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Der Lohn der Todsünden

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
29.07.2018
29.07.2018
9
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29.07.2018 17.657
 
Gegen fünfzehn Uhr zauberte er sich in sein Arbeitszimmer im Boulevard Hausmann, packte seinen Laptop ein und erschien mit der umgehängten Laptoptasche in der Kita um seine Kinder abzuholen. "Sie und ihre Frau kommen doch heute Abend zu dem Elternabend?" fragte Farida Mahmouri, die Erzieherin der Kigagruppe, in der seine Kinder waren. Er seufzte leise, nickte und antwortete mit einem kurzen: "Ja." Farida nickte freundlich zurück. Ihr war nicht entgangen, dass er Schmerzen hatte, weshalb sie ihn auch nicht weiter aufhalten wollte.
Gemeinsam mit seinen Kindern tauchte er in der Küche auf Norderney auf. Die Kinder begrüßten ihre  Oma Ilse und setzten sich an den bereits gedeckten Kaffeetisch. Ilse stellte ihm einen starken Pharisäer mit etwas von den Magentropfen hin. Er stellte seinen Laptop auf den Esstisch und arbeitete daran. Als Sandalephon und Kat mit Selavaggia auftauchten, war die Begrüßung der beiden sehr eisig. Die Kinder umarmten ihre Mama. "Hört mal ihr vier, eure Eltern müssen kurz mit uns sprechen und ihr dürft für eine Weile zu Tilly und Hagiel." erklärte Kat und brachte die Kinder dort hin um dann wieder im Rayne-Haus zu erscheinen. "Leg dich bitte auf das Sofa Onkel Lucifer. Zuhören kannst du auch im Liegen." Er sah seine älteste Patentochter etwas verwirrt an, tat aber was sie von ihm verlangte. Die junge Frau setzte sich neben ihn, legte ihm ihre Hand auf den Bauch und fragte ihn wo genau er Schmerzen hatte. Er zeigte es ihr und Kat knöpfte währenddessen sein Hemd auf, um besser massieren zu können. "Sariel hat mir eine Technik gezeigt, die die Schmerzen für den Moment der Massage erträglicher macht." erklärte sie. Ihr Onkel zuckte bei ihrer ersten Berührung auf dem stark schmerzenden Magen zusammen und stöhnte kurz auf. "So ihr beide redet jetzt und wir bleiben dabei als Streitschlichter, denn alleine bekommt ihr das im Moment offensichtlich nicht in den Griff und du Lucifer, auch wenn du sehr verletzt bist von den letzten Vorwürfen und Beschuldigungen deiner Frau, hör dir jetzt bitte auch mal ihre Sicht der Dinge an und dann ... hoffen wir das Beste für auch beide."sagte Sandalephon ruhig.
Selvaggia begann erst etwas zögernd: "Lucifer ... es tut mir leid. Ich liebe dich und wollte dich nicht verletzen und mir war auch nicht bewusst, ... was ein Reizmagen ist, wie stark die Schmerzen sind und ... dass ich mit dazu beitrage, dass du so starke Schmerzen hast. Ich wusste das nicht, aber ... ich fühle mich auch nicht wohl. Alle haben eine Aufgabe, ihre Arbeit - selbst Catherine und die stammt aus dem Spätmittelalter. Aber sie ist Hebamme, auch in diesem Leben und ich? Ich bin einfach nur eine dumme, kleine Hausfrau, die ihrem Mann und ihren Kindern noch nicht mal ein vernünftiges Essen zuzubereiten kann, weil ich nicht kochen, geschweige denn backen kann. Ich komme mir vor wie eine Gebärmaschine, wie kann ein Mann (Kat die ihrem Onkel den schmerzenden Bauch massierte spürte, wie sich sein Magen bei den Worten seiner Frau krampfartig zusammenzog, er tat ihr unendlich leid, da sie als angehende Medizinerin ahnte wie stark die Schmerzen waren, was ihr sein Blick, der sie traf und das schmerzvolle Aufstöhnen bestätigte.) denn... so eine Frau kann doch keiner lieben. Dauerhaft schwanger und fett und zu nichts zu gebrauchen. Ich bin einfach nur nutzlos und sogar zu dumm zum Backen und Kochen. Das war schon immer so und ... was findest du eigentlich an mir, Lucifer? An so einer dummen Frau die in keinster Weise mit dir und den anderen mithalten kann. Du hast einen Abschluss in Geschichte und BWL, auch wenn du nicht wirklich studiert hast, aber du hast das Wissen auf jeden Fall und ich bin nur eine dumme Hausfrau, die gerade mal lesen und schreiben kann, weil ich es mir selbst angeeignet habe, sonst könnte ich nicht mal das."  Sein Magen zog sich erneut schmerzhaft zusammen, dass er mittlerweile schon Bauchkrämpfe hatte. "Oh mein Gott." entfuhr es ihm kaum hörbar. Kat presste ihm weiterhin ihre Hand auf den Bauch um den Schmerz etwas zu lindern.
Selvaggia war sehr betroffen, als sie ihren Mann so leiden sah und vor allem erkannte sie wie auch die anderen seine glasigen Augen und eine einzelne Träne, die seine Wange hinunterrollte.
So hatte sie ihren Mann noch nie gesehen. Ilse legte einen Arm um ihre Schwiegertochter. "Selvi, es war gut, dass du dies alles mal gesagt hast, auch wenn es Lucian im Moment große Schmerzen bereitet, seelisch wie körperlich, aber es war wichtig. Und jetzt sollten wir das endlich mal klären. Sam wie viel der Magentropfen darf Lucifer heute noch, ich habe ihm vorher in seinem Pharisäer zwei gegeben." Der Erzengel sah sehr besorgt aus. "Zwei gehen noch und noch eine etwa zehnminütige Massage von Lucia, aber dann geht heute nichts mehr an Tropfen Lucifer, denn das ist dann schon die doppelte Dosis, die ich dir zu Anfang verschrieben habe. Der Höllenfürst nickte und nahm dankbar die Tropfen, die Ilse ihm reichte. "Danke Mutti." flüsterte er kaum hörbar und sichtlich angegriffen.
"Selvi ... ich wusste nicht, dass ... du ... dich so siehst. Ich ... sehe dich bestimmt nicht als fette Gebärmaschine und ... auch sonst ... aaaauu ... und ich habe doch nie von dir verlangt mich zu bekochen, du weißt ich ... muss nicht essen. Und ich wusste nicht, dass dir das Leben als Mutter so ... wenig gibt, du nicht ausgelastet bist. Das tut mir sehr leid." Er atmete kurz heftig um gegen den Schmerz anzukämpfen. "Dann tu mir bitte den Gefallen ... und suche dir eine Beschäftigung, was auch immer ... solange du dich nicht ausschließlich in der Kirche engagierst ist mir alles ... recht. Ich liebe dich ... so wie du bist, das weißt du und ... du bist bestimmt nicht fett oder dumm in meinen Augen. Ich will so etwas nie wieder hören!" antwortete er leise.
Selvaggia trat neben ihn sank vor dem Sofa zu Boden, umarmte ihn und legte ihren Kopf auf seine Brust, in der sie sein Herz eindeutig zu schnell schlagen spürte, soviel wusste sie, und schluchzte leise. Er hob den Arm und strich seiner Frau sanft über den Rücken. "Selvi, wenn du willst, dann bringe ich dir Kochen und Backen bei auch Mathilde wird gerne mit uns gemeinsam backen, sie ist ein wahrer Backprofi, da komme selbst ich nicht ran." bot Ilse an.
Lucifers Blick fiel zufällig auf die hässliche, alte Standuhr von Ilses verstorbenem Mann, die er ihr erlaubt hatte hier aufzustellen, da sie seiner Mutti so viel bedeutete. "Sag mal Selvi ... wann müssen wir nochmal in der Kita sein?" fragte er flüsternd. "Um neunzehn Uhr." antwortete sie so gut sie konnte. "Oh! Dann sollten wir los." Sie hob den Kopf und sah ihren Mann traurig an. "Aber ... ich sehe so verheult aus und du hast ... starke Schmerzen." Er lächelte schwach und strich ihr sanft über das Gesicht. "Magie ermöglicht mir fast alles. Die Schmerzen betreffend, setze ich die nächsten Stunden dann halt mal meine Selbstheilung ein. Die lindert es, so dass der Schmerz erträglich ist. Er konzentrierte sich kurz und Kat und Selvaggia halfen ihm auf. Er knöpfte sein Hemd zu und im nächsten Moment standen sie beide Arm in Arm vor der Kita. Sie musste etwas lachen. "Was denn?" "Wir sind schon ein Pärchen. Wir sehen doch bestimmt total mitgenommen aus." Er musste lachen, was ihm sein Bauch aber sofort wieder übel nahm. Er stöhnte kurz auf, als Farida die beiden bergrüßte. "Madame und Monsieur Rayne. Schön, dass Sie es noch einrichten konnten. Kommen Sie bitte mit nach oben in die Turnhalle. Geht es ihnen gut Monsieur Rayne? Ich habe heute Mittag als Sie die Kinder geholt haben schon festgestellt, dass Sie Schmerzen haben und Sie sehen immer noch nicht wirklich besser aus, wenn ich mir das Urteil erlauben darf." Er seufzte.
"Ja, aber ... es geht schon. Danke." Die Erzieherin entfernte sich und die beiden folgten ihr. Selvaggia legte stützend den Arm um ihren Mann. Es war für beide nicht leicht sich nach ihrem Streit jetzt hier so zusammen zu reißen. "Wir reden nachher. Das müssen wir unbedingt machen." Ließ er sie noch über den mentalen Pfad wissen. Sie nickte und setzte sich neben ihn. Die ihm unbekannte Frau neben der er saß, sah ihn kurz an, als er sich mit einem kurzen Seufzen setzte. Irritiert starrte er auf die Wahlzettel, reichte die zwei die er bekommen hatte seiner Frau, verschränkte die Arme vor dem Bauch und beugte sich etwas vor. Was seiner Frau nicht entging. Und sie wusste genau warum er dies tat. "Mach du das. Ich kenne keine dieser zur Wahl aufgestellten Mütter ... außer einer und das ist ... meine eigene Frau." sagte er leise lächelnd. Sie schrieb auf jeden Zettel sieben Namen und reichte ihm dann die Zettel.
"Schreib du den letzten drauf." Selvaggia sah etwas neidisch auf die schöne Handschrift ihres Mannes. Nach der Wahl und den allgemeinen Infos verabschiedeten sich die Eltern der kleineren Kinder, da jetzt der Vortrag für den Vorschulkurs folgte, der in Zusammenarbeit mit der Schule im Boulevard stattfinden sollte. Die beiden fanden den Vortrag sehr interessant. Dennoch bemerkte Selvaggia, dass es ihrem Mann langsam zu viel wurde und er immer wieder seine Selbstheilungskräfte einsetzen musste.
"Die Kinder schlafen bei uns. Wie war der Infoabend über den Vorkurs für die Großen?" fragte Kat. "War sehr interessant. Und deine Tante ist wieder in den Elternbeirat gewählt worden." antwortete ihr Lieblingsonkel. Nach etwa zehn Minuten verabschiedete er sich und verschwand. "Selvi, Mutti, ihr entschuldigt mich? Ich lege mich auch hin, mir ... hat der Tag echt zugesetzt." Die beiden Frauen nickten. Er gab Ilse einen Kuss auf die Wange und küsste seine Frau zärtlich auf den Mund und verschwand. Selvaggia unterhielt sich noch kurz mit Ilse und die beiden Frauen beschlossen Lucifer am nächsten Tag etwas zu verwöhnen.
Der nächste Morgen verlief wie immer, als sie die Kinder in die Kita gebracht hatten und wieder zurück waren. Setzte sich der Höllenfürst mit seinem Laptop und seinem Smartphon an den Esszimmertisch. Selvaggia betrat die Küche und machte ihrem Mann einen Kaffee. "Lucifer hat sich wortlos im Esszimmer vor den Laptop gesetzt und arbeitet." erzählte sie Ilse traurig. Diese seufzte. "Bring ihm seinen Kaffee und setze dich einfach mit einer Tasse Tee zu ihm. Redet mal. Genießt die Gegenwart des anderen. Er zieht sich zurück, um weiteren Ärger zu vermeiden, um Schmerzen zu vermeiden, wobei er die eh hat. Kläre alle deine Differenzen mit Lucian, ein Anfang ist ja jetzt getan. Ihr bekommt das schon wieder hin." Selvaggia stellte ihm den Kaffee hin uns setzte sich ebenfalls an den Tisch. "Danke!" sagte er mit einem freundlichen Lächeln. "Wie geht es dir?" erkundigte sie sich, denn ihr wurde auch klar, dass sie sich nie danach erkundigt hatte, da sie seine Krankheit nicht ernst genommen hatte und nur auf die Genussmittel geschoben hatte. "Ich würde lügen, würde ich „gut“ sagen." "Du hast immer noch so starke Schmerzen?" Er nickte. "So schnell verschwinden die nicht. Erst wenn die Probleme gelöst sind, gehen sie nach und nach weg." "Lucifer, es tut mir wirklich leid. Ich werde dich in Zukunft rauchen und Alkohol trinken lassen, wann immer du willst ohne etwas zu sagen. Du bist ja auch nie so betrunken, dass du Blödsinn machst, oder dich nicht mehr um deine Geschäfte oder die Kinder kümmern kannst. Und wenn ich dich mit den Kindern sehe, auch mit allen und das sind ja mittlerweile schon ganz viel - du kommst mit allen sehr gut zurecht. Vermutlich sogar besser als ich. Wenn ich alle alleine hätte so wie du manchmal, wenn du beispielsweise mit allen ausreitest. Ich könnte das nicht."
Er lächelte, wenn auch durch die Schmerzen etwas gequält. "Ist das jetzt ein Kompliment?" Seine Frau nickte verlegen. "Und ich werde mir Gedanken machen, wie ich mich beschäftigen kann um mich nicht unnütz zu fühlen ... Ich koche nachher und auch die nächsten Tage zusammen mit Ilse um Kochen zu lernen und dann kann ich dich vielleicht auch mal mit einem romantischen Menü verwöhnen." Er lehnte sich zurück und sah seine Frau an, während er sich dabei den Magen massierte. "Das ist eine gute Idee, aber du musst nicht für mich kochen." "Ich will es aber! Und ich hoffe ich bringe das auch hin, dass es euch nachher schmeckt." "Bestimmt! Fang nicht schon vorher wieder zu zweifeln an, Hexlein. Ich werde davon essen und ehrlich sein, aber sei mir nicht böse, wenn ich nicht viel esse, mein Magen dankt mir das im Moment gar nicht." antwortete er. "Was denkst du, ob die Kinder und Ilse gerne basteln, dann könnte ich ein bisschen Halloweendeko basteln lassen." Er lächelte und nickte. "Zeigst du mir, wie ich mit deinem Laptop umgehen kann, falls ich das darf? Dann könnte ich da mal nachsehen, ob ich etwas finde und man kann es doch auch ausdrucken, also Vorlagen, oder?" Er lächelte erfreut und nickte. "Ja, kann man. Freut mich, dass du mich mal um etwas bittest. Und den Umgang mit dem Laptop lernen willst. Du wirst feststellen das Ding ist ganz nützlich." Er zog ihren Stuhl dicht neben seinen und zeigte es ihr, dann wie sie den Laptop bedienen musste. Gemeinsam suchten sie ein paar Bastelangebote für die Kinder heraus. Ilse lächelte zufrieden. Sie hatte die beiden schon lange nichts mehr zusammen machen sehen. "Lucifer? Darf ich mir einen eigenen Laptop kaufen, nur einen kleinen? Ich möchte selbst mal etwas haben und würdest du mir dann helfen, dass ich lerne damit umzugehen?"
