TOPModel: Talitas Vergangenheit

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
21.07.2018
21.07.2018
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Ich bin Talita Caple, eine normale Achtzehnjährige, die sich für Musik interessiert. Doch etwas ist an mir anderes. Ich lebe nicht wie andere Teenager in einer schönen Stadt mit eigenem Haus, einer Familie und einem Hund, sondern in einem Armenviertel in Rio de Jainero in dem Land Brasilien alleine mit meinem Vater. Meine Mutter ist gestorben, als ich erst 6 Jahre alt war. Das hat unsere kleine Familie damals sehr getroffen. Ich wünsche mir manchmal, dass ich immer noch mit meiner Mutter zusammen an unserem Klavier singen kann und mein Vater uns zuhört und applaudiert. Aber ich wünsche mir auch, dass die Menschen auf der Straße mich und meinen Vater nicht so seltsam ansehen oder denken: ,,Typisch Penner. Gehen mit kaputten Plastiktüten zu irgendeinem Billigsupermarkt und besorgen sich dort etwas zu saufen, statt anständiges Essen zu kaufen.“ Aber so ist das nicht. Mein Vater arbeitet viel und ich gehe auch zur Schule. Doch diese Menschen interessiert sowas doch nicht. Die gehen gleich in ihre modern ausgestatteten Häuser mit eigenem Pool und setzen sich vor ihre Mac-Books. Solche Menschen müssen sich nie Gedanken um Geld machen, denn sie schließen alles in einen gut gesicherten Tresor ab und leben von ihren tausenden Euro. Und ich? Ich freue mich, wenn ich 50 Cent in der U-Bahn finde, da jeder Cent im Leben zählt. Das ist meine Geschichte und die werde ich euch erzählen.

Alles begann in Buenos Aires. Mein Vater kam gerade von seinem Job im Büro und es fing an zu regnen. Es war am Abend und er lief die Promenade von Buenos Aires entlang. Er hatte einen schweren Arbeitstag hinter sich und war erschöpft von dem täglichen Tippen am Computer und Klingeln des Telefons. Manchmal hatte er Erscheinungen, er hört das Klingeln im Ohr. Doch er wusste, er brauchte das Geld. Er wurde nicht schlecht bezahlt. Im Gegenteil: Er konnte sich eine Wohnung im Zentrum der Stadt leisten. Meine Mutter war Lehrerin in einer Musikschule in Buenos Aires und verdiente sehr gut. Sie lebte noch zu Hause bei ihren Eltern. Meinen Großeltern. Sie halfen ihr wo sie konnten. Auch sie lief die Promenade entlang, auf dem Weg nach Hause. Plötzlich stieß sie mit meinem Dad zusammen. Sie entschuldigte sich und da sie sich schuldig fühlte, lud sie ihn zu einem Kaffee ein. Sie redeten lange bis in die Nacht und spazierten später noch am Strand entlang. Dort küssten sie sich das erste Mal. Für beide war es ein magischer Moment. Das Meer, die warme Brise am Abend und der Kuss. Es vergingen Monate und sie trafen sich jede Woche am Sonntag und unternahmen etwas. Bald schon wollten sie zusammenziehen, da mein Dad um die Hand meiner Mutter angehalten hat. Doch dann starben meine Großeltern an Alterschwäche. Es war sehr traurig, denn meine Eltern wussten, ich würde Oma und Opa nie kennenlernen. Sie zogen bald in ein eigenes Haus. Ein Strandhaus, direkt am Strand von Buenos Aires und einer großen Terrasse, von der man auf das weite Meer schauen konnte. Es war traumhaft. Mein Vater gab nach einiger Zeit den Bürojob auf, denn meine Mutter konnte alles als Musiklehrerin gut finanzieren. Und dann kam ich, Talita. Mum hat den Namen ausgesucht. Wir hatten in unserem Wohnzimmer ein großes Klavier stehen, auf dem meine Mutter mir Piano beibrachte. Ich lernte schnell und konnte nach weniger Zeit schon einige Lieder spielen. Das Lieblingslied meiner Mutter: Zurück zu mir. Ich liebte dieses Lied. Wir verbrachten viel Zeit als Familie. Wir gingen schwimmen im Meer, picknickten im Sommer am Strand und saßen abends zusammen auf unserer Terrasse. Ich hätte so gern dieses Leben weitergelebt, doch das Schicksal traf uns hart. An einem Tag kam meine Mutter aus dem Supermarkt und telefonierte mit ihrem Handy, während sie die Straße überquerte. Sie achtete dabei nicht auf den Verkehr und wurde von einem weißen Lieferwagen erfasst. Mein Dad kam so schnell wie möglich an die Unfallsstelle, wo bereits der Rettungsdienst vor Ort war. Er stand wie angewurzelt da, als meine Mutter schnell verarztet wurde und ins Krankenhaus gebracht wurde. Als mein Dad heim kam, wartete ich sehnsüchtig an der Haustür und fragte wo Mum war, doch er sagte nichts. Am nächsten Tag besuchten wir meine Mutter. Ich lief an ihr Bett und umarmte sie. Ich fragte, ob alles okay ist und sie antwortete, dass sie bald entlassen wird und es ihr gut geht. Mit gutem Gefühl gingen wir heim. Dann fingen die Probleme an, es gab Probleme mit Mamas Arbeit und Dad versuchte alles, damit sie nicht gefeuert wurde. Doch so geschah es. Ich sah meinen Vater abends am Schreibtisch vor Papierkram und Telefon mit beiden Händen die Stirn gestemmt sitzen. Ich wusste, dass nichts okay war. Tage vergingen und wir hörten nichts von Mum, bis eines Tages das Telefon klingelte. So schnell wir konnten, kamen mein Dad und ich zum Krankenhaus und er hatte auf dem Weg Blumen gekauft, denn er freute sich meine Mutter wiederzusehen, so wie ich. Doch es stellte sich heraus, dass ihr Zustand sich verschlimmert hatte und sie sterben würde. Heulend lief ich ihr in die Arme und betete, dass sie nicht starb. Mein Dad brach in Tränen aus und hielt ihre Hand. Die letzten Worte meiner Mum waren: ,,Talita, versprich mir, dass du immer an deine Träume glaubst und nie die Hoffnung aufgibst.“ Schluchzend sagte ich: ,,Versprochen, Mama.“ Sie wendete sich an meinen Dad: ,,Marco, pass auf sie auf und sorge für sie. Ich werde euch immer lieben.“ Nach diesen Worten ging sie von uns. Ich schrie laut: ,,MAMA! BITTE WACH AUF!“ Doch sie tat es nicht, sie war tot und wir konnten nichts machen außer neben ihr zu stehen. Die Blumen, die Papa gekauft hatte, legte er auf meine Mutter, nahm meine Hand und wir verließen den Raum und kamen nicht zurück.
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