Folge 8: Kriegsgefährten

GeschichteKrimi, Mystery / P16
Javier Esposito Kate Beckett Kevin Ryan Richard Castle
27.07.2018
27.07.2018
6
19211
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Kapitel 2

Oakfield Ridge war eine klassische Gemeinde, die sich langsam ausbreitete. Häuser im Villen-Stil, etwas von der Straße entfernt, an der sich stattliche, alte Eichen entlang reihten. Von diesen Bäumen hatte die Gemeinde auch ihren Namen. Unter den Bäumen schlängelten sich Gehwege zwischen perfekten Gärten und führten den Fußgänger hinunter zum künstlichen See in der Mitte der Gemeinde. Der See war von Sträuchern umgeben und spiegelte an ruhigen, sonnigen Tagen perfekt den Country Club wieder, der sich in bester Lage befand.

Der Ferrari wurde am Tor mit kaum einer Pause durch gewunken und Kate hob ihre Sonnenbrille an, schob sie auf den Kopf um ihre Umgebung besser wahrzunehmen, während ihr Ehemann das Auto die Straße entlang lenkte.

„So, was denkst du? Ziehst du in Betracht, die Stadt für das Umland aufzugeben?“, fragte Castle und unterbrach so die Stille.

Sie grinste ihn an. „Nein, die Stadt ist mein Zuhause. Ich liebe es dort. Aber hier ist es auch schön.“

Er bog sicher in die Auffahrt von Nr. 15 ab. Es zeigte sich ein hübsches 3-stöckiges Haus aus weißen Steinen mit einem Brunnen im Zentrum der umlaufenden Auffahrt. Das Haus war von einem makellosen Garten und einem Rasen umgeben, der sich wie ein Teppich erstreckte. Bevor sie aussteigen konnte, legte er eine Hand auf ihr Knie.

„Was immer dich glücklich macht, Kate. Wenn du irgendwann einmal deine Meinung änderst und du möchtest so etwas wie das hier, denke daran, dass ich von überall schreiben kann.“ Seine blauen Augen blickten ernst und mit Hingabe und sie lehnte sich herüber um ihm einen kurzen Kuss zu geben.

Was immer sie auch antworten wollte, wurde unterbrochen, als die Haustür aufging und eine Frau heraus trat.

Sie war Anfang 60 mit einstmals blonden Haaren und großen blauen Augen. Zierlich gebaut, hatte sie trotzdem einen durchtrainierten Körper und eine gewisse Grazie in ihren Bewegungen. Sie war leger mit einer grünen Bluse, einem geblümten Rock, flachen Schuhen und einer Perlenkette gekleidet.

„Willkommen. Ich freue mich so, dass Sie es geschafft haben. Ich bin Susan Chesterfield. Hatten Sie eine angenehme Fahrt? Kommen Sie herein!“

Kate stieg aus dem Auto aus, bevor Castle herumkommen konnte, um ihr die Tür aufzuhalten und lief auf die Gastgeberin zu, um ihr die Hand zu schütteln. „Ich bin Kate Beckett und das ist mein Mann Rick Castle. Danke, dass wir bei Ihnen übernachten können.“

Susans Lächeln wurde noch größer, als sie Kates Babybauch bemerkte. „Captain Beckett, mein Bruder, der Commissioner spricht nur Gutes von Ihnen. Und ich bin immer glücklich, wenn ich dem NYPD irgendwie helfen kann. Und Mr. Castle. Ich bin ein großer Fan. Derrick Storm hat einen speziellen Platz in meinem Herzen und Nikki Heat ist mein allzeit liebster fiktiver Charakter. Ich liebe diese Buchreihe einfach. Ich habe bereits den letzten Band verschlungen.“

Castle lächelte charmant und schüttelte ihre Hand. „Bitte, nennen Sie mich Rick. Und der einzige Grund, warum Nikki so besonders ist, ist weil sie von meiner noch bemerkenswerteren Frau inspiriert wurde.“