Er sah sie etwas überrascht an. "Ich habe dir schon von Anfang an eine Karte für meine Bankkonten machen lassen und du hast sie bisher nur für Kleider genutzt, wenn du mal wieder ein neues für einen Empfang oder eine Hochzeit brauchtest. Kauf dir einen Laptop und auch was du sonst noch willst. Gönne dir einfach mal was. Ich habe genug Geld, du weißt, dass du nicht auf Geld schauen brauchst. Und um Erlaubnis fragen brauchst du mich auch nicht." antwortete er. "Dann werde ich heute Nachmittag Kat und Rachel fragen, ob sie mit mir in San Francisco bummeln gehen. Ich möchte da gerne mal hin. Kat kann ja auch "beamen". Wenn du die Kinder abholst, dann kaufe ich auch gleich das Bastelzeug und ..." "Ja, das geht in Ordnung." antwortete er lachend.
Am Nachmittag machte Selvaggia mit Kat und Rachel den geplanten Stadtbummel, während ihr Mann die Kinder von der Kita abholte und anschließend zusammen mit Christian, Jasper und seinen eigenen Kindern ausritt. Als sie am frühen Abend zurückkamen machte Ilse ihm einen starken Kaffee. Selvaggia und Ilse begannen sofort zu Kochen, da es heute Abend warm gab.
"Das Essen schmeckt sehr lecker Oma Ilse." sagte Luciano. "Sagt das eurer Mutter. Sie hat gekocht." antwortete sie. Die Kinder sahen fragend zu ihrem Vater. Dieser nickte. "Schmeckt wirklich sehr gut." sagte er und aß das wenige was er auf dem Teller hatte auf. "Danke, aber der Fisch ist misslungen, er ist total auseinandergefallen. Ich bin ..." Der Höllenfürst seufzte gequält. "Musst du dich denn immer so niedermachen? Wichtig ist, dass es schmeckt und das tut es doch." unterbrach er sie sichtlich genervt. Sie nickte und wagte nichts mehr zu sagen. Direkt nach dem Abendessen bastelten die Frauen noch gemeinsam mit den Kindern für das morgige Halloweenfest, während der Höllenfürst an seinem Laptop weiter seinen Geschäften nachging. Nicht zuletzt auch um sich vor dem Basteln zu drücken. Als die Kinder im Bett waren, hingen Selvaggia und Ilse, so wie der Herr des Hauses, weil die Frauen ihn darum gebeten hatten, da er sehr groß war und sie so keine Leiter brauchten.
Später am Abend saßen Lucifer und seine Frau zusammen um den neuen Laptop einzurichten. Ilse freute sich sehr, die beiden wie schon heute Mittag mal wieder zusammen zu sehen ohne sich nur zu streiten. Wobei sie merkte, dass sie immer noch leicht angespannt miteinander umgingen um einen weiteren Streit zu vermeiden. Ilse saß mit den beiden am Tisch und strickte Socken für Weihnachten. Sie merkte aber, dass immer noch leichte Spannungen in der Luft standen, auch wenn sich die beiden wieder besser verstanden und liebevoller miteinander umgingen. Sie hoffte inständig, dass sie nicht wieder wegen einer weiteren Kleinigkeit zu streiten anfingen. Ilse mochte ihren angenommenen Sohn sehr gerne und konnte ihn nur sehr schwer leiden sehen. Selbst wenn er nur wütend war, tat ihr das auch weh. Sie liebte ihn mehr als ihren leiblichen Sohn. Und er hatte sie davor bewahrt, ihr Haus zu verlieren und davor entmündigt zu werden.
"Es dauert eine Weile, bis deine Magenschmerzen wieder verschwinden? Auch wenn wir unseren Streit geklärt haben?" fragte Selvaggia ihren Mann besorgt, als sie wie auch Ilse sah, wie er leicht das Gesicht schmerzhaft verzog und kurz aufstöhnte. Er nickte nur und erklärte einfach weiter, wenn auch die nächste Minute noch etwas stockend, bis der Schmerz wieder etwas nachgelassen hatte. Fast erfreut stellte er fest, dass seine Frau seine Schmerzen jetzt auch besorgt wahrnahm, denn das gab ihm das Gefühl ihr nicht egal zu sein. Denn fast so hatte er sich bisher gefühlt, weil sie sich gar nicht zu sorgen schien und nur am meckern gewesen war.
Gleich am Morgen klingelte es und eine Gruppe Kinder stand vor der Tür. "Süßes oder Saures!" riefen sie vergnügt. Der Höllenfürst lächelte gequält. Seine "Mutti" war in ihrem Element. Sie verteilte die Süßigkeiten, die er besorgt hatte und die von Kat, Sandalephon und auch Astaroth um Spezialitäten aus Amerika und Irland ergänzt worden waren. "Nun man nicht so muffelig, mien Jung! Den Mantel angezogen und mit den Kindern auf Tour über die Insel gehen, aber fix! Die haben sich alle solche Mühe gegeben und soweit ich weiß hat der Viehdoktor auch einen Kürbis von Sam und Kat geholt - die beiden haben angeboten jedem der mitmachen will Kürbisse zur Markierungsdeko zu geben -  und fast die ganze Insel macht mit. Sam meinte gestern noch, auf der Insel sei ein riesiges Kürbisfeld verteilt."
Er seufzte. "Mutti! Ich soll von Haus zu Haus laufen und bei meinen Nachbarn um Süßigkeiten betteln?" Er griff nach seiner Kaffeetasse, die er kurz zuvor auf der Küchentheke abgestellt hatte, nahm einen Schluck und rieb sich über den noch immer rebellierenden Magen. "Ach Junge, sei nicht so hochnäsig und arrogant, das ist ein netter, irischer und amerikanischer Brauch und hat nichts mit betteln zu tun. Du kannst ja Astarte mitnehmen, die geht bestimmt liebend gerne mit und Christian freut sich bestimmt, seine Mama mal wieder zu sehen, denn Selvaggia fühlt sich ja nicht so fit heute um über die Insel zu spazieren. Kurz darauf erschien die schöne Göttin neben ihrem Herrn. "Wie kommst jetzt du so schnell hier her?" fragte er überrascht. "Christian hat mich gestern angerufen und gefragt, ob ich mit ihm auf Halloweentour gehe und ich solle dich überreden mit zu gehen. Er seufzte erneut. "Habt ihr euch denn alle gegen mich verschworen?" murmelte er schlecht gelaunt. Sie umarmte ihren Chef und Freund. "Ach Lucifer, jetzt komm schon runter von deinem hohen Ross. Den Kindern wird es Spaß machen." sagte sie freundlich. "Und warum nimmst du nicht deinen Mann mit, der ist doch... " "Philip muss arbeiten - und ich habe keine Lust mir stundenlang anzuhören, dass das heidnisch ist und er noch vor drei Jahren die Messe zu Allerheiligen vorbereitet hätte... Also wirst du mit mitgehen. Christian freut sich schon." unterbrach sie ihn. Mit einem Schnippen von Astarte trug er seinen schwarzen Lieblingsmantel, so wie seine neuen schicken Winterschuhe und den dunkelblauen Schal. "Auf geht`s! Keine Ausflüchte mehr!" sagte sie. "Auch nicht, wenn ich dir sage, dass mein Magen schmerzt und mir echt schlecht ist." versuchte er sich heraus zu reden. "Lucifer/Lucian!" sagten Astarte und Ilse gemeinsam. "Du kannst notfalls deine Selbstheilung einsetzen." Er sah ein, dass er keine andere Wahl hatte.
Astarte sah erstaunt auf die Kinder. "Ihr seid noch gar nicht verkleidet?" fragte sie erstaunt. "Verkleidet?" fragte Luciano erstaunt. "Ja klar, zu Halloween verkleidet man sich doch gruselig." antwortete Christian. "Ich mag mich nicht gruselig verkleiden, ich mag als Fee gehen - oder als Engel!" sagte Sophia energisch. Christian grinste. "Du kannst als kleines Teufelchen gehen..." neckte er sie. Sie kicherte. "Nee, dann als Prinzessin..." Der Höllenfürst schnippte einmal mit dem Finger und Sophia stand als kleine Hexe da. Es klingelte erneut und als Ilse zurück kam brachte sie Sandalephon und Christina-Luciana und Lucas-Lucian mit. "Ich wollte mit den beiden die Inseltour machen, aber die zwei wollten unbedingt mit euch um die Häuser ziehen. Ich hoffe, das ist euch recht." sagte der Erzengel beider Seiten und begrüßte Astarte und Selvaggia mit einer freundlichen Umarmung. "Ja, ich werde ja eh nicht gefragt..." murmelte der Höllenfürst. Sein Bruder lachte. "Du machst das schon, Großer. Ich verschwinde wieder, Lucia beim Tür öffnen helfen. Und wir sollten für das nächste Jahr mal über etwas mehr Action nachdenken - so ein Halloween-Jahrmarkt mit einer Achterbahn und ein, zwei Geisterbahnen oder so... es gibt eine Menge womit wir gerade den Kindern und Jugendlichen Freude machen können und was auch gerade in der jetzt doch etwas... tourismusarmen Zeit die Insel zu einem beliebten Urlaubsziel machen könnte... ähnlich wie Walpurgis im Harz könnte Halloween auf Norderney ein Event sein." "Du kommst auf Ideen... na mal schauen..." murmelte der Höllenfürst etwas überrumpelt.
"Tante Asta... wo Christina als Prinzessin verkleidet ist... kann ich als Prinz gehen?" fragte Luciano. Die schöne Göttin lächelte und mit einer Handbewegung war er wie gewünscht gekleidet. Sofort hakte die kleine Prinzessin sich bei ihrem Prinzen ein. "Ich gehe als Zauberer!" rief Christian und zog Sophia neckend das Kopftuch über die Augen. "Lass das!" rief sie. "Ich will auch lieber als Prinzessin gehen!" "Kleine Hexen wie du gehen nicht als Prinzessin!" beschied ihr Vater ihr nun schon fast belustigt. "Hey, als Hexe und Zauberer geben wir doch ein gutes Paar ab, oder nicht?" meinte Christian und grinste. "Na gut, aber nur weil du mein Cousin bist und ich dich an sich ganz okay finde!" beschied sie ihm. Lucas-Lucian zwinkerte Linnéa zu. Er war als kleiner Teufel verkleidet. "Papa, kannst du mir ein Engelskostüm machen?" fragte die Jüngste des Höllenfürsten. Sandalephon grinste und schnippte mit den Fingern. "Engel sind glaub ich mehr meine Spezialität, Linnéa, Spatz." und schon stand sie mit weißen Flügeln, einem Haarreifen mit Heiligenschein und in einem weißen Kleid mit Plüsch abgesetzt da. "Papa können wir nicht Samantha auch holen? Die kommt doch bestimmt auch gern mit - und was ist mit Jan?" fragte Luca. "Stimmt!" rief Astarte und nickte Sandalephon zu. Der zwinkerte belustigt. Als hübsche Göttin konnte Asta nicht auf die Seraphimverbindung zurückgreifen und so kontaktierte er Metatron und Cassandra, die zehn Minuten später mit ihrem Sohn und Samantha Boyle im Haus der Rayne-Meiers erschienen. "Na prima! dann könnt ihr zwei ja mit den Kindern..." "Vergiss es! Die Kinder wollen mit ihrem Lieblingspatenonkel gehen! Und auch für unseren Jan bist du das!" sagte Cassandra energisch. "Ich finde dich aber auch nett, Onkel Sandalephon... aber... ähm..." murmelte Jan verlegen.
Der Seraphim lachte leise. "Ich bin deinem Papa zu ähnlich und der ist manchmal ziemlich streng. Ich versteh das schon. Ich mag dich genauso gern wie Linnéa, Jan." versicherte er und wuschelte seinem Neffen durch die Haare. "Als was willst du denn gehen? Und Samantha, was reizt dich?" "Och, wie wäre es mit Katze?" fragte die kleine dunkelhäutige Tochter von Alex und Nick. "Und ich gehe dann als Kater!" rief Jan und die zwei grinsten einander an. Gleich darauf standen sie in Katzenkostümen da - Jan als schwarzer Kater, Samantha als weißes Kätzchen. "So - wenn jetzt alle verkleidet sind können wir ja gehen, oder?" meinte Astarte als ihr Blick auf ihren Neffen Luca fiel, der unschlüssig zu Boden sah. "Ich hab’ keine Ahnung als was ich gehen will... ich bleib wohl besser hier und..." "Hey, kommt gar nicht in Frage! Du kannst doch als... als Sensenmann gehen oder als Henker oder..." Christian überlegte. "Na okay... ist mir egal..." murmelte Luca. Sandalephon kniete sich vor ihn. "Das wird ein Spaß, Luca, auch wenn du noch nicht deine... zweite Hälfte gefunden hast wie deine Geschwister und auch wenn du vom Kostüm her noch nicht im... Paar gehen kannst... da ist der Sensenmann wirklich nicht schlecht... du wirst deine andere Hälfte irgendwann finden. Etwas Anderes wird dein Großvater gar nicht zulassen." und schon stand Luca als kleiner Sensenmann da.
"So, Christina, Lucas, ihr schlaft heute Nacht bei uns und eure Schwester und ich unternehmen morgen mit euch Kindern noch was, wenn ihr mögt und bringen euch übermorgen in die Kita. Viel Spaß mit eurem Onkel Lucifer und eurer Tante Astarte, Rasselbande!" rief er noch und verschwand.
Henrik Rass grinste beim Tür öffnen, verkleidet als Zombie mit einer Perücke in der Blut zu kleben schien und auf der eine Axt montiert war, als sie mit den Kindern vor dessen Haus erschienen. "Spar dir jeglichen Kommentar." sagte der höllische Inselbewohner leise, fast drohend, was den Inselveterinär nur noch mehr grinsen ließ. Auch Freya, als Walküre verkleidet mit der kleinen Fenja in einem Fledermauskostüm begrüßten sie. Das kleine Mädchen quietschte vor Vergnügen und griff nach dem Schal ihres Patenonkels. "Na, lütte Deern, komm mal her!" sagte der gutmütig und nahm sie auf den Arm. Er kitzelte sie kurz, was sie lachen ließ und setzte sie dann - weil er merkte, dass sie das wollte, auf dem Teppich im Flur ab. Bevor ihre Mutter sie hochheben konnte, krabbelte sie wie der Blitz auf Luca zu und zog sich an ihm hoch. "Da du du du?" fragte sie und tätschelte ihm mit ihrem Sabberhändchen auf den Umhang des Kostüms. Luca grinste. "Hey, ich bin Luca und du... ähm... Fenja, oder?" "Da du du..." antwortete sie. Unauffällig machte der Höllenfürst eine Handbewegung. Offensichtlich war die kleine Fenja Rass seine zukünftige Schwiegertochter und verdiente etwas... magische Hilfe beim groß werden. Innerlich lächelte er. Die Tochter von Freya und Hendrik würde sicher gut zu seinem eher ruhigen Sohn passen - zumindest mochte er die zukünftigen Schwiegereltern seines zweiten Sohnes.
