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Der Lohn der Todsünden

GeschichteMystery / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character) Philip Callahan Rachel Corrigan
29.07.2018
29.07.2018
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29.07.2018 4.758
 
Eine gute Woche hatten der Höllenfürst und seine Familie in Neuseeland bei den McNeals, Sandalephons irdischen "Eltern" verbracht, nun kehrten sie nach Norderney zurück. Die Kinder freuten sich ihre Oma Ilse wieder zu sehen. Es war bereits Mitte Oktober. Die Familie Rayne saß an einem stürmischen, kalten und vernieselten Sonntagnachmittag auf Norderney im Esszimmer bei Kaffee und Keksen. "Ist das langweilig, wenn das Wetter so schlecht ist, dass man nicht raus kann." murmelte Sophia Aurora. "Warum denn nicht? Wir können doch einen Regenspaziergang machen." sagte Luciano grinsend. Seine Geschwister nickten zustimmend zu. "Au ja!" rief Linnea begeistert. "Die Idee ist eigentlich ganz gut. Gehen wir doch alle Spazieren. Was hältst du davon Ilse?" fragte Selvaggia. "Sicher. Gegen frische Luft ist nichts einzuwenden."
"Seid ihr verrückt? Es regnet, stürmt und ist eisig kalt draußen." protestierte der Höllenfürst. "Ach mein Junge. Mit der richtigen Kleidung ist das doch kein Problem und ein wenig frische Luft tut dir auch gut." sagte Ilse. "Danke, aber kein Bedarf an frischer Luft." antwortete er. "Bitte Papa! Komm doch mit!" bettelten seine vier Kinder. "Du bist überstimmt mein Junge!" sagte Ilse und reichte ihm seinen schwarzen Wintermantel und den dunkelblauen Schal, den seine Frau ihm mal gestrickt hatte. Widerwillig zog er sich an und folgte seiner Famie nach draußen. Die Kinder tollten am Strand mit Tiberia herum und hatten ihren Spaß. Ilse genoss den Spaziergang ebenfalls. Sie war das raue Wetter an der Nordsee gewohnt und liebte solche Spaziergänge. Selvaggia fand ebenfalls Gefallen daran. "Du solltest mit den Kinder und Tiberia herumtoben, mein Junge. Dann würdest du nicht so frieren." sagte Ilse lachend, als sie merkte, dass ihr Sohn vor Kälte zitterte. "Sehr witzig! Tiberia hasst mich und sie könnte mir meinen Mantel kaputt machen. Der ist immerhin ein Designerstück." murmelte er etwas genervt. "Ach Lucian! Als ob du ihn dir nicht wieder neu zaubern könntest." antwortete Ilse.
"Das wäre nicht der selbe Mantel. Ich liebe dieses Teil und er ist schon so herrlich eingetragen und wunderbar bequem." Seine Frau die ihn schon seit Anfang so kannte, grinste belustigt über die Konversation der beiden. "Du kennst doch Lucifer. Er muss seiner Ansicht nach immer schick aussehen, was er auch immer wieder schafft, auch wenn es sich um abgetragene und verwaschene Teile handelt. Sie waren nicht gerade billig und ich muss zugeben, dass du einen exzellenten Geschmack hast was Mode und Schmuck angeht. Auch wenn du dich komischerweise in letzter Zeit immer noch etwas legerer kleidest."  sagte Selvaggia. Ihr Mann grinste, da er wusste, dass sie darauf anspielte, dass er seine Hemden in letzter Zeit nur noch über der Hose trug. "Es ist bequemer und es gefällt mir besser. Und Krawatten trage ich ja noch nicht mal zu besonderen Anlässen. Mir schnürt es manchmal so schon fast die Kehle zu, da brauche ich nicht noch so ein Ding um den Hals." antwortete er.
