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Der Mörder des Mörders - Die 126. Hungerspiele

MitmachgeschichteSci-Fi, Tragödie / P18 Slash
28.07.2018
14.01.2021
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14.01.2021 2.924
 
Sie waren gestern noch eine halbe Ewigkeit durch das Gewirr an Gängen in diesem Kerker geirrt ohne wirklich vorwärts zu kommen. Das nervte Milvan. Er war ein Mann der Tat, wollte handeln und nicht ewig die Spielchen des Kapitols mitspielen. Natürlich lag es ihm fern zu jammern, immerhin waren das die Hungerspiele und niemand hatte erwartet, dass diese angenehm würden, aber dennoch missfiel es ihm. Was wäre gewesen, wenn er an Terences Stelle auf den Tisch gefesselt und diesem Wahnsinnigen ausgeliefert gewesen wäre? Keine Chance hätte er gehabt. Genauso wenig wie der Dreier, wenn Milvan nicht eingegriffen hätte.
Der Kerker war nicht besonders aufregend. Es gab verschiedene Zellen, die der ähnelten in welcher Milvan aufgewacht war und der in der er Terence gerettet hatte. Allerdings waren keine weiteren Tribute auffindbar gewesen, also vermutete Milvan, dass der Kerker nicht die ganze Arena darstellte. Ansonsten hatten sie nur ein Wärterzimmer gefunden mit einer Treppe nach oben, die aber von einer schweren Eisentür versperrt gewesen war. Milvan vermutete sehr stark, dass das ihr Ausgang nach oben war, aber im dunklen Kerker den dazugehörigen Schlüssel zu finden war wie die berühmte Nadel im Heuhaufen.
Und man musste auf die mutierten Spinnen aufpassen. Bisher hatten sie noch nicht angegriffen, aber es wimmelte in den dreckigen Gängen nur so von den Biestern. Groß wie ein Basketball, mit acht langen, haarigen Beinen und leuchtend roten Augen. Milvan hatte vorsichtshalber dennoch alle die er hatte erwischen können mit seinem provisorischen Morgenstern zermatscht. Terence hatte ihn skeptisch gemustert, aber Milvan war das egal gewesen. Der Junge verdankte sein Leben nur ihm, er war der Stärkere und somit ganz klar der Anführer in ihrem aus der Not heraus geborenen Bündnis.
Außerdem lenkte es ihn ab. Von der Tatsache, dass er einen Menschen getötet hatte und von seinen daraus folgenden Gefühlen. Er hätte erwartet, dass er mehr fühlen würde. Schuldgefühle oder irgend so etwas in der Art. Doch er fühlte nichts. Es war ihm schlichtweg egal. Er hatte mehr Gefühle, wenn er die Tiere zu Hause auf dem Schlachthof schlachtete. Neill McSpear war ihm so egal gewesen wie die Spinnenmutationen, deren Schicksal er geteilt hatte.
Er verspürte nicht mal Genugtuung, dass er diesen schrecklichen Mensch, diesen Folterer und angeblichen Kinderquäler aus dem Leben genommen hatte. Im ersten Moment, ja. So hatte er sich Mut zugesprochen als er vor der Tür stand, die Schreie von Terence hörte und durch die Gitterstäbe sah, was der Sechser mit ihm machte. Hatte an seinen kleinen Bruder Bosna gedacht und dann an die Gerüchte über den Sieger. Da war es ihm leicht gefallen, den Raum zu stürmen und mit der Kette zuzuschlagen. Aber jetzt war es auch egal. Aber es hatte ihm ein eigentümliches Gefühl von Macht gegeben, als der stinkende Mann schreiend zu Boden gesunken war und sein Blut sich im ganzen Raum verteilt hatte. Irgendwie wollte er mehr davon. Vielleicht hätte er Terence auch einfach weiter foltern können anstatt ihn zu befreien.
Doch nein! Was dachte er denn da? Milvan Pecta war nicht solch ein Monster. Er hatte nur getan, was getan werden musste und das würde er auch weiterhin. Deshalb tötete er auch die Spinnen. Es waren Mutationen und man wusste nicht, wozu diese noch fähig sein würden.
Er stellte sich jedenfalls auf weitere nervtötende Stunden des Suchens nach dem Schlüssel oder einem alternativen Ausgang ein. Wenigstens war Terence ein einigermaßen leidlicher Zeitgenosse. Nicht so wie diese Mave aus seinem ursprünglichen Bündnis.
Was aus seinen eigentlichen Verbündeten wohl geworden war? Auf die beiden Alten hätte er verzichten können, ebenso auf Mave, aber Hesper hatte er fast gemocht. Eine gute Frau. Tatkräftig. Sagte, was sie dachte. Surav war auch okay gewesen. Bis auf die Siegerin aus Elf waren sie alle noch am Leben. Milvan fragte sich nur, wie lange noch.
„Dann lass uns weitersuchen“, meinte er kurz angebunden zu Terence, welcher sich gerade müde den Schlaf aus den Augen rieb, während er sich von der anderen Pritsche im Wachraum in dem sie genächtigt hatten, erhob. Milvan umfasste seinen provisorischen Morgenstern und steckte seinen Dolch in den Gürtel. Eigentlich war es ja Terences Dolch, aber Milvan hatte sich gedacht, dass er ihn als Preis für die Rettung an sich nehmen würde. Terence hatte nichts dazu gesagt. Ohnehin konnte der Zehner viel mehr mit einer solchen Waffe anfangen als der kleine langhaarige Junge aus Distrikt Drei. Milvan bezweifelte nämlich, dass dieser schon einmal geschlachtet hatte.
Außerdem hatte er den Dolch ohnehin komplett willkürlich gewonnen. Milvans Gruppe und Terence waren im Finale der Schnitzeljagd gewesen und dann hatten die Spielemacher einfach entschieden, dass Terence der Sieger sein und die Waffe nach Wahl kriegen sollte. Dabei war sein Sieg eigentlich komplett unrealistisch gewesen gegen sechs Leute. Aber wie auch immer. Jetzt waren sie mehr oder weniger ein Team. Wenn Milvan seine anderen Leute wiedergefunden hatten, könnten sie immer noch überlegen, was sie machten. Bis dahin hatte Terence die Chance, sich zu beweisen.