Als sie am Haus von Rasmus Rass vorbei kamen gesellte sich Jasper zu ihnen, der schon gewartet hatte, bis sie zu seinem Haus kamen. Unterwegs begegneten ihnen mehrere Kindergruppen, oder kleine Kinder, die ebenfalls mit ihren Eltern unterwegs waren. Alle grüßten fröhlich und einige der Erwachsenen bedankten sich beim Höllenfürsten und fanden einhellig, dass es eine tolle Idee gewesen war, Halloween auf der Insel zu veranstalten. Bescheiden lehnte er das Lob ab und erklärte immer wieder, dass es eigentlich die Idee von seiner Patentochter Kat und deren Mann gewesen sei, doch die Insulaner zwinkerten, lächelten, nickten, aber offensichtlich waren sie der Meinung, dass nur er habe auf die Idee kommen können ein Gruselfest zu feiern. Beim McNeal-House, dem Heim von Kat und Sandalephon endete die Tour.  Erstaunt sah der Höllenfürst Astarte an. Der Vorgarten war wie ein verwilderter, verwunschener Friedhof gestaltet auf dem hier und da Skelette aus dem Boden zu kriechen schienen. Man merkte, dass Kat und ihr Mann Halloween offensichtlich wirklich als Tradition auf Norderney einzuführen gedachten. Lächelnd baten die beiden alle herein um sich etwas aufzuwärmen. Für die Kinder gab es heiße Schokolade, für die Erwachsenen einen leckeren Glühpunsch, den Kat aus Wein vom Weingut in Südafrika gekocht hatte und dazu gab es selbstgebackene Kekse.
Als sie alle gemeinsam im gemütlichen Wohnzimmer saßen erkundigte Sandalephon sich: "Und, wie war das erste Mal Halloween auf Norderney?" Jasper grinste. "Voll cool. Die meisten haben sich verkleidet. Sogar meine Eltern haben mitgemacht und Onkel Hendrik und Tante Freya eh. Und die Böltings haben sich total gefreut, weil Frau Bölting ja auch aus Amerika kommt und meinte, so könne sie endlich ihre Halloween-Deko vom Dachboden holen - ohne dass sie doof angeschaut wird. Sogar der Pfarrer, also der neue, der aus Hamburg, hat mitgemacht! Der scheint lustig drauf zu sein."  Kat lachte. "Ja, er war vorgestern hier und hat gefragt, da wir ja aus dem anglikanischen Raum kämen und schon früh mit Dekorieren angefangen hatten ob irgendwas geplant sei. Halloween wäre ja noch recht neu in Deutschland aber er sei nicht so wirklich abgeneigt und da Sandalephon - wie er gehört habe - ja einen Teil seines Gehaltes zahle - auch wenn er eher protestantisch sei - würde er gern wissen wie das auf der Insel so sei und er wäre selbst auch für zwei Jahre in Amerika gewesen und habe dort miterlebt, wie ablehnend die Pfarrer dort gegenüber Halloween teils gewesen wären, was er nicht so richtig verstehe." Ihr Mann lächelte. "Na ja... verstehen tut Pfarrer Böttcher das schon, aber er meinte es wären so viele heidnische Bräuche und Feste ins Christentum eingeflossen, dass man auch zweimal im Jahr "böse Geister und Widergänger" bannen könne: Karneval und Halloween... Kat und ich gehen übrigens Morgen zur Allerheiligen-Messe. Ich will mir mal anhören wie er beim Predigen so drauf ist."
"Und Pastor Bente hatte sich als Horror-Santa-Claus verkleidet und hat auch mitgemacht, das ist irgendwie total toll... hätte ich nie gedacht. Und... Also die Krögers - und die sind Katholisch - meinten vorhin ganz begeistert zu Lucian, dass der neue katholische Pfarrer prima wäre. Und auch Onkel Hagiel und Tante Tilly haben sich schon gleich beim ersten Gespräch darauf geeinigt, dass die Drillinge am Dreikönigstag getauft werden. Der fällt ja diesmal auf einen Sonntag. Er war gerade da als wir Tante Tilly letzte Woche beim Kekse backen geholfen haben und da haben Christian und ich ihm auch von den Kürbissgeistern erzählt die wir geschnitzt haben und so." meinte Jasper. "Tja... ich fürchte, dann wirst du gleich Anfang des nächsten Jahres in die hiesige katholische Kirche müssen, Bruderherz." meinte Sandalephon grinsend. "Solange es nicht der Vatikan ist... Wobei ich da auch hin muss... Mario wird schließlich zum Kardinal geweiht... zusammen mit drei anderen Bischöfen... und dann muss ich zu seiner Amtseinführung in den genauso bedrückend wirkenden Markusdom in Venedig... und meine Kinder meinten schon, dann könnten sie ihn ja sogar besuchen! Mir graut jetzt schon davor, was das gibt. Stell dir das Gerede vor: Meine Kinder toben beim venezianischen Kardinal rum!" murmelte der Höllenfürst und nahm einen Schluck vom Glühpunsch. Kat grinste. "Stell dir erstmal das Gerede vor, wenn Luca seinen geliebten Patenonkel Rodrigo besucht... Ich meine, die Schweizer Garde kennt ihn ja und wenn er da in den Vatikan spaziert und fragt ob sein Onkel Zeit hat - glaubst du, die werden ihn nicht zum Papst lassen?" In das Gesicht des Höllenfürsten malte sich blankes Entsetzen. Er rieb sich kurz über den Magen und nahm einen weiteren Schluck seines Glühpunsches.
Mit einem besorgten Blick verließ Sandalephon das Wohnzimmer und kam gleich darauf mit einem Fläschchen und einer Spritze zurück. "Mach mal bitte den Arm frei. Langsam reicht es mir dich so leidend zu sehen, Großer! Hab schon länger daran gearbeitet und wenn die Tropfen anscheinend schon in Höchstdosierung nicht mehr helfen, dann müssen halt härtere Keulen ran!" Die Augen des Höllenfürsten verfinsterten sich. "Du glaubst allen Ernstes ich ließe mir von dir eine Spritze verpassen?" fragte er fast drohend. "Ja, denn ich bin Arzt und du bist es nicht und ich weiß was ich dir verabreiche! Ich habe das selbst entwickelt, Lucifer! Und du solltest wissen, dass ich es gut meine, immerhin bedeutet mir deine Freundschaft angesichts der Tatsache, dass ich deine Patentochter geheiratet habe, die im übrigen fast wie deine älteste Tochter ist, rein empathisch, sehr viel und somit auch dein Wohlergehen und um das steht es momentan nicht zum Besten! Also mach den Arm frei oder ich hau dir die Spritze in die Halsvene!" "Bitte Onkel Lucifer!" sagte Kat leise. "Sandy meint es nur gut." "Nein! Ich hasse Spritzen und die Tropfen reichen vollkommen!" Unauffällig verwandelte Astarte sich in Astaroth und stand plötzlich hinter dem Höllenfürsten. "Lucifer, alter Freund, immer so störrisch, immer so hart gegen sich selbst... und gegen Leute die er nicht mag oder die er das Fürchten lehren will..." sagte er sanft, griff dann jedoch hart zu und legte die Halsvene frei, worauf Sandalephon die Injektionsnadel hineinhaute, das Mittel blitzschnell spritzte und die Spritze verschwinden ließ. Wütend stieß der Höllenfürst beide beiseite und verabreichte Sandalephon eine Ohrfeige.
Der Seraphim stöhnte leise auf vor Schmerz und rieb sich die Wange. "Die habe ich wohl verdient - aber warte die Wirkung ab! Ich denke, du wirst dich früh genug... ach egal!" murmelte er und verließ sichtlich angespannt das Wohnzimmer. "Er wollte dir nur helfen, Onkel Lucifer! Auch wenn sie dich überlistet haben, auch wenn du vielleicht enttäuscht bist oder sonst was, du hättest ihn echt nicht schlagen müssen! Sandy wollte dir nur helfen! Er hat die letzten drei Wochen überwiegend im Labor verbracht, zusammen mit Jophiel, weil er gemerkt hat wie schlecht es dir geht und auch weil Sariel ihm gesagt hat, dass du andauernd Schmerzen hast!" sagte Kat und eine Träne rann über ihr Gesicht. "Ihr findet sicher allein raus... Lucas, Christina, ihr verabschiedet euch bitte, die anderen wollen bestimmt nach Hause gehen!" "Ich schlafe bei Onkel Lucifer und Tante Selvi!" rief Christina Luciana. Lucas-Lucian sah bedrückt von einem zum anderen. Linnéa musterte ihren Papa fast ärgerlich. "Du hast Onkel Sam weh getan, Papa. Das finde ich nicht schön! Ich mag Onkel Sam total gerne und du warst ziemlich gemein! Er wollte doch nur deine Schmerzen wegmachen!" Sie musterte den Stuhl auf dem er saß und im nächsten Moment brachen die beiden hinteren Stuhlbeine und der Höllenfürst krachte fluchtend zu Boden.
"Das hast du nicht gewagt, du kleines freches Ding!" rief er und starrte seine jüngste Tochter an, die ihn mit einer Mischung aus Trotz und etwas selbstgefälligem Stolz anblickte. "Du bist böse gewesen und dafür habe ich... dich bestraft!" sagte sie leicht unsicher und sah zu Lucas-Lucian. Der ergriff ihre Hand. "Es tut ihr leid, Onkel Lucifer, aber... lass Linnéa hier bleiben und... also... ich will nicht, dass du wütend bist... sie kann nicht anders und... sie hat dich total lieb - wie wir alle, auch Sandalephon." Der Höllenfürst stand auf und warf seiner Tochter einen finsteren Blick zu. "Darüber reden wir noch, Linnéa! Und jetzt geht’s nach Hause!" "Ich... ich bleibe hier... Christina wollte ja mitkommen und naja.." "Nichts da!" "Onkel Lucifer! Linnéa bleibt hier! Du bist gerade viel zu aufgebracht und ich denke, du musst erstmal mit ihren Fähigkeiten und... Bedürfnissen klar kommen. Ich denke, es ist fast ein Zwang zu strafen, wenn jemand... nicht so richtig handelt und du weißt, sie mag ihren Patenonkel, meinen Mann..." Schüchtern schob Linnéa ihre Hand in Kats. "Dich mag ich auch, Kat." sagte sie leise. "Genau wie ich dich, Süße!" antwortete Kat liebevoll und geleitete ihre Gäste zur Tür. Wortlos verließ der Höllenfürst mit seinen drei älteren Kindern und Christina-Luciana, sowie Christian und Jasper das Haus. Astaroth war wieder zu Astarte geworden. Er würdigte sie keines Blickes.
Christian sah, dass seine Mutter traurig war. Er war jedoch auch nicht böse auf seinen Onkel, denn er wollte ja selbst, dass der nicht ständig Schmerzen hatte. Schweigend liefen sie den kurzen Weg zurück zu seinem Haus. "Mutti, Selvi, bringt bitte die Kinder zu Bett ich bringe Jasper nach Hause und werde die Nacht woanders verbringen." Als er sah, wie überrascht seine Frau ihn ansah, wo sie sich doch eigentlich wieder soweit versöhnt hatten, fügte er hinzu: "Hat nichts mit dir zu tun mein Hexlein. Ich kann aber jetzt nicht darüber reden und muss erst mal meinen Ärger loswerden. Ich liebe dich!" sagte er sanft, umarmte sie liebevoll und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund. Dann verschwand er mit Jasper und tauchte kurz vor dessen Haus wieder auf. "Ich hoffe du nimmst mir meinen Wutausbruch nicht übel, vor allem... lass es nicht an..." "Nein - mit Christian hat das nichts zu tun und ich nehme auch dir nichts übel - ich verstehe beide Seiten und... irgendwie sogar Linnéa... . Gute Nacht, Lucian." sagte der Junge und lief ins Haus.
Der Höllenfürst tauchte in seinem Blockhaus in Kanada wieder auf. Er schnippte mit dem Finger und im Kamin loderten die Flammen auf. Da es durch die Zeitverschiebung in Kanada erst nachmittags und somit noch hell war, begann er seit langem mal wieder Holz zu hacken um seine Wut in Griff zu bekommen. Anschließend ging er nach drinnen und machte es sich mit einem Glas Whiskey vor dem Kamin gemütlich. Da sein Vater ihm und den anderen Engeln, die sich oft auf der Erde aufhielten ein gewisses Maß an Schlafbedürfnis gegeben hatte, schlief er schließlich vor dem Kamin ein. Als er wieder erwachte, fror er, da er nur den Kamin angemacht hatte und dieser jetzt aus war. Er sah auf die Uhr und stellte er fest, dass es jetzt sieben Uhr in Deutschland war. Er hatte somit fast fünf Stunden geschlafen. Er tauchte in der Küche seines Hauses auf Norderney wieder auf. "Morgen Mutti, machst du mir bitte einen starken Pharisäer, denn mir ist eiskalt und ich muss mir wohl etwas Mut antrinken." sagte er leise. "Sicher mein Junge, wo warst denn, weil du so frierst, du zitterst ja richtig und warum musst du dir Mut antrinken?" fragte sie überrascht. Ich war in Kanada und irgendwann ging der Kamin aus und ... hat Astarte nichts gesagt?" Er sah zu seinem drei Kindern und Christian, die gemeinsam mit seiner Frau am Frühstückstisch saßen. "Habt ihr auch nichts gesagt?" Die vier Kinder schüttelten den Kopf. "Ich muss los." sagte Christian nahm seine Schultasche und verließ das Haus. Selvaggia und Ilse starrten ihn erschrocken an, als er ihnen kurz erzählte was gestern Abend vorgefallen war. "Da reicht ein Pharisäer eigentlich gar nicht aus." murmelte er und verschwand. Er tauchte vor der Haustür seiner Patentochter und ihres Mannes wieder auf. Er atmete einmal tief durch und klingelte dann. Er fühlte sich grauenhaft. Er fror immer noch und war total nervös vor diesem Gespräch, das er gleich würde führen müssen. Kat öffnete die Tür. "Morgen, darf ich reinkommen, ich möchte gerne mit euch reden."
Sie murmelte ein "Morgen", drehte sich um und lief wieder in die Küche, ließ die Tür jedoch offen, so dass er eintreten konnte. Linnea vergrub sofort erschrocken ihr Gesicht in ihren Händen, als sie ihren Vater herein kommen sah. Dieser seufzte. "Soviel Angst vor mir?" fragte er seine jüngste leise. Diese nickte leicht. "Es tut mir leid Papa, ich konnte nicht anders ... ich ..." sagte das kleine Mädchen sofort entschuldigend.
"Nicht jetzt Linnea, wir klären das später. Jetzt geht ihr drei erst mal wie die anderen auch in die Kita, denn ich muss noch mit Kat und Sandy reden. "Kommt ihr drei, ich bringe euch schnell." sagte Kat und erschien kurz darauf wieder in der Küche. Sie setzte sich an den Tisch zu ihrem Mann. Der Höllenfürst stand noch immer. "Ich ... es tut mir ... leid." Er würgte die Worte fast aus. "Ich hätte dich niemals schlagen dürfen Sandy. Ich wollte es auch nicht wirklich, aber das war in diesem Moment ein Reflex. Ich hatte dich gewarnt und war so wütend. Ich hasse Spritzen und es tat richtig weh! Ich hatte auch eindeutig gesagt, dass ich das nicht möchte. Wobei ich zugeben muss, dass dieses Zeug wirkt. Etwa eine halbe Stunde später hatte ich keine Schmerzen." Sandalephon grinste etwas selbstgefällig.
