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Insanity Love

von mairio
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Het
Access Time Chiaki Nagoya Fynn Fish Marron Kusakabe Miyako Toudaiji OC (Own Character)
30.07.2018
06.03.2020
34
130.375
16
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06.08.2018 4.195
 
Chapter 2: First Meeting

Maron könnte sich ohrfeigen. Den Abend vorher hatte sie ihrer Mutter noch versichert nicht zu verschlafen und nun ist es doch geschehen! Fin musste ihren Schützling mit Not und Mühe wecken, bis sie endlich vom Bett aufsprang, sich in Rekordzeit die Zähne putzte, gleichzeitig eine blaue, zerrissene Jeans sowie weißes Oversize-T-Shirt überzog und mit Tasche aus der Wohnung rannte. Gerade so hatte noch den richtigen Busanschluss erwischt und begab sich nun von der Haltestelle aus im Schnellgang zum Campus.
Eigentlich hätte Maron sich von Miyako chauffieren lassen, aber da diese eine spontane Planänderung machen musste, musste sie auf die Alternative „Öffentliche Verkehrsmittel“ und „Laufen“ zurückgreifen. Die Braunhaarige hatte zwar selbst einen Führerschein, jedoch kein Auto.
Schwer atmend an der Universität angekommen musste sie zu ihrer Erleichterung feststellen, dass sie noch fünf Minuten Zeit hatte bevor ihre erste Vorlesung begann. Doch nun stand das nächste Problem an: Sie wusste nicht wo sich ihr Vorlesungssaal befand.
Die 19-jährige ärgerte sich darüber die Orientierungstage verpasst zu haben, weil jedes Mal Dämonen dazwischen kamen. Immer wieder schaute sie auf ihren Stundenplan, scannte die Plaketten an den Türen und versuchte die passende Raumnummer ausfindig zu machen. Zum Glück liefen noch ein paar Studenten herum, die sie letztlich nach dem Weg fragte, womit sie endlich die richtige Etage fand und die richtige Tür in Sichtweite war.
Bevor sie sich allerdings ins Zimmer begab, fand sie eine nach unten führende Treppe, welches direkt zu ein paar Snack- und Getränkeautomaten führte, die aneinander aufgereiht waren. In der Nähe von ihnen befanden sich Bänke und Tische, die wahrscheinlich zur Ess- und Lernmöglichkeit dienten.

Kaum hatte Maron die Automaten gesehen, meldete sich ihr Magen und erinnerte sie daran, dass sie vor lauter Morgenstress nichts gefrühstückt hatte.
Sie schaute sich um. Niemand mehr zu sehen.
Sie warf einen prüfenden Blick auf ihre Uhr. In den ersten zehn-fünfzehn Minuten werden die Professoren sich garantiert nur vorstellen und eine grobe Einführung zum Stoff veranstalten…also werde ich schon nichts Wichtiges verpassen!
Mit der Überlegung ging sie sorglos zum Snackautomat runter, setzte sie ihre Tasche auf dem Boden ab und suchte in ihrem Portemonnaie nach dem passenden Kleingeld. Gerade als sie die erste Münze reinwarf und die nächste in den Schlitz schieben wollte, fiel diese ihr aus der Hand und rollte unter dem Gerät weg. Innerlich fluchend beugte sie sich runter und suchte nach dem Geldstück.
Nachdem sie ihn wieder an sich genommen hatte, warf sie ihn in die Maschine rein und drückte die Buchstaben-Zahlen-Kombination, die ihren Hunger stillen sollte. Geräuschvoll setzte sich der Automat bei den Gummibärchen langsam in Bewegung. Gerade als sich die Studentin auf ihren ersehnten Snack freuen wollte, passierte es.
Es blieb stecken. Die Packung hing halb an einer Ecke klemmend auf Schräglage.
Ernsthaft?! Maron stöhnte genervt auf und verdrehte die Augen.
Sie gab nochmal den Code ein. Keine Reaktion. Ihre Gummibärchen waren in der Maschine gefangen.
Mit der Handfläche schlug sie kräftig auf das Scheibenfenster ein. Kein Glück. Dann griff sie die Maschine an beiden Seiten und versuchte sie zu schütteln. Wieder nichts. Frustriert und hungrig gab sie dem Automaten einen kräftigen Tritt. Immer noch nichts.
