Off Duty - Ein Roadtrip

GeschichteFreundschaft / P12
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
30.07.2018
11.11.2019
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Hallo.
Schön, dass Ihr Euren Weg hierhergefunden habt. Nehmt Euch einen Stuhl, setzt Euch und fühlt Euch hoffentlich ein bisschen unterhalten von den literarischen Ergüssen meiner Wenigkeit.

Vorab möchte ich noch sagen, dass mich die Geschichte "Roadtrip" von "stroky" (eine schon etwas ältere Geschichte zu finden im Dr. House - Fandom) hierzu inspiriert hat. Keine Sorge, es wird nicht einfach nur abgeschrieben und kopiert, es handelt sich hierbei um etwas Eigenes, ich wollte lediglich meinen Quell der zündenden Idee nicht ungenannt lassen. :)

Und nun wünsche ich Euch hoffentlich viel Spaß.
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Bericht durchgesehen, bestätigt und abgeschickt.
Connor streckte sich auf seinem Stuhl, denn obwohl er nicht an den gleichen Verspannungen wie die Menschen leiden konnte, tat es gut, gelegentlich die Schwerfälligkeit aus den Gliedern zu vertreiben. Vor allem, da seine Arbeit sich momentan als sehr eintönig erwies. Der Lieutenant war nicht gerade sorgfältig was die Formalitäten betraf und überließ diese unliebsame Arbeit nur zu gern dem Androiden. Nicht dass Connor sich tatsächlich darüber beschwert hätte, schließlich war das, was ihn vor der Rückkehr zu CyberLife und seiner Deaktivierung bewahrte. Der Konzern hatte ihm zugestanden – auch im Zuge der gesamten Abweichler-Debatte – im DPD zu bleiben, solange bestätigt wurde, dass seine Dienste gebraucht wurden.

Gerade als die letzte Akte abgearbeitet war, wurde die Tür zu Fowlers Büro aufgestoßen und der Lieutenant trat heraus. Auf dem Weg zu seinem Schreibtisch kramte er in seiner Manteltasche, stopfte etwas hinein und zerrte etwas anderes heraus. Offenbar war es aber nicht das, was er suchte, denn er kramte weiter. Hank Andersons Manteltaschen waren stets so überfüllt, dass es Connor nicht gewundert hätte, wenn eines Tages der Heilige Gral darin zum Vorschein kommen würde.
Als er an seinem Schreibtisch gegenüber dem Androiden Platz nahm, machte Hank kurz ein verwirrtes Gesicht, als wüsste er nicht, was er eigentlich vorgehabt hatte, dann schüttelte er den Kopf über sich selbst. „Ich brauche Urlaub.“, murrte er.

„Was vergessen?“, fragte Connor und blickte den Polizisten aufmerksam an.
Hank winkte ab. „Nicht der Rede wert. Ich brauche nur einmal ein bisschen Abstand zu dem hier.“ Er machte eine ausladende Handbewegung, die das gesamte Revier einschloss.
„Dann willst du dir ein paar Tage frei nehmen?“ Connors LED an der Schläfe blinkte alarmiert auf.
Hank nickte. „Ich habe mir zehn Tage frei genommen. Keine Bereitschaft, kein gar nichts. Einfach nur frei.“
„Wann soll es denn losgehen?“ Eine unterschwellige Unruhe war in Connors Stimme zu vernehmen.
„Morgen“, entgegnete der Polizist, als sei diese Antwort selbstverständlich.
„Morgen?!“ Erschreckt riss der Android die Augen auf. „Und du hast mir nichts gesagt? Du weißt doch, ich darf ohne dich nicht hier sein! Wo soll ich denn hin in diesen zehn Tagen?“

Hank hob die Hand und unterbrach den Redefluss. „Das weiß ich doch alles. Darum dachte ich mir“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Du kommst einfach mit.“
Diese Antwort überraschte Connor. „Mit? In den Urlaub? Ich brauche keinen Urlaub.“
Der Lieutenant zuckte mit den Schultern. „Du kannst auch gern hierbleiben, dann unterstehst du während meiner Abwesenheit eben Detective Gavin Reed, wenn dir das lieber ist.“
Connor grinste schief. „So instabil läuft meine Software nicht, dass ich mich freiwillig in eine solche Lage begeben würde.“ Er seufzte. „Wo soll es denn hingehen?“

„Wir machen einen Roadtrip.“, verkündete Hank verschwörerisch. „Du, ich, die Straße und jeden Tag ein neues Ziel. Na, wie klingt das?“
Wenn er ehrlich war, wusste der Android nicht, wie das für ihn klang. Er hatte noch niemals über so etwas wie Urlaub nachgedacht und bis auf den kurzen Besuch bei Kamski war er auch noch nie außerhalb von Detroit gewesen.
Doch Hank ließ nicht locker. „Du musst auch mal hier raus kommen und was erleben. Vielleicht triffst du die Androidin deiner Träume, wer weiß.“
„Ich träume nicht.“, entgegnete Connor nüchtern, aber Hank zuckte nur mit den Schultern.
„Dann eben nicht. Morgen früh neun Uhr bei mir. Kriegst du das hin?“

Die Frage war freilich rhetorisch, der Android antwortete trotzdem. „Ist eingeplant, Lieutenant.“ Auch wenn er sich nicht sicher war, auf was er sich da eingelassen hatte, eine Wahl blieb ihm nicht.