Milvan ging voran und kaum war er wieder in den Kerkergang getreten, erblickte er die rotglühenden Augen einer weiteren Spinnenmutation an der Wand. Schwungvoll holte er mit seiner Kette aus und zermatschte das Vieh mit der zugehörigen Kugel. Ein Problem weniger. Man wusste nie, ob die Tiere nicht noch nachträglich gefährlich wurden.
Terence folgte ihm, doch die erneute Suche brachte keine neuen Erträge. Die gleichen feuchten, zugigen finsteren Gänge wie am gestrigen Tag. Spinnen an den Wänden, an der Decke und auf dem Fußboden. Gittertüren mit Zellen dahinter, alle nur mit Pritschen und muffigem Stroh ausgestattet. Diese Arena war ein Gefängnis.
„Vielleicht ist der Schlüssel in den Spinnen“, sagte Terence unwillkürlich.
Milvan blieb ruckartig stehen.
„Wie meinst du das?“, verlangte er zu wissen.
„Na, die müssen doch irgendeinen Zweck haben. Gefährlich sind sie offensichtlich nicht und normale Spinnen sind es auch nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Spielemacher extra für deine Mordgelüste einfach zu tötende Mutationen erschaffen haben“, erklärte der kleine Junge süffisant.
Milvan runzelte die Stirn. Der Dreier sollte lieber dankbar für seine sogenannten Mordgelüste sein. Allerdings sagte er nichts dazu. Die Idee klang vernünftig. Also mussten sie eine dieser Spinnen ausnehmen. Schwungvoll holte er die nächstbeste von der Wand, zückte seinen Dolch und kniete sich daneben hin.
Ob man die Viecher essen konnte? Im Wachraum hatten sie in einem Schrank einen alten Brotkanten und einen Krug klares Wasser gefunden. Das war nicht viel gewesen, vor allem nicht für zwei Leute und auch schon wieder eine ganze Nacht her. Milvan knurrte der Magen. Er war ein großer, kräftiger Junge und brauchte viel Nahrung. Bisher war Nahrungsmangel nie ein Problem gewesen, durch den hauseigenen Schlachtbetrieb hatte es selbst in harten Wintern in denen größere Teile der armen Bevölkerung Hunger litten im Hause Pecta zumindest immer halbwegs ausreichend Essen gegeben.