Wütend stierte sie die Maschine an. „Lass sie endlich raus!“, presste sie mit zusammengeknirschten Zähnen hervor und gab dem Gerät ein paar weitere Tritte.
„Wow…Du hast ein ziemliches Aggressionsproblem.“, sprach auf einmal eine angenehm klingende Stimme von hinten.
Erschrocken fuhr Maron zusammen und drehte sich zum Besitzer der Stimme um.
Ein junger Mann ungefähr ihren Alters saß auf einer der Tische. Zu perplex von seiner plötzlichen Anwesenheit, musterte Maron ihn schrittweise von unten nach oben. Er trug schwarze, makellose Nike-Schuhe mit weißen Schnürsenkeln. Eine enganliegende, dunkelgraue Hose und ein schlichtes, weißes Hemd umhüllten seine schlanke Figur. Die Ärmel waren ordentlich bis zum Ellenbogen hochgekrempelt und ein schwarzer Blazer lag neben ihm, während er sich lässig zurücklehnte und sich mit den Handflächen nach hinten abstützte.
Seine Gesichtszüge waren wie fein geschliffen und seine Augen schienen einen dunklen, schwarzähnlichen Farbton zu haben. Einzelne Strähnen seines kurzen, blauen Haares standen in allmöglichen Richtungen ab, wie als wäre er vor kurzem erst Aufgestanden. Er hatte relativ helle -nahezu blasse- Haut, nicht so braun gebrannt wie bei den meisten Leuten die hier rumliefen, stellte die Diebin fest.
Ebenso musste sie sich eingestehen: Er war sehr, sehr gutaussehend. Man könnte ihn schon als schön bezeichnen. Kann man einen Mann als schön bezeichnen?
Was Maron noch mehr verwirrte: er lächelte sie an.
Er lächelte sie auf einer Weise an, wie als würde er sie kennen. Ihr Herz machte einen kurzen Sprung. Verunsichert drehte sie ihren Kopf, um zu sehen ob vielleicht irgendjemand hinter ihr stand, den er kannte. Doch es war niemand zu sehen, bis auf die Automaten. Als sie sich wieder zu dem Jungen wenden wollte, war er verschwunden.
Stark blinzelnd, blickte sie sich kurz in alle Richtungen um, ehe sie sich zu ihrer Tasche herunterbeugte und sie wieder an sich nahm. Unterdessen hatte sich ihr Herz wieder beruhigt.
Der mysteriöse Unbekannte war mehr als merkwürdig. Das allermerkwürdigste war allerdings: Maron fühlte sich wie als würde sie ihn (ebenfalls) schon kennen.

Sie hörte Schritte näher kommen, die aber abrupt stoppten ehe sie sie erreichten. Neugierig schaute sie auf.
Ein perfekt gebräuntes Mädchen mit langem, dunkeltürkisen Haar stand plötzlich da und hatte sich bei einem gutgepflegten, übermuskulösen, blonden Jungen eingehakt. Beide schauten sie mit einer snobistischen Arroganz an.
„Vorsicht!“, giftete sie das Mädchen an. Maron konnte zog leicht beleidig die Augenbrauen zusammen, obwohl sie gar nicht verstand für was die Warnung genau stand. Sie wiegte gedanklich ab ob sie mit einer spitzen Bemerkung zurückkontern sollte, oder nicht. Letztlich entschied sie sich dafür am ersten Uni-Tag sich keine unnötigen, neuen Feinde zu machen.
„Sorry.“, entschuldigte sie sich, auch wenn sie keine Ahnung hat wofür sie sich entschuldigte. „Ich bin neu hier an der Uni, erstes Semester. Mein Name ist Maron Kusakabe.“ Aus Gewohnheit streckte sie den Beiden höflich die Hand aus, obwohl sie eigentlich keinerlei Bedarf empfand mit einen von ihnen die Hand zu schütteln.
Ein falsches Lächeln zeichnete sich auf das hübsche Gesicht des Mädchens ob, die ihr Gegenüber von oben bis unten kurz musterte. „Willkommen.“, sagte sie knapp und ging mit ihrem Begleiter davon.
