Blaue Flammen.

von Aikoy
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
Marco der Phoenix
29.07.2018
12.08.2019
7
7031
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#4 Unsterblichkeit.

Du stehst an der Reling der Moby Dick und betrachtest den Sonnenuntergang. Du liebst den Augenblick, wenn die Sonne das Meer berührt und die gesamte Welt in ein wunderschönes Lichtmeer taucht. In diesen Momenten kannst du das stressige Leben für ein paar  Minuten vergessen und einfach nur genießen. Zumindest dann bist du in deiner eigenen Blase voller beruhigender Stille.
Die untergehende Sonne verfärbt den Himmel in ein warmes Orange, welches sich im ruhigen Meer vor dir spiegelt. Die wenigen Wolken am Himmel haben eine rötliche Färbung angenommen. Deine Oma hat dir als Kind immer erzählt, der Himmel würde sich rot verfärben, weil die Engel im Himmel Kekse backen würden. Du lächelst. In diesem Moment hast du  das hektische Treiben auf dem Schiff vollkommen ausgeblendet und genießt wirklich nur den Ausblick der vor dir liegt und die Erinnerungen an früher.

Ganz in Gedanken versunken, bemerkst du nicht, dass sich eine weitere Position an der Reling positioniert hat und ebenfalls den Sonnenuntergang beobachtet. Als diese Person dich plötzlich sanft berührt, schreckst du überrascht hoch. „Oh, Marco, du,“ hauchst du und lächelst den blonden Kommandanten vor dir warm an, „der Sonnenuntergang ist wunderschön heute Abend, nicht war, oder?“

Der Angesprochene lächelt dich ebenfalls an, streicht dir dabei eine einzelne, wilde Haarsträhne hinter dein Ohr, „ist er, yoi.“ Doch du kennst ihn gut genug um die traurige Schwere in seiner Stimme zu hören. Du wendest dich ihm vollendst zu und auch in seinen Augen erkennst du diese Traurigkeit. Behutsam beginnst du über seinen Rücken zu streichen, „stimmt etwas nicht? Ist etwas mit Vater?“

„Nein, nein, ihm geht es gut,“ Marco schüttelt den Kopf um seine Aussage zu verdeutlichen und blickt wieder auf das Meer hinaus. „Es ist,“ beginnt er, „ich habe über vieles nachgedacht. Über uns nachgedacht. Und, und wir können nicht zusammen sein. Niemand sollte mit jemanden wie mir zusammen sein. “

Du zögerst. Unfähig das grade Gesagte zu begreifen, wie ein Fisch japst du nach Luft und schaust dein Gegenüber ungläubig an. Dieser schaut immer noch starr auf das Meer gerichtet. Langsam begreifst du seine Worte, schließt deinen Mund und versucht die Tränen, die drohen sich in deinen Augenwinkel zu sammeln, zurückzuhalten. „In Ordnung,“ antwortest du mit mehr Kraft in deiner Stimme, als du eigentlich besitzt, „doch sag mir bitte warum.“

Der Blonde zuckt bei deinen Worten kurz zusammen, schließt die Augen und atmet hörbar ein und aus. Seine Stimme ist brüchig, mehr ein Flüstern, „weil ich unsterblich bin.“

Erneut blickst du ihn mit weit aufgerissenen Augen an, unfähig etwas zu erwidern. Diesmal nicht, weil du den Sinn der Worte zunächst nicht begreifst, sondern weil du unfähig bist, das Gesagte zu glauben. Auf der Grandline hattest du viele Dinge gesehen, die du vor deiner Reise nicht mal im Traum geglaubt hättest, doch du warst dir nach wie vor sicher, dass Unsterblichkeit unmöglich war!

Traurig schüttelt Marco den Kopf, und fuhr fort, „ich bin nicht im herkömmlichen Sinne unsterblich, aber es kommt dem sehr nahe. Wie du weißt, habe ich von der Phönixfrucht gegessen, yoi.“ Er macht eine Pause und wartet, ob du etwas erwiderst. Doch immer noch unfähig zu sprechen, bedeutest du ihm lediglich durch ein Nicken fortzufahren. Auch er nickt und erklärt dann, „dadurch habe ich die besonderen Fähigkeiten eines Phönix geerbt.  Meine Selbstheilungskräfte sind immens und ich bin dazu in der Lage, selbst tödliche Verletzungen zu heilen.“

Immer noch schaust du ihn an, versuchst das Gesagte zu verarbeiten, nickst und erwiderst dann lächelnd, „ich weiß, dass habe ich bereits gesehen. Aber du alterst doch. Also wirst du irgendwann, wie ein alter Mann, einfach einschlafen.“