Er schlitzte den Kadaver von der Spinne also gekonnt auf. Logischerweise hatte er diese Art von Tier noch nie geschlachtet, aber so viel anders als bei Wirbeltieren war es auch nicht. Die Konsistenz gefiel ihm allerdings nicht. Das würde er nur im äußersten Notfall essen, nahm er sich vor.
Aufgrund der Dunkelheit konnte er nichts sehen und so griff er mit der linken Hand in das blutige Fleisch der Mutation und fühlte nach etwas Hartem, Schlüsselartigen. Nichts.
„Und, hast du schon etwas?“, fragte Terence und schaute ihm ungeduldig über die Schulter.
„Nein“, erklärte Milvan, „aber einen Versuch war es wenigstens wert.“
„Dann müssen wir wohl weiter suchen“, stellte Terence trocken fest und das taten sie dann auch.

Erfolglos. Offensichtlich verlief der Kerker irgendwie kreisförmig, denn schließlich standen sie wieder vor einem Wachraum.
„Das führt doch zu nichts“, murmelte Milvan und trat in den Raum, nur um dann beinahe loszulachen. Die schwere Eisentür, welche bis gerade eben noch die Treppe nach oben versperrt hatte, stand sperrangelweit auf. Die Spielemacher hatten sie die ganze Zeit schön an der Nase herumgeführt.

„Das Problem scheint sich soeben gelöst zu haben“, bemerkte Terence in seinem nüchternen, gelangweilten Tonfall, der Milvan inzwischen ein wenig zu nerven begann. Doch er hatte keine Zeit, solch kindischen Empfindungen nachzugeben. Er verstand das nicht. Was war der Grund, dass die Spielemacher jetzt entschieden hatten, sie rauszulassen? Hatten sie gewollt, dass er eine der Mutationen zerlegte? Eine andere Erklärung gab es nicht.
„Vorsichtig“, brummte er an seinen Verbündeten gewandt, „wir sind in den Spielen. Da kann sich nun gut und gerne ein schwierigeres Problem auftun.“
„Ach was“, meinte der Dreier und klang dabei zu Milvans Missfallen ziemlich sarkastisch.
„Lass uns gehen“, schlug er stattdessen nur vor. Irgendwie fiel ihm erst jetzt wieder ein, wie streitlustig der Dreier in der Vorbereitungszeit im Kapitol gewesen war. Nun fiel er offensichtlich immer mehr in alte Muster zurück, nachdem gestern wohl noch der Schock und die Dankbarkeit überwogen hatten. Vielleicht sollte Milvan ihn einfach töten. Das müsste er sowieso.
Der Zehner erschrak ein wenig als ihm bewusst wurde, was er da gerade gedacht hatte. War er wirklich auch schon so ein Monster geworden, dass leichtfertig darüber nachdachte, jemanden zu töten, nur weil dieser Jemand ein bisschen nervte? Nein, so war er nicht. Andererseits hatte er denn Mann gestern auch relativ problemlos getötet.
Unwirsch wischte Milvan den Gedanken beiseite. Sowas konnte er jetzt überhaupt nicht gebrauchen. Das waren die Hungerspiele, er musste töten, um zu überleben. Da blieb kein Platz für irgendwelche Moralvorstellungen und Gewissensbisse. Damit würde er sich immer noch beschäftigen können, sollte er jemals hier rauskommen. Also schritt er fest entschlossen durch die Tür und die Treppe hoch.
Diese war nur kurz und die beiden Jugendlichen fanden sich in einer Art Katakomben wieder. Hohe Wände und Decken, oben riesige Rohre durch die unüberhörbar große Mengen von Wasser flossen. Milvan dachte im ersten Moment an einen Abwasserkanal, jedoch standen sie im Trockenen und die Rohre strahlten auch eine ziemliche Wärme aus. Für den Moment war es sogar sehr angenehm und nach der Nacht im zugigen Kerker eine wahre Wohltat, auch wenn es Milvan auf Dauer hier wohl zu unangenehm heiß werden würde. Vorausgesetzt, die Spielemacher regulierten die Temperatur nicht des nachts.
Terence pfiff durch die Zähne, offensichtlich schien auch er überrascht.
„Na, dann lass uns das neue Areal mal erkunden“, das wiederum klang typisch spöttisch. Milvan entschloss sich, es zu ignorieren und antwortete nur mit einem knappen Nicken. Wenn der Dreier etwas Wichtiges zu sagen haben sollte, dann würde er das schon tun.

