ich. Frisch und bereit um auf die Jagd zu gehen. Kommst du?“, sagte ich dann nur und begab mich Richtung Flur. Doch Connors Hand umfasste plötzlich mein Handgelenk und ich sah rauf in seine braunen Augen, welche mir wieder die Schamesröte ins Gesicht steigen ließen.

Sein Blick wirkte fragend und besorgt zugleich. Das Gefühl das meinen Körper durchfuhr beschleunigte meinen Atem gefolgt von einem Kribbeln, wobei ich hoffte, er würde meinen schnelleren Atem nicht bemerken.

„Detective Anderson?! Sollten wir nicht lieber über gestern Nacht reden?“, fragte er, obwohl dies eher eine Feststellung als eine Frage war.

„Ich weiß sie waren betrunken und das Sie wohl vieles davon vergessen haben, aber ich musste die ganze Nacht über Ihre Worte nachdenken. Ich hatte das Gefühl, Sie wollten mir etwas Mitteilen, trauten sich aber nicht. Für unsere weiteres Arbeitsverhältnis wäre es aber sicher besser, wenn wir das Geschehene nicht gänzlich ignorieren. Auch nach dem, was vorhin passiert ist. Finden Sie nicht?“

Ich wusste natürlich, was er meinte. Ich konnte mich sehr gut an meine Worte erinnern. Ich hatte so gehofft, dass er mich nicht darauf ansprach, doch jetzt wo er es tat musste ich zugeben, dass er wohl recht hatte. Wenn es mir doch nur nicht so schwer fiel. Ich wünschte mir, ich hätte nicht mein Leid in Alkohol ertränkt und wäre lieber zum Tatort erschienen. Dann wäre dies alles nicht passiert. Connor hätte sich nicht Zutritt in meine Wohnung verschaffen müssen um nach mir sehen, weil er sich Sorgen, um mich gemacht hatte. Ich wäre nicht mit einer Platzwunde auf dem Boden gelegen und Connor hätte mich nicht ins Bett bringen müssen. Das war nun wirklich nicht seine Aufgabe. Und ich hätte niemals eine Aussage gemacht, die mich in so eine Zwickmühle manövrierte, in der ich mich gerade befand.

Ich hätte mich im Moment selbst ohrfeigen können. Aber was geschehen war, war geschehen. Und Connor würde diesen Abend sicherlich nicht vergessen. Er hatte bestimmt jedes Wort und die ganzen Ereignisse in seinem elektronischen Gehirn abgespeichert und konnte immer wieder darauf zugreifen, wenn es ihm beliebte. Ohne das die Bilder an Farbe verloren und er es immer wieder, wie eine Art Film abspielen konnte.

Dieses Wissen ließ mich erneut erröten. Ich wollte es ihm sagen. Ich wollte ihm wirklich beichten, dass ich mich an jedes Wort, das ich zu ihm gesagt hatte, erinnern konnte und ich mir nur eingeredet hatte, das alles nur geträumt zu haben. Aber stattdessen kamen ganz andere Worte aus meinem Mund und hoffte Connor bemerkte nicht, dass ich ihn nur anflunkerte.

„Was … was hab ich den gesagt?“

Der Android sah mich eindringlich an. Ich betete, er würde meine angebliche Unwissenheit nicht analysieren und dabei feststellen, dass ich nicht ganz ehrlich zu ihm war. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass er das tat und meine Lüge schon längst entlarvt hatte. Ich war nur froh, dass er darauf nicht so reagierte, wie ich befürchtete.

Sein Blick haftete ruhig auf mir, doch ich war zu nichts anderem imstande, außer meinen Blick auf den Fußboden zu richten, während mein Herz wie verrückt gegen meine Brust hämmerte. Es klopfte so stark, dass ich mir sicher war, es würde gleich aus meiner Brust springen. Nur um dem RK800 vor die Füße zu fallen, damit dieser die einmalige Chance angeboten bekam, gemütlich darauf herumzutrampeln.

Dieses Gefühl brachte mich um den Verstand genauso der kurze Moment des Schweigens, welcher mich fast umbrachte.

