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[Projekt] Die etwas längere Liebesgeschichte

von Cahrlax
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16
29.07.2018
29.07.2018
1
1.900
 
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Vowort:
Das Projekt von genso-sekai mit dem Titel 25 Gefühle wird hier als Vorlage für diese kleine OS-Sammlung genommen. Vorgegeben ist eine Liste mit unterschiedlichen Gefühlen, die man nach eigenem Ermäßen abarbeiten kann. Ich habe mich dazu entschlossen die Reihenfolge ein wenig zu verändern, um so eine sinnvolle Handlung schreiben zu können.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!


Kapitel 1 - Neugier


Es war ein brütend heißer Augustnachmittag, an dem sich Carol mit einem Kleid, das dauernd verrutschte, auf den Weg zu einer Firmenfeier machte. Sie war neu und hatte erst vor wenigen Tagen ihre neue Stelle begonnen und genau aus diesem Grund tat sie sich diesen Marsch auch überhaupt an. Das Ziel war es, sich dieses Mal zu integrieren und auch Freunde bei der Arbeit zu finden, ein Ziel welches sie letztes Mal nicht gehabt hatte und vermutlich auch der Grund, warum sie sich, nach nicht einmal einem Jahr, eine neue Stelle gesucht hatte. Es war kein schöner Abschied gewesen, aber sie war mit einem lachenden und einem trauernden Auge gegangen. Das Haar, was ihr bis knapp über die Schulter ging und welches sie im Sommer unbedingt mit einer roten Farbe zu einem Ombré-Look hatte färben wollen, klebte auf ihrem Nacken, weil sie bereits zum Schwitzen begonnen hatte. Eigentlich war sie nicht der Typ für solche Feiern. Der Grund weshalb sie bei ihrer alten Arbeitsstelle nie zu solchen Veranstaltungen gegangen war, war schlicht zum Erklären: Sie hielt die Arbeit für genau das; Arbeit. Carol hatte kein Interesse daran Freundschaften zu schließen oder gar nachdem der Tag vorbei war, noch etwas mit ihren Kollegen trinken zu gehen. Sie war fest davon überzeugt, dass Smalltalk reichen musste und dass es keinem etwas anging, was sie privat machte – sie interessierte sich schließlich auch nicht für die Anderen. Und eigentlich hatte sie genau das ändern wollen, doch der Plan schien sich immer weiter zu entfernen, während sie den Ort einfach nicht fand. Man sollte meinen, dass es genügte über zehn Jahre in diesem Land zu leben, um ein Gebäude in der Innenstadt zu finden, aber sie lag falsch.

Bereits nach dem dritten fehlgeschlagenen Versuch das – eigentlich riesige – Gebäude zu finden, war die junge Frau drauf und dran die Mission wieder abzubrechen. Peinlich wäre es, weil sie sogar die Anmeldefrist verpasst hatte und deshalb ohnehin schon nur ausnahmsweise kommen durfte, aber man würde verstehen, dass sie es nicht gefunden hatte. Und als neue Mitarbeiterin kannte sie noch nicht einmal die Namen aller Personen, geschweige denn die Telefonnummer von irgendwem. Doch zu ihrem Unglück hatte ihre beste Freundin andere Pläne und munterte sie über WhatsApp auf, doch weiterzusuchen und nicht gleich wieder aufzugeben. Wenn sie wirklich einen Draht zu ihren Kollegen aufbauen wollte, würde sie am ehesten Erfolg damit haben, wenn sie sie in einem Umfeld traf, wo nicht jeder arbeitete und seinem eigenen Kram nachging. Mit einem recht leisen Seufzen blickte sie auf einen Hügel vor sich und beschloss, dass sie zwar Lauras Rat annehmen und sich noch einmal umsehen würde, aber auch, dass das der letzte Weg war, den sie durchsuchen würde. Nach fünfzehn Minuten Verspätung war es ohnehin schon egal, ob sie nun den richtigen Weg fand oder nicht. Es war schließlich nicht so, als würde jemand auf sie warten – ganz im Gegenteil. Sie hatte keinem Kollegen sicher zugesagt, dass sie kommen würde, weil sie noch mit sich selbst gerungen hatte und so wäre es eine Überraschung für alle, dass sie doch gekommen war.

