Kleine Prinzessin, große Sorgen

von Lady0409
GeschichteDrama, Familie / P12
Dr. Niklas Ahrend Julia Berger
22.07.2018
25.03.2020
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Kleine Prinzessin, große Sorgen
     
     
Julia und Niklas sind seit einem Jahr wieder ein festes Paar und erwarten nun ihr erstes gemeinsames Kind. Doch plötzlich muss Niklas um seine Familie bangen...
     
Fanfiktion zu In aller Freundschaft - die jungen Ärzte
Vorgeschichte - Teil 1

     
     
„Niklas, ich… Ich liebe dich.“, flüsterte Julia Berger ihrem Lebensgefährten Niklas ins Ohr. Seit nunmehr knapp 1 ¾ Jahren waren sie ein Paar und mit jedem Tag liebte die Assistenzärztin, die in wenigen Wochen ihre Facharztprüfung absolvieren würde, den Oberarzt mehr und mehr.

„Ich liebe dich auch.“ Mit verführerischer Stimme antwortete Niklas auf die liebevollen Worte und Julia einen sanften Kuss auf die Stirn. „Ich bin so froh, dass du da bist. Ich liebe dich… und dich hier drinnen auch.“ Zärtlich bettete Niklas seine Hand auf die seiner Liebsten und beide streichelten über den mittlerweile kugelrunden Schwangerschaftsbauch der Bald-Mutter.

In wenigen Wochen, am 25. Juni 2020, würde der erste gemeinsame Sohn der beiden Mediziner auf die Welt kommen; die beiden Mediziner durchforsteten schon die ganzen Wochen lang Babybücher und Namenslisten im Internet, doch ein passender Name für das Kind wollte beiden nicht einfallen.

„Ich bin so froh, wenn ich den Kleinen endlich auf die Welt gebracht habe. Als Gynäkologin gibt man immer nur Ratschläge und tut so, als würde man etwas davon verstehen, was das für Qualen sind, die eine Patientin in der Schwangerschaft durchsteht… Aber das jetzt am eigenen Leib mit zu erfahren und zu merken, wie das alles abläuft… Ein bisschen Angst vor der Geburt hab ich jetzt schon…“
„Du brauchst dir keine Sorgen machen; ich werde sowieso dabei sein, wenn unser kleiner Junge auf die Welt kommt. Als dein behandelnder Gynäkologe… und als dein Papa, mein tapferer, kleiner Engel. Noch ein paar Wochen musst du es in Mamas Bauch aushalten und dann kannst du deine Mama und deinen Papa das erste Mal sehen.“
Niklas sah seine Frau an; er fand, dass sie als Schwangere noch um einiges schöner aussah, als sie es sonst schon war. „Ich bin froh, dass du da bist. Mein kleiner Junge. Du kommst bald auf die Welt. Und dann werden Mama und ich dir helfen, die Welt zu entdecken und zu verstehen. … Bestimmt wächst hier drinnen ein neuer Onkel Doktor heran.“

„Wenn es nicht ein kleines Mädchen ist und uns die Nabelschnur einen Streich spielt…“, zwinkerte Julia ihrem Liebsten zu, doch Niklas, der das letzte Ultraschallbild in einem kleinen Bilderrahmen aufbewahrte, zeigte seiner Lebensgefährtin, dass es auf alle Fälle ein kleiner Junge wäre, der unter dem Herzen der Mutter zu einem kräftigen Baby heranwuchs.
„Ich werde dich später dran erinnern, wenn aus Leon Malik vielleicht doch eine kleine süße, Leonie Malina wird.“, sagte Julia einfach so und Niklas sah seine Freundin perplex an. „Das… Das ist ein wunderschöner Name. Wie kommst du auf diese Idee? Das… Julia, das ist der perfekte Name für das zweite Baby.“

„Ich habe wohl zu viele Bücher über Babynamen gelesen… Aber du hast recht, Leonie Malina. Das ist ein so schöner Name, dass… Dass der ganz oben auf meine Namensliste kommt. … Was hältst du denn von Leonie Malina, mein kleines Mädchen?“ Liebevoll streichelte Julia über ihren Bauch und flüsterte ihrem Baby zu: „Du bist doch Mamas kleines Mädchen, hm? Wir zwei Frauen müssen uns doch gegen deinen Papa durchsetzen können…“

„Und ich bleibe der einzige Mann im Haus?“, fragte Niklas, bevor Julia den Sinn hinter dieser Aussage verstand und erwiderte: „Nein… Ein Kind reicht erst einmal. Lass uns Leonie Malina erst einmal durch die ersten Jahre kriegen… Dann können wir über weiteren Nachwuchs DISKUTIEREN!“, meinte Julia und bekam von Niklas einen dicken Kuss.