Maron seufzte erschöpft aus. Zwei merkwürdige Begegnungen in so kurzer Zeit und sie hatte noch nicht mal die erste Vorlesung hinter sich. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie nun doch später dran war, als sie es geplant hatte.
Eilig ging sie die Treppe hoch, bog zur Tür ab und öffnete sie. Maron versuchte so leise und unauffällig wie möglich reinzugehen, um die Professorin -eine schwarzhaarige Frau mittleren Alters mit Brille- nicht zu stören. Doch ehe sie sich versah, stolperte sie über ihre eigenen Füße und landete mit dem Gesicht voraus auf dem harten Laminatboden.
Die Erstsemesterin konnte förmlich hören, wie der ganze Saal erschrocken nach Luft schnappte und zig Köpfe sich synchron zu ihr umdrehten. Der Tag wird immer besser und besser…, ging es ihr frustriert durch den Kopf.
Sie spürte, dass ihre Nase blutete. Auch die Professorin hielt ihren Monolog an und lief bestürzt auf die junge Frau zu, die wie ein labbriges Toast noch auf dem Boden lag. Zu beschämt war sie um aufzustehen.
„Uhmm, sind Sie okay? Können Sie mich hören?“, sprach die besorgte, gleichzeitig panische Stimme der Professorin auf Maron ein, die benommen nickte. „Kann jemand einen Arzt rufen, bevor die junge Dame mir hier in der Vorlesung noch zu Tode verblutet?“
Wie auf Kommando stand die Gemeinte auf, wischte sich den Staub von den Klamotten ab und hielt sich eine Hand über die Nase.
„Mir geht’s gut! Mir geht’s gut! Keine Sorge!“, kündigte Maron mit etwas zu lauter Stimme an, warf einen unsicheren Blick durch die Runde und setzte ein gezwungenes Lächeln auf, obwohl sie sich vorstellen konnte dass sie wie jemand aussah, die aus einer Freakshow entstammte. „I-Ich tendiere schnell zur Tollpatschigkeit und Nasenbluten bekomme ich auch des Öfteren. Keine Sorge! Es blutet auch nicht mehr!“ Die ältere Frau schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen kritisch an.
„Sie sind auch wirklich nicht verletzt? Dann würde ich vorschlagen Sie machen sich im Bad schnell sauber und kommen wieder hierher zurück, okay?“
„Ja. Danke.“, antwortete ihr die junge Studentin mit einer knappen Verbeugung und setzte sich Richtung Tür in Bewegung.
Bevor sie den Saal verließ, warf sie noch einen flüchtigen Blick auf ihre Kommilitonen. Jeder von ihnen schaute sie mit großen Augen an. Darunter auch das hübsche Mädchen von vorhin, die anfing gehässig zu kichern. Was für ein toller Zufall!
Entkräftet begab sich Maron zur Frauentoilette.

Die einstündige Mittagspause war angetroffen und die Kamikaze-Diebin war bereits fertig mit der Welt. Auch wenn die letzten drei Stunden so gut wie friedlich abliefen, so ließ sie das peinliche Morgendebakel nicht los.
Nicht nur war ihr weißes T-Shirt mit roten Blutflecken übersät, die sie nicht weggewaschen bekam, ab und an erwischte sie Studenten, die sie verstohlen beäugten. Wahrscheinlich hatte es sich bereits rumgesprochen, wie sich eine Kommilitonin einfach mal im Vorlesungssaal hinlegte und den Boden voll blutete. Ein toller Start ins Studentenleben!
Ebenso hatte sie den ganzen Tag noch nichts gegessen, bis sie aus der Cafeteria sich ein Tomatensandwich holen konnte. Miyako und Yamato wollten Maron in der Mittagspause antreffen, doch bis jetzt hatte sie das Paar noch nicht entdeckt.
Schlecht gelaunt ließ sie sich auf eine freie Bank nieder, warf ihr Essen auf dem Tisch, stützte ihre Arme darauf ab und vergrub ihren Kopf in ihren Händen.
