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Mein kleiner Kaktus

von Kalida
OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Beatrix "Bea" LeBeau Casey
30.07.2018
30.07.2018
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728
 
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Mein kleiner Kaktus



   Mit einer melancholischen Stimmung im Herzen befand sich Casey auf den letzten Kilometern der langen und eintönigen Autobahn, in die Richtung ihrer Wohnung, welche sie schlussendlich ein Jahre zusammen mit Beatrix bezog. Ihre Kehle verließ ein unterbewusstes Seufzen, wie schon so häufig auf der anderthalbstündigen Rückfahrt.
   Sie konnte einfach nicht glauben, dass die Blau-haarige nun auf unbestimmte Zeit tausende Lichtjahre von ihr entfernt seinen würde. Casey hatte ihre Freundin bei ihrem Streben unterstützt – sogar noch dazu ermutigt diesen großen Schritt zu wagen. Beatrix war schon lange nicht mehr so begeistert von einem Vorhaben gewesen, wie von dieser hier. Ihre eigene Slime-Farm. Ein neuer Planet, neue, spannende Lebewesen und ein neuer Job, mit welchen sie auch etwas für die Menschen auf der Erde tat.
   Casey hatte schon immer damit gerechnet, dass es Beatrix irgendwann dauerhaft in die Ferne rief, jedoch hatte sie nie damit gerechnet, dass es sich dabei um einen über ein Jahr dauernde Flug durchs Weltall handelte.
   Ihre Beziehung bestand zwar größtenteils aus Fernbeziehungen bedingt durch Caseys Musik und den vielen Abenteuerreisen von Beatrix und hatte dies auch immer gut überlebt, jedoch waren sich beide bewusst, dass es Entfernungen gab, welche schlichtweg zu groß waren, um eine Ewigkeit zu überbrücken.

   Der dunkelblaue Wagen rollte langsam vor den kleinen Blumenladen, welcher bis vor kurzem noch Beatrix gehört hatte, und kam schlussendlich zum Stehen. Casey sah sich diesen genau an, seufzte, zog den Schlüssel aus dem Schloss und verließ das Vehikel. Sie ging zu der großen Glastüre, schloss diese auf und betrat den leeren Laden.
   An den einst strahlend weißen Wänden war deutlich zu erkennen, wo das Sonnenlicht sein Unwesen getrieben hatte und welche Stellen bisher von Regalen verdeckt waren. Der graue, gummiartige Boden wies ebenso an bräunlichen Flecken auf, wo sich zuvor Regale und Tische befanden. Ohne die ganzen Möbel und Pflanzen wirkte der Raum nicht mehr fröhlich, bunt und gemütlich. Im Gegenteil; er war kühl, riesig und irgendwie … Tod. In einer Ecke standen nur noch zwei mittelgroße Umzugskartons, welche mager befüllt waren und der schlichte Verkaufstresen, hinter welchem Casey des häufigeren ausgeholfen hatte.
   Die Pink-haarige ging mit langsamen Schritten durch das Geschäft. Vor ihrem geistigen Auge sah sie Beatrix, wie diese durch den Laden huschte und jeder einzelnen Pflanze ihre Zuneigung schenkte. Bei diesen Bildern, wie sie sich noch vor kurzem hier abgespielt hatten, schlich sich ein vom Herzen kommendes, sachtes Lächeln auf Caseys Lippen. Es waren Bilder, welche sie höchst wahrscheinlich nie wieder im echten Leben sehen würde. Zumindest bezweifelte sie dies zutiefst. Wie sie ihre Freundin kannte, wird diese prächtig in ihrem neuen Leben aufgehen und den Weg zurück zur Erde nicht antreten.
   In all den Jahren hatte Casey sich schon so oft nach der dunkelhäutige Schönheit gesehnt, jedoch erst jetzt wurde ihr klar, wie es sich wirklich anfühlt eine Person innig zu vermissen.

   Casey schritt durch die niedrige gelegte Tür hinter dem Tresen und betrat so den kleinen Flur, welcher sogleich als eine Art Lager diente, mit der Treppe hinauf zu der Wohnung.
   Es war dunkel. Man erkannte durch das einfallende Licht der offenen Tür die ersten paar Stufen und alte Holzdielen, welche Beatrix damals an die Wand geschraubt hatte, um diese als Ablagen zu nutzen. Schemenhaft erkannte Casey etwas auf dem obersten Regal in der Ecke, stellte sich auf die Zehnspitzen und griff danach.
   „Au! Verdammte …“, fluchte sie und führe ihren Finger zum Mund.
   Erneut griff sie nach dem Objekt, welches sie gepickt hatte. Nun hielt sie einen kleinen, grünen Kaktus in der Hand, welcher in einen braunen Topf gepflanzt war.
   „Na du“, murmelte die Pink-haarige, „Haben sie dich hier vergessen? Armer kleiner Kerl.“
   Sie ging die Treppe hinauf und schloss die Wohnungstür auf.
   Auch hier: Stille. Wie im gesamten Gebäude.
   Casey stellte den Kaktus auf den quadratischen Essenstisch in der Küche und ließ sich auf einen der beiden Stühle fallen. Die Musikerin legte ihre Arme verschränkt auf den Tisch und bettete ihren Kopf auf ihnen, sodass sie auf einer Augenhöhe mit der Pflanze war. Sie betrachtete ihren kleinen neuen Freund genauer.
   „Jetzt sind wir beide nicht mehr alleine …“, seufzte Casey.

   Ob es dort oben auch Kakteen gab?
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