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Gondor hilft Westeros  - Band 1: Ein anderer Krieg der fünf Könige

Kurzbeschreibung
CrossoverAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
Arya Stark Eddard "Ned" Stark Robb Stark Sansa Stark Stannis Baratheon Tyrion Lannister
27.07.2018
20.11.2020
98
150.606
48
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Dieses Kapitel
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25.10.2020 2.037
 
Ungläubig starrte Robb Beric an. "Ihr…Ihr…wart wirklich tot und seid wieder lebendig?" Grauwind schnüffelte misstrauisch an dem Mann, der vom Tode zurückgekehrt war.

Robb hatte sich vom Zweikampf des Blitzlords gegen den Bluthund fern gehalten und war im Lager der Nordmänner und Flussländer geblieben. Als die Meldung vom Ausgang des Kampfes eingetroffen war, hatte Robb kaum glauben können, was er vernahm und ging mit etlichen Männern Lord Beric entgegen, der in Begleitung der Bruderschaft und der Roten Frau ins Lager zurückgekehrt war.

Lord Beric nickte. "Das war bereits das fünfte Mal, dass der Herr des Lichts mich zurückgeholt hat. Ihr braucht nicht so fassungslos schauen, Kommandant, ich habe Euch doch schon vor Wochen davon erzählt."

"Es ist eine Sache davon zu hören", stellte Lady Melisandre fest, "doch eine andere, es selbst zu sehen. Daher kann ich das Erstaunen des jungen Wolfs verstehen, denn mir erging es heute ähnlich." Sie wandte sich an Thoros. "Wie kommt es, Bruder, dass der Herr durch Euch solche Wunder bewirkt?"

"Ich weiß es nicht, Schwester", antwortete der Priester aus Myr. "Es gibt Würdigere als mich, doch mir hat der Herr eingegeben, jene Worte zu sprechen."

"Hoffentlich war dies das letzte Mal, Thoros", seufzte Lord Beric. "Ich bin müde und wünschte, ich könnte in Frieden ruhen. Doch der Herr braucht mich wohl noch für den Großen Krieg. Und Sandor Clegane ebenfalls. Ist es wahr, dass er Eurer Schwester das Leben gerettet hat, Kommandant?"

"Ja, das hat er", bestätigte Robb. "So wie Ihr das meine. Deshalb war ich verzweifelt, dass Ihr gegen ihn gekämpft habt. Doch jetzt…"

Lord Beric lächelte müde. "Dank dem Herrn des Lichts ist es für Eure Familie gut ausgegangen. Ich für meinen Teil hege keinen Groll gegen Sandor Clegane. Es wäre mir sogar eine Ehre, an seiner Seite in den Großen Krieg zu ziehen. Aber jetzt brauche ich Ruhe!"

"Dann ruht Euch aus, Mylord!", sagte Robb. "Ich muss zu meiner Familie in den Roten Bergfried."

"Darf ich Euch begleiten, junger Wolf?", fragte die Rote Frau. "Ich muss ebenfalls in die Festung."

"Ja, gewiss, Mylady", antwortete Robb wenig erbaut. "Gehen wir!" Er nickte Lord Beric und Thoros zu und ging aus dem Lager zum Löwentor, während Grauwind zu seiner Linken trottete und Lady Melisandre zu seiner Rechten schritt.

Schweigend durchschritten sie das Tor und kamen in die Stadt. Schließlich ergriff die Rote Frau das Wort: "Wunderbar sind die Wege des Herrn des Lichts! Selbst aus der Tat, die aus eitler Vergeltungssucht begangen wurde, kann etwas Gutes entstehen!"

"Was meint Ihr damit?", fragte Robb.

"Eure Schwester Arya klagte Sandor Clegane aus kindischer Rachsucht an, was zum Zweikampf mit Lord Beric führte. So konnte der Herr des Lichts seine ganze Macht offenbaren, als er Lord Beric von den Toten zurückholte!"

"Kindisch? Immerhin hat Sandor Clegane tatsächlich jenen Schlachterjungen getötet."

"Wir alle müssen uns zwischen dem Licht und der Finsternis, zwischen Gut und Böse entscheiden. Als Sandor Clegane Eurer Schwester Sansa das Leben rettete, entschied er sich für das Licht. Doch in Eurer Schwester Arya habe ich schon in Drachenstein Finsternis gesehen. Seid aufmerksam, junger Wolf, und achtet auf Eure Schwester, dass sie sich nicht falsch entscheidet!"

Darauf erwiderte Robb nichts, denn er verstand nicht, was Melisandre meinte. Sie erreichten schließlich den Roten Bergfried. Die Priesterin verabschiedete sich von Robb, als sie den Weg zu Maegors Festung einschlug, während Robb zum Turm der Hand ging.

Ehe er den Turm erreichte, bellte Grauwind auf einmal freundlich und lief von Robbs Seite davon. Robb blickte dem Schattenwolf nach und sah, dass Fürst Faramir mit einigen Männern seiner Leibgarde vom Jungfrauengewölbe heranschritt.