„Du siehst aus als bräuchtest du eine Umarmung.“, hört sie jemand sagen. Als die 19-jährige aufschaut sah sie das freundlich lächelnde Gesicht eines Jungen in einem gelben Comic-Shirt, rot-schwarz karierter Hose, knallrot gefärbtem Haar und auffälligen Tattoos an den Armen. Maron konnte sich entsinnen ihn vielleicht in einige ihrer Veranstaltungen gesehen zu haben.
„Danke für das Angebot, aber ich komme schon klar.“, entgegnete sie ihm höflich.
„Das war kein Angebot, sondern nur eine Feststellung.“, lächelte er, setzte sich ihr gegenüber hin und streckte die Hand aus. „Ich bin übrigens Touya Kirishima.“
„Maron. Maron Kusakabe!“ Sie gab ihm die Hand, schüttelte sie kurz und schenkte ihm ein schwaches Lächeln.
„Welches Semester bist du?“
„Erstes. Studiere medizinische Psychologie. Und du?“
Same, same. Dann sehen wir uns ja fast immer!“ Maron nickte. Touya ließ von seinem sympathischen Dauergrinsen nicht los. „So…Das Nasenbluten-Mädchen hat einen Namen. Wie geht’s deiner Nase? Sah heute Morgen sehr schmerzhaft aus….autsch!“
„Oh, eh… Ihr geht’s gut. Danke der Nachfrage. Du bist der Erste der fragt. Oder überhaupt ein nettes Wort mit mir wechselt.“ Maron wollte eigentlich was Zickigeres erwidern, doch als sie sah dass ihr tätowierter Gegenüber wirklich besorgt zu sein schien, entschied sie sich dagegen. Außerdem wäre es für sie nicht schlecht sich neue Freunde zu machen, die mit ihr dasselbe studierten, dachte sie sich.
„Wer redet denn bitte schlecht über dich? Nenn mir einen Namen und ich gehe denjenigen verprügeln!“, sprach er empört und schlug ihr schauspielerisch auf dem Arm. Nun konnte sich die braunhaarige Studentin ein Lachen nicht verkneifen.
„Als ob du alle aus der Uni kennen würdest.“
„Ich kenne genug Leute hier, vertrau mir. Also, schieß los!“
„Nun…da war ein Mädchen heute Morgen, die sagte zu mir ‚Vorsicht!‘ in einem ziemlich giftigen Ton.“ Maron beschrieb Touya wie sie aussah, woraufhin er erstaunt die Augenbraue hob. „Da war noch ein Typ bei ihr… der war genauso unhöflich wie sie…auch wenn er nichts gesagt hat.“ Der Rothaarige schüttelte nur lachend den Kopf.
„Hört sich nach Yashiro Sazanka an. Bestimmt bist du Nagoya zu Nahe getreten, oder?“
„Wer ist Nagoya? So ein übermuskulöser, blonder Schnösel? Das war nämlich der Typ, der bei ihr war.“ Nun lachte ihr Gesprächspartner noch mehr und verschluckte sich fast an seiner Cola.
„Nein, die Beschreibung passt eher zu vielen Kerlen an ihrer Seite, aber ich schätze mal es war Makoto Sato. Er und Yashiro sind sogenannte BFFs foreva and eva.“ Er klimperte übertrieben mit den Wimpern und machte Handgesten, wie als würde er Glitzer und Regenbögen herzaubern wollen. Maron fand den Rotschopf immer sympathischer. Belustig grinsend entpackte sie ihr Sandwich und biss genüsslich rein.
„Also, was hast du ihr angetan?“, fragte Touya seinen Gegenüber interessiert, die ihn mit gespieltem Entsetzen anguckte und schluckte.
„Wieso soll ich ihr was angetan haben?“
„Nun, irgendwie musstest du ja ihre Aufmerksamkeit bekommen haben. Normalerweise wärst du für sie wie Luft, aber falls Nagoya sich in deiner Nähe rumgetrieben hat, dann werden die Krallen ausgefahren.“ Er hielt kurz inne und schaut sie ernst an, ehe er weiter sprach. „Was er garantiert tun wird. Ich ging mit den allen zur Schule -war ein Jahr unter ihnen- und da hat er auch alle weiblichen Ressourcen ausgeschöpft, wenn du verstehst was ich meine… Und das sind keine Lügenmärchen die ich dir erzähle.“ Maron verzog das Gesicht. Sie dachte an den anderen Typ zurück, den sie am Morgen antraf. Hört sich nach einem ziemlichen Playboy an, der Kerl…
„Du scheinst diesen Nagoya nicht besonders zu mögen, kann das sein?“, merkte sie trocken an.