Susan strahlte sie mit einem großmütterlichen Blick an und führte sie in den gefliesten Eingangsbereich, der sich über drei Stockwerke zog. Sie führte sie vorbei an einer großen Treppe und Kronleuchtern, die Kate beeindruckten und in ein überraschend offenes und sonniges Wohnzimmer. Dort saß ein leicht glatzköpfiger Mann in den 60igern und las eine Zeitung. „Wir haben noch genügend Zeit für eine Erfrischung. Rick, lassen Sie die Taschen stehen. Das ist mein Mann Howard. Er wird Ihnen helfen, sie rein zu bringen, nachdem wir etwas zu trinken hatten. Bitte setzen Sie sich. Ihr Zeitpunkt ist perfekt. Wir haben heute ein Gemeinde-Barbecue unten im Club. Jeder wird da sein. Und machen Sie sich keine Sorgen. Howard und ich werden Sie als unsere Freunde vorstellen. Wir werden nichts darüber sagen, warum Sie hier sind. Howard, sei ein Lamm und mache unseren Gästen einen Drink.“

***

Kate trat aus dem angrenzenden Badezimmer in das großzügige Gästezimmer. Sie trug ein grünes Cocktail-Kleid, das ihrem Babybauch schmeichelte und ihr Haar war zu einem eleganten Knoten hochgesteckt. Ihr Mann hingegen konnte sich scheinbar nicht zwischen zwei Super-Hero-T-Shirts entscheiden.

„Ich hoffe, du planst deinen Schlafanzug für heute Nacht“, kommentierte sie und zog eine Augenbraue hoch, als seine Augen bei ihrem Anblick fast heraus fielen.

„Kate… du… wow. Also wirklich. Wow. Aber… haben sie nicht gesagt, dass es ein zwangloses Barbecue ist? Ich hatte für heute Nacht an ‚Green Lantern‘ gedacht.“ Er hielt das entsprechende Shirt hoch.

Kate war ungerührt. „Castle, wenn ich dich nicht in einem Sakko mit Krawatte sehe, lass ich dich da.“

„Aber sie haben gesagt, es ist zwanglos“, widersprach er.

„Also bitte. Diese Leute hier wissen überhaupt nicht, was ‚zwanglos‘ bedeutet. Das solltest du besser wissen als ich.“

„Green Lantern wäre genau das Richtige für ein zwangloses Barbecue in den Hamptons“, argumentierte er. „Wir sind nicht in den Hamptons und kein zwangloses Barbecue in einem Country Club im Umland im November könnte je so entspannt sein wie ein Barbecue im August und am Strand. Also… zieh‘ einfach einen Anzug an, Rick. Bitte?“

Sein Blick glitt noch einmal über sie und er seufzte.

„Gut. Aber wenn wir zu formal angezogen sind, bist du Schuld.“

***

„Kate, Darling, Sie sehen hinreißend aus.“ Susan schwärmte richtig, als sie die beiden am Ende der Treppe begrüßte. Sie trug ein korallenfarben schimmerndes Cocktailkleid und hatte anstatt ihrer Perlen nun Diamanten angelegt. Howard hatte nun einen kompletten Anzug an und nicht mehr das Business-Hemd und die Hose.

Kate konnte es nicht unterlassen ihrem Mann einen Blick mit hochgezogener Augenbraue zu zuwerfen, während er vor sich hin murmelte. Er sah wie immer umwerfend aus in seinem tannen-grünen Oberhemd und dem schwarzen Anzug mit Krawatte. Die Farben brachten das Blau seiner Augen zur Geltung und es war auch nicht schlimm, dass sein Hemd nur ein wenig dunkler als ihr Kleid war. Sie passten zusammen, ohne auch nur ansatzweise kitschig zu wirken.

„Vielen, vielen Dank. Ich bin sicher, dass ist nur der große Auftritt. Und dieser Kronleuchter ist einfach göttlich. Und Sie sehen großartig in dieser Farbe aus“, antwortete Kate.

Susan strahlte. „Danke, meine Liebe. Der Kronleuchter ist ein Geschenk von Howard von unseren Flitterwochen. Wir haben ihn in Frankreich gekauft und ihn hierher liefern lassen. Er hat einen erheblich sentimentalen Wert. Aber genug davon. Ziehen Sie Ihre Mäntel an, meine Lieben. Es ist kühl heute Abend. Howard, sei ein Lamm und hole schon mal das Auto?“

***

Das Restaurant, die Bar und der Ballsaal im Country Club konnten zu allen Seiten geöffnet werden, so dass die Mitglieder ohne Mühe zwischen den Räumen wechseln konnten, ohne dass es sich überfüllt anfühlte. Und das, wo fast alle 150 oder mehr Bewohner der Nachbarschaft an diesem Abend anwesend waren. Und obwohl es ein „zwangloses“ Beisammensein war, fielen selbst Susans Diamanten nicht aus dem Rahmen.

