Geschlecht und Identität

GeschichteAllgemein / P18
21.07.2018
21.07.2018
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Was ist Geschlecht?
Diese Frage zu beantworten liegt im Ermessen jedes einzelnen, sowie in seiner Einstellung, seiner Lebensweise und seiner Überzeugung. Die meisten Menschen, die man fragt, werden darauf wohl eine ebenso unterschiedliche Antwort geben wie die Persönlichkeit jedes einzelnen ganz individuell ist.
Und wodurch bestimmt sich ein Geschlecht? Auf diese Frage hingegen wird man von einem großen Teil der Befragten sehr ähnliche oder dieselbe Antwort erhalten: Geschlecht bestimmt sich durch das äußere „Merkmal“, das eine Person an ihrer Intimzone trägt. Das Geschlecht kann dadurch bestimmt und zugeordnet werden. Aber ist das tatsächlich so?
Vermutlich auch eine Frage, die jeder ganz anders beantworten wird. Meine persönliche lautet ganz klar: Nein, ist es nicht.
Seit langer Zeit beschäftige ich mich nun schon mit dem Zusammenhang von Geschlecht und Identität, den körperlichen wie inneren Aspekten, die ein Geschlecht ausmachen und bin dabei zu der Überzeugung gelangt, dass Geschlecht und Identität untrennbar miteinander verknüpft sind – jedenfalls im Großteil der Fälle, wobei es selbstverständlich Ausnahmen gibt.
Ich sehe das Geschlecht einer Person als etwas völlig Individuelles an, als etwas Tiefes, Innerliches, das nur von der betreffenden Person selbst korrekt eingeordnet und erkannt werden kann. Nur der Mensch, der in Körper und Seele steckt, kann eindeutig wissen, wie er zuzuordnen ist, was seine Identität und damit auch sein Geschlecht ausmacht.
Ein Außenstehender, sprich jemand, der diesen Körper und diese Identität nicht hat, kann daher meiner Meinung nach auch nicht wissen, wie eine andere Person zuzuordnen ist, solange diese selbst keine Auskunft darüber erteilt – etwa dadurch, dass sie sich mit ihrem Namen, einer Anrede und Pronomen oder ihrer entsprechenden Geschlechtsbezeichnung vorstellt.
Äußerliche Hinweise darauf, wie jemand einzuordnen ist, halte ich zwar durchaus für existent, jedoch handelt es sich dabei wieder nur um bloße Annahmen, aus denen ein Außenstehender lediglich Vermutungen ziehen kann, durch die sich aber keine einhundertprozentige Zuordnung, beziehungsweise Bestimmung machen lässt.
Dies gilt sowohl im Alltag, als auch in anderen Situationen, in denen eine solche Kategorisierung erforderlich ist, beispielsweise unmittelbar nach der Geburt.
Im Allgemeinen wird hier so verfahren, dass durch einen Blick auf die Genitalien des Neugeborenen das Geschlecht festgelegt und eingetragen wird. Aber kann dieser Blick wirklich richtig sein? Kann er eindeutige, völlig zweifelsfreie Auskunft darüber geben, was die Person ist und welches Geschlecht sie hat? Meine Antwort: Nein, das kann sie nicht. Jedenfalls nicht mit absoluter Garantie.
Das Geschlecht, als welches die Person gelesen wird, kann sehr wohl stimmen – aber kann genauso gut falsch sein, da es sich um eine reine Annahme handelt. Unter „gelesen werden“ versteht man die Zuschreibung eines Geschlechts über äußere, scheinbare Anzeichen, wie beispielsweise einen Bartwuchs beim Mann oder die Entwicklung der Brust bei einer Frau.
„Gelesen werden“ heißt, dass ein Außenstehender die Person mit einem bestimmten Geschlecht in Verbindung bringt, welches er von körperlichen oder optischen Anzeichen, vom Verhalten, der Bewegung oder des Ausdrucks ebendieser ableitet. Das bedeutet aber nicht, dass das „gelesene“ dem tatsächlichen Geschlecht einer Person entspricht. Die Annahme, beziehungsweise Einschätzung eines anderen Menschen mittels äußerer Anzeichen kann daher unvollständig oder falsch sein.
Die Praxis des „Gelesen-Werdens“ findet leider in so gut wie allen Lebensbereichen Anwendung. Ein Mensch ist also gezwungen, sich ebendiesen „Anzeichen“ entsprechend zu verhalten. Geschieht dies nicht, kommt es meist zu Irritationen, Unverständnis, sowie Ablehnung oder Ausgrenzung, die oft auch in Gewalt gegen diese Personen enden kann.