"Wenigstens etwas. Die Wirkung ist aber nicht von Dauer. Die Spritze wirkt etwa zwölf Stunden, das heißt die Schmerzen werden gegen zehn Uhr wieder anfangen, wenn..." er brach ab als sein ältester Bruder seufzte. Er wusste, dass er nicht weiterreden brauchte. "Jedenfalls danke, dass du dir die Mühe gemacht hast, dieses Mittel zu entwickeln. Und nochmal S... Sorry, wegen der Ohrfeige. Mehr als mich zu entschuldigen kann ich nicht machen. Ich hoffe ihr ... verzeiht mir meinen Ausrutscher. Du weißt, dass ich dich wie eine Tochter liebe Käthchen und ... ich mag auch dich Sandy. Mit einer Handbewegung und den Worten: "Ich verschwinde dann mal, bevor ich ohne zweiten Kaffee ... ihr wisst schon, wobei ein zweiter Pharisäer vielleicht besser ist, falls..." wollte er gehen. Sandalephon hielt ihn zurück. "Ich nehme die Entschuldigung an, Lucifer. Ich verstehe die Reaktion von dir, ja, vielleicht hätte ich ähnlich reagiert, aber ich habe das mit Sariel abgesprochen... Ich würde dir in zwei Stunden gern die zweite Spritze geben und heute Abend um zehn sowas die Dritte. Der "Basisschutz" sozusagen besteht aus sieben Spritzen im Abstand von cirka zehn bis zwölf Stunden und danach wirklich nur bei Bedarf, also wenn du wieder unerträgliche Schmerzen hättest, was ich allerdings so nicht glaube... Selvi wird mit Allegra beschäftigt sein und nach einer Geburt ist sie ja immer etwas ruhiger..." "Na ja... kann sein... egal..." Er sah zu Kat, die ihm mit einem Lächeln eine Tasse reichte. "Keine Ahnung ob ich ihn so hinkriege wie Oma Ilse, Onkel Lucifer, aber... Prost."
Mit einem Lächeln griff der Höllenfürst zu dem Pharisäer und kostete. "Nah dran, Käthchen... und... ist das ein Friedensangebot?" Kat grinste. "Das ist ein: Ich hab’ dich lieb, Onkel, auch wenn du manchmal echt unmöglich, launisch, nervtötend, arrogant, herrisch und tyrannisch bist! Und ja, es ist ein "Vergeben und Vergessen" meinerseits. Immerhin habe ich gestern Abend noch mit meinem Mann geredet und ihn nach seinen Anweisungen hin verarztet... also ja, es ist ein Friedensangebot und mehr." Gerührt nahm er sie in den Arm. "Und... Lucifer... ich habe mich auch mit Linnéa unterhalten... Sie hat mir erklärt, wie das war... sie meinte, wenn jemand gemein ist und etwas tut was nicht in Ordnung ist, dann würden vor ihren Augen Flammen tanzen und in ihren Fingern würde es kribbeln und dann handle sie einfach instinktiv... du hast selbst gesehen, dass sie Angst vor deinem Zorn hatte. Ich habe ihr versichert, dass du vielleicht ein wenig mit ihr schimpfst, weil normalerweise Strafen auf Vaters Befehl und Wunsch dein Ressort ist und nicht ihres, aber... tja... ich denke mal, dein Moosglöckchen ist dir verdammt ähnlich. Sei also bitte nicht zu hart zu ihr, denn um ehrlich zu sein, mag ich meine kleine Patentochter sehr gern. Liegt vielleicht daran, dass Lucia und ich sie für einige Zeit bei uns hatten und ich zudem die Ehre hatte ihren Rufnamen auszusuchen."
Der Höllenfürst nahm einen großen Schluck des Pharisäers und seufzte. "Ich bin schon ziemlich sauer auf meine Jüngste, Sie muss lernen, dass man mich nicht ungestraft... angreift. Aber ich denke, zwei Wochen Zimmerarrest und Fernsehverbot sollten reichen... und ich denke, sie kriegt nur Spielzeug das sie als Babykram bezeichnet... vielleicht begreift sie dann..." Kat lächelte versonnen. "Na, wenn du meinst..." Er sah sie durchdringend an. "Was verheimlicht ihr mir?" "Ich denke, du hast noch gar nicht begriffen, was Linnéa wirklich kann... Astralprojektion? Die kann ihren Geist zu Lucas schicken, denke ich zumindest, und ich glaube auch, sie kann meinen Bruder auf Traumreisen mitnehmen oder er sie... anders kann ich mir nicht erklären wieso Linnéa vom Legoland erzählt als wäre sie da schon gewesen... denn das war sie ja noch nie... oder in Disneyworld, wo meine Eltern letztes Jahr mit meinen Geschwistern waren." Verblüfft starrte der Höllenfürst von Sandalephon zu Kat und wieder zu Sandalephon. "Das ist nicht euer Ernst, oder?" "Doch, ich fürchte schon... Ich habe ja gesagt, dass dies Mittel das Selvaggia genommen hat - glücklicherweise nur in der letzten Schwangerschaftszeit, so dass Linnéa vielleicht einen Monat davon... was abgekriegt hat und danach über die Muttermilch... nun... ihre Abwehrkräfte haben ausgezeichnet gewirkt und sie halt... recht nachhaltig... gefördert... um es mal freundlich auszudrücken. Ich meine, überleg selbst, Luciano kann teleportieren, Sophia und Luca haben noch keine Talente in der Form gezeigt, wobei... Ich habe das Gefühl, dass Sophia ein Händchen für Pflanzen und Tiere hat und auch mit beiden reden kann... aber das ist nur eine Vermutung und Luca... der könnte eine Art... Shifter sein, also in der Lage sich zu verwandeln - ohne Zauber, nur durch seine Gedanken. Und Luciano hat offenbar auch das Talent zum Heilen... zumindest habe ich letztens beobachtet wie bei Christina durch seine Berührung eine Prellung verschwand..."
Verblüfft sank der Höllenfürst auf den nächsten Stuhl. "Du meinst also allen Ernstes, dass meine Kinder mir gegenüber mit ihren Talenten nicht rausrücken? Wieso?" fragte er. " "Na ja... als Luciano das erste Mal teleportiert ist hast du das mit einem Zauber unterbunden. Und eure Kinder... kommunizieren unbewusst untereinander, Luciano, Jan, die Drillinge von Onkel Hagiel und Tante Tilly... sagen wir mal auf so einer Art "Kinder-Engel-Ebene" und daher wissen Ainé und die anderen, dass es manchmal ratsamer ist... nichts zu sagen um ihre Fähigkeiten nicht "gesperrt" zu kriegen. Vielleicht solltest du mit Luciano mal ein ernstes Wort reden, ihm die Fähigkeit zum Teleportieren "entsperren" und ihm ganz klar sagen, dass er sich vorher erkundigen oder sicher sein soll, dass er bestimmt nicht irgendwo... reinplatzt. Wobei... ehrlich gesagt, ich glaube, wenn er bei Dad in einer Vorlesung auftauchen würde, würde Dad ihn willkommen heißen, vorstellen und weiter machen... Hätte ehrlich gesagt auch was in einer Vorlesung über "Die Natur des Bösen" oder "Die Natur der Sünde" - irgendwie so heißt eine der Vorlesungen... Stell dir mal vor, da taucht er auf und mein Dad stellt ihn als: Ach, das ist übrigens mein Patensohn Luciano, der Sohn meines Freundes Lucifer" vor. Hätte was..." Sie grinste aufmunternd.
"Also haben meine Kinder Angst vor mir? Vertrauen mir nicht?" fragte er leise. "So würde ich das nicht sagen. Luciano merkt vielleicht, dass seine Kräfte... wachsen und hat etwas Sorge, dass du auch da beschränkend eingreifst. Bei Sophia und Luca bin ich mir nicht so sicher ob sie wirklich schon ihre Kräfte entdeckt haben oder sie ihnen überhaupt bewusst sind. Da vermute ich das nur, weil ich sehe wie gut die beiden mit Pflanzen und Tieren zurecht kommen und Lucas Hand schimmert da manchmal wenn er mit Tiberia spielt oder er einfach auch mal - und du weißt, dein Kleiner ist ziemlich ruhig - mit Tiberia auf Christian wartet, im Garten auf der Bank vorm Haus... im Gegensatz dazu ist Linnéa sich einiger ihrer auch stärkeren Kräfte durchaus schon bewusst - auch im zarten Alter von gerade mal eineinhalb... aber Vater hat da ja... ziemlich in die Entwicklung eingegriffen, vielleicht um euch auch das Leben etwas leichter zu machen wenn Allegra jetzt bald kommt... und bei Linnéa entwickelt sich vieles rasant... und vieles ist ihr vielleicht auch gar nicht bewusst. Das Strafen überkommt sie, das muss sie zu steuern lernen, aber das Astral- und Traumreisen... ich denke, das ist ihr nicht bewusst... Das sollte dich nicht verletzen, Bruder, sondern... dich eher verdammt stolz auf deine außergewöhnlichen Kinder machen. Was mich angeht... auch wenn ich Linnéa gestern noch ins Gewissen geredet habe, wegen des Stuhls... ich bin auf meinen kleinen Patenengel verdammt stolz! Auch wenn sie heute Morgen Angst vor dir, oder besser deiner Reaktion hatte..."
"Du hast gut reden! Eure Elisabeth wird wahrscheinlich ruhig, lieb und brav sein - ein Seraphim-Baby wie aus dem Bilderbuch und ihr wisst - oder zumindest wirst du wissen, was euch erwartet. Und ich habe Kinder mit verrückten Talenten die sie mir nicht mal... offenbaren mögen." "Also bei den Zwillingen vermute ich eher, dass sie dich überraschen wollen. Und bei Linnéa... na ja... ihr machen ihre Talente wohl manchmal selbst Angst - und Luciano ist unsicher ob du ihm nicht bei allem "ins Handwerk" pfuschst... Ich meine, selbst Jan... Ich glaube kaum, dass mein Bruder weiß, dass sein Sohn sich mit Samantha unterhalten kann - in Gedanken - und ihr Botschaften schicken kann - mit Licht, mit Regenbogen, mit Mond- und Sonnenstrahlen und an sich ekelt Jan sich vor Spinnen - aber Sams "Spinny" mag er. Und Jan kann sich zwar nicht teleportieren - noch nicht, vermutlich kann er es irgendwann auch, Metatron ist ja nicht gerade ein "kleines Licht" unter den Seraphim - aber er kann Dinge teleportieren oder sogar... irgendwie erschaffen. Ich habe gesehen, wie er eine Haarspange in der Hand hatte und kurz darauf war sie in Samanthas Haaren... Sie hat es gemerkt - die zwei standen einige Meter voneinander entfernt - und ihm ein "Merci" zugeflüstert. Ich denke, keins der Kinder wird mit allen Talenten rausrücken und gleich stolz kommen: Schaut mal was ich kann!" Der Höllenfürst wirkte überrascht, nickte jedoch nachdenklich. "Danke, dass du mir das erzählt hast, Sandalephon... und auch für die... Erklärung. Scheint, du... kennst meine Kinder besser als ich..." es klang ein wenig bitter. "Nein, ich habe nur beobachtet - mit dem Auge des Kinderarztes und Onkels, des sehr aufmerksamen Onkels und auch doch aus gewisser Distanz dadurch... Ich meine, komm, Jans Lieblingsonkel bist du - trotzdem ich die erste Wahl seines Dads war..." Sandalephon grinste bei den letzten Worten.
Der Höllenfürst lächelte schwach. "Dafür bist du ganz offensichtlich Linnéas Lieblingspatenonkel und Kat ihre Lieblingspatentante... Immerhin ist sie ja wohl sehr gern bei euch..." Kat massierte ihren Onkel sanft die Schultern. "Onkelchen, dafür bist du mein absoluter Ober-Über-Superlieblingsonkel - und ich denke, wenn Linnéa nicht dein eigenes Kind, sondern deine Patentochter wäre, dann würde mein Mann gegen dich keine Chance haben als Lieblingsonkel zu bestehen." Sie küsste ihn liebevoll auf die Wange. "Wir holen die Kinder nachher aus der Krippe ab. Vielleicht mögt ihr ja zum Kaffee kommen, Tante Selvi, Ilse und du... und wir bringen euer Quartett und meine Geschwister hier mit her und überlegen was wir mit dem Nachmittag noch anfangen können." "Wir kommen heute Nachmittag." sagte er noch immer traurig klingend. Er musste das eben erfahrene erst mal verarbeiten. Er erhob sich bedankte sich für die Massage, bei Kat mit einem Kuss auf die Wange und einer festen Umarmung, dann verschwand er.
Etwa eine halbe Stunde nachdem er wieder in seinem Haus war, erschienen Hagiel und Mathilde mit ihren Drillingen. Sie wurden sehr freundlich von Lucifer, Selvi und Ilse begrüßt. "Unsere drei Mädels haben sich schon auf ihren Onkel und Oma Ilse gefreut. Selvi kommst du mit?" Die schwangere Hexe erhob sich und nahm Hagiels Hand, damit er sie mit in die Kirche nehmen konnte. Denn zum Laufen hatte sie momentan keine Lust. "Na kommt her ihr drei, wir werden schon viel Spaß haben miteinander." sagte Ilse und schloss die Mädchen in ihre Arme. Die drei Mädchen begrüßten auch ihren Onkel. Die drei Mädchen halfen Ilse beim Kochen, rannten aber immer wieder ins Esszimmer zu ihrem Onkel, der vergebens versuchte einen Geschäftsbrief fertig zu bekommen. Auf Drängen der Kinder half er etwas in der Küche mit, drückte sich dann aber doch erfolgreich, indem er Ilse um einen Pharisäer bat und diesen dann am Küchentisch trank. Um zehn Uhr stand Sandalephon neben ihm. "Schieb mal bitte deinen Ärmel hoch. Geht auch ganz schnell - und sind nur noch fünf Mal nach dieser - in drei Tagen hast du es dann hinter dir und kommst mit den Tropfen gut zu Rande." Seufzend, aber mit einem finsteren Blick gehorchte der Höllenfürst. "So, das war’s schon. Ich bin dann wieder in der Kirche. Der Pfarrer ist übrigens wirklich gut..." "Echt? Du bist erstaunlich gut beim Spritzen geben. Ich habe kaum was gemerkt. Und ich vermute mal, du sitzt als Astralprojektion neben deiner Frau um mir diese Spritze geben zu können?" Sandalephon grinste. "Danke für das Kompliment - aber ich bin ja auch Kinderarzt, du Weichei. Und klar nutze ich gerade Astralprojektion." er klopfte seinem Bruder kurz auf die Schulter und verschwand wieder. Gegen halb eins kamen Hagiel und Mathilde mit Selvaggia von der Kirche zurück. "Ihr bleibt doch noch zum Mittag? Wir haben für euch mit gekocht." sagte Ilse gutgelaunt. "Na wenn das so ist, dann bleiben wir selbstverständlich." sagte Hagiel freundlich.
