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Insanity Love

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
Access Time Chiaki Nagoya Fynn Fish Marron Kusakabe Miyako Toudaiji OC (Own Character)
30.07.2018
06.03.2020
34
130.375
16
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Dieses Kapitel
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06.09.2019 3.025
 
Chapter 27: In the Cage

„Maron. Maron, wach auf.“
Die Angesprochene blinzelte einige Male, ehe sie Fins Gesicht erblickte. „Fin?“ Es war so hell. Maron kniff sich geblendet ihre Augen zu und öffnete sie langsam wieder.
Verwundert setzte Maron sich auf und stellte fest, dass sie sich in Chiaki’s Schlafzimmer befand. Was sie jedoch noch mehr irritiert-
„Du bist ja immer noch so groß!“, platzte es aus ihr heraus, als sie ihren grünhaarigen Engel sah. Fin sah auf sich herab.
„Uhm... ja als Grundengel kann ich mich klein und groß machen“, kratzte sie sich verlegen den Kopf.
„Schon immer??“
„Ja, solange ich bei voller Energie bin. Nur hatte ich in den letzten Jahren keine Möglichkeit gehabt richtig aufzutanken“, lächelte der Engel achselzuckend. „Außerdem wollte ich mich nicht so breit machen in meiner großen Gestalt.“
Maron nahm das mit einem benommenen Nicken zur Kenntnis.
„Wo ist Chiaki? Und was ist passiert?“, fragte sie.  
„Ihr habt beide das Bewusstsein verloren, als wir auf der Erde angekommen sind. Na gut, solche interdimensionalen Reisen sind auch nicht einfach. Und durch den Kampf vorher, wart ihr schon körperlich ziemlich angeschlagen“, erklärte Fin, „Access hatte darauf bestanden, dass wir uns hierher befördern“, zuckte sie mit den Schultern, „Chiaki ist vor einer Stunde aufgewacht. Und während wir auf dich warteten, ist Access vorhin losgezogen, um nach Dämonen zu suchen.“ Fin blickte sie ernst an. „Es gibt ja noch einige Dinge, die wir mit euch zusammen beredet wollen.“
Plötzlich öffnete sich die Tür und Chiaki kam rein. Er sah ausgeschlafen aus.
Maron sah zu ihm rüber und ihre Blicke trafen sich. Ihr Herz machte einen Sprung.
„Kannst du uns für einen Moment allein lassen?“, fragte sie an Fin gewandt.
Diese schürzte nur die Lippen und flog mit einem „Ich schau mal nach Access“ nach draußen. Sie stieg aus dem Bett aus und streckte sich etwas.
Sie fühlte sich fit und ausgeruht.
„Ich fühle mich, wie als könnte ich Berge versetzen“, lächelte sie Chiaki an.
„Es gibt nicht viel was ich fühle“, entgegnete er daraufhin und Maron’s Lächeln fiel in sich zusammen.
Sie wusste es.
In dem Moment, als er reinkam wusste sie es, doch sie wollte es nicht wahrhaben. Irgendwo hatte sie immer noch die kleinste Hoffnung gehabt, dass der Bann gebrochen blieb.
„Dreh dich um“, sagte sie stumpf, „Ich will mich umziehen.“
Chiaki hob eine Augenbraue. „Ich habe alles doch schon gesehen.“
„Das gibt dir dennoch nicht das Recht zu schauen“, erwiderte Maron. „Dreh. Dich. Um.“
Chiaki drehte sich um. Maron ging zum Kleiderschrank und holte sich ein T-Shirt, eine Strickjacke sowie eine Leggings raus. Während sie sich umzog, behielt sie Chiaki, der die Wand anstarrte, kritisch im Blick.
„Nur um das klarzustellen: der Zauber ist wieder da“, sagte sie.
„Ja“, sagte er und sie spürte, wie das Wort allein wie eine Nadel auf ihr Herz einstach. „Ich hatte Träume, Träume mit Emotionen und Gefühlen in ihnen. Aber in dem Moment, als ich aufwachte... verblassten sie. Ich wusste, dass ich gefühlt habe, aber jetzt kann ich es nicht. Es ist wie wenn ich weiß, dass ich eine Wunde habe, aber mich nicht an den Schmerz erinnern kann.“
„Wobei du gerade sowieso kein Schmerzempfinden mehr hast“, kommentierte Maron trocken. Sie band sich ihre Haare zu einem wilden Knoten hoch. Sie hatte keinen Spiegel in der Nähe, um zu kontrollieren, wie sie aussah.
Doch wen interessierts?
