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Camp Mittelerde

GeschichteHumor, Parodie / P12
OC (Own Character)
25.07.2018
18.08.2018
6
4.729
1
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Dieses Kapitel
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27.07.2018 978
 
„Ich bin ein König, ich werde dieses Zelt garantiert nicht selber aufbauen!“ Laut schallte Thranduils Stimme über den Platz und verschränkte die Arme vor seiner Brust. Ein aufgebrachtes Stöhnen verließ meinen Mund. Noch vor zwanzig Minuten hatte sich der König Düsterwalds und Schwarm zahlloser Fangirls vor den Zwergen Erebors (welche meine Tante versuchte davon zu überzeugen, dass sie keine Miene unter ihrer Kohte brauchten) gebrüstet, er wäre ein Meister des Kohtenaufbauens. Dann brach die Kohte zusammen und nun weigerte er sich, Hand anzulegen.
Nur war Elrond als Lagersanitäter schon ausgerückt (Fili hatte doch noch einige Dolche dabei), um verschiedene Beine zu verarzten, und Thorin und Thranduil blieben zurück. Scheiß Zeltaufteilung!
„Sie werden jetzt verdammt noch mal mit diesem Hohlkopf von Zwerg eine Kohte aufbauen, sonst drehe ich hier gleich richtig durch. Und wenn sie damit fertig sind und der Tag sich noch nicht verabschiedet hat, dann werden sie, verdammt noch mal, den anderen helfen!“
„Ich bin der König unter dem Berge, ich lasse mich nicht von einem Mädchen Hohlkopf nennen!“
„Oh, entschuldigt, es ist nur so, dass ich normalerweise mit schlauen Menschen interagiere, nicht mit verwöhnten und unselbstständigen Zwergen.“
Als er meine aufgebrachten Worte hörte, eilte Blue, die einzige vernünftige Männlichkeit (wo wir uns der Männlichkeit auch sicher waren, hust, hust, Thranduil, hust, hust)in diesem Camp, zu mir und sah mich aus großen blauen Augen treu an, bevor er tat, wonach auch mir der Sinn stand: Die beiden Herrschaften anknurren und die Zähne blecken. Eilig machten diese sich nun ans Werk. Ich wuschelte meinem Liebling durchs Fell und machte mich auf, den anderen Idioten aus der Patsche zu helfen.
„Braucht ihr Unterstützung?“, fragte ich die Bewohner von Kohte 2. Haldir, Legolas und Lindir verhedderten sich gerade im Kohtenstoff. „Hilfe wäre durchaus sehr liebenswürdig“, knurrte der Hauptmann der lothlorischen Wache.
Ich musste grinsen, als ich das Chaos sah. Das lockerste Kohtenkreuz, das ich je gesehen hatte, die Stangen wild durcheinander, und das Zweibein, an dem das Kohtenkreuz uns später auch die Kohtenplane hängen sollte, war vollkommen falsch gebunden.
„Was gibt es denn da zu grinsen?“, wollte Haldir dann erzürnt wissen.
„Wenn ihr sehen könntet, was ich sehe, dann würdet ihr auch so grinsen. Also erst einmal müsstet ihr aus der Plane raus.“