Betrachten wir uns nun den Aspekt des „biologischen“ Geschlechts etwas genauer: Geht man also davon aus, dass ein Geschlecht rein biologischer Natur ist und davon abhängt – wie ist es dann möglich, dass es überall auf der Welt Abweichungen davon gibt? Wie ist es möglich, dass Menschen ihr Geschlecht haargenau definieren und sich zuordnen können, obwohl die Biologie etwas ganz anderes sagt? Wie ist es möglich, dass eine Person von ihrem zugewiesenen Geschlecht abweicht oder sich ganz anders einordnet, wenn biologisch doch alles eindeutig ist?
Eine Identitätsstörung, wie es von der Psychologie gern formuliert wird? Einbildung? Falsche Erziehung?
Mitnichten! Der simple Grund für dieses „Phänomen“, wie es bezeichnet wird, liegt klar auf der Hand: Geschlecht ist nichts Biologisches. Es ist kein äußeres Attribut, nicht körperlich, nicht greifbar.
Es ist eine Frage des innersten Ichs, der Identität und des Bewusstseins darüber, zu welcher Gruppe man gehört. Es ist keine Einbildung, Wahnvorstellung und auch kein Gefühl. Es ist Wissen. Das Wissen darüber, wer man ist, wie man ist und was man ist.
Und dieses Wissen, davon gehe ich jeglicher Zweifel und Kritiken zum Trotz aus, ist angeboren. So betrachtet stimmt es also durchaus, dass jeder Mensch mit einem eindeutigen Geschlecht zur Welt kommt. Allerdings sitzt dieses Geschlecht nicht zwischen den Beinen, sondern tief in den Hirnstrukturen und im inneren Wesen der Person.
Und dieses innere Wesen ist unmittelbar nach der Geburt nicht sichtbar. Es entfaltet sich erst im Laufe des Lebens, so wie auch andere menschliche Fähigkeiten, zum Beispiel das Laufen oder Essen. Aber da ist dieses Wissen von Anbeginn des Lebens, ich würde sogar sagen, vom Moment der Zeugung an.
Wann dieses Wissen sich entfaltet oder nach außen tritt, ist ebenfalls von Person zu Person unterschiedlich. Bei manchen dringt es schon sehr früh durch, bereits im Alter von zwei oder drei Jahren – bei anderen erst mit fortgeschrittenem Alter oder in bestimmten, lebensverändernden Situationen, zum Beispiel in der Pubertät.
Ebenso gibt es auch manche, die sich – bewusst oder unbewusst – gegen dieses Wissen wehren und versuchen, der „Rolle“, die ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde, gerecht zu werden.
Wann immer man es auch entdeckt – da ist dieses Wissen von Anfang an. Geschlecht ist also sehr wohl angeboren. Aber es steckt innen – und nicht außen.