„Diese Zusammenkünfte werden durch den Sozialen Club organisiert. Diese Frauen betreiben den Platz eigentlich und wir restlichen Oldies freuen uns und lassen sie machen. Sie werden bemerken, dass die meisten Leute hier in meinem Alter sind“, flüsterte Susan Kate mit einem Zwinkern zu, als sie ihre Mäntel abgaben.

Kate überblickte den Ballsaal und Susan lag richtig. Es gab eine Handvoll etwas älterer Kinder und gelangweilter Teenager und ein paar Leute, die in etwa in ihrem Alter waren. Es waren mehr Frauen als Männer, die dieses Kriterium erfüllten. Aber die meisten Leute waren mittleren Alters oder älter. Während es möglich war, dass Andys geheimnisvolle Frau erheblich älter als er gewesen war, schließlich hatte sie in ihrer Karriere schon weitaus abwegigere Entwicklungen erlebt, atmete Kate erleichtert aus. Die Zahl der möglichen Verdächtigen war weitaus geringer, als sie befürchtet hatte.

Sie wünschte sich, dass sie das wie eine normale Ermittlung handeln konnte, einfach zur Bar rübergehen und nach Kreditkarten und Überwachungs-Videos fragen und einfach nur ihre Polizeimarke zeigen. Aber das Risiko war zu groß, die Gefahr jemanden der Mitglieder vor den Kopf zu stoßen in dieser fest zusammenhaltenden Gemeinschaft war zu sehr im Vordergrund, als dass es ignoriert werden konnte.

„So und wie stellen Sie uns nun vor?“, fragte Kate und gab sich damit zufrieden, dass mögliche Gespräche zu neuen Hinweisen führen könnten. Und Susan zwinkerte ihr mit einem verschwörerischen Lächeln zu.

„Es wäre unverzeihlich von mir, meine Gäste nicht umgehend der Vorsitzenden des Komitees vorzustellen, nicht wahr? Howard, sei ein Lamm und hole mir einen Drink. Kate, Rick, kommen Sie mit.“

***

„Susan! Liebes, du siehst fantastisch aus!“

„Jacqui, diese Farbe sieht umwerfend an dir aus!“

Die beiden Frauen schwärmten sich an und begrüßten sich mit Luftküssen. Susan drehte sich und zog Kate und Rick mit in die Unterhaltung. „Das sind Freunde von mir. Kate, Rick, ich möchte Ihnen Jacqui Lancaster vorstellen, die Vorsitzende des sozialen Komitees.“

Jacqui war eine umwerfende Blondine, die nur ein oder zwei Jahre jünger als Kate war. Sie trug ein schimmerndes himmelblaues Kleid, das perfekt dem leuchtenden Glanz ihrer Augen entsprach. Sie warf einen einzigen kalkulierenden Blick auf das Paar um zu schauen, ob sie ihrer Aufmerksamkeit würdig wären und dann strahlte sie. Offensichtlich hatten sie den Test bestanden.

„Es ist mir immer angenehm neue Freunde zu treffen. Und da wir gerade davon sprechen, Kate, Rick, hier sind zwei andere Mitglieder unseres kleinen Komitees. Amy Davenport und Liz Wilford. Mädchen, das sind die beiden, die bei den Chesterfields zu Besuch sind.“

Begrüßungen und Schmeicheleien wurden ausgetauscht. Amy war braunhaarig und die jüngste der drei und Liz war eine Blondine, die ein oder zwei Jahre älter war.

„Was bringt Sie nach Oakfield Ridge?“, fragte Liz und Kate warf ihrem Mann einen Blick zu, der ihm erlaubte die Frage zu beantworten.