Langsam ging Milvan  vorneweg, seine Kette fest umklammert, bereit in jedem Moment loszuschwingen. Doch nichts passierte. Kein Tribut, keine Mutation, nicht mal irgendeine andere Art von Lebewesen. Auch kein Geräusch abgesehen von dem fast schon beruhigend  wirkendem Rauschen des Wassers. Die Katakomben schienen auch solide gebaut zu sein, gemauert aus braunen Steinen und ohne irgendeine Lücke. Milvan fragte sich, ob es in der Arena auch einen Bereich unter freiem Himmel geben würde. Die bisher erlebten Orte deuteten nicht gerade darauf hin.
So gingen sie schweigend hintereinander her, bis Milvan meinte, die hintere Wand des Gemäuers entdecken zu können. Wäre es die Möglichkeit, dass sie jetzt einfach hier gefangen wären anstatt im Kerkerbereich? Was wollten die Spielemacher damit bezwecken? Milvan fiel es schwer sich in die Köpfe von anderen Menschen hinein zu versetzen. Was wollten sie? Käme eine Mutation, so würde er sie auf jeden Fall wieder auswaiden, beschloss er. Das hatte ja schon einmal gut funktioniert. Zaghaft und ohne so recht zu wissen, was er tun sollte, ging er ein paar Schritte weiter, nur um sich dann zu ärgern. Das brachte nichts, er würde jetzt noch die andere Richtung absuchen müssen und dann vermutlich feststellen, dass sie nicht ohne das Eingreifen der Spielemacher hier heraus kommen würden. Dieses Gefühl hasste er. Er wollte gern selbst für sein Schicksal verantwortlich sein. Natürlich war ihm bewusst, dass das in den Hungerspielen nur bedingt ging, aber wenigstens hätten die Spielemacher ihm mehr Illusion der Unabhängigkeit lassen können.
Er drehte sich also leicht seufzend um. Diese Spiele zermürbten ihn.
„Wo willst du hin?“, verlangte Terence zu wissen.
„Da hinten kommen wir offensichtlich nicht weiter“, erklärte Milvan.
„Mag sein. Aber meinst du nicht, wir sollten zuerst diese Luke da checken? Umkehren können wir danach immer noch“, schlug Terence vor und deutete mit seiner Hand schräg nach oben. Milvan folgte dem Finger und riss überrascht die Augen auf. Tatsächlich war am des Ganges eine Art Falltür nach oben.
„Wie konnte ich das nur übersehen?“, murmelte er mehr für sich selbst.
„Du musst wahrscheinlich nicht so oft nach oben gucken wie ich“, antwortete der Dreier dennoch darauf. Milvan musste schmunzeln. Immerhin machte der Junge sich auch über sich selbst lustig und nicht nur gefühlt über alles andere. Das machte ihn zumindest ein wenig sympathischer.

„Jetzt müssen wir nur noch nach oben kommen“, wandte er sich gleich der Praxis zu, „auf das Rohr können wir klettern, dann nehme ich dich auf die Schultern und du versuchst, die Luke zu öffnen.“
„Kling nach nem Plan“, stimmte der Langhaarige zu.

Glücklicherweise war die Oberfläche des dicken Rohrs nicht komplett glatt, sondern  eher rau, sodass man leicht hochkam und einigermaßen fest stehen konnte. Wie abgesprochen ging Milvan in die Knie und ließ den Dreier auf seinen Rücken steigen. Ein komisches Gefühl. Sonst hatte er sowas nur mit Bosna gemacht und der war sein kleiner Bruder. Allerdings war Terence auch nicht viel schwerer als der Elfjährige. Mühelos erhob Milvan sich und drückte den Jungen nach oben.
„Und?“, fragte er ungeduldig, während Terence sich an der Falltür zu schaffen machte, „kommst du ran.“
„Ja“, gab dieser kurz Bescheid, „und es ist auch kein Schloss sondern ein Riegel. Den werde ich gleich aufhaben. Vorsicht. Geh in die Knie!“
Widerspruchslos gehorchte Milvan und schon schwang die Tür nach unten auf. Heißer Wasserdampf kam ihnen entgegen. Unwillkürlich dachte Milvan, dass er wie ein Schwein aussehen musste. Er war nun schon einen ganzen Tag ohne Dusche, den er in einem dunklen Verlies verbracht hatte und dabei einen Menschen getötet, dessen Blut durch den ganzen Raum gespritzt war. Nicht, dass er zimperlich war, auf dem Hof daheim war er auch oft von der Arbeit schmutzig, blutig und schweißdurchtränkt, aber das hier war etwas anderes. Und der Dampf deutete darauf hin, dass die Möglichkeit bestehen könnte, ein heißes Bad zu nehmen. Arena hin oder her, dem wäre Milvan nun tatsächlich nicht abgeneigt.