Während der letzten Zeit, genauer gesagt, im Laufe des vergangenen Jahres, habe ich mich sehr intensiv mit dem Thema „Geschlecht und Identität“ auseinandergesetzt, sowie viele interessante Bekannt- und auch Freundschaften geschlossen.
Ganz besonders fasziniert und berührt haben mich dabei die Lebensgeschichten einiger trans* und nichtbinärer Menschen, die sich jenseits der zweigeschlechtigen, gesellschaftlichen Norm sehen und ihre Identitäten auf unterschiedliche Arten und Weisen zum Ausdruck bringen. Menschen, die jenseits jeder Klassifizierung leben, weil sie sich darin nicht oder nur unzureichend beschrieben sehen.
In der breiten Masse der Gesellschaft sind diese Zuordnungen und Begriffe weitestgehend unbekannt oder werden nicht ernst genommen, weil das Denken der meisten Menschen immer noch auf biologische Aspekte begrenzt ist und es weder eine rechtliche Absicherung gibt, noch entsprechende Aufklärungsarbeit geleistet wird.
Die rechtliche Klassifikation von Geschlecht sieht nur zwei Möglichkeiten vor und macht diese von biologischen Faktoren oder Fremdzuschreibungen abhängig, was es Menschen nichtbinären oder vom zugewiesenen abweichenden Geschlechts immens schwierig bis nahezu unmöglich macht, sich rechtlich abzusichern und das ihnen vom Rechtsstaat eigentlich versprochene Recht auf „freie Entfaltung der Persönlichkeit“ einzufordern.
Der Zwang, sich der binären Norm zu unterwerfen, herrscht nahezu überall – angefangen bei bürokratischen Angelegenheiten wie Ausweise oder Bankkonten, bis hin zu ganz persönlichen, individuellen Dingen wie etwa der Nutzung von öffentlichen Umkleiden oder Toiletten.
Menschen, die sich weder dem weiblichen, noch dem männlichen Geschlecht zuordnen, stoßen hier an Hürden und Grenzen, weil sie sich nicht vertreten sehen und in die Zwangsentscheidung geraten, sich einem dieser Geschlechter unterzuordnen – wenn auch nur kurzzeitig.
Für mich beginnt bereits zu diesem Zeitpunkt eine Diskriminierung und ein erneutes Aufzwingen von etwas, zu dem man nicht gehört. Die freie Entfaltung ist somit also nicht mehr gewährleistet und der Staat hat dafür Sorge zu tragen, dies zu ändern.
Nun, hätte um genau zu sein, denn eine wirklich klare Entscheidung oder eine Abhilfe schaffende Maßnahme, die alle Personen berücksichtigt, ist nach wie vor nicht erfolgt.
Die Geschlechtertrennung bewegt sich immer noch im binären Rahmen und schließt somit alle diesem nicht zugehörigen Personen gänzlich aus.
Um dem endgültig Abhilfe zu schaffen, gibt es meines Erachtens nur zwei sinnvolle Wege: Entweder man trennt alle Geschlechter separat – oder gar keine mehr.
Letzterer wäre meiner Ansicht nach der wohl beste Weg, um jeglicher Diskriminierung vorzubeugen, sofern man es auf alle Lebensbereiche überträgt, in denen das Geschlecht einer Person genannt werden muss – also auch in Papieren und Schriften, die Angaben zum Geschlecht beinhalten.
Der Mensch als solches steht dann im Fokus, seine wirkliche Identität und Persönlichkeit – und nicht die, als welche er gelesen wird oder wurde.
Als Alternative dazu gäbe es die Möglichkeit, wirklich alle Geschlechter voneinander zu separieren – egal wie groß oder klein die Anzahl der Zugehörigen von ebendiesem ist.
Die grundsätzliche Individualität des Menschen muss im Mittelpunkt stehen, nicht die Zugehörigkeitszahlen einzelner Geschlechter. Selbst wenn von einem bestimmten Geschlecht nur eine einzelne Person existiert, sollte und muss dies berücksichtigt werden.
Da diese wirkliche Trennung jedoch in der Umsetzung schwer zu handhaben ist, besonders, was öffentliche Räume angeht, sehe ich in Möglichkeit zwei, keine Trennung mehr zu machen, die bessere Alternative.
Bei auf Papier festgehaltenem Geschlecht sehe ich den Fall allerdings anders, da hier sehr wohl eine breitere, beziehungsweise allumfassende Klassifikation realisiert werden könnte. Personalien und Dokumente anzupassen, erachte ich als absolut unvermeidbare Maßnahme zur Gleichberechtigung aller Geschlechter.
Für binäre, transidente Menschen wurde diese Angleichung des Geschlechtereintrags bereits realisiert: Im Transsexuellengesetz (TSG) von 1980. Für nichtbinäre Menschen hingegen ist dieses Gesetz nicht anwendbar.
Darüber hinaus erfordert die Durchsetzung einer solchen Angleichung die Begutachtung und Einschätzung zweier Sachverständiger, die weitestgehend mit der Thematik vertraut sind, dass es sich um Transidentität/Transsexualität handelt. Das Recht auf Selbstbestimmung wird Betroffenen also auch hier verweigert.
Ebenso verhält es sich im medizinischen Bereich entsprechender, geschlechtsangleichender Maßnahmen.
Derartige Regelungen bedürfen also einer dringenden Überarbeitung und Optimierung, die binäre und nichtbinäre Geschlechter gleichermaßen anerkennt und behandelt.