Ilse verdrehte die Augen, da sie wieder einmal die arrogante und eitle Seite ihres Sohnes kennen lernte. "Dann kann ich dir für nächstes Mal gern das Ölzeug von meinem verstorbenen Willem geben! Ein schicker, zeitloser Friesennerz und der Südwester sind noch tadellos in Ordnung!" "Bist du jeck? Solch widerliches Gummizeug ziehe ich bestimmt nicht an, Mutti! Das wirkt ja als würde ich mich in meiner Freizeit als Kutter-Kapitän vergnügen wollen! Und du weißt, dass ich dieses stinkende Fischzeug nicht mal mag und auch Lachs fast runterwürgen muss! Wobei-... zugegeben, wie du ihn zubereitest, Mutti, mag selbst ich ihn." "Dann sei jetzt nicht so eitel, du kleine Frostbeule! Entweder du gehst jetzt mit den Kindern toben oder nächstes Mal leg ich dir Willems Ölzeug raus! Wobei..." sie wurde wehmütig als sie fortfuhr: "Mein Willem hätte dich gemocht, mein Junge! Obwohl er Kapitän war und..." sie sah plötzlich schweigend auf das Meer hinaus. Lucifer wusste instinktiv, dass Willem Meier auf See geblieben war und zog Ilse tröstend an sich. "Weißt du, Mutti... ich meine, wenn es dir so viel bedeutet... dann zieh ich das vielleicht irgendwann mal an, dies Ölzeug... vielleicht bei Sturmflut, wenn wir alle mithelfen müssen Deiche sichern..." Ilse grinste, antwortete aber nicht. Misstrauisch sah Lucifer sie an. "Du denkst jetzt nicht allen ernstes darüber nach Vater um eine Sturmflut zu bitten, oder?" Ilse lächelte versonnen und zuckte mit den Schultern. "Du weißt doch: Der Mensch denkt, Gott lenkt, mein Sohn..." "Merda!" fluchte der Höllenfürst.
Ilse kicherte und sah wieder zu den spielenden Kindern. "Mutti, manchmal graut mir vor dir!" "Aber du liebst mich trotzdem, min Jung." sagte sie trocken. Um die Mundwinkel des Höllenfürsten zuckte es.  Er legte liebevoll einen Arm um sie und meinte: Recht hast du, Mutti." Sein Blick fiel auf seine Frau, deren Schultern verdächtig zuckten, ihr Schal war ins Gesicht hochgezogen, doch er spürte, dass sie ein Lachen unterdrückte. "Und jetzt geh schon, ich glaub, du unterschätzt Tiberia. Sie ist ein reizendes Miezekätzchen. Vielleicht etwas größer als eine Maine Coon-Katze, aber anhänglich und du bist der Lieblingsonkel ihres besten Freundes und der Sohn deines Vaters der Christian Tiberia zu behalten ermöglicht hat - du gehörst zur Familie und Tiberia fällt Familie nicht an!" "Mutti, strapaziere meine Nerven bitte nicht! Tiberia und ich mögen einander nicht! Ich bin kein Freund von Haustieren und sie weiß genau, dass ich sie nur dulde, weil Christian bei uns wohnt, weil er hier zur Schule geht!" Ilse schüttelte lächelnd den Kopf, stieß Selvaggia an und meinte: "Wat is hei doch'n Sturkopp!" Wider Willen musste der Höllenfürst grinsen, zog Ilse an sich und flüsterte ihr ins Ohr: "Man gut, dass ich dich mag, Mutti, sonst würde ich mir schon überlegen welch hübsches Plätzchen ich in der Hölle für dich hätte..." Ilse zwinkerte. "Ach, ich denke, wenn es da warm genug ist krieg ich wenigstens keinen Rheumatismus und irgendein kuscheliges Plätzchen gibt es sicher auch da." meinte sie. Laut auflachend schüttelte der Höllenfürst den Kopf. "Du bist einmalig, Mutti - gewinnst selbst der Hölle noch positive Seiten ab..."  Wortlos tätschelte sie ihm die Wange.
Zur gleichen Zeit irgendwo in Madrid. Maria Cortez, stadtbekannte Kurtisane, war auf einer Feierlichkeit. Stolz trug sie das prunkvolle Collier mit einem dicken Rubin, das sie von einem der prominentesten Kunden und Nutzer ihrer Dienstleistung bekommen hatte. Neidische Blicke folgten ihr. Viele der anwesenden Frauen starrten fast gierig auf das prachtvolle Geschmeide. Mit einem selbstgefälligen Lächeln stolzierte Maria hüftschwingend am Präsidenten vorbei, warf ihm ein anzügliches Lächeln zu - er gehörte zu ihren Kunden - und nahm sich ein Glas des edlen Champagners vom Tablett eines Kellners. "Bring mir was von den Kaviar-Häppchen, Lakai!" herrschte sie ihn an. Der Mann zuckte zusammen ob ihres Befehlstons und beeilte sich ihrem Befehl nachzukommen. Im Laufe des Abends genoss Maria Cortez es sichtlich die Dienstboten zu scheuchen und mit den unsinnigsten Wünschen zu traktieren. Als sie zwei der Kellnerinnen tuscheln hörte - über sich - schlug sie dem "Flittchen" wie sie sie bezeichnete ins Gesicht, worauf die junge Frau, der sie mit dem Diamantring - einem Geschenk eines weiteren Verehrers - die Wange aufgerissen hatte, weinend die Villa verließ.