Es dauerte länger, als geplant, aber trotzdem waren am Abend alle Kohten aufgebaut, auch wenn Kohte 1… kreativ aussah. Es war sicher die am besten belüftete, denn die Schlaumeier hatten vergessen, die Kohtenbahnen aneinander zu knüpfen. Ich muss zugeben, dass die anderen Zwerge (Balin, Orim Gimli) eine wirklich gute Kohte aufgebaut hatten und auch die Kohte der drei Ellons ganz gut aussah. Über die der Menschenkönige hätte man diskutieren können, aber wenn sie durchhängende Seiten mögen, dann bitte. Und unsere Kohte? Das war, ohne mich brüsten zu wollen, die beste. Glatte Seiten, feste Knoten, stabiles Zweibein und ein sehr zufriedenstellendes Kohtenkreuz.
Wir versammelten uns dann ums Lagerfeuer, alle mehr oder weniger erleichtert, dass wir fertig waren. Obwohl ich glaube, dass Blue das Knurren wirklich genossen hat…
Ebenjener saß jetzt übrigens neben mir, mit den Augen misstrauisch unsere Campbesucher fixierend. Meine Tante erklärte gerade das Prinzip der nächsten Tage. „Also: Jeden Morgen werdet ihr um halb acht geweckt, darauf folgt das Frühstück und dann das Tagesprogramm. Um 18:30 Uhr gibt es Abendbrot, danach die Diensteinteilung für den nächsten Tag. Nachtruhe ist um 22:30 Uhr. Weil es keine Dixiklos gibt müsst ihr leider in den nächsten Busch urinieren, für äh… größeres gibt es Tüten. Die wandern bitte in den Mülleimer. Das Abendbrot wird heute etwas später beginnen, deswegen fangen wir doch am besten schon mal mit der Dienstverteilung an. Also, welche Kohte meldet sich freiwillig für den Schmierdienst?“
Als sich die nächsten (gefühlten) zehn Minuten keiner meldete, sagte sie: „Schön, dann übernimmt das Kohte 6. Als zweites bräuchten wir eine Kohte, die freiwillig den Platz abläuft und Müll einsammelt.“
Das war noch der einfachste Dienst, fand ich. Unser Camp lag in einem lichten, kleinen Tal umrandet mit Wald, in der Mitte eine Feuerstelle und einen Kreis von Kohten beherbergend. In Richtung Eingang (der im Norden lag) führte eine kleine Straße, am Rande davon sollten bald Dixi-klos stehen. Von einem See, westlich von uns, floss ein kleiner Bach durch das Camp und unter der Straße durch. Ein sehr schönes Lager, fand ich. Abgesehen von unseren Gästen natürlich, welche immer noch keine Freiwilligen herausbrachten.
„Gut, dann macht das Kohte 2. Dann werden morgen die Dixiklos gebracht, wir brauchen also einen Kloputzdienst. Wer möchte das übernehmen?“
Ja und das war der schlimmste Dienst…
Als sich wieder keiner meldete, erklärte Kati: „Okay, in Ordnung, dann macht das Kohte 1, abgesehen von Elrond, der ist ja Lagersanitäter.“
Ich grinste schadenfroh. Geschah denen recht!
„Dann brauchen wir Feuerwärter, die das ganze Lager Feuerwärter bleiben und von anderen Pflichten befreit sind. Freiwillige?“ Ja, Kohte 3, die erste vernünftige Kohte hier. Mit einem Nicken und einem Lächeln nahm Kati das Angebot an. „Gut, dann war’s das für’s Erste an Diensten, wer hat Lust eine Runde Werwolf?“ Einen ernst gemeinten Tipp: Nehmt auf ein Lager immer ein Werwolfspiel mit. Von meiner Cousine Samirah wusste ich, dass das auch bei Pfadfindern eine gängige Methode ist, sich die Zeit zu vertreiben. Und so kam es, dass ich in der ersten Runde Werwolf war und nicht nur Thranduil, sondern auch Thorin und jede Menge anderer Leute umbrachte, bis ich selbst dran glauben musste und die Enthüllung meiner Karte mir einige „Wusste ich’s doch!“ und hochgezogene Augenbrauen einbrachte. Es war eigentlich ein sehr schöner Abend, auch wenn Zwergen das Wort „Nachtruhe“ wohl unbekannt war. So ging unser erster Tag im Camp Mittelerde zu Ende. Und es würden noch viele weitere folgen.

So viel zum ersten regelmäßigen Upload... Und schon kommt mir was dazwischen. Schande über mich! Trotzdem hoffe ich, dass euch das Kapitel gefallen hat. Ich würde mich über Rückmeldung freuen!

LG, Taura Maril
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