"Hallo, mein Großer!", begrüßte der Fürst den Schattenwolf und kraulte seinen Kopf. Wiederum wunderte sich Robb über seinen Schattenwolf, der Faramir offenbar mochte. Der Fürst hatte vor einigen Tagen das Lager der Nordländer besucht und war mit viel Jubel empfangen worden, da er Robbs Vater gerettet hatte. Auch Grauwind schien zu ahnen, dass der Fürst ein Freund der Starks war, denn er verhielt sich Faramir gegenüber ungewöhnlich zutraulich.

"Seid gegrüßt, Kommandant", sprach Faramir Robb an. "Ihr seid auf dem Weg zu Eurer Familie?"

"Seid gegrüßt, Mylord", sagte Robb. "Ja, nach den Ereignissen des heutigen Tages muss ich zu meinem Vater und meinen Schwestern."

"Darf ich mitkommen?", fragte Faramir. "Ich möchte etwas mit Eurer Familie besprechen."

"Sehr gerne, Mylord!" Robb war erfreut, denn auch er mochte den Mann, der seinen Vater gerettet und eine entfernte Ähnlichkeit mit Onkel Benjen hatte. Gemeinsam begaben sie sich zum Turm der Hand, wobei Faramirs Leibgarde am Eingang zurückblieb, während der Fürst mit Robb und Grauwind in den Turm ging.

Sie kamen zu Lord Eddards Solar, wo eine lebhafte Diskussion im Gange war. Robb hörte die Stimmen seines Vaters und seine Schwestern. Als Robb mit Faramir eintrat, sah er, dass Lord Eddard, Sansa und Arya am Tisch saßen. Sie hielten inne und erhoben sich.

"Seid gegrüßt!", sagte Faramir. "Ihr habt gewiss auch über den Kampf zwischen Lord Beric Dondarrion und Sandor Clegane gesprochen."

"Ja, gewiss", seufzte Lord Eddard. "In der ganzen Stadt spricht man über nichts anderes."

"Ich verstehe es immer noch nicht!", nörgelte Arya. "Warum haben die Götter den Bluthund gewinnen lassen, obwohl er Mycah getötet hat?"

"Weil er mich gerettet hat!", rief Sansa. "Die Götter haben ihn dafür trotz deiner Rachsucht belohnt!"

"Ich will keine Rache, sondern Gerechtigkeit!", giftete Arya.

"Schluss mit dem Gezanke!", gebot Eddard. "Wir haben schließlich einen Gast! Fürst Faramir, bitte entschuldigt dies. Geht in Eure Gemächer, Mädchen!"

"Nein, wartet!", sagte Faramir. "Was ich zu besprechen habe, geht auch Eure Töchter an."

"Wie Ihr meint!" Eddard nickte. "Worum geht es?"

"Ihr habt ja vor, nach Winterfell zurückzukehren, sobald König Stannis es erlaubt. Habt Ihr Euch schon überlegt, auf welchem Wege Ihr reisen werdet?"

"Ich habe mir noch nicht so viele Gedanken darüber gemacht", räumte Eddard ein. "Aber ich schätze, wir werden mit dem Heer auf dem Königsweg nach Norden reisen."

"Das dachte ich mir. König Elessar möchte ebenfalls nach Norden, doch der größte Teil des Heeres wird mit der Flotte reisen. Allerdings hat der König vorgeschlagen, dass ich mit meiner Weißen Schar und den Waldläufern von Ithilien Eure Familie begleite – wenn Ihr nichts dagegen habt!"

"Ja, das wäre erfreulich!", rief Robb, dem die Aussicht auf eine Reise mit dem Retter seines Vaters, diesem ernsten, edlen und doch auch sehr freundlichen Herren gefiel. "Ja, sehr gerne, Mylord", meinte Sansa lächelnd. "Ja, reist mit uns, Fürst Faramir!", rief auch Arya.

Lord Eddard lachte. "Wie es scheint, haben meine Kinder bereits entschieden, dass Ihr mitkommt, Fürst Faramir. Doch warum hat Euer König vorgeschlagen, dass Ihr mit uns reisen sollt?"

Faramirs Gesicht wurde ernst. "Ich weiß es nicht genau. Doch König Elessar hat angedeutet, dass es etwas mit seinem verzauberten Traum zu tun hat, Lord Stark, in dem er auch Eure Hinrichtung gesehen hat, die von mir verhindert wurde."

"Sollt Ihr ein weiteres Mal meinem Vater das Leben retten?", lachte Robb. "Es wäre schön, wenn Ihr mit uns reist, doch wir werden mit einem Heer von mehreren Tausend Männern unterwegs sein. Macht es da einen Unterschied, wenn Eure Schar noch mitkommt, Mylord?"

Nun wurde auch Robbs Vater ernst. "Manchmal kann auch eine Schar den entscheidenden Unterschied ausmachen, mein Sohn. So wie etwa Lord Berics Männer, die dir das Leben gerettet haben, als du im Dreigroschenwald in den südlichen Flusslanden allzu leichtsinnig warst."