Chiaki war die einzige Person, die sie beeindrucken wollte. Doch jetzt würde es ihn nicht im Geringsten interessieren.
„Dreh dich um“, sagte sie und er tat es. Ein grimmiger Ausdruck haftete auf seinem Gesicht, was Maron nicht erwartet hatte. Anscheinend gefiel es auch ihm nicht, dass der Zauber wieder da war.
„Was willst du jetzt machen?“, fragte sie.
„Komm her“, sagte er und sie ging zögernd auf ihn zu. Die Erinnerungen von ihrer letzten gemeinsamen Nacht spielten sich unwillkürlich vor ihrem geistigen Auge ab. Sie konnte seine Worte klar und deutlich noch hören. Wie könnte sie sie auch jemals vergessen.
„Ohne dich bin ich nicht ich selbst, Maron. Du bist ein Teil von mir, welche ich nicht aus mir entfernen kann. Das wäre gleichbedeutend, wie wenn man mein Herz herausschneiden würde - und ich mag mich ohne mein Herz nicht.“
Maron wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Chiaki ihr auf einmal etwas in die Hand legte.
Fragend und neugierig sah sie auf sein Pentagramm herab. Dann spürte sie mit ihren Fingerspitzen die Unebenheiten auf der Rückseite.
Sie drehte es um, zog scharf Luft ein. Ihre Augen weiteten sich.
„Hast du das gemacht?“
„Ja. Bevor wir den Himmel verlassen haben.“  
Zwei Worte waren auf dem Metall eingraviert.
IM KÄFIG
„Weißt du was es bedeutet?“, fragte Chiaki.
Maron erinnerte sich daran zurück, als er ihr von dem Zauber erzählte und ihr sagte, dass er sich fühlte, wie als befände er sich hinter einer Glaswand. Ihr Herz fühlte sich an, wie als würde es in tausend Teile zerbrechen.
„Ja“, sagte sie, „Weißt du es?“
Es dauerte einige Sekunden, bis Chiaki antwortete: „Ich denke schon.“ Maron gab ihm das Pentagramm wieder. „Damals im Dämonenwald haben Stimmen mir diese Worte zuflüstert.“ Er erzählte ihr von dem Moment.
„Weder Leid noch Freude... nie wieder Glück empfinden... im Käfig gefangen...“, wiederholte sie die Worte leise zu sich selbst. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.
„Sie verfolgten mich im Himmel“, fügte er hinzu.
„Und ich schätze mal, dein normales Ich wollte dir eine Erinnerung dalassen“, schlussfolgerte Maron. „Damit du verstehst.“
Gerade als Chiaki was sagen wollte, klingelte im Untergeschoss das Festnetztelefon.
Zusammen gingen beide runter.
Chiaki schnappte sich das Telefon, guckte auf das Display und nahm ab.
„Vater.“
Kurz nachdem sein Vater am anderen Ende etwas erwiderte, sagte er: „Ich musste etwas erledigen.“
Wieder war es kurz still. Chiaki warf ihr einen langen Blick zu, den sie nicht deuten konnte. „Da bin ich froh“, sagte er.
Maron zog stutzig die Brauen zusammen. Sie beobachtete ihn und versuchte herauszufinden, worum es in dem Gespräch gehen könnte. Doch weder sein Gesicht noch seine Stimme zeigte irgendwelche Gefühlsregungen.
Mir fällt ein, ich sollte mich bei Mama und Papa auch mal melden…, ging es ihr durch den Kopf.
Chiaki verabschiedete sich und legte auf.
„Wir waren fast drei Wochen weg“, sagte er zu ihr.
Ihre Augen wurden groß, als Maron das Gesagte registrierte.
„So lange?!“
„Ja.“
Es kam ihr vor als wären sie höchstens drei Tage weg gewesen. Sie musste sich dringend bei ihren Eltern melden.
„Okay. Uhm… Und was wollte dein Vater?“
„Er hatte gefragt, wo ich war. Und er hatte gesagt, dass Mina seit ein paar Tagen wach ist und nach mir fragt.“
„Oh.“ Maron sah ihn eindringlich an. „Dann solltest du jetzt am besten auch gehen.“
Er blickte auf seiner Uhr. „Die Besuchszeiten sind in dreißig Minuten vorbei.“
„Dann sollest du dich beeilen. Du hast ein Auto“, rollte sie mit den Augen. „Geh. Ich warte hier.“
Chiaki schien etwas sagen zu wollen, entschied sich jedoch dagegen. Für einige lange Sekunden tauschten beide sich wortlose Blicke aus, ehe er schließlich ging.