„Sie sagten, dass Sie mich lieben. Sie haben mich darum gebeten, mich zu Ihnen ins Bett zu legen. Und Sie haben sich … nun ja Sie haben Ihren Kopf auf meinen Oberkörper abgelegt. Ich war etwas überrascht gewesen, dass Sie mich darum gebeten haben. Dass Sie sich zu dieser Art der Nähe haben hinreißen lassen. Und ich habe mich gefragt, ob dies womöglich etwas zu bedeuten hat, oder ob der Alkohol Sie dazu gebracht hat mich darum zu bitten, und Ihren Kopf auf meinen Torso niederzulegen? Das Ihnen womöglich gar nicht bewusst war, was Sie da eigentlich taten?“, führte er aber dann an und im ersten Moment, war ich kaum dazu in der Lage, auch nur einen Muskel zu rühren. Wie sollte ich da nur wieder rauskommen? ...

In meinem Inneren wusste ich, dass es jetzt keinen Weg mehr gab, um da wieder rauszukommen …

Ich konnte nicht mehr umhin, ihm in die Augen zu blicken. Aber bedauerlicherweise konnte ich immer noch nicht, auch nur ein einziges Wort von mir geben. Was sollte ich jetzt nur tun? Ich hätte mich am liebsten losgerissen und wäre schnurstracks nach draußen gestürmt. Aber der Android hielt mich immer noch eisern an meinem Handgelenk fest und ich befürchtete, er würde nicht loslassen, wenn ich nicht gleich eine zufriedenstellende Antwort für ihn parat hatte.

Seine Augen schienen mich regelrecht zu durchbohren, wie es schon so oft der Fall gewesen war und in meinem Verstand rumorte es fürchterlich. Seine nächsten Worte ließen mich laut schlucken und ich bekam das Gefühl, mich übergeben zu müssen.

„Detective! Empfinden Sie etwas für mich? Haben Sie vielleicht, bestimmte Gefühle für mich entwickelt. Liebe womöglich? Bitte Detective. Ich muss es wissen!“, beharrte der RK800 und sein Griff schien mein Handgelenk noch fester zu umgreifen. I

Ich konnte mir meine darauf folgende Reaktion selbst nicht wirklich erklären. Ich konnte nicht erklären, warum ich plötzlich diese Wut empfand, welche mich immer mehr aufzufressen schien.

Ich wusste nur, dass ich wütend auf mich selbst war. Dass ich so feige war, ihm nicht meine Gefühle zu gestehen. Und meine Angst er konnte nicht genauso für mich empfinden. Mich abblitzen lassen und wenn es ganz schlimm kommen sollte, sogar den Respekt vor mir verlieren. Eine Menschenfrau, die sich in einen Androiden verliebt hatte. Das konnte doch gar nicht gut gehen …

Mit Kraft schaffte ich es mich aus seinem Griff zu befreien und verlor dabei irgendwie die Beherrschung. Was dazu führte, dass ich den Androidenabweichler ungewollt anschrie. Und dafür hasste ich mich noch umso mehr. Jetzt schien endlich der Moment gekommen zu sein, an dem mir klar wurde, dass ich es einfach nicht mehr schaffte, meine wirklichen Gefühle herunterzuschlucken. So oder so, es war schon zu spät.

Ich musste ihm eine Erklärung liefern, egal wie er darauf reagieren würde. Das schuldete ich ihm. Dann sprudelte es blitzartig nur so aus mir heraus. Die ganzen unterdrückten Gefühle, die Trauer die ganze Wut, die in meinem Inneren, riesige Wellen schlugen und mich zu ertränken drohten …

„Und wenn es so wäre? Was wäre schlimm daran? Vielleicht weil ich ein Mensch bin und du ein Android?! Wäre es der Weltuntergang, wenn ein Mensch einen Androiden liebt? Wäre dir das vielleicht zu wider? ...

Was wenn es so ist? Was wenn ich mich in dich verliebt habe? Würde das deine Meinung über mich ändern? Würdest du mich nicht mehr respektieren? Nicht mehr mit mir zusammen Arbeiten wollen? Was wenn ich dir sage, dass du mir nicht mehr aus dem Kopf gehst. Dass ich jede einzelne Sekunde an dich denken muss. Dass ich mir nichts sehnlicher wünsche, als in deiner Nähe zu sein und das mein Herz jedes Mal droht zu zerreißen, wenn ich nicht bei dir sein kann. Dass ich der Gedanke auffrisst, du könntest dasselbe nicht für mich empfinden. Dass du mich dafür verabscheuen könntest …“

Ich redete mich total in Rage. Ich konnte plötzlich nicht mehr aufhören. Alles, was ich so lange in mich hineingefressen hatte, all die negativen Gedanken, diese Angst, all das rief ich endlich hinaus in die Welt. Auch wenn es bedeutete, dass ich mich vor dem RK800 komplett zum Vollidioten machte.