Robb senkte beschämt den Blick. "Das ist wahr, Vater, aber einen solchen Fehler werde ich nicht noch einmal machen. Aber ja, Fürst Faramir sollte auf jeden Fall mit uns reisen."

"Das werde ich sehr gerne", erklärte der Fürst. "Doch es gibt noch mehr was ich mit Eurer Familie besprechen muss."

"Setzen wir uns doch!", schlug Lord Eddard vor und so nahmen sie alle Platz.

"Ich war eben bei einer Besprechung mit König Elessar", berichtete Faramir, "und natürlich ging es auch bei uns um den erstaunlichen Ausgang des Kampfes zwischen Beric Dondarrion und Sandor Clegane. Es erschien mir sinnlos, dass es zu einem solchen Kampf kam, doch nun wissen wir, dass er doch einen gewissen Sinn hatte."

"Welchen Sinn?", fragte Robb.

"Unser König hat etwas über den Herrn des Lichts herausgefunden", erklärte Faramir, "doch nicht darüber wollte ich sprechen, sondern darüber, was der Ausgang des Kampfes für Eure Familie bedeutet. Der Retter von Robb und der Retter von Sansa haben gegeneinander gekämpft, doch nun sind sie beide am Leben. Seid Ihr darüber nicht erleichtert?"

"Ja, selbstverständlich", antwortete Sansa.

"Fürwahr, das sind wir", stimmte Robb zu. Lord Eddard nickte, nur Arya sagte nichts. Faramir wandte sich an sie.

"Du wolltest, Gerechtigkeit, Arya. Das ist verständlich. Aber Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass jeder Mann für jede einzelne Untat bestraft wird, ohne dass dabei berücksichtigt wird, was der Mann sonst noch getan hat. In meiner Welt hat einst ein Wächter in meiner Heimatstadt seinen Posten verlassen und drei Männer in den Weihestätten erschlagen. Solche Taten werden nach den Gesetzen Gondors mit dem Tode bestraft. Doch dieser Mann blieb straffrei, denn zum einen hat er all dies getan, um…" Faramir stockte kurz, ehe er fortfuhr: "…um den Sohn des Herren der Stadt zu retten. Außerdem hat er sich in dem Krieg, in dem sich Gondor damals befand, als sehr tapferer Kämpfer erwiesen. Arya, dass Sandor deinen Freund Mycah getötet war, war ein Verbrechen. Doch Sandor hat auch deine Schwester gerettet. Damit hat er zumindest begonnen, sein Verbrechen zu sühnen und wohl deswegen ist er heute freigesprochen worden. Daher solltest du nicht länger jenem Mann nach dem Leben trachten, der deine Schwester gerettet hat."

"Aber…", wandte Arya ein.

"Kein Aber!", rief Sansa. "Der Fürst hat völlig Recht! Es war völlig sinnlos, dass du Sandor beim König denunziert hast!"

"Nein, Lady Sansa!", widersprach Faramir. "Es war nicht völlig sinnlos, denn durch den Kampf und Lord Berics Rückkehr haben wir wie gesagt etwas über seinen Gott erfahren. Gleichwohl verwundert es mich, Arya, dass du Sandor angezeigt hast, nachdem du erfahren hast, dass er Sansa das Leben gerettet hat."

Arya senkte die Augen. "Als die Sache mit Mycah passierte… Joffrey hatte damals gelogen und behauptet, Mycah und Nymeria hätten ihn angegriffen. Als König Robert uns befragte, hatte Sansa dem nicht widersprochen. Die Erinnerung daran kam bei mir wieder hoch, als ich hörte, dass der Bluthund dich gerettet hat. Es tut mir leid, Sansa."

Nun senkte auch Sansa ihren Blick. "Ich habe damals einen furchtbaren Fehler gemacht. Ich habe für Joffrey gelogen, doch ich hätte unbedingt die Wahrheit sagen müssen. Es tut mir leid, Arya."

"Was?", staunte Arya. "Du entschuldigst dich bei mir?" Sansa nickte und streckte ihre Hand aus. Arya nahm sie. Robb verspürte Erleichterung und sah, dass auch sein Vater erfreut war.

Faramir lächelte. "Versprecht ihr, dass ihr wegen dieser Angelegenheit nicht wieder streitet? Dann erzähle ich euch von meiner Welt. Ich habe nun schon so viel über Westeros gelernt, aber auch Euch, Lord Stark, nur wenig über Mittelerde erzählt. Das sollte sich ändern, nicht wahr?"

"Ja!", riefen Eddards Kinder wie aus einem Munde. "Erzählt Ihr auch von Eurer Gemahlin, Mylord?", fragte Sansa. "Und von der großen Heldentat, die sie vollbracht hat?", fragte Arya.

"Du erinnerst dich gut!", lachte Faramir. "Gut, ich werde euch von Éowyn erzählen!"

Robb war verwundert über Aryas Bemerkung. Welche Heldentat hat des Fürsten Gemahlin vollbracht? Und woher weiß Arya davon? Aufmerksam hörte er zu, was Faramir erzählte.
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