„Wir haben unsere Differenzen…“, brachte Touya ihr achselzuckend entgegen.
„Nun, diese Yashiro braucht sich bei mir keinen Stress zu machen! Ich bin nicht interessiert irgendjemandes Freund zu stehlen.“
„Oh, er ist nicht ihr Freund. Sie waren in der Oberstufe für ein paar wenige Wochen mal zusammen, aber dann hat Nagoya ihr einen eiskalten Korb gegeben. Seitdem ist sie noch verrückter nach ihm als vorher. Total die bescheuerte Zicke!“ Maron entkam ein schnaubendes Lachen. Ihre Laune war um einiges besser als vor wenigen Minuten, was sie selbst ein wenig überraschte.
„Maron! Da bist du!“, hörte sie auf einmal Miyako rufen. Die Angesprochene blickte zur Seite und winkte ihre Freundin zu, die mit Yamato Händchenhaltend auf sie zukam.
„Wurde auch mal Zeit, Miyako!“, begrüßte sie die Dunkelhaarige und ihren Freund mit einer Umarmung. „Das ist übrigens Touya. Touya, das sind Miyako und Yamato. Schulfreunde von mir.“, stellte sie alle einander vor, die sich zum Tisch dazu gesellten.
„Was ist mit deinem T-Shirt passiert?! Ist das…Blut?“, fragte Yamato entsetzt und zugleich besorgt als er die Flecke bemerkte. Die Diebin winkte nur ab.
„Frag nicht. Hatte nur einen schlechten Start.“
„Sag mir nicht, du hast mal wieder verschlafen?“, kam es von Miyako belustigt. Maron warf ihrer besten Freundin einen vielsagenden Seitenblick zu.
„Wäre alles nicht passiert, wenn wir zusammen gefahren wären!“
„Ja klar. Immer die Schuld auf andere schieben!“, lachte Miyako und wechselte abrupt das Thema: „Übrigens, hast du schon gehört, dass die Bürgermeisterin gestern von Jeanne beklaut wurde?“
„Meinst du Jeanne, die Kamikaze-Diebin?!“, kam es von Touya erstaunt und starrte sie mit offenen Mund an.
„Ja! Mein Vater fahndet gegen sie und Sindbad. Auf jeden Fall wurde der Schüssel der Stadt geklaut. Das Komische ist, sie hat zwar die altbekannten Warnungen von den Beiden erhalten, jedoch nicht die Polizei eingeschaltet! Kannst du sowas verstehen? Das ist doch total unverantwortlich von ihr! Da hat sie sich den Diebstahl auch selbst zu verschulden!“ Maron setzte einen ratlosen Blick auf und zuckte nur mit den Schultern.
„Das kann ich mir auch nicht erklären.“
Die restliche Mittagspause aßen und unterhielten sich die vier ausgelassen bis die nächsten Veranstaltungen anstanden.

Zuhause angekommen, ließ sich die junge Frau aufs ersehnte Bett fallen und kuschelte sich in ihr Kissen rein.
„Und wie war dein Tag?“, kam Fin fröhlich auf sie zugeflogen.
„Anstrengend… Frag nicht wieso! Aber! Ich habe mir einen neuen Freund gemacht!“, murmelte sie in ihr Kissen rein und hob bekräftigend den Zeigefinger nach oben. „Bitte sag mir, dass ich heute Abend frei hab!“, flehte sie ihren Engel an, als sie vom Kissen aufschaute. Diese schaute sie mit ihren grünen Augen nur verdutzt an und sagte lächelnd: „Heute scheint alles ruhig zu sein. Also, ja, du hast frei.“
„Danke!“, stöhnte Maron erleichtert auf, stand auf und ging ins Badezimmer. Sie brauchte dringend ein entspanntes, heißes Bad. Morgen ist ein neuer Tag. Dann wird alles hoffentlich besser ablaufen!