Castle zögerte nicht. „Wie Sie sehen, sind wir auf dem Weg eine Familie zu werden“, begann er und umfasste Kate, „und wir haben bisher noch nicht entschieden, ob das Stadtleben die beste Möglichkeit für unseren Neuankömmling ist. Ein guter Freund von mir ist auch ein Freund von Susan und Howard und er schlug vor, dass wir einmal hierher kommen, um uns umzuschauen und zu sehen, ob es auch zu uns passen könnte.“

„Ich nehme sie morgen mit zu Geoffrey und Anne Munroe, die beabsichtigen bald in ein Senioren-Domizil zu ziehen und wir wissen alle, wie anstrengend es ist zu verkaufen und alles zu hinterlassen“, unterstützte Susan ihn.

Jacqui‘s Lächeln wurde größer. „Das sind ja unsere direkten Nachbarn! Wir sind traurig, dass sie wegziehen werden, aber es wird schön sein, wenn neue Leute in unsere Gemeinde kommen. Aber wo sind meine Manieren. Ich habe Ihnen noch nicht einmal einen Drink angeboten. Was kann ich Ihnen bringen?“

„Für mich nur einen Orangensaft und er nimmt einen Whiskey. Vielen Dank“, lächelte Kate.

Jacqui rief eine der Kellnerinnen, eine schüchtern schauende Afrikanisch-Amerikanische Frau und Kate runzelte die Stirn wegen Jacquis Hand, die beruhigend auf dem Arm der Frau lag und ebenso den besänftigenden Ton, als sie sprach: „Tina, einen Whiskey und einen Orangensaft für unsere Freunde hier, bitte.“

Tina nickte und lief davon.

„Der soziale Club bringt oft jemanden vom eigenen Personal zu diesen Anlässen mit. Tina ist Jacqui’s Haushälterin“, flüsterte Susan Kate ins Ohr.

„So, wie ist es hier zu leben?“, fragte Castle. „Eine Sache, über die wir beide etwas besorgt sind, ist dass wir die Stadt zu sehr vermissen würden, wenn wir hierher zögen. Gehen Sie regelmäßig in die Stadt?“

„Was macht das schon aus, Rick? Sind Sie besorgt, dass Sie das Leben mit uns langweilig finden könnten?“ Jacquis leicht flirtender Tonfall war genug, um das Blut in Kates Ohren rauschen zu lassen, aber das schien Castle nicht zu bemerken.

Howard unterbrach sie, indem er endlich den Drink für Susan brachte und eine Entschuldigung murmelte. „Ist dein Anruf gekommen?“, fragte Susan ihn und als er das verneinte, erklärte sie ihren Gästen: „Howard ist zwar teilweise im Ruhestand, aber er macht immer noch Anrufe nach Tokio und sonst wo hin zu allen Tageszeiten. Ich bin sicher der Anruf aus Tokio kommt später.“

Tina kam mit ihren Getränken zurück, gerade als Liz ihre beiden Freundinnen wegzog. „Gut, es war nett Sie beide zu treffen, aber wir müssen den Abend weiter voran bringen“, sagte sie. Amy lächelte ihnen höflich zu und folgte ihr.

Jacqui drehte sich zu Rick um und ignorierte Kate neben ihm vollkommen. „Ich stelle sicher, dass ich nach Ihnen schaue, wenn Sie morgen Geoff und Anne besuchen“. Sie zwinkerte Rick zu und lief dann ihren Freundinnen hinterher.

***

Castle hatte die unglaubliche Gabe immer Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Eine Eigenschaft, die unzweifelhaft auch eine Rolle für den Level seiner Berühmtheit darstellte. Es war einfach für ihn Leute für sich zu interessieren, indem er ihnen kleine Einblicke in sein Leben oder in seine Persönlichkeit gab. Er hatte auch die Kraft die Leute von anderen Dingen abzulenken oder die Aufmerksamkeit eines ganzen Raumes auf sich zu ziehen.

In Momenten wie diesen, nutzte er dieses zu seinem, zu ihrem Vorteil.

Kates Hand strich über seinen Rücken hinunter bis sie seine Hüfte kurz drücken konnte, um seine Aufmerksamkeit zu erhalten. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihm ihr Anliegen ins Ohr zu flüstern. Er sollte die Menge ablenken, so dass sie kurz weggehen konnte.