Als der Höllenfürst mit Christian, und Ilse aber auch Selvaggia zum Kaffee kamen, waren bereits Derek und Rachel mit dem kleinen Deren da, Astaroth mit Philip und Ainé und auch Metatron und Cassandra mit Samuel Bastien, ihrem zweiten Sohn. Kat und Sandalephon hatten zudem Jan und Samantha und Nick und Alex aus Paris mitgebracht. Den anderen vor allem aber Kat und Sandy fiel auf, dass Lucifer Astaroth nicht eines Blickes würdigte. "Wir beraten gerade über die Namen für unsere Kleinen..." informierte Cassandra den Höllenfürsten. "Welchen...?" "Cassie - bitte! Ich bin Onkel von Jan, aber lasst mich bitte diesmal aus dem Spiel - gebt Sandy eine Chance Lieblingspatenonkel zu sein!" Der erwähnte lachte. "Die Chance habe ich wenn dann nur bei deinen Kindern, Lucifer. Und bei Metatrons Kindern werde ich die nie haben, da ich ihm zu ähnlich bin. Die glauben ich bin genauso streng wie er und das nur, weil ich ihm so ähnlich sehe!" "Na, aber ich will dich schon auch als Paten von Samuel Bastien haben. Und du hast dich zum Namen den du als Taufnamen willst noch nicht geäußert - und Astaroth auch noch nicht!" meinte Metatron streng. Die beiden Erzengel beider Seiten zwinkerten einander zu. "Ich mag den Namen Samuel - und da ihr den eh gewählt habt..." sagte Sandalephon, und Astaroth fuhr fort: "...genauso wie Bastien, und der Name gefällt mir gut - also ist das erledigt - zumindest von uns Seraphim beider Seiten aus!" Metatron blinzelte verblüfft und der Höllenfürst grinste.
Ainé zupfte ihn an der Hose. "Nimmst du mich auf den Arm, Onkel Lucifer?" fragte sie mit einem Lächeln dem der Höllenfürst nicht widerstehen konnte. "Na, wie geht’s dir denn so, jetzt wo Christian bei uns ist?" "Ist langweilig. Tiberia ist nicht da, Christian nicht und zum Spielen habe ich auch keinen..." sagte sie traurig.
"Es ist ja bald Weihnachten... vielleicht lässt dein Großvater sich ja was einfallen..." meinte Sandalephon lächelnd. Sie grinste ihn an. "Tante Maria meinte ja ich bräuchte unbedingt eine Katze - eine große Katze, Ich hätte ja gern einen großen Königstiger oder einen Puma, aber Papa Philip ist dagegen. Dabei würde Großvater doch dafür sorgen, dass meine Katze genauso lieb ist wie Tiberia!" "Na klar würde er das - und ich denke..." "Setz meiner Kleinen keine Flausen in den Kopf! Ich will nicht noch so ein Raubtier im Haus haben und..." Philip wurde von Tiberia unterbrochen, die schnurrend um seine Beine strich, dann um die des Höllenfürsten. "Oh, Onkel Lucifer, lass mich runter, ich will Tiberia begrüßen!" rief sie und mit einem leisen Lachen setzte er sie auf den Boden und sofort tollte sie mit ihrem Bruder und dem Säbelzahntiger herum. Sandalephon wandte sich ernst an Philip: "Ainé braucht Freunde - und wenn das schon keine Kinder sind, Phil, dann ein Haustier! Und denk dran: Sie ist ein Engel - ein voller Engel, anders als beispielsweise Lucifers Kinder! Sie ist praktisch wie Jan, so wie Samuel-Bastien und so wie Lucias und meine Elisabeth sein wird und ganz ehrlich: Ein normales Haustier, so ein "kuscheliges" Kanarienvögelchen oder ein Hamster fordert sie doch gar nicht! Ich kümmere mich drum, dass sie was Gescheites kriegt und einen Freund hat mit dem sie spielen kann!" Philip wollte gerade in die Luft gehen, als Astaroth zu Astarte wurde, ihn küsste und säuselte: "Oh, das wäre wunderbar, Sandy, nicht wahr Philip, Schatz? Immerhin ist Sandy Kinderarzt und weiß als Seraphim ziemlich gut, was unser Schatz braucht." "Leckt mich doch!" meinte der Leiter des Dubliner Legates finster und ging ins Wohnzimmer. Astarte wurde wieder zu Astaroth und grinste seinen Kollegen an. "High Five?" fragte Sandalephon belustigt. Sie klatschten einander ab und scheuchten dann alle ins Wohnzimmer wo gemütlich gedeckt war.
Rachel begrüßte ihren brüderlichen Freund liebevoll - sie stillte gerade ihren Sohn, der vor Freude quietschte als sein zukünftiger Patenonkel sich über ihn beugte. "Wir haben gerade einen Antrag laufen, dass wir ihn Lucifer nennen wollen... natürlich haben die da auch in Amerika was gegen - leider - und wenn wir es nicht durchkriegen, dann werden wir ihn Lucius nennen - also Deren Lucius Nicolas - Nicolas hat Philip sich gewünscht..." und leise flüsterte sie: "Das war der einzige Heilige wo ich beim Namen einverstanden war... Er hat sowas wie Antonius und Eusebius und so vorgeschlagen - zuerst und Astaroth - na du kennst ihn ja - wegen ihm braucht es kein Extraname zu sein und Sandy meinte er beschränkt sich darauf der große Schwager zu sein und wie eine Art großer Bruder ein Auge auf unseren Deren zu haben." Sie grinste. "Wegen mir müsst ihr Deren nicht unbedingt einen Namen von mir geben. Ich bestehe nicht darauf." sagte der zukünftige höllische Pate, grinste dann jedoch und fügte hinzu: "Es sei denn ihr kriegt Lucifer durch, dann bestehe ich natürlich auf dem Namen!" alle lachten.
Nach dem Kaffee zog sich der Höllenfürst kurz mit seinen Kindern zurück um mit ihnen über ihre Fähigkeiten zu reden. Etwas ängstlich saßen seine vier Kinder auf dem Sofa in seinem Arbeitszimmer auf Norderney. Traurig setzte er sich gegenüber in den Sessel, da ihm nicht entging, dass seine Kinder etwas Angst vor ihm hatten. "Wir müssen über eure Fähigkeiten reden, da ihr offensichtlich Angst vor mir habt und mir nicht vertraut. "Luciano, ich... habe dir damals deine Fähigkeit des Beamens genommen, weil du dich als Baby überall hingezaubert hast wo du hin wolltest und deine Mama einmal so erschrocken ist, dass sie weinend und voller Panik bei mir im Arbeitszimmer erschienen ist. Du warst mal bei deinem Großvater im Himmel oder bei mir. Nur deshalb habe ich sie dir genommen Das war zu deinem eigenen Schutz, nicht weil ich dich nicht liebe, sondern gerade weil ich dich sehr lieb habe." Er machte eine kurze Handbewegung. "Du hast deine vollen Kräfte wieder. Ich habe keine deiner Kräfte gezügelt. Was immer ihr für Fähigkeiten habt ... verheimlicht sie mir bitte nicht, ich werde sie nicht zügeln oder sie euch wegnehmen. Ich vertraue euch, dass ihr sie richtig anwendet. Wenn sie euch Angst machen..." sein Blick fiel liebevoll auf Linnéa, "dann helfe ich euch auch mit ihnen fertig zu werden, sie zu kontrollieren. Aber das kann ich nicht, wenn ich nicht um die Kräfte weiß. Und ich finde es schade, dass ihr mir kein Vertrauen entgegenbringt. Aber egal jetzt. Ihr wisst jetzt, dass ihr nichts vor mir verheimlichen müsst. Auch wenn ich manchmal hart bin, ich möchte nur euer Bestes. Linnea, deine Kräfte sind etwas anders. Ich möchte gerne noch alleine mit dir reden. Du musst morgen nicht in die Krippe. Wir beide führen morgen Vormittag ein ernstes Vater-Tochter-Engel-Gespräch."
Die jüngste der vier Kinder nickte etwas ängstlich. Sie liebte ihren Vater sehr, aber dennoch fürchtete sie sich manchmal vor ihm. "Luciano zaubere dich wieder in das Wohnzimmer von Sandy." befahl er seinem Ältesten, um ihm zu beweisen, dass er seine Kräfte wieder hatte. "Danke Papa!" sagte der kleine Junge, als sein Papa mit seinen Geschwistern kurz darauf neben ihm erschien. "Bitte!" flüsterte der Höllenfürst und merkte traurig, aber doch ein wenig beruhigt und belustigt, dass Linnéa sich zu ihrem Lieblingspatenonkel - denn der war Sandalephon ganz offensichtlich - und ihrer Patentante Kat flüchtete. "Würde es dich stören, wenn Lucia und ich morgen Vormittag bei dem Gespräch dabei sind?" fragte sein Bruder über den mentalen Pfad. "Hält meine Kleine mich für so ein Monster?" fragte er ein wenig bitter zurück. "Lucifer, Linnéa ist sehr klein, sehr jung - mächtig, ja, mit starken Kräften gesegnet, sicher, aber sie fürchtet sich schon etwas vor deinem "Donnerwetter" weil sie sehr wohl weiß, dass sie DICH angegriffen hat - und ehrlich gesagt... sie hat es getan, weil du mir im Reflex eine runtergehauen hast - also fühle ich mich natürlich ein wenig verantwortlich. Das kannst du mir nicht verdenken." "Meinetwegen... wobei es mich schon verletzt, dass meine Jüngste so große Angst vor mir hat, dass sie bei euch bettelt nicht mit mir allein reden zu müssen!" antwortete der Höllenfürst. "Na komm, Onkelchen: Ein Vater-Tochter-Engel-Gespräch heißt mindestens drei Personen - zumindest für Linnéa!" mischte Kat sich ein. Ein Lächeln huschte über das Gesicht von Belial. "Ja, schon gut..." entgegnete er, dennoch etwas gereizt. Kat merkte aber, dass es ihm eigentlich nicht so recht war. Und sie fühlte durch ihre enge Verbindung die sie zu ihm hatte, dass er wirklich sehr verletzt war, dass seine Kinder ihm in seinen Augen nicht vertrauen und dass Linnea offensichtlich so große Angst vor ihm zu haben schien.
"Onkel Lucifer - wirst du nun eigentlich auch Patenonkel von meinem kleinen Bruder?" fragte Jan neugierig. Der Höllenfürst lächelte seinen Neffen an. "An sich will ich nicht - ich dachte, dann hast du sozusagen das "Exklusivrecht" mich Patenonkel zu nennen - zumindest in der Familie St.Cyr..." "Du bist mein absoluter Lieblingsonkel, Onkel Lucifer - und ich mag meinen kleinen Bruder. Ich glaube, ich fänd’ es schön, wenn du auch sein Patenonkel wirst... weil... Onkel Lucifer, hast du kurz Zeit für mich?" Der Höllenfürst runzelte kurz verwundert die Stirn. "Natürlich - wollen wir kurz ins Fernsehzimmer gehen?" antwortete er. "Lieber oben ins Spielzimmer... da ist gerade keiner..." murmelte Jan. Sein Patenonkel nickte, griff seine Hand und tauchte mit ihm in dem Zimmer auf, wo er sich mit leisem Ächzen auf einem der Sitzsäcke niederließ. "Also: Was hast du auf dem Herzen?" fragte er freundlich. "Ich... ich hab Angst... weißt du... Mama ist ja noch nicht so lange ein Engel und mit Papa kann ich darüber nicht so reden - und Onkel Sandalephon ist glaub ich mehr wie Papa... vielleicht nicht ganz so streng, aber... ich versteh nicht wieso Linnéa... na gut, vielleicht wegen Kat... aber..." Er sah zu Boden. "Jan, komm mal her." sagte der Höllenfürst sanft. "Und sag was los ist."
Er zog Jan auf seinen Schoß und keuchte verblüfft auf als er ihn spürte, sein Gewicht, die schmalen Schultern - aber ihn nicht sah. "Immer wenn ich... ich aufgeregt bin, muss ich aufpassen, dass ich nicht... also… dass das hier nicht passiert... Kannst du mir helfen das zu kontrollieren, Onkel Lucifer? Ich will doch Samantha nicht erschrecken und auch wenn ich Spinnen nicht mag... gut, ich mag Spinny ja... und ich... das ist voll gruselig - ich kann mit Spinny auch reden... und mit Samantha, im... im Traum... und ich kann ihr Nachrichten schicken, mit Licht... in der Nacht mit Mondlicht und am Tag mit Sonnenlicht und wenn es regnet mit Regenbogen... das ist schön, denn ich mag Samantha gern... aber... Ich habe Angst, dass es Sam gruselt und sie nicht mehr meine Freundin sein will. Ich mag sie nämlich wirklich ganz dolle, Onkel Lucifer." Jan klang verloren und fast traurig. Sanft und auch ein wenig gerührt, dass sein Neffe ihm so vertraute, sagte der Höllenfürst: "Kannst du denn wieder sichtbar werden?" Langsam erschien sein Neffe wieder auf seinem Schoß. "Ja, aber nicht so schnell wie ich weg bin..." "Also: Ich denke mal, die kleine Sam wird das unheimlich cool finden - ich zumindest finde die Fähigkeit ziemlich cool." Er zwinkerte Jan zu. auf das Gesicht des kleinen Jungen schlich sich ein zaghaftes Grinsen. "Kannst du mir helfen und mir zeigen wie man schnell wieder da ist - also zu sehen ist, meine ich? Ohne dass Papa und Mama es mitbekommen?"
"Klar, mache ich sehr gern - und ich freue mich sehr, dass du mir so vertraust und mir das zeigst was du kannst, Jan. Und ich verrate dir was: Dein Onkel Sandalephon ist ganz anders als dein Papa. Er sieht ihm zwar ähnlich, klar, aber er ist viel mehr wie ich, so vom Charakter her und du weißt doch bestimmt, dass er mir - seit er mit Kat zusammen ist - auch in der Hölle hilft, als Erzengel beider Seiten - also meiner und der deines Großvaters. Und er mag Kinder sehr gern. Darum mag Linnéa ihn auch sehr gern. Ich würde ihn gern einweihen und dann hilft er dir auch. Ich kann dir ja nur helfen, wenn ich in Paris bin und mal vorbeikomme. Du bist ja auch bei Farida Mahmouri in der Kindergartengruppe. Da könnte ich dich vielleicht ab und zu mal rausholen, aber vielleicht fällt ihr gar nicht auf, wenn dein Onkel Sandalephon dich zum Üben abholt, weil sie denkt das wäre dein Papa..." "Meinst du?" Jan war hörbar skeptisch. "Du wirst sehen, dein anderer Patenonkel ist unter Kats und meiner Anleitung echt aufgeblüht." Jan kicherte. "Aber du wirst doch trotzdem Samuel Bastiens Patenonkel, oder?" Der Höllenfürst nickte lächelnd. "Wo dir so viel daran liegt, Neffe, ja." "Merci, du bist der Beste, Onkel Lucifer." flüsterte er und umarmte den Höllenfürsten. "Dann sollten wir mal wieder runtergehen, oder?" Jan nickte. Gemeinsam erschienen sie wieder im Wohnzimmer wo ein strenger Blick Metatrons seinen Sohn traf. "Ich hoffe, er hat dich nicht genervt, Lucifer." Der Höllenfürst zog eine Augenbraue hoch. "Keins meiner Kinder oder meiner Patenkinder nervt mich, Bruder. Genausowenig wie Sandalephon..."