Mit einer inneren Befriedigung, weil sie gut gestellt war, schön, und dank der üppigen Bezahlung ihrer Dienste gut situiert und geschützt durch ihre Gönner mit einer Champagnerflöte mit edlem Champagner gefüllt trat sie auf den großen Balkon um in den großen Garten zu blicken. In diesem Moment kam der Vollmond hinter den Wolken hervor. Sein Licht brach sich in dem Rubin der aufstrahlte und dann schnappte plötzlich das eng anliegende Halsband zusammen und strangulierte sie - Maria röchelte und griff sich an die Kehle um sich das Halsband herunter zu reißen, doch das Schmuckstück zog sich immer enger zusammen und war fest und haltbar wie eine Stahlschlinge. Sie konnte nicht einmal mehr schreien oder um Hilfe rufen. Mit einem Röcheln brach sie zusammen und starb. Im Schein des Mondes verschwand das Schmuckstück während auf dem Oberkörper die eingebrannten Buchstaben "La Lujura" erschienen. Niemand vermisste sie und irgendwann wurden die großen Glastüren geschlossen, da es kühl wurde. Am Morgen fand das Reinigungspersonal die Leiche der Luxus-Kurtisane.
Als sie nach dem Spaziergang wieder zurück kamen zündete der Höllenfürst im Wohnzimmer den Kamin an, während Ilse für die Kinder und Selvaggia Tee kochte und für sich und ihren Sohn einen Pharisäer zubereitete. Anschließend saßen sie gemeinsam vor dem Kamin und genossen die warmen Getränke, als Kat und Sandalephon mit Kat`s kleinen Geschwistern auftauchten. Luciano und Linnea freuten sich total und umarmten Christina und Lucas sofort.
"Cooool!" rief Christian, als er sah, dass sie Halloweenkürbisse mitgebracht hatten. "Was haltet ihr davon, wenn wir Kürbisse aushöhlen und dann schöne Halloweenkürbisse schnitzen. "Ich bin dabei!" rief Christian begeistert. "Und ich suche schon mal Rezepte für eine Kürbissuppe, denn das Fleisch muss man ja nicht wegwerfen. "Ilse! Das Fleisch wird doch nicht gekocht! Dazu gibt es andere Kürbisse. Diese sind nur zum Kürbisgeister schnitzen." antwortete Kat. "Endlich mal jemand mit einer guten Idee!" sagte der Höllenfürst.
"Was ist denn das Halloween genau? Das ist doch ein Herbstfest?" fragte sie, während sie beim Aushöhlen der Kürbisse zusammensaßen. Christian, der ja aus Irland kam und mit diesem Brauch vertraut war erklärte seiner Oma Ilse diesen. "Oh das klingt aber toll! Die Kürbisse stellen wir dann raus und an Halloween ... Lucian du musst ganz viele Süßigkeiten besorgen und ..." "Sicher Mutti mach ich gerne!" antwortete er. "Warum wollt ihr denn Halloween feiern? So ein brutales und gruseliges Fest." murmelte Selvaggia entsetzt. Ihr Mann verdrehte genervt die Augen rieb sich die Schläfen, erhob sich etwas mühsam und sah kurz zu Sandalephon, der sofort verstand und seinem Bruder in die Küche folgte. Dort holte der Höllenfürst ein Glas aus dem Schrank. Sandalephon schob ihm eine Packung der Kopfschmerztabletten hin. "Ich habe schon den ganzen Tag starke Kopfschmerzen und keine Tabletten mehr vorher beim Spazieren gehen wurde es immer schlimmer und jetzt seit wir wieder zurück sind immer unerträglicher." stöhnte sein höllischer Bruder schmerzgequält.
