「In Memory of a Rose」

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Ken Kaneki Kishou Arima OC (Own Character)
28.07.2018
17.09.2019
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28.07.2018 1.161
 
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//22. Oktober 2018, 9:18 Uhr, 23. Bezirk, Edogawa, Cochlea//


Unendlich quälender Schmerz, wie ein Loch das sich in ihre Brust bohrt und ihren Geist vergiftet. Dieses Gift breitet sich immer weiter in ihrem Körper aus. 
Horu ist Krank, doch nicht körperlich, sondern psychisch.
Mittlerweile ist die Welt für sie in ein melancholisches Schwarz Grau getränkt und die wundervollen Klänge des Lebens sind nur noch stumpfe Geräusche, die einfach so an ihr vorbei ziehen.
Doch es war nicht immer so. 

Einst war sie ein einfaches Mädchen, ohne Sorgen und Kummer. 
Nun ist sie einfach gefangen in dieser neuen und ihr völlig fremden Welt, fehlgeleitet durch Liebe und Anerkennung für einen einfachen Mann. 
Doch für sie ist er das Gegenteil von einfach, durch seine Hand erlangte sie damals die Rettung, nach der sie sich ihr Leben lang gesehnt hatte.
Er war damals derjenige, der ihr als erster und einziger die Hand reichte und ihr etwas versprach.
„Du musst dein Leben nie wieder deiner Einsamkeit widmen. Komm mit mir und ich werde ihm einen Sinn geben.“
So merkwürdig wie diese Formulierung auch klingt, sie jagt ihr bei jedem Gedanken einen Schauer über den Rücken. 
Es ist das erste mal das jemand Potential in Horu erkannte. Nichteinmal sie selber würdigt ihre Existenz. 
Er erlöste sie von der Einsamkeit und nahm sie mit sich, kümmerte sich um sie. Dafür legte sie ihr Leben voll und ganz in seine Hände. 
„Wenn meine Existenz jemand anderen glücklich machen kann, dann soll ich auch glücklich damit sein. Und wenn ich nur das Mittel zum Zweck bin, dann werde ich diese Aufgabe mit Stolz absolvieren.“
Genau das war der Tag, an dem alles begann.

Doch trotz der Versprechungen ist Horu wieder alleine. Es bedrückt sie ein wenig, doch sie hat ihm versprochen auf ihn zu warten. 
Es ist nicht das erste mal, dass er längere Zeit weg ist, doch umso schöner war das Gefühl, wenn er wieder da war.
Auch wenn dieses mal gefühlt mit Abstand der Längste Zeitraum ist. Doch das bildet sie sich bei jedem mal gerne ein.
//Stopp, du wirst wieder selbst mitleidig, du willst ihn doch nicht bedrängen.//
Schwermütig liegt ihr Körper auf einer schlichten und weißen Matratze. Ihre Gedanken fliegen umher, wie sie es immer tat, wenn sie einfach dort lag.
Außer einigen Büchern befindet sich nichts in ihrer 14qm kleinen Zelle. Er hat sie ihr mitgebracht. 
Jedes mal wenn er länger nicht da ist, bringt er ihr ein neues Buch zur Entschuldigung mit. 
In der Zelle hat sie eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, jedoch nutzt sie diese selten bis gar nicht. 
Um genau zu sein ist ihr das nicht mal möglich. Ihr Körper ist jede Stunde die sie wach ist mit diversen Medikamenten vollgepumpt. 
Deswegen liegt sie des öfteren stundenlang auf der Matratze und starrt gegen die graue, metallische Decke. Falls es ihr Zustand erlaubt, liest sie.

Alle paar Wochen gibt es andere Medikamente, einige lassen sie Stunden- bis Tagelang durchschlafen, andere halten sie wegen nervösem Zittern unerträglich lange wach. 
Doch das sind noch die schönsten Nebeneffekte. Dazu gibt es Täglich eine Untersuchung und die immer selbe Ration Medikamente. 
Die kleinen, runden, gelben Tabletten und eine Injektion. Doch was genau diese bewirken, weiß sie nicht, trotzdem lässt sie es Tag ein Tag aus über sich ergehen. 
Immerhin findet es auf seine Anordnung statt.
Ein Zeitgefühl hat Horu schon lange nicht mehr. Es könnten erst einige Wochen vergangen sein, seit dem sie von ihm hierher gebracht wurde, oder aber auch ein Jahr.
Es ist auch nicht wichtig, wie lange sie schon hier ist, denn sie hat sowieso nicht vor zu gehen. Auch wenn sie etwas Sehnsucht nach der Außenwelt hat.
Schon oft hat sie ihn gebeten spazieren zu gehen, doch es ist ihr strikt verboten.
„Eines Tages, wenn es dir besser geht, werde ich dich in die große, weite Welt mitnehmen.“
Glücklich klammert sie sich an seine Worte. Sie hat auch keine andere Wahl, denn ohne diesen Gedanken wird sie wohl möglich verrückt werden.