***

Der zweite Tag verlief -im Vergleich zum ersten- deutlich besser ab. Maron fuhr mit Miyako zusammen gut gelaunt zur Uni. Die Vorlesungen liefen ohne Blutverluste ereignislos ab. Und immer wenn sie Touya in einer Veranstaltung antraf, war sie mehr als froh nicht alleine die Zeit absitzen zu müssen.
Insbesondere wenn Yashiro in der Nähe war, die mit ihrem Laufburschen Makoto und sonstigen Freundinnen mehr als offensichtlich über sie tuschelten und Witze rissen. Die Lästereien und verstohlene Blicke ignorierte die Braunhaarige allerdings einfach, ohne sich davon unterkriegen zu lassen.
Die letzte Vorlesung war angetroffen. Die Studentin setzte sich auf einem freien Platz am Gang hin und legte ihre Tasche auf dem rechten Sitz neben sich ab. Es würde noch zehn Minuten dauern bis der Dozent kommen würde, weshalb sie sich aus Zeitvertreib ihr kleines Skizzenbuch rausholte und willkürlich ein paar Kritzeleien machte. Sie mochte es zu zeichnen. Es half ihr herunterzukommen und sich zu entspannen.

„Ist neben dir noch frei?“, hörte sie nach einigen Minuten plötzlich neben sich fragen. Erschrocken zuckte sie zusammen und schaute auf. Es war der blauhaarige Schönling vom Vortag – diesen Nagoya. Maron erinnerte sich, dass Touya erwähnt hatte, dass er ebenfalls in der medizinischen Richtung studierte.
Sie schaute sich kurz um, um verblüfft festzustellen, dass alle anderen Plätze bereits belegt waren, bis auf der eine neben ihr. Na gut, wollen wir nicht so sein… Leicht seufzend nahm sie ihre Tasche vom Platz weg und stellte sie unter ihren Füßen ab.
„Danke.“ Er schenkte ihr ein schiefes Lächeln als er sich hinsetzte, was ihrem Herz aus unerfindlichen Gründen wieder einen leichten Sprung versetzte.
„K-Kein Problem.“, fing sie an zu stottern.
„Und? Heute werden keine Snackautomaten verprügelt?”, fragte ihr neuer Sitznachbar grinsend.
„Ich habe das Ding nicht verprügelt. Er wollte nur meine Gummibärchen nicht frei lassen.“, rechtfertigte sie sich leise, die Wangen schimmerten verlegen rot. Eigentlich wollte sie es vermeiden mit ihm zu reden, ausgehend von den ganzen Playboy-Geschichten, die sie über ihn gehört hatte.
„Ich heiße übrigens Chiaki. Chiaki Nagoya.“, stellte er sich vor und schaute ihr tief in die Augen. Unbewusst wich Maron etwas zurück. Kurioserweise fiel ihr auf, dass seine Augen nicht dunkel oder schwarz waren -wie sie ursprünglich annahm-, sondern eigentlich einen hellen Haselnussbraun aufwiesen. Ihr Herz wurde wieder etwas lauter.
„Maron Kusakabe.“
„Einen hübschen Namen hat das Automatenmädchen.“, grinste Chiaki seine Sitznachbarin an. Flirtet er mit mir??, ging es ihr alarmierend durch den Kopf.
„Und Talent scheint sie auch zu haben.“, fügte er erstaunt hinzu als er ein Blick auf ihren Skizzenbuch warf, welches immer noch offen auf dem Tisch lag. Sie hatte noch nicht mal mitbekommen, dass die Vorlesung schon angefangen hatte. Mit einer schnellen Bewegung packte die Erstsemesterin ihr Buch weg -ihr Gesicht noch roter angelaufen als vorher- und tat so als würde sie sich auf den Vortrag des Dozenten konzentrieren.
Maron wollte dem älteren Mann am Pult auch zuhören, dessen Powerpoint-Folien lesen und sich Notizen machen. Doch ein Faktor zerrte sehr an ihrem Aufmerksamkeitsstrang.
Nämlich zwei Paar braune Augen, die auf sie fixiert waren.