„Haha,“ lacht Marco traurig, „wenn es nur so einfach wäre. Wie ein Phönix altere ich sehr viel langsamer als ein normaler Mensch. Ich war schon auf dieser Welt, da war an keine Person auf diesem Schiff jemals gedacht.“
Du lachst leise, „na und? Dann bist du vielleicht älter als alle auf diesem Schiff, aber das ändert nichts.“

„Es ändert einiges,“ erwidert Marco matt und wendet sich dir zu, „du hast noch dein gesamtes Leben vor dir, du solltest es mit jemanden an deiner Seite genießen, der die gleiche Neugier auf die Welt an den Tag legt und der dazu in der Lage ist, das Leben zu genießen. Und nicht mit einem alten Mann, der keine Neugier mehr empfindet.“

Du drehst dich von einem Geräusch auf dem Deck abgelenkt um und ein Lächeln legt sich auf deine Lippen. Stumm beobachtest du das Treiben auf dem Deck. Der zweite Mann in deinem Leben rennt schreiend und lachend über das Deck, dicht gefolgt von Thatch, dem Schiffskoch. „Ace, wie oft hab ich dir gesagt, du solltest nicht immer die Torte auffressen!,“ schreit der hintere halb wütend, halb lachend. Der Gejagte beteuert immer wieder, er habe die Torte nicht gegessen, er habe sie auch nicht gesehen. Zu dumm nur, dass die Überreste der Torte Spuren um seinen Mund und auf seinem nackten Oberkörper hinterlassen haben. So viel zum Thema die Ruhe genießen. Manchmal fragest du dich, ob das hier wirklich eine Bande gesuchter Piraten war.

„Nein, es ändert nichts,“ immer noch lächelnd wendest du dich wieder dem Blonden zu, „wenn ich Ace‘ Alter anhand seines Verhaltens schätzen sollte, dann wäre er vielleicht 5 Jahre alt. Also wäre jeder auf diesem Schiff im direkten Vergleich ein alter Mann. Oder eine alte Frau.“

Auch du machst eine kurze Gesprächspause. In dieser Zeit wendet sich auch Marco dem Deck zu und sieht, wie Ace immer noch von Thatch gejagt wird. Seine Lippen verziehen sich zu einem Schmunzeln. Doch dieses kurze Geste hält nicht lange an, denn er setzt erneut zu sprechen an, „und wenn es einmal so weit ist, dass ich sterben würde, dann werde ich zu Asche verbrennen und aus dieser neu erstehen.“
Nun beginnst du laut zu lachen, nicht von Herzen, aber so, als ob dir jemand einen wirklich schlechten Scherz erzählte und du aus Anstand trotzdem lachen würdest, „der war gut.“

Doch der Blonde schüttelt traurig seinen Kopf, „ich werde wieder Kind sein und zunächst keine Erinnerungen mehr an mein vorheriges Leben besitzen. Ich werde sozusagen vollkommen neugeboren und muss ganz von vorne beginnen. Erst im Laufe der Zeit kann ich mich an meine vorherigen Leben erinnern.“

„Es mir egal,“ du blickst ihn an und greifst nach seiner Hand, „bis dahin möchte ich an deiner Seite sein.“ Bevor Marco etwas erwidern kann, ist Ace neben euch aufgetaucht und legt seine Hand auf die euren, „und mir ist es auch egal. Zusammen schaffen wir das. So wie immer!“

Aufrichtig und dankbar lächelst du den Schwarzhaarigen an. Du weißt zwar nicht, wo er so plötzlich hergekommen war und wie viel er von eurem Gespräch eigentlich mitbekommen hat, aber du bist froh, dass auch er an deiner Seite ist, dass auch er zu Marco steht und für ihn da ist. Auch Ace lächelt dich an und schaut dann abwartend zum Phönix.

Dieser seufzt, „ich habe wohl keine Wahl als euch beiden nachzugeben, oder?“
Nun wird aus eurem Lächeln ein dümmliches Grinsen und gleichzeitig ziehen Ace und du Marco in eine liebevolle Umarmung und erleichtert quiekst du, „Gruppenkuscheln.“

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Nachwort:
Eigentlich als eigenständiger Dreiteiler geplant, möchte ich nun Teil I doch hier mit euch teilen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die beiden anderen Teile überhaupt ausschreiben soll. Geplant waren ein Schmuddel-Kapitel und ein Bittersweet-End-Kapitel nach dem Ace von uns gegangen ist. Ihr könnt mir gerne mitteilen, ob ihr daran Interesse hättet. Vielleicht werde ich sie dann mit in die Sammlung aufnehmen. :)
Ein schönes Wochenende,
Aikoy :3