Sandalphon nickte. "Sag das nächste mal früher etwas, auch wenn die Magentropfen alle sind." er grinste und öffnete einen Küchenschrank. Sandalephon grinste ebenfalls als er noch zwei der Fläschchen sah. "Mutti sorgt schon dafür, dass die Magenschmerzen zu ertragen sind. Sobald sie merkt, dass ich Schmerzen hab gibt sie mir etwas." Die beiden Engel sahen auf als Kat die Küche betrat. "Wer? Ilse?" fragte sie und trat neben ihren Lieblingspatenonkel, der zugleich auch ihr Mentor und eine Art Vaterfigur für sie war. Sie nahm seine Hand und lehnte sich an seine Schulter. Sie kannte ihn eigentlich mittlerweile so gut, dass sie immer merkte, wenn es ihm körperlich oder seelisch nicht so gut ging. "Wenn du nächste Woche nach Rom kommst um mich wieder in Magie zu unterrichten, dann bekommst du mal wieder eine Massage." versprach sie ihm. Er legte einen Arm um ihre Hüfte, drückte sie freundschaftlich und lächelte. "Wo hat Ilse denn ihre Messer? Ich wurde geschickt um Messer zum Schneiden und Schnitzen zu holen." Der Höllenfürst machte eine Handbewegung, mit der sich die Schublade mit den Messern öffnete. "Danke Onkelchen!" sagte sie lachend. "Gern geschehen." antwortete er knapp. Die beiden Engel folgten ihr in das Esszimmer, da sie dort mehr Platz für alle hatten. Die Kinder hatten viel Spaß beim Aushöhlen der Kürbisse. Kat bemerkte, dass die Kinder ihres Lieblingspatenonkels sich sehr freuten, dass sie mal etwas mit Mama und Papa machten, ohne dass diese sich ständig angifteten. "Lucifer, gehst du morgen Abend mit auf die Elternbeiratswahl im Kindergarten?" fragte Selvaggia ihren Mann beiläufig. "Sicher. Ich will doch die Info über den Vorkurs für die Schule nicht verpassen." antwortete er und zauberte unbemerkt ein wenig, da er merkte, dass er nicht gern in dem Kürbis rumwühlen wollte. Sandalephon hatte den leichten Magieschub bemerkt, genau wie Kat und die beiden grinsten einander an, während sie das "konventionell" erledigten.
Christian hatte Jasper mit eingeladen und die Jungs hatten sichtlich Spaß, Christian - für den es nicht der erste Kürbis war - half sogar noch Ilse eine Grimasse auf den ausgehölten Kürbis zu malen und herauszuschneiden, damit der Kürbisgeist auch gruselig wirken würde. "Oma, das wird ein Spaß!" meinte er begeistert. "Es gibt auch extra Süßkram für Halloween - zumindest in Irland und in Amerika. Kat und Onkel Lucifer können uns da sicher einiges besorgen und ich rufe auch bei Papa Astaroth an, der schickt sicher auch tolle Süßigkeiten." Als die Kürbisse fertig waren saßen sie noch gemütlich zusammen und die Kinder spielten zusammen, bis Kat ihre Geschwister nach Hause brachte.
In Washington betrachtete Kristina Lowry, reiche Industriemagnatin, sich selbstgefällig im Spiegel.  Sie war schön - trotz ihrer 50 Jahre sah sie - dank der Kunst von Dr. Blendent - sicher 15 Jahre jünger aus... für genug Geld konnte man auch Jugend kaufen...Mit einem zufriedenen Lächeln kontrollierte sie nochmals die kaum sichtbaren Narben von ihrer achten - oder war es die neunte gewesen - Fettabsaugung, dann ging sie ins Schlafzimmer, wo ihr 30 Jahre jüngerer Liebhaber sie bewundernd und fast mit hündischer Ergebenheit ansah. Sie musterte ihn, wie eine dicke fette Katze einen Topf Sahne beäugen würde, kurz bevor sie sich auf ihn stürzen könnte und bedauerte fast, dass sie ihn nicht würde demütigen können... Paolo, der hübsche knabenhafte Latino war ihr ergeben und unterwürfig wie ein getretener Hund, dem man alle Zähne gezogen hatte. Er liebte es sie zu verwöhnen, aber oft holte sie den Afroamerikanischen Gärtner - einen wahren Hünen - dazu und genoss Paolos Schreie, wenn sie ihm befahl Johnson, den Gärtner zu befriedigen. Was Kristina Lowry allerdings noch mehr liebte als das Demütigen von ihr Abhängiger war Essen - und Geld verdienen... Gerade hatte sie es geschafft, dass ihre Süßwaren- und Softdrinkfirmen in drei weiteren Bundesstaaten für die Pausenverpflegung von Schulen verantwortlich waren. Gesundes, schmackhaftes Essen, nahrhaft und sättigend... Kristina Lowry grinste fast verächtlich über die Dummheit der Behörden. Koche billig, verkaufe teuer - das war die Devise ihres Schulspeisungsprogramms.