„Aber wir müssen doch eine ganze Fußballmannschaft zusammenstellen können. Mit den Zwillingen von Leyla und Herrn Ahlbeck haben wir dann schon drei Fußballer zusammen. Aber es fehlen noch ein paar Kinder… Und zu zweit aufwachsen ist für unseren kleinen Sohn auch besser, als als Einzelkind zu versauern. Glaub mir, ich bin doch selbst als Einzelkind aufgewachsen; von Kathrins Existenz habe ich ja erst nach dem Tod meiner Mutter erfahren.“

„Wir werden sehen, wie unser kleines MÄDCHEN in den ersten Monaten und Jahren auf das neue Umfeld reagiert. Aber vor ihrem zweiten Geburtstag will ich auf keinen Fall ein zweites Kind haben. Lass sie erst mal aus dem gröbsten raus sein, bis wir an weiteren Nachwuchs denken…“, meinte Julia und ihr Mann nickte zustimmend. „Gut… Gut, dann warten wir eben darauf, dass unser kleiner JUNGE seinen zweiten Geburtstag gefeiert hat. Aber wie ein Mönch will ich in der Zeit nicht leben. Und wenn es eben vorher passiert, dann wird dieses zweite Kind nicht abgetrieben! Verstanden, Frau Berger?“
„Natürlich… Du kannst dich darauf verlassen, Niklas. … Lass uns jetzt ins Bett gehen, ich bin jetzt auch schon hundemüde. Unser MÄDCHEN macht heute sehr viel Sport. Für meine Verhältnisse sogar schon zu viel. Ich habe Rückenschmerzen…“

„Soll ich Sie dann massieren, Frau Dr. Berger?“, fragte Niklas mit verführerischer Stimme und Julia nickte zustimmend, als sie sich ihren Bauch hielt. „Aber mit dem größten… Vergnügen, Herr Dr. Ahrend. … Ich bin froh, wenn die Schwangerschaft zu Ende ist. Das… Das ist ja schrecklich… Wie halten das nur die anderen Frauen aus?“
„Die arbeiten auch nicht bis zum Umfallen am Eltern-Baby-Zimmer.“, deutete Niklas auf das weiße Babybett, das Julia ohne dem Wissen von Niklas am heutigen Tage, während der Oberarzt in der Klinik gearbeitet hatte, aufgebaut hatte. „Ich habe dir doch gesagt, dass du das Kinderbett stehen lassen sollst. Ich hätte es schon aufgebaut. Oder du hättest deinen Vater fragen können. Aber du musstest es ja alles alleine machen. Kein Wunder, dass du jetzt Rückenschmerzen hast.“

„Ich werde mich bessern. Außerdem habe ich das Bett auch gar nicht alleine aufgebaut, der Vater der kleinen Mira hat mir freundlicherweise geholfen. Aber… Ich will ins Bett, mein Rücken macht mich langsam verrückt…“, erklärte Julia und Niklas hob seine Fast-Ehefrau auf den Arm. „Dann bringe ich dich schon ins Bett. Und dort gibt es eine Schwangerenspezialmassage… Mit Babyöl und allem, mit was ich dich noch verwöhnen kann… Du wirst sehen, ich bin der beste Masseur der Welt.“


Im Bett liegend, ließ sich Julia schon wenig später von ihrem angehenden Ehemann (die Hochzeit stand schon fest, zwei Monate nach dem errechneten Geburtstermin ihres Babys würden die Hochzeitsglocken läuten) massieren. Niklas merkte die Verspannung seiner Frau, die vor ihm lag und ihren dicken Bauch, der für die 28. Schwangerschaftswoche schon eine beachtliche Größe angenommen hatte, massierte.

„Was machst du denn hier nur mit deiner Mama? Das hat deine Mami eigentlich gar nicht verdient, dass sie sich so quälen muss… Schäm dich, du kleiner Mann. Stell dich in die Ecke und schäm´ dich.“, fragte Niklas sein Baby und Julia lächelte.
„Er kann sich weder in die Ecke stellen, noch ist er schuld an den Schmerzen. Die sind einfach schon seit ein paar Tagen da. Aber in den letzten Stunden…“, seufzte Julia und Niklas strich zum fünfzigsten Mal vorsichtig die Wirbelsäule seiner Liebsten entlang. „Du wirst gleich merken, dass es dir gut tut, was ich hier mache… Jule, du hast noch ein paar Wochen deine dicke Murmel dran. Das wird nicht einfacher, mein Liebling.“