Maron ließ sich seufzend auf das Sofa fallen. Mit einem Mal fühlte sie sich müde und erschöpft. Das komplette Gegenteil zu vorhin.
Im Käfig gefangen..., dachte sie sich.
Sie schauderte.
***

Chiaki hatte nur noch zehn Minuten, als er im Krankenhaus ankam. Sein Vater hatte ihm gesagt, in welches Zimmer sie verlegt wurde und dass er und Nanako sie schon besucht hatten. Kaiki hatte auch erwähnt, dass er eine OP vorbereiten musste, bevor sie ihr Gespräch beendeten, weshalb Chiaki ihn womöglich auch nicht begegnen wird.
Er war sich nicht sicher, wie er sich Minami gegenüber verhalten sollte. Sein Körper war angespannt.
Er wusste, dass er froh sein sollte, als Kaiki ihm sagte, dass sie wach war. Ebenso wusste er, dass er sich gegenüber seinem Vater schuldig fühlen sollte, in Anbetracht dessen, wie ihr letztes Aufeinandertreffen im Krankenhaus endete und dass er sich erleichtert fühlen sollte, dass sein Vater sich dennoch bei ihm meldete.
Er wusste, dass er mehr fühlen sollte, als er Maron sah. Es war wie, als wurde in ihm ein Schalter betätigt, der alles ins Leere hüllte.
Die Emotionen, waren so fern und unerreichbar für ihn.
Es wurde sogar schwierig für ihn zu sprechen. Er wusste, was er in bestimmten Momenten sagen sollte, doch sein Kopf war einfach nicht fähig es richtig zu verarbeiten.
Es ist schlimmer als vorher, dachte Chiaki sich. Irgendwie waren seine Emotionen noch mehr eingedämpft, als sie es beim ersten Mal waren. Er spürte die Verzweiflung in ihm hochkommen, doch sie war dumpf und nahezu kaum anwesend.
Am liebsten wollte Chiaki in eine scharfe Klinge reingreifen, um überhaupt etwas zu spüren.
„Die Besuchszeit endet gleich“, hörte er eine Krankenschwester sagen, als er nach der Türklinke reichte.
„Ich brauche nicht lang“, entgegnete er, öffnete die Tür und trat ein.
Es war ein Einzelzimmer. Minami saß auf dem Bett und sah von ihrer Zeitschrift auf, die sie las. Ein entfernter Teil von ihm sagte ihm, dass sie zu dünn -zerbrechlich- aussah, die Bedeutung dahinter, verlor sich jedoch in dieser Leere.
„Hey, großer Bruder!“ Mit einem breiten Lächeln auf dem Lippen, stand Minami vom Bett auf, ging auf ihn zu und schlang ohne Vorwarnung ihre dünnen Arme um ihn.
Es war schlimm.
Nicht, dass es schlimm war von Minami umarmt zu werden. Diese Leere, die er spürte - die war schlimm. Soweit Chiaki es einschätzen konnte, war die Umarmung nett. Sein Kopf sagte ihm, dass sie Familie ist, weshalb er automatisch seine Arme hob und die Umarmung erwiderte.
„Ich wusste nicht, dass du kommst. Oder überhaupt wieder da bist. Mum und Dad meinten, du wärst weg gewesen“, sagte sie gegen seiner Brust.
„Ich war weg. Aber jetzt bin ich wieder hier“, sagte Chiaki. „An was kannst du dich erinnern?“
„Ganz ehrlich... an gar nichts. Außer an unser letztes Telefonat.“ Minami sah zu ihm auf, die Hände an seine Jacke gekrallt. „Ich will dich wissen lassen, dass es mir leidtut“, sagte sie zu seinem Unerwarten. „Ich dachte, du wärst sauer auf mich, weil ich dich damals am Telefon angemotzt habe. Ich dachte, du wärst deswegen vielleicht weg gewesen, weil ich nur ein launischer Teenager bin und eine Last für dich wäre.“
Etwas in Chiaki’s Kopf schrie. Schrie danach, dass er ihr sagen soll, dass sie falsch lag, dass er nie sauer auf sie war und dass er sie liebte. Dieser weitentfernte Teil von ihm schrie verzweifelt danach, richtig zu reagieren. Doch es war wie, auf schalldichtem Glas zu hämmern.
Diese Stille in seinem Herzen war fast so tiefschürfend, wie die Stelle, die er bei Maron empfand.
„So war das nicht“, brachte er zustande. „Ich habe Vater schon gesagt, dass ich etwas erledigen musste.“ Während der andere Chiaki in seinem Kopf gegen das Glas hämmerte, rang dieser Chiaki nach Worten. „Es war nicht deine Schuld.“
„Okay.“ Minami lächelte erleichtert.