Was die Staaten und die Eltern zahlten war das 3-4fache des wirklichen Wertes für eine Mahlzeit. Aromastoffe, Glutene, Geschmacksverstärker und Füllstoffe, billige Maisstärke, Farbstoffe und jede Menge anderer Chemie aus ihren Fabriken sorgte dafür, dass die Schüler fraßen was man ihnen vorsetzte - ohne zu murren. Wen interessierte es, ob sie in 10 Jahren fette, übergewichtige, arbeitslose und unfähige Couchpotatoes sein würden? Kristina Lowry? Sicher nicht! Der Fraß den sie an Schulen auf die Kantinentische werfen ließ würde niemals über ihren Gourmet-Gaumen kommen. Heute würde sie mit Paolo in ein feines, geheimes Restaurant gehen. Es stand Königstiger-Filet, Blauwal-Sushi und anderes erlesenes auf der Speisekarte - sämtlich von vom Aussterben bedrohten Tieren. Genüsslich leckte sie sich über die Lippen. "The Cook" wie er nur genannt wurde, verstand es meisterhaft die raren kulinarischen Genüsse zuzubereiten und zu wahren Genüssen zu machen.
Sie ließ sich von Paolo ins Kleid helfen und griff dann nach ihrem neuerworbenen Collier. Sie hatte es bei ihrem Juwelier entdeckt - üppige große Steine, Rubine, die zu ihrem rubinroten Kleid passten in dem sie wunderschön und verrucht aussah - mit ihren schwarzen - wenn auch täglich von ihrem Friseur gerichteten und am Ansatz stets nachgefärbten - langen Locken. Paolo legte es ihr an. Seine Hände zitterten. "Mi Amor, ich habe bei dem Schmuck ein komisches Gefühl..." murmelte er. Kristina Lowry lachte. "Dummes Zeug! Das ist Schmuck - für mich angemessener Schmuck, mehr nicht!  Ich denke, wir können dann gehen... ich habe für dich einen besonderen Leckerbissen reservieren lassen: Walpenis, ganz für dich allein, damit Kraft in deine Lenden kommt, mein feuriger Sugarboy." Sie grinste als sie Paolos entsetztes Gesicht sah.
Für die exklusiven Menüs von "The Cook" traf man sich immer gegen 22 Uhr. Es wirkte wie ein Treffen des "Who is Who" der Wirtschaft und Politik. Kristina Lowry begrüßte einen hochrangigen Vertreter des WWF. "Jaden, schön Sie wieder dabei zu wissen." Gegen 23 Uhr waren alle Gäste anwesend und nahmen am Tisch Platz. Es war der 30. Oktober... Als Einstieg gab es Haifischflossensuppe, danach Wal-Sushi. Kristina grinste als sie ihrem Toyboy - und darüber sollten alle sich amüsieren - den Walpenis servieren ließ. Die Uhr schlug leise Zwölf. Plötzlich fasste sie sich an die Kehle, röchelte, versuchte Luft zu bekommen... die Augen traten aus ihren Höhlen. Das Collier schien sich immer weiter zusammen zu ziehen. Kristina Lowry erstickte qualvoll. Entsetzt sahen alle wie sie vom Stuhl kippte. Verächtlich meinte Jaden - der WWF-Funktionär: "Schaffen wir sie in den Nebenraum - wir haben für das Essen bezahlt und sollten das auch genießen. Allgemeine Zustimmung. In den "feineren" Gesellschaftsschichten war für Mitleid nicht viel Platz. Man genoss das Mahl, und Paolo, dankbar, dass ihm der unappetitliche "Zwischensnack" auf allgemeine Zustimmung hin erspart blieb und vielmehr alle kosten wollten, schwor sich zu schweigen. "The Cook" beseitigte alle Spuren des Mahles und Paolo wurde von den anderen eingetrichtert, was er zu sagen hatte. Er sei austreten gewesen und als er zurückgekommen sei - seine Gönnerin habe ihn in das exklusive 5-Sterne-Restaurant zu Ehren ihres zweijährigen "Liebesjubiläums" eingeladen - wäre Kristina Lowry tot gewesen. Meldung wurde erst am übernächsten Tag gemacht - Paolo hatte im Zimmer hinter dem Büro geschlafen.