Im Folgenden gehe ich auf den Zusammenhang von Geschlecht und Identität im Bezug auf Trans*-Personen, sowie auf weit verbreitete Fehlinterpretationen, Vorurteile, Missverständnisse, falsch definierte Begriffe, sowie den ebenso oft falsch hergestellten Zusammenhang von geschlechtlicher und sexueller Identität ein:

Vorurteil eins: Trans* ist ein ein Identitätsbegriff / ein Geschlecht
Nicht immer. Trans* kann sehr wohl als Bezeichnung für das Geschlecht fungieren, aber auch als Übergangsbegriff oder als Bezug auf das bei der Geburt falsch zugeordnete oder eingetragene Geschlecht dienen. Inwieweit, wie lange und ob eine Person sich als trans* versteht, hängt individuell von jedem selbst ab.
Das Antonym zu trans* lautet im Übrigen cis. Damit werden Personen bezeichnet, deren tatsächliches Geschlecht das Geschlecht ist, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, beziehungsweise welches bei der Geburt vermutet wurde.

Vorurteil zwei: Geschlechtsidentität und sexuelle Identität ist das Gleiche
Grundsätzlich falsch! Geschlechtsidentität bezeichnet das Geschlecht, beziehungsweise die Identität einer Person, während die sexuelle Identität aussagt, welches Geschlecht man romantisch oder sexuell begehrt. Im Einzelfall können beide verknüpft oder voneinander abhängig sein, im Regelfall ist es allerdings nicht so.

Vorurteil drei: Trans*-Personen sind alle homosexuell
Absolutes Nein! Trans* sagt nichts über die sexuelle Orientierung einer Person aus. Trans*-Personen können heterosexuell, homosexuell, bisexuell, polysexuell, pansexuell, sowie alle weiteren Orientierungen sein, die es gibt. Eine Person mit vom (fremd-)zugewiesenen abweichenden Geschlecht kann genauso gut wie jeder andere jede sexuelle Orientierung haben – dies schließt natürlich auch nichtbinäre Personen mit ein.
Wie bereits oben gesagt: Geschlechtliche und sexuelle Identität hängen im Regelfall nicht zusammen.

Vorurteil vier: Alle Trans*-Personen wollen eine OP
Wieder so ein weit verbreiteter Irrtum. Nicht alle Menschen, die trans* sind, streben operative Maßnahmen an. Diese sind für Menschen gedacht, die durch ihren Körper und dessen Erscheinungsbild einen immensen Leidensdruck haben, um sich davon befreien zu können. Andere hingegen sind mit ihrem Körper so zufrieden wie er ist, haben ein offenes Verhältnis dazu und auch zu ihrer Sexualität.
Ob eine Person operative Angleichungen wünscht oder nicht, hat keinerlei Einfluss auf ihr Geschlecht, da dieses sich dadurch nicht ändert.
Darüber hinaus stehen für manche Trans*-Personen andere Maßnahmen im Fokus, zum Beispiel eine Hormontherapie oder die rechtliche Anpassung ihres Namens und Geschlechtereintrags.