Wieder einmal zog sie sich das Kleid herunter, welches eigentlich ein Rock mit vielen Mustern war und bereute mal wieder ihre Entscheidung. Sie hätte etwas praktisches anziehen sollen, etwas was nicht so viel Bein zeigte und vor allem hätte sie ihre Haare zu einem Zopf binden sollen, um weniger zu schwitzen, aber Carol hatte sich die letzten Tage sehr ins Zeug gelegt, um ihre eigene Persönlichkeit hintendran zu schieben und nicht zu zeigen, was für eine Art Mensch sie eigentlich war, nämlich ziemlich asozial. Es war nicht so, dass sie keine Freunde hatte, ganz im Gegenteil. In der Oberstufe hatte sie sich einen Freundeskreis aufgebaut und über die Zeit waren ihr drei davon geblieben. Inzwischen gehörten sie fest zueinander, es waren ja auch schon lange acht Jahre ins Land gezogen und egal, wie lange sie sich nicht sahen, so wirkte es beim gemeinsamen Treffen immer so, als würde gerade mal ein kurzer Augenblick zwischen dem und dem Letzten liegen. Obwohl es sie in alle Richtungen verstreut hatte und Carol als einzige noch in der kleinen Stadt geblieben war, so waren sie dennoch füreinander da, wie man in einem solchen Moment auch wieder bemerkte. Es war etwas Einzigartiges. „Carol!“ Eine Stimme, die sie nicht kannte, sprach ihren Namen laut aus und richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Mann, den sie auch nicht kannte. Doch etwas skeptisch, wie sie es nun einmal war, näherte sie sich ihm und schenkte ihm ein kleines Lächeln, um den peinlichen Moment zu vermeiden, in dem sie ihn nach seinem Namen fragen musste. „Das Grillfest ist gleich um die Ecke nach unten.“ Es war, als wäre er wirklich von einem Engel gesandt worden, bemerkte sie im gleichen Moment, denn wenn er nicht gewesen wäre, hätte sie nun den Rückweg angetreten. Und vermutlich hätte sie es am nächsten Tag bereits wieder bereut. Mit einem freundlichen Lächeln bedankte sie sich bei einem offensichtlichen Arbeitskollegen und versuchte seiner Wegbeschreibung zu folgen, während sie Laura die freudige Antwort verkündete, dass sie den Ort gefunden hatte und sich nun in die Menschenmenge werfen würde. „Nein, nach links!“, schrie ihr im gleichen Moment die männliche Stimme hinterher und mit einem peinlich berührtem Lächeln bog sie um die Ecke. Nicht der beste Anfang, aber es konnte auch schlimmer werden.

Zu ihrem eigenen Glück waren noch nicht sehr viele Menschen da, sodass es aber gleichzeitig auch umso mehr auffiel, dass sie nun angekommen war. Einige begrüßten sie freundlich, was sie ebenso wieder zurückgab, auch wenn sie ihre Namen noch nicht verinnerlicht hatte. Es waren einfach zu viele, die fast täglich wechselten, das machte es umso schwerer. Die Wahl ihres Sitzplatzes wurde ihr aber auch auf diese Art und Weise vereinfacht, denn sonst wäre das das nächste Problem gewesen, vor dem sie gestanden hätte. Man stellte ihr einige Fragen, machte ihr Komplimente zu ihrem Kleid und so setzte sie sich zu einer Gruppe Menschen, mit denen sie sich fast ein wenig zu laut unterhielt. Als die Neue kamen immer die gleichen Fragen. Alle wollten wissen, woher sie kam, obwohl ihr Chef das bei der Morgeneinteilung mehrmals betont hatte, denn ihre Hautfarbe verriet, dass ihre Wurzeln mit Sicherheit wo anders lagen. Man wollte wissen, wo sie vorher gearbeitet hatte, wie ihr dieser Job im Vergleich zum Anderen gefiel und ob ihr der Betrieb bisher zusagte. Obwohl sie all diese Fragen am liebsten kurz und knapp beantwortet hätte, versuchte sie eine peinliche Stille zu vermeiden und so holte sie selbst bei der einfachen Frage ihrer Herkunft weit aus und versuchte selbst die schwierige Sache zu erklären, dass ihr Vater zwar aus diesem Land kam, sich aber dazu entschlossen hatte, in das Land zu ziehen, wo sie geboren war. Unter anderen Umständen wäre es einfach zu viel an Informationen gewesen, aber es hielt das Gespräch aufrecht und das war eigentlich das Wichtigste. Sie musste sicherlich noch einige Stunden herumschlagen und hatte die kleine Hoffnung, dass es besser gelingen würde, wenn sie sich mit jemanden nett unterhielt.