„Erinnere mich bitte nicht daran, Niklas. Ich könnte… AAAA… dass das solche Schmerzen sind, das ist doch nicht normal… Niklas, ich… Was ist das?“, fragte Julia und sie fasste sich an ihren Bauch. „Mein… Das Baby bewegt sich nicht.“
„Er wird schlafen, Jule. Mach dir keine Sorgen. Vorhin hat er sich noch bewegt. … Kleines, mach doch bitte mal eine kurze Bewegung…“, bat Niklas sein ungeborenes Baby und er fühlte auf der Bauchdecke von Julia kleine Bewegungen seines Kindes. „Siehst du, unser kleines Mäuschen ist ein ganz lieber Junge, der auf seinen Papa hört. Du musst dir keine Sorgen machen. Es kommt alles in Ordnung.“, erklärte Niklas und strich weiter über Julias Rücken, der sich merklich immer mehr entspannte, während Julia panisch an ihrem Bauch fühlte, ob sich ihr Baby noch bewegte.
„Julia, es geht ihm gut. Er ist nur müde. … Bei der letzten Untersuchung vor zwei Tagen war zwar das kleine Herzchen ein wenig zu schnell, aber das war deine Aufregung. Es ist alles in Ordnung. Entspann dich und denk´ an etwas Schönes.“

„Ich kann einfach nicht an irgendetwas anderes denken, als an unser Kind. Niklas, was ist denn, wenn… Wenn meine Angst keine Einbildung ist, sondern es der Kleinen schlecht geht? Es kann doch immer noch sein, dass sich der Zustand von Leonie verschlechtert hat. … Ich glaub, ich will lieber in die Klinik und noch einmal einen Ultraschall machen… Irgendwas stimmt nicht mit dem Baby, ich spüre das.“

„Dem Baby geht es gut, Julia. … Ich höre noch mal mit dem Stethoskop auf deinen Bauch. Aber auch da wird nichts sein. Unserem Kleinen geht es gut; Leon ist gesund. Glaub mir.“, beruhigte Niklas die aufgebrachte Jungmutter und er hörte mit dem Stethoskop den Bauch der jungen Frau ab. „Das klingt alles… sehr gut, Julia. Dem Baby geht es gut. … Aber wenn du es unbedingt willst, dann machen wir morgen in der Klinik noch einmal einen Ultraschall und nehmen zur Sicherheit noch eine kleine Blutprobe von dir. Ich verspreche dir, dem Baby geht es sehr gut.“



Die Nacht brach an und trotz ihrer Müdigkeit blieb Julia die ganze Zeit über wach und grübelte darüber nach, was mit ihrem Baby war. Wieso spürte sie es plötzlich kaum noch? Warum machte ihr Baby nicht, wie sonst immer um diese Zeit, Sport im Unterleib der werdenden Mutter? Und warum um Himmels Willen war Julia jetzt plötzlich undicht?
Sie spürte, wie das Wasser langsam über ihre Beine floss und erschrak. „Niklas… Niklas, wach auf. … Niklas, ich… Das BABY! NIKLAS, WACH AUF! DAS BABY!“, schrie die junge Mutter und fühlte zwischen ihren Beinen das Wasser, das aus ihr herausgelaufen war.
Nein, das war doch nicht etwa… Das konnte unmöglich schon Fruchtwasser sein! Nicht jetzt! Nicht in dieser Nacht!

„Niklas, die Fruchtblase ist geplatzt! NIKLAS, DAS BABY KOMMT!“, brüllte die werdende Mutter mitten in der Nacht und ihr Mann hielt es für einen schlechten Traum.
Er drehte sich zu seiner Frau um und versuchte, die Schwangere zu beruhigen. „Du hast schlecht geträumt, Julia. Das Baby ist heute noch nicht dran; du bist erst in der 28. Woche. Es wäre viel zu früh.“, murmelte der Oberarzt, als Julia die Nachttischlampe anknipste, aus dem Bett aufstand und auf die nasse Matratze deutete.

„Ich habe schlecht geträumt?! Ich habe nicht schlecht geträumt! Die Fruchtblase ist geplatzt, das Baby kommt… Das Baby kommt heute Nacht…“, meinte Julia und Niklas sprang sofort, als er merkte, dass seine Frau nicht schlecht geträumt, sondern wirklich einen Blasensprung erlitten hatte. Beruhigend sprach er auf Julia ein und versuchte, seine Frau ein wenig dazu zu ermuntern, ruhig zu atmen.
„Du musst jetzt ganz ganz ruhig atmen, Julia. Hör mir zu, ich werde jetzt sofort einen RTW holen. Und dann fahren wir in die Klinik. … Keine Sorge, noch können wir die Geburt aufhalten, wenn der Muttermund noch nicht allzu weit geöffnet und die Geburt zu weit vorangeschritten ist.“, meinte der Oberarzt und wählte sofort die Notrufnummer.