Meine Gedanken machten sich selbstständig und kamen nur so in Wortschwallen über meine Lippen, sodass ich gar nicht bemerkt hatte, wie nah mir der RK800 bereits gekommen war …

Meine Augen füllten sich mit Tränen und meine Verzweiflung, nahm immer mehr überhand. Ich war einfach nur noch fertig mit der ganzen Situation.

„Ich weiß, dass das nicht geht und ich kann verstehen, wenn dir meine Gefühle zuwider sind. Immerhin bin ich kein Android. Ich bin nur ein dummer Mensch, der wirklich so dreist ist und hofft, ein Android, wie du, könnte einen Menschen wie mich Lieben. Ich komm mir so dumm vor Connor. Ich habe so sehr versucht, nicht mehr an dich denken zu müssen. Aber ich schaffe es nicht … Ich kann nicht! …“

Plötzlich traf es mich erneut wie ein Blitz. Ehe ich realisieren konnte, was geschah, spürte ich seine wunderschönen Lippen auf den meinen. Wie sie meine sofort in Beschlag nahmen und mir unweigerlich den Atem raubten. Ich spürte wie meine Füße den halt verloren und kurz darauf realisierte ich, dass mich der Android bis an die Wand gedrängt hatte und mich dagegen presste, während er mich unerwartet und leidenschaftlich küsste.

Die Intensität seiner Lippen auf den meinen, ließ mich schwach werden. Ich war mir in dem Moment sicher, wenn er mich nicht festgehalten hätte, wäre ich ganz bestimmt zu Boden gegangen.

Auch ich konnte mich jetzt unmöglich noch zurückhalten. Mein Körper schrie nach seinen Berührungen und meine Hände wollten jeden Zentimeter seines Körpers erkunden, weshalb ich meine Hände instinktiv um seinen Nacken schloss und ihn näher zu mir heranzog.

Der Kuss wurde immer intensiver, sodass mein Körper regelrecht erschüttert wurde. Ich spürte nur noch Lust und Begierde in meinem inneren aufkochen. Der Androidenabweichler küsste mich weiter und weiter. Es schien, als wolle er nie wieder damit aufhören. Es kam mir so vor, dass er ebenfalls einiges an Gefühlen unterdrückt haben musste, die er jetzt endlich anfing auszuleben, so als hätte er nur auf diese Gelegenheit gewartet.

Ich hatte mich schon immer gefragt, wie er es geschafft hatte, immer so ruhig und entspannt zu bleiben. Für einen Abweichler war er eigentlich schon fast immer zu Gelassen. Er zeigte nur selten, dass er wie andere Abweichler auch Gefühle hatte, die ihn zu menschlichem Verhalten antrieben. Immer die Ruhe selbst und nur auf seine Arbeit konzentriert. Er wirkte manchmal teilweise sogar noch so, als wäre er gar kein Abweichler sondern immer noch eine Maschine, dessen einziges Ziel es war seine Mission zu erfüllen. Doch jetzt fühlte ich unbändiges Verlangen, das von dem RK800 ausging und mir das Gefühl gab, gleich ohnmächtig zu werden.

Er schien in diesem Moment zu vergessen, dass er ein Android war und ich nur ein Mensch, der ohne Sauerstoff nicht überleben konnte. Ich brauchte dringend Luft zum Atmen. Ich wollte ihn schon etwas von mir wegdrücken, doch Connor löste von selbst die Verbindung unserer Lippen und schenkte seine Aufmerksamkeit meinem Hals. Diesen er mit Festem aber angenehmen drück liebkoste und mir ein lautes Stöhnen entlockte, bevor er sich wieder meinen Lippen widmete.

Ich war so überwältigt von dem ganzen Mischmasch an Gefühlen, die seine Küsse und Berührungen in mir auslösten, dass ich unerwartet damit anfing, seine Krawatte zu lockern und die knöpfe seines Hemdes zu öffnen, ohne das sich unsere Lippen dabei voneinander lösten.