Nach dem gemeinsamen Kaffee hatte sich Selvaggia auf das Sofa im Wohnzimmer gelegt, um sich ein wenig auszuruhen. Die restlichen Erwachsenen hatten sich angezogen und spielten und tobten mit den Kindern am Strand. Nach einer Weile lief Kat zurück auf die Veranda, als sie dort ihren Lieblingspatenonkel beim Rauchen sah. Er sah sehr traurig aus, stellte sie fest. "Onkel Lucifer?" Er sah sie kurz an und wollte dann seine erst halb gerauchte Zigarette ausmachen. "Nein, lass ruhig. Unser Kind ist eine reine Seraphe, der Rauch wird ihr nicht schaden!" sagte sie lächelnd und streichelte sanft ihren Bauch. Da sie selbst eine Seraphe war - gerade in menschlicher Gestalt -  konnte sie die Bewegungen schon jetzt stärker wahrnehmen, wie es auch ihr Mann und ihr Onkel konnten, wenn sie eine Hand auf ihren Bauch legten. Sie griff nach seiner rechten Hand und legte sie auf ihren kleinen Schwangerschaftsbauch. Er lächelte leicht, als er die Bewegungen seines zukünftigen Patenkindes spürte. "Hast du eigentlich ... beziehungsweise wie oft hast du dies, bis jetzt bei Tante Selvi gemacht?" fragte sie fast etwas schüchtern. Er zog seine Hand zurück und verschränkte seinen Arm vor dem Bauch und nahm einen weiteren Zug seiner Zigarette und starrte auf das Meer. "Noch nicht so oft wie bei Selvi`s anderen Schwangerschaften. Wir waren ja bisher fast immer am streiten und ... außerdem ist es doch egal..." Kat sah ihn an und erkannte Traurigkeit und Bitterkeit in seinen Augen. Seine Stimme klang sehr gedrückt und traurig. "... meine Kinder vertrauen mir nicht und haben Angst vor mir. Linnea ist viel lieber bei euch, als bei mir und sie bettelt um Bestand, weil sie so große Angst vor mir hat. Was bin ich nur für ein Vater. Ich liebe Selvi und alle meine Kinder und Patenkinder, aber als Vater und Ehemann bin ich wohl nicht wirklich ..." "Jetzt hör aber auf Onkel Lucifer!" unterbrach ihn seine älteste Patentochter, zog ihn an sich und umarmte in ganz fest.
Er erwiderte die Umarmung. Kat berichtete ihrem Mann über ihren persönlichen, mentalen Pfad von den Selbstzweifeln des Höllenfürsten, da er in diesem Augenblick der Umarmung herübersah. Dieser seufzte und antwortete: "Versuch ihm das bitte auszureden. Wobei es im Moment verständlich ist." Kat bestätigte die Bitte ihres Mannes. "Das ist doch nicht wahr Onkel Lucifer! Du bist ein toller Vater und Onkel! Du bist vielleicht manchmal sehr streng, aber dennoch sehr liebevoll und die Kinder mögen dich. Alle und... auch Linnea liebt dich, sehr sogar. Sie ist dir von all deinen Kindern am ähnlichsten, was die Sache vielleicht noch erschwert. Du musst unbedingt mit ihr trainieren, dass sie ihre Kräfte richtig zu nutzen weiß. Und das sollte ihr Vater selbst machen und vielleicht stärkt es eure Beziehung zueinander ja. Ich denke auch, dass du sie vielleicht gar nicht wirklich bestrafen solltest, denn sie konnte nichts für ihr Handeln. Es war wie bei dir mit der Ohrfeige - es war ein Reflex, vielleicht sogar ein Zwang, weil sie ihre Kräfte noch nicht beherrscht und um dies zu lernen braucht sie ihren Vater. Wer kann ihr denn diese Strafkräfte besser zu kontrollieren helfen, als du, der Meister der Strafen...?" "Meister der Strafen?" fragte der Höllenfürst etwas amüsiert. Sie zwinkerte und er lächelte
Er nickte. "Danke Käthchen." sagte er atmete einmal tief durch, nahm ihre Hand und lief gemeinsam mit ihr wieder an den Strand zu den anderen.
Gegen Abend kurz bevor es dunkel wurde ging Jasper nach Hause. Das war die Bedingung seiner Eltern gewesen, dass er selbstständig rechtzeitig nach Hause kommen müsse, außer er würde mal bei Christian übernachten, was er sich schon mal gewünscht hatte, seine Eltern aber bisher noch nicht mit ihrem Nachbarn, der zusammen mit Ilse Meier offiziell das Sorgerecht für Christian hatte, solange dieser auf der Insel wohnte, abgestimmt hatten.
Ilse hatte auch Sandalephon und Kat zum Abendessen eingeladen. Es gab eine große Brotzeit mit Salaten und Wurstplatten. "Die Salate hat Selvi fast ganz alleine gemacht." sagte Ilse, was diese leicht erröten ließ. Kat und Sandy griffen sofort zu den Salaten, ebenso Lucian und Ilse. Die vier jüngsten Kinder sahen ihren Papa, so wie Kat und Sandalephon etwas skeptisch an, da sie wussten, dass ihre Mutter eigentlich nicht kochen konnte. Der Höllenfürst nickte ihnen zu, so dass seine Frau es nicht mitbekam. "Der Wurstsalat schmeckt sehr lecker Selvi." sagte er und meinte es auch so. "Ich finde den Matjessalat sehr lecker." sagte Kat und nahm sich eine Kartoffel dazu. Sandalephon lobte den Eiersalat. Die Kinder vertrauten dem Urteil der Erwachsenen und griffen ebenfalls zu einem Salat um ihre Mutter nicht zu enttäuschen. "Lucian, den Matjes solltest du auch mal probieren. Der ist nach Hausfrauenart und schmeckt so viel besser als nur auf dem Brötchen!" sagte Ilse an ihren Sohn gerichtet. Dieser sah sie skeptisch an. Was Ilse jedoch nicht davon abhielt aufzustehen und ihm einen Löffel davon auf den Teller zu machen. "Ach Mutti!" seufzte er. Als er jedoch probierte musste er überrascht feststellen, dass der Matjes so tatsächlich viel besser schmeckte. Nach dem Essen verabschiedeten sich Sandy und Kat, da Kat nach dem langen Tag etwas müde war und mit ihrem Mann gerne allein sein wollte. Nachdem Sandalephon seiner Nichte in Gedanken, so dass ihr Vater es nicht hörte versprochen hatte, dass ihr Papa heute Abend nicht mir ihr schimpfen würde und es ihm sehr viel bedeuten würde, dass sie ihn um eine Geschichte aus ihrem Märchenbuch bat und anschließend sie in den Schlaf zu singen - nickte die Kleine und ging bereitwillig mit. Vorsichtig nahm sie die Hand ihres Papas, den sie trotz allem sehr lieb hatte. "Papa, liest du mir ein Märchen vor und dann bitte singen?" fragte sie noch immer etwas ängstlich. Er lächelte leicht. "Sicher, meinen Kleine."
Er kam wieder herunter, als die Kinder schliefen. Ilse saß in ihrem Sessel vor dem Kamin und strickte wie eine richtige Oma weiter an den Socken zu Weihnachten, für ihre Kinder und Enkelkinder.
"So ein Dreck!" schimpfte Selvaggia als er gerade das Wohnzimmer betrat. "Was schimpfst du denn so?" fragte er fast etwas belustigt. Seine Frau kniete vor ihrem Laptop und fluchte vor sich hin. "Das Drecksding macht nichts so wie ich will." Er ließ sich direkt neben ihr nieder, setzte sich jedoch mit dem Hintern auf den Boden, streckte die Beine aus und stützte sich mit der linken Hand ab. "Darf ich kurz?" sagte er und schaffte das was sie in einer halben Stunde nicht geschafft hatte in zwei Minuten. Sie starrte ihren Mann an. "Ahhhh - da brauche ich ja eine halbe Ewigkeit bis ich das alles verstehe. Du hast nicht immer Zeit mir zu helfen, wenn du erst mal wieder einen Fall in der Botschaft hast und ... du hast mir ja schon alles installiert und viel erklärt aber ich bin ... " Er küsste sie zärtlich, um sie zu unterbrechen. "Wenn ich da bin helfe ich aber immer gerne und das was du gerade sagen wolltest, ich habe dir gesagt, dass ich so etwas nie wieder hören möchte." Sie sah betroffen zu Boden. "Ich habe eine Idee. Selvi wir suchen morgen die Zeitung mit den VHS-Kursen und du kannst dort dann einen Computerkurs machen - oder ich schicke dir Euangelion. Der hat sprichwörtlich eine Engelsgeduld." Sie musste lachen. "Dein Sekretär ist ein Engel!" Er grinste. "Ich sag ja, Engelsgeduld..." "Lucian wie heißen die noch mal in der Fachsprache? Dass wir auch wissen nach was wir suchen müssen."
"EDV-Kurse. Und ich finde die Idee ganz toll. Du solltest erst einen Grundkurs machen und dann einen über Word - das ist das Schreibprogramm welches ich auch nutze." sagte er und hoffte sehr, dass seine Frau durch die Beschäftigung dann etwas ausgeglichener und ruhiger wurde." Selvaggia nickte zufrieden. Ihr gefiel die Idee. Sie bemerkte aber dennoch, dass ihr Mann sehr nachdenklich und etwas traurig wirkte. In diesem Moment seufzte er leise. "Ja... schon gut, Sandy!" murmelnd. Selvaggia sah ihren Mann fragend an und zuckte zusammen als Sandalephon im Wohnzimmer erschien. Finster blickte sie ihn jedoch an, kaum dass sie die Spritze in seiner Hand sah. "Was soll das denn? Verschwinde damit oder ich hau dir dieses Computerding um die Ohren!"  Der Seraph grinste. "Lass mal, das ist die Dritte von sieben notwendigen damit dein Mann seinen Reizmagen besser auskurieren kann und wir haben drüber gesprochen, Lucifer und ich." Der Höllenfürst gab seiner Frau einen Kuss. "Er hat recht, mein Hexlein. Die sieben Mal ertrag ich schon! Aber danke, dass du mich verteidigen willst." Er entblößte seinen Arm und nickte seinem Bruder zu, der die Injektion zügig erledigte und sich wieder verabschiedete.  
Selvaggia sah ihren Mann fragend an. "Was?" fragte dieser etwas gereizt, nach der Spritze. "Hilft es denn?" fragte sie. "Ja. Die Schmerzen sind zwar nicht weg, so lange ich meine privaten Probleme, die mich belasten nicht aus dem Weg geschafft, habe was allerdings nicht so einfach sein dürfte, da ich keine Ahnung habe, wie ich mir das Vertrauen meiner Kinder wieder verdiene. Sie haben echt Angst vor mir. das war mir gar nicht so bewusst. Vor allem Linnea, die fürchtet sich wohl fast zu Tode vor mir, da sie immer noch denkt ich bestrafe sie. Manchmal bin ich mir echt nicht sicher, wie sehr oder ob sie mich lieben. Ich hab’ keine Ahnung mehr was ich denken soll." sagte er traurig. Selvaggia war sehr betroffen, wusste aber nicht wirklich was sie sagen sollte, oder wie sie ihrem Mann bei seinen Zweifeln helfen konnte.
"Aber die Spritzen beseitigen den Schmerz soweit, dass du die Magenschmerzen leichter ertragen kannst und wenn sie stärker werden, helfen die Tropfen wieder?" fragte Ilse. "Ja Mutti." antwortete knapp. Ilse und Selvaggia warfen sich einen traurigen Blick zu, der sagte: "Wir müssen irgendetwas tun. Und wenn wir ihn nur mal auf andere Gedanken bringen."
Selvaggia und Ilse merkten, dass ihr Mann und Sohn am Frühstückstisch sehr angespannt war. Im Allgemeinen herrschte eine etwas gedrückte Stimmung. Ilse kümmerte sich um das Frühstück und die Brotzeit der Kinder und Selvaggia machte sich Gedanken, wie sie ihrem Mann aufheitern konnte. Ihm auch mal eine Freude machen. Aber je mehr sie nachdachte kam ihr in den Sinn, dass sie so wenig über ihn wusste. Sie wusste nur, dass er sich für Geschichte interessierte und Santiano mochte. Die Namen der anderen Musikgruppen hatte sie sich nicht gemerkt. Sie fand, dass das ziemlich dürftig war. "So ihr drei, Luciano, Luca, Sophia, auf geht`s Farida und Sarah warten auf euch." sagte er und erhob sich.  Er brachte seine Kinder in ihre Gruppe und schaute dann noch kurz bei Charlotte Brissac, der Leiterin der Kita vorbei, die auch die Erzieherin der Krippengruppe war, um ihr mitzuteilen, dass Linnéa heute nicht käme.
Als er wieder zurückkam hatten die zwei Frauen den Frühstückstisch bereits abgeräumt. "Habt ihr meinen Kaffee auch weggeräumt?" fragte er grimmig. "Ja, der war schon kalt, mein Schatz. Ich mache dir einen Neuen." sagte seine Frau sofort und machte ihm einen frischen Kaffee. "Danke." murmelte er.  Linnea saß am Küchentisch und starrte in ihren Tee.
Der Höllenfürst nahm seinen Kaffee entgegen und verließ wortlos die Küche, griff nach seinem Mantel und rauchte auf der Veranda. Anschließend kam er, noch immer seinen Mantel tragend wieder in die Küche, stellte seine Tasse auf die Küchentheke zu dem anderen Geschirr, das noch gespült werden musste und hielt seiner jüngsten Tochter die Hand hin. Langsam kam sie auf ihn zu und nahm sie. Kurz darauf erschienen sie im Wohnzimmer von Sandalephon und Kat. Als er seine Tochter los ließ, lief sie sofort zu den beiden und setzte sich auf Kat´s Schoß. "Geht es Elisabeth gut?" fragte sie und legte ihr kleines Händchen auf den Bauch ihrer Tante. "Natürlich, alles bestens!" sagte Kat glücklich.