**********

Punkt neun am nächsten Morgen hielt ein autonomes Taxi vor Lieutenant Hank Andersons Haus und Connor trat hinaus in die strahlende Sonne. Zu seiner Überraschung waren zwei Reisetaschen, ein Rucksack und eine weitere längliche Tasche neben der Haustür aufgestapelt und aus der Garage drang geschäftiges Rumpeln. Neun Uhr morgens war normalerweise nicht die Zeit, in der Hank Anderson den größten Tatendrang verspürte.

Zügig schritt Connor über den Rasen auf die Geräusche zu. „Lieutenant?“
„Oh Connor, du bist da. Sehr gut. Bring die Sachen, die draußen stehen, doch schon mal zum Wagen, ja? Nicht zu meinem, zum dem anderen.“
Bevor der Android etwas entgegnen konnte, drang ein dunkles Bellen vom Haus an seine Ohren. Sumo hatte ihn erspäht und kam auf ihn zu, sein Schweif peitschte so heftig, dass es ihm kaum gelang, geradeaus zu gehen.
Hank beobachtete die Begrüßung zwischen den beiden. Aus irgendeinem Grund hatte sein Hund einen Narren an dem Androiden gefressen.
„Was wird mit Sumo in der Zeit, während du weg bist?“, fragte Connor prompt. „Was ist das für eine Frage, der kommt natürlich mit. Ich werde ganz bestimmt nicht ein Stück Plastik mitnehmen, aber meinen Hund hierlassen. Und nun räume endlich den Wagen ein.“

Connor lächelte, als er der Aufgabe nachkam. Hanks Charme konnte man wirklich kaum widerstehen. Aber er kannte den Lieutenant inzwischen lange genug, um zu wissen, dass unter der rauen Schale ein weicher Kern verborgen war.
Während er die Taschen holte, freute er sich insgeheim, die Reise nicht in Hanks uraltem Wagen antreten zu müssen. Stattdessen hatte er einen Wagen gemietet, der sowohl autonom als auch von Menschenhand gelenkt werden konnte.
Er verstaute Hanks Taschen im Kofferraum, er selbst besaß nichts Nennenswertes, was er mitnehmen wollte.

„Gut, du bist fertig.“ Der Lieutenant trat neben ihn und schaute zufrieden auf das Gepäck.
„Was ist in der länglichen Tasche?“, wollte Connor wissen, doch Hank brummte nur.
„Das wirst du noch früh genug erfahren!“ Er ließ seinen Blick abschätzend an Connor herabwandern. „Wie siehst du überhaupt aus? Wir wollen in den Urlaub und nicht zu einem Staatsbesuch.“
Überrascht riss Connor die Augen auf. Er trug, was er so gut wie immer trug, und es hatte noch nie Beschwerden gegeben.
„Du brauchst noch was anderes. Los, steig ein, wir besorgen dir was nicht so verdammt Förmliches.“

Kaum saßen sie im Wagen, stellte Hank die KI ab und klappte das Lenkrad aus den Armaturen. Dieses Ruder ließ er sich nur ungern aus der Hand nehmen.
So reihten sie sich in den geschäftigen Verkehr Detroits ein, während Sumo ihnen von der Rückbank seinen nicht gerade wohlriechenden Hundeatem entgegenhechelte.
Sie hielten vor einem kleineren Outlet, bei dem gerade wieder einmal irgendein Schlussverkauf herrschte.
Der Lieutenant stellte den Motor ab und wandte sich an Connor. „Okay, ein paar Vorbereitungen, bevor wir rein gehen. Erstmal ziehst du diese verdammte Jacke aus. Und die Krawatte gleich mit.“
Etwas zögerlich kam Connor den Aufforderungen nach, während Hank ein breites Pflaster aus seiner Jackentasche hervorholte und es anschließend über den LED-Ring auf der Schläfe des Androiden klebte. Zufrieden betrachtete er sein Werk. „Sieht gleich viel besser aus.“ Er öffnete die Tür und bedeutete Connor, es ihm gleich zu tun.

Im Outlet war nicht viel los, es war noch früh am Morgen und mitten in der Woche. Eine Verkäuferin (seit das Vertrauen in die Androiden dahin war, arbeiteten wieder Menschen in solchen Läden) wollte herbeieilen, doch Hank schickte sie wieder weg. „Also los, such dir ein paar Sachen aus. Denk dran, die erste große Hitzewelle des Jahres wird in den nächsten Tagen erwartet.“
Fragend blickte Connor ihn an. „Was soll ich mir denn aussuchen? Ich weiß nicht, was man im Urlaub anhat.“
Der Lieutenant verdrehte die Augen. „Scheiße Connor, such dir einfach etwas aus, was dir gefällt. Nicht alles ist eine gottverdammte Mission, die du abschließen musst. Gewöhn dich dran.“
Gewöhn dich dran. Das hatte er auch schon gesagt, als er Connor dazu gebracht hatte, ihn zu duzen. Zu Beginn hatte es den Androiden tatsächlich Überwindung gekostet, diesem Wunsch nachzukommen, denn Gewohnheiten ließen sich nur schlecht ablegen.