Vorurteil fünf: Trans*-Personen können keinen Geschlechtsverkehr haben
Hierbei handelt es sich um das vermutlich dümmste und oberflächlichste Vorurteil von allen. Warum bitte sollten Trans*-Personen keinen Sex haben und ihre Lust erleben und entfalten können? Es sind auch nur Menschen, die dieselben sexuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten haben wie alle anderen auch.
Dies gilt sowohl für Personen mit als auch für Personen ohne Genitalangleichung. Menschliche Sexualität ist vielseitig und vor allem vielfältig. Die Möglichkeiten sind endlos. Man muss nur die Bereitschaft haben, sie zu entdecken.

Vorurteil sechs: Trans*-Personen können keine Familie haben oder gründen
Das ist Platz zwei auf der Liste der dümmsten Vorurteile aller Zeiten. Wie oben gesagt, sind Trans*-Personen ebenso nichts anderes als Menschen. Und als solche können sie genauso eine Familie gründen wie alle anderen, zumal es dafür mittlerweile vielseitige Wege und Möglichkeiten gibt.
Es gibt zudem auch genügend Trans*-Personen, die ihre natürliche Zeugungsfähigkeit nicht aufgeben möchten, wodurch sich nochmals weitere Möglichkeiten erschließen.
Ein Beispiel hierzu: Ein Transmann und eine Transfrau, die beide ihre natürliche Zeugungsfähigkeit beibehalten und keinerlei operative Genitalangleichung vorgenommen haben, können jederzeit auf völlig gängige Art und Weise ein Kind zusammen zeugen.
Der einzige Unterschied zu Cis-Paaren besteht hier darin, dass nicht die Frau, sondern der Mann der Austräger des Kindes sein wird.
Schwangere Männer gibt's nicht? Mach die Augen auf, Welt. Das gibt es wohl. Sogar viel öfter als man meinen mag.

Vorurteil sieben: Transsexualität / Transidentität ist anerzogen
Oh nein, das ist sie garantiert nicht. Wie bereits gesagt wird jeder in dem Geschlecht geboren, das er ist – also lange bevor die eigentliche Erziehung beginnt. Geschlecht ist etwas Angeborenes, nichts, was man durch Erziehung beeinflussen, ändern oder gar in eine bestimmte Richtung lenken kann.
Pech gehabt, ihr Theoretiker. Diese Annahme könnt ihr streichen. Und zwar ratzfatz.

Vorurteil acht: Transgender / Transident ist dasselbe wie Transvestit und Travestie
Wenn man mal logisch überlegt, sollte man eigentlich von selbst darauf kommen, warum diese Behauptung Nonsens ist: Wenn alles dasselbe wäre, bräuchte man keine unterschiedlichen Begrifflichkeiten, sondern könnte alles in einem zusammenfassen.
Trans*, Transvestitismus und Travestie sind drei völlig verschiedene Paar Schuhe. Und man sollte genau aufpassen, welches Paar man jemandem anzieht.
Nur, weil es ähnlich klingt, ist es noch lange nicht das Gleiche.