„Die Besuchszeit ist vorbei“, ertönte auf einmal die Stimme der Krankenschwester.
Chiaki ließ von Minami los und wandte sich zur Tür um. Besser jetzt gehen, als zu riskieren das Falsche zu sagen oder zu tun. Sobald er es irgendwie schaffte, den Bann zu brechen, würde er nochmal mit ihr reden.
„Frag doch Vater, ob du länger bleiben kannst“, hörte er Mina enttäuscht sagen. „Ich würde mich gerne weiter mit dir unterhalten.“
„Er ist gerade in ner OP“, sagte Chiaki, ohne sich zu ihr umzudrehen. „Ich komme wieder, okay.“
In innerhalb von wenigen Sekunden war er schließlich draußen.
Schweratmend stand er im Gang an der Wand angelehnt, als wäre er eben einem Monster entkommen.
***

Maron stand in mitten des Schlafzimmers und telefonierte mit ihren Eltern.
„Ich vermisse euch. Hab euch lieb.“
Kaum hatte sie das Gespräch beendet, klopfte es an der Schlafzimmertür.
Sie sah Chiaki am Türrahmen stehen und war noch mehr erstaunt darüber, dass er überhaupt klopfte. Schließlich war es seine Wohnung und sein Schlafzimmer.
Er kam rein. „Fin und Access sind noch nicht zurück.“ Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
„Bestimmt kommen sie bald“, antwortete Maron ihm.
Wortlos lehnte Chiaki sich gegen die Fensterbank an. Die Sonne ging hinter ihm unter und färbte den Himmel in einem prachtvollen Orangeton.
„Ich denke, ich habe es mit Mina vermasselt“, sagte er plötzlich. „Sie wollte mit mir reden und ich denke nicht, dass ich richtig geantwortet habe.“
„Worüber wollte sie mit dir reden?“
Ein paar Strähnen fielen Chiaki ins Gesicht. Unbewusst musste Maron an ihre ersten Begegnungen denken. Wunderschön ging es ihr damals als auch heute durch den Kopf, als sie in seine Augen blickte.
Ganz gleich, wie er vor ihr stand, ihr Herz sehnte sich nach ihm, nach seinen starken und zugleich sanften Händen, seinen Lippen...
„Ich weiß es nicht“, sagte er, „Ich habe es nicht verstanden. Ich hätte es verstanden -ich weiß, ich hätte es- wäre es nicht für den Zauber.“
„Nun, du warst doch die ganze Nacht bei ihr in der Intensivstation“, entgegnete sie.
„Ja. Das war aber instinktiv das, was man von mir als Bruder verlangt hätte, wenn die kleine Schwester nahezu im Sterben liegt. Es ging um Leben und Tod. Doch jetzt geht es um Emotionen. Und mein Kopf kann die einfach nicht verarbeiten.“
Emotionen spielen auch bei Leben und Tod eine Rolle, dachte Maron sich.
„Access weißt nichts von dem Zauber richtig?“ Sie gesellte sich zum ihm ans Fenster.
„Nein“, bestätigte er.
Maron biss sich nachdenklich auf die Lippen. „Du warst eine Stunde vor mir wach. Wieso hast du ihm nichts gesagt?“
Er zog die Brauen zusammen. „Ich konnte nicht“, antwortete Chiaki, „Gott sagte, dass selbst die stärksten Erzengel nichts dagegen machen könnten. Er, als Grundengel, könnte erst Recht nichts ausrichten. Das hätte ihn nur wütend gemacht.“
Maron wandte sich überrascht zu ihm um. „Du wolltest nicht, dass er sich machtlos und nutzlos fühlt, wenn er dir nicht helfen kann“, stellte sie fest, „Chiaki, das ist Empathie. Du verstehst, wie sich Access fühlen würde. Das ist doch gut, oder?“
„Vielleicht“, sagte er, „Es gibt da eine Sache, die ich tue, wenn ich mir nicht sicher bin, wie ich mit emotionalen Situationen umgehen soll. Ich versuche mir vorzustellen, was du tun würdest. Was du in Betracht gezogen hättest. Versuche alles durch deine Augen zu sehen. Es hilft, auch wenn die Konversation mit Mina zu schnell für mich ging, um den Trick anzuwenden.“
Überrascht blickte Maron Chiaki an. „Was ich getan hätte?“
„Das funktioniert natürlich nicht, wenn ich bei dir bin“, sagte er. „Ich weiß nicht, was du von mir willst oder was ich mit dir tun soll. Ich kann dich nicht durch deine eigenen Augen sehen. Ich kann mich selbst nicht durch deine Augen sehen.“
Sachte berührte er ihre nackten Arme. Sie hatte ihre Strickjacke ausgezogen gehabt.