"Warum habt ihr Kinder nur solche Angst vor mir? Meine Patenkinder kommen mit ihren Sorgen und Nöten zu mir, nur ihr, meine eigenen Vier fürchten mich..." murmelte Linneas Vater leise, aber trotzdem hörbar. "Hast du solche Angst vor mir, weil du denkst ich bestrafe dich?" Linnea sah ihren Vater an und nickte langsam. "Dann sei beruhigt. Ich werde dich nicht bestrafen... ich weiß, dass du nicht anders konntest. Ich war sehr wütend. Und wollte dich erst auch dafür bestrafen, denn normalerweise greift mich keiner ungestraft an. Aber... ich weiß mittlerweile, dass du nicht anders konntest. Du kannst deine Kräfte noch nicht beherrschen. Ich würde dir gerne helfen sie kontrolliert einzusetzen, denn wenn du in der Kita bestrafst, weil du denkst du musst es tun und es dich überkommt... ich glaube das wäre nicht gut und dann haben alle vor dir Angst, meine Süße. Und du brauchst keine Angst mehr vor mir zu haben. Ich werde dich nicht mehr bestrafen! Versprochen!" Sichtlich erleichtert sah Linnéa ihren Vater an. "D... danke Papa... und... meinst du wirklich die haben Angst vor mir? Meine Freunde in der Kita meine ich?" Er nickte. "Wenn sie merken, warum ihnen diese "Strafen" passieren, dann ja. Und ich möchte dir wirklich gern helfen das zu vermeiden, Kleines." "Glaub mir, Engelchen, dein Papa ist in sowas der Beste!" sagte Sandalephon leise. "Ja, wenn jemand was vom Bestrafen versteht, ist er das!" stimmte Kat zu. "Und immerhin ist er ein toller Lehrer - mir bringt er ja immer noch Magie bei." Linnéa sah nachdenklich von einem Erwachsenen zum anderen, dann rutschte sie von Kats Schoß und kam langsam auf den Höllenfürsten zu. Verlegen scharrte sie mit dem Fuß, sah zu Boden und flüsterte kaum hörbar: "Tut mir leid, dass ich dir wehgetan habe, Papa, ich... ich habe mich selbst ganz doll erschrocken, aber... ich... Onkel Sam hat mir erklärt, dass das unbewusst passiert ist, so einfach ausgebrochen ist... ich wollte nicht, dass du böse auf mich bist... Ich hab dich doch lieb, Papa..."
Der Höllenfürst seufzte. "Das weiß ich und ich verstehe es ja auch. Wieso glaubst du, dass ich sonst nicht schon längst eine Strafe für dich hätte? Überleg dir einfach ob du meine Hilfe willst um zu lernen mit deinen ziemlich starken Kräften umzugehen. Um ehrlich zu sein: Ich bin verdammt stolz auf dich, Linnéa. Vielleicht sollte ich das nicht sagen, aber ich sag es dir einfach, damit du weißt, wie sehr ich dich lieb habe und dir vertraue." Sie lächelte zaghaft. "Kann ich... darüber nachdenken?" "Ja, sag mir heute Abend ob du meine Hilfe willst oder nicht. Und dein Onkel und deine Tante können dich auch in die Kita bringen, wenn du magst. Du kannst aber auch bei Kat und Sandy bleiben, wenn du weiterhin Angst hast vor mir. Ich liebe dich, Kleines!" sagte er sehr liebevoll, bevor er verschwand. "Es ist erst neun Uhr, oder? Muss ich noch in die Kita oder darf ich hier bleiben?" fragte das kleine Mädchen. "Du kannst heute gerne bei uns bleiben. Ich muss erst morgen wieder in die Uni, du musst also heute Abend wieder zu deinen Eltern."
"Kann Papa mir wirklich helfen?" fragte Linnéa nachdenklich. "Wenn einer das kann, dann er." versicherte Sandalephon ihr. "Und wie ich schon sagte: Er ist ein echt toller Lehrer! Manchmal streng, gut, aber du lernst viel von ihm, wenn du wirklich lernen willst." sagte Kat liebevoll. "Wenn Elisabeth irgendwann solche... Fähigkeiten zeigen sollte, dann würde ich sie sofort zu deinem Papa schicken, damit der ihr zeigt wie man die kontrolliert." Das kleine Mädchen kam langsam zum Sofa zurück und quetschte sich zwischen Kat und ihren Mann. "Du hast Papa auch ganz dolle lieb, oder Kat?" "Ja, dein Papa ist ja mein Patenonkel - mein Lieblingspatenonkel, und ein wenig ist er auch wie ein Papa für mich. Ich habe ja Derek, der ist ja mein Stiefvater, denn meinen richtigen Papa den habe ich nicht richtig kennen gelernt und dann ist Derek dagewesen und ich konnte ihn immer um Rat fragen und so hat sich das dann ergeben, dass ich ihn sehr lieb habe. Und als meine Mama ihn endlich geheiratet hat, da war es irgendwie "offiziell" und er hat mich ja auch adoptiert. Und ich hieß dann nicht mehr nur Corrigan mit Nachnamen, sondern Corrigan-Rayne. Das hat mich glücklich gemacht und sehr stolz, denn er ist toll - genau wie dein Papa - und er heißt ja auch - weil er sich dafür entschieden hat als Familiennamen - Rayne." "Ich glaube, ich lasse mir von Papa helfen. Und... ich glaube, er ist etwas traurig... aber er weiß ja total viel über so viele Sachen wie Geschichte und so... können wir in ein Museum gehen und Papa und Mama und Oma Ilse fragen ob sie mitkommen? In die Babykrippe will ich nämlich nicht. Charlotte ist nett, Rose auch, aber die lassen mich nicht zu Lucas..."
Kat zwinkerte ihrem Mann zu. "Na, ich denke wir fragen mal bei deinen Eltern und deiner Oma an. Was für ein Museum willst du denn anschauen?" "Irgendeins mit Sachen aus ganz vielen anderen Ländern. Schiffe mag ich nicht so. Das ist mehr Lucianos Ding... Und Jasper und Christian mögen mehr so Aquarien, das finde ich auch langweilig." "Hm... das Überseemuseum in Bremen oder das Völkerkundemuseum in Hamburg?" schlug Sandalephon vor. "Oh, Übersee? Das hört sich nach Schiffen an... das ist bestimmt doof." sagte Linnéa. "Das hört sich so an, Linnéa, aber das ist kein Museum mit Schiffen, sondern ein Museum in dem all die Sachen ausgestellt sind, die die Leute mitgebracht haben wenn sie wiedergekommen sind von Handelsreisen aus eben Übersee, also aus Afrika, Asien, Amerika..." Linnéas Augen leuchteten. "Oh ja, dann erst nach Bremen und vielleicht auch noch nach Hamburg!" rief sie.
"Lucifer?" Der Höllenfürst fuhr innerlich hoch. Er hatte mit einer weiteren Tasse Kaffee in der Hand in seinem Arbeitszimmer vor sich hingebrütet. "Ja?" erkundigte er sich bei Sandalephon auf dem mentalen Pfad. "Linnéa möchte gern ins Überseemuseum in Bremen und vielleicht - wenn wir es schaffen noch ins Völkerkundemuseum nach Hamburg - und sie würde euch, also Selvi, Ilse und dich, gern mitnehmen. Wie ist es? Kommt ihr?" Merklich überrascht antwortete er: "Na gut, ich frage die zwei Damen ob sie Lust haben... und Linnéa will wirklich mich dabei haben?" Sandalephon übermittelte ihm das Gespräch und merkte, wie sein Bruder sich freute. "Also ich komme gern mit... gebt mir zwanzig Minuten, die werden Selvi und Ilse brauchen zum fertig machen wenn sie auch mitkommen."
"Dein Papa freut sich sehr und kommt gerne mit. Er fragt nur eben deine Mama und deine Oma." Linnéa sah ihren Onkel fragend an. "Freut Papa sich echt? Oder sagst du das nur so?" "Hey, dein Papa weiß mehr über menschliche Geschichte als jeder von uns. Der ist seit mehreren Tausend Jahren nicht mehr im Himmel und hat so viel erlebt. Einen besseren Museumsführer wirst du nie finden!" Sie lächelte ein wenig. "Ich bin mit Papa noch nie im Museum gewesen... ich... Lucas hat erzählt er war mit seinen Eltern mal in einem... Im Smithonian glaube ich... und in einem in Brasilien, wo sie mal im Urlaub waren, das war eins mit Völkerkunde - so Et... Ethologisch..." "Ethnologisch, also Völkerkundlich." verbesserte Kat lächelnd. Linnéa nickte. Zehn Minuten später erschienen die Raynes mit Ilse. "Dann wollen wir mal. Übrigens eine interessante Idee ins Museum zu gehen..." sagte der Höllenfürst und lächelte leicht als seine Tochter zaghaft ihre Hand in seine schob. Er drückte das kleine Händchen sanft und im nächsten Moment stiegen sie am Bremer Bahnhof aus einem Zug aus. "Was machen wir denn am Bahnhof, Papa?" fragte Linnéa leise. "Das Überseemuseum ist direkt am Bahnhof und das war die unauffälligste Möglichkeit so schnell hier aufzutauchen mit euch allen." flüsterte ihr Vater, der sie inzwischen auf den Arm gehoben hatte. Gemeinsam gingen sie zum Ausgang des Bahnhofes und betraten das Museum, "Papa, Onkel Sam, das ist doch ein Gartenhaus!" meinte sie wo Sandalephon lachend versicherte, dass es wirklich das Museum wäre und die Karten für alle löste und dann betraten sie das Museum. "Hier unten ist die Asien-Pazifik-Ausstellung. Die haben versucht das so zu gestalten, dass du dich fühlst als wärst du dort." erklärte Sanhdalephon Linnéa. "Oh, das ist schön, findest du das auch schön, Papa? Und du, Mama und Oma?" "Jou, is ja mal nett..." meinte Ilse und sah sich um. Selvaggia lächelte.
Und bevor das momentane Nesthäkchen der Raynes so richtig wusste wie ihr geschah, nahm ihr Vater sie auf eine abenteuerliche Reise mit in die Zeit der Kolonialmächte, des Überseehandels mit Segelschiffen und die vielen abenteuerlichen Wege die die Ausstellungsstücke genommen hatten. Er erzählte in der Amerika-Ausstellung vom Leben der Indianer, der Bisonjagd und Buffalo Bill und dessen "Wild West Shows" in Europa und schließlich auch über die traurige Geschichte der Sklaverei. Dabei war er so versunken in die Faszination seiner Tochter, die geradezu an seinen Lippen hing und ihn bewundernd ansah, dass er gar nicht merkte, wie sich ihnen zwei verschiedene Gruppen angeschlossen hatten und ihnen still und interessiert folgten. Er merkte auch nicht, dass Sandalephon in Chinesisch dolmetschte und Selvaggia in Italienisch, Kat ins Spanische und Ilse ins Englische. Die Museumsführerin der einen Gruppe wirkte völlig konsterniert, die andere freudig überrascht, als Sandalephon auch noch in Japanisch mit einigen der Museumsbesucher aus Fernost redete.
"Papa, was sind denn das für Köpfe hier?" fragte Linnéa und zeigte auf die beiden Figuren. "Das sind Benin-Bronzen. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Afrika ein kleines Königreich. Das hieß Edo - wie die Japanische Hauptstadt mal hieß. Die Könige von Edo wollten sich nicht von den Engländern zwingen lassen einen Handelsvertrag abzuschließen, der ihnen nicht so viel gebracht hätte, sondern nur den Engländern genutzt hätte - zumindest viel mehr als den Bewohnern von Edo. Und da haben die Engländer das kleine Königreich angegriffen und besiegt, es zu einem Kolonialstaat gemacht und den Palast des Königs ausgeraubt und dabei auch diese Bronzeköpfe, diese Skulpturen mitgenommen, die Könige und Königinnen darstellen sollen. Sie haben mehr als 2000 Bronzesachen geklaut, als Beute, und die dann verkauft. Daher sind die heute hier in diesem Museum und in Hamburg gibt es auch Benin-Bronzen... und in Amerika, und England... überall."
"Das war ziemlich böse..." "Tja... so ist das manchmal." murmelte der Höllenfürst und als sie nach fast zwei Stunden alles Interessante gesehen hatten, schreckte er hoch, als geklatscht wurde. Ein Japaner verbeugte sich und sagte dankend: "Domo Arigatou Goizamasu!" Sandalephon informierte ihn mental kurz amüsiert was er verpasst hatte und so deutete der Höllenfürst eine Verbeugung an und antwortete: "Dou itashi mashite." Auch die Italiener, Spanier und Chinesen bedankten sich freudig und waren erstaunt, als er ihnen in ihren jeweiligen Landessprachen mit "Gern geschehen" antwortete, wie er auch den Japanern geantwortet hatte. Als alle Mitglieder der zwei Gruppen sich verstreut hatten, meinte die eine Museumsführerin zu Selvaggia: "Meine Güte, meine Liebe! Sie sprechen ausgezeichnet Italienisch, haben Ihrer... Mutter? - noch in Englisch ausgeholfen und sprechen aktzentfrei Deutsch obwohl ich meine, Ihr Italienisch ist venezianisch?" "Si, ich komme aus Venezia... Venedig, meine ich... Dort bin ich geboren." Sie errötete und fasste fast schüchtern die Hand ihres Mannes. "Und neben Italienisch und Deutsch spricht sie auch noch ausgezeichnet Englisch und Französisch und auch Japanisch - wenn sie will. Meine Frau ist meistes viel zu bescheiden." "Nehmen Sie es mir nicht übel, Signora...?" "Rayne, Selvaggia Rayne..." "Signora Rayne, aber eine Sprachkoryphäe wie Sie könnten wir hier gut gebrauchen. Die Italiener und Franzosen sind etwas... anglophob und möchten eher Führungen in ihren eigenen Sprachen. Könnten Sie sich vorstellen hier Führungen zu machen? Gut, ich meine, ihr Mann hat ja wirklich faszinierend erzählt und Sie haben übersetzt, Sie müssten sich also in die Fachmaterie hineinarbeiten, aber... würde Ihnen... also hätten Sie Zeit und Lust uns zu unterstützen?"
In Selvaggias Augen leuchtete es erstaunt aber sehr erfreut auf als sie ihren Mann ansah. Er lächelte. "Das hört sich doch wunderbar an, mein Liebling. Was meinst du?" "Aber wir leben doch auf Norderney und..." "Schatz, du weißt, das wäre kein Problem. Und du bräuchtest dir auch keine Sorgen zu machen wegen des Geschichtswissens oder des Völkerkundlichen Wissens. Ich kann dir ziemlich viel beibringen, Derek kann dich Anthropologisch briefen und es gibt noch den einen oder anderen Verwandten von mir der dir auch etwas beibringen kann - und dann ist hier ja auch noch Frau Dr. Andresen." Verlegen sah Selvaggia die Historikerin an. "Ich weiß nicht... ich habe das nicht studiert, wissen Sie - und ich... ich lerne schneller Sprachen als so Fakten... mein Mann ist zwar Historiker, aber ich... bin dazu... nicht... gut genug..." "Na ja... überlegen Sie es sich - wobei... Norderney... liegt ja nicht um die Ecke..." Der Höllenfürst räusperte sich. "Das kommt darauf an, Frau Andresen... Tatsächlich könnte Selvaggia innerhalb von wenigen Minuten von Norderney aus hier sein." Überrascht sah sie alle sechs an - von der kleinen Linnéa bis zum Höllenfürsten und seiner Frau, sowie Ilse und dem anderen Paar. "Wie sollte das gehen?" "Mit... etwas Magie. Dr. Dr. Lucian Belial Rayne ist der höllische Botschafter und nun ja... zwischen der Botschaft und vielen der Wohnsitze der Raynes - oder ihrer Freunde und Familien - wie dem meiner Schwiegereltern beispielsweise - gibt es Portale. Hier könnte man irgendwo eins installieren und wenn Sie Selvaggia bräuchten könnte sie kommen. Allerdings... vielleicht wäre es erstmal besser, wenn Sie die Führungen weiter machen und Selvaggia dolmetscht, wenn nötig?" erklärte Sandalephon.