Formulierung eins: „Geschlechtsumwandlung“
Dieser Begriff ist eine Diskriminierung in sich, sowie darüber hinaus auch vollkommen unmöglich. Ein Geschlecht wandelt man nicht um – das kann man gar nicht, weil es vom Moment der Geburt an festgelegt ist und sich nicht verändern lässt.
Der passende, korrekte Ausdruck lautet Geschlechtsangleichung – für all jene Menschen, die ihre Körperlichkeiten der entsprechenden Geschlechtsnorm, die ihrer Identität entspricht, angleichen wollen. Eine Veränderung des Geschlechts findet hierbei nicht statt, sondern lediglich eine (körperliche) Anpassung an das, was man ohnehin schon ist. Darüber hinaus streben wie erwähnt nicht alle Trans*-Personen so eine Maßnahme an, da sie mit ihrem Körper auch so zufrieden sind. Und auch das wiederum hat keinerlei Auswirkungen auf ihr Geschlecht oder ihre Identität.
Frau ist Frau und Mann ist Mann – ob nun mit Penis/Vagina oder ohne.

Formulierung zwei: „Sie war früher ein Mann / Er war früher eine Frau“
Eine absolut oberflächliche Aussage, die oft von Unwissenden getroffen wird und in keiner Weise der Wahrheit entspricht. Ebenso wenig, wie eine Frau jemals ein Mann war, war ein Mann je eine Frau. Das Geschlecht ist von Geburt an sicher und ändert sich nicht, beziehungsweise lässt sich nicht ändern, völlig unabhängig von Körper und Äußerlichkeiten.

Formulierung drei: „Sie wurde als Mann geboren / Er wurde als Frau geboren“
Auch diese Aussage ist grundlegend falsch. Man kann als Mann oder Frau geboren werden, das ist richtig, allerdings Frauen als Frauen und Männer als Männer. Was man ist, bleibt man ein Leben lang und wird auch so geboren – und zwar gänzlich unabhängig von irgendwelchen Körperlichkeiten. Die Identität entscheidet – nicht das Äußere (Stichwort Hirngeschlecht).

Formulierung vier: „Er fühlt sich als Frau / Sie fühlt sich als Mann“
Eine ebenso falsche wie sinnlose Argumentation. Ein Geschlecht ist nichts, was man fühlt, sondern das, was man ist (Stichwort Geschlechtswissen).

Formulierung fünf: „Er will eine Frau sein / Sie will ein Mann sein“
Hier ist dasselbe noch einmal in Grün. Ein Geschlecht will man nicht sein, das ist man – und zwar von Anfang an. Ganz gleich, ob binäres oder nichtbinäres Geschlecht. Körperlichkeiten ändern daran überhaupt nichts.

Formulierung sechs: „Mit männlichem / weiblichem Vornamen geboren“
Keine Person wird mit einem Vornamen geboren. Daher ist diese Annahme ebenfalls gänzlich falsch.

Formulierung sieben: „Früherer / richtiger Vorname“
Abermals ein Irrtum. Es gibt niemanden, der einen „falschen“ Vornamen hat (als Antonym zu „richtiger Vorname“). Ein Transmann, beziehungsweise Mann mit Trans*-Hintergrund, der Darius heißt, hieß immer schon so. Das ist sein richtiger Vorname – sonst keiner. Ebenso eine Transfrau, beziehungsweise Frau mit Trans*-Hintergrund, die Sibylle heißt. Sie hieß immer schon Sibylle. Das ist ihr richtiger Vorname, kein anderer. Denn es handelt sich weder um einen Künstlernamen, noch um ein sonstiges Pseudonym, sondern um den offiziellen, korrekten Namen der Person.

Zum Abschluss möchte ich noch einmal den genauen Zusammenhang von Geschlecht und Identität erläutern:
Reflektiert man also, dass Geschlecht angeboren ist und von der Identität einer Person bestimmt wird, nicht von ihren Körperlichkeiten, so kommt man zu dem Schluss, dass beides voneinander abhängt und ineinander übergeht.
Ohne das eine wäre das andere nicht möglich – so jedenfalls meine bescheidene Meinung dazu. Geschlecht ist Identität und Identität ist Geschlecht – ganz eng und untrennbar miteinander verknüpft. Selbstverständlich mit einigen Ausnahmen.
Aber wie sagt man so schön? Ausnahmen bestätigen die Regel. Das gilt wohl auch in diesem Fall.
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