Sie ging zur Bar hinüber und setzte sich auf einen der Stühle. Der junge Mann, der hinter der Bar stand, lächelte, während sein Blick über ihren Körper glitt, bis er auf der leichten Wölbung ihres Bauches landete, die durch ihr Kleid hervorgehoben wurde.

Kate fluchte im Stillen darüber, dass sie nicht mehr vorgeben konnte zu flirten, um Informationen zu bekommen, lächelte aber zurück.

„Kann ich Sie etwas fragen?“, fragte sie.

Er zuckte mit den Schultern: „Sicher.“

„Hat jemand hier kürzlich eine Kreditkarte benutzt, die einem Andy McLaughlin gehörte?“, wollte sie wissen, während ihre Finger über den Tresen strichen und sie ihm einen gespielt unschuldigen Blick zu warf. „Er ist ein Freund von mir, dem vor kurzem die Karte gestohlen wurde und nun wurde sie von hier belastet, obwohl er nie selbst hier war.“

Der Barkeeper schaute sie für einen Augenblick mit hochgezogenen Augenbrauen an, schüttelte dann aber seinen Kopf und stellte das Glas zur Seite, das er gerade abtrocknete: „Es tut mir leid, Madame, aber das kann ich Ihnen nicht sagen“, meinte er und griff nach einem weiteren Glas.

Sie musste kämpfen um ihren enttäuschten Gesichtsausdruck zu unterdrücken, setzte aber ihre Show für den jungen Mann fort. „Was ist mit hypothetisch?“

„Warum möchten Sie das wissen?“, entgegnete er.

„Hypothetisch?“

„Sicher.“ Er zuckte wieder mit den Schultern.

Sie nahm ihre Hand vom Tresen, richtete sich in ihrem Stuhl auf und beugte sich mit verschränkten Armen über die Oberfläche. „Was ist, wenn ich Ihnen erzählen würde, dass ich hypothetisch in einem Mordfall ermittle und unsere einzige Spur die Belastung auf der Kreditkarte ist?“, fragte sie und beobachtete, wie er auf einmal Interesse zeigte.

Der Barkeeper räusperte sich, stellte auch das zweite Glas zur Seite und beugte sich ebenfalls über den Tresen.

„Ich würde hypothetisch einen Durchsuchungsbefehl benötigen.“

Einen Seufzer hinunterschluckend, lächelte sie gezwungen. „Könnten Sie mir wenigstens sagen, ob ein Durchsuchungsbefehl von Nutzen wäre. Hypothetisch?“, fragte sie.

„Um ehrlich zu sein“, meinte er, „wahrscheinlich nicht. Wir haben hier keine Überwachungskameras in der Bar. Die Mitglieder mögen es nicht, beobachtet zu werden, wenn ihre Hemmungen fallen.“

Sie nickte verständnisvoll.

„Glauben Sie mir“, fuhr er fort, „Ich könnte Ihnen einige Geschichten erzählen, aber das wären alles nur Erinnerungen der Beschäftigten. Und selbst wenn Sie mir erzählen könnten, was getrunken wurde, sie würden sich nicht erinnern, weil jeder mit der Kreditkarte bezahlt.“

Mit einem weiteren Nicken lehnte sie sich wieder zurück mit der Erkenntnis, dass ihre Suche vergeblich war.

„Also hypothetisch? Tut es mir wirklich leid, dass wir Ihnen nicht helfen können. Aber wir können wirklich nicht“, beendete er seinen Satz und unterstrich seine Worte mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck.

Aber sie verstand, lächelte ihn an und begann aufzustehen. „Trotzdem vielen Dank für die Hilfe mit meiner hypothetischen Situation“, meinte sie.

Er lächelte nochmals bevor sie sich zu Castle drehte, der immer noch die Aufmerksamkeit der meisten Mitglieder der Menge auf sich gezogen hatte, als er über sein letztes Buch sprach. Sie rollte mit den Augen über seine schamlose Eigenwerbung während eines laufenden Falles, machte sich aber auf den Weg an seine Seite und schlüpfte unter seinen Arm, den er einladend ausgestreckt hatte, als er sie herankommen sah.

Sie würden seinen Charme auf jeden Fall benötigen, weil es so aussah, als ob die Undercover-Arbeit ihre einzige Möglichkeit für neue Hinweise wäre.
Review schreiben