Sie versuchte ihr bestes Chiaki zu ignorieren, doch an einen gewissen Punkt riss ihr Geduldsfaden.
„Was auch immer du gerade versuchst, ich werde nicht anbeißen!“, zischte sie ihm leise zu.
„Wovon redest du?“
„Ich habe genug von dir gehört um zu wissen, dass du der Typ Kerl bist, der Frauen wie Unterwäsche wechselt!“ Chiaki schaute sie schmunzelnd an.
„Urteilst du immer so schnell über Fremde, bevor du sie richtig kennenlernst?“
„Willst du etwa behaupten nichts von dem, was ich hörte, ist wahr?“
„Du beantwortest nicht meine Frage.“
„Und du nicht meine.“ Daraufhin kicherte Chiaki nur amüsiert. Wiedermals sprang Maron’s Herz kurz auf.
„Arsch.“, fluchte sie grimmig in sich hinein und funkelte ihn mit einem Seitenblick an. Ihr Sitznachbar schien das gehört zu haben und brachte nur ein amüsiertes „Du hast wirklich Aggressionsprobleme“ entgegen, bevor er aufstand und ging.
Zu ihrer Fassungslosigkeit musste Maron feststellen, dass die Vorlesung schon zu Ende war. Genervt stöhnte sie auf, packte ihre Sachen und verließ den Saal.

Auf dem Weg über den Parkplatz sah sie bereits Miyako mit Yamato vor dem Auto warten. Die Freundinnen hatten sich trotz unterschiedliche Studiengänge den Stundenplan so eingerichtet, dass sie immer zusammen hin und zurück fahren konnten.
„Na, ihr Turteltauben. Wie war euer Tag?“
„Ganz gut! Sehr lehrreich. Steig‘ schon mal ein. Wir fahren gleich los.“, entgegnete ihr Miyako zwinkernd. Aufs Wort begab Maron sich zum Beifahrersitz, während ihre beste Freundin sich mit einem Abschiedskuss von ihrem Freund verabschiedete. Die Studentin wundert sich stark, weshalb die Beiden nach dem Abschluss nicht zusammenziehen wollten.
„Sag mal, du und Yamato“, setzte sie an als Miyako sich ans Steuer setzte und den Gurt anschnallte, „wieso seid ihr nicht zusammengezogen nach der Schule? Ihr seid schließlich auch schon eine Weile zusammen.“
„Wieso? Hmm.“ Die Fahrerin legte eine künstliche Nachdenkpause ein. „Weil es jemand geben muss, die ein Auge auf dich wirft während deine Eltern weg sind. Nicht dass dir jeden Tag dasselbe passiert wie gestern.“, antwortete sie ihr breit grinsend und fuhr aus der Parklücke raus.
Perplex schaute Maron sie an. Sie bleibt im Orléans nur wegen mir?? Verstehe ich das richtig?? Schuldgefühle breiteten sich in ihr aus.
„Mach dir keine Gedanken um uns, Maron!“, fügte die Polizeitochter lächelnd hinzu. „Ich wäre sowieso noch nicht bereit gewesen.“
„Irgendwie fühle ich mich jetzt trotzdem wie als würde ich mich zwischen euch stellen.“
„Ach Quatsch. Es wird immer eine Person in meinem Leben geben, die bei mir an oberster Stelle steht!“ Maron schaute ihre kurzhaarige Freundin irritiert an.
„Da kann Yamato sich ja glücklich schätzen.“
Miyako entkam ein leises Lachen und schüttelte unbemerkt den Kopf. Um das Thema zu wechseln, fragte sie Maron: „Und, hast du wieder neue interessante Leute kennengelernt? Dieser Touya gestern ist ein ziemlich lustiger Chaot.“
„Interessant nicht. Wohl eher arschlöcherisch.“ Die Fahrerin verzog amüsiert das Gesicht.
„Redest du von diesen komischen Leuten von denen du uns gestern berichtet hast? Dieser Nagoya aus eurer Fakultät scheint ziiiemlich beliebt zu sein. Selbst Kommilitoninnen aus meinen Studiengang kriegen den Mund von dem Typen nicht voll.“
„Ja und heute saß genau er neben mir. Was für ein überhebliches Arsch dieser Kerl…Ich glaube, der hatte versucht sich an mich ranzumachen!“, schnaufte Maron auf und warf dramatisch den Kopf in den Nacken.