Heute ist glücklicherweise einer dieser Tage, an dem ihr Körper ihr erlaubt zu lesen.
Eingepackt in einem Kleid ähnlichen, weißen Kittel und diversen Verbänden, sitzt Horu im Schneidersitz auf der Matratze, in ihrer Hand ein Buch.
Das junge Mädchen hat Haut wie Porzellan. Doch mittlerweile sieht sie eher gebrochen aus, übersät von verfärbten Blutergüssen und einer breiten Narbe über ihrem Steißbein. 
Unnatürliche Blässe zeichnen sich auf ihren porösen Lippen aus. Zitternd streifen ihre Finger die scharfe Kante des rauen Blattes. Summend blättert sie diese um.
Horu's langes, welliges, tiefschwarzes Haar ergießt sich über ihren Rücken und endet an ihrer Taille.
Den stufigen Pony trägt sie als Seitenscheitel, er verdeckt ihr rechtes Auge. Bis auf einige kürzere Strähnen, trägt sie ihre Haare hinten.

Der einband des Buches, welches sie in den Händen hält ist weiß, mit einem roten Streifen im unteren drittel. Ein schwarzer, dünner Kasten umrandet die roten Farbspritzer im Hintergrund. 
Im Vordergrund steht groß und deutlich: Das Ei der schwarzen Ziege. Es ist das erste Buch welches sie sich von ihm gewünscht hat. 

Damals fand sie im Regen ein Buch von dem selben Schriftsteller, Sen Takatsuki.
Lieber Kafka, genau, so hieß es. Und sie kannte jedes Zitat in und auswendig, so oft hatte sie es schon gelesen.

Drei Köpfe waren geschmolzen wie der Mörtel im Mixer.
Alle Wunder waren bereits verbraucht.
Ihre Körper lagen nun auf dem kalten Asphalt.
Getötet.
Ich habe sie getötet.
Habe ich sie wirklich getötet?
Ich wusste nicht mehr, was die Wahrheit war.
Im nächsten Moment öffneten sie ihre Augen – wie ein weibliches Genital.
Sie flüsterten mit der Stimme meiner Mutter ins Ohr.
„Du.“
„Du.“
„Du.“
„Du.“
„Warum hast du gedacht, dass du geliebt wirst?“
„Du hässliches Entlein.“-


Ein ihr bekanntes Geräusch entreißt sie aus ihrem Bann. Ein tiefes dröhnen hallt in der Ferne durch die unendlich tiefe Stille. 
Ihre Ohren vermerken ein kaum hörbares quietschen von Gummi auf Metall, welches im gleichen Schritttakt immer lauter ertönen, als würden sie auf sie zukommen.
Diese Geräusche kennt sie nur all zu gut.
Aufgeregt kneift sie ihre Augen zusammen und ein Grinsen ziert ihre Lippen.
//Wer wird es wohl dieses mal sein? Das böse Onkelchen mit dem grimmigen Blick vielleicht?//
Horu spricht gedanklich zu sich selber während sie in sich hinein kichert.
Das Geräusch stoppt und ein leises piepsen ertönt, gefolgt von einem schwerfälligen knarren. Dies ist ihr Zeichen. 
Mit einem mal klappt sie das Buch mit ihren Händen zu, und hebt ihren Blick.
„Ist es schon wieder Zeit für meine Medika-“, doch sie stoppt abrupt ihren Satz als ihre Augen erhaschen, wer sich dort im Türrahmen befindet.
Der staubige Atem staut sich in ihrer Kehle. Die Augen weit geöffnet und gefüllt von Überraschung aber auch Ehrfurcht.
Stille, es sind nur einige Sekunden, doch für Horu ist es, als ob sie in der Unendlichkeit des Moments gefangen ist.
„Guten Tag, Horu.“, eine tiefe Stimme schneidet die Stille. Sie ist rau und monoton, hat keinerlei Emotion in ihr.
„Arima...“, presst sie mit aller Kraft zitternd raus.
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