Während Connor also etwas zurückhaltend zu den einzelnen Kleidungsständern schritt, lehnte Hank sich an die Wand neben den Umkleiden und schloss die Augen. Er war müde, hatte die letzte Nacht kaum geschlafen. Er war aufgeregt, obwohl er das gegenüber dem Androiden niemals zugegeben hätte. Seit Jahren waren es die ersten freien Tage, die er nicht mit Whisky und Basketball in Unterwäsche auf dem Sofa verbringen würde. Die ersten freien Tage, in denen er wirklich frei und keine Bereitschaft hatte. Bereitschaft, die ihn dazu zwang, sich nicht gänzlich und unwiederbringlich dem Alkohol hinzugeben, die ihn in letzter Instanz am Leben hielt. Aber das hätte er vor sich selbst niemals zugegeben.

Es schien ihm, als seien erst wenige Sekunden vergangen, als Connors Stimme ihn aus seinen Gedanken riss.
„So in etwa?“
Hank öffnete blinzelnd die Augen und musterte die Androiden, der mit abgespreizten Armen vor ihm stand. Connor hatte sich für eine dunkle Stoffhose entschieden, dazu ein einfaches weißes T-Shirt und ein offenes kariertes Hemd darüber.
Hank nickte anerkennend. „Ja, das ist sehr gut. Such dir nochmal etwas und wir können los.“
Also zog Connor noch einmal los und diesmal wirkte er nicht mehr so zögerlich.
Hank sah ihm nach. Er hätte sich niemals träumen lassen, dass er mal einen Androiden seinen Freund nennen würde, geschweige denn mit einem zu einem Roadtrip aufzubrechen. Aber es hatte sich so viel verändert in den letzten Monaten, dass alte Vorstellungen von dem, was möglich war, keine Bedeutung mehr hatten.

Als Connor sich entschieden hatte, sie die Sachen gezahlt hatten, konnte es endlich losgehen.
„Du fährst nun.“, bestimmte Hank und warf dem Androiden die Schlüsselkarte zu.
Sie begrüßten den fröhlich wuffenden Sumo, unter dem sie auch die Einkäufe verstauten, die er Bernhardiner mit seinen großen Pranken fröhlich schweifwedelnden platt drückte.
„Wohin fahren wir denn?“, wollte Connor wissen, doch Hank schüttelte nur den Kopf.
„Das wirst du sehen, wenn wir da sind. Jetzt fährst du erstmal die Interstate 96 nach Westen. Ich sage dir, wie es dann weitergeht.“
Connor kam der Aufforderung nach und schlängelte sich durch den vormittäglichen Verkehr Detroits. Die meisten Autos fuhren autonom, was das Vorankommen um einiges erleichterte. Trotz anfänglicher Proteste hatten sich selbstfahrende Wagen im Alltag recht schnell durchgesetzt. Effizienter, schneller, sicherer, kooperativer im Straßenverkehr; all das hatte zu größerer Zuverlässigkeit und weniger Staus und Unfällen geführt. Technik war Fortschritt und Fortschritt war Zukunft. Wer wollte schon kein Teil der Zukunft sein?

Als sie die Stadt verließen, wandte Connor sich erneut an den Lieutenant. „Sagst du mir jetzt, wohin es geht?“
„Nein“ Hank grinste. „Wenn ich es dir sage, berechnest du die ganze Route schon wieder im Voraus. Wo bleibt denn da der Spaß?“ Er deutete auf die Interstate vor ihnen. „Fahr einfach weiter geradeaus, ich sage dir, wann du abbiegen musst.“ Er kramte wieder in seiner Tasche, bis er einen Speicherstick hervorzog und ihn an die Armaturen des Wagens anschloss. Nach wenigen Sekunden wurde das Radiogedudel durch nicht unmelodische Klänge einer elektrischen Gitarre ersetzt.
Nach einem kurzen Abgleich mit der Datenbank identifizierte Connor das Lied als „Snow“ von einer Band namens „Red Hot Chili Peppers“. Der Lieutenant hörte also Musik aus seiner Jugend. Dagegen war wohl nichts einzuwenden.

Während Hank auf dem Beifahrersitz und Sumo auf der Rückbank vor sich hin dösten, steuerte Connor den Wagen weiter in Richtung Westen, noch immer unsicher, was er von dem ganzen Unterfangen halten sollte. Ein Mann, sein Hund und ein abweichlerischer Android – was sollte da schon schief gehen?
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Ja, was soll da schon schiefgehen?
Das frage ich Euch. Los, her mit Euren Meinungen. :D
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