Als das Essen endlich serviert wurde, zu ihrer Überraschung von einem Lokal afrikanischer Herkunft, welches ihr sehr gefiel, griff sie eher schüchtern zu und belud ihren Teller eher dürftig. Möglicherweise lag es daran, dass sie sich zum gefühlt hundertsten Mal vorgenommen hatte ein wenig abzunehmen, oder aber daran, dass sie trotz der warmen Begrüßung noch ein wenig nervös war und einen Kloß im Hals hatte. Es kamen schließlich auch immer mehr Gäste, bis das Areal fast gänzlich gefüllt war. Menschen aus den verschiedensten Abteilungen setzten sich zusammen und unterhielten sich über Belangloses und während Carol immer an ihrem Platz sitzen blieb, wechselten ihre Tischgenossen in relativ schnellen Abständen, sodass sie gerade mal die üblichen Fragen mal wieder beantworten konnte und dann schon beim nächsten Kollegen von vorne anfing. Ruhe kehrte erst ein, als der Mann, der sie am Eingang mit ihrem Namen begrüßt hatte, sich mit einem Bier in der einen Hand direkt vor ihr setzte. Wieder schenkte sie ihm ein freundliches – und sogar aufrichtiges Lächeln. „Danke noch einmal – ich war kurz davor aufzugeben und wieder nach Hause zu gehen“, gestand sie ihm ehrlich und musste dabei lächeln. Nicht, dass sie bisher sonderlich viel verpasst hatte, aber sie hatte sich einige Namen eingeprägt, einige Tipps erhalten und sich Erfahrungen von Kollegen angehört. Es war also nicht unbedingt schlecht gewesen bisher und sie hoffte, dass sie die nächsten Stunden auch gut überstehen würde. Die junge Frau hatte sich Mühe dabei gegeben etwas offener mit ihren Kollegen zu sein und bisher schien es ganz so, als wäre diese Einstellung gefruchtet.

Auch wenn sie sich am Anfang noch nicht so recht auf ihr Gegenüber hatte konzentrieren können, weil sein Sitznachbar etwas zu sehr ihrem Vater glich und auch so sprach, so hatte er wenig später ihre volle Aufmerksamkeit und sie musste zu ihrer eigenen Überraschung feststellen, dass er als erstes am heutigen Abend wirklich interessiert an ihrer Person schien. Er stellte die Fragen nicht wie alle anderen, man merkte, dass er nicht einfach einen Standartsatz von sich gab, sondern, dass er gedanklich länger darüber nachdachte und seine Fragen dann geschickt stellte. Mike, wie sie wenig später herausfand, gab sich darüber hinaus nicht mit einem einfachen ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ zufrieden. Er fand immer wieder neue Fragen und irgendwann fiel Carol auf, dass er sich darin versuchte das Gespräch aktiv zu halten – nicht weil ihm eine peinliche Stille unangenehm wäre, sondern weil er sie wohl wirklich kennenlernen wollte. Im Gegenzug zeigte sich Carol bereitwillig etwas über den Mann zu erfahren, der fast ein wenig zu sympathisch war. Er wirkte so rein und sie konnte nicht sehen, dass sich hinter seinem Lächeln irgendeine Art von Hintergedanken versteckte, obwohl ihre Menschenkenntnis wirklich zu beneiden war. Zu ihrem Erstaunen schien er zu der Sorte Mann zu gehören, die man als ‚von der alten Schule‘ bezeichnen würde. Es war schlicht schön mit jemanden reden zu können, bei dem sich auch kurze Zeit später herausstellte, dass er sonderlich intelligent zu sein schien. Sie fand ihn interessant, um nicht zu sagen, dass sie neugierig war zu erfahren, wie jemand wie er in diese Gruppe passte. Leider war Carol nur nicht ein besonders offener Mensch und so sehr sie sich auch bemühte, ihm Fragen zu stellen, so schwierig gestaltete sich das auch. Er war sehr gut darin einem in die Augen zu sehen, während das etwas für sie war, was gar nicht so richtig funktionierte. Dann wollte sie auch noch die anderen Menschen am Tisch mit einbeziehen und sich nicht zu sehr auf ihn fixieren. Das eigentliche Gespräch löste dann auch schon das Problem, denn ein Biologe saß bei ihnen am Tisch, der die Bestandteile von ihrem Getränk analysierte, während sowohl Carol als auch Mike die Sache ins Lächerliche zogen.

So waren auch ihre Sorgen am Ende des Tages unnötig – die Feier zog sich nicht in die Länge, ganz im Gegenteil – es schien als wäre sie sogar zu kurz und Carol wirkte beinahe in wenig enttäuscht als Mike ging und aufgrund eines Anrufes sich nicht einmal mehr verabschieden konnte.
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