„Du hast eine Gabe, Maron“, sagte er, „Du trägst eine Güte in dir, die die Menschen um dich herum glücklich macht. Du denkst, dass Menschen nicht nur zu ihrem Besten fähig sind, sondern dass sie auch zu ihrem Besten werden wollen. Dasselbe denkst du auch von mir.“
Maron versuchte normal zu atmen. Das Gefühl seiner Finger auf ihrer Haut ließ sie erschaudern.
„Du scheinst mehr von mir zu halten, als ich von mir selbst halte“, sagte sie.
Seine Fingerspitzen wanderten ihren Arm herab, zu ihrem Handgelenk und wieder hoch, ihrem Schlüsselbein entlang. Strichen sachte über den Ausschnitt des Shirts.
Eine angenehme Gänsehaut lief ihr den Rücken herunter. Sie wusste, dass sie sich in diesem Gefühl verlieren könnte.
„Wenn du schon dabei bist“, sagte sie ihm, „Dann solltest du mich küssen.“
Chiaki nahm sie in seine Arme. Sein Mund war warm und weich auf ihren - ein sanfter Kuss, der sich von Sekunde zu Sekunde vertiefte.
In dem Moment war es ihr auch egal, dass die Engel in jedem Augenblick reinplatzen könnten.
Ihre Hände strichen über seinen Körper, über den ihr bekannten Muskeln unter seinem T-Shirt.
Er murmelte, dass sie wunderschön sein, dass er sie wollte.
Ihr Herz schlug so stark, wie als würde es aus ihrem Brustkorb ausbrechen wollen. Jede einzelne ihrer Zelle sagte ihr, dass dies Chiaki war, ihr Chiaki. Dass er dieselbe Person war, den sie liebte.
Sie spürte, wie sie in Richtung des Bettes steuerten. Rücklings fiel Maron darauf. Seine Lippen ließen keinen Moment von ihren los.
„Das ist perfekt“, wisperte er gegen ihre Lippen, „So können wir zusammen sein, ohne dass wir uns gegenseitig in Gefahr bringen.“
Ihr Körper schrie danach, nicht darauf zu reagieren. „Was genau meinst du damit?“, fragte sie dennoch.
Er blickte sie an, die Haare verdeckten die Hälfte seines Gesichtes. Sie wollte ihn zu sich ziehen, seinem Mund mit ihren versiegeln und alles was Falsch war vergessen. Doch sie zwang sich zur Kontrolle.
„Es kommt auf die Gefühle an, nicht die Handlungen“, antwortete er ihr, „Wenn ich dich nicht liebe, dann können wir dennoch körperlich zusammen sein und der Fluch spielt keine Rolle mehr.“
Wenn ich dich nicht liebe.
Sie schob ihn bestimmt von sich und setzte sich auf. „Ich kann nicht“, sagte sie, „Sobald du deine Gefühle zurückhast, werden wir beide die Sache bereuen. Gerade weil es dich nicht kümmerte.“
Er schaute verwirrt. „Ich will dich genauso viel, wie sonst auch. Das hat sich nicht geändert.“
Sie seufzte tief aus.
„Ich glaube dir. Du hast mir eben gesagt, dass du mich willst. Dass ich wunderschön sei. Aber du sagtest nicht, dass du mich liebst. Das hast du vorher immer gesagt.“
Etwas flackert in seinen Augen. „Ich bin das nicht. Diese Person bin ich nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich Dinge fühle und empfinde, die ich nicht verstehe.“
„Nun, ich will diese Person“, sagte sie mit fester Stimme, „Ich will Chiaki Nagoya. Meinen Chiaki Nagoya.“
Er hob seine Hand, um ihr Gesicht zu berühren. Sie wich etwas zurück, hielt sich bewusst von ihm fern – nicht, weil sie seine Berührungen nicht mochte, eher das Gegenteil. Sie mochte sie zu sehr.
Ihr Körper kannte den Unterschied zwischen diesen Chiaki und den, den sie brauchte, nicht.
Chiaki ließ seine Hand sinken.
„Wer bin ich für dich denn?“, fragte er.
„Du bist die Person, die ich beschützen muss bis mein Chiaki zurückkehrt“, sagte sie. „Ich will das hier nicht. Ich will den Chiaki, den ich liebe.“ Maron sah ihm fest in die Augen. „Du magst dich zwar im Käfig befinden, Chiaki, aber solange du so bist, bin ich mit dir im Käfig gefangen.“
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