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Das Sommerkleid

OneshotRomance, Familie / P18 / Mix
Bilbo Beutlin Dis Fili Kili Thorin Eichenschild
27.07.2018
17.03.2021
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27.07.2018 1.133
 
Als Thorin das Sommerkleid im Schaufenster sah, musste er es einfach kaufen; nicht für sich selbst, natürlich, sondern für seine kleine Schwester, Dís.
Das Kleid war cremefarben, bedruckt mit einem Blumenmuster in verschiedenen Blau- und Grüntönen, die Träger waren aus cemefarbener Spitze und dieselbe Spitze verzierte den tiefen Ausschnitt, die Taille und sogar den Saum des ausgestellten Rocks.
Thorin war davon überzeugt, dass das Kleid gut zu Dís' Perlencollier passen würde, das sie von ihrer verstorbenen Mutter geerbt hatte, sowie ihren weißen Riemchensandalen, und er konnte sie sich genau in dieser Aufmachung vorstellen, wie ihr dunkles, welliges Haar über ihre milchkaffeefarbenen Schultern und ihren Rücken bis hinab auf ihre Taille fiel und wie die Farben des Kleides ihre grünen Augen betonten.
Er hatte das Gefühlr, dass seine kleine Schwester eine Belohnung verdient hatte, nach allem, was sie durchgemacht hatte: die Pflege ihrer kranken Mutter, die Pflege ihres kranken Bruders Frerin, bis dieser schließlich viel zu jung im Alter von siebenundzwanzig Jahren verstarb, die Geburt ihrer beiden Söhne im Abstand von nur achtzehn Monaten, eine alleinerziehende Mutter von einem Baby und einem Kleinkind zu sein, den Haushalt zu schmeißen und sich mit ihm herum zu schlagen...
Ja, er sollte seiner Schwester definitiv zeigen, wie sehr er sie und alles, was sie für ihn und ihre Familie getan hatte, schätzte.
Dís war dreiundzwanzig gewesen, als ihre Mutter starb, und es war auch zu dieser Zeit, dass sie mit dem Gedanken spielte, selbst Mutter zu werden.
Sechs Monate später wurde Frerin krank und Dís spielte nicht länger nur noch mit dem Gedanken, sondern setzte ihren Plan in die Tat um, indem sie eine Kinderwunschklinik kontaktierte, die bereit war auch alleinstehende Frauen zu behandeln, solange sie jemanden als Garantieperson vorweisen konnten.
Natürlich war Thorin zunächst skeptisch gewesen, doch dann hatte Dís ihn davon überzeugt, dass es nicht nur eine Schnappsidee war, sondern dass sie sich wirklich nach einem eigenen Kind sehnte, nach all den Krankheiten und Todesfällen, die sie erlebt hatten (ein paar Jahre zuvor war ihr Großvater verstorben, was zu der Depression ihres Vaters geführt hatte, und nach dem Tod ihrer Mutter beging ihr Vater schließlich Selbstmord), also erklärte er sich dazu bereit als ihre Garantieperson zu fungieren und stimmte somit zu, dass er für den Unterhalt ihres Kindes aufkommen und sich um dieses kümmern würde, falls sie das nicht konnte.
Zusammen mit Frerin wählten sie einen passenden Samenspender aus: Ein Abiturient mit einem Stipendium für eine erstklassige Universität, an der er Literatur und Philosophie studieren würde um Schriftsteller oder Journalist zu werden, der Einzelkind war und noch immer bei seinen Eltern lebte und da er wusste, wie schwer es für seine Eltern gewesen war, ihn zu bekommen, wollte er anderen dabei helfen Eltern zu werden.
Laut der beiefügten Beschreibung war der Samenspender eher klein, nicht sehr sportlich, hatte dunkelblonde Locken, haselnussbraune Augen und seine liebsten Freizeitbeschäftigungen waren Lesen, Kochen und Gärtnern.
Allerdings waren die angehängten Fotos von ihm als Baby und Kleinkind wirklich niedlich und Dís behauptete, dass dies der Typ Mann wäre, mit dem sie ausgehen würde (wenn sie keine eingefleischte Junggesellin wäre).
Es dauerte fünf vergebliche Versuche bis Dís endlich schwanger wurde und neun Monate später, an einem milden, sonnigen Apriltag, brachte Dís einen gesunden Jungen mit einem Schopf goldblonder Locken, Pausbäckchen und hellblauen Augen zur Welt.