Sergeant Landry betrachtete die in ein rotes Abendkleid gekleidete Leiche und dann den Latinolover der alten - wenngleich auch durch viele OPs geglätteten und jünger aussehenden Milliardärin... Irgendwie wirkte der Mann verdächtig, auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, dass dieser winselnde junge Mann, kaum dem Strampler entwachsen, der Mörder sein könnte. Er sah sich im Lokal um - und ließ die Spurensicherung ihre Arbeit tun. Er nahm Paolos Daten auf und ordnete an, dass er sich zur Verfügung halten solle, falls noch Fragen aufkämen, dann ging er. Am Nachmittag wurde er in die Pathologie gerufen. Leicht angewidert betrat er den Raum in dem die nackte Leiche der Milliardärin auf dem Untersuchungstisch lag. "Sei nicht so schüchtern, Hank! Glaub mir, ist nicht das erste Mal, dass die Tussi so auf dem Tisch liegt! Mindestens neun Mal Fettabsaugung, Lidstraffung, entfernen von Tränensäcken und Schlupflidern, Nasenkorrektur, Implantate in den Brüsten, von den ganzen Liftings rede ich gar nicht!" Der Doktor war recht derb, aber ehrlich. Das mochte Landry an ihm. "Was hast du für mich, Lonny? Du hättest mich bestimmt nicht gerufen, wenn sie nur an einer Gräte erstickt wäre!" "Kommt drauf an - wäre eine sehr große Gräte gewesen:  oder besser... ein großer Knochen - Francine hat Walfleisch im Magen analysiert - Blauwal, steht auf der Liste der gefährdetsten Tierarten... Wir sind uns noch nicht ganz sicher, aber na ja... Nein, was ich dir zeigen will ist das hier: Komm rüber."
Landry beugte sich über die Leiche. Über dem Bauchnabel war eingebrannt das Wort: GREED. Gut, gierig war die Frau sicher gewesen. Wenn er daran dachte, was der Doc ihm kurz zuvor über die zahlreichen Eingriffe gesagt hatte, dann hatte dieser perfekt und recht jung wirkende Körper mehr gekostet als er bis ans Ende seiner Karriere verdienen würde. Zudem gab es Gerüchte, dass gerade wieder Verträge für Kantinenessen an Schulen geschlossen worden waren. Er hatte den Fraß einmal von Francine analysieren lassen nachdem seinem Jüngsten davon schlecht geworden war. Das Ergebnis hatte ihm den kalten Schweiß über den Rücken laufen lassen und seine Frau darauf bestehen lassen ihren Kindern sämtlich üppige und gesunde Lunchboxen zu packen damit sie den Fraß aus der Kantine nicht essen mussten. "Sonst noch was?" "Ja, sie ist wohl schon einen Tag tot gewesen... aber offenbar hat man sie gekühlt. Und wenn Walfleisch im Magen war... es gibt Gerüchte, dass es einen Zirkel von Leuten gibt, die sich regelmäßig treffen und Unsummen zahlen um vom Aussterben bedrohte Tiere als Steak und anderes auf dem Teller zu haben. Scheint, dass die Lowry dazugehörte. und der Blauwal wird nicht das einzige Tier auf der Artenschutzliste gewesen sein, was die in sich reingestopft haben. Die Lowry ist nur nach dem ersten oder zweiten Gang abgekratzt. Komischerweise ist sie erstickt - scheint ihr hat etwas in Größe eines Taubeneis auf die Kehle gedrückt. Außerdem ist eine dünne Linie zu sehen, fast wie von einer Kette. Wenn man mit dem Mikroskop schaut - ich habe etwas von der Haut hinten rausgeschnitten - kannst du Kettenglieder erkennen. Aber sie hat keinen Halsschmuck getragen. Entweder wurde der entwendet oder die dünne Linie stammt von irgendwelchen obskuren "Liebesspielen". Miller hat erzählt, sie hat wohl einen Toyboy gehabt, der nicht mal halb so alt war wie sie."
Landry nickte. "Hat sie. Total verängstigter Latino. Wenn du willst, kannst du gern bei der Befragung dabei sein. Ich werde ihn wohl morgen nochmal aufs Revier bestellen." Der Doc winkte ab. "Ich bleib lieber mit meinen Toten allein. Die meckern nicht wenn ich mal daneben schneide und fluche und so..." Mit einem Grinsen verabschiedete Landry sich.