„Und wie kommen wir jetzt hoch?“, fragte er, nachdem er den Dreier wieder abgesetzt hatte.
„Du wirst mich nochmal hochheben müssen“, Terence schien relativ unbekümmert, „dann ziehe ich mich hoch und suche oben etwas wie eine Leiter oder ein Seil, damit du nachkommen kannst.“
„Das gefällt mir nicht“, grunzte Milvan, auch wenn ihm schon klar war, dass ihm keine andere Möglichkeit blieb.
„Du wirst mir wohl vertrauen müssen“, zuckte Terence die Achseln, „oder wir bleiben beide hier unten.“
„Schon gut. Aber Gnade die Gott, wenn du mich verraten solltest und ich dich jemals in der Arena wiedertreffen sollte“, fühlte der Zehner sich noch genötigt anzufügen.
Terence kommentierte das nicht, sondern deutete ihm nun an, abermals in die Hocke zu gehen, was Milvan dann auch machte. Schnell zog sich der kleine, drahtige Junge hoch und schob sich durch die Öffnung. Dann verschwand er in den Schwaden des Wasserdampfes. Milvan blieb nun nur noch übrig, abzuwarten. Seufzend setzte er sich auf das raue Rohr. Jetzt würde sich zeigen, ob Terence Widlar ein lohnenswerter Verbündeter oder ob es ein Fehler gewesen war, ihm das Leben zu retten.

Eine halbe Ewigkeit musste er warten, bis Terences mädchenhaftes Gesicht wieder in der Öffnung auftauchte.
„Ich habe ein Tau gefunden“, erklärte er, während er besagten Gegenstand hinabwarf, „ich hoffe, du kannst daran hochklettern?“
Milvan hatte keine Ahnung. Es würde schon irgendwie gehen. Aber war schon mal viel wert, dass Terence ihn nicht hatte sitzen lassen. Er griff das Tau mit beiden Händen und versuchte, daran hochzuklettern, wie er es schon mal in irgendwelchen alten Hungerspielen gesehen hatte. Das wollte allerdings nicht so recht klappen. Sein behelfsmäßiger Morgenstern behinderte ihn zu sehr. Leise fluchte er.
„Wie wäre es, wenn du mir deine Kette schon mal hochreichst. Ich verspreche auch, sie dir nicht über den Kopf zu ziehen“, Terence wirkte amüsiert.
Milvan schnaubte verächtlich, aber kam der Idee anschließend nach. Wenn Terence ihn hätte loswerden wollen, hätte er ihn einfach zurück gelassen. Er reichte ihm die Waffe und machte sich dann erneut daran. Es dauerte eine Weile bis er irgendwann die richtige Technik raushatte und glücklicherweise war es kein sehr langes Stück, aber mit seiner Willenskraft und Terences mehr oder weniger konstruktiven Anweisungen schaffte er es dann am Ende schweißgebadet doch nach oben und zog sich über den Rand, nur um sich auf den weißen Fliesenboden fallen zu lassen.
Terence machte sich sofort daran, die Luke wieder zu verschließen.
„Unser Joker, falls wir schnell abhauen müssen“, erklärte er als er Milvans fragenden Blick bemerkte, „muss nicht jeder den Fluchtweg direkt sehen.“

Das klang schlüssig.
„Schon irgendwas entdeckt?“, fragte er stattdessen.
„Also hier scheint eine Art Wasserlandschaft zu sein, eine riesige Art Schwimmbad oder dergleichen. Wir hatten zwar in Distrikt 3 auch eines, das bestand aber nur aus einem Sportbecken. Das hier ist was völlig anderes. Ich habs mir aber noch nicht ganz angeschaut, sondern wollte dich so schnell wie möglich hier rauf holen“, erklärte Terence.
Milvan grinste: „Hätte nicht gedacht, dass du mich so gern magst.“
„Damit hat das nichts zu tun“, Terence versuchte ihn kühl zu mustern, was ihm aber ein wenig misslang, „du kannst halt nur Kämpfen und hattest die Waffen. Wäre nicht so geil gewesen, wenn die Karrieros mich allein und unbewaffnet gefunden hätten.“
„Klar“, Milvan musste ebenfalls grinsen, „dann lass uns diesen Teil der Arena jetzt mal ausgiebig untersuchen. Außerdem ist warmes Wasser genau das, was ich jetzt vertragen könnte. Neben einem guten Essen und einem kühlen Bier!“
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