Drei Tage später durften Dís und das Baby nach Hause und da Frerin inzwischen bereits bettlägrig war, war es das erste Mal, dass er seinen Neffen halten konnte (im Gegensatz zu Thorin, der bei der Geburt dabei gewesen war und sogar die Nabelschnur durchschneiden durfte).
Tatsächlich zeigte eins der letzten Bilder ihres Bruders, wie dieser einen Säugling hielt, der wie eine Mini-Ausgabe von ihm selbst aussah.
Einen Tag später starb Frerin, aber die Tatsache, dass er noch seinen Neffen kennen lernen durfte, tröstete Thorin und Dís ein wenig.
Fíli war ein unkompliziertes Baby, das so gut wie nie krank wurde, ordentlich trank, nachts durchschlief, leicht zu beruhigen war, wenn er weinte, und bestens gedeihte, sodass Dís sechs Monate nachdem sie zum ersten Mal Mutter geworden war, ein weiteres Kind wollte.
Sie wählten denselben Samenspender und dieses Mal wurde Dís sofort schwanger, doch sie verlor das Baby im ersten Trimester (und Thorin würde nie vergessen, wie schrecklich es für ihn gewesen war seine Schwester so leidend und heftig blutend zu sehen und er brauchte mehrere Tage um hinterher sauber zu machen, während er sich noch um ein Baby kümmern musste, denn Dís war Bettruhe verordnet worden).
Aber sie gaben nicht auf, also versuchte es Dís erneut (mit demselben Spender) und dieses Mal war sie erfolgreich, trug das Kind bis zum errechneten Geburtstermin unter dem Herzen, doch dann musste ein Kaiserschnitt durchgeführt werden, da die Nabelschnur um den Hals des Kleinen gewickelt war.
Trotzdem war Thorin der erste, der ihn halten durfte (natürlich nach den Ärzten und der Hebamme), da Dís noch immer unter dem Einfluss der Narkose stand, und er durfte sogar das sich windende, schreiende, schrumpelige, rötliche Bündel Leben mit dem dichten Schopf dunkler Haare baden (während Dís genäht wurde), seinen zweiten Neffen, Kíli.
Als Kíli ein paar Stunden alt war, bekamen sie Besuch von ihrem Freund Dwalin, einem entfernten Cousin, der auf Dís' Erstgeborenen aufgepasst hatte, sowie dem kleinen Fíli selbst, und alle drei Erwachsenen waren sich darin einig, dass es ganz offensichtlich Liebe auf den ersten Blick bei den beiden Brüdern war.
Doch Kíli war, anders als Fíli, ein schwieriges Baby, das ständig unter Koliken litt, häufig hohes Fieber hatte und nach dem Trinken spuckte, wenn er denn überhaupt genug trank, sodass weder Dís noch Thorin genug Schlaf bekamen, seit der Geburt sechs Monate zuvor.
Aber Thorin konnte sich kein anderes Leben mehr vorstellen.
Für ihn waren Fíli und Kíli wie seine eigenen Söhne und er und Dís hatten eine häusliche Routine entwickelt.
Deswegen war es nur natürlich, dass er dieses absolut schöne wenn auch ziemlich teure Kleid für seine Schwester kaufen würde...
"Soll ich es als Geschenk einpacken?", fragte die Verkäuferin, nachdem Thorin mit seiner Kreditkarte bezahlt hatte.
"Ja, bitte", antwortete er und die (sehr attraktive und junge)Verkäuferin (die ihn mit ihren langen, dunklen Haaren und ihrer schlanken, doch kurvigen Figur ein wenig an Dís erinnerte) lächelte ihm freundlich zu.
"Ihre Verlobte wird sehr begeistert sein von diesem großzügigen Geschenk", erklärte sie und Thorin runzelte die Stirn.
"Verlobte?", hakte er nach.
Die Verkäuferin kicherte. "Oh, ähm, Sie tragen keinen Ehering, also habe ich angenommen..."
Thorin schenkte ihr ein halbes Lächeln.
"Nun, dieses Kleid ist weder für meine Frau noch meine Verlobte oder Freundin... Es ist für meine Schwester!"stellte er klar und falls die Verkäuferin dies seltsam fand, so zeigte sie das jedoch nicht.
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A/N: Wer ist wohl der Samenspender? Und wer ist die Verkäuferin?
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