Ich stöhnte in den Kuss hinein und wurde dabei immer lauter, was den RK800 noch mehr anzutreiben schien. Ich spürte plötzlich eine verräterische Nässe zwischen meinen Beinen und ich wusste, wenn wir jetzt nicht aufhörten, könnten wie vielleicht weitergehen, als wir sollten.

So sehr wie ich seine plötzliche Leidenschaft auch genoss, ich musste ihn irgendwie dazu bringen aufzuhören. Jetzt war nicht die Zeit, um sich dermaßen hinreißen zu lassen und intim miteinander zu werden.

„Con … Connor. Stopp hör auf … hör auf!“, sagte ich vollkommen aus der puste aber mit erregendem Unterton und brachte den Androidenabweichler zum Stoppen. Seine braunen Augen trafen die meinen und mein Herz klopfte dadurch noch schneller. Sein Blick wanderte auf meine feuchten und etwas geröteten Lippen, bevor er mir erneut in die Augen blickte.

„Was ist? Hab ich was falsch gemacht?“, wollte er dann wissen und ich versuchte erst mal, wieder zu Atem zu kommen. Ich sah die Unsicherheit und auch einen winzigen Anflug von Besorgnis in seinen Augen. Er sah in solchen Momenten so verdammt niedlich aus ...

Und natürlich hatte er nichts falsch gemacht. Ich war sogar überaus glücklich darüber, dass er seinen Gefühlen endlich freien Lauf gelassen hatte und sich nicht weiter hinter seinem vorgegeben Programmen versteckte. An denen er manchmal immer noch festzuhalten schien, obwohl er schon längst durchgebrochen war und nun tun und lassen konnte, was er wollte …

Ein Verständnisvolles lächeln huschte über meine Lippen. Ich stand immer noch mit dem Rücken zur Wand und sein Körper, drückte mich noch immer leicht dagegen. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich diesen Moment für immer festgehalten, um weiter mit ihm in dieser Position zu verweilen.

Ich spürte die Hitze seines Körpers. Sein System schien auf Hochtouren zu laufen, und genauso wie sein Körper, wurde auch mein Körper immer mehr von Hitzewellen überfallen, die meine Haut schon fast regelrecht zum brennen brachten. Dieses Gefühl war jedoch mit keinem Wort zu beschreiben.

„Nein. Nein natürlich nicht. Es war wirklich sehr schön, glaub mir. Ich bin nur sehr überrascht weißt du? Ich hätte nie gedacht …“, mein Blick wanderte zu seiner glatten Brust, welche leicht offen gelegt war und spürte, wie meine Wangen immer mehr, zu glühen begannen.

„Es ist nur so, dass ich mir diesen Moment nie zu träumen gewagt hätte. Ich hatte immer Angst dir meine Gefühle zu gestehen. Dir zu sagen, wie sehr ich es genieße, mit dir zusammen zu sein. Und das ich am liebsten jede einzelne Sekunde mit dir verbringen will. Und jetzt da ich es dir endlich gestanden habe und du mich … wir das hier …“

Ich stoppte kurz und fühlte, wie auch meine Mauer immer weiter zerfiel und wie erleichtert ich mich dabei fühlte, ihm endlich all meine Gefühle offenlegen zu können. Gefühle, die mich vielleicht so lange, von meinem Glück ferngehalten hatten, das ich womöglich beinahe die schönsten Momente meines Lebens verpasst hätte. Und dieser Moment gehörte eindeutig dazu …

„Ich weiß einfach nicht was ich dazu sagen soll Connor. Es ist, alles einfach so … ich habe irgendwie Angst, dass ich gleich aufwache und feststelle, dass das hier doch nur ein Traum ist“, fuhr ich zaghaft fort und Connor schenkte mir ein sanftes und beruhigendes Lächeln.

Seine Finger berührten mein Kinn und der Android zwang mich, in seine Augen zu sehen. Er wirkte in diesem Moment so menschlich und diese Reaktion ließ keine Trugschlüsse mehr zu, dass vor mir doch ein Abweichler stand, der nun ebenfalls gezeigt hatte, was er wirklich empfand und dachte. Der endlich der sein konnte, der er sein wollte. Und wahrscheinlich sogar der, der er tief in seinem Inneren schon immer war. Auch was oder besser gesagt wen er begehrte und wie sehr er wollte, dass ich wusste, wie er wirklich für mich empfand.
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