„Den König der Ärsche bis du ja los geworden…“, murmelte Miyako leise vor sich hin, ehe sie sich reumütig auf die Lippe biss und einen vorsichtigen Blick auf ihre Beifahrerin warf. Diese schien nicht gehört zu haben, was sie gesagt hat und schaute gedankenverloren aus dem Fenster bis sie die besorgten Augen ihrer Freundin bemerkte, die auf ihr hafteten.
„Sorry, hast du was gesagt?“
„Nein, nein. Nichts.“
***

„Das Opfer ist der Künstler Furuta Yamakawa. Der Dämon bringt ihn dazu die Bilder von seinen Konkurrenten zu verunstalten und versteckt sich in dem Lieblingspinsel des Malers. Sei Vorsichtig, Jeanne.“, sprach Fin zu der blonden Diebin, die sich in einem Baum versteckt hat. Im Vergleich zum letzten Auftrag war vor dem Anwesen des Künstlers ein großes Polizeiaufgebot. An vorderster Stelle konnten sie Himuro Toudaiji -Miyakos Vater- entdecken, der seine Männer auf Position stellte und koordinierte.
„Keine Sorge. Ich bin schließlich ein Profi!“
In wenigen Minuten hatte die Kamikaze-Diebin Polizeibarrieren überwunden und schlich sich ins Haus ein. Sofort begab sie sich ins oberste Stockwerk zum Atelier, wo Herr Yamakawa sie bereits erwartete. Kaum hatte die Blonde den Raum betreten, kamen Pinselstiele wie Pfeile auf sie zugeschossen, die sie gekonnt auswich. Furuta Yamakawa stand am anderen Ende des Raumes, mit einer weiteren Handvoll Pinsel, bereit für den nächsten Angriff. Jeanne konnte erkennen, dass ihr Objekt der Begierde in seinem Malergürtel steckte. Es war ein alter Pinsel, welches von oben bis unten mit mehreren Schichten Farbe bedeckt war.
„Ich lasse mich von dir nicht stehlen!“, sprach der Dämon durch den Künstler in einer unmenschlichen Stimme.
„Das werden wir ja sehen!“
Die Diebin rannte auf den Mann zu. Pinselstiele flogen übernatürlich schnell an ihr vorbei, doch die hinderten sie nicht an ihrer Mission. In einem erbitterten Kampf mit dem Mann versuchte sie den Pinsel an sich zu reißen, doch der Dämon war geschickt und wehrte ihre Angriffe ohne Probleme ab.
Plötzlich kam mitten in ihrem Handgemenge ein Bumerang durch die Fenster geflogen und schnitt Herrn Yamakawa den Gürtel vom Körper ab. Oh Nein!! Ehe Jeanne reagieren konnte, manifestierte sich der Dämon aus dem Malobjekt und wurde von Sindbad mit einem blitzschnellen Schwerthieb gebannt. Eine schwarze Schachfigur erschien und der Künstler sackte -nach einem kurzen Aufschrei- bewusstlos vor ihr zusammen.
„Heute war ich schneller, Jeanne! Oder ist dir der Job schon zu anstrengend geworden? So wie du dich eben abgequält hast...Konnte man sich ja nicht mit ansehen!“, spottete Sindbad mit einem selbstgefälligen Grinsen, warf die errungene Schachfigur demonstrierend hoch und fing sie in seiner Hand wieder auf.
„Du bist so ein verdammtes Arsch! Ich hasse dich!!“, giftete die Angesprochene ihn an und sprang aus dem Fenster wütend davon.
Normalerweise würde ihre Beleidigungen den Dieb kalt lassen, aber irgendwie fühlte es sich diesmal so... vertraut an.
Als hätte er solche Worte schon mal von jemanden sagen gehört.
Für einige Sekunden schaute Sindbad ihr nachdenklich hinterher, bis er im Flur Stimmen hörte -die sich dem Atelier näherten- und ebenfalls die Flucht ergriff.
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