„Niklas Ahrend. Ich brauche sofort einen RTW hier bei mir zu Hause. Meine Frau ist schwanger, in der 28. Woche und hatte vor fünf Minuten einen Blasensprung… Ich bin Gynäkologe, da werde ich wohl wissen, dass es sich um einen Blasensprung bei meiner Frau handelt. Schicken sie auf der Stelle einen RTW her; ich habe hier keinen Inkubator und keinen Operationssaal, um das Kind im Notfall per Sectio zu holen. … Ja, An der Krämerbrücke 20… bei Ahrend natürlich. Machen sie ein bisschen Tempo…“, gab Niklas angespannt durch das Telefon bekannt und meldete Julia anschließend auch schon in der Klinik an.
„Dr. Bähr… Hier ist Dr. Ahrend. Bereiten sie bitte alles für eine Not-OP vor; bei Julia… bei Julia haben die Wehen eingesetzt. Es gab einen Blasensprung bei ihr.“, erklärte der Arzt, immer noch geschockt und Elias schien ebenfalls erst einmal seine Gedanken ordnen zu müssen, bevor er meinte, dass er sofort alles vorbereiten würde. „Haben sie schon den RTW geholt?“
„Natürlich habe ich das. Bereiten sie in der Klinik alles vor, wir sind in einer halben Stunde da… Wenn die Kollegen endlich kommen würden.“, erklärte Niklas, der aufgebracht zu seiner Liebsten sah und ihr zuflüsterte, dass alles gut werden würde.

„Ich habe Schmerzen… Niklas, das Baby… Das Baby darf noch nicht kommen; es darf noch nicht kommen. Ich bin noch nicht bereit, unser Baby… Unser Kind ist doch noch viel zu klein für eine Geburt; du hast doch gesagt, dass es für die 28. Woche zu klein und zu leicht wäre… Ich kann es nicht bekommen, ich kann das Baby nicht bekommen. Bitte… Sie darf nicht kommen… Nicht heute…“
„Keine Angst, Julia. Das wird schon. … Bereiten sie alles vor, wir sind bald da.“, erklärte Niklas noch einmal dem diensthabenden Arzt in der Klinik und dann kümmerte er sich wieder um seine Liebste. „Du musst keine Angst haben, Juli. Es kommt alles in Ordnung. Wir werden in der Klinik die Fruchtblase in der OP wieder auffüllen und sicher verschließen. Das Baby kommt heute nicht auf die Welt. Glaub mir, das Kleine kommt heute nicht… Bleib schön in deiner Mama drin, Maus. Du musst noch ein klein wenig im Bauch von der Mama bleiben…“, erklärte Niklas und legte beruhigend seine Hand auf Julias Rücken, was die schwangere Frau nicht zur Ruhe brachte.

„Ich will das Baby nicht verlieren, Niklas. Sie darf nicht sterben… Sie darf nicht sterben. Sie ist doch viel zu klein, um jetzt schon auf die Welt zu kommen. Ich will nicht, dass die Kleine… Was… Was machen wir denn dann mit dem Babybett? Ich… Ich habe doch schon alles vorbereitet. Die Plüschmaus… Die kleinen Dinge da vorne auf dem Wickeltisch… Die Windeln, die ganzen Sachen für das Baby. Die Pflegecreme, die kleine Spieluhr über dem Wickeltisch… Im Wohnzimmer die Wiege, die ich von dem einen Patienten bekommen habe… Ich will sie nicht verlieren.“

„Mach dir keine Sorgen; in ein paar Augenblicken wird der RTW kommen und dann fahren wir mit dir sofort in die Klinik. … Maus, du musst in der Mama bleiben… Julia, ich möchte dich kurz untersuchen.“, bat Niklas und Julia legte sich bequem hin, bevor Niklas sich im Badezimmer ein paar Einweghandschuhe aus dem Vorrat holte, diese sich überzog und nach dem Muttermund seiner Frau tastete, was ihn in noch größere Sorge brachte.
„Der Muttermund ist schon drei Zentimeter geöffnet… Ganz ruhig, ich bin da… Unser Baby liegt bereits in Geburtsstellung. Aber für eine Geburt ist der Kleine noch zu schwach… Wir müssen deine Schwangerschaft unbedingt noch ein wenig länger erhalten, sonst hat unser Baby keine Chance.“, erklärte Niklas und tastete den Bauch seiner Frau ab, wobei er merkte, dass dies seiner Frau große Schmerzen bereitete.
„Mach dir keine Sorgen, Julchen. Wir kriegen das hin.“, beruhigte der werdende Vater die Schwangere und schon hörte man das Martinshorn des RTW, der vor dem Haus stehen blieb. „Da ist der RTW. Jetzt geht es endlich los; ich bringe euch jetzt ins Krankenhaus und dann werden wir die Schwangerschaft retten, ich verspreche es dir…“
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