Auf Norderney verlief der Morgen des 30. Oktobers dagegen ruhig.  Die Raynes und Christian saßen zusammen mit Ilse im Esszimmer und ließen sich das Frühstück schmecken. Wie immer steuerte der Hausherr seine schlechte Guten-Morgen-Laune bei. "Onkel Lucifer, darf ich jetzt in der Schule sagen, dass wir zu Halloween Süßigkeiten ausgeben und wer mitmachen möchte, schmückt sein Haus ebenfalls mit Kürbissen?" wagte es Christian seinen Onkel anzusprechen. "Mach das." antwortete dieser knapp. Der Junge schenkte ihm ein Lächeln und verabschiedete sich freundlich von ihm und den anderen, da er jetzt in die Schule musste. "Ach Linnea! Hör sofort auf mit der Trödelei und mach, dass du fertig wirst. Wir müssen langsam los!" ermahnte sie ihr Vater streng.
Nachdem Selvaggia und er die Kinder in die Kita gebracht hatten, tauchten sie wieder in der Küche auf Norderney auf. Er ließ die Hand seiner Frau los, um sich an der Kaffeemaschine zu schaffen zu machen, um seinen zweiten Kaffee zu trinken. Selvaggia bediente sich an dem Tee, der noch vom Frühstück übrig war. Ilse betrat gerade mit dem letzten Geschirr die Küche, räumte es in die Spülmaschine und setzte sich dann zu ihren Kindern an den Küchentisch.
"Ein tolles Frühstück! Zigaretten und Kaffee! Seit wann rauchst du denn auch noch so viel?" fragte Selvaggia ihren Mann mit vorwurfsvollem Unterton, als dieser eine Schachtel Zigaretten und ein teures Zippo-Feuerzeug aus seiner Jackettasche zog. Lucian knallte seine Kaffeetasse auf den Tisch, so dass der Kaffee überschwappte, erhob sich und schlug mit der Faust auf den Tisch. "Was soll das, Selvi? Jeder zweite Mensch raucht. Und mir schadet es noch nicht mal! Warum regst du dich deshalb so auf? Ich bin es langsam leid mir immer wegen so widrigen Kleinigkeiten Vorwürfe von dir machen zu lassen! Wenn du das machst, weil dir langweilig ist, dann such dir verdammt nochmal ein Hobby oder sonst eine Beschäftigung. Ist mir egal was. Hauptsache du hörst endlich auf mir ständig Vorwürfe zu machen! Ich bin es leid und habe keine Nerven mehr für so einen Mist. Und du wusstest genau auf wen du dich einlässt." brüllte er blickte dann kurz traurig zu seiner Mutti und verschwand. "Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Ständig machst du deinem Mann irgendwelchen Stress. Kein Wunder, dass sein Magen schon wieder rebelliert und das Schlimmste ist, du lernst nicht mal daraus und machst es immer wieder. Du kannst echt froh sein, dass Lucian die Familie so viel bedeutet. Er wird sich zwar nicht von dir trennen, aber wenn du so weitermachst, dann besteht eure Ehe irgendwann nur noch auf dem Papier." fauchte llse ihre Schwiegertochter verärgert an und verließ sichtlich wütend die Küche.
Selvaggia saß da und starrte vor sich hin. Tränen rannen ihr die Wange hinunter. Sie griff zu ihrem Handy und wählte eine Nummer in Rom. "Hallo Catherine, kannst du mich bitte zu euch holen oder Sariel. Bitte, bitte ich muss hier weg und auch mit jemandem reden." sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Kurz darauf stand Sariel neben ihr. Er nahm seine schwesterliche Schwägerin an der Hand und tauchte mit ihr zusammen wieder im Wohnzimmer seines Palazzos in Rom auf. Sie brach in Tränen aus, woraufhin Catherine zu ihr eilte und sie tröstend in den Arm nahm. "Was ist denn passiert?" erkundigte sich Sariel, nachdem sie sich wieder ein weng gefangen hatte. Selvaggia erzählte den beiden alles.