Die Historikerin sah die beiden Männer kurz an als forsche sie nach ob man sie gerade verspotten würde, dann seufzte sie. "Das ist jetzt nicht versteckte Kamera, oder?" Alle schüttelten den Kopf. "Papa ist wirklich der... ähm... Teufel... obwohl er sich nicht so genannt hat, so heißt nur Tante Maria mit Nachnamen - aber nur solange bis sie Onkel Michael heiratet..." flüsterte Linnéa fast verschwörerisch. Die Museumsführerin nickte. "Also das wäre auch nicht schlecht jemanden zu haben der dolmetscht. Und dies Portal hört sich interessant an." "Wenn es nur dolmetschen ist, ja. Das traue ich mir wenigstens zu. Geschichte - und das so viel davon - in so kurzer Zeit zu lernen, das besser nicht." "Nun, dann willkommen an Bord, Signora Rayne - und Sie Signore Rayne, wann immer Sie Zeit und Lust haben, können Sie gern eine Führung übernehmen - in welcher Sprache auch immer." Er lachte leise. "Leider lassen mir meine Pflichten als Botschafter, als Familienvater und Manager mehrerer Unternehmenszweige und der Hölle nicht so viel Zeit. Heute bin ich auch nur hier, weil mein Nesthäkchen unbedingt ins Museum wollte." Er reichte ihr eine Visitenkarte. "Wir sollten das nicht so zwischen Tür und Angel besprechen, Frau Dr. Andresen. Melden Sie sich und vielleicht haben Sie ja Lust am Sonntag zum Kaffee zu kommen. Ich lasse Sie abholen und dann können wir das ausführlich besprechen - ich denke, bis dahin kann meine Frau auch darüber nachdenken und dann sehen wir weiter." Sie verabschiedeten sich freundlich voneinander und die Historikerin führte sie in ein für die Öffentlichkeit nicht zugängliches Zimmer von wo aus sie verschwinden konnten.
Bevor der Höllenfürst verschwinden wollte, zog Sandalephon jedoch ein Etui aus seiner Jackentasche. "Mach mal bitte kurz deinen Oberarm frei, Großer!" sagte er und zog eine Spritze raus. "Muss das sein?" "Ja - ist schon drei Stunden über Zeit und ich muss dir die nächste ohnehin dann um ein Uhr nachts geben. Finde ich auch nicht so toll! Und glaub mir, wenn es eine andere Möglichkeit gäbe würde ich die vorziehen!" Seufzend und mit finsterem Blick gehorchte der Höllenfürst. "So, erledigt." "Echt - ich habe nicht mal was gespürt..." sagte er dann verblüfft. "Ich bin Kinderarzt - ich bin von Natur aus sehr vorsichtig. Ich kann meinen kleinen Patienten schließlich nicht einfach brutal eine Spritze hineinrammen! Und wo ich weiß, dass du..." Sandalephon grinste etwas fies, "so ein Weichei bist..." "Hey!" beschwerte der Höllenfürst sich und gab Kats Mann einen freundschaftlichen Stoß als sie gemeinsam in Hamburg erschienen.
"Keine Ahnung wie es euch geht, aber ich habe Hunger!" meinte Sandalephon und wies seinen Bruder unauffällig auf Ilse und Selvaggia hin, als der verneinen wollte. "Oh, ja, wir sollten unbedingt was essen gehen. Allerdings haben die Restaurants mit zwei oder drei Sternen noch nicht auf." "Landhaus Scherer? Hat einen Stern und hätte auf..." "Kinners, macht nicht so einen Firlefanz! Die werden hier doch irgendwo was Nettes haben wo man sich hinsetzen und was essen kann was genießbar ist! So ein Sterne-Kram braucht kein Mensch! Ich will was essen und nicht drei Salatblätter, einen Eurogroßen Saucenklecks und ein Stück Fleisch in Fingernagelgröße neben einer Karottenscheibe auf dem Teller haben!"  "Dann gehen wir ins "Trüffelschwein" - schönes 9-Gänge-Menü... wird dir gefallen, Ilse." sagte Sandalephon und grinste. "Ne, dat muss ich nich hem!" sagte die alte Dame resolut. "Wegen meiner können wir zur Nordsee oder so!" "Nein! Mutti, ich mag den ganzen Fischkram nicht! Da wird mir übel!" protestierte der Höllenfürst. Ilse schmunzelte. "Na gut, dann in diesen Edelschuppen - denke der hat ja wohl auch Sterne - aber ich finde das immer noch, dass so eine Verschwendung nicht sein muss!" Sandalephon lachte über Ilses Kommentar. "Da hast du schon mal einen Sohn der reich wie Krösus ist und mich auch dabei - und ich bin auch nicht gerade arm, also lass dich doch mal verwöhnen, Ilse!" meinte er und zückte sein Mobiltelefon. Zwei Minuten später hatte er einen Tisch für sechs Personen reserviert und sich auch erkundigt ob es möglich sei etwas kindgerechtes für Linnéa auf den Tisch zu bringen, was man ihm versichert hatte. "Die erwarten uns in zwanzig Minuten. Ich habe drei Mal das Classic-Menü und drei Mal das Puritanische Menü bestellt - haben aber beide neun Gänge und wir können notfalls austauschen was wir nicht mögen... Kalbsbries... also das habe ich allerdings gleich austauschen lassen - Hirn essen ist nicht so mein Ding..." "Passt schon..." meinte Ilse und klopfte ihm auf die Schulter.
"Dann können wir schon mal die Karten für das Völkerkundemuseum kaufen und dann gehen wir essen - gut, dauert so zwei Stunden, denke ich und dann sind wir um... hm... 15 Uhr wieder da? Spätestens? Und dann haben wir drei Stunden hier und ähm... Onkel Lucifer, ich glaube, du solltest Onkel Metatron bitten die Kinder aus der Kita zu holen..." meinte Kat nachdenklich. Der Höllenfürst lächelte. "Hab ich schon erledigt, macht er gern. Die Maria plant mit Frederica eh die Kita-Andachten zum Advent und wollen die Kinder mit einbinden und schauen, dass es auch Spaß macht." Sie erschienen vor dem Restaurant und wurden sofort zum Tisch geführt. "Möchten Sie das Menü mit Weinbegleitung oder ohne?" "Drei Mal mit - komplett - einmal glaube ich lieber Traubenschorle für die junge Dame auf dem Hochstuhl und zweimal... Selvaggia, Lucia, was mögt ihr?" fragte Sandalephon. "Ich nehme auch Traubenschorle, ich denke das wird Linnéa und mir schmecken." meinte Kat und zwinkerte ihrer Patentochter zu, die sie anstrahlte. "Ich hätte gern Wasser." sagte Selvaggia. und kurz darauf standen die gewünschten Getränke auf dem Tisch und der erste Gang wurde serviert. "Wer von den Herrschaften nimmt Süßkartoffeln mit Ei und Spinat und wer Adlerfisch mit Karotte und Dashi?" fragte der Kellner. "Ich nehme die Süßkartoffeln!" meinte der Höllenfürst hastig. Kat lächelte als Linnéa zögerte. "Ich glaub ich auch..." murmelnd. "Und dann nehme ich den Fisch." sagte sie. "Ich ebenso - Ilse, Selvi, was möchtet ihr?" "Och, ich nehm auch die Kartoffeln, will ich mal probier’n! Wenn es dir recht ist, Selvi!" "Ja, natürlich, Mutti!" sagte Selvaggia lächelnd.
Zweifelnd sah Ilse auf den Teller auf dem nicht wirklich viel drauf war, begann jedoch zu essen. "Joah. schmeckt ordentlich..." murmelnd. Linnéa aß mit Appetit und ließ ihren Onkel und ihre Tante probieren, die ihrerseits auch etwas von ihrem Fischgericht abgaben. Den Kabeljau mit Kürbis nahmen auch wieder die, die schon vorher den Fisch genommen hatten - nur Kat und Linnéa tauschten und Kat nahm die Safransuppe mit Koriander und Sesam von der die Kleine probierte - und nicht so begeistert war. Der gegrillte Römersalat mit Stör und das Gericht in dem Kalbsbries durch Kalbsfilet ersetzt worden war und mit Pilzen und Risotto serviert wurde, genauso. Den Jakobsmuscheln mit Roter Beete und Trüffeln sprachen Selvaggia, Ilse und Sandalephon zu, während die anderen drei das Maishun mit Sauerkraut und Pancetta vorzogen, genauso wie danach die Taube mit Banane, grünem Pfeffer und Topinambur, wobei der Höllenfürst danach den Schweinebauch mit Apfel und Granatapfel vorzog und Sandalephon die Taube überließ. Das Kalamansi-Sorbet ersetzte man für Linnéa durch ein Vanilleeis mit Schokoladensauce - "mit speziellem Gruß vom Küchenchef" - wie der Kellner mit einem Lächeln erklärte, nachdem Linnéa das Sorbet nicht gemocht hatte. Sandalephon nickte ihm dankend zu. Das Iberico-Schwein mit Trüffel, Petersilienwurzel und Schokolade nahmen Ilse, Sandalephon und Selvaggia, während die anderen die geschmorte Rinderschulter mit Fregola und Zwiebel nahmen. Linnéa probierte ungeniert bei ihrem Onkel und grinste. "Schmeckt auch gut - willst du meins auch probieren?" Sandalephon lächelte und schnitt sich etwas Rinderschulter ab.
Während Ilse und die Männer dann Schokolade mit Baileys und Cranberrys genossen, bekamen Kat und Selvaggia Kokos mit Zitrusfrüchten und Kardamom, und vor Linnéa stellte der Kellner mit einem Zwinkern Schokolade mit Sahne und Früchten hin. "Ohne Alkohol für das Fräulein." Und auch für den geeisten Ziegenkäse mit Estragon und weißer Schokolade bekam Linnéa etwas Anderes. "Unser Küchenchef meint, dass das Fräulein bestimmt Schokolade mag und hat extra ein Schokoladensoufflé mit Orange gemacht." Das kleine Mädchen nickte. "Uih, das ist lecker!" versicherte sie nachdem sie probiert hatte und sagte auch zu Kat und Sandalephon: "Das ess’ ich alleine, ich will auch von eurem Ziegenkäsekram nichts haben!" Die Schultern der beiden - und des Kellners zuckten verdächtig. "Ich werde es dem Küchenchef ausrichten, das Fräulein." versprach er.
Nachdem sie fertig waren, kam der Küchenchef zu ihnen an den Tisch, begrüßte Sandalephon herzlich - ganz offensichtlich kannten die beiden sich recht gut - und schüttelte allen die Hand. "Haben Sie das gekocht?" fragte Linnéa neugierig. Der Koch nickte. "Das war richtig lecker. Vor allem das Schokoladensouffé, davon habe ich Onkel Sam und Tante Kat auch nichts abgegeben! Und das Huhn war lecker - die Muscheln nicht so... Den Fisch mochte ich sonst so gerne... und die Taube auch, aber der Schweinebauch war auch gut... und das Ibiza... äh... Wie hieß das, Onkel Sam?" "Du meinst das Iberico-Schwein?" Sie nickte. "Also das mochte ich auch." "Freut mich zu hören, Fräulein Rayne." sagte der Küchenchef belustigt, aber sichtlich beeindruckt von der klaren Ausdrucksweise. "Und, ... kann Oma Ilse das Rezept für das Schokoladensoufflé kriegen?" "Linnéa, mien Deern, so große Köche verraten ihre Rezepte nicht! Das ist so als würde ein Zauberer im Zirkus seine Tricks verraten!" sagte Ilse tadelnd. "Für die Patentochter meines geschätzten Freundes Sam Dale-Ponte mache ich gern mal eine Ausnahme. Aber, junges Fräulein: Das bleibt unter uns! Und das bleibt ein "Familienrezept"!" Er sah sie streng an und blinzelte Ilse zu, die ihm lächelnd zunickte. Er ließ sich Stift und Papier bringen und schrieb das Rezept für Ilse auf. Mit einem Lächeln verabschiedete er sich in die Küche. Der Kellner brachte die Rechnung, die Sandalephon ohne mit der Wimper zu zucken mit einem vierstelligen Betrag zahlte und dann brachen sie ins Museum auf.
"Oh, Papa, schau mal, hier sind die Benin-Bronzen!" rief Linnéa begeistert. Der Höllenfürst lächelte. "Ja, und wenn du genau schaust, siehst du, dass sie anders aussehen als die in Bremen im Überseemuseum, aber durchaus ähnlich sind." Sie nickte und zog ihren Vater weiter, der ihr alles Mögliche erzählte bis sie schließlich in die Südamerika-Ausstellung kamen wo es um Karneval und Fußball ging. "Schau mal, Lucian, hier sind Heiligenfiguren - wobei die aber seltsam ausschauen, die Maria zum Beispiel..." sagte Selvaggia erfreut. "Wie schön, dass sie hier auch zeigen, dass Südamerika christlich ist." "Äh... Mama, das ist nicht christlich, das sind Candomblé-Figuren... die Figuren sollen aussehen wie Heilige aus der Kirche, aber das sind in Wirklichkeit afrikanische Götter... weil... man hat die Afrikaner ja entführt und als Sklaven verkauft und... und dann einfach getauft, ob die wollten oder nicht und dann waren die nicht wirklich Christen und mussten aber so tun..." Überrascht sah der Höllenfürst sie an. "Woher weißt du das denn?" Linnéa errötete und sah fast schuldbewusst zu Boden. "Irgendwie von Lucas... er und Christina waren vor zwei Monaten doch in Brasilien in Urlaub mit ihren Eltern und... und da hat Onkel Derek ihnen das erklärt... da waren sie auch in so einer Candomble-Kirche... oder ich glaub das heißt da Tempel... und... also ich hab’ ja geschlafen und... und... Lucas und ich... also wir können im Traum reisen - mit dem anderen..." flüsterte sie. Der Höllenfürst schluckte leise. "Okay... aber das ist doch sehr schön... und offensichtlich sehr lehrreich... und joah... Theologische Anthropologie - worunter das fallen dürfte, in gewissem Sinne - ist schließlich das Fachgebiet von Derek..." Sie sah überrascht, dass er nicht mit ihr schimpfte, hoch und lächelte zaghaft. Vorsichtig schob sie ihre Hand in seine und zog ihn mit sich, damit er wieder erzählen konnte. Da das Museum etwas kleiner war, kamen sie nach eineinhalb Stunden bereits raus.
"So, zurück nach Hause? Oder schauen wir in Paris vorbei?" fragte Kat und lächelte. "Ich bin für Paris. Ich denke, Sheila und Sylvie haben wenigstens was anständiges und Nahrhaftes auf den Teller gebracht und davon ist noch was da!" meinte Ilse energisch. Sandalephon brach in ein lautes Lachen aus, Kat grinste und der Höllenfürst schmunzelte. "Recht hast du, Mutti. War ja ganz in Ordnung in diesem Restaurant, aber täglich muss ich das auch nicht haben. Da ist mir die Kost in der Mensa auch lieber. Was haben die beiden doch gerade für eine Woche ausgerufen?" "Ich glaube, das Thema lautet "Bella Italia" oder "Griechenland - mehr als Gyros". Zumindest habe ich die zwei Sachen gelesen..." antwortete Sandalephon. "Oh, hört sich gut an!" meinte Ilse. "Ich glaube, ich habe auch wieder Hunger!" stimmte Linnéa zu und grinste als ihr Onkel sie ungläubig ansah.
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