Sariel seufzte. "Und da wunderst du dich, dass Lucifer sauer ist? Du müsstest ihn eigentlich mittlerweile gut genug kennen, um zu wissen, dass ihn Vorwürfe dieser Art auf die Palme bringen und ihn auch tief verletzen, da sie echt unsinnig sind. Lucifer kann nicht sterben an Alkohol und Nikotin. Das einzige was du damit erreichst ist, dass er durch körperlichen Schmerz leidet. Neben den Kopfschmerzen, die wir Seraphim haben, weil wir uns fast dauerhaft auf der Erde aufhalten, kommt bei Lucifer der Reizmagen dazu, woran du, wenn wir jetzt mal ehrlich sind liebe Selvi nicht ganz unschuldig bist." Die schöne Hexe sah ihren brüderlichen Freund und Schwager fragend und entsetzt an. "Dir ist tatsächlich nicht bewusst, was ein Reizmagen ist?" Selvaggia schüttelte den Kopf. "Das ist eine chronische Krankheit, hervorgerufen durch psychische Probleme, bei der man keine körperlichen Ursachen feststellen kann.  Bei Lucifer vermute ich richtig starke Bauchkrämpfe. Hinzu kommen noch ein paar andere Sachen und Selbstheilung ist keine Option, da er dies sonst den ganzen Tag machen könnte."
Selvaggia starrte ihn entsetzt an. "Das war mir gar nicht so bewusst. Ich habe noch nie mitbekommen, dass Lucifer sich übergibt und ... ist der Schmerz wirklich so stark?"
Sariel nickte. "Sandalephon, der Forscher in der Familie, hat speziell diese Magentropfen für Lucifer entwickelt. Er hat sie mir gezeigt. Sie sind extrem stark und Lucifer muss selbst diese mehrmals am Tag nehmen um die Schmerzen auszuhalten." Selvaggia, der das nie so bewusst war, wie sehr ihr Mann unter ihrem Gezicke zu leiden schien, brach ein weiteres Mal in Tränen aus. "Das ... wollte ich ... doch nicht. Ich wusste nicht ... Ich will das doch nicht, dass Lucifer ...  aber ich ... kann mich selbst kaum ertragen ... ich bin ..." schluchzte sie und brach ab. "Sag das Lucifer und nicht mir." sagte Sariel etwas traurig klingend. "Aber Lucifer hört mir jetzt bestimmt nicht mehr zu nach all den bisherigen Entschuldigungen." "Das soll ja keine Entschuldigung sein, Selvi. Lediglich eine Erklärung, dass auch Lucifer weiß wie du dich fühlst." sagte Catherine. Selvaggia nickte verstehend. Sie musste unbedingt nochmal mit ihrem Mann reden. Doch erst mal wollte sie sich etwas ausruhen, da ihr die Schwangerschaft etwas zu schaffen machte und bat Sariel und Catherine, sich bei ihnen kurz hinlegen zu dürfen.    
Währenddessen saß Lucifer in seinem höllischen Arbeitszimmer und machte sich dort über die Akten her. "Ja!" antwortete er sehr gereizt, als es etwa eine Stunde später an der Tür klopfte. Sandalephon trat ein. "Was willst du?" fragte er giftig. "Sei nicht so garstig zu mir, ich habe dir nichts getan." antwortete der Erzengel beider Seiten. Der Fürst der Hölle seufzte, lehnte sich in seinem Chefsessel zurück und presste sich eine Hand fest auf den schmerzenden Magen. Sandalephon setzte sich seinem Bruder gegenüber an dessen Schreibtisch und sah ihn besorgt an. "Sariel hat mich kontaktiert, da er nicht selbst hier her kann. Selvaggia ist bei ihm in Rom und hat ihm alles erzählt. Er meinte sie wäre total aufgelöst gewesen und hätte mehrmals zu weinen angefangen. Er hat mir das Gespräch per Gedankenübertragung geschickt. Ich weiß also auch was vorgefallen ist und er hat deine Frau über deinen Reizmagen aufgeklärt. Er meinte es schien ihr gar nicht bewusst zu sein, welch starke Schmerzen du da hast und sie wäre sehr betroffen gewesen. Ihr solltet dringend reden. Und das Problem ein für alle Mal klären. Eure Kinder bekommen eure Eheprobleme auch schon mit und leiden darunter. Ich werde heute Nachmittag mit ihr auf Norderney vorbeikommen." sagte der Erzengel und verschwand, nachdem er seinem gefallenen Bruder ein neues Fläschchen der Magentropfen hinstellte. Der Höllenfürst tat zwei Tropfen auf seinen Finger und leckte diesen dann ab. Er widmete sich wieder seinen Unterlagen.
 
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